20. September 2023
Kapitän Auguste Marceau
Liebe, verehrte Freunde,
„Alles ist christlich, alles ist katholisch auf der Arche d‘Alliance (einem Missionschiff in Ozeanien)“, schrieb ein Augenzeuge. „Am Bug die Galionsfigur der Jungfrau der sieben Schmerzen; hinten im Zimmer das Bild Unserer Lieben Frau der Hoffnung; und auf der Fahnenstange das Kreuz! Und welche Ordnung, welche Ruhe in der Besatzung! Man sieht nichts, was unerquicklich wäre; keine Streitereien, keine Flüche, keine Hektik; das Manöver wird friedlich ausgeführt; in seiner Kabine ist man ebenso ruhig wie in einer Klosterzelle. Und was soll ich über den würdigen Kapitän Marceau sagen? Er wohnt jeden Tag der heiligen Messe bei und geht zur Kommunion. Er hält jeden Tag zwei Andachten, und zwar stets mit der gleichen Sanftmut, mit der gleichen Freundlichkeit, mag das Wetter für die Navigation auch günstig oder ungünstig sein“ (Brief von Xavier Montrouzier, einem Maristenpater und Missionar, an seinen Bruder Henri vom 19. Juli 1847). Wer war denn dieser außergewöhnliche Seemann?
Auguste-François Marceau wurde am 1. März 1806 in Châteaudun (Eure-et-Loir) geboren. Sein Vater Nicolas-Séverin Marceau war Subpräfekt der Stadt; seine Mutter, Marie Thérèse de Carvoisin, stammte aus altem Adel. Der Junge wurde zwar zwei Monate nach seiner Geburt getauft, danach aber nicht weiter im christlichen Glauben erzogen. Mit 18 Jahren kam er auf die Ingenieurhochschule École Polytechnique, wo er den Saint-Simonismus entdeckte. Die Lehre von Claude-Henry de Saint-Simon (1760-1825) zielte darauf ab, die Gesellschaft zu verändern und das Glück des Menschen durch die Industrie sicherzustellen, da nach dieser Lehre die wirtschaftliche Entwicklung mit moralischem und intellektuellem Fortschritt einhergeht. Saint-Simon wollte den Glauben an Gott durch eine Religion der Wissenschaft ersetzen. Auguste zeigte durchaus Interesse für soziale Fragen, aber aus einer sektiererischen, antiklerikalen Perpsektive heraus. Er wandte sich intensiv dem Studium von Dampfmaschinen zu und wurde ein Experte auf diesem Gebiet. Nach Abschluss der École Polytechnique entschied er sich für die Marine, obwohl er zuvor keine Neigung in diese Richtung gezeigt hatte..
Im Oktober 1826 brach Auguste an Bord der Korvette La Bayonnaise zu einer langen militärischen Weltreise auf. 1829 nahm er am Madagascar-Feldzug teil und rettete eine Gruppe von Seeleuten, die in einen Hinterhalt geraten waren; er wurde dafür im Alter von 23 Jahren mit der Aufnahme in die Ehrenlegion ausgezeichnet. Nach der Teilnahme an einer Nordafrika-Expedition 1832 an Bord der La Robure wechselte er auf die Sphynx, den ersten hochseetauglichen Dampfer. Danach wirkte er an der Überführung des Obelisken von Luxor nach Paris mit, eines Geschenks des Vizekönigs von Ägypten an Frankreich, das 1836 auf der Place de la Concorde in Paris aufgestellt wurde. 1835 war er als Kommandant des schnellen Kriegsdampfers L’Africain in der Senegal-Kampagne eingesetzt, erkrankte jedoch an Malaria und wurde todkrank nach Brest zurückgebracht. Er wurde von einer frommen Cousine in Le Mans aufgenommen und aufopferungsvoll gepflegt. Sie legte eine wundertätige Marien-Medaille an das Kopfende seines Bettes und ließ die kurz zuvor von Abbé Desgenettes in Paris gegründete Bruderschaft vom Unbefleckten Herzen Mariens in ihrem Auftrag für ihn beten. Sechs Monate danach war Auguste dank einer Chininbehandlung sowie der sorgfältigen Pflege seiner Cousine wieder gesund. Zum Abschied schenkte sie ihm die Marien-Medaille, die er gleichgültig in sein Gepäck warf.
