Beato Michael McGivney

22. Februar 2023

Seliger Michael McGivney

Liebe, verehrte Freunde,

„In der gegenwärtigen Situation ist es geradezu unerlässlich, dass man im Bereich der Tätigkeit der Laien die gemeinschaftliche und organisierte Form des Apostolates stärkt; denn ein enges Verbundensein der Kräfte ist allein imstande, alle Ziele des heutigen Apostolates voll zu erreichen und seine Werte wirksam zu verteidigen. Dabei ist es von besonderer Wichtigkeit, dass sich das Apostolat auch mit der gemeinsamen geistigen Einstellung und mit der sozialen Situation derer befasst, an die es sich wendet. Sonst werden diese oft dem Druck der öffentlichen Meinung und der Institutionen nicht gewachsen sein“ (II. Vatikanisches Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 18. November 1965, Nr. 18). Diese Art des Apostolates wird seit dem 19. Jh. von der vom seligen Michael McGivney gegründeten Vereinigung Knights of Columbus (Kolumbusritter) praktiziert.

Seliger Michael McGivney Michael Joseph McGivney wurde am 12. August 1852 in Waterbury in der Nähe von New York, geboren; seine Eltern, Patrick und Mary, waren katholische Einwanderer aus Irland. Wie viele andere Iren, mussten sie wegen einer zwischen 1848 und 1852 wütenden schrecklichen Hungersnot aus ihrer Heimat fliehen, wo rund 20% der Bevölkerung starben; ebensoviele wanderten aus – vor allem in die Vereinigten Staaten. Dieses Land war zwar reich, konnte aber den Zustrom der Einwanderer nicht schnell genug bewältigen, so dass viele von ihnen im Elend endeten. In den mehrheitlich protestantischen Ländern sahen sich die eingewanderten katholischen Familien oft mit Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Die Iren wurden häufig gezwungen, in den Minen, bei den Eisenbahnen und in den Fabriken die gefährlichsten Arbeiten zu verrichten. Unfälle, Krankheiten und Überarbeitung zogen oft den vorzeitigen Tod der Familienväter nach sich; ihre Witwen und Kinder blieben im Elend zurück.

Mangel an Priestern

Michael war das Älteste von zwölf weiteren Geschwistern, von denen sechs bereits sehr früh verstarben. Er lernte zu Hause sowie in der Kirche beten und die Liebe zu Gott über alles zu setzen. Als guter Schüler der Volksschule von Waterbury machte er durch seine hervorragenden Leistungen auf sich aufmerksam, übersprang mehrere Klassen und beendete die Schule wesentlich früher als üblich. Mit dreizehn Jahren begann er in einer Messingfabrik zu arbeiten, um so zum Unterhalt der Familie beizutragen.

Da die katholische Bevölkerung schneller zunahm als der Klerus, machte sich bald ein gravierender Priester-mangel bemerkbar. Ermuntert von seinem Pfarrer beschloss Michael daher, trotz des Widerstandes seines Vaters Priester zu werden. Es gab damals in den Vereinigten Staaten nur wenige katholische Seminare, und die Plätze dort waren begrenzt. Im Land wütete gerade der sogenannte „Sezessionskrieg“ (1861- 1865) und säte Hass allenthalben. Manch eine protestantische Sekte und Geheimgesellschaft rief schon seit Jahren zum Widerstand gegen den Katholizismus auf; so trafen die Bischöfe und Seminarleiter eine strenge Auswahl unter den Priesteramtskandidaten, um keine Angriffsfläche für Verleumder und Gegner zu bieten. Als er schließlich den Segen seines Vaters erhalten hatte, trat Michael 1868 in das Séminaire de Saint-Hyacinthe in Québec (Kanada) ein. Nach zwei Jahren Studium und einer einjährigen Unterbrechung setzte er seine Ausbildung am Our Lady of Angels Seminary im Staat New York fort (1871-1872). Anschließend kehrte er nach Québec zurück und besuchte dort das von Jesuiten geführte Collège Sainte-Marie.

