3. Mai 2023
Heiliger Bernhard von Clairvaux
Liebe, verehrte Freunde,
„Die Teilung ist ungerecht: Ihr wählt den Himmel und lasst mir die Erde!“, rief Nivard, der jüngste Sohn der Familie seinen Brüdern zu, als diese, angeführt vom künftigen hl. Bernhard von Clairvaux, 1112 zur Abtei Cîteaux aufbrachen. Sie hatten ihm zuvor erklärt: „Wir gehen ins Kloster. Eines Tages wirst du sowohl den Titel als auch alle Besitzungen der Familie erben!“ Ein paar Jahre später wurde auch Nivard Mönch und schloss sich seinem Bruder Bernhard an, der eine Lichtgestalt für die Kirche werden sollte. Papst Pius XII… sagte von Bernhard, sein lebendiger, brillanter, flüssiger und nuancierter Schreibstil verbreite „soviel Sanftmut und Milde, dass er den Geist des Lesers anzieht, verzaubert und erhebt. Er erzeugt Frömmigkeit, nährt und stärkt sie. Er spornt den Verstand an, nicht vergängliche und nichtige Güter anzustreben, sondern solche, die wahr, sicher und bleibend sind“ (Enzyklika Doctor mellifluus, 24. Mai 1953, Nr. 7).
Der 1090 auf Schloss Fontaine-les-Dijon in eine adlige burgundische Familie geborene Bernhard war das dritte von sieben Kindern. Sein Vater war Tescelin, der Herr von Fontaine, ein Vasall des Herzogs von Burgund, seine Mutter die selige Aleth de Montbard. Gegen 1100 kam Bernhard auf die Stiftsschule Saint-Vorles in Châtillon-sur-Seine, wo er eine gute Kenntnis der Bibel, der Kirchenväter sowie verschiedener lateinischer Autoren (Horaz, Cicero, Vergil, Seneca u.a.) erwarb.
Eine schwierige Reform
Mit etwa 16 Jahren hatte Bernhard den Tod seiner Mutter zu beklagen. Er führte damals eine weltzugewandte Existenz, vernahm jedoch schon bald den Ruf zum Ordensleben. In seinem 22. Lebensjahr beschloss er, in den jungen, 30 km südlich von Dijon gelegenen Konvent der Abtei von Cîteaux einzutreten. Das Kloster war 1098 vom hl. Robert und einigen Gefährten aus der Abtei von Molesmes gegründet worden – mit dem Ziel, sich auf den Wortlaut Regel des hl… Benedikt zu besinnen und ein rechtes Verhältnis zwischen Armut, manueller Arbeit und Gemeinschaftleben anzustreben. Kurze Zeit danach musste der hl. Robert nach Molesmes zurückkehren; sein Nachfolger, der hl. Alberich, starb bald… Ab Januar 1108 wurde Cîteaux vom dritten Abt, dem hl… Stephan Harding, geleitet, doch es gab keinen einzigen Neuberufenen. Als im Jahr 1112 Bernhard in der Abtei vorstellig wurde, brachte er rund 30 junge Adlige mit sich, darunter drei seiner Brüder.
Ungeachtet seiner adligen Abstammung beteiligte sich Bernhard auch an der körperlichen Arbeit der Mönche, wurde jedoch zuweilen durch seinen Mangel an Erfahrung sowie seine labile Gesundheit gebremst. Daneben widmete er sich intensiv dem Studium der Heiligen Schrift sowie der Kirchenväter. 1114 legte er seine Ordensgelübde ab. Nach seiner Ankunft verzeichnete Cîteaux einen Zustrom von Neuberufenen. Die Abtei konnte bereits 1113 eine Niederlassung in La Ferté und 1114 in Pontigny gründen. 1115 wurde Bernhard von Stephan Harding an der Spitze einer Gruppe von zwölf Mönchen in die Champagne entsandt, wo sie ein neues Kloster namens Clara vallis (helles Tal) – aus dem später „Clairvaux“ wurde – gründen sollten. Bernhard, der vom Bischof von Chalons, Wilhelm von Champeaux, bald zum Priester geweiht wurde, war bis zu seinem Tod Abt dieses Klosters. Ebenfalls aus dem Jahr 1115 stammt die Niederlassung in Morimond.
