Beato Nicolas Sténon

9. Oktober 2024

Seliger Niels Stensen

Liebe, verehrte Freunde,

Am 24. Juni 1666 wohnte der dänische Wissenschaftler und Protestant Niels Stensen der Fronleichnamsprozession in Livorno (Italien) bei. Als er die versammelte Menge sah, die dem Allerheiligsten Sakrament die Ehre erwies, dachte er: „Entweder ist diese Hostie nichts anderes als ein Stückchen Brot und alle, die sie anbeten, sind verrückt, oder sie ist wirklich der Leib Christi, und warum erweise ich ihr nicht ebenfalls die Ehre?“ Seine Überlegungen führten dazu, dass er zum katholischen Glauben übertrat. Der hl. Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 23. Oktober 1988 selig.

Seliger Niels Stensen Niels Stensen wurde am 11.. Januar 1638 in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen als Sohn eines aus einer lutherischen Familie stammenden Goldschmieds geboren.. Er wurde später unter dem latinisierten Namen Nicolaus Steno bzw.. französisierten Namen Nicolas Sténon insbesondere in medizinischen Kreisen bekannt.. Dank der Stunden, die der Junge in der Werkstatt seines Vaters verbrachte, konnte er seine angeborene manuelle Geschicklichkeit sowie seinen Sinn für Wissenschaft und Technik weiterentwickeln. Mit 10 Jahren kam er auf die humanistische Notre-Dame-Schule, an der er Latein und Griechisch lernte sowie Grundkenntnisse in anderen Fremdsprachen und Mathematik erwarb. Papst Johannes Paul II. sagte über ihn: „Das ganze Leben Niels Stensens war eine unermüdliche Pilgerfahrt auf der Suche nach der Wahrheit sowohl in der Wissenschaft als auch in der Religion – in der Überzeugung, dass jede Entdeckung, selbst wenn sie einfach ist, einen Schritt vorwärts zur absoluten Wahrheit darstellt, zu jenem Gott, von dem das ganze All abhängt“ (Seligsprechungspredigt vom 23. Oktober 1988).

1654-1655 wütete in Kopenhagen die Pest und raffte ein Drittel der Bevölkerung dahin. „Mach, Herr, dass wir stets die Worte ‚Memento mori – Bedenke, dass du sterben musst’ beherzigen!“, bat Niels später. Infolge eines Krieges zwischen Dänemark und Schweden (1657-1659) studierte er unter schwierigen Bedingungen an der Universität Kopenhagen beim berühmten Mediziner Thomas Bartholin. Dieser riet ihm im Herbst 1659, er solle sein Studium zunächst in Amsterdam, dann in Leiden in den Niederlanden fortsetzen, wo damals materieller Wohlstand und kultureller Fortschritt herrschten.

Im März 1660 kam Niels nach Amsterdam, in eine Stadt, in der intensive anatomische Forschung betrieben wurde. Am 7. April sezierte er einen Schafkopf und entdeckte dabei eine Leitungsbahn, die bei Säugetieren den Mund mit Speichel versorgt und die man hinfort „Stenon-Gang“ nannte. Er sprach bescheiden von einer kleinen Entdeckung, die ihn jedoch nichtsdestoweniger zu einem unter Medizinern weltberühmten Wissenschaftler machte. Im Juli 1660 wechselte er an die Universität Leiden; er entdeckte zahlreiche Drüsen und veröffentlichte ein Dutzend wissenschaftliche Arbeiten zur Struktur von Muskeln, Blutgefäßen sowie des menschlichen Gehirns; als erster Forscher wies er nach, dass das Herz ein Muskel ist.. Er knüpfte Beziehungen zu Spinoza (1632-1677), einem pantheistischen und deterministischen Philosophen, den er später – wenn auch vergeblich – überreden wollte, mit ihm zum katholischen Glauben überzutreten. Im März 1664 nach Kopenhagen zurückgekehrt, legte er König FriedrichIII. die Früchte seiner Arbeit in einem Aufsatz mit dem Titel „Drüsen und Muskeln“ vor, der unter Naturforschern damals als „goldenes Buch“ galt. Um sein außerordentliches Wissen zu würdigen, verlieh ihm die Universität Leiden den Titel eines Doktors der Medizin „in absentia“, d.h. ohne dass er eine Doktorarbeit verfassen musste.

