Venerabile Chiara di Soria

15. August 2023

Ehrwürdige Klara de Soria

Liebe, verehrte Freunde,

„Die Eucharistie steht am Ursprung jeder Form von Heiligkeit, und jeder von uns ist zur Fülle des Lebens im Heiligen Geist berufen.. Wie viele Heilige haben dank ihrer eucharistischen Frömmigkeit ein wirklich glaubwürdiges Leben geführt. Die Heiligkeit hat ihr Zentrum immer im Sakrament der Eucharistie gefunden“, schrieb Papst Benedikt XVI. in seinem Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis vom 27. Februar 2007 (Nr. 94). Einen Beleg dafür liefert das Leben von Mutter Clara de Soria, einer Klarissin des 20. Jh., die am 3. April 2014 von Papst Franziskus für „ehrwürdig“ erklärt wurde.

Ehrwürdige Klara de Soria Clara de Soria Sánchez García wurde am 14. Februar 1902 in Torre Cameros in der Provinz Logroño (Spanien) als das dritte der sieben Kinder einer Familie geboren. Ihr Vater Leopoldo Sánchez war Lehrer, ihre Mutter hieß Augustina García. Das Kind wurde auf den Namen Juana de la Concepción getauft. Seine Mutter weihte es bereits vor seiner Geburt dem hl. Pascal Baylon (1540-1592), einem einfachen Franziskanerbruder, der seine Kraft aus der Eucharistie geschöpft und unzählige Stunden in stiller Anbetung vor dem Allerheiligsten verbracht hatte. Bald zog die Familie nach Rebollar in der Provinz Soria (Kastilien-und-León) um. In der tiefgläubigen Familie war Juana aufgrund ihres lebhaften Temperaments und ihrer Großherzigkeit bei allen beliebt. Mit neun Jahren begann sie bereits, ihre jüngeren Geschwister im Katechismus zu unterweisen. Als einer ihrer Brüder die Erstkommunion empfing, verfasste sie ein kleines Gebet, in dem sie für ihn eine Berufung zum Priesteramt erbat, und sie spornte sowohl ihre Familienangehörigen als auch ihre Freundinnen zu Opfern an. Sie selbst half zu Hause vielfach im Haushalt mit und suchte sich ihrer Schwester zufolge stets die mühsamsten Arbeiten aus.

Juana zeigte schon als kleines Mädchen eine große Vorliebe für die Einsamkeit und verbrachte viel Zeit in Anbetung. Sobald sie konnte, suchte sie das Allerheiligste auf und verweilte so lang davor wie möglich. Sie ging gern zur Messe, weil Christus sich dort für unsere Liebe opfert und er sich uns als geistliche Speis und geistlichen Trank anbietet. Da sie damals nicht jeden Tag die Kommunion empfangen konnte, richtete sie folgende Bitte an ihre Mutter: „Sag dem Herrn Pfarrer, er möchte bei der Messe die Hostie höher und länger erheben, damit ich eine geistliche Kommunion vollziehen kann.“ Ihre Mutter lehrte sie bereits sehr früh, sich großherzig um die Armen zu kümmern. An bestimmten hohen Feiertagen bot die Familie den Armen des Ortes eine kostenlose Mahlzeit an, bei der sie von Juana bedient wurden..

