Beata Maria-Antonia de Paz y Figueroa

3. Januar 2024

Selige Maria-Antonia de Paz y Figueroa

Liebe, verehrte Freunde,

„Wo ist Angenehmeres zu finden als in der Besinnung auf die himmlischen Gnaden und unbeschreiblichen Tröstungen, die uns die Praxis der geistlichen Übungen geschenkt hat?“, fragte Papst Pius XI. in seiner Enzyklika über die Geistlichen Übungen des hl. Ignatius. „Haben wir darin nicht das Licht gefunden, um den göttlichen Willen zu erkennen, und den Ansporn, ihn zu erfüllen? Wir sehen in den Übungen ein unvergleichliches Instrument für das ewige Heil der Seelen“ (Enzyklika Mens nostra, 20. Dezember 1929). Am 27. August 2016 wurde eine Frau seliggesprochen, die ebenfalls vom außerordentlichen Wert der Übungen überzeugt war und die ihr Leben dafür einsetzte, dass sie in Argentinien im 18. Jh. auch nach dem Verbot der Gesellschaft Jesu weiterhin praktiziert wurden.

Selige Maria-Antonia de Paz y Figueroa Die in Argentinien unter dem Namen Mamá Antula allgemein bekannte María Antonia de Paz y Figueroa wurde 1730 in Villa Silípica in der im Norden des Landes gelegenen Provinz Santiago del Estero in einer adligen Familie geboren. María Antonia und ihre drei Brüder erhielten eine solide Erziehung, in der die Frömmigkeit eine äußerst wichtige Rolle spielte. Sie war eine schöne junge Frau, intelligent und tatkräftig. Ihre Eltern wollten „eine gute Partie“ für sie finden, doch sie hatte beschlossen, sich in der Jungfräulichkeit und im Apostolat voll und ganz Gott zu weihen.

1585 hatten die ersten in der Gegend angekommenen Jesuitenpatres eine Schule gegründet und ihr wirksamstes Mittel des Apostolates eingesetzt, nämlich die Geistlichen Übungen ihres Gründers, des hl. Ignatius von Loyola. Sie gingen sogar von Tür zu Tür, um zu den im Allgemeinen sieben- bis zehntägigen Exerzitien für Männer einzuladen. In Santiago del Estero profitierten sie von der Unterstützung Gott geweihter Frauen, der sogenannten „Beaten“, die von großem Eifer beseelt und überaus hilfsbereit waren. Die Beaten beteten jeden Tag alle drei Teile des Rosenkranzes zusammen und führten ein überaus karges und entsagungsvolles Leben. Während der von den Jesuitenpatres gehaltenen Exerzitien besorgten sie den Haushalt. Außerdem besuchten sie Arme und Kranke und engagierten sich in der Kindererziehung.

Mit 15 Jahren legte María Antonia private Gelübde ab, zog ein schwarzes Kleid an, das der Soutane der Jesuiten nachempfunden war und somit ihre Weihe auch öffentlich kundtat, und nahm den Namen María Antonia de San José an. Sie stand in Verbindung mit einem Konvent von Beaten aus Santiago und unterhielt einen Briefwechsel mit Angehörigen des Karmeliterinnen- und Dominikanerinnenordens aus Córdoba und Buenos Aires, fühlte sich jedoch nicht von deren Lebensweise angezogen. Ihre Spiritualität konzentrierte sich auf das Heilige Messopfer sowie auf die innige Verehrung des Jesus-Kindes; daneben verehrte sie insbesondere die Mutter Gottes, den hl. Josef, den hl. Ignatius, den hl. Franz-Xaver sowie den hl. Stanislaus Kostka. Sie führte in Argentinien den Kult des hl. Kajetan von Thiene (1480-1547) ein, des Gründers des Theatinerordens, der als Patron der Arbeiter sowie der Arbeitsuchenden in Argentinien auch heute noch oft um Beistand angerufen wird. Die stets lächelnde und zuvorkommende María Antonia arbeitete über 20 Jahre lang mit den Jesuiten von Santiago del Estero zusammen, um das Apostolat der Geistlichen Übungen voranzubringen.

