13. Mârz 2024
Seliger Henri Planchat
Liebe, verehrte Freunde,
„Sind Sie in Paris einem kleinen Priester mit einer rötlichen Mütze, einer verschlissenen Soutane und löchrigen Schuhen begegnet, sehr armselig, da er alles den Armen gibt und die Reichen nur aufsucht, um Almosen zu erbitten; der bei jedem Wetter in die entferntesten Vorstädte geht, auf alle Dachböden hinaufsteigt, Kranke besucht und den Verlassensten beisteht? Wenn Sie diesem Priester begegnet sind, Citoyen, das ist mein Sohn!“ Mit diesen Worten bat die Mutter Henri Planchats, eines 1871 von der Pariser Kommune verhafteten Priesters, einen Justizbeamten um Gnade für ihren Sohn. Sie erfand nichts, alles entsprach der Wahrheit. Die Kirche ehrt diesen Priester künftig als Seligen und Märtyrer.
Marie-Mathieu Henri Planchat wurde als das älteste der 4 Kinder seiner Familie am 8. November 1823 in Bourbon-Vendée (heute La Roche-sur-Yon) geboren. Sein Vater war Richter am Amtsgericht. Die Familie lebte in enger Verbundenheit mit dem katholischen Glauben; Henris Großvater hatte während der Terrorherrschaft (1792-94) unter Lebensgefahr 14 Priester versteckt. Drei Kinder der Planchats, Henri und seine beiden Schwestern, gingen später ins Kloster.
1832 zog die Familie nach Lille, wo Henri 1835 seine Erstkommunion feierte. Von diesem Augenblick an verlangte es ihn intensiv danach, Jesus in der heiligen Eucharistie zu empfangen; doch sein Beichtvater gab ihm für seinen Geschmack viel zu selten die Erlaubnis dazu (damals war der Zugang zur Heiligen Kommunion für die Gläubigen auf bestimmte Tage beschränkt). Daneben empfand Henri auch eine tiefe Verehrung für die Gottesmutter.
1837 kam Henri auf das Internat des Kollegiums Stanislas nach Paris. Trotz seiner schulischen Erfolge konnte er sich nicht an das Internatsleben gewöhnen, wurde schwermütig und schweigsam. Daraufhin ließ ihn sein Vater auf das Kollegium von Vaugirard wechseln, wo er 1842 das Abitur ablegte; anschließend schrieb er sich an der juristischen Fakultät ein. Sein persönliches Tagebuch bezeugt seinen Kampf gegen sein eigenes aufbrausendes, stolzes Temperament. Zugleich musste er gegen die Entmutigung ankämpfen, da er sich bei der Bekämpfung seiner Fehler zu langsam vorkam: „Ich muss meine Unvollkommenheiten ertragen; ich muss sie zwar nicht lieben, aber sie durch Bestürzung und Entmutigung auch nicht vergrößern.“
1843 beantragte Henri seine Aufnahme in das Pariser Saint-Sulpice-Seminar und bekam eine Zusage. Doch sein Vater, der aus politischen Gründen an das Amtsgericht von Oran in Algerien versetzt worden war, bat ihn, zunächst sein Jurastudium abzuschließen; der junge Mann glaubte gehorchen zu müssen. Als Laie wider Willen trat er der Gesellschaft des hl. Vinzenz von Paul bei und lernte dort die harte Realität der Armut kennen, aber auch die Möglichkeiten, sie zu lindern. Bald schloss er sich einer Gruppe von Katholiken an, die in der Rue du Regard ein christliches Jugendheim für Lehrlinge und junge Arbeiter eröffneten.
Im August 1847 legte Henri sein Juraexamen ab und bekam von seinem Vater die Erlaubnis, ins Priesterseminar einzutreten. Nach dem Tod von Richter Planchat im Juni 1848 reiste Henri für ein paar Monate nach Alger, um seine Mutter und seine Schwester zu unterstützen. Nach Paris zurückgekehrt, fiel er am Seminar durch seine ärmliche Lebensführung auf. In seinen persönlichen Aufzeichnungen schrieb er: „Man wird nicht bei denen beichten, die in ihren Wohnungen schöne Wanduhren und prächtige Teppiche haben, wenn man sich bekehren will. Ich werde bei meiner Einrichtung alles vermeiden, was sich nach Eleganz anfühlt.“ Kurz vor seiner bevorstehenden Priesterweihe schrieb er an seine Mutter: „Ich bin glücklich; mein Glück wächst von Tag zu Tag. – Schon seit Langem ruft mich die Gnade durch den Geist des Glaubens zum Dienst der Armen auf. Ich will niemals eine Gelegenheit auslassen, diesem Anstoß zu folgen.“ Er misstraute jedoch jedem Aktivismus, selbst wenn er auf dem Streben nach Gutem gründete: „Ich habe mir vielleicht eingebildet, dass ich die Nächstenliebe besaß, weil ich zum aktiven Einsatz für gute Werke neigte. Darin steckt jedoch keine wahre Nächstenliebe. Wahre Nächstenliebe ist innig mit der Seele verbunden; sie hüllt sie ein, durchdringt sie. Möge ihr Feuer im Grunde meiner Seele brennen; dann werden auch meine äußeren Taten vollkommen!“ Am 21. Dezember 1850 wurde Henri Planchat zum Priester geweiht.