Bald wurde ihm der Postdampfer Le Minos anvertraut, auf dem er die Effektivität der Kessel verbessern und damit die Geschwindigkeit des Schiffes steigern konnte. Durch eine schnelle Reaktion konnte er einmal eine Explosion an Bord verhindern, die durch die Fahrlässigkeit eines Matrosen beinahe ausgelöst worden wäre. Obwohl Marceau ein zuverlässiger und ausgezeichneter Marineoffizier war, der sich mit Dampfmaschinen besser auskannte als die meisten seiner Ansprechpartner, hatte er wegen einer gewissen Arroganz gegenüber seinen Vorgesetzten eine negative Beurteilung. Außerhalb des Dienstes suchte er in einem mondänen, lasterhaften, gern auch gotteslästerlichen Leben nach Ablenkung. Gleichwohl behielt er eine gewisse Ehrlichkeit bei, ebenso seinen Durst nach der Wahrheit.
Die Wahrheit des Glaubens
1838 schloss sich Auguste dem Mittelmeergeschwader in Toulon an und bekam den Dampfer Le Vautour anvertraut, der die algerische Küste überwachen sollte. Ab 1840 riefen mehrere Bekehrungen unter den Seeleuten sein Interesse für den katholischen Glauben wach, wenn er sich anfänglich auch eher spöttisch und sarkastisch äußerte. Besonders aufgefallen war ihm ein unter den Matrosen hoch angesehener Offizier, der oft Krankenbesuche machte, und von dem er wusste, dass er gläubiger Katholik war. Schließlich begann er auf Anraten einer Freundin die katholische Religion zu studieren und entdeckte den Glauben an die Wiederauferstehung, der ihm beim Tod eines Neffen eine große Stütze war. Man empfahl ihm ein von einem zeitgenössischen katholischen Autor geschriebenes apologetisches Buch, Le Christ devant le siècle (Der Christ angesichts des Jahrhunderts). Das Werk fesselte ihn sogleich, da bereits im Vorwort die Enthüllung die Wahrheit des Glaubens angekündigt wurde.
Die Apologetik untersucht in der Tat die rationalen Grundlagen des christlichen Glaubens. Seid allzeit bereit zur Verantwortung gegenüber einem jeden, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die ihr in euch tragt. Tut es aber in Bescheidenheit und Ehrfurcht (1 Petr 3,15), mahnte der hl. Petrus. Glaube und Vernunft widersprechen sich nicht, sondern „sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. Das Streben, die Wahrheit zu erkennen und letztlich ihn selbst zu erkennen, hat Gott dem Menschen ins Herz gesenkt, damit er dadurch, dass er Ihn erkennt und liebt, auch zur vollen Wahrheit über sich selbst gelangen könne“, schrieb der hl. Johannes PaulII. (Enzyklika Fides et ratio, 14. September 1998, Nr. 1). Er führte im Weiteren aus: „Alle bitte ich, sich intensiv um den Menschen, den Christus im Geheimnis seiner Liebe gerettet hat, und um sein ständiges Suchen nach Wahrheit und Sinn zu kümmern. Verschiedene philosophische Systeme haben ihn durch Täuschung überzeugt, dass er sein absolut eigener Herr sei, der autonom über sein Schicksal und seine Zukunft entscheiden könne, wenn er ausschließlich auf sich selbst und seine Kräfte vertraut. Das wird niemals die Größe des Menschen ausmachen können. Bestimmend für seine Verwirklichung wird nur die Entscheidung sein, sich dadurch in die Wahrheit einzufügen, dass er im Schatten der Weisheit seine Wohnung errichtet und in ihr wohnen bleibt. Erst in diesem Wahrheitshorizont wird er begreifen, wie sich seine Freiheit im Vollsinn entfaltet und dass er zur Liebe und zur Erkenntnis Gottes berufen ist. Darin liegt seine höchste Selbstverwirklichung“ (Fides et ratio, Nr. 107).