Ich muss antworten

Obwohl Juana intellektuell hochbegabt war, wollte sie kein längeres Studium beginnen, da sie sich seit jeher zum kontemplativen Ordensleben berufen fühlte. Sie sagte später: „Ich hatte gehört, dass es Nonnen gibt, die in ihrem Kloster in Klausur leben und ohne Unterlass Gott loben; da sagte ich mir: ‚Ich werde eine Nonne wie sie..’“ Das Feuer von Gottes Wort sprang auf sie über, ein unaufhaltsames Feuer, das sie immer wieder zu dem Ruf drängte: Siehe, ich komme, deinen Willen, o Gott, zu vollbringen (Hebr 10,7). Obwohl ihre Eltern gute Christen waren, verstanden sie sie nicht und meldeten sie an der Pädagogischen Hochschule von Soria an. Juana gehorchte, aber sie fühlte sich in der etwas oberflächlichen, turbulenten Welt der Studenten fehl am Platz: Ihre Seele sehnte sich nach dem Haus des Herrn. Obwohl sie bei ihren Studienkolleginnen beliebt und im Studium durchaus erfolgreich war, litt sie sehr darunter, dass sie ihren Wunsch nicht verwirklichen konnte. Im Februar 1922 hielt sie es nicht mehr aus und schrieb einen bewegenden Brief an ihren älteren Bruder, der bereits als Lehrer tätig war: „Ich kann nicht länger studieren; ich bin berufen, Nonne zu werden, und ich muss dem Ruf des Herrn folgen.“ Der Bruder leitete den Brief an die Eltern weiter, die schließlich schweren Herzens die Berufung ihrer Tochter akzeptierten; schon bald freuten sie sich jedoch darauf, eine Nonne zur Tochter zu haben. An dem Tag, an dem Juana ins Kloster eintreten sollte, starb ihr Vater plötzlich an einem Schlaganfall. Juana war sich der schwierigen Situation ihrer plötzlich verwitweten Mutter und ihrer jüngeren Geschwister bewusst; andererseits begriff sie auch, dass sie Gottes Ruf folgen musste und dass ihr Gehorsam eine Gnadenquelle für ihre Angehörigen sein werde.. So trat sie am 15. August 1922 in das Klarissenkloster von Soria ein. Der 1211 vom hl. Franziskus und der hl. Klara in Assisi gegründete Klarissenorden war bereits seit 1223 in Spanien tätig. „Ins Kloster gehen, heißt, für die Welt zu sterben“, sagte Juana später zu ihren Novizinnen. „Und für das Sterben muss man die Agonie durchleiden. Die Agonien, die man durchleidet, sind echte Agonien; aber die Freuden, die man hinterher empfindet, lassen die Leiden der Vergangenheit winzig klein erscheinen.“

Die Einsamkeit Jesu

Der Konvent, dem Juana beitrat, bestand damals aus 16 Nonnen. Bald kam außer ihr noch eine weitere Postulantin hinzu. Die Novizenmeisterin war eine gute, schlichte und von franziskanischem Geist erfüllte Ordensfrau, die jedoch anfänglich kein Verständnis für Juana aufbrachte; diese litt sehr darunter. Im Februar 1923 tauschten beim alle drei Jahre stattfindenden Kapitel des Klosters die Novizenmeisterin und die Äbtissin ihre jeweiligen Ämter. Die neue Novizenmeisterin war eine vergeistigte Frau, intelligent, fein und rücksichtsvoll, aber auch sie nahm das tiefe innere Leben Juanas nicht richtig zur Kenntnis. Diese wurde am 18. Februar 1923 eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Schwester Clara de la Concepción. Ihre Verehrung für den Herrn im Tabernakel sowie für das Kind in der Krippe wurde immer deutlicher. Zu ihrem großen Bedauern war die Regel, die ihr Konvent befolgte, nicht die ursprüngliche Regel der hl. Klara, die keinen persönlichen Besitz zuließ, sondern eine abgeschwächte, von Papst Urban IV. gebilligte Version. „Bei einem Spaziergang mit der Mutter Novizenmeisterin während der Rekreation befragte ich sie zu dieser zweiten Regel“, sagte Juana, „und habe deren Sinn klar erkannt. Was sollte ich tun? Ich bat den Herrn um Rat und fand die Lösung: Ich sollte die Regel, die ich nun gefunden habe, befolgen, und den Himmel mit absolutem Vertrauen beharrlich darum bitten, dass sich der Konvent zur ursprünglichen Regel bekennen möge.“ Sie war auch sehr traurig darüber, dass Jesus – außerhalb der Gottesdienste und der Messe – im Allerheiligsten oft allein war.