Die Arbeiter zu Christus zurückführen
Am 3. März 1845 gründete der Laie Léon Le Prévost (1803-1874) zusammen mit zwei Freunden in Paris einen Verein zur Evangelisierung ärmerer Bevölkerungsschichten, die Brüder des hl. Vinzenz von Paul. Der Verein bestand ausschließlich aus Laien und spezialisierte sich darauf, Arbeiterheime zu organisieren, in denen Arbeiter im harten gesellschaftlichen Kontext des Wirtschaftsliberalismus nach der Revolution von 1789 Zuspruch und Unterstützung fanden. Die Gründer wollten die Arbeiter zu Jesus Christus sowie zur Kirche zurückführen. Drei Tage nach seiner Priesterweihe trat Abbé Planchat der Vereinigung bei und nahm damit hin, dass er als Priester einen Laien zum Vorgesetzten hatte. Der Heilige Stuhl legte erst 1860 in seiner Approbationsurkunde fest, dass das Institut von einem Priester geleitet werden müsse.
Die Revolution von 1848 hatte gezeigt, wie dringlich die soziale Frage war… Angesichts des Sozialismus, der die Abschaffung des Privateigentums befürwortete, suchten katholische Laien nach Mitteln, die sozialen Beziehungen wieder gerecht und menschlich zu gestalten, ohne sozialistischen Utopien nachzujagen, die gegen die natürliche Ordnung verstießen. Abbé Planchat begann sein Apostolat in Grenelle, im Südwesten von Paris… 1850 lebten dort infolge der sozialen Krise, die die Schließung zahlreicher Fabriken zur Folge hatte, 80% der Einwohner in Armut; ein religiöses Leben gab es so gut wie gar nicht. Die Brüder des hl. Vinzenz von Paul hatten sich 1847 in dem Viertel niedergelassen und ein Arbeiterheim gegründet. Ab Dezember 1850 betrieben sie für die Bewohner des Viertels auch eine nahezu kostenlose Suppenküche.
Gleich nach seiner Ankunft wurde Abbé Planchat zum „Seelenfänger“, indem er auf die Armen zuging, die kirchenfern lebten. Er ließ sich von keinem Elend, von keinem Spott abschrecken. Wurde er unterwegs von Wäscherinnen beleidigt, verschenkte er Medaillen und Bilder an sie; die Frauen fühlten sich für ihr Verhalten beschämt und steckten ihm Geld zu, um Messen zu feiern. Im August 1851 brach er vor Erschöpfung am Straßenrand zusammen und musste bald danach zur Erholung nach Italien reisen. Vor seiner Rückkehr nach Paris sprach ihm Papst Pius IX… in einer Privataudienz Mut zu. Im April 1853 nahm er sein Apostolat in Grenelle wieder auf und blieb weitere 8 Jahre lang dort.
Henri klopfte überall an, selbst an den Türen der elendsten Hütten; er nahm Beichten ab, führte persönliche Bekehrungsgespräche und legalisierte Hunderte von wilden Ehen. Er kam stets ohne Umschweife auf Gott zu sprechen und machte sich nichts aus dem Spott, dem er wegen seiner ärmlichen Soutane und seines fragilen Aussehens ausgesetzt war. Sein großer Einfluss auf die Menschen erklärte sich aus seiner tiefen Verbundenheit mit Gott. Doch er arbeitete nicht allein, sondern ließ sich von Laien aus dem Viertel helfen, die sich 1853 zu einem „Arbeiterverein der Heiligen Familie“ zusammengeschlossen hatten; dessen Ziel war „gegenseitige Hilfe und Unterstützung, aber auch die Evangelisierung von Arbeitern durch Arbeiter“.
