10. Juni 2025
Heiliger Jacques Berthieu
Liebe, verehrte Freunde,
„Praedicate Evangelium! (Verkündet das Evangelium): Das ist die Aufgabe, die der Herr seinen Jüngern anvertraut hat. Dieser Auftrag macht vorrangig den Dienst aus, den die Kirche jedem Menschen und der ganzen Menschheit von heute erweisen kann … Die Kirche selbst wird umso strahlender, wenn sie den Menschen die übernatürliche Gabe des Glaubens bringt, Licht auf dem Pfad, das uns den Weg weist in der Zeit“ (Papst Franziskus, Konstitution Prædicate Evangelium, 19. März 2022, Nr. 1-2). Viele Heilige haben sich gänzlich der Erfüllung dieser Mission der Kirche zur Evangelisierung der heidnischen Völker gewidmet. Der heilige Jacques Berthieu vollbrachte dies im 19. Jahrhundert in Madagaskar.
Jacques Berthieu wurde am 27. November 1838 in Polminhac in der französischen Auvergne geboren und am selben Tag getauft. Seine Eltern, Pierre und Catherine, waren Bauern auf einem Familiengrundstück. Jacques war das älteste von sieben Kindern einer zutiefst christlichen Familie. Das Abendgebet wurde gemeinsam verrichtet und die Sonntagsmesse regelmäßig besucht. Ein vorbeikommender Bettler erhielt stets Suppe, Brot und für die Nacht Stroh aus der Scheune. Pierre Berthieu starb plötzlich im Jahr 1865. Jacques, der in Aurillac von den „Brüdern der christlichen Schulen“ unterrichtet wurde, empfing im Alter von zwölf Jahren die Erstkommunion, und damit begann seine Berufung aufzublühen. Mit fünfzehn Jahren trat er in das Knabenseminar von Saint-Flour ein und wurde sechs Jahre später ins Priesterseminar aufgenommen, wo er am 21. Mai 1864 zum Priester geweiht wurde.
Danach ernannte man ihn zum Vikar von Roannes-Saint-Mary in der Nähe von Aurillac, einer Gemeinde mit 800 Gläubigen, in dessen Dienst er bis 1873 blieb. Jacques Freundlichkeit und Großzügigkeit sprachen sich schnell herum. Eines Tages bat er seine Mutter, ihm etwas zu stricken. Sie antwortete: „Aber es ist doch noch gar nicht lange her, dass ich dir etwas gegeben habe!“ „Das stimmt“, antwortete der Priester „aber ich habe jemanden getroffen, der es nötiger hatte als ich.“ Schon seit langem spürte Jacques den Ruf des Herrn zu einem geweihten Leben. 1873 pilgerte er nach Lourdes, wo seine Entscheidung vor der Grotte fiel: Am 31. Oktober trat er ins Noviziat der Gesellschaft Jesu in Pau ein. Einer seiner Mitbrüder beschrieb ihn folgendermaßen: „Ein sanfter Blick, der von zwei Augen ausgeht, in denen Seelenfrieden herrscht. Eine Gestalt wie ein Landpfarrer, dem es jedoch weder an Feingefühl noch an Herzensbildungmangelt mit einer Ausstrahlung von Offenheit und Freundlichkeit.“ Im Jahr 1874 trat auch Gabriel, Jacques Bruder ins Noviziat der Jesuiten ein: „Es war eine der größten Freuden meines Lebens“, gestand sein älterer Bruder. Letzterer wurde nach Vals in der Nähe von Puy-en-Velay geschickt, um dort sein theologisches Studium fortzusetzen. Dort lebte Pater Ramière, ein glühender Verehrer des Heiligsten Herzens Jesu. Durch diese Prägung weihte sich Jacques in Paray-le-Monial dem Heiligsten Herzen Jesu, bevor er nach Madagaskar aufbrach. Dort wurde er unter den madagassischen Christen zum Apostel dieser Andachtsform, denn tatsächlich schickten seine Vorgesetzten Pater Jacques nach Madagaskar. Die Mission der Jesuiten der Provinz Toulouse bestand seit vierzehn Jahren auf dieser riesigen Insel. Am 26. September 1875 verließ der neue Missionar den Hafen von Marseille. Die Reise war beschwerlich, da der Pater oft seekrank war. Nach einem Monat kam er in Saint-Denis auf der Insel La Réunion an und wurde sogleich auf die Insel Sainte-Marie (heute: „Abraham-Insel“) geschickt, eine französische Kolonie ganz in der Nähe von Madagaskar mit 8000 Einwohnern. Dort lernte er die madagassische Sprache und bildete mit zwei anderen Jesuitenpatres und den Schwestern des „Heiligen Josef von Cluny“ eine lebendige Missionsgemeinschaft. Die von der Heiligen Anne-Marie Javouhey gegründete Kongregation unterstützte die Missionare: Die Schwestern unterrichteten die Mädchen und halfen in vielerlei Hinsicht. Als Pater Jacques 1876 zum Oberen der Mission ernannt wurde, profitierte er von der Hilfe eines kreolischen Novizen, Bruder Darbould, den er sehr schätzte: Vor allem unterrichtete er die Kinder im Katechismus.
