26. Juni 2024
Selige Maria Laura Mainetti
Liebe, verehrte Freunde,
„Nicht an sich selber denken, zurückhaltend auftreten, mit wenig zufrieden sein, zu geben und zu empfangen wissen.“ Das waren die Lebensregeln, die Teresina, eine junge, 18-jährige Italienerin, 1957 in ihrem geistlichen Tagebuch notierte. Am 25. August 1964, dem Tag, an dem sie als Nonne ihre ewigen Gelübde ablegte, schrieb Teresina, nunmehr Schwester Maria Laura: „Christus dienen, das ist regieren; möge die Freude an meinem Dienst jederzeit seinem göttlichen Willen entsprechen..“ Die vor Liebe zu Gott und zu ihren Mitmenschen brennende Erzieherin wurde am 6. Juni 2000 von drei jungen Satanistinnen getötet. Auf den Tag genau zwanzig Jahre nach dieser Tragödie sprach Papst Franziskus Schwester Maria Laura Mainetti als Märtyrerin in odium fidei (aus Hass auf den Glauben) selig.
Teresina Mainetti wurde am 20. August 1939 in Colico in der Lombardei (Norditalien) geboren. Ihre Mutter, die bereits 12 Kinder auf die Welt gebracht hatte, starb an den Folgen der Entbindung. Bis zur Wiederheirat ihres Vaters Stefano wurde Teresina von ihrer ältesten Schwester Romilda versorgt. Stefano lebte bescheiden und erzog seine Kinder im Glauben. Teresina, ein sanftes, schüchternes, eher kleines Kind mit tief blickenden Augen, zog die wohlwollende Aufmerksamkeit einer Nonne aus dem Orden der „Töchter des Kreuzes“ namens Schwester Maria Amelia auf sich; diese nahm sich des Mädchens an und fand eine großzügige Spenderin, die die Schulgebühr für die weiterführende Bildung Teresinas bezahlte.. Teresina konnte so das von den Töchtern des Kreuzes geleitete Institut Laura Sanvitale in Parma besuchen. Im engen Kontakt mit den Ordensschwestern beschloss das junge Mädchen, sich ganz Gott zu weihen.
Doch 1957 erkrankte Teresina an Lungentuberkulose. Sie fürchtete um ihre Aufnahme ins Kloster und bat ihren Bruder Amedeo, er möge für sie beten. Sie wurde wieder ganz gesund und konnte bald als Novizin dem Konvent der Töchter des Kreuzes in Colico beitreten. Zum Dank betete sie an jedem Tag ihres Lebens ein Gegrüßet seist du, Maria für Amedeo, der sich auf gleiche Weise bei ihr bedankte. Ihren Eintritt ins Kloster erklärte sie folgendermaßen: „Ein Priester sagte mir nach der Beichte: ‚Du solltest etwas Schönes für die anderen tun.’ In diesem Satz steckte eine Aufforderung. Ich fühlte, dass ich meinem Leben bald wahren Sinn verleihen kann. Die Töchter des Kreuzes, die in meiner Gegend wohnten, schienen mir dieses Ideal zu verkörpern.“
Die Kongregation der Töchter des Kreuzes war 1807 von den Heiligen André-Hubert Fournet und Jeanne-Élisabeth Bichier des Âges zum Zweck der Kindererziehung und der Krankenpflege in Frankreich gestiftet worden. Das erste Kloster in Italien wurde 1851 in Parma gegründet. Heute üben 400 Töchter des Kreuzes ihr Apostolat in 12 Ländern aus.
