29. November 2023
Heiliger Filippo Smaldone
Liebe, verehrte Freunde,
Eines Tages im Jahre 1868 verließ ein junger Seminarist tief betrübt den erzbischöflichen Palast von Neapel; der Erzbischof hatte ihm gerade verkündet, dass er ihn aufgrund seiner schlechten Examensnoten nicht zum Priester weihen könne. Der junge Mann dachte über diesen „Schicksalsschlag“ nach, der seinem Lebenstraum ein Ende zu setzen schien, und beschloss, Lehrer für verlassene gehörlose Jugendliche zu werden. Gottes Vorsehung bediente sich seines Misserfolgs, um der Kirche eine neue Ordensfamilie zu schenken.
Filippo Smaldone wurde am 27. Juli 1848 als das älteste der sieben Kinder des Baumaterialhändlers Antonio Smaldone und seiner Frau Maria-Concetta in einem bevölkerungsreichen Viertel Neapels geboren.. Die Kinder wurden im christlichen Glauben erzogen. Als Schüler besuchte Filippo regelmäßig die Capella Serotina (Abendkapelle) der Kirche Santa Maria della Purità und fühlte sich von der Sache Gottes angezogen. 1858 empfing er die Erstkommunion. Damals waren in Neapel 70 der ursprünglich vom hl. Alfons-Maria von Liguori (1696-1787) gegründeten Capelle Serotine aktiv, die sich der Katechese und der spirituellen Bildung des Volkes widmeten; Filippo lernte dort einen lebendigen Katechismus sowie das Rosenkranzbeten kennen.
Italien war bereits seit mehreren Jahrzehnten von der Bewegung des Risorgimento in Aufruhr versetzt. Das legitime Streben nach nationaler Unabhängigkeit ging häufig mit einer kirchenfeindlichen Gesinnung einher. 1860 landete Condottiere Garibaldi an der Spitze von tausend Freiwilligen in Sizilien und zog von dort aus nach Neapel, das er nach dem Verrat von den Truppen des Bourbonenkönigs Franz II. eroberte.. Das „Königreich beider Sizilien“ wurde bald von Viktor Emmanuel II. annektiert, der sich zum König von Italien erklärte. Als der Erzbischof von Neapel, Kardinal Riario Sforza, gegen diesen Gewaltstreich protestierte, schickten ihn die neuen Machthaber in die Verbannung und nahmen an die hundert einflussreicher Priester gefangen.
In diesem schwierigen Kontext vernahm Filippo Smaldone in seinem Herzen den Ruf Jesu, ihm als Priester nachzufolgen. Im September 1863 wurde er mit 15 Jahren in den neapolitanischen Klerus aufgenommen und legte die Soutane an. Er wohnte weiterhin zu Hause und besuchte ein humanistisches Diözesankolleg. Da die kirchlichen Besitztümer von der Regierung beschlagnahmt waren, konnten die Seminaristen nur geweiht werden, wenn sie über ein eigenes jährliches Einkommen verfügten. Filippos Vater hatte nicht genug Geld, um ihm ein solches Einkommen zu garantieren, doch ein befreundeter Priester half ihm, das Geld zu besorgen. Im Dezember 1866 empfing Filippo die ersten beiden niederen Weihen aus der Hand des aus dem Exil zurückgekehrten Kardinals Riario Sforza.
Doch dieser bedeutende Kardinal –dessen Tugenden 2012 von Benedikt XVI. als heroisch anerkannt wurden – war in Bezug auf die intellektuellen Fähigkeiten der Seminaristen äußerst anspruchsvoll. Nachdem er die Akte von Filippo Smaldone geprüft hatte, lehnte er diesen wegen intellektueller Unzulänglichkeit ab, obwohl er seine moralischen Stärken durchaus erkannte.. Doch im Herzen des jungen Mannes lebte das Gefühl weiter, dass Gott ihn als Priester haben wollte; sein Beichtvater, Don Biagio Giustiniani, empfahl ihm, sich an den Erzbischof von Rossano in Kalabrien, Msgr. Pietro Cilento, zu wenden und ihn zu fragen, ob er ihn in seine Diözese aufnehmen könne. Bischof Cilento rief Filippo an Weihnachten 1868 zu sich und war von dem jungen Mann so angetan, dass er sich bald bereit erklärte, ihn zu inkardinieren, d.h. ihn in seinen Diözesanklerus aufzunehmen. Die Ermächtigung dazu erhielt er im Februar 1869 von Papst Pius IX.