Die Anfänge von Clairvaux waren nicht einfach: Zum einen war die vom jungen Abt geforderte Disziplin sehr streng, da er ein asketisches Ideal anstrebte, das nicht für alle erreichbar war; er fand erst nach und nach das rechte Maß sowohl seiner eigenen Grenzen als auch der Grenzen seiner Mitbrüder. Zum anderen waren die finanziellen Mittel des Konvents unzureichend. Die Mönche ernährten sich von Schwarzbrot und Eichenblättersuppe. Einmal fragte Bernhard seinen Bruder Gérard, den damaligen Ökonom des Klosters, welchen Betrag der Konvent für seinen Bedarf benötige. „Zwölf Pfund“, lautete die Antwort; doch sie hatten nichts. Auf Aufforderung des Abtes begannen alle Mönche zu beten. Bald danach wurde eine Frau im Kloster vorstellig. „Ich möchte, dass Sie für meinen Mann beten, der im Sterben liegt“, sagte sie. „Hier sind 12 Pfund.“ Als sie nach Hause zurückkehrte, war ihr Mann genesen. Der Abt, der zahlreiche weitere Wunder bewirkte, war bald als Wundertäter bekannt und wurde vielfach um Hilfe gebeten.
Bernhard versammelte seine ganze Familie um sich: Sein Vater Tescelin und zwei weitere Brüder wurden ebenfalls Mönche in Clairvaux. Als eines Tages seine Schwester Ombeline ihn mit einem prachtvollen Gefolge besuchen wollte, weigerte sich Abt Bernhard, sie zu empfangen. Die Zurückweisung führte dazu, dass Ombeline in sich ging, ihr Leben änderte und schließlich Benediktinerin wurde.
1119 nahm Bernhard am ersten Generalkapitel der Zisterzienser teil, das die endgültige Verfassung des Ordens festlegte, indem es die vom hl. Stephan Harding entworfene Carta caritatis verabschiedete. Das Dokument definierte die innere Organisation der Zisterzienser und besiegelte die Einheit zwischen den Abteien. Bernhard gründete in der Folge 72 Klöster in Europa. Bei seinem Tod im Jahre 1153 gab es 160 Abteien, die von Clairvaux ausgegangen waren.
Die zisterziensische Askese
Vom Anfang seiner Amtszeit an verfasste Bernhard Abhandlungen, kleine Schriften und Homilien, die er mit Bibelzitaten bereicherte. Eine besondere Vorliebe hatte er für das Hohelied Salomos sowie die Werke des hl. Augustinus und galt daher für viele als der letzte Kirchenvater. Neben der zisterziensischen Askese hielt Bernhard auch das Vermeiden jeden geistigen Genusses für erstrebenswert. Die Mönche von Cluny hingegen priesen die Schönheit als Ermutigung zum Gebet: Sie verfügten über reiche liturgische Ornamente, schöne Skulpturen und reich verzierte Fenster. Bernhard verteidigte energisch die zisterziensische Reform gegen die Anhänger Clunys: Seiner Meinung nach könnten üppige Dekorationen könnten den Geist der Mönche von der Betrachtung der göttlichen Wirklichkeiten ablenken. Der heilige Petrus Venerabilis, der Abt vo Cluny, verwahrte sich strikt gegen Bernhards Kritik, indem er die Praxis von Cluny rechtfertigte und den Hochmut der neuen Mönche anprangerte. Gleichwohl wurden die beiden Äbte trotz aller Meinungsverschiedenheiten später gute Freunde.