Im Februar 1924 wurde Schwester Clara zur zeitlichen Profess zugelassen, blieb aber weiterhin im Noviziat. Als 1925 zwei weitere junge Postulantinnen hinzukamen, wurden sie von ihr mit dem Leben der Klarissen vertraut gemacht, aber auch mit ihrem Wunsch nach Einführung der ewigen Anbetung des Allerheiligsten sowie nach einer Rückkehr zur ursprünglichen Regel. 1927 legte Schwester Clara mit 25 Jahren ihre ewigen Gelübde ab. Danach begann für sie eine lange Zeit geistlicher Prüfung voll unbeschreiblicher Traurigkeit, innerer Leere, Ekel und tiefer innerer Bitterkeit. Sie suchte in der Heiligen Schrift nach Erleuchtung und konnte dank ihres Glaubens gegen alle Hoffnung (vgl. Röm 4,18) ihr Vertrauen zu Dem beibehalten, dem sie aus freiem Willen diente. Sie strahlte weiterhin Freude aus, zeigte sich hilfsbereit, still und folgsam. Ihre Gesundheit, die während des Noviziats etwas schwächelte, war nun stabil. Sie arbeitete eine Zeitlang als Assistentin der Ökonomin. 1933 wurde sie dann zur Pförtnerin ernannt, musste also an der Pforte des Klosters die Besucher empfangen; dieses Amt hatte sie bis zu ihrer Wahl zur Äbtissin 1941 inne.

„Mit Ihm bringe ich mich als Opfer dar!“

Die heilige Messe war Zentrum und Höhepunkt ihres Lebens.. Gemeinsam mit dem Priester brachte sie das göttliche Opfer und auch sich selbst für das Heil der ganzen Welt dar: „Vater, ich bringe Dir Jesus dar und mit Ihm auch mich, mein Gott..“

In der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia schrieb der hl. Papst Johannes Paul II. später: „Wenn die Kirche die heilige Eucharistie, das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung ihres Herrn, feiert, wird dieses zentrale Mysterium des Heils wirklich gegenwärtig und vollzieht sich das Werk unserer Erlösung. Dieses Opfer ist für die Erlösung des Menschengeschlechts so entscheidend, dass Jesus Christus es vollbrachte und erst dann zum Vater zurückkehrte, nachdem er uns das Mittel hinterlassen hatte, damit wir so daran teilnehmen können, als ob wir selbst dabei gewesen wären. Jeder Gläubige kann auf diese Weise am Opfer Christi teilnehmen und seine Früchte in unerschöpflichem Maß erlangen. Das ist der Glaube, aus dem die christlichen Generationen im Laufe der Jahrhunderte gelebt haben.. Diesen Glauben hat das Lehramt der Kirche unaufhörlich mit freudiger Dankbarkeit für das unschätzbare Geschenk bekräftigt.. Ich möchte noch einmal an diese Wahrheit erinnern und mich mit euch, meine lieben Brüder und Schwestern, in Anbetung vor dieses Mysterium begeben: das große Geheimnis, das Geheimnis der Barmherzigkeit. Was hätte Jesus noch mehr für uns tun können? In der Eucharistie zeigt er uns wirklich eine Liebe, die bis zur Vollendung (Joh 13, 1) geht, eine Liebe, die kein Maß kennt“ (17. April 2003, Nr. 11).