Im Juni 1873 starb Michaels Vater; als ältestes Kind musste der Seminarist daraufhin zu seiner Familie zurückkehren und für die Erziehung der jüngeren Geschwister sorgen. Doch die ältesten Schwestern fanden bald bezahlte Arbeitsstellen und konnten so verhindern, dass er wieder in der Fabrik arbeiten musste. Zudem gewährte ihm der Bischof von Hartford, der ihn als einen seiner besten Seminaristen betrachtete, ein Studienstipendium seiner Diözese. So konnte er ab September 1873 sein Theologiestudium am St. Mary‘s Seminary der Sulpizianer in Baltimore fortsetzen. „Durch den Kontakt mit den Sulpizianern öffnete sich sein Geist“, sagt einer seiner Biographen. „Er lernte, dass Bildung für einen Priester zweitrangig ist. Empathie für die Armen ist wesentlich wertvoller. Kenntnisse sammeln ist eine gute Sache, aber Seelen retten ist unvergleichlich besser.“

Michael blieb vier Jahre lang am St. Mary‘s Seminary. Nach einer so langen und soliden Ausbildung war der als schweigsam, entschlossen, fromm und humorvoll geltende Mann gut auf sein künftiges Amt als Weltgeistlicher vorbereitet und empfing am 22. Dezember 1877 die Priesterweihe. Mit 25 Jahren wurde er zum Kaplan der St. Mary-Gemeinde in Newhaven, einer Hafenstadt am Atlantik im Staate Connecticut, ernannt. Pfarrer der 1870 gegründeten Gemeinde war damals der ebenfalls von irischen Einwanderern abstammende Patrick Murphy. Nach einem mit glänzendem Erfolg abgeschlossenen Studium hatte dieser unter schwierigen Bedingungen zunächst eine 1874 geweihte Kirche und danach ein Pfarrhaus errichten lassen. Pfarrer Murphy hatte zwar die durch die Bauarbeiten verursachten Schulden inzwischen tilgen können, doch er hatte dabei seine Gesundheit eingebüßt. Aus diesem Grunde hielt der Bischof der Diözese es für notwendig, ihm einen Kaplan an die Seite zu stellen.

Eine „verschandelte Avenue“

Die Stadt Newhaven befand sich mitten in einem industriellen Aufschwung. Der Warenverkehr über den Seeweg leistete einen wesentlichen Beitrag zu den Einnahmen der Stadt, die auch Sitz der Universität Yale war, einer der berühmtesten Universitäten des Landes. In der Stadt gab es eine friedliche Koexistenz der katholischen, protestantischen und jüdischen Gemeinden. Gleichwohl war eine gewisse Feindseligkeit gegen die Katholiken zu verzeichnen. So betitelte die New York Times einen Artikel über die von Pfarrer Murphy errichtete Kirche mit: How an aristocratic Avenue was blemished by a roman Church edifice (Wie eine edle Avenue durch einen römisch-katholischen Kirchenbau verschandelt wurde). Kaplan McGivney war allerdings sehr geschickt im Umgang mit den Protestanten und bemühte sich, Konflikten aus dem Wege zu gehen.