Die vom Herrn empfangene Mission
„Die Mission ist ein unermüdliches Hinausgehen zu allen Menschen, um sie zur Begegnung und zur Gemeinschaft mit Gott einzuladen … So ging Jesus Christus, der gute Hirte und Abgesandte des Vaters, auf die Suche nach den verlorenen Schafen … Deshalb wird die Kirche weiterhin über alle Grenzen gehen, immer wieder hinausgehen, ohne müde zu werden oder angesichts von Schwierigkeiten und Hindernissen den Mut zu verlieren, um die vom Herrn empfangene Sendung treu zu erfüllen (Papst Franziskus, 20. Oktober 2024). Diese Worte spiegeln jene des hl. Johannes Paul II. wider: „Wenn wir zu den Ursprüngen der Kirche zurückgehen, so finden wir dort die klare Aussage, daß Christus der alleinige Erlöser von allen ist, jener, der allein in der Lage ist, Gott zu offenbaren und zu ihm zu führen vermag. Den jüdischen religiösen Behörden, die die Apostel wegen der durch Petrus gewirkten Heilung am Gelähmten befragen, erwidert dieser: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat, steht dieser Mann gesund vor euch … In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen (Apg 4, 10.12 ). Diese Aussage hat universale Bedeutung, weil für alle – Juden wie Heiden – das Heil nur von Jesus Christus kommen kann (Enzyklika Redemptoris Missio, 7. Dezember 1990, Nr. 5).
Im Jahr 1878 musste sich der Pater wegen Fiebers im Militärkrankenhaus in Saint-Denis auf der Insel La Réunion behandeln lassen. Er blieb fünf Monate dort und kehrte dann zu seiner Missionsstation zurück. Als er die Sprache ausreichend beherrschte, begann er zu predigen. Er musste jedoch feststellen, dass die Eingeborenen, selbst die Getauften, noch nicht tief genug christianisiert waren. Auch missbilligte er die zügellose Moral, doch Dank seines Apostolates wurden viele Ehen legalisiert. Er kümmerte sich auch um Waisenkinder und sammelte dafür Geld von seiner Familie in der Auvergne. Die Evangelisierung erfolgte hauptsächlich über die Schulen, die 200 Jungen und Mädchen besuchten. Ihnen wurden Lesen, Schreiben, die Grundrechenarten und der Katechismus beigebracht aber auch die Grundlagen der Landwirtschaft und für die Mädchen das Nähen. Bruder Darbould bezeugte, wie es Pater Jacques gelang, für alle ein wahrer Vater zu sein: „Keine groben Worte, keine Wutausbrüche; er hatte sich stets unter Kontrolle, hörte sich Klagen und Streitigkeiten an und sprach dann über Gott und über die Beleidigung durch die Sünde. Er löste Schwierigkeiten und versöhnte Gegner. Entgegen den damals unter Europäern üblichen Gepflogenheiten behandelte er die Madagassen mit ebenso viel Ehrerbietung wie die Franzosen.“
Das Herzstück
Im März 1880 erließ die französische Regierung antikirchliche Dekrete, die nicht autorisierten Personen des kirchlichen Lebens den Aufenthalt auf französischem Territorium untersagten. Anfang Oktober 1881 verließen daher die Jesuiten Sainte-Marie und gingen auf die damals unabhängige Insel Madagaskar. In Tananarivo, der Hauptstadt, wurde dem Pater sein Bestimmungsort mitgeteilt: Ambohimandroso, eine Missionsstation, die mehr als 500 Kilometer südlich der Hauptstadt lag und unter der Leitung von Pater Fabre, einem erfahrenen Missionar stand. Dieser Missionsort war weniger als zehn Jahre alt und umfasste 25 Buschstationen und 21 Schulen mit 600 Schülern. Die Einheimischen waren völlige Analphabeten, hingen sehr am Ahnenkult und hatten eine besondere Sprache. Darüber hinaus waren die Patres einer gewissen Konkurrenz durch protestantische, vor allem englische Missionare ausgesetzt. Auch Königin Ranavalomanjaka und ihre wichtigsten Höflinge wurden für den Protestantismus gewonnen. Pater Berthieu schloss diese Völker ins Herz und eignete sich ihre Sprache schnell an. Er musste sich in großer Geduld üben: „Es ist das Herzstück allen Apostolates“, schrieb er. „Das ist der Missionar: für jeden alles zu werden, innerlich und äußerlich; sich um alles zu kümmern, um Menschen, Tiere und Dinge, und all dies letztendlich, um Seelen mit einem großen und großzügigen Herzen zu gewinnen.“ Ende Mai 1882 ging der Pater auf Bitten seiner Vorgesetzten nach Mananjary, einem kleinen Hafen an der Ostküste. Zu Fronleichnam versammelte er die rund tausend Gläubigen aus der gesamten Region. Die gut vorbereitete Prozession mit reich geschmückten Altären war ein großer Erfolg. Sogar Protestanten kamen, um das „Wandergebet“ zu sehen.
