Seliger Ildefonso Schuster

7. Mai 2025

Seliger José Hernandez Cisteros

Liebe, verehrte Freunde,

„Ein Heiliger ist tot!“, riefen die Bewohner von Caracas (Venezuela) zutiefst erschüttert über den Unfalltod des Doktor José Gregorio Hernández Cisneros am 29. Juni 1919 aus. Die Beerdigung dieses Arztes war ein Triumph, sorgte für Schlagzeilen und zog zivile, wissenschaftliche und kirchliche Autoritäten an sowie mehrere tausend Menschen. Unter Vorwegnahme des kirchlichen Urteils riefen ihn die Menschen um Hilfe an, und sein Grab wurde zu einem Wallfahrtsort. Angesichts zahlreicher bezeugter Wunder wuchs der Ruf seiner Heiligkeit, so dass sich seine Verehrung sogar über die katholische Kirche hinaus erstreckte.

Seliger José Hernandez Cisteros Das veranlasste 1949 die Kirche zur Aufnahme eines Seligsprechungsprozesses. Am 16. Januar 1986 erklärte der hl. Papst Johannes Paul II. Dr. Hernández Cisneros als verehrungswürdig. 2018 wurde die kanonische Untersuchung einer ihm zugeschriebenen Heilung begonnen. Ein 10jähriges venezolanisches Mädchen, Yaxury Solórzano, hatte bei einem Einbruch im elterlichen Haus durch einen Gewehrschuss eine Kopfverletzung erlitten. Bei der darauffolgenden Operation wurde ihr ein Teil des Schädelknochens entfernt. Ihr Leben war zwar gerettet aber die neurologischen Folgen wurden von den Ärzten als katastrophal prognostiziert. Während des Eingriffs flehte die Mutter inbrünstig um die Fürsprache des Dr. José Hernandez bei Gott. Sofort spürte sie seine Hand auf ihrer Schulter und hörte eine Stimme: „Seien sie versichert, alles wird gut gehen!“ Einige Tage nach der Operation erholte sich Yaxury wider Erwarten auf erstaunliche Weise ohne irgendeine Nachwirkung und behielt all ihren neurologischen Fähigkeiten. Am 9. Januar 2020 erkannte die medizinische Kommission der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse diese Heilung als wissenschaftlich unerklärlich an. Papst Franziskus erklärte dieses Wunder für authentisch und unterschrieb am 19. Juni 2020 das Seligsprechungsdekret von José Hernández.

José Hernandez wurde am 26. Oktober 1864 in Isnotú im Bundesstaat Trujillo in Venezuela als ältester von sechs Geschwistern geboren. Durch seine Mutter stammte er von der Familie des spanischen Kardinals Franzisco Jiménes de Cisneros (1436–1517) ab, Beichtvater von Isabella der Katholischen, Königin von Kastilien und Spanien (1451–1504) und Begründer der Universität von Alcalá; väterlicherseits war er mit dem heiligen Bruder Miguel Cordero Muñoz (1854-1910) verwandt, einem Ordensbruder christlicher Schulen, ecuadorianischer Pädagoge und Schriftsteller. José Gregorio wurde am 30. Januar 1865 getauft.

Der Vater leitete eine Apotheke. „Meine Mutter hat mich von klein auf die Tugenden gelehrt“, bekräftigte José Gregorio. „Sie hat mich beim Heranwachsen Gott kennenlernen lassenund mir die Liebe als Wegweiser mitgegeben.“Am 13. September 2023 bemerkte Papst Franziskus: „Aufgepasst: Es sind die Mütter, die den Glauben weitergeben. Der Glaube wird im Dialekt weitergegeben, also in der Sprache der Mütter, in jenem Dialekt, den Mütter mit ihren Kindern sprechen. Und Mütter: Denkt daran, den Glauben in diesem mütterlichen Dialekt weiterzugeben.“

Mit drei Jahren empfing José, wie damals üblich, die Firmung. Als er 8 Jahre alt war, starb seine Mutter. Nach einem guten Schulabschluss wollte er Jura studieren. Aber sein Vater riet ihm eher zu Medizin, worin José eine Berufung sah. Dafür musste er jedoch in die Hauptstadt Caracas ziehen. Für ihn, der noch nie sein Heimatdorf verlassen hatte, bedeutete das eine lange Reise auf dem Rücken eines Maultieres, einem Schiff und in der Bahn in einem Land, das gerade einen Bürgerkrieg überstanden hatte.