Die Predigten des jungen Priesters wurden sehr geschätzt. Er sprach verständlich und hob in seinen Predigten sowohl die Gerechtigkeit als auch die Barmherzigkeit Gottes hervor. Bei aller Entschlossenheit und Charakterfestigkeit verfügte er auch über die Gabe, eine ganze Versammlung zum Lachen zu bringen. Die Leute fühlten sich von seiner zurückhaltenden, aber liebenswürdigen Art angezogen; selbst Nichtkatholiken kamen in die Kirche, um ihn predigen zu hören. Bei mehreren Bekehrungen spielte er eine entscheidende Rolle. Unter den Gemeindegliedern waren ihm zwei Gruppen besonders verbunden. Zunächst die Kinder, denen er mit großer Liebenswürdigkeit begegnete und denen er einen stets gründlich vorbereiteten Religionsunterricht erteilte. Die zweite Gruppe war die der Jugendlichen. Viele von ihnen hatten sich in seiner Gemeinde – wie auch anderswo – von der religiösen Praxis abgewandt. Hauptgrund für ihr Fernbleiben war die Langeweile, die sie in der Kirche empfanden, da sich niemand für sie interessierte; weitere Gründe waren der Alkoholismus und die Wollust, denen sie verfallen waren. Kaplan McGivney war es ein Herzenanliegen, sich mit ihnen zu beschäftigen, damit sie Jesus Christus kennen und lieben lernten.

Widerstand gegen die Geheimgesellschaften

Obwohl die Hauptsorge Kaplan McGivneys dem Glauben seiner Schäfchen galt, verfolgte er auch die familiären, sozialen, finanziellen und zivilen Fragen, die die größtenteils afroamerikanischen oder eingewanderten katholischen Bewohner Newhavens bewegten. Es gab viele wohltätige Werke, und der Kaplan engagierte sich gerne in ihnen; in seiner Pfarrei wurde – wie auch in den anderen Gemeinden der Stadt – ein jährlich stattfindendes Kirchweihfest sowie ein Fest zu Ehren des hl. Patrick, des Schutzpatrons Irlands, der ursprünglichen Heimat der meisten Katholiken, gefeiert. Er fand auch mehrere Abstinenzlervereine auf Gemeindeebene vor; der Verein seiner Gemeinde richtete Theatervorstellungen aus, um die Mitglieder zu stärken und Spenden zu sammeln. Der Kaplan trat dem Verein bei, lehnte jedoch das Amt des Vorsitzenden zugunsten eines Laien ab. Vor Gericht trat er öfter als Fürsprecher seiner Gemeindeglieder auf, um den Zusammenhalt von deren Familien zu bewahren. Bei der Organisation verschiedener wohltätiger Werke arbeitete er harmonisch mit den Geistlichen der anderen christlichen Konfessionen zusammen.

Als Antwort auf eine gewisse Leere, die die Menschen unter den gegebenen Umständen empfanden, wurden immer mehr Geheimgesellschaften, z.B. Freimaurerlogen, gegründet. Unter dem Vorwand, Lösungen für die sozialen Probleme anzubieten, propagierten sie Ideologien, die mit Moral und Glauben unvereinbar waren. Kaplan McGivney nahm bald den Kampf gegen sie auf. Er hinderte die Mitglieder solcher Gesellschaften, mit ihren Insignien an Gottesdiensten, insbesondere an Trauerfeiern, teilzunehmen und versuchte, die Gläubigen vor ihnen zu schützen. Aufgrund bestimmter Missstände in der Pfarrgemeinde musste er mitunter auch Charakterstärke, d.h. eine gewisse Strenge, beweisen.

Wegen des extrem heißen Sommers an der Atlantikküste musste der an Lungentuberkulose erkrankte Pfarrer Murphy im Juli 1878 die Stadt verlassen; er vertraute die Pfarrgemeinde seinem Kaplan an. Zwei Jahre danach rief ihn Gott zu sich. Sein Nachfolger wurde Patrick Lawlor, Kaplan McGivneys Schwager, der die einflussreichsten katholischen Männer der Stadt im Keller-geschoss der Marien-Kirche versammelte, um mit ihnen einen katholischen Hilfsverein zu gründen; dieser sollte den Menschen helfen, ihren Glauben zu bewahren und zu stärken, sowie Familien finanziell unterstützen, die ihren Vater verloren hatten. Pfarrer Lawlor erkannte klar, dass man sowohl die zeitlichen als auch die geistlichen Bedürfnisse der Familien stillen musste, um sie zusammenzuhalten; denn ohne finanzielle Mittel sahen sich diese oft gezwungen, sich zu trennen, was den Glauben der Familienmitglieder ernsthaft gefährdete. Im Oktober 1881 wurde ein Ausschuss unter der Leitung von James T. Mullen eingesetzt, um die Statuten des Hilfsvereins zu formulieren.

