Santa Narcisa de Jesus

29. Mârz 2023

Heilige Narcisa de Jésus

Liebe, verehrte Freunde,

„Ausdruck und beste Frucht der christlichen Identität Amerikas sind seine Heiligen. In ihnen ist die Begegnung mit dem lebendigen Christus so tief und anspruchsvoll, dass sie zum Feuer wird, welches sie gänzlich aufzehrt und sie drängt, sein Reich zu errichten“, schrieb der hl. Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Ecclesia in America (22. Januar 1999, Nr.. 15). Dieses Feuer brannte im Herzen der hl. Narcisa de Jesús, der Niña Narcisa (des Mädchens Narcisa) aus Ecuador..

Heilige Narcisa de JésusNarcisa de Jesús Martillo Morán wurde 1832 auf der Nobol-Farm im Dorf San José als das sechste von neun Geschwistern geboren; der Ort lag an der ecuadorianischen Küste in der Region Daule und gehörte zur Erzdiözese von Guayaquil. Narcisas Eltern, Pedro und Josefa, bewirtschafteten ihr eigenes Land; obwohl beide Analphabeten waren, hatten sie einen wachen Verstand und waren dank ihrer fleißigen Arbeit recht wohlhabend. Narcisa de Jesús erwarb die ersten Grundkenntnisse des Katechismus mit großer Leichtigkeit. Sie zeichnete sich durch eine tiefe Liebe zu Gott, den sie in der Natur erkannte, und zur seligen Jungfrau Maria aus.. Als sie 6 Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie lernte mit Hilfe eines Wanderlehrers und einer ihrer älteren Schwestern lesen, schreiben, kochen und nähen. Sie war musikalisch begabt und spielte Gitarre. In der bäuerlichen, patiarchalischen Familie lernte man zusammen arbeiten und beten: Das gemeinsame Abendgebet wurde nie versäumt.

Gute und erfahrene Priester

Am 16. September 1839 wurde Narcisa de Jesús gefirmt. „Beim Empfang des Sakraments der Firmung, fühlte sie in ihrem Herzen, dass sie zu einem heilig-mäßigen Leben und zur Hingabe an Gott berufen war. Um dem Wirken des Heiligen Geistes in ihrer Seele fügsam zu folgen, suchte sie immer den Rat und den Beistand guter und erfahrener Priester, da sie die geistliche Führung für ein äußerst wirkungsvolles Mittel hielt, zur Heiligkeit zu gelangen“ (Benedikt XVI., Heiligsprechungspredigt, 12.. Oktober 2008). Narcisa sonnte sich nicht selbstgefällig in ihrer künstlerischen Begabung, sondern versuchte, anderen zu helfen.. Am liebsten sang sie religiöse Lieder mit Gitarrenbegleitung, insbesondere die vertonten Gedichte der hl.Teresa von Avila sowie die Ave Maria des Rosenkranzes. Morgens stand sie als Erste auf und widmete sich dem Gebet. Sie bemühte sich, stets in der Gegenwart Gottes zu bleiben, ohne deshalb Menschen gegenüber abweisend zu sein.

„Sooft es dir tagsüber möglich ist, rufe deinen Geist in die Gegenwart Gottes zurück“, rät der hl. Franz von Sales. „Denke an das, was Gott tut und womit du dich beschäftigst. Du wirst sein Auge auf dir ruhen sehen, das mit unbeschreiblicher Liebe ständig auf dich gerichtet ist“ (Philothea, II,12). In seiner Regel schreibt der hl. Benedikt: „Der Mensch sei überzeugt: Gott schaut vom Himmel her jederzeit und immer auf ihn herab, das Auge Gottes sieht stets und überall sein Tun. Der Herr blickt vom Himmel herab und immer auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht“ (Kap. 7, Die 1. Stufe der Demut).