Schwester Claras Wunsch, den von der ganzen Welt angebeteten Herrn zu sehen, wuchs von Tag zu Tag. Wie ein Hirsch verlangt nach Wasserbächen (Ps 41,2), so verlangte ihre Seele nach Gottes Antlitz. „Eines Tages 1936 erkannte ich im Chor“, sagte sie später, „dass der Herr das Allerheiligste in dieser Kirche ständig ausgestellt haben wollte und dass ich das Pater Julius (ihrem Beichtvater) sagen musste.. Da wir mitten im Krieg waren (im Bürger- und Religionskrieg 1936-1939), der Pater sich woanders aufhielt und ich ihm keine Mitteilung machen konnte, überließ ich die Sache Jesus. Nach einiger Zeit kehrte der Pater nach Soria zurück, und ich habe ihm alles erzählt. Seine Antwort war: ‚Gott will das!’“ Die Aussicht wurde von den jungen Schwestern des Klosters mit Begeisterung aufgenommen. Auch die Äbtissin zeigte sich günstig gestimmt, doch bei den älteren Schwestern stieß der Plan auf Ablehnung, da sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlten. Das Vorhaben wurde folglich „um des lieben Friedens willen“ vertagt.

Auf dem Kapitel von 1938 wurde Schwester Clara das Amt der Äbtissin angetragen. Sie war damals 36 Jahre alt, und von Rechts wegen musste man für dieses Amt mindestens 40 Jahre alt sein. Aus Demut lehnte sie die Äbtissinenwürde ab. Doch danach vergoss sie bittere Tränen, weil sie sich schuldig fühlte, durch ihre Weigerung die Einführung der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakraments verzögert zu haben. Drei Jahre später wurde Schwester Clara, noch immer keine 40 Jahre alt, 1941 wieder zur Äbtissin gewählt und mit einem Dispens aus Rom am 11. Juni in ihr neues Amt eingesetzt. Infolge des kurz zurückliegenden Bürgerkrieges waren die Lebenshaltungskosten erheblich gestiegen: Die neue Äbtissin konnte zu ihrem Leidwesen die Nonnen nicht so gut ernähren, wie sie eigentlich wollte, aber sie vertraute auf die göttliche Vorsehung. Vor bestimmten Festtagen pflegten die Schwestern um die Nahrung des nächsten Tages zu beten, und bekamen auch tatsächlich alles, was sie brauchten. „Die göttliche Vorsehung geht niemals fehl“, schrieb die Mutter.

Eine große Freude

Im November 1941 wurde nach den Exerzitien des Konvents die ewige Anbetung vor dem Tabernakel eingeführt; die Nonnen wechselten sich dabei Tag und Nacht ab. 1942 wurden vom Heiligen Stuhl neue Konstitutionen für die Klarissen gebilligt; sie gestatteten zur Freude der Schwestern die ständige Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments. Am 11. August, dem Vorabend des Festtags der hl. Klara, setzte ein Priester den Herrn in der Monstranz tatsächlich zur ewigen Anbetung aus.

„In der Eucharistie kommt uns der Sohn Gottes entgegen und möchte sich mit uns vereinigen; die eucharistische Anbetung ist nichts anderes als die natürliche Entfaltung der Eucharistiefeier, die in sich selbst der größte Anbetungsakt der Kirche ist“, schrieb Papst Benedikt XVI. im Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis.. „Die Eucharistie empfangen heißt, den anbeten, den wir empfangen. Der Akt der Anbetung außerhalb der heiligen Messe verlängert und intensiviert, was in der liturgischen Feier selbst getan wurde. Und gerade in diesem persönlichsten Akt der Begegnung mit dem Herrn reift dann auch die soziale Sendung, die in der Eucharistie enthalten ist und nicht nur die Grenze zwischen dem Herrn und uns, sondern vor allem auch die Grenzen aufreißen will, die uns voneinander trennen. Ich möchte hier allen Instituten gottgeweihten Lebens, deren Mitglieder einen bedeutenden Teil ihrer Zeit der eucharistischen Anbetung widmen, meine Bewunderung und Unterstützung zum Ausdruck bringen. Auf diese Weise bieten sie allen das Beispiel von Menschen, die sich von der wirklichen Gegenwart des Herrn formen lassen“ (Nrn. 66; 67).

Jesus im Allerheiligsten war paradoxerweise Mutter Claras Freude und Schmerz zugleich. In ihrem Herzen brannte einerseits das Feuer der Liebe zur Eucharistie. Andererseits war der leiseste Verdacht, die Aussetzung des Allerheiligsten könnte eingestellt werden, eine Quelle tiefsten Leidens für sie.