Im 18. Jh. formierte sich jedoch Widerstand gegen Autorität der Kirche. Später schrieb Papst Pius XI.: „Wir erleben nun die maßlose Verherrlichung der menschlichen Vernunft. Alles, was die Kräfte und das Fassungsvermögen des Menschen übersteigt oder den Rahmen des natürlichen Bereiches sprengt, wird kurzerhand geleugnet und der Verachtung preisgegeben. Sogar die hochheiligen Rechte Gottes über Familie und Staat werden nicht mehr anerkannt“ (Apostolisches Schreiben Meditantibus Nobis, 3. Dezember 1922). Die Jesuiten, die damals eine wichtige Rolle als Berater von Fürsten sowie als Erzieher der für hohe Ämter vorgesehenen Jugend spielten, sahen sich vielfach Angriffen und Verfolgungen ausgesetzt. Der protestantische Historiker Sismondi (1773-1842) schrieb: „Das Konzert der Anklagen und zumeist Verleumdungen, die gegen die Jesuiten vorgebracht werden, hat etwas Erschreckendes. Der gesamte Richterstand, ein Großteil des Klerus, sämtliche ‚Philosophen’ und Freigeister haben sich zusammengetan, um die Jesuiten anzuprangern“ (Histoire des Français, Band XXIX). Auch die Herrscher Portugals, Frankreichs und Spaniens wandten sich gegen sie. 1767 ordnete der spanische König Karl III. die Vertreibung der Jesuiten aus seinem Staatsgebiet, einschließlich der amerikanischen Kolonien, an. Papst Clemens XIII. protestierte vergebens. In Santiago del Estero wurde die Vertreibung, wie überall, brutal durchgeführt: Die Patres wurden wie Kriminelle von Soldaten abgeführt. Belästigt von den bourbonnischen Höfen löste der schwache Papst ClemensXIV. die Gesellschaft Jesu 1773 auf. Diese wurde 1814 von PiusVII. wieder eingesetzt.

Wie ein Waisenkind

Nach der Vertreibung der Jesuiten fühlte sich María Antonia wie ein Waisenkind. Sie litt sehr, als sie sah, wie der Klerus sich offenbar mit dieser Ungerechtigkeit arrangierte: Alles, was einen direkten oder indirekten Bezug zur Gesellschaft Jesu hatte, galt nun als verwerflich; man wollte nicht einmal mehr ihren Namen aussprechen, und auch die Praxis der Geistlichen Übungen wurde abgelehnt. María Antonia, die diese viele Jahre lang praktiziert hatte und aufgrund ihrer reichen Früchte ihren Wert sehr wohl kannte, fühlte, dass sie reagieren musste. Sie bemühte sich, den guten Ruf der Patres gegen die feindselige öffentliche Stimmung zu verteidigen und bekannte sich offen als ihre Schülerin. Im Auftrag des Herrn, wie sie versicherte, und mit Erlaubnis der kirchlichen Autoritäten bereitete sie ein großes Haus in Santiago del Estero vor, in dem sie Exerzitien organisierte. Sie war besonders geschickt darin, gute Franziskaner- und Dominikanerpatres zu finden, die bereit waren, die Exerzitien nach der Methode des hl. Ignatius zu leiten. Diese Übungen waren, wie ihre Früchte zeigten, eine intellektuelle Therapie, die Hunderte von Laien und Priestern heilte, indem sie sie von dem breiten Weg, der ins Verderben führt (Mt 7,13), abbrachte und sie zu treuen Jüngern Christi und der Apostel seines Evangeliums machte. Überzeugt, dass das Schlimmste aller Übel die Sünde ist (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1488), bekehrten sich viele wieder zum Gehorsam gegen Gottes Gebote, zum bedingungslosen Glauben an die Lehren der Kirche, zu einem Leben des Gebets sowie zum regelmäßigen Empfang der Sakramente.

