John Bradburne

12. Juli 2023

John Bradburne

Liebe, verehrte Freunde,

„Ein Vagabund des lieben Gottes, eine schöne Seele, die nach einem vollkommenen christlichen Leben strebt“, schrieb der Obere der Brüder Unserer Lieben Frau von Sion in Leuven (Belgien) über John Bradburne. „Er war nicht für ein sesshaftes Ordensleben geschaffen und wollte vielmehr dem Vorbild eines hl. Benoît-Joseph Labre (eines obdachlosen Pilgers aus dem 18. Jh.) oder eines hl. Charles de Foucauld folgen..“ Wer war dieser außergewöhnliche Mann, der nach einem überaus bewegten Leben zu einem bewundernswerten Helfer der Leprakranken wurde?

John Bradburne John Bradburne wurde am 14. Juni 1921 im Dörfchen Skirwich in Norfolk (im Nordosten Englands) geboren. Sein Vater war anglikanischer Pastor. Seine Mutter Erica stammte aus einer einfachen Familie, war jedoch mit dem Begründer der Pfadfinderbewegung Baden-Powell sowie dem künftigen Premierminister Winston Churchill verwandt; sie hatte ihre Jugend in der damals englischen Kolonie Indien verbracht und dort das Elend der Leprakranken miterlebt, das sie ihren fünf Kindern öfter schilderte. Als Kind konnte John nie stillsitzen; er begann, auf Bäume zu klettern und den nahegelegenen „Berg“ mit großer Begeisterung zu erkunden. 1929 kam er in ein 100 km von zu Hause entferntes Internat – für ihn eine Katastrophe: Auf einmal war Schluss mit der schönen Freiheit der dörflichen Heimat. Er war nun den Schikanen seiner städtischen Mitschüler ausgesetzt und musste jede Nacht weinen. Nach fünf Jahren ließ ihn sein Vater auf eine andere Schule wechseln, doch dort war er noch unglücklicher. Schließlich riss er aus und lief zu Fuß nach Hause ins väterliche Pfarrhaus.

Auf Bäume klettern

1934 wurde Johns Vater versetzt und meldete seinen Sohn im berühmten Internat von Gresham in Holt an. John konnte sich dort gut einleben und schloss auch Freundschaften. Er war wegen seines Humors und seiner Nachahmungskunst beliebt, spielte Theater und lernte verschiedene Musikinstrumente zu spielen. Aber am liebsten kletterte er nach wie vor auf Bäume und setzte sich oben mit einem guten Buch auf einen Ast. Der Religionsunterricht ließ ihn kalt, aber er lernte, seine Impulsivität zu beherrschen. 1939 bestand er die Aufnahmeprüfung an einer Militärschule für Offiziersanwärter. Im September erklärte England Deutschland den Krieg. John wurde zunächst als Unterleutnant an der asiatischen Front eingesetzt und 1941 zum Truppenkommandanten in einem aus nepalesischen Soldaten, den sogenannten Gurkhas, bestehendenEliteregiment ernannt. Er verstand sich sehr gut mit seinen Männern und brachte sie mit seiner exzentrischen Art oft zum Lachen: So pflegte er mitunter auf den Gipfel eines hohen Baumes zu klettern und sich dort stundenlang dem Flötenspiel zu widmen..

Im Dezember 1941 wurde Malaysia von Japan besetzt; die englischen Truppen zogen sich zurück. Abgeschnitten vom Rest der Armee, löste sich Johns Regiment im Dschungel auf; John irrte mit Hauptmann Hart einen Monat lang zu Fuß durch die Gegend und erkrankte schließlich an einer schlimmen Form von Malaria. Gleichwohl erreichten die beiden Männer die Küste und landeten am 15. Februar 1942 auf Sumatra. John kam todkrank ins Krankenhaus, wo ihm im Fiebertraum eine weiße Dame erschien, die er später als die Jungfrau Maria identifizierte. Als die Japaner näher rückten, mussten John und Hart erst nach Ceylon, dann nach Bombay in Indien weiterfliehen. Sobald John wieder gesund war, schloss er sich einem Gurkha-Regiment im Himalaya an. Dort freundete er sich mit John Dove, einem jungen irischen Katholiken an, mit dem er die Liebe zur Musik, zu langen Diskussionen, zum Trinken und zu Frauen teilte.. John sagte über diese Zeit, es seien „zwei nutzlose, in Klubs, Pubs und beim Spielen verschwendete Jahre“ gewesen. Im Mai 1943 schrieb er jedoch an seine Eltern: „Mein Leben ist ein für allemal Christus geweiht..“