Die Entscheidung der Mutter, Maria im Mysterium ihrer unbefleckten Empfängnis im Jahre 1945 zur ewigen Äbtissin des Klosters zu erklären, beruhte auf ihrer Verehrung der Heiligen Jungfrau. „Nimm, liebe Mutter, die Last der Leitung unseres Konvents auf dich, den Gott, unser Herr, mir anvertraut hat und den ich heute zur größten Freude meiner Seele dir übergebe“, bat sie Maria. „Du bist die göttliche Hirtin, die diese kleine Herde lenkt und zu Jesus führt. Wir, gewählte und kanonisch ernannte Äbtissinnen, sind lediglich deine demütigen kleinen Hirtinnen..“

Früchte tragen lassen

Mutter Clara zeigte sich allen Schwestern gegenüber aufgeschlossen: Jede konnte sich mit töchterlichem Vertrauen und schwesterlicher Vertrautheit an sie wenden. Sie kannte die Schwächen der Schwestern wie niemand sonst, beachtete sie aber nicht weiter, sondern wollte lieber ihre Stärken fördern. „Man muss die Fähigkeiten der Schwestern in die richtigen Bahnen lenken, indem man sie auf Posten und in Ämter einsetzt, die sie weiterbringen können“, beteuerte sie. „Wir dürfen nichts verschwenden, alles ist ein Geschenk Gottes. Wir müssen es Früchte tragen lassen.“ Sie arbeitete vor allem am spirituellen Wachstum des Konvents und organisierte Bildungsveranstaltungen. Als fleißige Leserin der Heiligen Schrift sowie der maßgeblichen Kommentare teilte sie ihre gewonnenen Erkenntnisse regelmäßig mit ihren Mitschwestern..

Nach vielen Anläufen beantragte der Konvent von Soria beim Heiligen Stuhl schließlich die offizielle Rückkehr zur ursprünglichen Regel, nach der die Klarissen einzig vom Ertrag ihrer Hände Arbeit sowie spontanen Spenden leben durften; das positive Antwortschreiben von Papst Pius XII. traf am 22. Mai 1953 ein und wurde von den Schwestern freudig begrüßt. Allerdings ging immer, wenn die Mutter eine besondere Gnade des Herrn gewährt bekam, dem Gnadenerweis mysteriöserweise eine schmerzliche Prüfung voraus, die Mutter Clara jedoch stets freudig und großmütig bestand.

Vom Licht Jesu im Allerheiligsten Sakrament angezogen, baten zahlreiche junge Postulantinnen um Aufnahme ins Kloster, so dass 1956 die Anzahl der Nonnen auf über 40 stieg. Doch die Mutter träumte von einem 50-köpfigen Konvent und legte zum Zeichen ihrer Hoffnung 50 Kieselsteine vor dem Tabernakel nieder. Ihr Traum wurde wahr: In ihrer Amtszeit als Äbtissin wuchs der Konvent auf 57 Mitglieder an. Nach und nach wurde die Arbeit effektiver gestaltet, so dass die anfänglichen finanziellen Probleme allmählich verschwanden. Unter der sachkundigen und uneingennützigen Leitung einer Tierärztin wurde sogar ein kleiner Bauernhof eingerichtet.

1954 wurden infolge der Apostolischen Konstitution Sponsa Christi von Pius XII. Föderationen zwischen Klöstern gebildet. Mutter Clara wurde zur Beraterin der entstehenden Föderation von Cantabrien gewählt, in der ihre Ideale umgehend aufgegriffen wurden. Bald schlossen sich weitere Gemeinschaften den cantabrischen Konventen an und betrieben ein gemeinsames Noviziat in Soria.

