Beato Alberto Marvelli

17. April 2024

Seliger Alberto Marvelli

Liebe, verehrte Freunde,

„Alberto Marvelli hat gezeigt, wie Laienchristen in wechselnden Zeiten und Situationen sich uneingeschränkt für die Errichtung des Reiches Gottes in der Familie, bei der Arbeit, in Kultur und Politik einsetzen können, indem sie das Evangelium ins Herz der Gesellschaft tragen“, sagte der heilige Papst Johannes Paul II. 1992 in Rimini. Bei der Seligsprechung des im Alter von 28 Jahren verstorbenen jungen Italieners versicherte der Papst: „Alberto machte die tägliche Eucharistiefeier zum Mittelpunkt seines Lebens. Fest überzeugt davon, dass man in der Zeitgeschichte ganz als Kinder Gottes leben müsse, um sie zur Heilsgeschichte zu machen, suchte er im Gebet auch Inspiration für sein politisches Engagement“ (5… September 2004).

Seliger Alberto Marvelli Alberto Marvelli wurde als Sohn eines Bankdirektors, Luigi Alfredo Marvelli, der auch Vorsitzender der lokalen Sektion der Konferenzen des hl. Vinzenz von Paul war, am 21. März 1918 in Ferrara (Norditalien) geboren. Seine Mutter Maria stammte aus bayrischem Adel. Alberto war das zweite von sechs Kindern. Nach mehreren Umzügen ließ sich die Familie in Rimini nieder. Alberto war noch keine 15 Jahre alt, als sein Vater plötzlich an einer Hirnhautentzündung starb. Der junge Mann schrieb: „Ich werde das vorbildliche Leben meines Vaters nie vergessen; er lebte es selbst in den schwersten Augenblicken in gelassener und heiliger Weise. Er war ein Christ im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Halbheiten, ohne menschliche Rücksichten, ohne Prahlerei, aufrichtig, lächelnd, immer in der Gnade, heiter. Er ist stets der weisen Stimme des Gewissens gefolgt und hat nie gezögert, auf Ehren und Reichtümer zu verzichten, wenn deren Besitz die klare Transparenz seiner Seele getrübt hätte.“ Albertos Mutter, eine unerschöpfliche Lebens- und Liebesquelle sowie Mitglied mehrerer christlicher Vereine, war in gewisser Weise die Mutter sämtlicher Kinder in der Pfarrei.

In der Schule erwies sich Alberto als brillanter Schüler, selbst in den sprachlichen Fächern, die ihm weniger lagen. Als frühreifer Junge, hatte er einen starken Einfluss auf seine Mitschüler; er besaß ein impulsives Temperament, das er mit Hilfe seiner Mutter zügeln konnte. Mit 12 Jahren trat er einer Kindergruppe der Katholischen Aktion bei und besuchte auch regelmäßig das Oratorium der Salesianer. Diese betreuten die Kinder, regten sie zum Spielen an, korrigierten liebevoll ihre Fehler und sorgten so für ein friedliches und fröhliches Leben… Ihr pädagogisches Prinzip lautete: „Dem Jugendlichen es moralisch unmöglich machen, zu sündigen.“ Albertos Seele war zutiefst vom Vorbild Domenico Savios (1842-1857) geprägt, eines mit 14 Jahren verstorbenen und heute als Heiligen verehrten Schülers von Don Bosco. Von ihm übernahm er die Liebe zur Eucharistie, zum Dienen und zum Lächeln. Die Salesianer stützten sich bei der Leitung vieler Freizeitaktivitäten auf Alberto. Als Musikliebhaber stellte dieser ein kleines Orchester zusammen, er erteilte Katechismusunterricht und kümmerte sich vor allem um behinderte Jungen bzw. um solche, die gerade in Schwierigkeiten steckten.

„An diesem Tag habe ich nach der heiligen Kommunion mein Herz der unbefleckten Gottesmutter Maria geweiht, damit sie es ebenso rein und unbefleckt bewahre wie ihr eigenes“, schrieb er am 8. Dezember 1934. Von da an stand sein geistliches Leben unter dem Schutz der Jungfrau Maria, auf die er vertraute. Er betete täglich den Rosenkranz – im Familienkreis oder allein, mitunter auch auf dem Fahrrad.