Am 11. Februar 1958 wurde Teresina eingekleidet und nahm den Namen Schwester Maria Laura an. Ihre Mitschwestern aus dem Noviziat erinnern sich: „Obwohl von zerbrechlicher Konstitution, meldete sie sich dennoch als Erste für jeden Dienst: Sie war sofort bereit! Sie war sehr aufmerksam zu den anderen und dabei überaus selbstlos. Immer heiter, wählte sie die niedrigsten Arbeiten für sich aus. Sie war von sanftmütigem und demütigem Wesen und gab jedem das Gefühl, geliebt und geschätzt zu werden.“
Am 15. August 1959 legte Schwester Maria Laura ihre ersten Gelübde in Rom ab. Im folgenden Jahr schloss sie ihr Studium als Erzieherin in Parma ab und begann an Grundschulen ihres Ordens zu unterrichten. 1963 wurde sie nach Chiavenna in die Nähe ihres Geburtsortes entsandt. 1984 kehrte sie als Lehrerin und Internatsleiterin im Kolleg der Kongregation für junge Mädchen endgültig in ihre Heimatstadt zurück. 1987 übernahm sie zusätzlich das Amt der Oberin ihres Konventes.
Die verfügbaren Zeugnisse über Schwester Maria Laura unterstreichen die Kontraste ihrer Persönlichkeit.. Sie ergeben das Bild einer starken, entschlossenen, zugleich sanften, zerbrechlichen und zierlichen Frau, die im Stillen Gutes tat. Sie war so zurückhaltend in ihrer Art, dass man sie jahrelang unterschätzte. Die Generalassistentin der Kongregation erinnert sich: „Sie war eine sanfte, freundliche, aufmerksame und umsichtige Frau, die alle Details berücksichtigte. Selbst wenn ich mitunter erriet, wie müde sie war, ließ sie sich nichts davon anmerken.“ Von apostolischem Eifer erfüllt, machte Maria Laura bei jeder Initiative ihrer Pfarrgemeinde mit und wollte sehnlichst gerne Katechetin werden – ein Ziel, das sie nach einer dreijährigen Ausbildung tatsächlich auch erreichte.
Tritt herein zum Beten, tritt hinaus zum Lieben
Eine Schwester aus Chiavenna bezeugt: „Sie schien niemals müde zu sein, und doch wusste man, dass sie nicht sehr gesund war. Wo fand sie die Energie, die sie im Konvent zeigte? Ganz klar: in ihrer bedingungslosen Liebe zu Jesus in der Eucharistie und zum Wort Gottes.“ Die enge Verbindung zwischen Beten und Handeln in ihrem Leben kam gut in dem Satz zum Ausdruck, der über der Tür zum Gebetsraum ihres Konvents stand: „Tritt herein zum Beten, tritt hinaus zum Lieben.“
Schwester Maria Laura war sich des schwindenden Glaubens in der von Sekularisierung und Konsumismus beeinflussten Bevölkerung bewusst. In einem Brief von 1997 ließ sie durchblicken, wie sehr sie unter der Schließung einer katholischen Schule in Chiavenna litt: „Unglücklicherweise wird es im nächsten Jahr keine Grundschule unseres Instituts mehr hier geben, weil wir nicht genug Anmeldungen haben. Liegt das am Geburtenrückgang oder am Mangel an Interesse für diese Schulart? Sowohl als auch, glaube ich. Hoffentlich liegt es nicht daran, dass wir zu unglaubwürdig sind! Ja, auch das ist eine Gefahr.“ Papst Benedikt XVI. schrieb später:
„Die Versuchung heute besteht darin, das Christentum auf eine rein menschliche Weisheit zu reduzieren, gleichsam als Lehre des guten Lebens. In einer stark säkularisierten Welt ist nach und nach eine ,Säkularisierung des Heiles‘ eingetreten, für die man gewiss zugunsten des Menschen kämpft, aber eines Menschen, der halbiert und allein auf die horizontale Dimension beschränkt ist“ (Botschaft für die Fastenzeit 2006).