1883 begann der Franco-Hova-Krieg (die Hova sind die dominierende ethnische Gruppe auf der Insel Madagaskar, zu der auch die Königin gehörte). Die Hova-Regierung hatte eine Gesetzeslücke ausgenutzt, um die Nachkommen französischer Eigentümer zu enterben. Die mit Frankreich begonnen Verhandlungen wurden immer schwieriger. Im Mai wurden alle Franzosen von der Insel vertrieben, und so musste Pater Berthieu innerhalb von 48 Stunden zu Fuß zur Küste aufbrechen. Bei seiner Ankunft in Toamasina traf er seine Mitbrüder aus Tananarivo und Pater Cazet, den apostolischen Präfekten. In der von den Franzosen besetzten, aber belagerten Stadt nutzte der Pater seine landwirtschaftlichen Fähigkeiten und legt einen Gemüsegarten an. Seine auvergnerische Hartnäckigkeit ermöglichte es ihm, Gemüse anzubauen, von dem die Einheimischen dachten, es könne hier nicht wachsen. Im Jahr 1885 bewarb sich Pater Jacques als freiwilliger Militärseelsorger, ein Dienst, der ihm die Möglichkeit bot, wieder ins Innere des Landes vorzudringen. Der Pater wurde in die von französischen Truppen kontrollierte Gegend von Vohémar (Vohimarina) an der Nordostküste geschickt. Er ließ sich zunächst in Ambanio nieder, traf auf neue madagassische Stämme, die ebenso den Lastern verfallen waren wie die vorherigen. Er richtete eine Missionsstation ein und kümmerte sich besonders um schwerkranke Soldaten.
Nachdem er im April 1885 schließlich in Vohémar ankam, baute er dort eine Kirche. Ein Zeugnis aus dieser Zeit bestätigte, dass er „außerordentlich freundlich“ war. Diese Eigenschaft erleichterte ein gutes Verhältnis zur Ortsverwaltung und der Oberschwester des Krankenhauses. Beide waren Protestanten, halfen ihm jedoch sehr. Viele Militärangehörige verehrten den Pater, die französischen Siedler und die Mehrheit der Einheimischen bereiteten ihm jedoch nur wenig Freude. Er verschwieg die Ansprüche des christlichen Lebens nicht, angefangen bei der Einheit und Unauflöslichkeit der monogamen und sakramental bestätigten Ehe. Indem er die Ungerechtigkeit der damals weit verbreiteten Polygamie anprangerte, machte er sich Feinde. Er richtete kostenlose Schulklassen für Jungen und Mädchen ein, was jedoch auf große Schwierigkeiten stieß: Jede moralische Vorhaltung, die er an die Eltern richtete, verletzte deren Empfindlichkeit. Er schrieb: „Gott weiß, dass ich den Boden meines Vaterlandes und die sanfte Erde der Auvergne geliebt habe und immer noch liebe. Und doch schenkt mir Gott die Gnade, die unbebauten Felder Madagaskars noch viel mehr zu lieben, wo ich nur (und sehr mühsam) mit der Angel ein paar Seelen für unseren Herrn fischen kann. Die Mission macht Fortschritte, auch wenn die Früchte noch Hoffnung sind. Aber das macht nichts, solange wir gute Sämänner sind: Gott wird sie zu seiner Zeit wachsen lassen.“
Der Vater und die Mutter