Bernhard und Petrus Venerabilis vertraten gegensätzliche Meinungen, doch unser Herr sagte bereits: Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen (Joh 14,2). Das Evangelium berichtet von einer Frau, die kostbares Salböl auf das Haupt Jesu gegossen und dadurch den Unmut der Jünger erregt habe (Mt 26,7f.). Der hl. Johannes Paul II. kommentierte diese Begebenheit mit der Bemerkung, die Kirche habe sich, wie jene Frau, nie davor gescheut, bei der Verehrung ihres Herrn Pracht zu entfalten; sie habe die Erhabenheit und die Schönheit liturgischer Gegenstände und Gewänder nie als Verschwendung betrachtet (vgl. Kardinal Robert Sarah, Katechismus des geistlichen Lebens, S. 83).
Aus Sorge um die Heiligung des Klerus und der Gläubigen schrieb Bernhard zahlreiche Briefe, vor allem an die Bischöfe, da er sie zu einer Reform der Disziplin bewegen wollte… Er selbst führte vom Beginn seines Noviziats an ein von Buße geprägtes Leben. Seine Kasteiungen gingen so weit, dass sie seine Gesundheit gefährdeten und zu lebenslangen Magenschmerzen führten. Wilhelm von Champeaux konnte ihn zwar nicht zur Mäßigung überreden, doch er konnte erreichen, dass Bernhard für ein Jahr seiner Obhut anvertraut wurde. Er ließ eine bescheidene Behausung außerhalb der Klausur für ihn bauen und verbot ihm, die Weisungen der Regel zum Fasten anzuwenden. Doch nichtsdestoweniger besserte sich Bernhards Gesundheit kaum.
Jesus lesen, Jesus hören
Durch eine Mischung aus Sanftmut, Zartgefühl, Leidenschaft, Schwung und Sensibilität zog Bernhard junge Leute an. Durch sein Vorbild und seine Worte führte er viele Sünder auf den rechten Weg des spirituellen Lebens zurück und leitete zahlreiche Seelen zur Heiligkeit an. „Wir lehren, dass jede Seele“, schrieb er, „selbst wenn sie mit Sünden beladen, im Netz der Laster gefangen, von ihren Verlockungen verführt, gefangen und verbannt, eine Gefangene des Leibes ist, jede Seele, sage ich, die als schuldig und verzweifelt gilt, kann in sich selbst etwas entdecken, was ihr nicht nur erlaubt, in der Hoffnung auf Vergebung, in der Hoffnung auf Barmherzigkeit zu atmen, sondern auch, die Vereinigung mit dem Wort anzustreben und sich nicht mehr vor einem gemeinsamen Bündnis mit Gott zu fürchten“ (Über das Hohelied, Predigt 83,1). Bernhards Liebe zu Jesus war intensiv. „Wenn du schreibst, finde ich kein Gefallen daran, wenn ich Jesus nicht darin lese; wenn du streitest oder redest, finde ich kein Interesse daran, wenn ich dabei Jesus nicht heraushöre; Jesus ist Honig für meinen Mund, Melodie für meine Ohren, ein Jauchzen für mein Herz. Er ist aber auch eine Arznei. Ist einer von euch traurig? Möge Jesus in sein Herz kommen und von da auf seine Lippen. Nichts kann einen Zornesausbruch besser besänftigen, schwellenden Stolz besser zähmen und die Wunde des Neides besser heilen“ (Über das Hohelied, Predigt 15,6).
Ebenso intensiv war auch seine Zuneigung zur Heiligen Gottesmutter, der alle Kirchen der Zisterzienser geweiht sind. Am Eingang zum Landgut Tre Fontane bei Rom, wo der hl. Apostel Paulus den Märtyrertod erlitten hatte und wo Bernhard ein Kloster gründete, befindet sich ein Bildnis der Gottesmutter; jedesmal, wenn Bernhard daran vorbeiging, grüßte er die Jungfrau mit einem Ave Maria… Eines Tages grüßte sie, wie eine Inschrift bezeugt, mit „Ave Bernarde“ zurück. Einer Überlieferung zufolge soll auch die letzte Zeile des Salve Regina auf Bernhard zurückgehen: O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.