Er besuchte von 1878 bis 1882 das Kolleg Villegas, das damals von seinem Gründer, dem Dr. Guillermo Tell Villegas geleitet wurde. Er und seine Frau wurden José Gregorio bald zu Freunden. Der Schüler wurde von seinen Lehrern geschätzt und erhielt gute Noten. Mit 17 Jahren machte er Abitur in Philosophie. Danach begann er an der Zentraluniversität von Venezuela (UCV) das Medizinstudium. Die Beurteilungen seiner Lehrer waren voll des Lobes: gutes Betragen, Fleiß, regelmäßiger Besuch der Kurse, Prüfungserfolge. Er war hervorragend in vielen Bereichen und erlernte außerdem die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch sowie Latein. Am 29. Juni 1888 promovierte er zum Doktor der Medizin. Vor dem Rektor und einer Prüfungskommission sprach er über Fragen zu bakteriellen Erkrankungen, einem Bereich, auf den sich seine medizinische Tätigkeit später konzentrieren würde, weswegen er in Venezuela als Begründer der Bakteriologie galt.

„Meine Stelle ist nicht hier“

Dr. Dominici, Rektor der Universität, war bereit, den jungen Arzt José Gregorio finanziell zu unterstützen, damit dieser in Caracas eine Praxis eröffnen könnte. „Lieber Dr. Dominici“, antwortete dieser, „ich danke ihnen sehr dafür aber ich bin überzeugt, dass meine Stelle nicht hier ist. Ich muss in mein Dorf zurückkehren. In Isnotú gibt es keinen Arzt, weswegen ich dorthin muss. Meine Mutter hat mich gebeten zurückzukommen, um dort das Leid der Armen zu lindern. Jetzt da ich Arzt bin, ist mir klar, dass mein Platz unter den Meinen ist.“ Mit 24 Jahren brach er also im August 1888 nach Isnotú auf. Einem Freund schrieb er: „Ich wurde von meinen Patienten herzlich willkommen geheißen aber es ist hier schwer, sich um die Menschen zu kümmern, da viele tief verwurzelte Vorurteile bekämpft werden müssen: Sie glauben an Heilmethoden, die darin bestehen, gewisse Wörter auszusprechen. Die Klinik ist sehr schlecht, alle leiden an der Ruhr. Noch jämmerlicher steht es um die Therapien.“

Ein Jahr später bereiste José Gregorio Trujillo, Mérida und Táchira in den Anden Venezuelas und versuchte dort vergeblich, ein Zentrum aufzubauen, von dem aus er sein Wirken entfalten konnte. Bei seiner Rückkehr in Isnotú fand er einen Brief des Dr. Calixto Gonzáles, eines seiner früheren Professoren vor, in dem dieser José Gregorio informierte, dass er ihn für ein Stipendium in Europa empfohlen hatte. Angesichts des Mangels an Ärzten in der experimentellen Forschung hatte der venezolanische Präsident, Juan Pablo Rojas Paúl (1862-1905, Präsident von 1888-1890) nämlich verfügt, dass ein junger venezolanischer Arzt für das Jahr 1889 nach Frankreich geschickt werden sollte. Anschließend sollte er nach Caracas zurückkehren und seinem Land das erworbene Wissen zu gute kommen lassen. Wissensdurstig und neugierig wie er war, entpuppte sich José Gregorio als berufener Forscher, zumal er alle nur möglichen Eigenschaften besaß, um aus dieser Studienreise Nutzen zu ziehen.

