Santa Philippine Duchesne

13. November 2024

Heilige Philippine Duchesne

Liebe, verehrte Freunde,

„Heute steht der Aufruf zur Bekehrung, den die Missionare an Nicht-Christen richten, zur Diskussion oder wird verschwiegen“, schrieb der hl. Papst Johannes Paul II. „Man sieht darin einen Akt des ‚Proselitismus’; man sagt, es genüge, den Menschen zu helfen, mehr Mensch zu werden oder der eigenen Religion treuer zu sein; man sagt, es genüge, Gemeinschaften ins Leben zu rufen, die fähig seien, für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden und Solidarität einzutreten. Aber man vergisst dabei, dass jeder Mensch das Recht hat, von der ‚guten Nachricht‘ Gottes zu hören, der sich in Christus offenbart und schenkt; so erst kann der Mensch seine eigene Berufung voll verwirklichen“ (Redemptoris missio, 7. Dezember 1990, Nr. 46). Durch die Heiligsprechung von Rose-Philippine Duchesne am 3. Juli 1988 stellte uns Johannes Paul II. ein Vorbild an missionarischem Eifer vor Augen. Als heilige Nonne leistete sie im 19.Jh. einen wesentlichen Beitrag zur Mission der Kirche in Nordamerika.

Heilige Philippine Duchesne Rose-Philippine Duchesne wurde am 29.. August 1769 als Tochter des Rechtsanwalts Pierre-François Duchesne und seiner aus einer wohlhabenden Familie stammenden Frau, Rose-Euphrasine Perier, in Grenoble geboren. Bei der Taufe wurde das Kind dem Patronat der hl. Rosa von Lima, der ersten Heiligen Amerikas, sowie des hl. Apostels Philippus anvertraut. Von Kindheit an legte das kleine Mädchen eine für die Familie typische Sturheit und Beharrlichkeit an den Tag, die es später allerdings abzumildern versuchte. Rose-Philippine konnte gleichwohl auch selbstlos sein, wenn sie sich für andere einsetzte.. Sie beteuerte: „Meine größte Freude besteht darin, Gutes zu tun!“ Da sie in allem nach Großherzigkeit strebte, brachte sie der Mission allergrößte Hochachtung entgegen: „Meine erste Wertschätzung für den Stand der Missionare beruhte auf Gesprächen mit einem gütigen Jesuitenpater, der in Louisiana missioniert hatte. Ich war da erst 8 oder 10 Jahre alt, betrachtete die Missionare jedoch als glücklich.“

Philippine besuchte die Internatsschule Sainte-Marie-d’en-Haut in Grenoble, die von den Schwestern der Heimsuchung Mariens, eines vom hl. Franz von Sales und der hl. Johanna von Chantal 1610 gegründeten Ordens, betrieben wurde. Der Glaube schlug tiefe Wurzeln in Philippines Seele, und die Gottesfurcht ließ sie allem aus dem Wege gehen, was Gottes Auge beleidigen könnte. Ihre Seele war von der Liebe zum Herzen Jesu geprägt, zumal zahlreiche Gemälde und Inschriften im Kloster von den Worten des hl. Franz von Sales inspiriert waren: „In der heiligen Kirche Gottes gehört alles der Liebe, alles gründet auf Liebe, alles endet in Liebe, und alles ist Liebe. Gott, der den Menschen nach seinem Bild erschaffen hat, will, dass im Menschen wie in Gott alles von der Liebe und für die Liebe bestimmt ist.“