„Nun steht es aber fest, dass unter allen Methoden eine immer den hervorragendsten Platz einnahm, weshalb sie auch unter voller, wiederholter Anerkennung vonseiten des Heiligen Stuhles seit vier Jahrhunderten unermessliche Früchte der Heiligung gebracht hat“, schrieb Papst Pius XI. „Wir meinen die Methode des heiligen Ignatius von Loyola, den Wir den ersten und einzigartigen Meister der Geistlichen Übungen nennen möchten. Sein wunderbares Exerzitienbüchlein, so klein und doch so voll himmlischer Weisheit, leuchtet hervor als eine höchst weise und umfassende Lehre zur Leitung der Seelen auf dem Wege des Heiles und der Vollkommenheit, als eine unerschöpfliche Quelle wertvoller, solider Frömmigkeit, als ein mächtiger Ansporn und ein kluger Führer zur Bekehrung der Seelen und zu den Höhen des geistlichen Lebens“ (Enzyklika Mens nostra). Die besondere Fruchtbarkeit der Übungen liegt in ihrem Programm. Der Exerzitant verlässt seine gewohnten Beschäftigungen und Sorgen und kommt in ein Haus, in dem er Ruhe, Stille und Andacht genießt. So kann er sich mehrmals am Tag dem Einzelgebet widmen und von der Begleitung eines Priesters profitieren. Der hl. Ignatius führt ihm zunächst seinen Ursprung und seine letzte Bestimmung vor Augen, das Prinzip und Fundament. Sodann wird der Exerzitant durch die Betrachtung seiner Sünden und deren ewigen Folgen für die, die sich nicht an die unendliche Barmherzigkeit Gottes wenden, zu einer tiefen Reinigung seiner Seele angeleitet. Danach wird das Leben des Heilands Jesus Christus betrachtet, den der Exerzitant immer besser kennenzulernen bemüht ist, um ihn inbrünstiger zu lieben und ihm getreuer zu folgen. Schließlich schlägt der hl. Ignatius mehrere Betrachtungen über das spirituelle Leben vor, insbesondere Regeln zur Unterscheidung der Geister.

Die „Beate der Übungen“

Beseelt von dem brennenden Eifer, den Seelen den Weg zum Himmel zu weisen, suchte María Antonia auch jenseits der Stadtgrenzen nach Exerzitanten. Sie durchstreifte zu Fuß ganz Nordargentinien und stieß dabei auf tausend Schwierigkeiten und Widerstände. Bemerkenswert war ihre außergewöhnliche Umsicht: Vor jeder Entscheidung ließ sie sich von kundigen Personen beraten und holte stets die notwendigen Erlaubnisse der kirchlichen Amtsträger – Bischöfe oder Gemeindepfarrer – ein, um die Exerzitien durch Plakate und bei den Sonntagsmessen anzukündigen. María Antonia ging auch Klinkenputzen sowie auf Märkte, um für die Übungen zu werben. Im Hinblick auf die Ernährung der Exeritanten verließ sie sich auf die Vorsehung, sammelte jedoch mit einem Esel, der einen kleinen Karren zog, auch selbst Spenden. Bald war sie mit ihrem Wanderstock in der ganzen Region bekannt. Und tatsächlich mangelte es nie an Nahrung, wie hoch die Zahl der Exerzitanten auch sein mochte: Das Notwendige kam immer zur rechten Zeit, und die Exerzitanten strömten nur so herbei. Sie wurde für viele ein Vorbild an demütiger und spontaner Schlichtheit; man nannte sie daher die „Beate der Übungen“.