Im Herbst 1943 schloss er sich einem der Stoßtrupps an, die von riesigen Lastenseglern im Dschungel von Birma abgesetzt wurden, um dort „Festungen“ im Rücken des japanischen Heeres zu errichten. John nahm im März 1944 an dieser Luftlandeoperation teil. Nach schrecklichen Kämpfen begannen die Japaner, sich zurückzuziehen.. John war ein tüchtiger, mutiger Soldat, aber er war nun erschöpft. 1945 wurde er für dienstunfähig erklärt und kehrte nach England zurück. Wie Tausende demobilisierte Soldaten, fand er nicht seinen Platz in der Gesellschaft. Er verliebte sich jedoch in eine junge Frau namens Anne Hardwicke und machte ihr einen Heiratsantrag. Im Juni1946 fand er eine Anstellung als Holzfäller – eine Arbeit, die seine körperliche und mentale Gesundheit wieder herstellte.

John Dove kehrte im Herbst 1946 nach England zurück und erneuerte seine Freundschaft mit Bradburne. Trotz seiner Vorurteile gegen den Katholizismus ließ sich dieser über den katholischen Glauben informieren und war fortan regelmäßiger Gast des Benediktinerklosters Buckfast.. John las Newmans Apologia pro vita sua, ein für ihn wegweisendes Werk. Sein Vater verwies ihn an den anglikanischen Geistlichen Paul Osborne, der als gefestigt galt und den er um Rat fragen sollte. Doch dieser stand seiner eigenen Aussage nach selbst an der Schwelle zur römischen Kirche. Nach einer durchdiskutierten Nacht fiel Johns Entscheidung: Er wurde am 26. Oktober 1947, einem Christkönigssonntag, in die katholische Kirche aufgenommen und empfing danach die Erstkommunion. Osborne trat sieben Jahre später ebenfalls zum Katholizismus über.

Die Wahrheit suchen

Wie Newman und viele andere Anglikaner erkannte auch John, dass die katholische Kirche wirklich die von Jesus Christus gegründete Kirche ist. Denn „Gott selbst hat dem Menschengeschlecht Kenntnis gegeben von dem Weg, auf dem die Menschen, ihm dienend, in Christus erlöst und selig werden können. Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten. Er sprach ja zu den Aposteln: Gehet hin, und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe (Mt 28,19-20). Alle Menschen sind ihrerseits verpflichtet, die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren“ (II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis humanæ, Nr. 1).

Bald stellte sich für John die Frage einer Berufung zum Ordensleben. Das bedeutete, dass die geplante Hochzeit mit Anne Hardwicke abgesagt wurde; die beiden blieben jedoch weiterhin gut befreundet. John musste als Neubekehrter erst zwei Jahre warten, bis er in ein Kloster eintreten konnte. Im Frühjahr 1948 nahm er zunächst eine Stelle als Lehrer an einer katholischen Schule an. Er begann, Gedichte zu schreiben, und entdeckte begeistert den hl. Franziskus von Assisi. Anfang 1949 kündigte ihm sein Freund John Dove seinen Eintritt bei den Jesuiten an und lud ihn zu einer Wallfahrt nach Lourdes ein, die bei John einen starken Eindruck hinterließ. Im September 1950 unternahm er auf Kosten eines jüdischen Diamantenhändlers eine Pilgerreise nach Rom, die er als Zeichen einer Berufung zum Missionar beim jüdischen Volk wertete. Von Rom fuhr er weiter ins Heilige Land und verbrachte sieben Wochen in Jerusalem im Haus der Brüder Unserer Lieben Frau von Sion (einer im 19. Jh. von Pater Theodore Ratisbonne zur Evangelisierung der Israeliten gegründeten Kongregation). Anschließend begab er sich in das Noviziat des Ordens nach Leuven in Belgien, wo er oft eine nahegelegene Kirche aufsuchte, um am Grab P. Damien de Veusters, des Apostels der Leprakranken, zu beten.. Im Oktober 1951 nahm er ein Philosophiestudium auf, doch schon bald erkannte er, dass er nicht zum Priesteramt berufen war.