Nach seiner Ankunft in Paris im November 1889 forschte José Gregorio im Labor von Charles Richet, Professor für experimentelle Physiologie und Nobelpreisträger von 1913. Besonders interessiert war er an den Forschungen des Mathias Duval, einem Spezialisten der Histologie, Bakteriologie und Embryologie. Darüber hinaus kam er mit christlichen Sozialwerken in Kontakt, wie der Vinzenzgemeinschaft, die vom seligen Frédéric Ozanam und seinen Gefährten gegründet wurde. Mit dem Wunsch, die wissenschaftlichen Neuerungen aus Deutschland kennenzulernen, besuchte er Berlin noch vor seiner Rückkehr nach Venezuela. Dort wurde er mit 26 Jahren zum Professor an der Universität von Caracas ernannt. Auf Ersuchen der Regierung veranlasste er mehrere europäische Ärzte ins Krankenhaus von Vargas zu kommen. 1890 beteiligte er sich an der Errichtung einer Krankenpflegeschule. Im Anschluss an eine neuerliche Reise nach Paris eröffnete er im Jahr darauf als ordentlicher Professor die Lehrstühle für Histologie und für experimentelle Physiologie in Caracas. Auch begründete er den ersten Lehrstuhl für Bakteriologie in Lateinamerika. Die Regierung genehmigte ihm eine wichtige finanzielle Hilfe, um das nötige Material für diese neuen Bereichezu besorgen. Seine harte Pionierarbeit stieß jedoch manchmal auf Unverständnis.

Wissenschaftliche Arbeiten

Der junge Professor brachte das Mikroskop und andere für die Forschung, vor allem in der Mikrobiologie unentbehrliche Geräte nach Venezuela. 1893 schrieb er mehrere Artikel in der „Gaceta Médica“, und 1906 veröffentlichte er „Elementos de Bacteriología“, ein Werk, das von Experten als Wunder an Prägnanz und Klarheit betrachtet wurde. Von seinen dreizehn wissenschaftlichen Werken wurden elf veröffentlicht, und zwischen 1907 und 1912 verfasste er fünf literarische Werke.

Von seinem Temperament und seiner Neigung her war José Gregorio ein tiefgründiger Philosoph und ein Künstler mit ausgeprägter Sensibilität. Mit seinem nachdenklichen Charakter und einem feinen Sinn für Kritik beschäftigte er sich mit den großen Problemen der Menschen. In „Elementos de Filosofía“ (1912) legte er seine Vision über die Welt sowie über die Beziehungen der Menschen untereinander und mit Gott dar.

Als aktiver Katholik auf lokaler und nationaler Ebene trat José Gregorio am 7. Dezember 1899 in den Dritten Orden der Franziskaner in der Pfarre „Unsere Liebe Frau von Altagracia“ in Caracas ein. Sein privates und berufliches Leben war durchdrungen vom Geist des hl. Franziskus. Geduldig und in jeder Hinsicht arm nahm er sich vor, Jesus in jeder Person zu sehen und ihr zu dienen. Der „Dritte Orden“ wurde vom hl. Franziskus von Assisi 1221 gegründet und zwar für Laien beiderlei Geschlechts, die nach seiner Spiritualität so gut wie möglich inmitten der Welt leben sollten. Auch Diözesanpriester können ihm angehören. Unter den berühmten Mitgliedern dieses „Dritten Ordens“ befinden sich der hl. König Ludwig IX. und mehrere Päpste, so z.B. Leo XIII. Diese „Terziaren“ nehmen sich vor, ihr Leben mit Gebet und Studium der Glaubenswahrheiten zu füllen, sich mit großer Hingabe der Betrachtung der Passion Christi zu widmen sowie die Nächstenliebe in konkreten Taten zu leben. Diese Einrichtung hat für andere von Orden abhängige Laienvereinigungen als Modell gedient.

