Beato Miguel Pro

18. Dezember 2024

Seliger Miguel Pro

Liebe, verehrte Freunde,

In den Straßen Mexico Citys fuhr 1927 ein junger Mann in Arbeitsoverall mit dem Fahrrad zur Arbeit. Seine Arbeit? In Privathäusern Beichten hören und die heilige Kommunion heimlich an Hunderte von Menschen spenden; jede Ausübung der katholischen Religion war nämlich von der Regierung verboten worden. Der „Arbeiter“ war in Wirklichkeit ein junger Jesuit, der sich verkleidet hatte, um der polizeilichen Überwachung zu entgehen. Auf ihn war seit 6 Monaten ein Kopfgeld ausgesetzt. „Welche Geldverschwendung“, kommentierte der Jesuit Miguel Pro ironisch.

Seliger Miguel Pro Miguel Agustín Pro wurde am 13. Januar 1891 als das dritte von elf Geschwistern in Guadalupe, einer Bergwerkstadt im zentralmexikanischen Bundesstaat Zacatecas, geboren. Seine Eltern Miguel und Josefa waren tiefgläubige Katholiken. Der junge Miguel entwickelte eine lebhafte und attraktive Persönlichkeit: Seine Frömmigkeit ging mit Frohsinn und Humor einher. Mit 10 Jahren schickten ihn seine Eltern auf eine renommierte Schule in Mexico City. Doch seine Magenschmerzen, die ihn lebenslang begleiten sollten, zwangen ihn bald, zu Hause weiterzulernen. Mit 15 Jahren unterstützte er seinen Vater, der als Mineningenieur arbeitete, als Sekretär. Mitunter stieg er auch ins Bergwerk hinab und unterhielt sich mit den Bergleuten; als begabter Imitator konnte er bald ihre Sprache sprechen. Seine Mutter betreute freiwillig kranke Minenarbeiter, und Miguel begleitete sie gern bei ihren Krankenbesuchen. Die Familie Pro gründete bald ein kleines Krankenhaus, in dem drei Ärzte kostenlose Behandlungen anboten.

Miguel plauderte liebend gern mit den Freundinnen seiner Schwestern. Im Alter von 18 Jahren ging er abends oft aus, wandte sich der Welt zu und vernachlässigte sein spirituelles Leben. Seine Mutter war darüber betrübt. Eines Tages bat sie ihn, einen von ihr bestickten Tabernakelschleier ins Pfarramt zu bringen. Er ließ sich etwas bitten, war aber dann doch dazu bereit. Im Pfarramt traf er auf zwei Jesuitenpatres, die gerade zu einer Mission in der Nachbarschaft aufbrachen. Miguel ließ sich überreden, sie zu begleiten, und nahm eine Woche lang an den geistlichen Übungen der Mission teil. Danach war er völlig verändert, hatte seine Frömmigkeit und seinen Seelenfrieden wiedergefunden. 1911 ging seine Lieblingsschwester María de la Concepción ins Kloster, nachdem eine andere seiner Schwestern zuvor denselben Weg eingeschlagen hatte. Ihr Beispiel brachte ihn ins Nachdenken. Ein paar Wochen später teilte er seinen Eltern mit, dass er beschlossen habe, Jesuit zu werden.

Miguel trat mit Einverständnis des Provinzials am 10. August 1911 in das Noviziat von El Llano (Michoacan) ein und wurde bereits am 15. August, dem Fest von Mariä Aufnahme in den Himmel, eingekleidet. In dem feuchten Klima dort wurde er jedoch bald vom Sumpffieber befallen. Um seine Heilung zu fördern, gewährte man ihm öfter Ausgang und bereicherte Speiseplan mit frischem Obst.. Später berichtete ein junger Novize über ihn: „Bruder Miguels Sprache war demütig und fröhlich zugleich; ohne jemanden zu langweilen, gelang es ihm, in seine eher komischen Worte auch fromme Überlegungen einzuflechten. Besonders innig verehrte er das Heiligste Herz Jesu. Was ich an ihm bewunderte, war sein Opfergeist und seine Geduld angesichts aller Nöte, die uns aufgrund des chaotischen Zustandes unseres Landes begegneten..“ Novizenmeister P. Pulido bezeugte: „Was ich an diesem Novizen schätzte, war sein Frohsinn und sein Humor. Er war der ideale Gefährte in den Rekreationen sowie bei Festen. Es steckten indes zwei Männer in ihm: der Spaßvogel in den Pausen und ein außerordentlich tiefsinniger Ordensmann.“