Bei einem internationalen Treffen der Nonnen ihres Ordens in Frankreich beantwortete Schwester Maria Laura eine Frage zur Mission der Töchter des Kreuzes so: „Wir sind zum Lehren und Heilen ausgesandt, indem wir das Heil verkündigen, das uns vom Kreuz kommt, und indem wir die Gegenwart des Dreieinigen Gottes unter den Menschen bezeugen.“ Am liebsten wandte sie sich den Jugendlichen zu, die ihr fragil, desorientiert und manipuliert vorkamen. Sie bemühte sich, sie zu ermutigen, ihnen Vertrauen einzuflößen und sie nötigenfalls auch energisch zu tadeln. Eine ehemalige Schülerin erinnert sich: „Obwohl streng in Bezug auf unsere nächtlichen Streifzüge durch die Flure des Schlaftraktes, war Schwester Maria Laura auch mal lustig und beteiligte sich an unseren Späßen und Spielen.“ Eine andere Schülerin sagte 2003: „Diese Schwester hatte die liebevollen Augen Gottes. In einer schrecklichen Zeit, in der ich keine Familie hatte, war sie die einzige Person, die mich liebte, die sich mit mir beschäftigte. Als ich einmal zu ihr sagte: ‚Schwester Maria Laura, niemand liebt mich‘, lächelte sie und zeigte auf das Kruzifix.“ Sie hatte eine leidenschaftliche Schwäche für Jugendliche, und doch waren es ausgerechnet Jugendliche, die sie in eine Todesfalle lockten.
Die Todesfalle
Chiavenna war zur Jahrhundertwende ein friedliches lombardisches Städtchen mit 7500 Einwohnern in der Nähe der schweizerischen Grenze. Es war bereits in der Antike evangelisiert worden und gehörte zur Diözese Como, in der es ein reges kirchliches Leben gab. Die Töchter des Kreuzes waren dort seit 1905 präsent. Am 6. Juni 2000 erhielt Schwester Maria Laura um 21 Uhr 45 einen Telefonanruf von einem minderjährigen Mädchen, das sich als die schwangere Jugendliche Erica ausgab und um Hilfe bat. Die Schwester zögerte nicht und verließ spätabends allein das Haus, um sie zu treffen. Am nächsten Morgen wurde ihr von Stichverletzungen übersäter Leichnam am Eingang eines öffentlichen Parks aufgefunden. Nach einer minutiösen Ermittlung verhafteten die Gendarmen am 29. Juni drei Heranwachsende aus Chiavenna: die 17 Jahre alte Ambra, die 16 Jahre alte Milena und die 17 Jahre alte Veronica, die des vorsätzlichen Mordes beschuldigt wurden. Die drei gestanden ihre Tat überaus rasch: „Wir haben die Schwester in eine Falle gelockt und getötet; wir wollten etwas Außergewöhnliches machen und starke Gefühle empfinden.“
Auf Grund der Polizeiverhöre konnte das Drama glaubhaft rekonstruiert werden. Am 1. Juni hatte die Anführerin des Trios, Ambra, unter dem falschen Namen Erica Schwester Maria Laura kontaktiert und angegeben, sie sei infolge einer Vergewaltigung schwanger; ihre Familie wolle sie zur Abtreibung nötigen, sie aber wolle das Baby behalten; sie wisse nicht, wohin sie sich wenden solle.. Die Schwester versicherte Ambra ihrer bedingungslosen Unterstützung und wollte ihr wenigstens bis zum Ende ihrer Schwangerschaft im Kloster Unterschlupf gewähren. Am Abend des 6. Juni rief „Erica“ erneut an und bat die Schwester dringend um ein Treffen; als Treffpunkt wurde der Castello-Platz vereinbart. Schwester Maria Laura verständigte aus Vorsicht den Erzpriester Don Ambrogio Balatti; dieser war beunruhigt und fuhr mit dem Fahrrad zu ihr, doch sie bat ihn, sich nicht einzumischen, um dem jungen Mädchen keine Angst einzujagen. Er ließ sich überzeugen und kehrte nach Hause zurück.