Trotz seines Wunsches, weltabgewandt zu leben, wurde Bernhard von anderen Äbten, kirchlichen Würdenträgern, Herrschern und Adligen um Rat und Hilfe gebeten; er musste daher mehrfach kreuz und quer durch Europa reisen. Manche Geistliche meinten zwar, ein Mönch solle sich nicht in weltliche Dinge einmischen, doch Bernhard schrieb: „Ich denke, nichts, was Gott betrifft, ist mir fremd“ (Brief an Kardinal Aymeric, 20). Dem französischen König versicherte er: „Wir, Söhne der Kirche, werden uns erheben und für unsere Mutter (Kirche) mit den passenden Waffen kämpfen – wenn es sein muss, bis zum Tode; nicht mit Schwert und Schild, sondern durch das Gebet und das Flehen zu Gott“ (Brief 221,3). Bernhard brachte auch dem Heiligen Stuhl große Verehrung entgegen… 1145 wurde einer seiner Schüler, ein Zisterziensermönch, zum Papst gewählt; er gab sich den Namen Eugen III… und wurde während seiner Amtszeit mehrfach von Bernhard beraten.
Den wahren Papst erkennen
Nach dem Tod von Papst Honorius II. im Jahre 1130 wählten zwei verschiedene Gruppen von Kardinälen jeweils einen eigenen Papst: Kardinal Aymeric, der den Namen Innozenz II. annahm, und Kardinal Pierleone, der sich Anaklet II. nannte. Letzterer wurde vom Herzog von Apulien und Kalabrien, Roger II., unterstützt. In Frankreich berief Ludwig VI. eine Synode nach Étampes ein und bat Bernhard um seine Teilnahme. Dieser sprach sich dort für Innozenz II… aus, den er für fähiger hielt und der von der integersten Gruppe der Kardinäle gewählt worden war. Daraufhin erkannten der französische König und sein Klerus Innozenz II. als Papst an; dieser floh nach Frankreich, da die Stadt Rom von den Anhängern Anaklets kontrolliert wurde. Der deutsche Kaiser Lothar III. erkannte Innozenz II. ebenfalls an und unternahm einen von Bernhard begleiteten Feldzug, um ihn 1133 in Rom als Papst zu installieren. Innozenz II. berief 1134 ein Konzil nach Pisa ein, wo Bernhard eine flammende Rede hielt und die Unterstützung der Stadt Mailand für den Papst sicherte. 1137 versuchte Bernhard vergeblich, Roger II. zu überreden, dem Gegenpapst seine Unterstützung zu entziehen. Das Schisma wurde erst nach dem Tod Anaklets im Januar 1138 durch das zweite ökumenische Laterankonzil beendet.
Bernhard beteiligte sich auch an theologischen Debatten. Er schrieb: „Gott ist Weisheit und will nicht nur mit Sanftmut, sondern mit Weisheit geliebt werden. Mehr noch, der Geist des Irrtums wird jeden Eifer vergällen, wenn du das Wissen vernachlässigst. Und der trügerische Feind hat kein wirksameres Mittel, um die Liebe aus dem Herzen des Menschen zu entfernen, als wenn es ihm gelingt, ihn ohne Vorsicht und ohne von der Vernunft geleitet zu sein in der Liebe wandeln zu lassen“ (Über das Hohelied, Predigt 19,7). Für Bernhard, schrieb Pius XII., „ist Wissen kein letztes Ziel, sondern eher ein Weg, der zu Gott führt; es ist kein kalter Gegenstand, auf dem der Geist vergeblich verweilt, sondern ein Gegenstand, der von der Liebe bewegt, von ihr angestoßen und gelenkt wird. Aus diesem Grunde hat der hl. Bernhard, von diesem Wissen, von der Betrachtung und der Liebe durchdrungen, den höchsten Gipfel der mystischen Erkenntnis erreicht“ (Doctor mellifluus, Nr.6). Bernhard wandte sich insbesondere gegen Abaelard (1079-1142), den berühmten Leiter der Pariser Domschule, dessen irrige Lehren er auf einem Konzil in Sens (1140) verurteilen ließ. Abaelard wurde später von Petrus Venerabilis in Cluny aufgenommen und starb dort versöhnt mit der Kirche wie mit Bernhard.