Im Alter von 12 Jahren empfing Philippine die Erstkommunion und vernahm schon damals den Ruf, sich als Ordensfrau ganz und gar Jesus zu weihen. „Von da an betrachtete sie die Welt nur noch als einen Ort des Exils, und einzig das Klosterleben schien ihr die Möglichkeit zur Erfüllung ihres Herzenswunsches zu bieten“, berichtete ihre Schwester. Als die Eltern vom Wunsch ihrer Tochter erfuhren, nahmen sie sie wieder zu sich nach Hause und führten sie in das weltliche Leben ein; doch inmitten aller Konzert- und Tanzveranstaltungen, bei denen sie sich wohlzufühlen schien, verlor Philippine ihre Berufung nie aus den Augen. Zu Hause kümmerte sie sich um die Bettler, die dort anklopften, und bildete sich weiter. Besonders fleißig lernte sie Latein, um die Heilige Schrift besser zu verstehen. Als sie 17 Jahre alt wurde, lehnte sie einen vorteilhaften Heiratsantrag ab; bald danach verabschiedete sie sich vom weltlichen Leben. 1787 trat Philippine trotz des Widerstandes ihrer Eltern in das Kloster der Heimsuchung Mariae ein. Ihre Wahl fiel deshalb auf dieses Visitandinnenkloster und nicht auf den Karmel, weil sie später in Mädchenpensionaten als Erzieherin arbeiten wollte. Die Schwestern erbauten sich an ihrer bedingungslosen Liebe zu Jesus sowie an ihrer lebendigen Nächstenliebe. Nach ihren gut ausgefüllten Arbeitstagen pflegte sie abends mit Erlaubnis ihrer Vorgesetzten noch lange bis in die Nacht hinein zu wachen und zu beten. Am Ende ihres Noviziats konnte sie ihre Ordensgelübde nicht ablegen, weil ihr Vater seine Zustimmung dazu verweigerte und sie bat, damit bis zu ihrem 25. Geburtstag zu warten; er war jedoch damit einverstanden, dass sie im Kloster blieb, was sie dann auch tat.

1789 brach in Frankreich die Revolution aus; ab 1791 verließen die Visitandinnen nach und nach das Kloster, das bald geschlossen wurde. Philippine zog auf das Landgut ihrer Familie und betreute dort Gefangene sowie Priester im Widerstand. Als die Revolutionsunruhen sich legten, mietete Philippine das frühere Kloster Sainte-Marie-d’en Haut in Grenoble an, um dort verlassene Kinder und Waisen betreuen zu können, und lud die vertriebenen Visitandinnen zur Rückkehr ein. Ein paar ehemalige Schwestern kamen zurück, doch es erwies sich als unmöglich, das frühere Klosterleben wieder aufzunehmen. Als Philippine vom Wirken Madeleine-Sophie Barats (1779-1865) hörte, die 1802 in Amiens den Erziehungsorden der Dames du Sacré-Cœur gegründet hatte, bot sie ihr an, sich zusammen mit ihrem Haus dem Orden der Sacré-Cœur-Damen anzuschließen. Sophie Barat nahm das Angebot an und reiste 1804 mit drei ihrer Nonnen nach Sainte-Marie. Nach einem kurzen Noviziat legte Philippine Duchesne 1805 mit 36 Jahren ihre ersten Gelübde ab.

Eine Nacht auf dem neuen Kontinent

1806 predigte Dom Augustin de Lestrange, der Abt des Zisterzienserklosters La Trappe, im Konvent. Beeindruckt von seinem Bericht über die Mission in Nordamerika, von wo er gerade zurückgekehrt war, vernahm Philippine erneut den Ruf, in die Mission zu gehen. In der Nacht der eucharistischen Anbetung zu Gründonnerstag wurde ihr eine besondere Gnade zuteil, die sie Mutter Barat anvertraute: „Die ganze Nacht über war ich auf dem neuen Kontinent. Ich trug meinen Schatz (das Allerheiligste Sakrament) überall hin. Es fiel mir schwer, all die notwendigen Opfer dafür zu erbringen, d.h. Mutter, Schwestern, Verwandte zu opfern. Sobald Sie mir sagen: ‚Jetzt entsende ich Sie‘, werde ich sofort antworten: ‚Ich gehe.‘ “ Zwölf Jahre lang arbeitete Mutter Sophie Barat geduldig daran, aus Philippine eine vollendete Missionarin zu machen. Ende 1815 reiste Philippine nach Paris zu einer Generalversammlung ihres Ordens und wurde dort zur Generalsekretärin gewählt; sie erhielt den Auftrag, einen Konvent in der Rue des Postes in Paris zu gründen. Im Januar 1817 suchte der erste Bischof von Louisiana, Msgr. Guillaume-Valentin Dubourg, diesen Konvent auf und bat die Nonnen, für die Erziehung junger Mädchen in seiner Diözese zu sorgen (damals deckte Louisiana ein riesiges Gebiet von den großen Seen Nordamerikas bis zum Golf von Mexiko im Süden ab). Philippine war bereit.