Im gleichen Jahr wurde Filippo als Lehrer für gehörlose Schüler in der Pia Casa (Frommes Haus) angestellt; diese war am 21. Juni 1856 von einem Priester namens Don Luigi Aiello in Neapel gegründet worden, dem eine Ordenskongregation zur Erziehung gehörloser Kinder mit einem männlichen und einem weiblichen Zweig vorgeschwebt hatte.. Als Don Aiello seine Kräfte schwinden fühlte und es ihm nicht gelungen war, ein solches Institut zu gründen, vertraute er die Erziehung gehörloser Mädchen 1862 der Kongregation der Stigmatinerinnen, die der Jungen den Frati Bigi, den Franziskanern von Casoria, an; in deren neapolitanischem Kloster begann Filippo unter der Leitung von Don Apicella, dem Nachfolger Don Aiellos, Religionsunterricht zu erteilen. Nach Beendigung seines Studiums wurde Filippo von Bischof Cilento auf Empfehlung seines Seelsorgers sowie Don Apicellas zum Priesteramt zugelassen und am 23. September 1871 in Neapel von einem Missionsbischof zum Priester geweiht. Mit Bischof Cilentos Erlaubnis durfte Filippo in Neapel bleiben, um dort weiterhin Gehörlose zu betreuen. Doch das Werk der Pia Casa geriet ins Stocken. 1873 wurde es von Don Apicella der Obhut der Frati Bigi, die es vernachlässigt hatten, entzogen und sollte künftig von Santa Maria dei Monti betreut werden; doch die Lage besserte sich nicht. Don Smaldone litt darunter und sehnte sich innerlich immer mehr danach, als Missionar in ein fernes Land zu gehen. Doch seine Eltern führten ihm vor Augen, dass sein Apostolat bei den Gehörlosen ein wahrhaft missionarisches Werk sei, da diese Kinder in geistlicher Hinsicht völlig vernachlässigt waren. Damals wagte man nämlich in der Kirche nicht, Kindern mit angeborener Taubheit aufgrund ihrer durch die Behinderung bedingten religiösen Unwissenheit die Sakramente zu spenden (mit Ausnahme des Taufsakramentes), und gefährdete dadurch ihr ewiges Heil.
Zum sakramentalen Leben gerufen
Geleitet vom Heiligen Geist, hat sich die Kirche seither dieses Problems angenommen. Das vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung am 23.. März 2020 veröffentlichte „Direktorium für die Katechese“ sagt: „Menschen mit Behinderungen sind, auch wenn sie gravierende Beeinträchtigungen aufweisen, zur Fülle des sakramentalen Lebens gerufen. Die Sakramente sind Gaben Gottes, und Liturgie muss gelebt werden, noch bevor sie rational verstanden wird: Niemand kann daher Menschen mit Behinderungen die Sakramente verweigern“ (Nr. 272). Im gleichen Geist lehrt der Katechismus der Katholischen Kirche: „Menschen, die versehrt oder geschwächt sind, brauchen besondere Beachtung. Kranke oder Behinderte sind zu unterstützen, damit sie ein möglichst normales Leben führen können“ (Nr.. 2276).