Nach dem Tod seiner Mutter im Januar 1660 beschloss Stensen, seine Studien in Frankreich fortzusetzen, und wurde in Paris von Melchisédech Thévenot (1620-1692), einem Humanisten und Mäzenen, aufgenommen, auf dessen wissenschaftliche Veranstaltungen die 1666 erfolgte Gründung der Akademie der Wissenschaften zurückging. Niels führte weitere Sektionen durch und hielt einen Vortrag über die Anatomie des Gehirns, der großes Aufsehen erregte. Zudem verfasste er Aufsätze zur Embryologie und gehörte zu den Vorreitern der vergleichenden Anatomie, bei der ein bestimmtes Organ in verschiedenen Lebewesen untersucht und verglichen wird. Stensen war von der Schönheit der Schöpfung beeindruckt, doch er begnügte sich nicht damit. „Das wahre Ziel der Anatomie besteht darin“, schrieb er, „dem Betrachter durch das Meisterwerk des Körpers zur seelischen Würde und dank dieser beiden Wunder zur Erkenntnis sowie zur Liebe von deren Schöpfer zu verhelfen“ (Opera Philosophica, Bd.. II, S. 254). Während seines Parisaufenthaltes lernte er mehrere Personen kennen, die seine religiöse Entwicklung förderten.

Seine zweite Heimat

1665 hielt sich Niels eine Weile in Montpellier auf und besuchte dort die besonders angesehene Medizinische Fakultät. Er lernte einige herausragende englische Naturforscher kennen, die ihn zum Studium der Geologie animierten. Nach seiner Ankunft in Italien im Frühjahr 1666 ließ er sich in Florenz nieder, wo er mit den berühmtesten Ärzten zusammenarbeitete. Bald betrachtete er die Stadt als seine zweite Heimat. Durch seine anatomischen Studien zog er die Aufmerksamkeit des Großherzogs der Toscana, Ferdinands II. von Medici, auf sich. Er wurde zum Anatom des Krankenhauses Santa Maria Nuova ernannt und wirkte dort als Arzt und Dozent. Auf dem Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere wurde er mit 28 Jahren zum Mitglied der Accademia del Cimento gewählt, eines Forschergremiums, das von den Arbeiten Galileis inspiriert war. In Florenz und später in Rom lernte er mehrere weithin berühmte katholische Wissenschaftler kennen, darunter den Biologen Marcello Malpighi, mit dem er auch Fragen des Glaubens sowie des Verhältnisses zwischen Glaube und Wissenschaft erörterte.

„Glaube und Vernunft sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. Das Streben, die Wahrheit zu erkennen und letztlich ihn selbst zu erkennen, hat Gott dem Menschen ins Herz gesenkt, damit er dadurch, dass er Ihn erkennt und liebt, auch zur vollen Wahrheit über sich selbst gelangen könne“ (Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio, 14. September 1998, Einleitung). Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt: „Deshalb wird die methodische Forschung in allen Disziplinen, wenn sie in einer wirklich wissenschaftlichen Weise und gemäß den sittlichen Normen vorgeht, niemals dem Glauben wahrhaft widerstreiten, weil die profanen Dinge und die Dinge des Glaubens sich von demselben Gott herleiten. Ja, wer bescheiden und ausdauernd die Geheimnisse der Dinge zu erforschen versucht, wird, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, gleichsam an der Hand Gottes geführt, der alle Dinge trägt und macht, dass sie das sind, was sie sind“ (Katechismus, Nr. 159).

Im Frühjahr 1667 veröffentlichte Stensen eine Untersuchung über die „Grundlagen der Myologie“ (der Muskeln). Danach sezierte er den Kopf eines Haifischs und verglich dessen Zähne mit den Zähnen fossilisierter Haifische; er zog daraus den Schluss, dass Fossilien Überreste versteinerter lebender Organismen sind – ein für die damalige Zeit bahnbrechender Gedanke. 1669 studierte er Quarzkristalle unterschiedlicher Herkunft und Form und stellte dabei fest, dass ihre Oberflächen stets im gleichen Winkel zueinander standen.. Diese Entdeckung war der Ausgangspunkt der modernen Kristallographie. Er beschrieb das Phänomen der Sedimentbildung und prägte den Begriff „Schicht“; daraufhin bewies er, dass man die geologische Geschichte einer Region rekonstruieren kann.