„Aus dieser christlichen Vollkommenheit, die, wie die Erfahrung lehrt, die Geistlichen Übungen vermitteln, folgt nun außer dem inneren Frieden wie von selbst in reichem Maße eine andere kostbare Wirkung, die für das Gemeinschaftsleben von keiner kleinen Bedeutung ist: Das Verlangen, Seelen für Christus zu gewinnen, der ‚Apostelgeist’. Die richtige Wirkung der Gottesliebe ist nämlich die, dass die geheiligte Seele, in der Gott mit seiner Gnade wohnt, einen wunderbaren Drang empfindet, auch andere an der Erkenntnis und Liebe des unendlichen Gutes teilhaben zu lassen, das sie selbst glücklich besitzt“ (PiusXI. Mens nostra).

Der Herr unterstützte María Antonia durch die Gabe, Wunder zu tun. Als einmal das Exerzitienhaus voller Gäste war, gab es kein Brot mehr. María Antonia schickte daraufhin ihre Nichte an die Tür, wo diese ganze Körbe voller köstlicher Brote entdeckte, deren Herkunft niemand kannte.. Ein andermal war das kleine Fass auf einmal leer, in dem der Wein aufbewahrt wurde. Man füllte Wasser hinein, damit das Holz nicht austrockne. Als das Fass später angezapft wurde, kam ein hervorragender Wein aus ihm, den die Priester sogar als Messwein benutzten.

Die künftige Wiederzulassung

María Antonia zog in die Regionalmetropole Córdoba, wo sie zunächst auf heftige Ablehnung stieß: Man nahm Anstoß daran, dass eine ärmlich gekleidete Frau ohne höhere Bildung die Botschaft des Evangeliums verkündete. Doch dank ihrer Demut, ihrer Geduld und ihrer Sanftmut konnte sie die Hindernisse bald überwinden. Sie mietete ein Haus an und fand Priester, die die Übungen leiteten. Anfang 1778 nahmen rund 3000 Männer und Frauen an den Exerzitien teil, und es kam zu vielen Bekehrungen. In Córdoba kündigte ihr der Herr durch eine Vision die künftige Wiederzulassung der Gesellschaft Jesu an: Sie sah, wie ein Engel vom Himmel herabstieg und die in Dunkelheit gehüllten Jesuitenkirchen durch das Entzünden einer Flamme in Licht tauchte. Diese Vision stützte sie in dunklen, schwierigen Stunden; so gestärkt, ließ sie jeden Monat zu Ehren des hl. Josef, des Patrons ihres Werkes, eine Messe feiern, um die Gnade der Wiederzulassung der Jesuiten zu erhalten.

Nachdem sie 70 Exerzitien in Córdoba durchgeführt und alle Vorkehrungen zur Fortführung des Werkes getroffen hatte, kehrte María Antonia nach Santiago del Estero zurück. Seit Eröffnung des ersten Exerzitienhauses in dieser Stadt waren 11 Jahre vergangen, in denen sie rund 3000 km zu Fuß zurückgelegt hatte. Aus der Begegnung mit ihr waren mehrere Bischöfe, eine große Anzahl von Priestern, aber auch etliche Provinzgouverneure und zahlreiche Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten verwandelt hervorgegangen.