Filippos Beichtvater, Don Giustiniani, informierte sich genau über die Situation und die Gedanken seines Beichtkindes und meinte, dessen Wunsch, Missionar zu werden, komme von Gott, aber das Land, zu dessen Evangelisierung er berufen sei, liege nicht in der Ferne: „Dein China ist hier in Neapel; deine Ungläubigen sind die Gehörlosen. Gott will dich hier!“ Filippo ließ sich überzeugen; 1876 zog er nach Santa Maria dei Monti und arbeitete von da an in Vollzeit. Bald nahm ihn Kardinal Riario Sforza wieder in den neapolitanischen Klerus auf. 1880 stellte Don Smaldone auf einem internationalen Kongress über die Erziehung von Gehörlosen in Mailand seine auf Mündlichkeit basierende Erziehungsmethode vor; diese beruhte darauf, den Gehörlosen das Lippenlesen beizubringen und sie die Silben nachsprechen zu lassen. Die Methode gilt heute als überholt und wurde durch die Gebärdensprache ersetzt.
Eine Bittschrift an die Madonna
Im Sommer 1884 brach in Neapel eine Choleraepidemie aus. Don Smaldone folgte dem Beispiel des neuen Erzbischofs, Kardinal Sanfelices, der auf den Straßen nach Kranken Ausschau hielt, um ihnen beizustehen, und widmete sich mit Leib und Seele diesem Apostolat. Mit einer Gruppe von Gläubigen unternahm er eine Wallfahrt zum Heiligtum von Pompeji, das kurz zuvor von einem Laien, dem seligen Bartolo Longo, eröffnet worden war, um dort die Gottesmutter zu bitten, den Neapolitanern zu helfen. Filippo verfasste eine Bittschrift, die vor der Marien-Statue niedergelegt wurde: „Die Unterzeichneten, alle demütige und betretene Sünder, wenden sich an die Rosenkranzkönigin von Pompeji, die heilige Maria vom Siege, mit der Bitte, die durch ihre Sünden verletzte Gerechtigkeit Gottes zu besänftigen, damit sie sie zuallererst vor dem ewigen Tod in der Hölle bewahre und dann von der Cholera befreie. Sie versprechen, eine Opfergabe in dieses Heiligtum zu bringen, sobald die Seuche verschwunden ist und wenn keiner von ihnen daran stirbt.“
Filippo wurde am 13. September selbst von der Krankheit angesteckt; am Abend hielt man seinen Zustand für hoffnungslos. Eine neapolitanische Tageszeitung vermeldete sogar seinen Tod. Bartolo Longo trauerte um ihn; doch eines Tages im Oktober suchte ihn Filippos Bruder, Pascale Smaldone, auf und teilte ihm mit, dass Filippo lebe; als dieser bereits an der Schwelle des Todes zu stehen schien, habe er seinen Rosenkranz um sein Handgelenk gewunden und ihn betend die Madonna von Pompeji zu Hilfe gerufen. Am nächsten Tag sei er durch den Rosenkranz Mariens aus der Todesgefahr gerettet worden. Filippo fuhr bald nach seiner Genesung nach Pompeji, um dort eine Dankmesse zu zelebrieren.
Währenddessen konnte sich die „Fromme Union“, in der sich die in der Erziehung von Taubstummen tätigen Priester nach 1875 zusammengeschlossen hatten, nicht als stabile religiöse Kongregation konstituieren. Don Smaldone meinte, Gott wolle vielmehr die Gründung einer Frauenkongregation zur Evangelisierung und Erziehung von Gehörlosen. Drei junge Mädchen erklärten sich bereit, mit ihm das Projekt zu verwirklichen, das er dem Schutz Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz empfahl.. Bald erreichte eine dringende Bitte um die Gründung eines Hauses für gehörlose Kinder aus Lecce, einer 400 km östlich von Neapel gelegenen Stadt, das neapolitanische Werk. Die Patres Apicella und Smaldone reisten zusammen mit den drei kurz zuvor als Nonnen eingekleideten jungen Mädchen im März 1885 nach Lecce und wurden von Erzbischof Luigi Zola herzlich empfangen.
