31. Juli 2024
Seliger Valentin Paquay
Liebe, verehrte Freunde,
Der heilige Papst Johannes Paul II. sah in der freiwilligen Armut des Ordenslebens eine Antwort auf die Anbetung des Geldes, an der unsere Welt leidet, da sie von einem habgierigen Materialismus geprägt ist, „der gegenüber den Bedürfnissen und Leiden der Schwächsten gleichgültig ist und sich nicht um das Gleichgewicht der natürlichen Hilfsquellen kümmert. Die Antwort des geweihten Lebens besteht im Bekenntnis zur evangelischen Armut, die in verschiedenen Formen gelebt wird und oft von einem aktiven Einsatz bei der Förderung von Solidarität und Nächstenliebe begleitet wird“ (Apostolisches Schreiben Vita consecrata, Nrn. 89-90). Der selige Valentin Paquay hat sich für eine speziell der gelebten Armut gewidmete Form des geweihten Lebens entschieden.
Jean-Louis Paquay wurde am 17.November 1828 in Tongern in der belgischen Provinz Limburg geboren, einem antiken Städtchen, das von der Marien-Wallfahrtskirche Notre-Dame aus dem 13. Jh. dominiert wurde. Der Vater des Jungen, Henri, war Landwirt wallonischer Abstammung, seine Mutter kam aus einer Familie des lokalen Bürgertums. Nach seiner Hochzeit 1821 führte das Ehepaar zunächst eine Herberge in der Stadt, die ihnen zu einem bescheidenen Wohlstand verhalf. Die ersten drei Kinder aus der Ehe wurden sehr früh von einer Seuche dahingerafft; danach kam in der Familie erst eine Tochter, Marie, auf die Welt, dann Jean-Louis, der noch am Tag seiner Geburt getauft wurde und dem schließlich noch fünf weitere Geschwister folgten. Die Hauptsorge der tiefgläubigen Eltern galt der religiösen und moralischen Erziehung der Kinder. Jean-Louis hatte einen ungestümen Charakter, den man zwar zu zügeln versuchte, der sich zuweilen aber selbst nach seinem Eintritt ins Kloster manifestierte.
Im Alter von fünf Jahren wurde der Junge im Kolleg der Gemeinde Tongern eingeschult und machte dort durch seinen Lerneifer, aber auch durch seine Frömmigkeit, Folgsamkeit und Freundlichkeit auf sich aufmerksam. 1835 kamen Redemptoristenpatres (Mitglieder eines 1732 vom hl. Alfons von Liguori gegründeten Ordens) nach Tongern, um in der Notre-Dame-Kirche eine fünfzehntägige Gemeindemission zu predigen, an der zahlreiche Gläubige teilnahmen.. Jean-Louis ging bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal zur Beichte. Er musste lange warten, bis er drankam, da er die Erwachsenen stets vorließ. Als der Beichtvater das bemerkte, rief er ihn zu sich und hörte ihn an. Im Lichte der empfangenen Gnade wurde dem Jungen auf einmal klar, dass er berufen war, ein ähnliches Amt auszuüben. Von da an zeigte er eine besondere Vorliebe für das Beten. Nach einer gründlichen Vorbereitung empfing er 1840 im Alter von zwölf Jahren die Erstkommunion.
1845 begann Jean-Louis sein Rhetorikstudium am Knabenseminar von Saint-Trond. Er studierte fleißig, war aber kein brillanter Schüler. Bald bekam er aufgrund seiner beeindruckenden Frömmigkeit einen Platz im Chor von Notre-Dame. Vor Unterrichtsbeginn war er jeden Morgen voller Begeisterung als Messdiener tätig. Aufgrund seines empfindsamen Gewissens wurde er jedoch bald von Skrupeln befallen: Er ging in dieser Zeit, wie er später sagte, zwei Monate lang jeden Tag zur Beichte.