„Er war nicht verrückt!“

Im Frühling 1952 machte sich John erneut auf den Weg ins Heilige Land. Da er keine kostenlose Reisemöglichkeit nach Israel fand, blieb er vorerst in einer süditalienischen Gemeinde als Sakristan. Im Februar 1953 legte er ein privates Keuschheitsgelübde ab. Sein Vater hatte ihm zu Weihnachten geschrieben: „Für mich ist es eine große Freude zu wissen, dass du glücklich bist, dass es dir gut geht auf dem Weg, den ich nun in meinem hohen Alter immer klarer als den Weg Gottes für dich erkenne.“ Im Mai darauf starb der Vater, und John kehrte im September nach England zurück, um seiner Mutter beizustehen. Er wohnte zunächst bei seiner Familie, zog dann aber als Eremit in eine Hütte.. Die Oberin eines Konvents von Maristenschwestern, bei denen er mehrmals aushalf, sagte über ihn: „Er spielte verrückt, aber er war es überhaupt nicht; das war für ihn eine Möglichkeit, sein tiefes spirituelles Leben zu verbergen.“

Nach einem kurzem Aufenthalt in der Benediktinerabtei von Prinknash kehrte John nach London zurück, wo er im Januar 1957 in der katholischen Kathedrale von Westminster als Sakristan angestellt wurde.. Ein paar Monate später übernahm er auf Bitten von Erzbischof Godfrey den Posten des Hausmeisters an dessen Landsitz. Als dann im Januar 1961 der mittlerweile zum Kardinal ernannte Erzbischof begann, den Landsitz zu einem Gästehaus auszubauen, ergriff John die Flucht. Der inzwischen als Missionar in Südrhodesien (im heutigen Zimbabwe) tätige P. Dove schlug ihm vor, in der Mission der Franziskaner im Busch auszuhelfen. Am 6. August 1962 wurde John am Flughafen von Salisbury von seinem Freund abgeholt. Die scheinbare Ruhe in der britischen Kolonie war trügerisch: Rhodesien strebte unter einem von Weißen dominierten Segregationssystem nach Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Missionsstationen der Franziskaner waren Oasen der Gastfreundschaft. Die Mönche sahen eine ihrer Hauptaufgaben darin, den Afrikanern zu helfen, in einem christlichen Geist und ohne Rachedurst das Schicksal des Landes in ihre Hand zu nehmen.

Am 11. August 1962 wurde John in eine von irischen Franziskanern betreute Missionsstation nach Wedza in 160 km Entfernung von der Hauptstadt Salisbury entsandt. Von dort aus half er bei der Errichtung von zwei neuen Missionsstationen im Busch mit. Er erwies sich als ausgezeichneter Helfer, der aufgrund seines Humors sowohl bei den Schwarzen als auch bei den Weißen gleichermaßen beliebt war. Doch die Lage im Land verschlechterte sich; die weißen Siedler erklärten einseitig die Unabhängigkeit des Landes, wobei sie aber ihre Herrschaft über die einheimische Bevölkerung weiter verfestigten; als Gegenbewegung entstand eine von der Sowjetunion bewaffnete schwarze Anti-Apartheid-Front. Die Folge waren Attentate sowie weitere Repressalien von Regierungsseite.

Ein verbindender Sympathieträger

1964 wurde John Bradburne Gärtner in einem Haus der Jesuiten im Norden von Salisbury, in dem ein Noviziat eingerichtet werden sollte, und lebte dort als Einsiedler. Von Juli 1964 bis Februar 1965 moderierte er nebenbei monatliche Fernsehsendungen über biblische Themen.. P. Dove organisierte in der Zeit im Silveira House in den Nähe von Salisbury Lehrwerkstätten für Schwarze. John schloss sich ihm im Dezember 1964 an und wurde als verbindender Sympathieträger zwischen Jesuiten und Indigenen sehr geschätzt. Er lernte dort Luisa Guidotti, eine Ärztin und Laienmissionarin, kennen. An Ostern 1967 spielte er die Rolle Jesu in einem von einer Gemeinde in Salisbury aufgeführten Theaterstück über die Passion Christi..