Doch die Anfänge des Werkes gestalteten sich schwierig. Der eifrige, aber zugleich chaotische Don Apicella verließ Lecce nach wenigen Monaten, nahm die für die Gründung gesammelten spärlichen Spenden mit und ließ Don Smaldone sowie die drei Nonnen in einer finanziellen Notlage zurück. Als Filippo Erzbischof Zola davon in Kenntnis setzte, erklärte dieser, er sei von den Gründern getäuscht und betrogen worden. Die Spender aus Lecce verlangten daraufhin die Erstattung ihrer Spenden. Doch Filippo ließ sich nicht entmutigen und blieb weiter in der Stadt. Im September 1885 vertraute eine junge Mutter ihr zehn Monate altes Baby, das Symptome von Taubheit zeigte, dem in Entstehung begriffenen Werk an. Nach und nach wurden weitere Kinder aufgenommen. Im Oktober 1887 verfasste der Bürgermeister von Lecce nach einer Inspektion des Hauses folgenden Bericht: „Die kleinen Mädchen, heute acht an der Zahl, werden in wahrhaft lobenswerter Weise ernährt und gepflegt. Dieses Institut ist sehr nützlich, aber der Zustand seiner Finanzen erlaubt es nicht, mehr als acht Kinder aufzunehmen; es ist ganz auf die Spenden der Bürger von Lecce angewiesen.“ Der günstige Bericht brachte Don Smaldone die Sympathie der Einwohner der Stadt ein: Sie sagten ihm zusätzlich zu den von der Stadt bewilligten Mitteln wieder ihre finanzielle Unterstützung zu.
Im Zeichen des durchbohrten Herzens
Filippo wollte nichts ohne die Zustimmung Bischof Zolas tun, der seine ursprünglichen Bedenken überwunden hatte und dem die aufstrebende Einrichtung nun am Herzen lag. Am 25. März 1886 übergab Don Apicella die volle Verfügungsgewalt über die Gründung von Lecce an Don Smaldone. Im Jahr danach erhob der Erzbischof das Institut der „Salesianerinnen von den Heiligen Herzen“ im Gedenken an den hl. Franz von Sales, der als himmlischer Schutzpatron der Gehörlosen verehrt wird, zu einer Frommen Vereinigung nach Diözesanrecht. – Der Bischof von Genf hatte von 1605 bis zu seinem Tod 17 Jahre lang einen tauben jungen Mann namens Martin in seiner Obhut, den er geduldig unterrichtete und katechisierte. Als Ordenswappen für die Kongregation von der Heimsuchung Mariens hatte Franz von Sales damals das durchbohrte, mit der Dornenkrone umkränzte Herz Jesu zusammen mit den Initialen Jesu und Marias gewählt. Don Smaldone übernahm dieses Wappen für sein Ordensinstitut.
1895 sah der Erzbischof von Lecce die Zeit gekommen, die Salesianerinnen von den Heiligen Herzen zu einer Ordenskongregation zu erheben, wobei er in dem Dekret sich selbst als Initiator und Gründer des Werkes bezeichnete und Don Smaldone, ohne dessen Beharrlichkeit es nie eine Kongregation gegeben hätte, nicht einmal erwähnte.. Doch Filippo sagte nichts. Er freute sich über die wachsende Anzahl der Nonnen und konnte nun zahlreiche Bitten um Gründungen erfüllen, darunter eine Gründung in Rom 1896, die später zum Generalatshaus wurde. Im folgenden Jahr begann Don Smaldone, in das von den Behörden von Bari erbetene Haus nicht nur schwerhörige, sondern auch kranke arme Kinder und ab 1900 auch blinde Mädchen aufzunehmen, nachdem er einigen Salesianerinnen zuvor eine entsprechende Fortbildung besorgt hatte. 1902 konnte er mit Hilfe des neuen Erzbischofs von Lecce das ehemalige Karmeliterkloster Scalze mit einer schönen Barockkirche erwerben.