Ein neuer Ritterbund

Die Verwirklichung des Projekts wurde durch ein Familiendrama beschleunigt. Die aus Irland stammende Familie Downes geriet nach dem Tod ihres Vaters in große finanzielle Not. Im Januar 1882 sah sich der Richter des örtlichen Gerichts durch das Gesetz gezwungen, die Kinder der Mutter wegzunehmen und der öffentlichen Wohlfahrtspflege anzuvertrauen. Diese Zwangsmaßnahme war nur zu vermeiden, wenn sich ein Vormund meldete und eine hohe Kaution hinterlegte. Zur allgemeinen Überraschung meldete sich der Kaplan für dieses Amt, und einer seiner Freunde, ein Lebensmittelhändler, bezahlte die Kaution. Am 29. März 1882 wurden schließlich die sogenannten „Kolumbusritter“ gegründet. In einem Brief an seine Mitbrüder in der Diözese erklärte Kaplan McGivney, durch die Gründung solle in erster Linie verhindert werden, „dass Leute den Geheimgesellschaften beitreten“; daher werde er ihnen die gleichen oder bessere Angebote machen als diese. Sein zweites Anliegen sei gewesen, die Katholiken der Diözese Hartford zu vereinen, „damit wir besser in der Lage sind, einander bei Krankheitsfällen gegenseitig zu helfen, für angemessene Beerdigungen zu sorgen und die Familien verstorbener Mitglieder finanziell zu unterstützen“. Kaplan McGivney bat seine Mitbrüder, in jeder Pfarrgemeinde einen Ritterrat zu etablieren.

Indem er die Mitglieder des neuen Vereins „Kolumbusritter“ nannte, nahm der Gründer Bezug auf die tiefen Wurzeln des Katholizismus in Amerika. Der Staat Connecticut gewährte den Rittern eine offizielle Anerkennung als gesetzlich eingetragener Verein. Die ersten Ritter wollten Kaplan McGivney zum Vorsitzenden wählen, doch dieser erklärte, diese Organisation gläubiger Laien müsse von einem Laien geleitet werden. So wurde James T. Mullen zum Obersten Ritter gewählt; Kaplan McGivney nahm das Amt des Obersten Sekretärs an, von dem er jedoch nach zwei Jahren zurücktrat, um leitender Geistlicher des Vereins zu werden. Später wurde zusätzlich sowohl ein weiblicher Zweig als auch ein Zweig für Jugendliche (die sogenannten Kolumbusknappen) gegründet.

Da die Hauptsorge der Ritter dem Schutz des Glaubens und der Katholiken galt, setzten sie sich auch dafür ein, dass die staatsbürgerlichen Rechte der Katholiken voll anerkannt werden. Sie hofften, so den sozialen Druck zu mindern, der auf sie ausgeübt wurde, damit sie ihrem Glauben den Rücken kehren. Den Glauben bewahren besteht nicht nur darin, den Katechismus zu kennen, so wichtig das auch sein mag, sondern auch darin, das wichtigste Gebot Christi in die Praxis umzusetzen: Gott über alles zu lieben und aus Liebe zu Gott seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,30) lehrt Jesus, dass die Nächstenliebe sich auch derer annehmen muss, die am Rande der Gesellschaft stehen, indem sie die Wunden der Kranken pflegt und ihre Not lindert. Die Ritter packten zahlreiche Herausforderungen an, mit denen katholische Familien konfrontiert waren. Die Veröffentlichungen des Vereins sollten die katholische Lehre in ihrer Gesamtheit unterstützen. So verteidigen sie heute nachdrücklich das Recht auf Leben und kämpfen gegen die Abtreibung; sie setzen sich für den Schutz der Familie ein, indem sie die „Ehe“ gleichgeschlechtlicher Paare ablehnen. Allerdings stieß der Verein der Ritter anfänglich auch auf Schwierigkeiten: Es schlug ihnen viel Kritik entgegen. Darüber kam es zu Streitigkeiten unter den Gründungsmitgliedern, so dass es keine Neuaufnahmen mehr gab. Erst als im Frühjahr 1883 eine Gruppe von Männern aus der benachbarten Stadt Meriden um Aufnahme unter die Kolumbusritter bat, erfuhr das Werk neuen Auftrieb.