Narcisa de Jesús wurden schon sehr früh mystische Gnaden, aber auch viel Leid zuteil. Tagsüber ließen ihr ihre Pflichten nur selten kostbare kurze Augenblicke frei, in denen sie sich ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Gebet, widmen konnte. Sie mied festliche oder gesellige Zusammenkünfte, insbesondere Bälle und Tanzveranstaltungen, was bei ihrem Geschwistern und Verwandten auf Unverständnis stieß. Gleichwohl half sie der Familie bei der Vorbereitung von Festivitäten; sobald aber die ersten Gäste eintrafen, zog sie sich diskret zurück.. Sie setzte sich lieber unter einen – seither zur Pilgerstätte gewordenen – Obstbaum und betete.

Die Teilnahme an Festen ist sicherlich normal und kann sogar tugendhaft werden, wenn sie Gott bzw. unserem Nächsten zuliebe erfolgt. Narcisas Verhalten war allerdings auf eine besondere Eingebung des Heiligen Geistes zurückzuführen. Gott führt ja manche Seelen absichtlich in die Einsamkeit, wie der Prophet Hosea sagt: Ich will sie in die Wüste führen und ihr zu Herzen reden (2,16). Wenn Narcisa in Gebet vertieft war, verlor sie jedes Zeitgefühl und ließ sich durch nichts ablenken. Als einmal ein schwerer Sturm tobte, schickte Don Pedro, ihr Vater, Männer aus, um sie zu suchen. Sie kamen ganz durchnässt, aber unverrichteter Dinge zurück. Narcisa kehrte ihrerseits später mit völlig trockenen Kleidern heim.

Am Erlösungsopfer beteiligt

Narcisa de Jesús fühlte sich von Gott dazu berufen, für die unbußfertige Welt Buße zu tun. Versuchte man, sie zu überreden, dass sie ihre zahlreichen Bußübungen abmildert, erwiderte sie: „Ich bin zum Leiden auf die Welt gekommen“, d..h. um Gott meine Liebe zu beweisen, indem ich die Leiden Christi teile.

„Jesus hat sein Leben freiwillig als Sühnopfer hingegeben, d.h. er hat unsere Sünden durch den vollkommenen Gehorsam seiner Liebe bis zum Tod wiedergutgemacht“, lehrt das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche.. „Diese Liebe des Sohnes Gottes bis zur Vollendung (Joh 13, 1) versöhnt die ganze Menschheit mit dem Vater. Indem Jesus seine Jünger aufruft, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen, will er diejenigen, denen sein Erlösungsopfer zuerst zugute kommt, mit diesem Opfer vereinigen“ (Nrn. 122 und 123).

Nach dem Vorbild von Mariana de Jésus de Paredes (einer 1950 heiliggesprochenen ecuadorianische Eremitin – 1618-1645) fühlte sich auch Narcisa de Jesús zur Teilnahme am Erlösungswerk Jesu für sich selbst sowie für das Heil aller als Opfer berufen. Gleichwohl machte das Büßerleben das schöne, große, starke und flinke junge Mädchen mit den blauen Augen nicht traurig, sondern freundlich und glücklich; sie zeigte sich gütig, folgsam, großzügig und mitfühlend mit den Armen. Sie lebte wie alle anderen jungen Frauen vom Lande; neben der Erfüllung ihrer Haushaltspflichten arbeitete sie auch als Schneiderin. Ihre Herzensgüte machte sie überall beliebt. Brauchte jemand Hilfe, war sie stets zur Stelle. Als hervorragende Katechetin gab sie das Feuer der Gottesliebe an alle weiter. Besonders inspirierte sie ein wundertätiges Bild aus ihrer Heimat mit einer Darstellung Christi am Kreuz, das sogenannte „Herr der Wunder“, das Quelle vieler Gnaden war. Nach dem Tod ihres Vaters forderte der Herr sie im Alter von 20 Jahren auf, nach Guayaquil umzuziehen. Für Narcisa war es sehr schmerzlich, das familiäre Umfeld zu verlassen und ins Unbekannte aufzubrechen.