Im Dezember 1968 hörte Bradburne zum ersten Mal von einer Leprakolonie in Mutemwa, 160 km östlich von Salisbury, die Verwaltungsprobleme hatte. Die Station am Chigona-Gebirge war 1937 gegründet worden und hatte an die 2000 Leprakranke betreut; doch die meisten von ihnen waren in ihre Familien zurückgeschickt worden. John begab sich im März 1969 dorthin. Der Leiter des „Komitees der Freunde Mutemwas“, des Fördervereins der Leprastation, bot ihm den Posten des Direktors an, aber John lehnte zunächst ab. Um ihn zu überreden, wurde ihm erklärt, wenn er die Leitung der Kolonie nicht übernehme, werde es niemand anderer tun. So zog er im August 1969 zu den Leprakranken. Der erste Kontakt war allerdings erschreckend: Etwa 80 Leute mit entstellten Gesichtern und Gliedmaßen sowie mit unversorgten Wunden hausten völlig verdreckt in elenden Hütten; sie waren unterernährt, und die meisten litten auch an anderen Krankheiten. John gewann sie durch seine Freundlichkeit und gute Laune bald für sich. Medizinisch betreut wurden die Kranken von drei italienischen Frauen aus der All-Souls-Mission; sie kamen jede Woche, verteilten Medikamente und gaben Anweisungen an John. Doch da dieser sich als zu verträumt erwies, bemühte sich ab Dezember 1969 die Ärztin Luisa Guidotti, ihn entsprechend weiterzubilden. Vereint im Glauben an Jesus Christus und in der Liebe zu den Leprakranken wurden die beiden gute Freunde. An den Sonntagen, an denen der Geistliche verhindert war, hielt John die Gottesdienste. In seiner Freizeit widmete er sich dem Bergsteigen, dem Gebet und dem Verfassen von Gedichten.

Eine schwere Beleidigung

1970 kam es zu einem Konflikt mit den örtlichen Viehzüchtern, die ihre Tiere den Gemüsegarten der Leprastation plündern ließen. 1971 wurde das „Komitee der Freunde Mutemwas“ in „Rhodesische Vereinigung gegen die Lepra“ umbenannt, in deren Auftrag eine Ärztin das Zentrum besuchte; sie war von Johns Erfolgen beeindruckt, verlangte allerdings eine korrektere Buchführung von ihm; zu ihrer Überraschung folgte er ihrer Empfehlung. Auf einem anderen Gebiet gab es jedoch einen grundlegenden Dissens: Da sie der Ansicht war, dass Leprakranke keine Kinder haben sollten, bestand sie darauf, dass die Frauen systematisch empfängnisverhütende Mittel bekamen. John lehnte das ab.

Papst Johannes Paul II. bekräftigte John Bradburnes Position zur Empfängnisverhütung: „Die Kirche verurteilt als schwere Beleidigung der menschlichen Würde und der Gerechtigkeit alle Aktivitäten von Regierungen oder anderen öffentlichen Autoritäten, die in irgendeiner Weise die Freiheit der Ehegatten, über Nachkommenschaft zu entscheiden, zu beschränken versuchen. Dementsprechend ist jede gewaltsame Maßnahme dieser Autoritäten zugunsten der Empfängnisverhütung oder gar der Sterilisation und der Abtreibung völlig zu verurteilen und mit aller Kraft zurückzuweisen. Wenn die Ehegatten durch Empfängnisverhütung diese beiden Sinngehalte (Vereinigung und Öffnung für die Zeugung), die der Schöpfergott dem Wesen von Mann und Frau und der Dynamik ihrer sexuellen Vereinigung eingeschrieben hat, auseinanderreißen, manipulieren und erniedrigen sie die menschliche Sexualität, weil sie ihr den Charakter der Ganzhingabe nehmen. Wenn dagegen die Ehegatten durch die Zeitwahl den untrennbaren Zusammenhang von Begegnung und Zeugung in der menschlichen Sexualität respektieren, stellen sie sich unter Gottes Plan. Der anthro­pologische und gleichzeitig moralische Unterschied, der zwischen der Empfängnisverhütung und dem Rückgriff auf die Zeitwahl besteht, ist größer und tiefer, als man gewöhnlich meint; er ist letzten Endes mit zwei sich gegenseitig ausschließenden Vorstellungen von Person und menschlicher Sexualität verknüpft“ (Johannes PaulII., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 22.November 1981, Nrn. 30; 32).

1972 trat William Ellis, ein aus der Kirche ausgetretener Katholik, der Johns Tätigkeit feindlich gegenüberstand, in die „Rhodesische Vereinigung gegen die Lepra“ ein. Johns Engagement ließ deswegen kein bisschen nach: Einmal sah man ihn sogar einen Leprakranken auf dem Rücken zur mehrere Kilometer entfernten Ambulanz tragen. Er konnte die Kranken sehr geschickt zur Geltung kommen lassen, indem er sie spielen, singen und an den Arbeiten innerhalb des Instituts teilnehmen ließ. Er tadelte sie auch, wenn es sein musste, vor allem in Sachen Alkoholismus und Promiskuität. Nichtsdestoweniger war er bei den Kranken wegen seiner respektvollen Art beliebt. Da John wusste, dass „die Kirche kein anderes Mittel als die Taufe kennt, um den Eintritt in die ewige Seligkeit sicherzustellen“ (Katechismus, Nr. 1257), bot er sie behutsam allen Nichtchristen an, ohne dabei Druck auszuüben. Die Leprakranken erkannten, dass ihre Person und ihr ewiges Schicksal in den Augen dieses Weißen wichtig waren..