Eine naive Vorstellung

Nachdem Mutter Philippine 1818 zur Oberin aller künftig in Amerika zu gründenden Häuser ernannt wurde, reiste sie mit vier Ordensschwestern nach Bordeaux. Ihr Schiff in Richtung Neue Welt lief am 21. März aus und legte nach einer durch Stürme erschwerten 70-tägigen Fahrt am Herz-Jesu-Fest in New Orleans an. Dort fiel Mutter Duchesnes zuerst mit Tränen in den Augen auf die Knie und küsste den Boden. Nach einer 42-tägigen Weiterreise auf einem Mississippi-Dampfer landeten die 5 Nonnen im 1000 km entfernten Saint-Louis, einem 1764 von Franzosen gegründeten Städtchen mit 6000 Einwohnern, und wurden von Bischof Dubourg herzlich begrüßt. Von da aus fuhren sie noch ein paar Kilometer weiter nach Saint-Charles, einer der ältesten, 1765 gegründeten Städte westlich des Mississippi. Dort eröffneten die Schwestern das erste Haus der Kongregation außerhalb Europas, das lediglich aus einer Holzhütte bestand. Die Nonnen führten ein ebenso entbehrungsreiches Leben wie die Pioniere; sie litten unter der extremen Kälte, der harten Arbeit, der Langsamkeit der Post zwischen Amerika und Frankreich sowie unter Geldmangel.. Mutter Philippine fiel es zudem überaus schwer, Englisch zu lernen. Das Institut bestand aus einem Pensionat und einer kostenlosen Schule für arme Mädchen.. Doch die materielle Not, der Hunger und der Mangel an Schülerinnen zwangen die Schwestern, im folgenden Jahr die gesamte Einrichtung zu schließen. „Wir haben uns früher eine naive Vorstellung davon gemacht, wie wir folgsame und unschuldige Mädchen unterrichten werden, aber die Frauen dort waren ebenso der Faulheit und der Trunksucht verfallen wie die Männer“, schrieb Mutter Philippine.

Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten gedieh nicht sonderlich gut. Die Einwanderer waren oft Abenteurer ohne jede Moral. Die 1815 von Papst Pius VII. rehabilitierten Jesuiten konnten sich zwar rasch ausbreiten, begnügten sich jedoch mit der Gründung von Knabenschulen an der Atlantikküste. Für Mädchen gab es keine Erziehungsanstalten. In der Gesellschaft war die Sklaverei immer noch verbreitet; auch die Nonnen setzten Sklaven für verschiedene Arbeiten ein, da sie diese unmenschliche Institution aus eigener Kraft nicht abschaffen konnten. Die Frohbotschaft des Evangeliums verkündet und proklamiert gleichwohl „die Freiheit der Kinder Gottes“, sagt das II. Vatikanische Konzil. „Sie verwirft jede Art von Knechtschaft, die letztlich aus der Sünde stammt; sie respektiert sorgfältig die Würde des Gewissens und seiner freien Entscheidung; unablässig mahnt sie dazu, alle menschlichen Talente im Dienst Gottes und zum Wohl der Menschen Frucht bringen zu lassen; alle endlich empfiehlt sie der Liebe aller“ (Gaudium et spes, Nr. 41).