Ende des 11… Jh. war bereits ein erster Kreuzzug zur Befreiung des Grabes Christi in Jerusalem unternommen worden, damit die christlichen Pilger sich dort frei bewegen konnten. Nach dem Kreuzzug waren einige Christen vor Ort geblieben und gründeten Staaten wie die Grafschaft Edessa, die aber durch die Eroberung der Muslime 1146 unterging. Da nun auch das freie Königreich von Jerusalem gefährdet war, sollte es einen zweiten Kreuzzug geben, zu dem Bernhard auf Bitten von Papst Eugen III. in einer Predigt aufrufen sollte… Im selben Jahr 1146 kam Bernhard dieser Bitte durch Predigten in Vézelay sowie in Speyer nach. Schließlich brachen der französische König Ludwig VII. und Kaiser Konrad III. zu einem Kreuzzug auf, der allerdings mit einem Misserfolg endete. Die Schuld dafür wurde Bernhard zugeschrieben, obwohl die wahre Ursache in der Uneinigkeit sowie in der weltlichen Gesinnung der Kreuzzügler lag… Bernhard nahm die Kritik geduldig hin und willigte schließlich ein, für einen dritten Kreuzzug zu werben, der allerdings nicht zustande kam.
Ohne Hochmut und ohne Hass
Ein Hindernis für den dauerhaften Verbleib der Christen im Orient lag darin, dass die Ritter nur vorübergehend vor Ort waren; war die Dienstzeit ihres Lehnsherrn vorbei, verließen sie das Heilige Land und kehrten nach Hause zurück. Ihren Platz nahmen rasch Sarazenen ein. Um diesem Missstand abzuhelfen, hatten neun Ritter, darunter auch André de Montbard, ein Onkel Bernhards, 1129 einen Orden von „Mönchsrittern“ gegründet, aus dem später der Templerorden wurde. Auf Bitten der Templer formulierte Bernhard für sie eine abgeänderte Version der Benediktusregel. Die Anfänge des Ordens waren ebenso heldenhaft wie auch nützlich für die Sache der Kreuzfahrer.
Da die Häresie der Katharer sich im Süden Frankreichs rasch verbreitete, meldete sich Bernhard gegen deren irrige Lehren zu Wort, insbesondere gegen die Existenz von zwei Göttern, dem Schöpfer des Geistes sowie dem bösen Schöpfer der Materie. 1145 begleitete er Alberich von Ostia, den Gesandten von Papst Eugen III., in den Languedoc und predigte dort, wenn auch ohne Erfolg. Erst im 13. Jahrhundert konnte das Apostolat das Apostolat des hl. Dominikus und der Predigermönche die Ketzerei endgültig besiegen.
Schwerwiegende Irrtümer unterliefen auch dem Bischof von Poitiers, Gilbert de la Porrée (1076-1154), der das Geheimnis der Dreifaltigkeit durch Argumente der einfachen menschlichen Vernunft erklären wollte. Papst Eugen III. delegierte die Frage 1148 an ein Konzil in Reims, auf dem Bernhard den Bischof offiziell der Häresie anklagte. Gilbert de la Porrées Thesen wurden verurteilt, und dieser zog sie auch selbst öffentlich zurück.
1152 wurde Bernhard schwer krank. Alle dachten, sein Tod stehe kurz bevor. Doch der Bischof von Metz bat ihn eindringlich um eine Intervention in seiner Diözese, in der ein Bürgerkrieg herrschte. Von Mitleid bewegt erhob sich der Sterbende, brach nach Metz auf und kehrte erst nach Erfüllung seines Auftrags völlig erschöpft in seine Abtei zurück. Die um sein Bett versammelten Mönche flehten ihn an, sie nicht zu verlassen. „Ich weiß nicht, wem ich nachgeben soll“, erwiderte er. „Der Liebe zu meinen Kindern, die mich drängen, hier unten zu bleiben, oder der Liebe zu meinem Gott, der mich nach oben lockt.“ Das waren seine letzten Worte am 20. August 1153, dem Tag, an dem er im Alter von 63 Jahren seine Seele in die Hand Gottes zurückgab. Bernhard von Clairvaux wurde 1174 von Alexander III… heiliggesprochen und 1830 von Pius VIII. zum Kirchenlehrer erhoben.