Am 15. August 1913 durfte Bruder Miguel seine ersten Ordensgelübde ablegen. Als er dann sein Philosophiestudium beginnen wollte, brach ein Aufstand aus. Seit der Unabhängigkeit Mexikos 1810 hatten die „Befreier“ des Landes mehrfach versucht, den gesellschaftlichen Einfluss der Kirche zurückzudrängen. 1913 kam Venustiano Carranza an die Macht, der sich auf kirchenfeindliche Gruppen in der Armee sowie auf die Freimaurer stützte. Es kam zu einer Verfolgungsjagd auf die Kirche: Priester wurden verhaftet, Kirchen profaniert, religiöse Orden verboten. Mit den Jesuiten von Llano, die sich in kleine Gruppen aufgeteilt hatten, musste Bruder Miguel im August 1914 als Bauer verkleidet über das von Soldatentruppen verwüstete Land fliehen. Unterwegs traf er in Guadalajara seine Mutter Josefa, die ohne Nachricht von ihrem Mann in großer Armut lebte und für den Lebensunterhalt der Familie als Wäscherin arbeitete; sie zeigte ihm ein Bild des Herzens Jesu, das nun ihr einzig verbliebener Reichtum war, und sagte: „Mein Sohn, selbst wenn du mich um Almosen betteln siehst, folge du deiner Berufung. Wir wissen nicht, ob dein Vater lebt oder tot ist, aber wir bleiben mit Gott, unserem Vater.“

Unerschütterliche Fröhlichkeit

Nach einer 46-tägigen Reise erreichten die Jesuiten die Vereinigten Staaten und schifften sich bald nach Spanien ein. Miguel absolvierte von 1915 bis 1918 sein Philosophiestudium in Granada.. Seinen damaligen Kommilitonen blieben seine Frömmigkeit, seine strenge Askese und seine unerschütterliche Fröhlichkeit im Gedächtnis. Er litt dabei jedoch weiterhin unter chronischen Magenschmerzen, die er zu verheimlichen suchte. Von 1918 bis 1922 folgte Bruder Pro dem von seinem Orden vorgeschriebenen Ausbildungsgang und unterrichtete in einem kurz zuvor von den Jesuiten in Nicaragua eröffneten Kolleg für Kinder. Doch die noch nicht fertiggestellten Schulgebäude boten ihm kaum Schutz vor dem Klima: Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und sein Vorgesetzter schätzte ihn nicht. Seine Demut und sein Vertrauen auf die göttliche Vorsehung halfen ihm jedoch, all dem eine positive Seite abzugewinnen.

Danach kehrte Miguel nach Spanien zurück und studierte zwei Jahre lang Theologie in der Nähe von Barcelona. Im Sommer 1924 nahm er an Exerzitien in Manresa teil, wo der hl.. Ignatius von Maria die Inspiration zu seinen Geistlichen Übungen empfangen hatte. Von 1924 bis 1926 setzte er sein Studium an der Jesuitenhochschule im belgischen Enghien fort, wo 135 junge Jesuiten aus 13 Ländern versammelt waren. Als seine Oberen merkten, dass er überaus sprachbegabt war, durfte er nebenbei im Bergbaurevier von Charleroi evangelisieren. Trotz seiner schwachen Leistungen im Studium und seiner gesundheitlichen Schwächen wurde Miguel Pro aufgrund seiner Frömmigkeit und seines apostolischen Eifers am 31. August 1925 von einem französischen Bischof zum Priester geweiht.. Kurz nach Beginn seines vierten Studienjahres verschlechterte sich sein Gesundheitszustand: Er kam mit einem Magengeschwür ins Krankenhaus und wurde dreimal operiert. Im Februar 1926 bekam er die Nachricht vom Tode seiner Mutter, die ihr Leben Gott als Opfer für ihren Sohn dargeboten hatte..