Am 17. Dezember 1885 wurde schließlich ein Friedensvertrag zwischen Frankreich und der Regierung Madagaskars unterzeichnet. Pater Berthieu musste daraufhin nach Diego-Suarez (weit im Norden der Insel) reisen, um einen erkrankten Mitbruder zu vertreten. In Diego-Suarez besucht er Kranke, insbesondere französische Militärangehörige. Im allgemeinen wurde er gut aufgenommen aber nach drei Wochen musste P. Jacques bereits wieder weiterziehen. Als er durch Sainte-Marie kam, stellte er fest, dass die von ihm gegründete Gemeinde seit seiner Abreise sehr gelitten hatte. Doch in Tananarivo, wo er am 5. Juni 1886 ankam, blieben die katholischen Pfarreien während der Abwesenheit der Patres in gutem Zustand, vor allem Dank des Einsatzes einiger madagassischer Laien, insbesondere der Schwiegertochter des ehemaligen Premierministers, der seligen Victoire Rasoamanarivo. Im Juli zog der Pater nach Ambositra, einer großen Stadt etwa 200 Kilometer südlich der Hauptstadt. Dieser Posten war drei Jahre zuvor aufgrund des Krieges von den Missionaren geräumt worden. Obwohl ihnen die Priester fehlten, lebten die Christen trotz der Feindseligkeit des Gouverneurs, eines protestantischen Predigers und der meisten Zivilbehörden ihren Glauben weiter. Pater Berthieus Freundlichkeit und Diplomatie erleichtern die Beziehungen zum Gouverneur, der seine Untertanen rücksichtslos regierte. Er eröffnete neue Missionsstellen. Ab 1891 wurde Fronleichnam mit einer prächtigen Prozession begangen, was bei den Madagassen große Freude hervorrief. Einer der größten Kummer des Paters war die geringe Zahl seiner Mitarbeiter. Meistens war er allein mit einem Bruder als Koadjutor, manchmal kam ein Mitbruder dazu. Und dennoch: „Die Ernte ist reif! Wenn die Arbeit erdrückend ist, tut man nur das, was man tun kann.“ Er wurde den Madagassen ein Madagasse; so aß er sogar zu seinem Morgenkaffee kalten Reis. Er war der erste Winzer, der eine gegen die Reblaus resistente amerikanische Rebe verwendete, noch bevor diese in Frankreich eingeführt worden war. Vor allem aber wurde er von allen als „der Vater und die Mutter“ angesehen.
„Ebenso muss die Mission, das Evangelium allen Geschöpfen zu überbringen, notwendigerweise der Art und Weise dessen entsprechen, der da verkündet wird. Wenn die missionarischen Jünger der Welt die Schönheit der heilbringenden Liebe Gottes, die sich im gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus offenbart hat, verkünden, so tun sie dies mit der Frucht des Heiligen Geistes: mit Freude, Langmut, Freundlichkeit“ (Papst Franziskus, ebd.).
Ein kostbares Buch: der Katechismus
Im November 1891 wurde Pater Jacques in eine Mission etwa Kilometer nördlich von Tananarivo nach Andrainarivo versetzt. Das örtliche Christentum bestand seit 1869 und zwar ursprünglich nur aus frommen Laien.Der Missionar musste sich an eine neue Sprache und ein neues Volk anpassen und war der einzige Priester für achtzehn Pfarrstellen. Dem Religionsunterricht räumt er Priorität ein. Als unermüdlicher Katechet wollte er „viele, viele unterweisen!“ Als ein junger Lehrer sah, dass er mit seinem aufgeschlagenen Katechismus vor Augen auf einem Pferd ritt, fragte er ihn: „Vater, warum studieren sie noch immer den Katechismus?“ „Mein Kind, der Katechismus ist ein Buch, das man nicht gründlich genug studieren kann, weil es die gesamte katholische Lehre enthält.“ Auch für die Kranken zeigte der Pater großen Eifer: „Ob ich esse oder schlafe, schämt euch nicht, mich zu rufen!“ Südlich des Dorfes lebten zwei aussätzige Frauen, die er mit Essen und Kleidung versorgte, sie unterrichtete, im Katechismus unterwies und sie schließlich taufte.