Pater Planchat verschaffte den Menschen leibliche und seelische Erleichterung und verausgabte sich dabei restlos. Eines frostigen Tages kehrte er zur Empörung der Concierge barfuß nach Hause zurück, weil er seine Schuhe einem älteren Armen geschenkt hatte, der selbst keine besaß. Der Klerus vor Ort nahm Anstoß an seiner Heiligkeit; der eifersüchtige Pfarrer von Grenelle setzte 1861 eine Verleumdungskampagne gegen ihn ins Werk. Pater Planchats Vorgesetzte sahen sich gezwungen, ihn aus Paris zu entfernen, und versetzten ihn nach Arras, wo er zwei Jahre lang als stellvertretender Direktor einer Erziehungsanstalt für Waisen und Lehrlinge arbeitete, die er immer wieder zum häufigen Kommunionempfang anhielt.
Eine dringende Einladung
Im Laufe der Jahrhunderte gingen Laienchristen immer seltener, oft nur noch an großen Festen, zur Kommunion. Die Jansenisten des 17. Jh. behaupteten gar, der Empfang der hl Eucharistie müsse den wenigen absolut vollkommenen Gläubigen vorbehalten sein. Viele Heilige sprachen sich demgegenüber für eine häufige Kommunion aus. Diese spirituelle Bewegung führte schließlich unter dem heiligen Papst Pius X. zur Publikation des Dekrets Sacra Tridentina (20. Dezember 1905), das in Erinnerung an einen Beschluss des Konzils von Trient folgendes verfügte:
„I – Die häufige und tägliche Kommunion ist Christus dem Herrn und der Katholischen Kirche sehr erwünscht; daher soll sie allen Christgläubigen zugänglich sein, so dass niemand, der im Stande der Gnade und mit rechter und frommer Absicht kommuniziert, vom Tische des Herrn ferngehalten werden kann.
II – Die rechte Absicht besteht darin, dass man nicht aus Gewohnheit, Eitelkeit oder menschlichen Rücksichten zum Tisch des Herrn geht, sondern um Gottes Willen zu erfüllen, sich in Liebe enger mit ihm zu vereinigen und vermöge dieser göttlichen Arznei die eigenen Schwächen und Mängel zu bekämpfen.“
Der Katechismus der Katholischen Kirche führt aus: „Der Herr richtet an uns eine eindringliche Einladung, ihn im Sakrament der Eucharistie zu empfangen. Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch (Joh 6,53). Die Kirche empfiehlt den Gläubigen nachdrücklich, die heilige Eucharistie an den Sonn- und Feiertagen oder noch öfter, ja täglich zu empfangen.“ Unter Verweis auf den hl. Apostel Paulus (1 Kor 11,27-29) mahnt der Katechismus jedoch: „Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt“ (Nrn. 1384.1385.1389).
Die drei Pfeiler
1863 nach Paris zurückgekehrt, wurde Pater Planchat bald mit der Leitung des Jugendheims Sainte-Anne in Charonne, einem Arbeiterviertel, betraut. Bald zählten 500 Lehrlinge und junge Arbeiter zu den regelmäßigen Besuchern von Sainte-Anne; sie verbrachten dort ihre Freizeit und suchten nach Wegen, ein wahrhaft christliches Leben zu führen. Der Pater ließ eine Kapelle bauen, die 1867 eingesegnet wurde, sowie ein Wohnheim zur Unterbringung von Lehrlingen ohne Familie. Seine Methode ruhte auf drei Pfeilern: religiöse Unterweisung, Praxis des Bußsakraments und häufiger Empfang der Eucharistie. Seiner Meinung nach oblag die Entscheidung darüber, ob die Kinder häufig zur Kommunion gehen durften, ihrem geistlichen Vater. Jeden Sonntag hielt er sich ab 6 Uhr morgens im Beichtstuhl bereit und musste dabei von weiteren Priestern unterstützt werden, damit alle noch vor dem Hochamt beichten konnten.
Pater Planchat glaubte an die heiligende Kraft des Allerheiligsten Sakramentes, um die jungen Leute vor schlechten Einflüssen zu bewahren. Bald gründete er das „Erstkommunionswerk für Nachzügler“, d…h. für jugendliche und erwachsene Arbeiter, die bereits in einer Fabrik oder Werkstatt arbeiteten. Er gab sich alle Mühe, ihnen die dogmatische und spirituelle Vorbereitung auf die Kommunion zu erleichtern. So gelang es ihm, drei- bis viermal im Jahr um die hundert Personen unterschiedlichen Alters zum ersten Mal an den Tisch des Herrn zu führen, nachdem sie zuvor eine dreitägige Exerzitienveranstaltung auf Kosten des Heims absolviert hatten. Daneben organisierte Pater Planchat auch Exerzitien, die sich ausdrücklich an Familienväter richteten.