Ich gäbe mein Leben

Während seines Florenzaufenthaltes begann Niels Stensen, katholische Bücher zu lesen und die verschiedenen christlichen Konfessionen miteinander zu vergleichen.. Sein wissenschaftlicher Geist auf der Suche nach absoluten Wahrheiten wies ihm den Weg zum Studium der Theologie. Zwei tiefgläubige Frauen übten einen nachhaltigen Einfluss auf ihn aus; zum einen seine Apothekerin in Florenz, Schwester Maria Flavia, eine Nonne, die seinen Unglauben bemerkte und ihn lehrte, um den wahren Glauben zu beten. Zum anderen Lavinia Cerami Adolfi, die Gattin eines Diplomaten, die mit Unterstützung ihres Beichtvaters, eines weisen Jesuiten, ergiebige geistliche Gespräche mit Niels führte. Als Stensen ihr einmal erklärte, er sähe keine wirklich überzeugenden Argumente für das Verlassen der Religion seiner Vorfahren, entgegnete sie ihm: „Wenn mein Blut Sie überzeugen könnte, dass das notwendig ist, gäbe ich weiß Gott augenblicklich mein Leben hin für Ihr Heil!“ Schließlich führte ihn sein vergleichendes theologisches Studium des Katholizismus sowie des Lutheranismus auf der Basis von Werken antiker Autoren zu dem Schluss, dass die katholische Kirche die wahre Kirche Christi ist. Im November 1667 trat er zum katholischen Glauben über und schwor in Florenz öffentlich dem Lutheranismus ab. Am 8. Dezember empfing er die Firmung aus der Hand des Apostolischen Nuntius. In einem Brief an einen Freund führte er seine Bekehrung auf die Lebens- und Denkweise der Katholiken zurück, die er auf seinen ersten Reisen in den Niederlanden, in Frankreich und Italien kennengelernt hatte.

„Nachdem er alle Zweifel und dunklen Mächte überwunden hatte“, versicherte Papst Johannes PaulII. später, „sagte Stensen von Freude erfüllt ‚Ja’ zu dem, was Gott ihm klar zu verstehen gegeben hatte“ (Seligsprechungspredigt). Das II. Vatikanische Konzil bestätigt: „Gott selbst hat dem Menschengeschlecht Kenntnis gegeben von dem Weg, auf dem die Menschen, ihm dienend, in Christus erlöst und selig werden können.. Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten. Er sprach ja zu den Aposteln: Gehet hin, und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe (Mt 28,19-20). Alle Menschen sind ihrerseits verpflichtet, die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren“ (Erklärung Dignitatis humanæ, Nr.1).

Dor Weg zum Priestertum

Im Frühjahr 1670 reiste Niels nach Amsterdam und traf dort mit alten Bekannten und Gelehrten zusammen, mit denen er sich über wissenschaftliche und religiöse Themen austauschte. Die Begegnungen führten bei ihm zu der Entscheidung, andere Gläubige zum katholischen Glauben zurückführen zu wollen. 1672 kehrte er auf Einladung des dänischen Königs nach Dänemark zurück und zog zu seiner Schwester, deren Mann die väterliche Goldschmiedewerkstatt weiterführte. Stensen bekam eine Stelle als königlicher Anatom. Doch schon bald stellte er fest, dass die Behörden des Landes ihm keine guten Arbeitsbedingungen gewähren wollten, da man ihm als Katholiken misstraute; seine Situation blieb weiterhin unsicher. Da er im mehrheitlich protestantischen Dänemark keine Zukunft für sich sah, verließ er Kopenhagen am 14. Juli 1674 in Richtung Italien. Seine Reise führte über Hannover, wo der zum Katholizismus konvertierte Herzog Johann Friedrich ihn bat, eine anatomische Untersuchung vorzunehmen. Er führte mehrere Sektionen im Beisein des Hofes durch, um den Blutkreislauf sowie den Aufbau des Herzens zu veranschaulichen. Ende 1674 erreichte er Florenz, wo er mit der Erziehung des 12 Jahre alten Prinzen, des künftigen Ferdinands III., beauftragt wurde; er unterwies ihn sowohl in den Naturwissenschaften als auch in Fragen von Religion und Moral.