Alberto liebte alle Sportarten (Tennis, Volleyball, Leichtathletik, Fußball, Schwimmen, Segeln usw.), am liebsten aber war ihm das Fahrradfahren. Der Sport diente ihm als Mittel, bestimmte Charaktereigenschaften zu korrigieren, seine Trägheit abzuschütteln, seine Persönlichkeit zu stärken und sich Gott anzunähern… Im August 1935 verbrachte er einen Monat in den Bergen. Der Kontakt zur Schönheit der Natur begeisterte ihn. „Selbst wenn ich Gott nicht liebte, glaube ich, ich würde ihn liebgewinnen, wenn ich im Gebirge bliebe… Welcher Friede, welche Ruhe, welche Schönheit: Alles spricht von Gott zu uns. Nur ein unendlich großer und barmherziger Gott konnte so schöne Dinge erschaffen!“ Ab 1933 führte er ein Tagebuch, in dem er seine Bestrebungen als Laienchrist notierte. Diese Tagebuchseiten sind ein intimes Zwiegespräch mit Jesus. „Was sind die Vergnügungen der Welt im Vergleich zur Freude, die du denen bereitest, die dich lieben?“, schrieb er. „Was sind Freuden und eingebildeter Genuss im Vergleich zum reinen und erhabenen Wohlgefühl, welches man empfindet, wenn man dich betrachtet und dich in sich, in sein Herz aufnimmt? Weniger als nichts…“

Ist Reinheit schwer zu erreichen?

Alberto wollte seine Reinheit als Mittel der Verbundenheit mit Gott bewahren.

„Die Reinheit des Herzens, des Leibes und des Glaubens stehen miteinander in Verbindung“, steht im Katechismus der Katholischen Kirche… „Ein reines Herz ist Voraussetzung der Gottesschau. Schon heute befähigt es uns, die Dinge im Lichte Gottes zu sehen und andere als ‚Nächste’ anzunehmen. Es lässt uns den menschlichen Leib, unseren eigenen wie den des Nächsten, als Tempel des Heiligen Geistes, als Spur der göttlichen Schönheit wahrnehmen“ (Nrn. 2518-2519).

„Ist Reinheit schwer zu erreichen?“, fragte sich der junge Mann. „Es fällt denen schwer, die sie mit menschlichen Mitteln zu erreichen glauben; für die aber, die sich aus den unerschöpflichen Quellen der Gnade und der Liebe ernähren, die von der Eucharistie, der Besinnung und dem Willen gestützt werden, ist sie erreichbar. Ein reines Herz genießt die Freuden der Seele, der innigen und stetigen Verbundenheit mit Gott, der Betrachtung des Allerheiligsten Sakramentes. Welche neue Welt, geformt durch unendliche Eindrücke von Milde und Kraft, hat sich in mir aufgetan, als ich Jesus im Allerheiligsten betrachtet habe!“ In Albertos Antlitz spiegelte sich die entschlossen und fröhlich gelebte Reinheit wider. Er spürte in seiner Beziehung zu jungen Mädchen keine Verlegenheit, sondern ging mit ihnen in gesunder geistiger Unbefangenheit um. Der Kampf um die Reinheit löschte seine Sinnlichkeit nicht aus, sondern führte dazu, dass er das wahre Wesen der Liebe erfasste. In einem schönen Gebet drückte er das folgendermaßen aus: „Ich wende mich an Dich, Vater der Barmherzigkeit, damit Du mein Herz rein und strahlend weiß bewahrst. Möge das göttliche und übernatürliche Licht mein Herz erleuchten, mit seinem leuchtenden Schein einhüllen, in seinen himmlischen Duft tauchen, mit frischem Wasser und belebendem Tau benetzen, es vor den Finsternissen der Welt und der Sünde beschützen, gegen die Fallen des Teufels verteidigen!“

Da er wegen einer leichten Sehstörung nicht in die Marineakademie in Livorno eintreten konnte, schrieb er sich an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Bologna ein; nebenbei setzte er seinen Einsatz im Hilfswerk des hl. Vinzenz von Paul sowie in der Italienischen Föderation katholischer Akademiker (FUCI) fort, deren Ziel die Förderung des Engagements katholischer Studenten für die Evangelisierung des Landes war.

Die finanziellen Mittel von Albertos Familie reichten nicht aus, um sein Studium zu bezahlen. Er musste, wie viele andere Studenten auch, im Sommer arbeiten. Um bei der Mittagsmesse zur Kommunion gehen zu können, musste er seine Familie wegen des damals geltenden eucharistischen Fastens (man durfte nach Mitternacht nichts mehr zu sich nehmen) in aller Frühe ohne Frühstück verlassen. Er schrieb in sein Tagebuch: „Jesus, der du in meinem Herzen liest, den ich jeden Tag in mich aufzunehmen versuche, der du meine Bemühungen siehst, dich zu lieben, damit deine heilige und barmherzige Gegenwart meine Seele reinigt und heiligt, hilf diesem armen sündigen Menschen, der sich vor deinen Füßen niederwirft, um dich um Vergebung zu bitten, gib mir reine, heilige, wohlwollende, geduldige Gedanken ein. Besuche mich mit deinem Kreuz, Jesus, der du glücklich bist, wenn du mir hilfst, das Kreuz zum Wohle meines Nächsten und meiner armen Seele zu tragen. Lass mich nicht in Versuchung geraten und lass mich meine Versprechen halten, die ich ohne Unterlass vor deinen Füßen erneuere. Nur mit deiner Hilfe, mit der Hilfe der Madonna und aller Heiligen werde ich die hehren Ziele erreichen, die ich mitunter erahnen kann, die aber noch so fern sind. Jesus, ich will ein Heiliger werden! Hilf mir!“