Vertrautheit mit Gott

„Fragen wir uns jedoch: Woher hatte José Gregorio all diese Begeisterung, all diesen Eifer? Es kam aus einer Gewissheit und aus einer Kraft. Die Gewissheit war die Gnade Gottes. Er schrieb: »Wenn es in der Welt Gute und Böse gibt, dann gibt es die Bösen deshalb, weil sie selbst böse geworden sind: Die Guten sind dies jedoch mit der Hilfe Gottes « (27. Mai 1914). Und er verspürte als Erster die Notwendigkeit der Gnade, um die er auf den Straßen bettelte, und hatte ein extremes Bedürfnis nach Liebe. Und das war die Kraft, aus der er schöpfte: die Vertrautheit mit Gott. Er war ein Mann des Gebets, der an der heiligen Messe teilnahm“ (Papst Franziskus, 13. September 2023).

José Gregorio antwortete auf die uns umsonst geschenkte Liebe Gottes, der uns erschaffen und uns zur Tugend des Glaubens gerufen hat. „Das II. Vatikanum lehrt, daß »dem offenbarenden Gott der Gehorsam des Glaubens zu leisten « ist. Mit dieser kurzen, aber wichtigen Aussage wird auf eine fundamentale Wahrheit des Christentums hingewiesen. Es heißt darin vor allem, daß der Glaube gehorsame Antwort an Gott ist. Das aber setzt voraus, daß dieser in seiner Gottheit, Transzendenz und höchsten Freiheit anerkannt wird. Der Gott, der sich zu erkennen gibt, bringt in der Autorität seiner absoluten Transzendenz die Glaubwürdigkeit der von ihm geoffenbarten Inhalte mit. Durch den Glauben gibt der Mensch seine Zustimmung zu diesem göttlichen Zeugnis. Das heißt, er anerkennt voll und ganz die Wahrheit dessen, was geoffenbart wurde, weil Gott selbst sich zu ihrem Garanten macht … Darum ist der Akt, mit dem man sich Gott anvertraut, von der Kirche stets als ein grundlegender Entscheidungsvorgang angesehen worden, in den die ganze Person eingebunden ist … Im Glauben ist also die Freiheit nicht einfach nur da; sie ist gefordert. Ja, der Glaube ermöglicht es einem jeden, seine Freiheit bestmöglich zum Ausdruck zu bringen. Mit anderen Worten, die Freiheit verwirklicht sich nicht in Entscheidungen gegen Gott … Im Glauben vollzieht der Mensch den bedeutsamsten Akt seines Daseins; denn die Freiheit gelangt zur Gewißheit der Wahrheit und entschließt sich, in ihr zu leben“ (Johannes Paul II, Enzyklika Fides et Ratio, 14. September 1998, Nr. 13).

1907 entschloss sich José zum geistlichen Leben. Nachdem er den Erzbischof von Caracas, Msgr. Juan B. Castro zu Rate gezogen hatte, schrieb er dem Prior der Kartäuser von Farneta, bei Lucca in Italien. (Die Kartäuser, rein kontemplative Mönche, wurden im XI. Jahrhundert vom hl. Bruno gegründet.) Bei seiner Aufnahme ins Noviziat nahm er den Namen Bruder Marcello an. Aber nach einigen Monaten wurde er so krank, dass der Prior es für besser hielt, ihn nach Venezuela zurückzuschicken. Im April 1909 kehrte er nach Caracas zurück und wurde ins Seminar „Sta. Rosa de Lima“ aufgenommen. Jedoch blieb sein Wunsch nach dem klösterlichen Leben in seiner Seele verankert. Drei Jahre später ging er zum „Colegio Pío-Latino-Americano“ nach Rom, um an den dortigen Theologiekursen teilzunehmen. Er war der Meinung, dass das Priestertum „das Größte, was es auf der Erde gibt“, wäre. Aber eine Lungenerkrankung zwang ihn neuerlich, in sein Heimatland zurückzukehren.