Gott mehr gefallen als den Menschen

Das II. Vatikanische Konzil unterstrich die Rolle der Laien in der Gesellschaft: „Angetrieben durch die Liebe, die aus Gott stammt, tun die Laien allen Gutes, zumal denen, die uns im Glauben verbunden sind; alle Bosheit und Tücke, alle Heuchelei und Missgunst und alle üble Nachrede legen sie ab (1 Petr 2,1) und ziehen so die Menschen zu Christus. Die Liebe Gottes aber, die in unseren Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Röm 5,5), befähigt die Laien, den Geist der Seligpreisungen in ihrem Leben wirklich zum Ausdruck zu bringen. Da sie Jesus auch in seiner Armut nachfolgen wollen, werden sie weder durch den Mangel an zeitlichen Gütern niedergedrückt noch durch deren Fülle aufgebläht. In Nachahmung des erniedrigten Christus sind sie nicht auf eitle Ehre aus, sondern suchen mehr Gott zu gefallen als den Menschen, immer bereit, um Christi willen alles zu verlassen und Verfolgung zu leiden um der Gerechtigkeit willen, eingedenk des Herrenwortes: Wenn einer mir nachfolgen will, gebe er sich selbst auf, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir (Mt 16,24). Sie pflegen untereinander die Freundschaft der Christen und helfen einander in jeglicher Not“ (Dekret Apostolicam actuositatem, Nr. 4).

Neben seinem Dienst in der Pfarrei musste Michael einem Todeskandidaten namens Jacques Chip Smith, beistehen, einem 21-jährigen Katholiken, der im Zustand der Trunkenheit einen Polizisten getötet hatte. Er besuchte den jungen Mann viele Monate lang täglich und konnte bei ihm einen grundlegenden Gesinnungswandel bewirken. Kurz vor seiner Hinrichtung sagte Smith unter Tränen zu seiner Mutter: „Weine nicht, Mama! Ich bin bald an einem angenehmeren Ort. Stell dir vor, ich wäre bei einer Schlägerei ums Leben gekommen. Dann wäre ich gestorben, ohne mich darauf vorzubereiten, das wäre viel schlimmer.“ Am Tag der Hinrichtung las Michael am Fuß des Galgens die Gebete vor, die der junge Mann wiederholte. Dieser tragische Tod erschütterte Michael zutiefst.

Im Herbst 1884 wurde Michael McGivney zum Pfarrer der St.-Thomas-Gemeinde in der Uhrmacherstadt Thomaston ernannt. Bald wurde ihm zusätzlich auch noch die Pfarrgemeinde von Terryville, einem kleinen, 5 km von Thomaston entfernten Städtchen, anvertraut. Im Laufe der 6 Jahre, die Pfarrer Michael in der St.-Thomas-Gemeinde verbrachte, knüpfte er feste Beziehungen zu deren Mitgliedern, blieb aber nebenbei weiterhin leitender Geistlicher der Kolumbusritter. Er kannte die Rechtschaffenheit der Ordensoberen in Newhaven und wachte von seinem neuen Pfarramt aus über deren Ruf; um sie gegen Verleumdungen und Missdeutungen (etwa die Gleichsetzung des Vereins mit einer Geheimgesellschaft) zu verteidigen, publizierte er mehrfach Artikel in den Lokalzeitungen. 1888 wurde ihm ein Kaplan zugeteilt, so konnte er sich vermehrt für eine Weiterentwicklung der Kolumbusritter einsetzen. Da eine Gruppe von Männern um die Gründung eines ersten Kapitels außerhalb von Connecticut, nämlich in Providence im Staat Rhode Island, bat, musste Pfarrer Michael mehrmals dorthin reisen.