Miguels Gesundheitszustand besserte sich indes nicht; er kam in ein von Franziskanerinnen geleitetes Erholungsheim nach Hyères. Bald teilte der für ihn zuständige Arzt dem Mönch, der ihn begleitete, mit: „Das ist ein hoffnungsloser Fall. Sie sollten Ihre Oberen informieren. Dem Patienten wurde nichts gesagt.“ Daraufhin informierte Pater Picard, der Direktor der Hochschule, Miguel über seinen Zustand und fügte hinzu: „Fahre nach Mexiko zurück, um in deiner Heimat zu sterben.“ Er erlaubte Pater Pro, noch einen kurzen Abstecher nach Lourdes zu machen, wo diesem große Gnaden zuteil wurden: „Was ich dort gefühlt habe, ist unbeschreiblich; das war einer der glücklichsten Tage meines Lebens.. Um 9 Uhr las ich die Messe. Dann verbrachte ich eine Stunde in der Grotte und habe geweint wie ein Kind. Ich breche nun mit getrösteter Seele auf..“ Er bestieg ein Schiff in Saint-Nazaire und lehnte fortan jede medizinische Behandlung ab.

Im Untergrund

Am 7. Juli 1926 landete Miguel als Zivilist verkleidet im mexikanischen Veracruz. Die Vorsehung beschützte ihn: Sein Gepäck passierte ungeöffnet den Zoll, seine Papiere ungeprüft die Passkontrolle.. Gleich nach seiner Ankunft meldete er sich beim Provinzial P. Luis Vega, der ihn zum Missionieren in die Hauptstadt entsandte. Dort erfuhr Miguel, dass sein 24-jähriger Bruder Humberto wegen Widerstandes gegen die religionsfeindlichen Gesetze im Gefängnis saß. Eine Stunde später trat Pater Pro sein Amt in einem unauffälligen Privathaus an, dort, wo sich heute die Pfarrgemeinde Unserer Lieben Frau von Guadalupe, der Friedenskönigin, befindet..

Als Miguel Pro in Mexico City eintraf, hatte die Beziehung zwischen Kirche und Staat gerade ihren Tiefpunkt erreicht. Der von der Armee eingesetzte Präsident Plutarco Elías Calles, ein von marxistischer Ideologie geprägter Freimaurer, verschärfte und erweiterte die kirchenfeindlichen Bestimmungen der Verfassung von 1917: Die Calles-Gesetze untersagten den Religionsunterricht an allen Schulen, verwiesen alle ausländischen Priester des Landes, verboten alle religiösen Orden und verstaatlichten die Besitztümer der Kirche. Jedes priesterliche Apostolat und sämtliche kirchlichen Amtshandlungen außerhalb der Kirchen wurden verboten. Da unter diesen Bedingungen nach Ansicht der mexikanischen Bischöfe eine Fortsetzung des Priesteramtes unmöglich war, beschlossen sie mit Zustimmung von Papst Pius XI., vom 31.. Juli 1926 an jede öffentliche Kulthandlung im Land auszusetzen. Pater Pro wurde mobilisiert, um zuvor noch schnell die Sakramente zu spenden. Von 5 bis 11 Uhr sowie von 15 bis 20 Uhr war sein Beichtstuhl umlagert.. Ein paar Tage danach schrieb er: „Wie habe ich das ausgehalten? Ich, der Empfindliche, der Schwache, der in zwei europäischen Kliniken als interessanter Patient galt? Das beweist besonders augenfällig, dass ohne das Eingreifen des göttlichen Elements, das sich meiner als Instrument bediente, alles seit Langem vorbei gewesen wäre..“