Ambra führte die Schwester vom Treffpunkt aus an einen abgelegenen Ort, wo sich angeblich ihr Gepäck befand. Dort trafen sie auf Milena und Veronica, die sich als Freundinnen „Ericas“ vorstellten.. Zusammen betraten sie einen verlassenen Pfad; plötzlich schlug eines der drei Mädchen die Nonne mit einem Ziegelstein nieder und stach mit einem Küchenmesser auf sie ein. Die Mädchen schleppten ihr verwundetes Opfer in einen nahegelegenen öffentlichen Park und zwangen sie, sich niederzuknien. Sie schlugen sie auf den Kopf, beschimpften sie und versetzten ihr abwechselnd 18 Messerstiche – jede von ihnen 6 (666 ist die symbolische Zahl des Teufels aus der Offenbarung – Offb 13,18). Als Schwester Maria Laura begriff, dass sie sterben würde, begann sie mit lauter Stimme für ihre Peinigerinnen zu beten: „Herr, vergib ihnen!“ Die drei Mörderinnen verließen daraufhin ihr sterbendes Opfer und liefen davon.
Der Stempel des Teufels
Der Schlüssel zu diesem Verbrechen ist der Satanismus: Das ging aus dem Verhör und den übereinstimmenden Aussagen der drei einzeln befragten Beschuldigten hervor. Das richterliche Urteil stellte später klar: „Ihr einziges Motiv bestand darin, Satan zu begegnen und von ihm einen Beweis seiner Existenz und seiner Macht zu erhalten. Dafür haben sie beschlossen, Satan ein unschuldiges Opfer darzubringen.“ Sie waren durch Zeitschriften, die an ihrer Schule zirkulierten, mit okkultistischen, später mit satanistischen Kreisen in Kontakt gekommen; auch die Rockmusik, die sie zusammen hörten, enthielt satanistische Textaussagen. Sie beschworen den bösen Geist durch ein Ritual, das darin bestand, christliche Gebete mit vertauschten Worten zu sprechen; sie stahlen eine Bibel und verbrannten sie im Beisein ihrer Kameraden auf dem Vorplatz einer Kirche. Ambra, Veronica und Milena schlossen „Blutsbrüderschaft“ und verbündeten sich so untrennbar zu ihrem Mordvorhaben miteinander. Ihre später entdeckten persönlichen Tagebücher enthielten Hymnen und Gebete an den Satan sowie Bilder umgedrehter Kreuze. Auf ihren Körpern fand man Narben und Spuren von Selbstverletzungen vor – ein weiteres Zeichen ihrer engen Verbindung mit dem Teufel.
Durch ihre kriminelle Handlung erklärten die drei jungen Mädchen der katholischen Kirche, der sie durch die Taufe angehörten, der Krieg; deswegen sollte das dem Teufel dargebrachte „unschuldige Opfer“ entweder ein Priester oder eine Nonne sein. Sie entschieden sich für Schwester Maria Laura, weil sie ihnen wegen ihrer physischen Zerbrechlichkeit als leichte Beute erschien. In der ersten Instanz wurde die Hauptanstifterin Ambra auf Grund ihrer Jugend und geistigen Verwirrtheit für nicht schuldig erklärt.. Doch das Urteil wurde im April 2002 vom Berufungsgericht aufgehoben, nachdem die Staatsanwaltschaft dargelegt hatte, dass die drei Beschuldigten der Schwere ihrer Tat voll bewusst waren und sich vorsätzlich für den Mord entschieden hatten; zudem hatten sie seit ihrer Verhaftung keine Reue gezeigt. 2003 wurden sie zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Der Pfarrer von Chiavenna, Don Ambrogio, fragte sich: „Wie ist es möglich, dass drei minderjährige Mädchen, unsere Kinder, ein so schreckliches Verbrechen mit soviel Schläue und Entschlossenheit planen konnten? Ich kann keine Antwort finden. Diese in ihrer grundlosen Grausamkeit absurden Fakten bestärken mich darin, dass das Böse den ganzen Weg des menschlichen Lebens begleitet.“
Die von der katholischen Kirche überlieferte Offenbarung Gottes lässt keinen Zweifel an der Existenz des Teufels zu: „Satan oder der Teufel und die weiteren Dämonen waren einst Engel, sind aber gefallen, weil sie sich aus freiem Willen weigerten, Gott und seinem Ratschluß zu dienen. Ihre Entscheidung gegen Gott ist endgültig. Sie suchen, den Menschen in ihren Aufstand gegen Gott hineinzuziehen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 414). In der Bitte des Vaterunsers, Und erlöse uns von dem Bösen, „ist das Böse nicht etwas rein Gedankliches, sondern bezeichnet eine Person, Satan, den Bösen, den Engel, der sich Gott widersetzt“ (Katechismus, Nr. 2851).