Zwei Millionen Mitglieder

1889bekam Pfarrer McGivney gesundheitliche Probleme, obwohl er erst 37 Jahre alt war. Müde und verbraucht durch die Seelsorgearbeit, zog er sich im Dezember eine Grippe zu, aus der im folgenden Monat eine Lungenentzündung wurde. Erholungskuren sowie die Hinzuziehung von Spezialisten brachten keine Besserung. Er starb am Morgen des 14. August 1890, zwei Tage nach seinem 38. Geburtstag, an Tuberkulose. Die Kolumbusritter hatten damals 6000 Mitglieder. Fast alle der 57 Räte schickten Delegationen zu seiner Beerdigung. Die beiden jüngeren Brüder Michaels, Patrick und John, sowie einer seiner Neffen folgten seinem Beispiel, wurden Priester und dienten den Kolumbusrittern als leitende Geistliche. Seither haben sich die Ritter in zahlreichen Ländern etabliert und zählen heute weltweit zwei Millionen Mitglieder.

Michael McGivney wurde am 31. Oktober 2020 seliggesprochen. Sein Beispiel und sein Werk spornen uns an, die Welt zu evangelisieren – eine Notwendigkeit, an die uns bereits das II. Vatikanische Konzil erinnerte: „Die gegenwärtigen Verhältnisse verlangen von den Laien ein intensiveres und weiteres Apostolat. Dieses Apostolat wird um so dringlicher, als die Autonomie vieler Bereiche des menschlichen Lebens sehr gewachsen ist, wenngleich dieses Wachstum bisweilen mit einer gewissen Entfremdung von der ethischen und religiösen Ordnung und mit einer schweren Krise des christlichen Lebens verbunden ist. Unzählige Gelegenheiten zur Ausübung des Apostolates der Evangelisierung und Heiligung stehen den Laien offen. Das Zeugnis des christlichen Lebens selbst und die guten in übernatürlichem Geist vollbrachten Werke haben die Kraft, Menschen zum Glauben und zu Gott zu führen. Dennoch besteht dieses Apostolat nicht nur im Zeugnis des Lebens. Ein wahrer Apostel sucht nach Gelegenheiten, Christus auch mit seinem Wort zu verkünden, sei es den Nichtgläubigen, um sie zum Glauben zu führen, sei es den Gläubigen, um sie zu unterweisen, zu stärken und sie zu einem einsatzfreudigen Leben zu erwecken, denn die Liebe Christi drängt uns (2 Kor 5,14). Der Herr selbst lädt alle Laien ein, sich von Tag zu Tag inniger mit ihm zu verbinden und sich in seiner heilbringenden Sendung zusammenzuschließen. Von Neuem sendet er sie in alle Städte und Ortschaften, damit sie sich, dauernd den neuen Bedürfnissen der Zeiten angepasst, als seine Mitarbeiter erweisen,wohl wissend, dass ihre Mühe nicht vergebens ist“ (Apostolicam actuositatem, Nrn. 1; 6; 33).

Bitten wir den seligen Michael McGivney, uns im Dienste des Herrn und unserer Mitmenschen zu leiten.

Heiliger Junipero Serra

Selige Anna-Maria Taigi

Heilige Narcisa de Jésus

Heiliger Bernhard von Clairvaux