„Durch diese Liebe, die die Eucharistie in uns entzündet, bewahrt sie uns vor zukünftigen Todsünden. Je mehr wir am Leben Christi teilhaben und je weiter wir in seiner Freundschaft fortschreiten, desto geringer wird die Gefahr sein, sich durch eine Todsünde von ihm zu trennen. Zur Vergebung von Todsünden ist aber nicht die Eucharistie bestimmt, sondern das Bußsakrament. Die Eucharistie ist das Sakrament derer, die in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen“ (Katechismus, Nr. 1395).
In Charonne lebten damals viele italienische Gastarbeiter, die noch kein Französisch sprachen. Pater Planchat organisierte für sie Exerzitien in italienischer Sprache, die von einem italienischen Mönch geleitet wurden. Der Pater schätzte die Zahl italienischer Gastarbeiter in Paris auf 20000. Da sie zumeist keine Kirchgänger waren, gründete er in Charonne das italienisch-katholische Hilfswerk „Sacra Famiglia“, das auch in anderen Vierteln als Vorbild diente.
In der belagerten Stadt
Anfang 1870 wurde das Arbeiterheim Sainte-Anne von 400 Lehrlingen und Arbeitern regelmäßig besucht und stand noch mit 500 Ehemaligen in Kontakt. Das ganze Viertel Charonne veränderte sich unter der Wirkung des Zentrums, das hinfort rund um die Uhr mit Ordensbrüdern besetzt war. Am 2. September kam jedoch die Nachricht von der militärischen Niederlage Frankreichs in Sedan. Am 19. September wurde Paris von der preussischen Armee eingeschlossen und 4 Monate lang belagert. Die Pariser und ihre Familien litten unter einer wachsenden Arbeitslosigkeit, und bald kam es zu einer Hungersnot… Pater Planchat ging von Tür zu Tür, um Spenden zu sammeln, und bekam genug Geld zusammen, um trotz der exorbitanten Lebensmittelpreise eine Suppenküche zu unterhalten. Bald eröffnete er eine Ambulanz in Sainte-Anne, in der Hunderte von Kriegsverletzten behandelt wurden. Daneben ließ er Tausenden von Soldaten, die in der belagerten Stadt zum Müßiggang verurteilt waren, körperliche und seelische Fürsorge angedeihen. Jeden Tag ging er an die Front, um Verwundete zu versorgen und den Schwerstverletzten die Sterbesakramente zu bringen. Am 7. Februar 1871 konnte das Arbeiterheim 8000 Soldaten begrüßen, von denen 5000 beichteten und danach die Kommunion empfingen. Dieser Erfolg war ein Ärgernis für die Anführer der Sozialisten und Anarchisten… Ein Kommandant empfahl dem Pater dringend, „in seinem eigenen Interesse“ die Soldaten nicht weiter von ihren militärischen Aufgaben abzulenken (was ein falscher Vorwurf war). Doch dieser dachte nicht daran, sich in Sicherheit zu bringen.
Am 18. März 1871 brach der Aufstand der Pariser Kommune gegen die rechtmäßige Regierung unter Präsident Adolphe Thiers aus, der nach Versailles geflohen war. Die „Föderierten“ (Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten) errichteten eine Diktatur in der Hauptstadt. In einer von der Presse geschürten Explosion kirchenfeindlichen Hasses wurden auch Kirchen profaniert. An Gründonnerstag, dem 6. April 1871, drang eine Gruppe von Föderierten auf der Suche nach einem Abbé namens de Broglie in das Heim Sainte-Anne ein. Da sie ihn nicht finden konnten, verhaftete ein mit einer Pistole bewaffneter Kommissar an seiner Stelle den „Bürger Planchat“. Der Pater wurde im Rathaus des 20. Arrondissements einem Verhör unterzogen und am Karfreitag in die Polizeipräfektur verlegt, wo er die Ostertage in einer winzigen Zelle zubrachte. Am 13. April traf er im Gefängnis Mazas auf 25 Kleriker –darunter auch den Erzbischof von Paris –,die 39 Tage lang als Geiseln in Einzelhaft gehalten wurden, ohne die Möglichkeit, eine Messe zu zelebrieren. Die Bevölkerung war über die sukzessiven Misserfolge der Kommunarden verärgert und suchte nach „Verrätern“, an denen sie sich rächen konnte…
Als die Bewohner Charonnes von der überraschenden Verhaftung Pater Planchats erfuhren, organisierten sie eine Petition und sammelten dafür über 300 Unterschriften: „Wir bestätigen, dass Herr Planchat unfähig ist, welcher Regierung auch immer zu schaden. In unserem Viertel ist er uns eine Stütze in unserem Elend; seine unerschöpfliche Nächstenliebe fehlt uns, vor allem in unserer gegenwärtigen Lage… Wir bitten daher das Komitee, diesem Bürger die Freiheit wiederzuschenken, der seit so vielen Jahren in dem Viertel bekannt ist und respektiert wird.“ Die Petition blieb unbeantwortet; der Gefangene wurde aber bis zum Schluss von den Mitgliedern der Pfarrei von Charonne auf eigene Gefahr beköstigt. Doch Planchats Gesundheitszustand verschlechterte sich; er schlief schlecht und fühlte, wie „die Gereiztheit und die Entzündung seine Nerven angriff“.