Woran erkennt man die Gegenwart Satans? Unser Herr sagt es deutlich an die Adresse der Pharisäer: Ihr stammt aus dem Teufel als Vater, und wollt nach den Gelüsten eures Vaters tun. Dieser war ein Menschenmörder von Anbeginn; er steht nicht in der Wahrheit, weil in ihm nicht Wahrheit ist. Wenn er die Lüge sagt, so sagt er sie aus dem, was ihm eigen ist; denn ein Lügner ist er und Vater der Lüge (Joh 8,44). Lüge und Menschenmord sind demnach die beiden Zeichen für die Gegenwart Satans. Die Lüge ist die Verleugnung Gottes, die Ablehnung seiner Gebote und praktischer Atheismus, der Gott keinen Platz im Leben einräumt. Eine Gesellschaft, die Gott und Jesus Christus ablehnt, unterwirft sich dem Joch Satans und wird letztlich das menschliche Leben verachten.
Brücken abreißen
Dazu erschien der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels vernichte (1 Joh 3,8). Durch seinen Kreuzestod in einem Akt vollkommenen Gehorsams dem Vater gegenüber hat Jesus Christusden Teufel besiegt. Jeder Getaufte empfängt die Kraft, Satan zu besiegen, indem er Christus folgt, und muss sich in diesem Kampf engagieren. Papst Franziskus sagte einmal über die Taufe: „Es ist nicht möglich, zu Christus zu gehören, indem man Bedingungen stellt. Man muss sich von bestimmten Bindungen lösen, um wirklich andere annehmen zu können; entweder geht es dir gut mit Gott, oder es geht dir gut mit dem Teufel. Darum gehören die Absage und der Glaubensakt zusammen. Man muss Brücken abreißen und sie hinter sich lassen, um den neuen Weg zu gehen, der Christus ist“ (Generalaudienz vom 2. Mai 2018).
Priester, die sich mit Exorzismen befassen, beobachten ebenso wie Ärzte und Erzieher gegenwärtig eine starke Zunahme von Praktiken, die sich an den Teufel richten. In den sozialen Netzwerken wird durch unzählige an Jugendliche gerichtete Webseiten für eine satanistische Subkultur geworben. Die internationale Vereinigung der Exorzisten antwortet darauf: „Diese Angebote stellen eine so umfassende Perversion dar, dass sie in einer zivilisierten Gesellschaft eigentlich nicht vorkommen dürften. Die Teufelsanbeter stellen die Gebote und den Gehorsam Gott gegenüber als eine Bedrohung der Freiheit, der Entfaltung und des Glücks dar. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil wahr: Satan bedroht die Freiheit, das Glück, die persönliche Entfaltung und das ewige Heil eines jeden Menschen, ebenso den Frieden zwischen den Völkern und den Nationen sowie den wahren Fortschritt der Menschheit. Die bedingungslose Gefolgschaft und der Gehorsam gegenüber Gott machen uns wirklich frei, denn das wahre und dauerhafte Glück, nach dem unser Herz strebt, das volle Ausleben unserer Existenz in diesem irdischen Leben und in der Ewigkeit, ist in Gott zu finden.“
Ein Mysterium, das Christus erhellt
Wie soll man aber verstehen, dass Gott das moralisch Böse unter dem Einfluss des Teufels zulassen kann? „Der allmächtige Gott könnte in seiner unendlichen Güte unmöglich irgend etwas Böses in seinen Werken dulden, wenn er nicht dermaßen allmächtig und gut wäre, dass er auch aus dem Bösen Gutes zu ziehen vermöchte“(Katechismus, Nr. 311; Hl. Augustinus, Enchir. 11,3). „Dass Gott das physische und das moralische Böse zulässt, ist ein Mysterium, das er durch seinen Sohn Jesus Christus erhellt, der gestorben und auferstanden ist, um das Böse zu besiegen. Der Glaube gibt uns die Gewissheit, dass Gott das Böse nicht zuließe, wenn er nicht auf Wegen, die wir erst im ewigen Leben vollständig erkennen werden, sogar aus dem Bösen Gutes hervorgehen ließe“ (Katechismus, Nr. 324).