Ein strenges und demütiges Lebensprogramm

Alberto wusste, dass Heiligkeit ein Geschenk Gottes ist, dass sie aber die Mitarbeit des Menschen erfordert. So erlegte er sich selbst ein strenges und demütiges Lebensprogramm auf: „Schweigen ist das beste Mittel zur Heiligung; keine Dummheiten sagen und weniger Sünden begehen, den Hochmut niedriger hängen, Demut und Geduld üben sowie lernen, mit Gott Zwiesprache zu halten. Ich muss meine Anfälle von Ungeduld überwinden und statt dessen allen gegenüber liebevolle Geduld und eifrige Nächstenliebe üben. Bevor ich handle, muss ich bedenken, was ich tue. Ich muss mir dringend abgewöhnen, über meinen Nächsten zu urteilen, wenn ich nicht will, dass Gott über mich urteilt. Notfalls muss ich mich auf die christliche Liebe besinnen, auf die Barmherzigkeit Gottes, auf die besonderen Umstände, in denen sich mein Nächster befindet. ‚Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu’ – göttlich weise Worte, die einem viele Gelegenheiten zum Streiten ersparen. Durch eine Anrufung der heiligen Herzen Jesu und Mariens jeden unreinen Gedanken vertreiben, der das makellose Weiß der Seele auch nur von fern trüben könnte. Um die Wallungen des Herzens sowie übertriebene Sentimentalität zu bremsen, immer den Gedanken an Jesus am Kreuz im Sinn haben.“ Er legte sich auch einen genauen Stundenplan zurecht: „Morgens möglichst früh zur von mir festgelegten Stunde aufstehen. Jeden Morgen eine halbe Stunde Betrachtung, ohne es zu vernachlässigen, außer in unvorhergesehenen Fällen. Eine halbe Stunde geistliche Lektüre pro Tag –vielleicht auch mehr. Jeden Morgen der heiligen Messe beiwohnen und kommunizieren, Ausnahmen nur aus Gründen höherer Gewalt. Einmal pro Woche beichten und mich oft mit meinem Beichtvater treffen. Täglich den heiligen Rosenkranz sowie beim Mittagsläuten den Angelus beten“ (22. September 1938). Abgesehen davon rauchte er nur selten und mäßigte sich beim Essen und Trinken. Pier Giorgio Frassati (1901-1925), ein 1990 seliggesprochener Student aus Turin, der sein Leben dem Apostolat geweiht hatte, diente ihm als Vorbild. „Wenn ich es ihm in seiner Reinheit, seiner Güte, seiner Nächstenliebe, seiner Frömmigkeit nur gleichtun könnte.“

Eine unaussprechliche Freude

Papst Pius XI. definierte die Katholische Aktion als „Beteiligung katholischer Laien am Apostolat zur Verteidigung der religiösen und sittlichen Grundsätze, zur Entfaltung einer wohltuenden und vernünftigen sozialen Wirkung unter der Leitung der kirchlichen Hierarchie, um das katholische Leben in der Familie und in der Gesellschaft wiederherzustellen“. Alberto engagierte sich ab 1933 in der Katholischen Aktion – zunächst als Sprecher für die Jugend, dann als Vizepräsident auf Diözesanebene. Er verfügte über die Gabe, allen, die sich an ihn wandten, aufmerksam zuzuhören. „Als junger Mann in der Katholischen Aktion bin ich zwingend verpflichtet, immer und überall apostolisch zu wirken. Die Freude des christlichen Apostolats ist unbeschreiblich.“

Der wahre Apostel, lehrt das II. Vatikanische Konzil, begnügt sich nicht damit, durch sein Leben Zeugnis abzulegen, sondern „sucht nach Gelegenheiten, Christus auch mit seinem Wort zu verkünden, sei es den Nichtgläubigen, um sie zum Glauben zu führen, sei es den Gläubigen, um sie zu unterweisen, zu stärken und sie zu einem einsatzfreudigen Leben zu erwecken; denn die Liebe Christi drängt uns (2 Kor 5,14)“ (Dekret Apostolicam actuositatem, Nr. 6).