Vor allem die Priester schlagen
Am 21. Mai marschierten die „Versailler“ überraschend in Paris ein; sie brauchten eine Woche, bis sie die ganze Stadt erobert hatten. Von da an kannte die Gewalt keine Grenzen. Der Staatsanwalt der Kommune rief: „Wir haben Geiseln, darunter auch Priester: Wir wollen vor allem sie schlagen!“ Am 22… Mai wurden die Häftlinge in das Gefängnis von la Roquette verlegt. Dabei waren sie eine kurze Zeit zusammen, so konnten sie beichten und kommunizieren.
„Die Kirche bietet den Sterbenden neben der Krankensalbung die Eucharistie als Wegzehrung an. In diesem Moment des Hinübergangs zum Vater hat die Kommunion mit dem Leib und Blut Christi eine besondere Bedeutung und Wichtigkeit. Sie ist Same des ewigen Lebens und Kraft zur Auferstehung, denn der Herr sagt: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag (Joh 6,54)“ (Katechismus, Nr. 1524).
Am 24. Mai drang ein von Frauen angeführter Mob in das Gefängnis von la Roquette ein, brachte sechs der Geiseln – darunter den Erzbischof von Paris Msgr. Darboy– in seine Gewalt und erschoss sie vor den Augen der anderen Gefangenen. Am 25. wurden 5 Dominikaner aus dem Kloster Arcueil zusammen mit 8 ihrer Kollegiaten auf offener Straße erschlagen… Am Nachmittag des 26. Mai wurde Pater Planchat zusammen mit 9 weiteren Klerikern und 40 Laien aus dem Gefängnis herausgeführt. Der Zug ging durch den Stadtteil Belleville; unterwegs wurden die Geiseln von der aufgebrachten Menge beschimpft, die ihren Tod forderte. Ein Zeuge berichtete: „Pater Planchat marschierte mit gesenkten Augen, zutiefst konzentriert, und dachte zweifellos an nichts anderes als sein Leben Gott darzubringen.“ Gegen 6 Uhr erreichten die Gefangenen die Rue Haxo und wurden von der versammelten Menge verprügelt; danach mussten sie sich vor dem Zaun eines unbebauten Grundstücks aufstellen.
Pater Planchat bat darum, die Familienväter zu verschonen und bot sich an, an ihrer Stelle zu sterben. Manche Anführer der Kommunarden zögerten noch, den Schießbefehl zu erteilen. Da fiel plötzlich ein Revolverschuss, gefolgt von einer chaotischen Schießerei; das anschließende Massaker mit Gewehren, Revolvern und Bajonetten dauerte eine halbe Stunde lang. Zeugenaussagen zufolge starb Pater Planchat auf Knien betend bis zum letzten Atemzug. Keiner der 50 Geiseln überlebte. „Das scheint keine organisierte Hinrichtung gewesen zu sein, sondern eine Form von Massen-Lynchjustiz“, schrieb der Historiker Robert Tombs später.
Henri Planchat, der „Apostel von Charonne“, wurde von Papst Franziskus als Märtyrer anerkannt und am 22. April 2023 zusammen mit vier Ordensleuten aus der Kongregation der Heiligen Herzen Jesu und Mariens, die dem Massaker in der Rue Haxo ebenfalls zum Opfer gefallen waren, in der Pariser Saint-Sulpice-Kirche seliggesprochen. Wir können Gott durch die Fürsprache Pater Planchats um die Gnade bitten, Missionare der Eucharistie zu werden, des Sakramentes der Liebe, über das Jesus sagte: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn einer von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit, und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt (Joh 6,51-52). Möge der selige Henri uns helfen, seinem Beispiel zu folgen und uns dem Dienst der Armen und Unglücklichen zu weihen, die Gott auf unseren Weg führt. Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, habt ihr mir getan (Mt 25,40).