Auf Einladung von Bischof Dubourg reisten Mutter Duchesne und ihre Schwestern mitten im Winter nach Florissant, einer Gemeinde am Zusammenfluss von Mississippi und Missouri, in der der Bischof residierte. Dort wurde ihnen eine Farm zur Verfügung gestellt, und bald meldeten sich Schülerinnen bei ihnen an. Zum Weihnachtsfest 1819 wurde eine Kapelle erbaut. Da sich auch Postulantinnen dem Konvent anschließen wollten, eröffnete Mutter Philippine ein Noviziat. Sie warb intensiv für die Verehrung des Heiligsten Herzens, und es war ihrem Einfluss zu verdanken, dass der Bischof die Kirche, die er in Florissant errichten ließ, dem Herzen Jesu weihte. Während es unter den Algonkins und den Osages etliche Bekehrungen gab, erwiesen sich die unter dem Einfluss englischer Protestanten stehenden Irokesen als unzugänglich.

Renitente Schülerinnen

1821 wurde den Schwestern von einer reichen Witwe ein großes Grundstück in Grand Couteau („Großes Messer“) in der Nähe von New Orleans übereignet. Mutter Philippine richtete dort ein Pensionat ein, in dem gleich 17 Mädchen angemeldet wurden. Die Gründung war für Töchter wohlhabender Familien aus New Orleans vorgesehen. Die Mutter kehrte anschließend nach Florissant zurück, wo die Arbeit überaus mühselig war, da die Schülerinnen renitent waren und keine Regelmäßigkeit kannten. 1823 kam eine Gruppe von elf belgischen Jesuiten unter der Leitung von P. Van Quickenborne nach Florissant, von denen ein wichtiger Impuls für die Mission in Missouri ausging. Zudem konnte Bischof Dubourg auch weitere missionarisch tätige Kongregationen gewinnen, die sich in der Gegend ansiedelten, so z.B. die Lazaristen.

An Jesus Christus zu glauben oder nicht zu glauben, ist nicht gleichgültig. Wer den Herrn nicht kennt, dem fehlt eine wesentliche Wahrheit. „Mitunter verlieren wir die Begeisterung für die Mission“, schreibt Papst Franziskus, „wenn wir vergessen, dass das Evangelium auf die tiefsten Bedürfnisse der Menschen antwortet“ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 2013, Nr. 265).

„Die Versuchung heute besteht darin, das Christentum auf eine rein menschliche Weisheit zu reduzieren, gleichsam als Lehre des guten Lebens“ stellte der hl. Johannes PaulII. fest. „In einer stark säkularisierten Welt ist ‚nach und nach eine Säkularisierung des Heiles‘ eingetreten, für die man gewiss zugunsten des Menschen kämpft, aber eines Menschen, der halbiert und allein auf die horizontale Dimension beschränkt ist. Wir unsererseits wissen, dass Jesus gekommen ist, um das umfassende Heil zu bringen, das den ganzen Menschen und alle Menschen erfassen soll, um die wunderbaren Horizonte der göttlichen Kindschaft zu erschließen. Jeder Mensch braucht Jesus Christus, der die Sünde und den Tod besiegt und die Menschen mit Gott versöhnt hat. Die Kirche kann nicht davon Abstand nehmen zu verkünden, dass Jesus gekommen ist, um das Antlitz Gottes zu offenbaren und durch Kreuz und Auferstehung für alle Menschen das Heil zu verdienen“ (Redemptoris missio, Nr. 11). Daher muss jeder Gläubige durch das Zeugnis seines Lebens und durch das Wort Christus verkünden (vgl.. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr.. 904-905). „Es ist unmöglich, Christ zu sein, ohne die Welt in sein Streben einzuschließen, ohne den Tag innig herbeizusehnen, an dem Christus alle Menschen unter Anrufung seines Namens versammeln wird“ (P. Lacordaire – 1802-1861, Brief an einen jungen Mann).