Vom 31. Juli an waren in ganz Mexiko die Tabernakel leer. Die verlassenen Kirchen wurden von der Soldateska profaniert. Messen wurden nur heimlich gefeiert. Pater Pro führte „eucharistische Stationen“ ein, d.h. er kam zu einem vorher verabredeten Zeitpunkt in den Häusern vorbei, um die heilige Kommunion auszuteilen. „Ich spende jeden Tag dreihundertmal die Kommunion. Damit bin ich vom Morgen an bis zu acht Stunden lang beschäftigt, ohne die Arbeit mit den Beichten, die ich mittwochs, donnerstags und freitags am Nachmittag habe, mitzuzählen.“ Er organisierte Studentenkreise zur Vertiefung des Glaubens und kümmerte sich um Hausangestellte und Arbeiter ebenso wie um sozial geächtete ledige Mütter; zudem gründete er ein Zentrum zur Rehabilitation von Prostituierten.

Für den Christkönig

Um auf die Verfolgung zu antworten, beschloss die „Liga zur Verteidigung der religiösen Freiheit“ einen Kaufstreik.. Die Katholiken kauften nur noch das Allernötigste und hoben bei den Banken ihr ganzes Geld ab. Der Kaufstreik hatte eine wirtschaftliche und finanzielle Krise zur Folge. Sorgen bereitete Diktator Calles zudem der bewaffnete Aufstand der Cristeros (der Streiter für den Christkönig): Das waren einfache Bauern, die gegen die Revolution und für die Religionsfreiheit sowie für das soziale Königtum Christi kämpften (dessen Notwendigkeit Papst Pius XI. 1925 durch die Einführung des Christkönigsfestes angemahnt hatte). Die gewaltsamen Übergriffe auf Priester wurden immer schlimmer und gingen bis zum Mord; Laien, die nachweislich regierungsfeindliche Flugblätter mit sich führten, wurden ohne Prozess erschossen..

Jesus Christus ist König. Er hat es Pilatus gegenüber versichert: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich Zeugnis gebe für die Wahrheit. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18,37). Die Herrschaft Christi ist die Herrschaft der Wahrheit: der Wahrheit über Gott, der Wahrheit über den Menschen und sein ewiges Schicksal. Der heilige Johannes Paul II. stellte am 23. Februar 2002 fest: „Gegen Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat ein Säkularisierungsprozess begonnen, der Gott und das Christentum aus allen Äußerungen des menschlichen Lebens ausschließen wollte; er hat sich insbesondere vom 18. Jahrhundert an intensiviert. Endpunkt dieses Prozesses war der Laizismus und der agnostische und atheistische Säkularismus, d.h. der absolute und totale Ausschluss Gottes und des natürlichen Sittengesetzes aus allen Bereichen des menschlichen Lebens.“

Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt: „Die Pflicht, Gott aufrichtig zu verehren, betrifft sowohl den einzelnen Menschen als auch die Gesellschaft. Dies ist ‚die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi’ (vgl. II. Vatikanum, Erklärung zur Religonsfreiheit, Nr. 1). Die Kirche bezeugt so die Königsherrschaft Christi über die ganze Schöpfung, insbesondere über die menschlichen Gesellschaften“ (Katechismus, Nr.. 2105; vgl. die Enzykliken Immortale Dei von Leo XIII. und Quas primas von Pius XI.).