Skrupel ist eine unbegründete Angst, einen Fehler zu begehen. In seinen Geistlichen Übungen beschreibt der hl. Ignatius sehr feinsinnig, wie sich der Skrupel äußert: „Man nennt nicht selten Skrupel, was aus unserem eigenen freien Urteil hervorgeht, ich meine: wenn ich frei behaupte, etwas sei Sünde, was keine Sünde ist; wie es wohl vorkommen kann, dass einer, der zufällig auf ein aus Strohhalmen gebildetes Kreuz tritt, urteilt, er habe gesündigt. Doch ist das genau gesprochen ein falsches Urteil und noch kein wirklicher Skrupel. Nachdem ich auf jenes Kreuz getreten bin und unterdessen irgend etwas anderes gedacht oder gesagt oder getan habe, kommt mir von außen her der Gedanke, ich hätte gesündigt. Andererseits scheint es mir, ich hätte nicht gesündigt, und doch fühle ich mich dabei verwirrt, sofern ich nämlich zweifle und zugleich auch nicht zweifle. Dies nun ist ein eigentlicher Skrupel und eine Versuchung, die der Feind setzt“ (Nrn. 346-347).
Da der echte Skrupel ungewollt und spontan ist, wird man seiner nicht dadurch Herr, dass man ihn am Entstehen hindert, sondern dadurch, dass man ihn mit Missachtung behandelt, dass man versucht, „sich in der Mitte zu festigen“ (Übungen des hl. Ignatius, Nr. 350). Ein totales und vertrauensvolles Vertrauen in die Weisungen eines erfahrenen Beichtvaters ist dabei eine überaus wertvolle und zumindest eine Zeitlang notwendige Hilfe. Denn der Skrupel verbirgt sich hinter irrigen, trügerischen Urteilen unter dem Anschein des Guten. Der Beistand des Beichtvaters ist daher hilfreich, um diese Urteile zu berichtigen und sich durch sie nicht auf schädliche Irrwege leiten zu lassen. Der Priester wird im Übrigen seinem Beichtkind nach und nach beibringen, auch ohne seinen Beistand auszukommen. Gebet und Selbstverzicht können ebenfalls dazu beitragen, sich vom Skrupel zu befreien.
Keine halben Sachen machen
Jean-Louis’ Marienfrömmigkeit war sehr inbrünstig. Ein Jahr nach seiner Erstkommunion legte er mit dreizehn Jahren ein ewiges Keuschheitsgelübde vor Unserer Lieben Frau von Tongern ab. Als fleißiger Predigthörer fühlte er sich insbesondere vom Gedenken an die Passion unseres Herrn gerührt; das Thema weckte tiefe Gefühle der Liebe zu seinem Erlöser in ihm.. Die einzige Besonderheit, durch die er am Knabenseminar auffiel, war, dass er sich beharrlich – wenn auch durchaus liebenswürdig – weigerte, bei den Spielen seiner Kameraden mitzumachen.. Er las lieber oder besuchte das Allerheiligste Sakrament. 1847 starb sein Vater, wodurch er noch ernsthafter wurde als zuvor. Jean-Louis hatte zu jener Zeit Angst davor, zum Ordensleben berufen zu sein, und überschlug die einschlägigen Passagen in seinen geistlichen Lektüren. Doch der Gedanke an den Tod brachte ihn zum Nachdenken: „Werde ich in der Stunde meines Todes Gelegenheit zum Beichten haben? Ich weiß es nicht. Wie wird meine innere Einstellung sein? Wo werde ich sterben? Wird das in einem Kloster sein? In der Tracht des hl. Franziskus? Für mich ein Mysterium, aber komme, was wolle, ich werde mich von jetzt an auf den Tod vorbereiten.“ Bald bemerkten seine Vorgesetzten definitiv, dass er zum Ordensleben berufen war. Nachdem er den Segen seiner Mutter bekommen hatte, teilte er 1849 seinen Mitschülern im Seminar mit, dass er sich nach einem asketischeren und ganz dem Dienst Gottes geweihten Leben sehne: Am nächsten Tag trat er mit einundzwanzig Jahren in ein Franziskanerkloster ein. Nach einer Probezeit wurde er zur Einkleidung zugelassen und absolvierte sein Noviziat in Tielt in der Nähe von Gent. In seiner inneren Begeisterung schrieb er: „Wer mit einem anderen Ziel Mönch wird als mit dem Ziel, ein Heiliger zu werden, der ist ein Dummkopf im wahrsten Sinne des Wortes.. – Man darf keine halben Sachen machen. Wir wollen uns nicht mit einem guten Willen begnügen.“