Im Oktober 1894 brach der Konflikt mit Frankreich erneut aus und die Missionare mussten das Land verlassen. Der Pater wurde auf die Insel Sainte-Marie, seine erste Missionsstation geschickt, danach nach La Réunion. Doch am 1. Oktober 1895 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der das französische Protektorat über Madagaskar begründete. Der Pater kehrte nach Andrainarivo zurück. Im Jahr 1896 geriet er in einen politisch-religiösen Aufstand der Menalamba-Bewegung (derjenigen, die „Lamba“ oder rote Togen tragen), einer entschiedenen Gegnerin des Christentums jeglicher Konfession und der französischen Macht; es ging ihr vor allem um die Wiederherstellung des Ahnenfetischismus. Pater Berthieu und die christlichen Dörfer waren direkt betroffen. Viele Kirchen wurden niedergebrannt. Pater Jacques versuchte, die Christen unter den Schutz der französischen Truppen zu stellen und wollte so viel wie möglich in ihrer Mitte bleiben, um sie zu ermutigen. Doch seine Gesundheit litt unter den Spannungen, und so musste er Ostern im Bett in Tananarivo verbringen. In einem seiner letzten Briefe schrieb er: „Lasst uns hart arbeiten und leiden, um zu gewinnen … und vor allem den Himmel!“
Beten bis zum Tod
Sobald es ihm möglich war, besuchte Pater Jacques die ihm anvertrauten Christen in Andainarivo. In diesem aufständischen Gebiet waren die Gläubigen – hunderte von Menschen, darunter Behinderte und Verwundete, gezwungen, von Dorf zu Dorf zu ziehen. Der Missionar war bestrebt, insbesondere den am stärksten Betroffenen zu helfen. Als er am 7. Juni 1896 von den Menalamba-Rebellen aufgespürt wurde, suchte er Zuflucht im Dorf Ambohibemasoandro. Obwohl das Dorf überwiegend protestantisch war, hieß man ihn willkommen. Er konnte sogar am Morgen des 8. Juni die Messe feiern und sich dann im Haus eines Protestanten verstecken. Am Nachmittag fanden ihn die Rebellen, ergriffen ihn und rissen ihm die Soutane vom Leib. Einer von ihnen entriss ihm das Kruzifix mit den Worten: „Ist das dein Amulett? Führst du die Leute damit in die Irre? Wirst du noch lange weiter beten?“ „Ich muss beten, bis ich sterbe“, antwortet er. Einer der Angreifer schlug ihm mit einer Machete auf die Stirn. Er blutete stark, aber die Wunde war nicht tief. Die Menalamba nahmen ihn mit. In einiger Entfernung näherte sich ein Schützling dem Pater. Dieser, dem das Seelenheil stets am Herzen lag, fragte ihn: „Hast du die Taufe empfangen, mein Kind?“ „Nein“, antwortete er. Dann holte der Pater aus seiner Tasche ein Kreuz und zwei Medaillen hervor, gab sie ihm mit den Worten: „Bete jeden Tag deines Lebens zu Jesus Christus! Wir werden uns nicht wiedersehen, vergiss diesen Tag nicht, lerne die christliche Religion und bitte um die Taufe, wenn du einen Priester siehst!“ Als glühender Verehrer der Jungfrau Maria und dessen Lieblingsgebet der Rosenkranz war, betete der Missionar das Ave Maria. In der Nähe von Ambiatibe, einem Dorf 40 Kilometer nördlich von Tananarivo, wurde der Beschluss gefasst, ihn zu töten. Jacques Berthieu kniete nieder. Einer der Anführer näherte sich ihm: „Schwöre deiner abscheulichen Religion ab, führe die Menschen nicht länger in die Irre! Wir werden dich zu unserem Berater und Anführer machen und dich verschonen.“ „Ich kann dem nicht zustimmen, ich ziehe den Tod vor“, erwiderte der Pater. Nach dem dritten Gewehrschuss wurde er schwer verwundet; ein letzter Schuss aus unmittelbarer Nähe tötete ihn schließlich. Sein Körper wurde in den Fluss geworfen. Unter dem Eindruck seines Todes bekannten sich mehrere seiner Mörder zur Botschaft des Evangeliums und empfingen die Taufe.
Jacques Berthieu wurde 1965 von Papst Paul VI. seliggesprochen und war der erste Märtyrer Madagaskars. Papst Benedikt XVI. sprach ihn am 21. Oktober 2012 heilig. Die Kirche feiert seinen Feiertag am 8. Juni. Bitten wir den heiligen Josef, den dieser Missionar besonders verehrte, uns im Glauben und in der Erkenntnis Jesu Christi, für den wir mit unserem ganzen Leben Zeugnis ablegen müssen, zu stärken.