Acht Jahre nach seiner Bekehrung wurde Niels 1675 nach einem langen geistlichen Entwicklungsweg sowie intensiven theologischen Studien in Florenz zum Priester geweiht. „Er war der große Wissenschaftler, der Gott als den höchsten Herrn akzeptierte, indem er dessen innerem Ruf folgte, sich ganz und gar Christus hinzugeben und seine Kraft ausschließlich in den Dienst des Evangeliums zu stellen“, sagte Papst Johannes Paul II. „So kam es, dass Stensen, der mit dem Laienapostolat nicht mehr zufrieden war, Priester werden wollte; er war überzeugt, dass das keinen Bruch in seinem Leben und seinem Werdegang darstellte, sondern vielmehr einen Schritt vorwärts in Richtung erfüllteres Leben, eine Selbsthingabe zum Wohle der Menschheit“ (Seligsprechungspredigt). Als man ihn später fragte, warum er Priester geworden sei, antwortete Niels: „Wenn ich versuche, mir die Wohltaten Gottes für mich zu vergegenwärtigen, wird mir das nie vollständig gelingen, da ich sie für so groß halte, dass ich das dringende Bedürfnis habe, ihm mein Bestes darzubringen, und zwar auf die beste Art. Da ich so die Würde des Priesters erkannt habe, der jeden Tag am Altar seinen Dank für die empfangenen Wohltaten, seine Sühne für die begangenen Sünden sowie jedes gottgefällige Opfer darbringt, habe ich um die Gunst gebeten, dem ewigen Vater für mich und für die anderen das reine und unbefleckte Opfer darbringen zu dürfen, und sie auch erhalten.“

Als Berater machte Stensen dem Großherzog von Florenz, Cosimo III. de’ Medici, die Beziehungen zwischen dessen politischem Leben und Seelenheil klar. Er bewegte ihn insbesondere zu manch einem Verzicht in Bezug auf die aufwendige Lebensführung seiner Familie und seines Hofes, wodurch die Steuerlast, die das Volk tragen musste, verringert wurde. Stensen predigte gern über die Beziehungen zwischen Glaube und Vernunft und verfasste zahlreiche Schriften, um die Kritiken zu widerlegen, denen er vonseiten wissenschaftlicher Kreise aus seiner Heimat, aber auch aus Deutschland und den Niederlanden ausgesetzt war. Daneben führte er seine geologischen Studien fort, die durch zahlreiche Fossilienfunde in der Umgebung von Florenz erleichtert wurden.

Erklärung und Quelle

1677 übermittelte die Königin von Dänemark dem Papst den Wunsch ihres Bruders, des Herzogs von Hannover, dass Niels zum Bischof von Hannover ernannt werde. Der Pontifex stimmte dem Antrag zu. Um sich in Demut auf die Bischofsweihe vorzubereiten, machte sich Niels als armer Pilger zu Fuß auf den Weg nach Rom und bettelte um sein tägliches Brot. Der selige Papst Innozenz XI. vertraute ihm die Seelsorge der zum Protestantismus übergetretenen Katholiken in allen Ländern Nordeuropas an. „Reich an Liebe, sogar an Leiden, war Bischof Stensen ein leidenschaftlicher Anhänger des gekreuzigten Christus, des Hohepriesters“, sagte der heilige Johannes Paul II. „Das Wappen, das er gewählt hat, ein von einem Kreuz überragtes Herz, symbolisiert und resümiert klar die grundlegende Ausrichtung seiner Existenz. Er wollte sein ganzes Leben in den Dienst des Kreuzes Christi stellen, das er als den endgültigen Ausdruck der Liebe Gottes zur Menschheit betrachtete. Die tiefe Überzeugung, dass Christus das Licht der Welt ist und dass der Mensch nur in der Begegnung mit ihm vom Licht des Lebens profitieren kann, war die Kraft, die Niels Stensen antrieb, das Evangelium voller Energie zu verkündigen. Sein missionarischer Drang findet hierin seine Erklärung und seine Quelle“ (ibid.).

In Hannover lernte Bischof Stensen den Mathematiker und idealistischen Philosophen Leibniz (1646-1716) kennen, der später von ihm sagte: „Er war ein großer Anatom und in der Kenntnis der Natur überaus bewandert, aber unglücklicherweise hat er die Naturforschung aufgegeben, und aus einem großen Physiker wurde ein mittelmäßiger Theologe.“ Leibniz war Protestant und konnte die göttliche Offenbarung nie als unumstößliche historische Tatsache gelten lassen.