In besseren Händen

Mutter Clara wurde gemäß der Konstitutionen alle drei Jahre wiedergewählt und übte das Amt der Äbtissin 18 Jahre lang aus. Doch bereits nach ihrer zweiten dreijährigen Amtszeit musste ihre Wiederwahl von der Kongregation der Ordensleute formell genehmigt werden. Als die Kongregation diese Genehmigung 1955 erteilte, gab sie zugleich bekannt, dass das die letzte dreijährige Amtszeit werden sollte. Nach dem Kapitel von 1958 legte Mutter Clara folglich das Amt der Äbtissin nieder. Sie freute sich, von der Verantwortung entbunden zu sein und sich voll und ganz dem Gehorsam hinzugeben, denn sie fühlte sich nun freier, sich auf die Dinge Gottes zu konzentrieren. Sie führte die kleinsten von der Regel vorgeschriebenen Pflichten, die Wünsche der neuen Äbtissin sowie jeder einzelnen Schwester freudig aus. Auf die Frage eines Mönches, ob sie nach so vielen Jahren leitender Position nicht das Gefühl habe, dass ihr etwas fehle, erwiderte sie schlicht: „Überhaupt nicht, das Amt ist jetzt in besseren Händen!“

Nach ihrer Zeit als Äbtissin wurde Mutter Clara zur Vikarin und Novizenmeisterin ernannt und hatte diese Ämter bis zu ihrem Tod inne. Sie widmete sich mit viel Engagement ihren Novizinnen und kümmerte sich um die Erfüllung von deren sämtlichen Bedürfnissen, den spirituellen wie den materiellen. Bei ihrer Arbeit im Noviziat konnte sie sich auf die Hilfe einer Assistentin stützen, die ihr zur Seite gestellt worden war. Gab es Schwierigkeiten in Bezug auf die Disziplin, legte sie deren Lösung ganz in die Hände ihrer Assistentin und sagte: „Sie wird das besser machen als ich.“ Einzig den Unterricht im Katechismus sowie im Choralgesang reservierte sie für sich. Um die Unterweisung in christlicher Dogmatik leichter und angenehmer zu machen, fasste sie die Lehrsätze in Gedichten zusammen, die sie entweder nach bekannten Volksweisen oder nach eigenen Kompositionen singen ließ. Um die Aufmerksamkeit der Novizinnen zu fesseln, ließ sie Lektüren gern mit verteilten Rollen vorlesen; die Novizinnen sollten sich angewöhnen, eigenständig zu denken und Initiativen zu ergreifen. Bei ihren Vorträgen legte sie Wert auf die Vermittlung der Erkenntnis, dass alle Wohltaten von Gott kommen und dass die Demut der Zement aller Tugenden ist.

Mutter Clara blieb bis zum Ende ihres Lebens gesund und pflegte ganz natürlich über ihren eigenen Tod zu sprechen: „Komm, Bruder Tod, komm, ich möchte dich schnell sehen, um mit meinem Geliebten in die himmlische Heimat einzugehen!“ Zwei Wochen vor ihrem Tod brach sie sich mehrere Rippen bei einem Sturz, was ihr starke Schmerzen verursachte. In Erwartung des Todes empfing sie jeden Tag die heilige Kommunion als Wegzehrung und beteuerte: „Wie schön wäre es, wenn man mich eines Tages nach Empfang der Kommunion tot in meinem Chorstuhl finden würde!“ Noch ein paar Minuten vor ihrem Tod versicherte sie einer Schwester aus der Küche, dass sie bald sterben werde, ohne ihnen viel Arbeit zu machen. Am 22. Januar 1973 brach sie dann infolge eines plötzlichen Herzinfarktes auf dem Weg zum Büro der Mutter Vikarin im Kreuzgang lautlos tot zu Boden.

Folgen wir dem Vorbild der ehrwürdigen Mutter Clara de Soria und nähern wir uns voller Freude und Begeisterung der Eucharistie, um die Wahrheit des Wortes Jesu an seine Jünger auch selbst zu erfahren: Ich bin mit euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt (Mt 28,20).

Heilige Maria von der Menschwerdung

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