„Was die Bedeutung der Heiligkeit der Kirche angeht, muss ein objektiver Vorrang dem geweihten Leben zuerkannt werden, das die Lebensweise Christi selbst widerspiegelt“, schreibt der hl. Johannes Paul II. „Eben deshalb findet sich darin eine besonders reichhaltige Beschreibung der evangelischen Güter und eine vollkommenere Verwirklichung des Zieles der Kirche, das die Heiligung der Menschheit ist. Das geweihte Leben kündigt die künftige Zeit an und nimmt sie gewissermaßen vorweg, wenn jenes Himmelreich, das schon jetzt im Keim und im Geheimnis gegenwärtig ist, zur Vollendung gelangt ist (vgl. Mt 22, 30)“ (Apostolisches Schreiben Vita consecrata, 25. März 1996, Nr. 32).
Eine furchterregende Verantwortung
Mit dem Ablegen seiner Ordensgelübde am 4. Oktober 1850 wurde Jean-Louis zu Bruder Valentin. Er hatte zuvor einen Brief an seine Mutter und seine Tanten geschrieben, in dem er sie um Vergebung für allen Kummer bat, den er ihnen früher bereitet haben mag; er betrachtete seine Ordensgelübde als den Beginn eines neuen Lebens. Er absolvierte sein Philosphiestudium in Rekem, danach ein Theologiestudium in Saint-Trond. Am Vorabend seiner Priesterweihe überkam ihn eine große Angst angesichts der Verantwortung, die auf ihn wartete. Schließlich erklärte er sich trotz aller Bedenken bereit, am 10. Juni 1854 in Lüttich zum Priester geweiht zu werden..
Einige Tage danach wurde er ins Kloster Hasselt (Belgien) entsandt, wo er rund 50 Jahre lang als Priester wirkte. Ab August durfte er Beichten hören (d.h. das Sakrament der Buße spenden) und predigen. Er war sowohl als Beichtvater als auch als Prediger so erfolgreich und beliebt, dass die Gläubigen von Hasselt überaus bestürzt waren, als seine Vorgesetzten ihn 1857 nach Thielt versetzten; sie bestürmten die Ordensoberen so hartnäckig, dass der Pater ihnen nach zehn Monaten wiedergegeben wurde. Er selbst nahm die Anordnung sowie deren Widerruf im Geiste des Glaubens an, denn er sah darin den Willen Gottes. Bald wurde er aufgrund seiner großen Opferbereitschaft und seiner tiefen Demut mit dem Beinamen „heilig Paterke“ (heiliges Paterchen) bedacht.
Es wurde ihm ein Beichtstuhl in der Basilika Notre Dame zugewiesen, in dem er den größten Teil seiner Tage zubrachte. Seine Freundlichkeit und seine Barmherzigkeit zogen viele Menschen an, sodass der Beichtstuhl zum Hauptfeld seines Apostolats wurde und stets eine lange Warteschlange davor stand. Zusätzlich zu seinem Wissen und seiner Umsicht, waren ihm übernatürliche Einblicke beschieden, so dass er gleichsam in den Seelen lesen und sie mitunter von einer großen Last befreien konnte. Mehrere Beichtkinder bezeugten später, dass sie sich in seiner Gegenwart geöffnet hätten wie nie zuvor. Im allgemeinen fasste er sich kurz und war in seinen Ermahnungen eher zurükhaltend, aber die Pönitenten verließen seinen Beichtstuhl berührt und bekehrt. Bei anderen Gelegenheiten zählte er die Sünden des Pönitenten auf, als wäre er dabei gewesen, oder erinnerte – wenn auch stets überaus diskret – an vergessene Vergehen; das Beichtkind fühlte sich dadurch weder gedemütigt noch belastet, sondern vielmehr verstanden und entlastet.