Mit ihrem Kreuz in der Hand und dem Ruf des Herrn folgend, brach María Antonia zusammen mit einigen Beaten bald wieder auf und schlug diesmal den nahezu 1000 km weiten Weg nach Buenos Aires ein. Als die kleine Frauengruppe 1779 die Hauptstadt Argentiniens erreichte, wurde sie von einigen Leuten mit Steinwürfen empfangen. Die Frauen flüchteten in das kleine Heiligtum Nuestra Señora de la Misericordia (die später zu einer großen Basilika erweitert wurde). María Antonia hing so sehr an dieser Kirche, dass sie später darum bat, dort beerdigt zu werden. Die Beaten wurden von einer aus Santiago del Estero stammenden Familie aufgenommen. María Antonia begann sogleich, öffentlich von Bekehrung und Buße zu reden, was in der Stadt schlecht aufgenommen wurde. Sie selbst ging barfuß und trug ein Büßerhemd; so versuchte sie mehrfach, am Sitz des Bischofs vorzusprechen, wurde jedoch nicht zu einer Audienz empfangen. Sie musste mehrere Monate lang regelmäßig wiederkommen, bis sie den Bischof treffen konnte, wenn auch in einer den Jesuiten gegenüber ablehnenden Atmosphäre. „Geduld ist gut“, pflegte sie zu sagen, „Beharrlichkeit ist aber noch besser.“ Schließlich konnte sie den Bischof überzeugen, und er erteilte ihr alle notwendigen Erlaubnisse. 1781 fanden die ersten 29 von María Antonia organisierten Exerzitien mit zuweilen 200 Teilnehmern statt. Der Bischof war mit dem Erfolg überaus zufrieden und meldete sich freiwillig, um selbst einige Vorträge zu halten. Nachdem der Pfarrer der Kathedrale von Buenos Aires als Seelsorger an den Übungen teilgenommen hatte, trat er von seinem Amt zurück und sagte sich von seinem Besitz los, um María Antonia bei ihrem Werk zu begleiten. Dank der Vorsehung und dank vieler Spenden konnten die Exerzitien kostenlos angeboten werden.. Es gab so viele Nahrungsmittel für die Exerzitanten, dass man sogar etwas an die Armen abgeben konnte.

Aufmerksame Fürsorge

1791-1793 verbrachte María Antonia drei Jahre in Montevideo in Uruguay, am anderen Ufer des Rio de la Plata, wo sie ein Exerzitienhaus eröffnete. Nach Buenos Aires zurückgekehrt, konnte sie 1797 dank einer bedeutenden Grundstückschenkung das sogenannte „Heilige Haus der Übungen“ gründen, ein Exerzitienhaus für 100 Gäste sowie einer festen Unterkunft für die Beaten.. Sie selbst begrüßte die Exerzitanten, sorgte dafür, dass sie alles Notwendige bekamen, ermunterte sie mitunter durch ein Lächeln oder ein freundliches Wort und sorgte für festliche Momente. Gebildete Gäste fanden Bücher vor. Einige Übungen wurden durch fromme Bilder, Vorstellungen oder kurze Sketche veranschaulicht. Die Kapelle und die Flure waren mit zahlreichen Gemälden und Statuen geschmückt. Zudem gab es eine Jesus-Statue, die in dem Ruf stand, Wunder zu tun.

Bei den Übungen lernt der Exerzitant „in der Schule Gottes gebildet, das Leben nach seinem wahren Wert einzuschätzen, der im alleinigen Dienst Gottes besteht. Dort wird er zur heiligen Furcht Gottes gelangen; wird die Nichtigkeit der Erdendinge unverhüllt durchschauen; er wird, von Dem, der der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6) ist, durch das Wort und Beispiel gerufen, den alten Menschen auszuziehen, sich selbst verleugnen und durch Übung von Demut, Gehorsam und freiwilliger Buße Christus anziehen und sich bemühen, zum vollkommenen Mann, zu jenem Vollmaß der Altersreife Christi (Eph 4,13) zu gelangen, von dem der Apostel spricht. Ja, er wird mit ganzer Seele verlangen, dem Apostel das Wort nachsprechen zu können:Ich lebe, nein, nicht mehr ich, Christus lebt in mir (Gal 2,20).“ (Pius XI., Mens nostra).

In ihrer Freizeit besuchte María Antonia Arme und versorgte sie mit leiblichem und geistlichem Beistand. Gemäß ihrem Wunsch nach der Bekehrung von Leuten, die sich von Gott entfernt hatten, nahm sie sich liebevoll solcher Frauen an, die nun ihr früheres lasterhaftes Leben bereuten. Ebenso kümmerte sie sich um verlassene Kinder. Dank ihrer vorbildlichen Demut konnte sie Streitigkeiten innerhalb der Familien und sogar innerhalb der Kirche erfolgreich schlichten, Gefangene trösten und allen Vertrauen und Gelassenheit vermitteln.