Marceau erkannte, dass die Philosophie, vor allem die, die die Existenz Gottes leugnet, für das Glück des Menschen nicht genügt. Nach vielen Lektüren und Gesprächen mit christlichen Freunden war er zwar intellektuell von der Wahrheit des Glaubens überzeugt, aber diese Erkenntnis schlug sich nicht in seinem Leben nieder: Sein Stolz und seine Lebensweise waren ein Hindernis für seine Bekehrung. Man schlug ihm daraufhin vor zu beten. Da er kein Gebet kannte, nicht einmal das Vaterunser oder das Gegrüßet seist du, Maria, lieh er sich insgeheim ein Gebetbuch von seinem Diener. Im Juli 1841 beichtete er schließlich beim Marinegeistlichen von Toulon. Als er anschließend die heilige Eucharistie empfing, überkamen ihn heftige Zweifel in Bezug auf die Realität der geweihten Hostie: „Glaube ich wirklich an die reale Gegenwart Christi?“ Nach der Kommunion beklagte er sich bei der Heiligen Jungfrau darüber, dass er zu wenig Andacht empfinde. Da ging ihm plötzlich das Herz auf: Tränen stiegen ihm in die Augen. Einem befreundeten Offizierskameraden, der ihn zu seiner Bekehrung befragte, antwortete er: „Ich habe getan, was ihr gesagt habt: Ich habe gelesen, ich habe gebetet, und den Rest hat Gott bewirkt!“
In einer Schublade
Auguste Marceau erinnerte sich nun an die wundertätige Medaille, die er bei seiner Rückkehr aus dem Senegal in todkrankem Zustand von seiner Cousine bekommen hatte. Glücklicherweise fand er sie in einer Schublade wieder und befestigte sie an seiner Uhrenkette; wenn er in Paris war, besuchte er die Kirche von Abbé Desgenettes und trat schließlich der Marien-Bruderschaft bei. Sein Vertrauen auf Maria wurde so groß, dass er fortan alle seine Seereisen unter den Schutz Unserer Lieben Frau stellte.
Anfang 1842 lernte Marceau Léon Papin-Dupont (1797-1876) kennen, der als „der heilige Mann von Tours“ bekannt war, einen engagierten Förderer karitativer Werke, der für die Verehrung des Heiligen Antlitzes Jesu sowie die eucharistische Anbetung warb. Das war der Beginn einer spirituellen Freundschaft, die sich in einem regen Briefwechsel niederschlug. Hauptgegenstand der Briefe war Gott, aber auch das gemeinsame Engagement für die Marienverehrung, für soziale Belange sowie für die eucharistische Anbetung zur Bekehrung der Sünder. Unter dem Einfluss von Léon Papin-Dupont veränderte sich Auguste,er wurde demütig und interessierte sich für geistliche Gespräche. Der Stil seiner bis dahin trockenen und konventionellen Briefe war fortan von Warmherzigkeit und Liebe geprägt. Zu den ersten Personen, denen der Offizier Gutes erweisen wollte, zählte seine eigene Mutter, die sich unter seinem Einfluss bald bekehrte.
Auguste wurde vorgeworfen, seinen Glauben zu sehr zur Schau zu tragen, zum Beispiel, wenn er in Uniform, mit einer Kerze in der Hand an der Fronleichnamsprozession teilnahm. Er erwiderte: „Ich war öffentlich ungläubig und ein nur zu beredter Vertreter der Lüge; nichts ist gerechter, als dass ich den Skandal wiedergutmache.“ Seine Vergangenheit hatte ihn sensibel gemacht für Fragen der Wiedergutmachung und der Sühne. Er sah ein, dass „jede Verfehlung gegen die Gerechtigkeit und die Wahrheit die Verpflichtung zur Wiedergutmachung mit sich bringt, selbst dann, wenn ihrem Urheber Vergebung gewährt worden ist“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2487).
Auguste begann, Lebensgeschichten von Heiligen zu lesen. Vom hl. Ignatius von Loyola übernahm er die Maxime: „Ein einziger Sieg über sich selbst ist besser als eine große Anzahl heiliger Werke, die andere tun, indem sie ihren natürlichen Neigungen folgen.“ Er dachte oft über „die letzten Dinge des Menschen“ nach. Besonders berührte ihn die Realität des Fegefeuers als Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit, da es den in der Gnade Gottes verstorbenen Gläubigen ein Mittel schenkt, sich von den Resten ihrer Sünden zu reinigen. Nach der Teilnahme an einer Exerzitienveranstaltung in einem Trappistenkloster erkannte er, dass Gott ihn nicht im Kloster, sondern in der Marine haben wollte..
Im Juli 1842 wurde Marceau zum Kommandanten der noch im Bau befindlichen dampfbetriebenen königlichen Yacht Comte d‘Eu ernannt, deren Fertigstellung er überwachen sollte. Er stellte dabei substantielle Mängel fest und machte auch auf sie aufmerksam. Die Nachricht darüber erreichte bald die königliche Familie, der Schiffsbau wurde abgebrochen. Nur weil er seinem Gewissen gefolgt war,hatte Auguste eine interessante Stelle verloren und sich in Marinekreisen etliche Feinde gemacht..