Diener der Vergebung
„Wenn der Priester das Bußsakrament spendet, versieht er den Dienst des Guten Hirten, der nach dem verlorenen Schaf sucht“, lehrt der Katechismus der Katholischen Kirche. „Den des guten Samariters, der die Wunden verbindet; den des Vaters, der auf den verlorenen Sohn wartet und ihn bei dessen Rückkehr liebevoll aufnimmt; den des gerechten Richters, der ohne Ansehen der Person ein zugleich gerechtes und barmherziges Urteil fällt. Kurz, der Priester ist Zeichen und Werkzeug der barmherzigen Liebe Gottes zum Sünder. Der Beichtvater ist nicht Herr, sondern Diener der Vergebung Gottes. Der Diener dieses Sakramentes soll sich mit der Absicht und der Liebe Christi vereinen. Er muss zuverlässig wissen, wie ein Christ zu leben hat, in menschlichen Dingen Erfahrung haben und den, der gefallen ist, achten und sich ihm gegenüber feinfühlig verhalten. Er muss die Wahrheit lieben, sich an das Lehramt der Kirche halten und den Pönitenten geduldig der Heilung und vollen Reife entgegenführen. Er soll für ihn beten und Buße tun und ihn der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen“ (Katechismus, Nrn. 1465-1466).
Der Pönitent seinerseits muss bereit sein, die Gnade zu empfangen, da diese niemals ohne die Mitwirkung des Menschen wirksam wird. Der erste Akt des Pönitenten ist die Reue. Sie ist Seelenschmerz und Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen. Zweitens stellt das Bekenntnis der eigenen Verfehlungen vor dem Priester einen wesentlichen Teil des Bußsakramentes dar: Von den Büßenden müssen alle Todsünden, derer sie sich nach gewissenhafter Selbsterforschung bewusst sind, im Bekenntnis aufgeführt werden‚ auch wenn sie im Verborgenen begangen wurden. Das Bekenntnis der alltäglichen Verfehlungen, der lässlichen Sünden, ist genaugenommen nicht notwendig, wird aber von der Kirche nachdrücklich empfohlen. Das regelmäßige Bekenntnis unserer lässlichen Sünden ist für uns eine Hilfe, unser Gewissen zu bilden, gegen unsere bösen Neigungen anzukämpfen, uns von Christus heilen zu lassen und im geistigen Leben zu wachsen.. Die Lossprechung nimmt die Sünde weg, behebt aber nicht alles Unrecht, das durch die Sünde verursacht wurde (vgl. Katechismus, Nrn. 1451.1456.1458). Um den Schaden wiedergutzumachen, den die Sünde verursacht hat, muss der Pönitent noch etwas tun, nämlich die vom Beichtvater auferlegte Genugtuung oder Buße leisten; das ist der dritte Akt des Pönitenten (vgl. Kompendium des Katechismus, Nr. 303). „Die ganze Wirkung der Buße besteht darin, dass sie uns Gottes Gnade wieder verleiht und uns mit ihm in inniger Freundschaft vereint“, fügt der Katechismus hinzu.. „Ziel und Wirkung dieses Sakramentes ist somit die Versöhnung mit Gott. Dieses Sakrament versöhnt uns auch mit der Kirche. Die Sünde beeinträchtigt oder bricht die brüderliche Gemeinschaft. Das Bußsakrament erneuert sie oder stellt sie wieder her“ (Katechismus, Nrn. 1468-1469).