„Voll belegt“
Im Laufe des Sommers 1907 stellte die Gemeinde-verwaltung von Lecce, die in die Hände der Sozialisten gefallen war, die finanzielle Unterstützung der Salesianerinnen ein, da ihrer Ansicht nach sämtliche Erziehungsanstalten in die Hände des laizistischen Staates gehörten. Es wurde eine Verleumdungskampagne gegen das Werk gestartet. Den ganzen August über residierte ein Gemeindeausschuss in der Pia Casa und führte in der Hoffnung, etwas Belastendes zu finden, eine gründliche Untersuchung durch; danach wurde ein feindseliger, fehlerhafter und verleumderischer Bericht veröffentlicht. Don Smaldone litt vor allem unter den perfiden Unterstellungen gegen die Reinheit der Nonnen sowie gegen seine priesterliche Ehre. Er versuchte gar nicht, sich zu rechtfertigen, sondern intensivierte – ebenso wie die Salesianerinnen – einfach seine Gebete. Die Vorsehung half ihnen weiter, indem sie ihnen genügend Wohltäter besorgte, um die fehlende kommunale Unterstützung zu kompensieren.. Schon im Oktober 1907 konnte Filippo mit der Eröffnung eines weiterführenden Kollegs für junge Mädchen, das bald voll belegt war, auf die Verleumdung reagieren.
Der Erzbischof von Lecce wollte, dass das salesianische Institut vom Papst offiziell anerkannt werde. Doch nach der Verleumdungskampagne von 1907 ernannte der Heilige Stuhl zunächst einen apostolischen Visitator, der sämtliche Häuser des Instituts besuchte, was von Don Smaldone freudig begrüßt wurde. 1912 wurde die Kongregation dem Franziskanerorden angegliedert. 1915 veröffentlichte der Heilige Stuhl ein Belobigungsdekret als Vorstufe zur endgültigen Anerkennung der Kongregation, die schließlich 1925 erfolgte..
Don Filippo schöpfte seine apostolische Dynamik aus einem tiefen kontemplativen Leben und ließ jede seiner Entscheidungen lange im Gebet reifen. Im Mittelpunkt seiner Frömmigkeit standen die Verehrung der heiligen Eucharistie sowie die Liebe zur seligsten Gottesmutter. Seine Verehrung für die Eucharistie äußerte sich in sorgfältig vorbereiteten, glänzenden und gut besuchten Gottesdiensten in der ehemaligen Karmeliterkirche.. Er gründete auch zwei Vereinigungen für die eucharistische Anbetung: eine für Priester und eine weitere für Frauen. Don Smaldone predigte zwei grundlegende Wahrheiten, die er aus den Schriften des hl. Alfons von Liguori übernommen hatte: „Wer betet, wird sicherlich gerettet, wer nicht betet, verdammt sich sicherlich (vgl. Katechismus Nr.2744) “ und „Der wahre Diener Mariens kann sich nicht verdammen“.
Papst Benedikt XVI. bekräftigte 2007: Das wahre Gebet besteht gerade darin, „unseren Willen mit dem Willen Gottes zu vereinen. Für einen Christen bedeutet Beten daher nicht, der Wirklichkeit und den damit einhergehenden Verantwortungen zu entfliehen, sondern vielmehr sie voll und ganz zu übernehmen im Vertrauen auf die treue und unerschöpfliche Liebe des Herrn. Liebe Brüder und Schwestern, das Gebet ist nichts Nebensächliches, nichts Beliebiges, sondern es ist eine Frage von Leben oder Tod, denn nur wer betet, wer sich also mit kindlicher Liebe Gott anvertraut, kann ins ewige Leben eingehen, das Gott selbst ist“ (4.. März). „Es gibt keine Frucht der Gnade in unserer Heilsgeschichte, die nicht durch das notwendige Instrument der Vermittlung Unserer Lieben Frau bewerkstelligt worden ist“ (12.. Mai).