„Schau auf den Stern“
Der hl. Bernhard sang in einer berühmt gewordenen Predigt eine herrliche Lobeshymne auf Maria: „Du, der du auf den unruhigen Wassern der weiten Meeres treibst, schau auf diesen Stern, richte deine Augen fest auf sie, und du wirst nicht verschlungen von den Fluten. Wenn die Winde der Versuchung gegen dich aufkommen, wenn du gegen die Klippen der Trübsal stoßest, dann schau auf Maria, rufe Maria an. Wenn du umhergetrieben wirst von den Wellen des Stolzes, des Ehrgeizes, der Lästerei oder des Neides, dann erhebe die Augen zu diesem Stern, rufe Maria an. Wenn der Zorn oder der Geiz, wenn die Versuchungen des Fleisches gegen dein leichtes Boot anstürmen, schau auf Maria. Wenn du über die Größe deiner Vergehen bestürzt, durch die abscheulichen Wunden deines Herzens verwirrt, in Angst bist vor den Urteilen des Gottesgerichtes und dich in den Abgrund der Trostlosigkeit, in die Tiefe der Verzweiflung hinabgezogen fühlst, dann ein Ruf zu Maria, ein Blick zu Maria. Ihr lieblicher Name weiche nie von deinem Munde, verlasse nie dein Herz.Wenn du Maria folgst, kommst du nicht vom Weg ab; wenn du Maria bittest, fürchte dich nicht vor der Verzweiflung; wenn du an Maria denkst, irrst du nicht; wenn sie dich an der Hand hält, fällst du nicht; wenn sie dich schützt, brauchst du nichts zu fürchten; wenn sie dich führt, ermüdest du nicht; wenn sie dir geneigt ist, erreichst du das Ziel“ (II. Homilie über das Missus est, Nr. 17).
„Der Grund, Gott zu lieben, ist Gott… Das Maß ist, ihn ohne Maß zu lieben“ (Über die Gottesliebe, Kap. 50). „Selbst wenn nicht alle den Gipfel der Kontemplation erreichen können, von dem Bernhard spricht“, schrieb Papst Pius XII., „selbst wenn nicht alle sich so innig mit Gott verbinden können, können und müssen jedoch alle gleichermaßen ihre Seele über diese irdischen Wirklichkeiten erheben zu jenen des Himmels und mit sehr aktivem Willen den höchsten Spender aller guten Gaben lieben. Jedes Mal, wenn wir seine Liebe nicht durch unsere Liebe erwidern und seine göttliche Vaterschaft nicht respektvoll anerkennen, lösen sich die Bande brüderlicher Liebe bedauernswert auf; es kommt unglücklicherweise zu Zwist, Widersprüchen und Feindschaften; diese können sogar die Grundfeste der menschlichen Gemeinschaft erschüttern und umstürzen“ (Doctor mellifluus, 13;14).
Papst Pius XII. versichert, dass die Werke des hl. Bernhard, des Doctor mellifluus (des honigfließenden Lehrers) „mit aufmerksamem Geist studiert werden müssen: Von ihren Urteilen – die alle auf dem Evangelium fußen – kann eine neue und übernatürliche Kraft ausgehen, sowohl für das private Leben eines jeden wie auch für die menschliche Gesellschaft; eine Kraft, die die Sitten der Bürger lenken und sie nach christlichen Prinzipien ausrichten könnte; und zwar so gut, dass sie geeignete Heilmittel für viele und große Übel bieten könnte, die die Gesellschaft stören und heimsuchen.“ Mögen wir den wertvollen Rat Pius’ XII. befolgen und aus den Werken des hl. Bernhard neue, übernatürliche Kraft schöpfen!