Pater Valentins Motivation für den Beichtdienst entsprang seinem unerschütterlichen Glauben und Gehorsam. Seine besondere Fürsorge galt den Sündern, die am hartnäckigsten im Bösen und in der Unwissenheit verharrten. Nachdem er stundenlang Beichten gehört hatte, fiel er zuweilen auf die Knie zum Beten; der Bruder Sakristan, der die Kirche abschließen wollte, fand ihn mehrmals vor Müdigkeit eingeschlafen auf den Stufen des Altars vor.. Er wirkte regelmäßig oder auch ersatzweise in mehreren Ordenshäusern als Beichtvater.. Mehrere Personen verdankten ihm, dass sie Klarheit über ihre geistliche Berufung gewonnen hatten und Priester bzw. Ordensleute geworden waren. Er leitete Missionen sowie Exerzitien und stand als Priester auch Kranken und Sterbenden bei. Wenn nachts jemand im Kloster anklopfte, um für einen Sterbenden einen Beichtvater zu holen, wurde beinahe immer namentlich nach ihm gefragt.. In solchen Fällen nahm er sich im Allgemeinen – ob tagsüber oder nachts – viel Zeit für den Kranken. Eines Tages berichtete man ihm von einem Kranken, der absolut keinen Priester sehen wollte; trotzdem eilte er zu ihm nach Hause, ließ sich anmelden und fragte um die Erlaubnis, ihn besuchen zu dürfen; der Kranke stimmte überraschenderweise zu und war beim Weggang des Paters überglücklich, denn er hatte gebeichtet. 1864 brach in Hasselt eine Pockenepidemie aus. Pater Valentin wurde Opfer seiner Hilfsbereitschaft: Er steckte sich mit der Krankheit an und musste fünf Wochen lang das Bett hüten.
Allezeit beten
In seinen Predigten warb Pater Valentin für die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu sowie der Eucharistie und ermutigte im Vorgriff auf die Dekrete des hl. Pius X. alle Katholiken zur häufigen Kommunion. Er praktizierte das Gebot des Herrn, man solle allezeit beten (Lk 18,1), auf ungewöhnliche Art. Er hatte seinen Rosenkranz oder sein Brevier stets zur Hand und betete, sobald er konnte. Verließ er das Kloster, begann er sogleich den Rosenkranz zu beten. Das gefiel seinen Begleitern nicht immer, da sie die Gelegenheit gern genutzt hätten, um sich mit ihm zu unterhalten. Mehrmals wurde er zum stellvertretenden Hüter oder obersten Hüter (Vorgesetzten) seines Klosters gewählt; beide Ämter übte er mit großer Güte und tiefer Demut aus. 1890 wurde er zum Visitator der Ordensprovinz bestimmt.. Sprach man von seiner Heiligkeit, gelang es ihm meistens, das Kompliment in einen Scherz zu verwandeln. Er empfing auch außergewöhnliche Gnaden, die er zwar zu verbergen suchte, die aber zuweilen Zeugen hatten. Die Gnaden hielten ihn allerdings nicht davon ab, Gehorsam zu üben.. Was immer er auch tat, er hörte beim ersten Glockenschlag damit auf, da er in dem Ruf die Stimme Gottes sah. Predigte er Exerzitien in einem Nonnenkloster, gehorchte er dort der Oberin ebenso wie zu Hause seinem eigenen Oberen..
Nach seinem Eintritt in den Orden des hl. Franziskus, in dem die Armut besonders in Ehren gehalten wird, besaß Pater Valentin absolut nichts. In seiner Zelle befanden sich lediglich die wenigen Bücher, die er benötigte.. Er trug seine Kleidungsstücke, bis sie völlig verschlissen waren, und wenn er sie aus Anstand wechseln musste, bat er darum, die abgelegten Stücke, die ein Mitbruder in die Wäscherei gebracht hatte, wieder holen zu dürfen. Wurde er gebeten, Spenden zu sammeln, nahm er die undankbare Aufgabe freudig an. Musste er in einem nahegelegenen Städtchen Beichten hören, legte er den Weg dorthin zu Fuß zurück.. Zu Exerzitien oder Missionen, die er leitete, brach er stets ohne Koffer auf und nahm nur sein Brevier mit.