Der hl. Leo der Große sagte einmal in einer Predigt über die Passion Christi: „Die Bosheit des Teufels hat ihn selbst getäuscht: Er hat dem Sohn Gottes eine Todesqual auferlegt, die sich in eine Arznei für alle Menschenkinder verwandeln musste. Er vergoss das unschuldige Blut, das für die Welt in Erwartung ihrer Versöhnung zum Unterpfand der Erlösung und zum Heiltrank wurde“ (Predigt 11, De Passione). Der Teufel, der die Mörderinnen Schwester Maria Lauras verführt und getäuscht hatte, wurde da besiegt, wo er sich als Sieger wähnte: Die heroische Vergebung der Märtyrerin ist heute in der ganzen Welt bekannt und wird bewundert. Im Gefängnis fanden die drei Mädchen allmählich zum Weg der Reue.. Milena schrieb einen Brief an die Schwestern in Chiavenna: „Ich habe Schwester Maria Laura in eine Falle gelockt, ich habe sie getötet, und als wir sie ermordeten, hat sie uns vergeben. Heute finde ich in ihr den Trost sowie die Gnade, alles zu ertragen. Ich bete ohne Unterlass und bin mir sicher, dass sie mir helfen wird, ein besserer Mensch zu werden.“
Nachdem Schwester Maria Laura im Heiligen Jahr 2000 an der Gedenkfeier für die Märtyrer des 20. Jh. teilgenommen hatte, bekannte sie: „Wir tun, was wir können, aber wir werden niemals fähig, uns selbst gänzlich hinzugeben; diese totale Hingabe ist im Märtyrertod zu finden, aber darüber entscheidet Gott allein.“
Einige Tage vor ihrem Tod hinterließ Schwester Maria Laura in einem Brief an eine in tiefer Trauer befindliche Familie ein paar Worte, die nach einer vorweggenommenen Hingabe an die Vorsehung klingen: „Wer sind wir, dass wir immer die Pläne Gottes des Vaters ergründen, erklären und begreifen wollen, die selbst auf der Grundlage menschlicher Bosheit verwirklicht werden? Genau so ist es Jesus ergangen. Und alles geschieht nach einem Plan voller Liebe, einem Heilsplan.“ Wir können uns einem Gebet anschließen, welches im Juli 2000 vom Bischof von Como, Msgr. Alessandro Maggioloni, formuliert wurde: „Schwester Maria Laura, wir bitten dich, dass du für uns zu Gott betest; für unsere Familien, damit sie immer im Herrn vereint sind; für unsere Jugendlichen, damit sie die überlieferte Tradition der Menschheit und des Christentums annehmen und erneuern; für eine finstere und taumelnde Gesellschaft, die oft keine echten Ideale hat, wie diejenige, in der wir leben; für die gesamte Kirche. Danke, Maria Laura, unsere gesegnete Schwester, dass du unter uns gelebt hast.“