Ein besonderes Werk
Am 3. Mai 1843 wohnte er in Toulon der Abreise einer Gruppe von Maristenpatres auf einem Regierungsschiff in Richtung Ozeanien bei. Ein Bischof aus der Gruppe schilderte ihm, wie schwierig es für die Missionare sei, Schiffe für den Transport nach Ozeanien zu finden. Die 1822 vom seligen Jean-Claude Colin in Lyon gegründeten Kongregation der Maristen hatten bereits 1836 vom Papst die Mission erhalten, den Erdteil zu evangelisieren; einer ihrer Mönche, der hl. Pierre Chanel, war dort bereits als Märtyrer gestorben.. Im Mai 1842 hatte P. Colin einen Bericht an den Präfekten der Kongregation für die Verbreitung des Glaubens nach Rom geschickt, in dem er wörtlich schrieb: „Um die Völker Ozeaniens auf den Empfang des Evangeliums vorzubereiten, müssten den Missionaren zwei oder drei Schiffe zur Verfügung stehen, die von christlichen und mit diesem Werk verbundenen Kapitänen gelenkt werden.“
Marceau begann, sich für diese Frage zu interessieren. Der Reeder Louis-Victor Marziou (1814-1890) wiederum wollte die katholische Mission in Ozeanien tatkräftig unterstützen und hörte über einen Jesuitenpater aus Lyon von Marceau. Er nahm Kontakt mit ihm auf und schlug ihm vor, das Kommando über ein Schiff nach Ozeanien zu übernehmen. Voller Freude schrieb Auguste an seine Mutter: „Man bietet mir das großartigste Kommando an, das ich je erträumt habe. Verstehst du, welches Glück es mir bedeutet, in jedem Moment des Tages Gottes Namen zu verherrlichen, indem ich am herrlichsten Werk unserer Zeit mitwirke?“ Gleichzeitig bot ihm die Marine eine zweijährige Mission nach Brasilien an. Er stand vor einer schwierigen Wahl: Sollte er in der königlichen Marine verbleiben oder abdanken, um sich in den Dienst der Mission zu stellen? Im letzteren Fall würde er sämtliche Vorteile seiner militärischen Stellung verlieren: den Sold, die Beförderungen, die soziale Position. Er brauchte zwei Tage zum Beten und Überlegen; danach reichte er seinen Rücktritt ein und verzichtete somit auf alles, was bis dahin sein Leben ausgemacht hatte. Der Marineminister wunderte sich und bat um eine Erklärung. Als er die tiefen Beweggründe Marceaus begriff, gewährte er ihm voller Bewunderung unbegrenzten Sonderurlaub bei vollen Bezügen und mit Anspruch auf Beförderung. Marceau sah darin eine praktische Umsetzung des Jesus-Wortes: Sucht zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben werden (Mt 6,33).
Zwischen Juni 1843 und September 1844 wohnte Marceau in Brest, wo er eine Gruppe der Konferenz des hl. Vinzenz von Paul gründete. 1845 beteiligte er sich zusammen mit Marziou an der Gründung der Société Française de l’Océanie (SFO) und wirkte an der Gewinnung von Spendern mit, damit die Missionare unter guten Bedingungen reisen und jede benötigte Unterstützung erhalten konnten.. Mit einem Kapital von 1 Million Francs zählte die börsennotierte Gesellschaft neben Papst Pius IX. auch Kardinäle, Bischöfe u..v.a. zu ihren Unterstützern. Bei der Gründung der SFO verfolgten Marceau und Marziou etwas unterschiedliche Ziele. Während der Reeder nicht nur christliche, sondern auch kommerzielle Aspekte im Auge hatte, wollte Marceau alles, einschließlich seiner selbst, in den Dienst Gottes stellen. Er wollte eine Art Noviziat gründen und so etwas wie Matrosenmönche haben. Auf finanzieller Ebene erwies sich sein Traum allerdings als utopisch.
Ein schwimmendes Kloster
Es wurde ein Dreimaster, die Arche d‘Alliance (Bundeslade), angeschafft und am 30.. August 1845 in Nantes eingesegnet; er legte am 15. November unter Marceaus Kommando ab. An Bord waren zwölf Maristen, mehrere tatkräftige Laien und verschiedene landwirtschaftliche Nutztiere. Von Nantes aus überquerte das Schiff den Atlantik, passierte den amerikanischen Kontinent durch die Magellanstraße und legte nach einem einwöchigen Aufenthalt in Valparaiso (Chile) auf den Marquesas-Inseln an. Für Marceau war das Schiff ein schwimmendes Kloster auf dem Weg zur Heiligkeit, dem er selbst als Vorbild dienen wollte. Der Tagesablauf an Bord war nahezu klösterlich: mit Morgengebet, Abendgebet, Rosenkranz, Messen, geistlichen Vorträgen, Exerzitien usw. Auch das Weihnachtsfest wurde auf hoher See gefeiert.