Silvana Gellibert, eine kultivierte und wohlhabende Frau, die in Guayaquil in der Nähe der Kathedrale wohnte, besaß auch ein Landgut in der Nachbarschaft der Familie Martillo. Sie war mit Narcisa de Jesús in tiefer geistlicher Freundschaft verbunden und nahm diese in die 55 km entfernte Großstadt mit. Guayaquil war als wichtigster Hafen Ecuadors 1838 zum Bistum erhoben worden, doch der Bischofssitz war seit mehreren Monaten vakant. Bei ihrer Ankunft in der quirligen Großstadt fühlte sich Narcisa de Jesús zunächst verloren, passte sich jedoch bald den Gegebenheiten an. Sie wurde in einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden untergebracht und schlief in einer Hängematte. Nun konnte sie täglich zur heiligen Messe gehen und öfter die Sakramente empfangen. Das junge Mädchen kannte Kanonikus Luis de Tola, den Rektor des Diözesanseminars und künftigen Bischof, bereits von seinen Besuchen in ihrer Heimat her. Er wurde ihr erster geistlicher Betreuer. Zuallererst versuchte der Geistliche die Ängste der jungen Frau zu zerstreuen, da er in ihrem spirituellen Werdegang den Heiligen Geist am Werke sah. Bald band er in ihre Betreuung auch Kanonikus Tomás de Aguirre ein, der später ebenfalls Bischof der Hafenstadt werden sollte. Narcisa de Jesús betete jeden Tag privat das kleine Stundengebet der seligen Jungfrau Maria und schloss sich daneben zum Teil auch dem von den Kanonikern der Kathedrale zelebrierten großen Stundengebet an. Abends betete sie zusammen mit der Familie Gellibert den Rosenkranz, bevor sie sich diskret in ihr Dachzimmer zurückzog.

Pariser Haute Couture

Narcisa arbeitete weiterhin als Schneiderin.. Damals gab es in Guayaquil noch keine Nähmaschine, und die Herstellung von Kleidungsstücken war mit viel Arbeit verbunden. Die erste Kundin Narcisas war ihre Gastgeberin, Doña Silvana; doch ihr Ruf als gute Schneiderin verbreitete sich schnell, und sie hatte viele Bestellungen; einige der von ihr hergestellten Kleidungsstücke waren sogar von der berühmten Pariser Haute Couture inspiriert. Neben der Näharbeit steigerte sie, soweit ihr Beichtvater es erlaubte, auch die Anzahl ihrer Bußübungen, um sich Christus in seiner Passion anzunähern. Da sie sich nebenbei mit viel Zartgefühl und Liebe der Krankenpflege widmete, war sie bald sowohl im Haus ihrer Gastgeberin als auch im ganzen Viertel überaus beliebt.

Diese Beliebtheit widersprach allerdings ihrem Wunsch, unbemerkt zu bleiben, und so suchte sie sich eine andere Unterkunft, obwohl Doña Silvana sie nur ungern gehen ließ. Narcisa fand eine Anstellung im großbürgerlichen Haus von Oberst Camilo Landin. Man bot ihr ein schönes Zimmer im ersten Stock an, doch sie lehnte es ab und zog lieber in eine Abstellkammer unter dem Dach. Sie stellte sowohl schlichte Kleidungsstücke für die Dienstboten als auch schöne Galakleider für die Hausherrin, Doña Carmen, her. Narcisas Tag war durch die Glockenschläge der gegenüberliegenden Franziskanerkirche gegliedert. Sie besuchte dort die erste Messe des Tages – unter der Woche um 5 Uhr, sonntags um 4 Uhr. Nach dem Vorbild der hl. Mariana de Jésus besorgte sie sich ein großes, mit Nägeln bestecktes Kreuz. Sie steckte ihre Arme in Ringe, die auf dem Querbalken befestigt waren, und betete so, um es Christus gleichzutun.. „Ihre leidenschaftliche Liebe zu Jesus, die sie zu intensivem Gebet und extremen Bußübungen und zu einer immer stärkeren Identifizierung mit dem Geheimnis des Kreuzes führte, bietet uns ein faszinierendes Zeugnis eines beispielhaften Lebens, das völlig Gott und den Mitmenschen gewidmet war“ (Benedikt XVI., Heiligsprechungspredigt).