Die Ablehnung jeder Wahrheit durch die menschlichen Gesellschaften führt zum Totalitarismus: „Die Kirche lädt die politischen Verantwortungsträger ein, sich in ihren Urteilen und Entscheidungen nach dieser geoffenbarten Wahrheit über Gott und den Menschen zu richten. Die Gesellschaften, die diese Offenbarung nicht kennen oder sie im Namen ihrer Unabhängigkeit von Gott ablehnen, müssen ihre Maßstäbe und Ziele in sich selbst suchen oder einer Ideologie entnehmen.. Und da sie kein objektives Kriterium zur Unterscheidung von gut und böse dulden, maßen sie sich offen oder unterschwellig eine totalitäre Gewalt über den Menschen und sein Schicksal an, wie die Geschichte beweist“ (Katechismus, Nr. 2244).

Am 31. Oktober zogen 200 000 Pilger zum Heiligtum Unserer Lieben Frau von Guadalupe in der Nähe von Mexico City und forderten dadurch die Regierung heraus; P. Pro ermutigte die Pilger, Christkönigslieder zu singen. Am ersten Freitag im November 1926 spendete er 1300 Personen die heilige Kommunion. Dank seiner Kaltblütigkeit konnte er mehrmals der Verhaftung entgehen. Einmal saß er sogar kurz im Gefängnis, ohne dass die Polizei seine wahre Identität entdeckte.

Die Beste aller Opfergaben

Anfang des Jahres 1927 gründete P. Pro eine Hilfskommission zugunsten von Familien, die aufgrund ihrer Treue zum katholischen Glauben bzw. aufgrund des Bürgerkrieges notleidend waren. Er koordinierte den Einsatz von rund 12 Personen, die Nahrungsmittel sammelten, und trug auch selbst Säcke voller Lebensmittel zu den Bedürftigen. Daneben versorgte er geistlich wie materiell mehrere Frauenkonvente im Untergrund. Einem dieser Konvente übersandte er sogar sein letztes Bargeld aus dem Gefängnis. Miguel unterstützte auch Familien der Cristeros, ohne sich der bewaffneten Bewegung anzuschließen. Seiner Meinung nach hatten die Katholiken das Recht und die Pflicht, ihre politischen Rechte zu verteidigen, darunter auch das Recht der öffentlichen Religionsausübung. In seinen Briefen und Botschaften äußerte er mehrfach den Wunsch, als Märtyrer zu sterben.

Im März befahl ihm sein Vorgesetzter, er solle sich verstecken und das Haus nicht mehr verlassen, da er von der Polizei aktiv gesucht werde.. Er kommentierte: „Wie schwer ist doch die Tugend des Gehorsams! Ich glaube, Gehorsam ist die Beste aller Opfergaben.“ Seinem Oberen erwiderte er, die Lage sei nicht so gefährlich, zudem habe sich seine Gesundheit deutlich gebessert. Als P. Pro schließlich erlaubt wurde, sein verdecktes Apostolat wieder aufzunehmen, predigte er zahlreiche Exerzitien im Sinne der Geistlichen Übungen des hl. Ignatius im Untergrund. Um sich in Mexico City bewegen zu können, nutzte er viele verschiedene Verkleidungen, war als Straßensänger, Arbeiter, Chauffeur, Bergmann, Dandy, Student unterwegs. Er schrieb in sein Tagebuch: „Welche innere Freude, einer zerschlagenen Arbeiterfamilie wieder Frieden zu schenken! Welche Freude, einem 94-jährigen Greis die Kommunion zu bringen! Welche Freude, einem italienischen Gärtner unter einem Baum die Beichte abzunehmen!“

Am 13. Oktober warfen vier junge Katholiken eine Bombe auf das Auto General Obregóns, des wichtigsten Ministers von Calles. Das Attentat schlug fehl, doch danach stellte die Polizei fest, das der Wagen, von dem aus die Bombe geworfen wurde, zuvor einem Bruder von Miguel Pro gehört hatte. Durch die Indiskretion einer Frau und die Aussage eines eingeschüchterten Kindes entdeckten die Ermittler das Versteck des Jesuiten. Am 18. November drangen 20 bewaffnete Soldaten in das Zimmer ein, in dem die Brüder Pro schliefen. Der Pater sagte zu seinen Brüdern: „Bereut eure Sünden.“ Danach spendete er ihnen mit lauter Stimme die Absolution und fügte hinzu: „Bringen wir unser Leben als Opfer für den Glauben in Mexiko dar.“