Nach einem siebenwöchigen Zwischenstopp in Tahiti, wo der Kapitän gemäß der Anweisungen Marzious ein Handelshaus in Papeete gründete, erreichte die Arche d‘Alliance am 4. September schließlich den Teil Ozeaniens, in dem die Maristen tätig werden sollten. Marceau war selig; bis dahin hatte er seine Mission erfüllt. Nun wollte er den Maristen nach Kräften helfen, sich auf den Inseln einzurichten. Das Schiff fuhr bald in Richtung Samoa-Inseln weiter. Marceau etablierte dort ebenfalls ein SFO-Kontor; er beeindruckte die Bevölkerung durch seine Güte und half so mit, die vielen Vorurteile gegen die katholische Mission abzubauen. Am 20. Oktober nahm das Schiff zunächst Kurs auf die Wallis-Inseln, wo es am 23. ankam. Von dort ging es weiter nach Futuna; Marceau war tief gerührt, als er dort einen Priester in der blutbefleckten Soutane P. Chanels, des ersten Märtyrers Ozeaniens, zum Altar schreiten sah. Die Arche lief anschließend in Richtung Neukaledonien aus. Auf Marceaus Vorschlag hin wurde die einwöchige Reise für Exerzitien genutzt. Am 11. Februar 1847 legte das Schiff schließlich in San Cristobal auf den Salomon-Inseln an.
Diener Marias
Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten sandte Marceau einen optimistischen Bericht nach Frankreich,bevor er schließlich selbst zurückkehrte. Auf der Rückreise vertiefte er sich in die Lektüre der „Abhandlung über die wahre Verehrung der Heiligen Jungfrau“ vom hl. Louis-Marie Grignion de Montfort und weihte sich anschließend Jesus durch Maria. Von da an unterzeichnete er seiner Briefe mit „Diener Marias“, später mit „Diener der Unbefleckten Maria“. Vor der Küste Senegals wurde die Arche von einer starken Meeresströmung gegen eine Sandbank gedrückt, an der sie zu zerschellen drohte. Marceau und seine Passagiere beteten zu Maria, und das Schiff wurde gerettet. Drei Kriegsschiffe waren ihm zu Hilfe geeilt; auf die Glückwünsche ihrer Mannschaften erwiderte Marceau: „Gott hat uns gerettet auf die Fürsprache der Person hin, die man noch nie vergeblich um etwas angefleht hat..“ Mitte Juli 1849 legte die Arche in Brest an. Seit ihrem Aufbruch im November 1845 bis zu ihrer Rückkehr war sie elfmal beinahe gesunken oder zerschellt. Augustes Empfang fiel eher kühl aus. Seine Expedition hatte sehr lange gedauert und endete mit einem finanziellen Verlust; Marziou gab ihm die Schuld dafür und beschloss, ihm nur die Hälfte des vereinbarten Soldes auszuzahlen.. Marceau hing nicht am Geld, da er nach wie vor an der Vorstellung einer „missionarischen Marine“ festhielt.. Der Papst ernannte ihn bald zum Ordensritter des hl.. Gregors des Großen. Auguste wollte am liebsten wieder in See stechen. Doch der Februar-Aufstand 1848 hatte der SFO den Todesschlag versetzt; sie musste sich bald auflösen.
Marceau erkrankte bald an Knochenkrebs. Er nahm die Krankheit im Vertrauen auf den Herrn an, musste jedoch wieder eine Zeit geistiger Finsternis durchmachen; er bewältigte sie mit Hilfe des Buches „Die große Macht des Gebetes“vom hl. Alfons von Liguori. Er zog sich nach Lyon ins Mutterhaus der Maristen zurück und trat ihrem Dritten Orden bei. Im Dezember 1850 spielte er mit dem Gedanken, Priester zu werden, doch sein Gesundheitszustand ließ das nicht mehr zu. Er begab sich zu seiner Schwester nach Saint-Symphorien in die Nähe von Tours und traf dort Léon Papin-Dupont wieder. Nach einem Erstickungsanfall am 1. Februar 1851 erklärte er wenige Stunden vor seinem Tod, als er noch einmal über seine Mission mit der Arche d’Alliance nach Ozeanien sprach: „Das ist das Senfkorn; der liebe Gott wird es zu seiner Zeit sprießen lassen.. Es ist schon viel, dass es überhaupt ausgesät ist..“ Nach Empfang der letzten Sakramente entschlief er friedlich..
Wenden wir uns in unserem alltäglichen Leben nach Auguste Marceaus Vorbild immer wieder an die Gottesmutter und bitten wir die Mutter der Kirche, viele apostolisch Tätige zu mobilisieren, die ausziehen, um das Kreuz Jesu Christi überall in der Welt zu errichten..