Heilen und schützen

Am 14. September 1909 wurde José Gregorio zum ordentlichen Professor am Lehrstuhl des Pathologisch-Anatomischen Instituts ernannt,deren wissenschaftliche Arbeit darin bestand, verschiedene Krankheiten zu identifizieren, indem man kleine Proben mit dem bloßen Auge oder dem Mikroskop untersuchte, und die sehr präzise Diagnosen ermöglichten. Bis 1911 arbeitete er bei der Gründung eines Analyselabors mit, das mit den Diensten des Vargas-Krankenhauses verbunden war. Ferner gab er Impulse für Forschung und Lehre in wichtigen medizinischen Fächern, bei denen er damals der einzige Spezialist war. Auch galt er als jener, der in dem Land die Anwendung der Chemie und Mathematik in den Bereichen der Biologie und Physiologie eingeführt hat. Unter den großen Professoren der Medizin zeichnete er sich als hervorragender Lehrer aus: Er führte einen wahrhaft wissenschaftlichen und pädagogischen Unterricht ein, der auf der Beobachtung von Lebensphänomenenund Labortests basierte und gründete eine Schule von Forschern, die eine sehr wichtige Rolle in der Medizin des Landes haben sollten; zu ihnen gehörte Rafael Ragel, der Gründer der Parasitologie. Die Umsetzung von José Gregorios Erfahrungen orientierte sich am höchsten Ziel der Medizin, das kein anderes ist, als die Kranken zu heilen und das Leben, das Gott ihnen geschenkt hat, zu schützen.

Wie Papst Johannes Paul II. bekräftigte, setzt sich heutzutage „… im Bereich der wissenschaftlichen Forschung eine positivistische Denkweise durch, die sich nicht nur von jedem Bezug zur christlichen Weltanschauung entfernt, sondern auch und vor allem jeden Hinweis auf die metaphysische und moralische Sicht fallen gelassen hatte. Die Folge davon ist, daß bestimmte Wissenschaftler, die keinen sittlichen Anhaltspunkt haben, Gefahr laufen, daß nicht mehr der Mensch und die Ganzheit seines Lebens im Mittelpunkt ihres Interesses steht“ (Enzyklika Fides et Ratio Nr. 46).

Ende 1912 beschloss die diktatorische Regierung von General Juan Vicente Gómez die Schließung der Universität, die sich als dem Regime gegenüber feindlich erwiesen hatte. 1914 und 1915 hielt Dr. Hernández daher auf privater Basis medizinische Vorlesungen im Colegio Villavicencio. In seiner Freizeit arbeitete er in einer privaten Arztpraxis und unterhieltin seinem Haus ein Sprechzimmer. Als zwischen 1915 und 1917 die Universität wiedereröffnet wurde, war er an der Wiederherstellung der medizinischen Ausbildung beteiligt. 1917 unternahm er wieder eine wissenschaftliche Reise in die Vereinigten Staaten und anschließend nach Madrid. Nach seiner Rückkehr im darauffolgenden Jahr war er der Erste, der seine Studenten das Messen des Blutdrucks lehrte. Im Januar 1918 beendete er seine universitäre Lehrtätigkeit, nahm aber als einfacher Arzt seinen Dienst während der Pandemie der Spanischen Grippe von 1918–1919 wieder auf. Weiterhin betreut er auch unentgeltlich die Armen, indem er ihnen falls nötig, selbst die erforderlichen Medikamente besorgte.