Die protestantische Reformation hatte das großflächige Verschwinden der katholischen Kirche aus vielen Territorien zur Folge; der Heilige Stuhl musste sämtliche Diözesen in Norddeutschland und Skandinavien auflösen. Nur wenige kleine Gruppen blieben dem katholischen Glauben treu. 1667 wurde das gesamte Gebiet einem Apostolischen Vikar, einem Bischof im Dienst des Heiligen Stuhls, anvertraut. Msgr.. Stensen wirkte als zweiter Träger dieses Amtes bis 1680 in Hannover und Umgebung; er predigte nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Französisch und Italienisch, da die Katholiken dort vor allem aus dem Ausland kamen. Er stärkte die kleine katholische Schar und suchte das Gespräch mit allen anderen: Lutheranern wie Wissenschaftlern, selbst wenn sie ungläubig waren. Der hl. Papst Johannes XXIII. sagte über Niels Stensen: „Da er selbst den mühsamen Weg auf sich genommen hatte, der ihn ins Herz der Kirche Jesu Christi führte, empfand er eine wahrhafte innere Qual beim Gedanken an die zahlreichen Seelen – insbesondere seiner Landsleute –, die ohne das volle Licht der Offenbarung lebten, und er brannte von dem glühenden Verlangen, sie auf den Weg der Wahrheit zu führen. Diese Qual war die Quelle einer unermüdlichen Aktivität, die die beiden Merkmale aufwies, an denen man die wahren Söhne der Kirche erkennt: eine innige Bindung an sämtliche Punkte der offenbarten Lehre sowie ein großer Respekt und eine selbstlose Nächstenliebe zu denjenigen, die unsere Überzeugungen nicht teilen“ (14.. Oktober 1959).

Extreme Bescheidenheit

Der Großherzog von Hannover starb 1679; Nachfolger wurde sein protestantischer Bruder. Obwohl dieser dem Bischof ein gewisses Wohlwollen entgegenbrachte, genoss Stensen nicht mehr die gleiche Freiheit wie zuvor. Er übernahm daher eine Mission im westfälischen Münster, die bald in das Amt eines Hilfsbischofs beim Fürstbischof von Paderborn umgewandelt wurde. Da sich der Gesundheitszustand des Fürstbischofs zunehmend verschlechterte, wurde er oft von Niels Stensen vertreten, der aus Demut meistens zu Fuß zu den Katholiken der Diözese unterwegs war. Für seine Gläubigen, die oft in Armut lebten, trat er zuweilen auch als Bettler beim Fürstbischof auf. Nach dessen Tod 1683 sprach sich das Domkapitel gegen Msgr. Stensen als Nachfolger im Amt des Fürstbischofs aus. Als dieser merkte, dass dem Konflikt bedeutende finanzielle Interessen zugrundelagen, zog er sich zurück.

1684 trat Bischof Stensen vom aktiven Priesteramt zurück und begab sich nach Schwerin (Mecklenburg), wo er ein enthaltsames Leben führte und seine wissenschaftliche Arbeit über das Gehirn und das Nervensystem wieder aufnahm. Er trug ärmliche Kleidung, ernährte sich an vier Tagen pro Woche nur von Brot und Bier und verkaufte sogar sein Kreuz und seinen Bischofsring, um Arme unterstützen zu können. Schließlich erkannte er, dass er in Nordeuropa keine Mission mehr erfüllen konnte, und beschloss, nach Italien zurückzukehren. Doch kurz vor seiner Abreise erkrankte er an einer schmerzhaften Darmkrankheit und starb am 5. Dezember 1686 in Schwerin. Vor seinem Tod bat er den Herrn: „Jesus, sei mein Erlöser! Ich werde deine Barmherzigkeit in alle Ewigkeit lobpreisen!“. Sein Leichnam wurde nach Florenz überführt und in der Basilika San Lorenzo in den Nähe seiner Schirmherrn, der Medici, beigesetzt.

Angesichts seiner bemerkenswerten Tugendhaftigkeit und Frömmigkeit wurde er vom hl. Papst Johannes PaulII. seliggesprochen. Der Papst sagte: „Das Geheimnis seiner Existenz beruht auf Folgendem: Er ist zwar durch seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Anatomie berühmt, doch was er uns durch die von ihm gewählte Lebensweise zeigt, ist viel wichtiger. Dank der ‚Erkenntnis seines Herzens‘ hat Niels Stensen Gott entdeckt, den Schöpfer von allem, was existiert, und den Erlöser der Welt, und er hat sich zu seinem leidenschaftlichen Herold inmitten seiner Mitmenschen gemacht“ (ibid.). Bitten wir den Seligen, dessen Fest von der Katholischen Kirche am 5. Dezember begangen wird, er möge uns helfen, die Wahrheit Gottes, seine unendliche Güte und seine Liebe zu bezeugen.

Seliger Valentin Paquay

Ehrwürdige Edel Mary Quinn

Heilige Philippine Duchesne

Seliger Miguel Pro