Der wahre Reichtum
„In Wirklichkeit ist die evangelische Armut, noch ehe sie ein Dienst an den Armen ist, ein Wert an sich, ruft doch die erste Seligpreisung zur Nachahmung des armen Christus auf. Ihr erster Sinn besteht in der Tat darin, Gott als eigentlichen Reichtum des menschlichen Herzens zu bezeugen.. Eben darum kämpft sie vehement gegen die Vergötterung des Mammons, indem sie als prophetischer Appell gegenüber einer Gesellschaft auftritt, die in so vielen Teilen der Welt des Wohlstands Gefahr läuft, den Sinn für das Maß und die eigentliche Bedeutung der Dinge zu verlieren“ (Johannes Paul II., Vita consecrata, Nr.. 90). In einer Ansprache über das Wirtschaftsleben sagte Papst Franziskus: „Geld ist wichtig, vor allem wenn es nicht vorhanden ist und von ihm Nahrung, Schule, die Zukunft der Kinder abhängen. Aber es wird zum Götzen, wenn es das Ziel ist. Geiz, der nicht ohne Grund eines der Hauptlaster ist, ist sündhafter Götzendienst, weil das Anhäufen von Geld für sich selbst das Ziel des eigenen Handelns wird. Wenn der Kapitalismus das Profitstreben zu seinem einzigen Zweck macht, dann droht er, zu einer götzendienerischen Struktur zu werden“ (4. Februar 2017).
Nach 40 Jahren pastoralen Dienstes in der Basilika Notre-Dame Virga-Jessé und 10 Jahren in der Kirche Saint-Roch, beide in Hasselt, fühlte Pater Valentin, der an einer chronischen Bronchitis litt, dass sein Tod nahe bevorstand. Der Winter 1904-1905 war besonders hart, doch der Pater bemühte sich, seine Schmerzen zu verbergen. Am 11. Dezember begab er sich zum letzten Mal in den Beichtstuhl, aber die Pönitenten merkten sehr wohl, dass er erschöpft war. Am nächsten Tag konnte er nicht mehr aufstehen. Am 15. Dezember empfing er die Sterbesakramente. Ungeachtet aller Schmerzen empfing er die Kommunion danach auf Knien; anschließend bat er den Konvent, die Ärgernisse zu verzeihen, die er verursacht haben mag. Am 1. Januar 1905 nahm er an der Morgenmesse auf der Krankenstation teil und sprach zur Mittagszeit noch die Antworten auf die Angelusgebete; um 15 Uhr setzte dann seine Atmung aus; er wurde 76 Jahre alt.. Sein Grab zog viele Pilger an. 2003 wurde er vom hl. Johannes Paul II. seliggesprochen. Sein liturgischer Gedenktag ist der 1. Januar.
„Pater Valentin Paquay ist wahrlich ein Jünger Christi und ein Priester nach dem Herzen Gottes gewesen“, sagte der heilige Papst Johannes Paul II. „Er war ein Apostel der Barmherzigkeit und verbrachte viele Stunden im Beichtstuhl; auch besaß er die besondere Gabe, die Sünder wieder auf den rechten Weg zurückzubringen, indem er die Menschen an die Größe der göttlichen Vergebung erinnerte. Die Feier des eucharistischen Geheimnisses stellte er in den Mittelpunkt seines priesterlichen Lebens, gleichsam als Einladung an die Gläubigen, sich oft der Kommunion, dem Brot des Lebens, zu nähern“ (Seligsprechungspredigt, 9. November 2003). Indem wir regelmäßig die Sakramente der Buße und der Eucharistie empfangen, werden wir mit Frohlocken Wasser aus den Quellen des Heils schöpfen (Jes 12,3), die aus dem Herzen Jesu entspringen.