Empörte Ablehnung

Zahlreiche Besucher Mutemwas waren von ihrer Begegnung mit John und den Leprakranken zutiefst beeindruckt. Gleichwohl wurde John von Ellis bald ersucht, die Nahrungsrationen zu kürzen und am Hals jedes Kranken eine Identifikationsplakette anzubringen. John lehnte das empört ab: Die Leprakranken seien kein Vieh! Das Komitee beschloss daraufhin, ihn des Lagers zu verweisen. Am 1. Mai 1973 zog John aus und ließ sich am Gipfel des Chigona-Berges nieder. Jeden Morgen stieg er ins Lager hinab, um den Kranken die Kommunion zu spenden. Lag einer im Sterben, schüpfte er nachts zwischen den Hütten zu ihm, um ihm, wenn nötig, stundenlang beizustehen. Die chaotischen Maßnahmen des neuen Direktors hatten den Rückzug der italienischen Krankenschwestern, später auch der Ärztin Luisa Guidotti zur Folge. Die medizinische Versorgung wurde unterbrochen, ebenso blieben die Arzneimittelspenden aus Italien aus. Gleichzeitig nahm der Bürgerkrieg an Intensität zu. Mit Erlaubnis der Polizei zog John nach sechs Monaten in eine 100m vom Zentrum entfernte Hütte.

Am 28. Juni 1976 wurde Luisa Guidotti verhaftet, da sie bestimmte Aufständische nicht denunziert hatte, wurde jedoch schließlich entlassen. Mehrere Missionare hingegen, die die indigenen Völker unterstützt hatten, wurden ermordet. Am 6. Juli 1979 starb auch Dr. Guidotti an einer Polizeisperre durch eine Maschinengewehrsalve (für sie ist bereits ein Seligsprechungsprozess eingeleitet worden). Trotz Friedensverhandlungen zwischen den beiden Lagern wurden die Kämpfe 1979 fortgesetzt. In der Nacht vom 2. auf den 3. September wurde John von einer bewaffneten Gruppe von Guerilleros gefangengenommen und jungen Aufständischen übergeben, die ihn mit Beschimpfungen überschütteten. Am Abend des 4. September erklärte der Kommandant der lokalen kommunistischen Rebellen John für unschuldig und schlug dessen Ausweisung nach Mosambik vor. John erwiderte, er könne seine Leprakranken nicht im Stich lassen. Am Morgen des 5. September machte er sich mit einer Gruppe von Bauern, die in ihre Dörfer zurückkehren wollten, in Begleitung von zwei Guerilleros auf den Weg. Als die Gruppe einen Bach überquerte, warfen die Guerilleros John zu Boden, und einer von ihnen leerte das Magazin seiner Waffe in seinen Rücken. John war auf der Stelle tot. Sein Leichnam wurde am nächsten Tag von einem Missionar, P. David Gibbs, gefunden. Die lokale Tageszeitung meldete: „Der Freund der Leprakranken wurde getötet. Er war ein Mann Gottes, durch und durch gütig, und hat sein ganzes Leben den Leprakranken gewidmet.“ Bei Johns Trauerfeier am 10. September herrschte in der Kathedrale von Salisbury eine drangvolle Enge, obwohl kein einziger Kranker aus Mutemwa hatte kommen können. Zwei Jahre zuvor hatte der Provinzial der Franziskaner sein eigenes Ordenskleid an John verschenkt, da dieser mehr Franziskaner sei als „wir alle zusammen“. John Bradburne wurde als Tertiar des Franziskanerordens in jenem Gewand beerdigt.

„Ich habe kein Geld, aber ich liebe Gott, ich freue mich in Ihm“, ließ John Bradburne singen. Am 30. April 2019 beschloss die Bischofskonferenz von Zimbabwe, einen Seligsprechungsprozess für ihn in Gang zu setzen.. „Möge seine Liebe zu Christus und Maria, seine Mutter, in seinem aufopferungsvollen Dienst für jene, die in der Welt am geringsten geachtet werden, ein Vorbild für uns sein!“, lautete die Bitte in dem Gebet für seine Seligsprechung..

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