Alberto engagierte sich auch in anderen Vereinigungen, insbesondere im Italienischen Christlichen Arbeiterverein ACLI; er half, Kontroversen zu überwinden, und setzte sich stets für Mitarbeit und Einigung ein. Er war jedoch überzeugt, dass die apostolische Arbeit nicht ausreichte; man musste auch geraume Zeit dem Gebet widmen. In seinem Tagebuch notierte er: „Die größten Fehler überwinden: den Müßiggang, die Völlerei, die Ungeduld, die Neugier und viele andere. In jedem schwierigen Moment Jesus zu Hilfe rufen!“

Italien trat am 10. Juni 1940 in den Krieg ein… Alberto wurde in eine motorisierte Infanterieeinheit nach Triest einberufen. Er notierte: „Das nationale und internationale Recht muss auf einer christlichen Grundlage beruhen. Das Evangelium und die päpstlichen Enzykliken müssen die Lebensnormen setzen, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Völker, die Nationen, die Regierungen, die Welt.“ Die tiefere Ursache für den Krieg „ist unsere mangelnde Liebe zu Gott und zu den Menschen. Der Geist der Liebe fehlt in der Welt, und daher hassen wir uns wie Feinde, anstatt uns zu lieben wie Brüder, die alle von Christus erlöst worden sind.“

Papst Pius XII. hatte damals gerade seine erste Enzyklika publiziert, in der er sagte: „Vor allem liegt die eigentliche Wurzel der Übel, die in der modernen Gesellschaft zu beklagen sind, in der Leugnung und Ablehnung eines allgemeingültigen Sittengesetzes für das Leben des Einzelnen und das Leben der Gesellschaft, wie für die Beziehungen der Staaten untereinander: es herrscht heute weithin Verkennung oder geradezu Vergessen eines natürlichen Sittengesetzes. Dieses natürliche Recht beruht auf Gott als seinem Fundament. Wo Gott geleugnet wird, da wird die Grundlage der Sittlichkeit erschüttert. Wenn man fragt, wie es in Europa zur Leugnung der Grundlage der Sittlichkeit gekommen ist, so lautet die Antwort: Es hat damit begonnen, dass man sich von der Lehre Christi entfernte, deren Bewahrer und Lehrer der Stuhl Petri ist“ (Summi Pontificatus, 20. Oktober 1939).

Ein mutiges Glaubenszeugnis

Gleich nach seiner Ankunft in der Kaserne rief Alberto die Mitglieder der Katholischen Aktion und alle anderen zusammen, die bereit waren, ein mutiges Glaubenszeugnis abzulegen, indem sie Fortbildungsveranstaltungen organisierten und die Messe besuchten. Einer seiner Gefährten berichtete: „Oft mussten wir abwechselnd das Schnellfeuergewehr tragen. Auf den schlechten Bergpfaden war das sehr mühsam. Wenn ein Kamerad in einer untrainierten körperlichen Verfassung war, trat Alberto zu ihm, und das Gewehr landete im Nu auf seiner Schulter. Dann kletterte er rasch den Hang hinauf, legte das Schnellfeuergewehr nieder und kehrte an seinen Platz im Glied zurück, ohne Dank zu erwarten.“ Alberto wurde schnell demobilisiert, weil drei seiner Brüder bereits an der Front waren; danach beteiligte er sich als Werkstudent an Projekten von Fiat in Turin… Seine berufliche Tätigkeit hinderte ihn nicht daran, seine Universitätsausbildung abzuschließen. Am 30. Juni 1941 erhielt er das Ingenieursdiplom mit überragenden Noten.

Während der Besetzung Italiens durch das Hitlerregime ab 1943 kehrte Alberto nach Rimini zurück und trat dort einem 1942 von Laien gegründeten Arbeiterverband zur Förderung frommen Lebens bei. Ende 1943 und Anfang 1944 wurde die Stadt Rimini durch Bombardements zerstört. Alberto war immer da, wo es gefährlich war: Er stieg über rauchende Trümmer und arbeitete unermüdlich, um Verletzten zu helfen, Überlebende zu ermutigen, Sterbenden beizustehen und Verschüttete aus den Ruinen zu bergen… Er nahm eine Stelle bei einem privaten Bauunternehmen an: So konnte er sich frei bewegen und denen helfen, die keine Wohnung mehr hatten; er rettete unzählige Menschen vor dem Tod. Es gelang ihm sogar, versiegelte Wagons vor der Abfahrt in verschiedene Konzentrationslager zu öffnen und alle Gefangenen zu befreien.