Als abschreckendes Exempel

Miguel und sein Bruder Roberto wurden in eine feuchte, übelriechende Zelle gebracht (Humberto war anderswo eingesperrt). In den fünf Tagen ihrer Haft sprachen der Pater und seine Mitgefangenen von morgens bis abends Gebete, beteten den Rosenkranz und sangen Kirchenlieder. Miguel ritzte den Spruch „Es lebe der Christkönig! Es lebe Unsere Liebe Frau von Guadalupe!“ in die Wand. Als der Hauptattentäter Segura Vilchis erfuhr, dass P. Pro erschossen werden sollte, meldete er sich freiwillig bei General Roberto Cruz, dem Generalinspektor der Polizei, und schwor, dass die Brüder Pro nichts mit der Vorbereitung und Durchführung des Attentats zu tun hatten. Die Brüder beteuerten ebenfalls ihre Unschuld, und die Polizei besaß keinerlei Beweisstücke. Calles und Obregón befahlen Cruz trotzdem, P. Pro „als abschreckendes Beispiel“ ohne weitere Formalitäten erschießen zu lassen.

Am 23. November 1927 wurden Miguel und Humberto um 10 Uhr morgens zur Richtstätte geführt. Roberto wurde lediglich des Landes verwiesen, da es gegen ihn keine Anklagegründe gab. Unterwegs vergab der Pater seinem Gefängniswärter sowie den Soldaten. Er bekam einen Augenblick zum Beten gewährt und sprach ein kurzes, inniges Gebet auf Knien. Vor dem Erschießungskommando und unter den gleichgültigen Augen von Cruz breitete der junge Märtyrer seine Arme zum Kreuz aus und rief: „Es lebe der Christkönig!“ Da er nach der Gewehrsalve noch atmete, gab ihm ein Soldat den Gnadenstoß. Indem Calles in der Regierungspresse Fotos von der Hinrichtung verbreiten ließ, machte er P. Pro in der ganzen Welt berühmt. Zum Missfallen der Behörden wurde dessen Beisetzung, an dem mehrere zehntausend Personen teilnahmen, zu einem Triumphzug. Als der Sarg in der Gruft der Jesuiten beigesetzt wurde, stimmte der Vater des Märtyrers spontan das Te Deum an.

Trotz der 1929 geschlossenen Kompromis­sverein­barungen zwischen der Regierung und dem Vatikan, wurde die Verfolgung der Katholiken in Mexiko bis Ende des 20. Jh. fortgesetzt. Die katholische Bevölkerung verehrte P. Pro mehr als jeden anderen Märtyrer der mexikanischen Revolution als Symbol der verfolgten Kirche. Am 25. September 1988 wurde Miguel Agustín Pro auch offiziell zum Märtyrer erklärt und vom heiligen Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Sein liturgischer Gedenktag in der Gesellschaft Jesu sowie in Mexiko ist der 23. November.

Wir können uns in allen Fällen folgendem Gebet des seligen Miguel anschließen, das er kurz vor seinem Tod in seinem Tagebuch notiert hatte: „Ich glaube, Herr, aber stärke meinen Glauben. Herz Jesu, ich liebe Dich, aber mehre meine Liebe. Herz Jesu, ich vertraue auf Dich, aber kräftige mein Vertrauen. Herz Jesu, ich gebe Dir mein Herz, aber schließe es in Dich ein, damit es niemals von Dir getrennt wird. Herz Jesu, ich gehöre Dir ganz; aber nimm Dich meines Versprechens an, damit ich es in die Praxis umsetzen kann bis hin zum vollkommenen Opfer meines Lebens.“

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