Moralische Autorität

Bald war Narcisa de Jesús aufgrund ihres heiligen Lebens überall angesehen und beliebt. Sie besaß trotz aller Demut sogar eine gewisse moralische Autorität gegenüber Doña Carmen: So wurde sie von den Dienstboten, die bei einer Fehlleistung ertappt wurden, oft um ihren Beistand gebeten, um nachsichtig behandelt zu werden. Nach anderthalb Jahren und nach intensiver Beratung mit ihrem Beichtvater kam sie zu dem Schluss, dass sie wieder umziehen sollte. Sie fand ein unbequemes und feuchtes Zimmer im Haus der Witwe María Orias. In dieser Zeit fielen wohl die ersten offenen Angriffe des Teufels gegen sie. 1859 unternahm Kanonikus Tola aus Gesundheitsgründen eine lange Reise nach Lima in Peru. Vor seiner Abreise vertraute er sie einem jungen Priester namens José Millán an, der sie auf ihrem spirituellen Weg bestärkte. Don José machte sie mit Mercedes Molina, einer jungen Dame vornehmer Herkunft bekannt, die allem entsagt hatte, um nur noch für Jesus zu leben (sie gründete später einen religiösen Orden und wurde 1985 vom hl. Johannes Paul II. seliggesprochen).

Im selben Jahr wurde Narcisa de Jesús angefragt, ob sie den Haushalt von Kanonikus Pedro Pinto führen wolle. Nachdem sie ihren Beichtvater um Rat gefragt hatte, sagte sie zu. Doch die ehrenvolle und bedeutsame Stellung verunsicherte sie so sehr, dass sie nach ein paar Wochen kündigte. Sie zog zur Familie von Mercedes Molina, wo sie einen Unterschlupf unter der Treppe fand. In Mercedes, einer von deren Schwestern sowie einer weiteren jungen Frau fand sie dort Gleichgesinnte, mit denen sie ein klosterähnliches Leben führen konnte; man nannte sie die vier „Seligen oder Beaten“. In dem Haus lebte auch Josefa, eine Nichte Narcisas, die mit ihr zusammen als Schneiderin arbeitete. Josefa bezeugte später mehrere mystische Gaben, die ihrer Tante zuteil geworden waren, unter anderen die Gabe der Prophetie.

1862 landete eine Gruppe von Jesuitenpatres in Guayaquil; sie ließen sich in der Nähe des Hauses der Beaten nieder. Einer von ihnen, Pater Segura, wurde bald der Beichtvater von Narcisa de Jesús; er machte sie durch das Buch „Die Praxis der christlichen Tugend“ von P. Alfonso Rodriguez mit der Spiritualität des hl. Ignatius vertraut. Von da an unterschrieb sie nicht mit „Narcisa Martillo“ , sondern mit „Narcisa de Jesús“, um deutlich zu machen, dass sie die Braut Christi war. 1865 gründete ein anderer Jesuitenpater namens García eine Vereinigung der Töchter Mariens, der Narcisa de Jesús sogleich glückselig beitrat. Im Jahr darauf begleitete sie Don Millán nach Cuenca (im Südosten der Hauptstadt), wohin er sich wegen seiner Lungentuberkulose zurückziehen musste. Sie pflegte ihn aufopferungsvoll, doch die Krankheit raffte ihn schon nach weniger als einem Jahr dahin; Narcisa stand auf einmal allein in einer fremden Umgebung da. Der Bischof von Cuenca, Msgr. Estévez, lud sie ein, in der Stadt zu bleiben, da er sie als erstes Mitglied eines von ihm geplanten Karmeliterinnenklosters strenger Observanz gewinnen wollte. Sie lehnte das Angebot jedoch ab, da sie ihre Berufung vor allem darin sah, unter Wahrung ihres bisherigen Laienstandes in der Welt nach Heiligkeit zu streben. 1867 nach Guayaquil zurückgekehrt, leistete sie zunächst eine Zeitlang Mercedes Molina Hilfe in deren vor Kurzem gegründeten Waisenhaus; danach kehrte sie zu Doña Silvana Gellibert zurück und nahm ihr früheres, mit Gebet, Buße und Arbeit ausgefülltes Leben wieder auf. Dank ihrer Einkünfte konnte sie fünf Bettler mit ernähren und versorgen.