Bei der Generalaudienz am 13. September 2023 bekräftigte Papst Franziskus: „José Gregorio war ein demütiger Mann, ein freundlicher und hilfsbereiter Mann. Und gleichzeitig war er bewegt von einem inneren Feuer, von dem Wunsch, im Dienst Gottes und des Nächsten zu leben. Von dieser Leidenschaft angespornt, versuchte er mehrmals, Ordensmann und Priester zu werden, aber verschiedene gesundheitliche Probleme hinderten ihn daran. Die physische Schwäche brachte ihn jedoch nicht dazu, sich in sich selbst zu verschließen, sondern ein Arzt zu werden, der noch einfühlsamer ist gegenüber den Nöten anderer; er hielt an der göttllichen Vorsehung fest, und im Herzen geformt, richtete er den Blick auf das das Wesentliche. Das ist der apostolische Eifer: Er folgt nicht den eigenen Bestrebungen, sondern der Fügsamkeit gegen-über den Plänen Gottes. Und so verstand der Selige, dass er durch die Behandlung der Kranken den Willen Gottes in die Tat umsetzen sollte, indem er den Leidenden zu Hilfe kam, den Armen Hoffnung schenkte, den Glauben nicht mit Worten, sondern mit dem Vorbild bezeugte. So gelangte er – auf diesem inneren Weg – dahin, die Medizin als ein Priestertum anzunehmen.“

Im Auftrag Jesu Christi, der sich für alle in der heiligen Messe auf dem Altar opfert, fühlte sich José Gregorio, als der ersten Weltkrieg ausbrach, dazu berufen, sein Leben für den Frieden aufzuopfern. Am 29. Juni 1919 besuchte ihn ein Freund und traf ihn sehr glücklich an. José Gregorio hatte von der Unterzeichnung des Friedensvertrages erfahren. Er dachte, dass sein Opfer angenommen und sein Lebenswerk nun zu Ende wäre. An diesem Morgen besuchte er wie üblich die heilige Messe und ging danach in eine Apotheke, um für einen Kranken Medikamente zu kaufen. Beim Überqueren der Straße wurde er von einem Fahrzeug angefahren. Im Krankenhaus empfing er die Krankensalbung und starb 54jährig mit den Worten: „Oh heilige Jungfrau!“ Während er die Sterbesakramente empfing, betete die Selige Mutter Candelaria von St. Joseph, eine Ordensgründerin, die im selben Krankenhaus lag und von seinem Unfall erfahren hatte, für ihn. Seine irdische Reise endete, indem er ein Werk der Barmherzigkeit verrichtete und in einem Krankenhaus, wo er aus seiner Arbeit als Arzt ein Meisterwerk an Kompetenz und Nächstenliebe gemacht hatte.

Polarstern

Papst Franziskus sagte: „Tatsächlich war die Liebe der Polarstern, der das Dasein des seligen José Gregorio gelenkt hat: Er war ein guter und heiterer Mensch, mit freundlichem Charakter, er war mit einer herausragenden Intelligenz begabt; er wurde Arzt, Universitätsprofessor und Wissenschaftler. Vor allem aber war er ein Arzt, der den Schwächeren nahestand, so dass er in seinem Vaterland als der Arzt der Armen bekannt ist. Er kümmerte sich um die Armen, immer. Dem Reichtum des Geldes zog er jenen des Evangeliums vor und widmete sein Leben der Unterstützung der Notleidenden. In den Armen, in den Kranken, in den Migranten, in den Leidenden sah José Gregorio Jesus. Und den Erfolg, nach dem er in der Welt nie gestrebt hat, bekam er, und er bekommt ihn noch immer, von den Menschen, die ihn als ,Heiligen des Volkes‘, ,Apostel der Nächstenliebe‘, ,Missionar der Hoffnung‘ bezeichnen“ ( 13. September 2023).

Möge uns derselige José Gregoriolehren, alle Tätigkeiten in unserem Leben im Licht des Evangeliums zu verrichten. So kann unser Nächster das Wirken Gottes in den Ereignissen erkennen und zur Erkenntnis Christi, des einzigen Retters gelangen. „Möge der Sitz der Weisheit der sichere Hafen für alle sein, die ihr Leben zur Suche nach der Weisheit machen!“ (Hl. Johannes Paul II., Fides et Ratio, Nr. 108).

Seliger Clemens-August von Galen

Selige Conchita Cabrera de Armida

Heiliger Jacques Berthieu

Ehrwürdiger Frater Ave Maria