Abbé Delacroix, ein Gemeindepfarrer aus der Nähe von New Orleans, ersuchte Mutter Duchesne 1826 um die Gründung eines weiteren Hauses im nahegelegenen Saint-Michel. Diese Gründung wurde unter ärmlichsten Bedingungen im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung realisiert. 1827 übernahm Mutter Philippine zudem ein Institut der Töchter vom Heiligen Kreuz mit neun Nonnen und neun Schülerinnen in Bayou-la-Fourche bei Saint-Michel.

Schmerzhafte Einsamkeit

1827 wurde Mutter Philippine vom Pfarrer von Saint-Louis ein weiteres Anwesen angeboten. Sie eröffnete dort ein Waisenhaus, ein Pensionat sowie eine Schule für externe Schülerinnen. Doch dann kehrte der wichtigste Unterstützer der Mutter, Bischof Dubourg, der schon seit Langem mit zahllosen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und verbittert war, nach Frankreich zurück, wo er zum Bischof von Montauban ernannt wurde. Für Mutter Philippine war seine Abreise überaus schmerzhaft, sie fühlte sich völlig vereinsamt: „Wir haben heute keinen eifrigen Freund mehr außer Jesus“, schrieb sie. „Jede andere Unterstützung schwindet und entfernt sich von uns.“ Im Oktober 1828 wurde auf Bitten der Jesuiten die Schule von Saint-Charles wiedereröffnet. Somit gab es im Tal des Mississippi insgesamt sechs Häuser.. Mutter Philippine wurde in ihrem Amt als Oberin der Sacré-Coeur-Kongregation in Louisiana bestätigt. Sie war nun 60 Jahre alt, und ihre Gesundheit ließ oft zu wünschen übrig. Im Frühling 1829 schrieb sie an Mutter Barat: „In meinen Händen geht alles schief..“

1834 war Mutter Philippine in Florissant. Neben der Erfüllung ihrer ihrer täglichen Amts- und Haushaltspflichten wachte sie oft nächtelang bei kranken Menschen und vernachlässigte darüber auch die religiöse Unterweisung der Kinder nicht, die das durchaus zu schätzen wussten. Das Stundengebet hatte für sie jedoch stets Vorrang vor allem. Kaum ertönte die Glocke, die das Stundengebet ankündigte, begab sie sich voller Andacht in die Kapelle. Ihre Liebe zu ihrer Kongregation war intensiv. Während der Rekreation pflegte sie den jungen Schwestern von den Anfängen des Instituts sowie von der Arbeit der hl. Mutter Madeleine-Sophie Barat in den Anfangszeiten des Ordens in Frankreich zu erzählen.

1840 wurde eine neue Generaloberin für die Mission in Amerika ernannt. Von jeder Verantwortung befreit kehrte Mutter Philippine nach Saint-Louis zurück, um sich intensiver dem Gebet zu widmen. 1841 bekam sie die Erlaubnis, zusammen mit drei Gefährtinnen eine vom Jesuitenpater De Smet gewünschte Gründung bei den Potawatomis zu realisieren, einem vom Oberlauf des Mississippi stammenden Volk, das zwangsweise nach Westen umgesiedelt worden und zum Teil bereits bekehrt war. Es gab Einwände wegen des schlechten Gesundheitszustandes von Mutter Philippine, doch der leitende Jesuitenpater der Mission forderte beharrlich: „Sie muss kommen! Sie kann nicht mehr viel arbeiten, aber sie wird der Mission durch ihre Gebete zum Erfolg verhelfen.“ Rund hundert Indianer zu Pferde begrüßten die Mutter voller Begeisterung und gaben ihr ein Ehrengeleit zum Haus der St. Mary’s Mission in Sugar Creek, die im März 1839 von den Jesuiten als Schule für die Potawatomis und landwirtschaftlicher Betrieb gegründet worden war.