Keine Erziehung ohne Liebe
Die Marien-Frömmigkeit wirkte sich im Institut in vielfältiger Weise aus. So berichtete Don Smaldone 1889 von der Wunderheilung eines kleinen Mädchens namens Marta. Diese musste mit einem bösartigen, als unheilbar diagnostizierten Tumor am Knie zur Amputation in das Krankenhaus von Molfetta verlegt werden. Als kurz vor der Abfahrt eine Nonne sah, wie sie sich, auf ihre Krücken gestützt, aufrichtete, sagte sie aus einer plötzlichen Eingebung heraus: „Marta, steh auf und geh, die Jungfrau von Pompeji befiehlt es dir“; sie nahm ihr die Krücken weg, und zur Überraschung der Anwesenden stieg das Kind normal die Treppe hinauf; sie war geheilt. Ein Geschenk Mariens!
Filippos wichtigster Grundsatz lautete: „Ohne Liebe kann man nicht erziehen.“ Die Liebe zum Schüler zähle mehr als die angewandte Methode. 1893 gab er eine interne Regelung heraus, in der er seine Unterrichtssmethoden für Gehörlose darlegte. Er empfahl allen, die durch Handicaps geschwächte Kinder unterrichten, Milde, Geduld und Verständnis nach dem Vorbild des hl. Franz von Sales walten zu lassen.. Tadel und körperliche Züchtigungen waren verboten. Don Smaldone und seine Schwestern stellten sich der Herausforderung, tauben Kindern die großen Mysterien des christlichen Glaubens nahezubringen.. Er erinnerte die Schwestern immer wieder an ihre Verantwortung für das ewige Heil der ihnen anvertrauten Mädchen, da deren Aufgeschlossenheit für den Glauben von ihrer Erziehung abhänge. Er selbst lebte den Schwestern 50 Jahre lang eine von der Liebe zu Gott und zum Nächsten getragene Selbsthingabe vor.
Kurz nach der Feier seines goldenen Priesterjubiläums (des 50. Jahrestages seiner Priesterweihe) im September 1921 erkrankte Don Smaldone schwer und musste seine apostolische Tätigkeit bald abbrechen. Die Sommerhitze des Jahres 1922 setzte ihm so zu, dass er selbst die Messe nur mit Mühe zelebrieren konnte. Trotz seiner schwindenden Kräfte wurde seine innere Ergebung in den Willen Gottes immer stärker, und er übte eine erbauliche Wirkung auf seine Umgebung aus.. Am 4. Juni 1923 gab er seine Seele friedlich in die Hand Gottes zurück. Filippo Smaldone wurde 1994 vom hl. Johannes Paul II. selig- und am 15.Oktober 2006 von Benedikt XVI. heiliggesprochen.
Die Kongregation der Salesianerinnen von den Heiligen Herzen zählt heute etwa 350 Nonnen in 40 Häusern. Seit 1972 üben sie ihr Apostolat auch außerhalb Italiens, in Lateinamerika, in Afrika, in Polen und auf den Philippinen aus. Die Salesianerinnen erziehen neben tauben und hörbehinderten Kindern beiderlei Geschlechts auch Kinder mit anderen Behinderungen.
„In den Taubstummen sah der hl. Filippo Smaldone den Widerschein des Bildes Jesu, und wiederholt pflegte er zu sagen, dass man sich vor einem Taubstummen so niederknien solle, wie man sich vor dem Allerheiligsten Sakrament niederkniet. Entnehmen wir seinem Vorbild die Aufforderung, die Liebe zur Eucharistie und die Liebe zum Nächsten immer als untrennbar anzusehen. Ja, die wirkliche Fähigkeit, die Brüder zu lieben, kann nur aus der Begegnung mit dem Herrn im Sakrament der Eucharistie entstehen“ (Heiligsprechungspredigt vom 15.10.2006).