Die „Töchter des göttlichen Erlösers“

María Antonia umgab sich mit Frauen, die sich nach ihrem Vorbild gänzlich Gott sowie dem Werk der Exerzitien geweiht hatten und auch Religionsunterricht in den Pfarrgemeinden erteilten. Aus der 1795 von ihnen gegründeten Beginengemeinschaft ging später die „Gesellschaft der Töchter des göttlichen Erlösers“ hervor, die das Werk der Exerzitien fortführte und sich dem Religionsunterricht, den Missionen auf dem Lande sowie der Unterstützung der Bedürftigsten widmete.

Als María Antonia 60 Jahre alt wurde, wollte sie, um noch mehr Seelen zu retten, einer noch größeren Anzahl von Menschen Exerzitien anbieten. Man bat sie, nach Tucumán und nach Santiago zurückzukehren, aber sie lehnte ab, da sie meinte, ihre Bemühungen auf Buenos Aires konzentrieren zu müssen. Die Briefe, die sie an Jesuiten im Exil richtete, wurden oft kopiert, ins Italienische, Französische sowie Lateinische übersetzt und in ganz Europa verbreitet. Manche gelangten sogar in die Hände von Louise de France, einer Tochter Ludwigs XV., die unter dem Namen Mutter Thérèse de Saint-Augustin Priorin des Karmelitinnenklosters von Saint-Denis geworden war und europaweit große Wertschätzung genoss.

María Antonia führte weiterhin ein asketisches Leben und ernährte sich nur von Brot und Gemüse. Da sie unter starken inneren Schmerzen litt und sich ihr Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte, verfasste sie ihr geistliches Testament, in dem sie darum bat, dass ihre Beerdigung ohne jede Prachtentfaltung, aber von innigen Gebeten begleitet stattfinden solle. Drei Tage vor ihrem Tod ließ sie sich zur steinernen Bank vor ihrer Haustür bringen, rief von da aus die Passanten zur Umkehr sowie zur Reue auf und kündigte harte Strafen für die Stadt wegen der unzüchtigen Bekleidung ihrer Bewohner an.. Am 6. März 1799 bekam sie hohes Fieber und starb einen Tag später im Alter von 69 Jahren. Ihr Leichnam ruht in der Basilika Nuestra Señora de la Misericordia in Buenos Aires, wo er von vielen Pilgern verehrt wird.

Das innere Leben der seligen María Antonia speiste sich aus ihrem unerschütterlichen Glauben an Gott und seine Vorsehung. Als unbekannte Frau, ohne jede Macht und ohne besonderes Ansehen, rief sie die Gläubigen mit allem Nachdruck zur Umkehr durch die Praxis der Geistlichen Übungen des hl. Ignatius auf. Als unermüdliche Missionarin und Pionierin in der Ausbildung von Laien und Priestern führte sie einen großen Teil Südamerikas zu Christus. Man schätzt, dass die von ihr organisierten Exerzitien rund 80 000 Personen zugute gekommen sind.

„Das Angebot der Geistlichen Übungen bedeutet, zu einer Gotteserfahrung, zu einer Erfahrung seiner Liebe und seiner Schönheit einzuladen. Wer die Exerzitien auf authentische Weise lebt, erfährt die Anziehungskraft, die Faszination Gottes und kehrt erneuert, verklärt ins Alltagsleben, in seinen Dienst, in die Beziehungen des Alltags zurück und bringt den Wohlgeruch Christi mit“ (Papst Franziskus, 4. März 2014, über Radio Vatican). Bitten wir die selige María Antonia, für viele Menschen die Gnade zu erwirken, dass sie an den Übungen teilnehmen und aus ihnen großen geistlichen Nutzen für ihr eigenes Seelenheil, für das Seelenheil vieler anderer sowie für das Wohl der Kirche und der Welt ziehen können.

Seliger Alberto Marvelli

Selige Anna vom hl. Bartholomäus

Seliger Franziskus Faà di Bruno

Seliger Henri Planchat