Indianische Heilige

„Es gibt hier Mischlinge, die wahre Heilige sind“ berichtete Mutter Philippine später. „Und es gibt auch welche unter den ‚Wilden‘. In dieser Mission bekommt man etwas zu sehen, was man anderswo nicht sehen kann, so sehr erinnert der hier herrschende Glaube an die ersten Zeiten der Kirche. Sobald die ehemaligen Heiden getauft sind, kennen sie keine Trunksucht mehr, keinen Diebstahl, keine Raubüberfälle.. Die Potawatomis versammeln sich morgens zum gemeinsamen Gebet, zur Messe und zur Belehrung; auch das Abendgebet verrichten sie gemeinsam.“ Die Oberin vor Ort berichtete, dass einmal eine heilige Hostie ganz von selbst aus den Händen des Priesters auf die Lippen einer armen Frau glitt. Mutter Duchesne beobachtete, dass das Christentum nicht nur die Seelen der Ureinwohner veränderte, sondern auch ihre Gesichtszüge. Eine Indianerin erzählte, dass sie von der Mutter Gottes, die sie oft gesehen habe, über die Religion belehrt worden sei; ihr tugendhaftes Leben bestätigte die Aufrichtigkeit ihres naiven Zeugnisses. Ein guter „Indianer“ hatte von seinem Schutzengel die gesamte Passionsgeschichte Christi erzählt bekommen. Die Verehrung der Herzen Jesu und Mariens breitete sich bald bis zum Stamm der Flachkopfindianer aus, wobei es auch andere benachbarte Stämme gab, die nach wie vor dem Kannibalismus huldigten.

Nach den ersten freudigen Momenten erwies sich die Evangelisierung freilich als schwierig. Die Mutter ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. „Herr, Du bist der einzige Mittelpunkt, in welchem ich Ruhe finde“, betete sie zu Jesus. „Reich mir Deinen Arm, um mich zu halten, Deine Schultern, um mich zu tragen, Deine Brust, um mich zu stützen, Dein Kreuz, um mich zu bestärken, Deinen Leib, um mich zu ernähren. In Dir, Herr, schlafe und ruhe ich in Frieden..“ Sie konnte allerdings die Sprache der Indianer niemals erlernen: „Sie ist schwer und ganz unzivilisiert. Hat unendlich lange Wörter mit acht bis zehn Silben, es gibt kein Wörterbuch, keine Grammatik, kein Buch. Ich glaube nicht, dass ich eine solche Sprache jemals lernen kann!“ Ihre Gesundheit litt schon bald unter dem rauen Leben und dem eisigen Klima; so kehrte sie im Juli 1842 nach St.-Charles zurück, wo sie durch ihr Gebetsapostolat sowohl die Schwestern als auch die Schülerinnen erbaute und ermutigte. In der Eucharistie wurden ihr große, auch äußerlich erkennbare Gnadengaben zuteil. Sie starb im Alter von 83 Jahren am 18. November 1852 in St.-Charles mit den Namen Jesu, Mariens uns Josefs auf den Lippen.

„Die Missionstätigkeit stellt auch heute noch die größte Herausforderung für die Kirche dar“, schrieb der hl.. Johannes Paul II. „Es wird immer deutlicher, dass jene Völker, zu denen noch keine erste Verkündigung von Christus gedrungen ist, die Mehrheit der Menschheit bilden. Alle, die an Christus glauben, sollen die apostolische Verantwortung als einen integrierenden Teil ihres Glaubens spüren, anderen die Freude und das Licht zu vermitteln. Diese Verantwortung muss gewissermaßen zum Hunger und Durst werden, den Herrn bekanntzumachen, sobald sich der Blickwinkel auf die weiten Teile der nichtchristlichen Welt ausweitet“ (Enzyklika Redemptoris missio, Nr. 40). Das Beispiel und die Fürsprache der hl. Rose-Philippine Duchesne bei Gott mögen uns helfen, Christus an dem Ort zu verkünden, an den der Herr uns gestellt hat.

Ehrwürdige Edel Mary Quinn

Seliger Niels Stensen

Seliger Miguel Pro

Seliger Heinrich Suso