Jeden Tag acht Stunden

1868 wurde Narcisa von einem Franziskanerpater eingeladen, ihm nach Lima in Peru zu folgen und sich dort einer Gruppe von Beaten anzuschließen, die im Geiste des Dritten Ordens der Dominikaner in einem Konvent zusammenlebten, den der Erzbischof von Lima reformieren wollte. Für Narcisa, die dem Konvent beitrat und die gewünschte Reform in Gang setzte, bedeutete das eine weitere Entwurzelung. Sie wurde auf der Krankenstation sowie in der Wäscherei eingesetzt. Seelsorgerisch wurde sie von Don Medina, dem künftigen Bischof von Trujillo, betreut. Er war zwar jünger als sie, verfügte jedoch über eine außergewöhnliche geistliche Reife, dank derer er sie gut verstehen und unterstützen konnte. Wegen der außerordentlichen Gnaden, die sie empfing, befürchtete Narcisa de Jesús, vom Teufel getäuscht worden zu sein. Der Priester beruhigte sie und klärte sie genauer darüber auf, wie man die Geister unterscheidet. Narcisa informierte ihn systematisch über die Gnaden, die ihr zuteil wurden. Mit seiner Zustimmung brachte sie jeden Tag acht Stunden mit Beten zu: vier tagsüber und vier nachts.

Nicht jeder kann so viele Stunden für das Gebet aufbringen; nichtsdestoweniger ist es gut, dem Herrn Zeit zu widmen; der hl.. Charles de Foucauld empfiehlt: „Damit unser Leben ein Leben des Gebetes sei, braucht es zwei Dinge: zunächst, dass wir uns täglich genügend Zeit vorbehalten, die wir einzig und allein dem Gebet widmen; dann, dass wir in der Zeit, in der wir mit anderen Dingen beschäftigt sind, immer mit Gott vereint bleiben, indem wir an Seine Gegenwart denken und zwischendurch immer wieder unser Herz und unseren Blick zu Ihm erheben“ (Geistliche Schriften).

Im Konvent wurde nicht jeden Tag eine Messe gefeiert. Wenn es keine Messe gab, postierte sich Narcisa de Jesús vor der Tür; sobald sie einen Priester vorbeigehen sah, bat sie ihn, ihr die heilige Kommunion zu spenden, ohne die sie nicht leben konnte. Sie legte ihrem Beichtvater gegenüber mehrere private Gelübde ab, darunter die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Einmal nahm Christus sein Herz aus seiner Brust heraus und reichte es ihr zum Küssen: „Das ist eine Gnade, die ich noch nie jemand anderem gewährt habe!“ Ihre Liebe zum Herzen Jesu wurde dadurch nochmals gesteigert. Narcisa konnte bestimmte Ereignisse voraussagen, so die Zukunft des Hauses, in dem sie mit den Beaten wohnte, die Gründung peruanischer Missionsstationen im Dschungel, die Verleihung der Bischofswürde an P. Medina u..a. Sie setzte ihr Leben als Büßerin fort und versetzte die Ärzte in Erstaunen: Sie konnten nicht begreifen, wie sie mit so wenig Essen überlebte.