Ende 1944 floh seine Familie wie viele andere auch nach San Marino. Alberto setzte sich mit aller Kraft für die Geflohenen ein: Er verteilte alles, was er hatte, an sie, kaufte bei Bauern und Händlern Nahrungsmittel ein und fuhr dann mit seinem beladenen Fahrrad zu denen, die nichts hatten. Nach der Befreiung Riminis (September 1944) war er als Mitglied des wiedergegründeten Stadtrats für öffentliche Baumaßnahmen (Wiederaufbau, Zuteilung von Wohnungen usw.) zuständig; er gehörte nach wie vor zwar keiner Partei an, war aber aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes bei der Versorgung Bedürftiger, seines Mutes in schwierigen Situationen und seiner Hilfsbereitschaft allgemein beliebt.

Eine christliche Sicht der Kultur

Später engagierte sich Alberto in der christlich-demokratischen Partei. Für ihn war Politik die Konsequenz sozialer Nächstenliebe. „Er hat sich eingemischt und klargestellt, dass er so handelt, weil er momentan die Parteiarbeit für das beste Mittel zur Ausübung seines Apostolates hält“, sagte einer seiner Freunde. „Er setzte hinzu, er würde die Politik an dem Tag verlassen, an dem die Parteiarbeit der katholischen Welt nicht mehr nützlich wäre.“ Er schloss sich auch einer im September 1945 gegründeten Gruppe katholischer Akademiker an und übernahm darin auf Bitten seines Bischofs das Amt des Präsidenten. Die Aktionen der Gruppe, die auch Anwälte, Professoren, Ärzte und Richter zu ihren Mitgliedern zählte, waren von einer christlichen Sicht der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens inspiriert; so organisierte sie im Winter 1945-1946 eine Volksuniversität, damit Kultur nicht nur Intellektuellen vorbehalten blieb.

Alberto schwankte, ob er heiraten oder lieber Priester werden sollte. Seit mehreren Jahren war er in ein junges Mädchen namens Marinella verliebt, doch er respektierte ihre Freiheit, da sie ihn zwar schätzte, seine Avancen aber nicht erwiderte. Mehrere seiner Briefe an sie blieben ohne Antwort. Schon am 24. August 1939 notierte er in sein Tagebuch: „Mir gingen Überlegungen durch den Kopf, Überlegungen zur Ausrichtung meines zukünftigen Lebens; sie scheint mir entschieden zu sein, aber gleichzeitig bin ich mir nicht sicher. Herr, erleuchte mich auch in dieser Hinsicht. Ich möchte nach wie vor ein Heiliger werden; dafür bin ich bereit, auf jeden Traum von irdischer Liebe zu verzichten, um ganz Gott zu gehören.“ Am 27. Juli 1946 schrieb er einen letzten Brief voller Liebe und Respekt an Marinella, doch auch dieser Brief blieb unbeantwortet.

Am Abend des 5. Oktober 1946 wurde Alberto, als er mit dem Fahrrad unterwegs war, von einem Militärfahrzeug angefahren. Er verlor das Bewusstsein und starb ein paar Stunden später in den Armen seiner Mutter, die gleich zu ihm geeilt war. Ein Priester konnte ihm noch die Letzte Ölung spenden. Am nächsten Tag wurde er in der Kirche der Salesianer aufgebahrt. Hunderte von Menschen nahmen Abschied von ihm: Politiker, Verwaltungsangestellte, Freunde und Arme. Die Beisetzung fand am 8. Oktober statt. Freunde trugen den Sarg von der Kirche zum Friedhof, gefolgt von einem kilometerlangen Trauerzug.

Alberto wurde am 5. September 2004 von Papst Johannes Paul II. im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Loreto seliggesprochen. „Unzählige Gelegenheiten zur Ausübung des Apostolates der Evangelisierung und Heiligung stehen den Laien offen“, erklärt das II. Vatikanum. „Das Zeugnis des christlichen Lebens selbst und die guten in übernatürlichem Geist vollbrachten Werke haben die Kraft, Menschen zum Glauben und zu Gott zu führen; sagt doch der Herr: So leuchte euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist (Mt 5,16)“(Dekret Apostolicam actuositatem, Nr. 6). Bitten wir Gott durch die Fürsprache des seligen Alberto, uns für die Ausübung guter Werke zu stärken, die Menschen für den Herrn gewinnen!

Seliger Franziskus Faà di Bruno

Seliger Henri Planchat

Selige Anna vom hl. Bartholomäus

Selige Maria Laura Mainetti