Die kostbarste Perle

Viele Leute denken, es sei unmöglich, heilig zu werden, da sie bei den Heiligen nur die außergewöhnlichen Gaben im Blick haben: erschreckende Kasteiungen, Visionen, Extasen, Wunder, Prophetien usw.. Doch sie machen nicht das Wesen der Heiligkeit aus. Diese liegt vielmehr darin, in der Liebe und in der faktischen Übung der Tugenden unter der Anleitung des Heiligen Geistes zu leben. Der hl.. Paulus beschreibt die vom Heiligen Geist ausgelösten Effekte der Heiligkeit so: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Milde, Enthaltsamkeit. Die Christus Jesus zu eigen sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Wenn wir aber leben im Geist, lasst uns auch den Weg des Geistes gehen (Gal 5,22-25).

Eines Tages kündigte der Herr Narcisa de Jesús an, dass sie bald sterben werde. Sie freute sich über die Aussicht, in den Himmel zu kommen. Am 24. September 1869, dem Fest Unserer Lieben Frau der Gnade, erschienen ihr der Herr und Unsere Liebe Frau; sie luden sie ein, eine Gnade zu erbitten. Narcisa bat um die kostbarste Perle (vgl. Mt 13,45): das ewige Heil mehrerer Personen und ihre eigene Aufnahme in den Himmel. Danach bekam sie völlig unerklärlich hohes Fieber. Sie bedankte sich in einem letzten Brief bei ihren Freunden in Guayaquil, insbesondere bei Silvana Gellibert, der sie ihr Bußkreuz vermachte. Zu dem Zeitpunkt wurde auf der ganzen Welt für das von seligen Papst Pius IX. einberufene ökumenische Konzil im Vatikan gebetet, das am 8. Dezember eröffnet werden sollte. An jenem Tag zog Narcisa ein weißes Gewand an und verbrachte den ganzen Tag in tiefer Andacht. Am Abend verabschiedete sie sich von ihren Mitschwestern, da sie bald zu einer weiten Reise aufbrechen werde. Bald danach informierte die Schwester, die die Zellen für die Nacht segnete, die Oberin darüber, dass in der Zelle Schwester Narcisas ein einzigartiges Licht leuchte und ein lieblicher Duft herrsche. Die Oberin lief schnell hin und stellte fest, dass Schwester Narcisa de Jesús im Alter von 37 Jahren verstorben war. Es wird vermutet, dass sie ihr Leben für das ökumenische Konzil dargebracht hat, das das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes definieren sollte.

Auf Narcisas Fürsprache hin wurden sogleich zahlreiche Gnaden gewährt. Drei Tage nach ihrem Tod war ihr Leib immer noch beweglich und wies keinerlei Zeichen von Verwesung auf. Der Botschafter von Ecuador in Lima bat Bischof Medina um einen Bericht für den damaligen Präsidenten von Ecuador, García Moreno (für den später in Quito ein Seligsprechungsverfahren in die Wege geleitet wurde). 1955, hundert Jahre später, wurde der immer noch intakte Leichnam Narcisas nach Guayaquil überführt, wo am 22. August 1998 ein Heiligtum für sie eingeweiht wurde. Am 12. Oktober 2008 sprach Papst Benedikt XVI. Narcisa de Jesús heilig.

„Jesus lädt jeden von uns ein, ihm auf dem Weg des Kreuzes zu folgen wie die Heiligen, damit wir das ewige Leben als Erbe empfangen, das er uns durch seinen Tod geschenkt hat. Ihr Vorbild möge uns ermutigen, ihre Lehre uns Orientierung geben und Trost spenden; ihre Fürsprache stütze uns in den Mühen des Alltags, damit auch wir einst mit ihnen und allen Heiligen am ewigen Gastmahl im Himmlischen Jerusalem teilnehmen dürfen. Diese Gnade erwirke uns vor allem die Jungfrau Maria, die Königin der Heiligen!“ (Benedikt XVI., Heiligsprechungspredigt, 12. Oktober 2008).

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