Heilige Jeanne de Lestonnac

19. August 2025

Heilige Jeanne de Lestonnac

Liebe, verehrte Freunde,

Die heilige Jeanne de Lestonnac hat „die Bedeutung der intellektuellen, natürlichen und übernatürlichen Erziehung der Frau im Hinblick auf ihre Rolle in der Gesellschaft während des gewöhnlichen Lebens wie auch unter den Kämpfen der Kirchehervorgehoben“, sagte Papst Pius XII. am 17. Mai 1949 anlässlich der Heiligsprechung dieser Ordensfrau. Er betonte: „Ihre Zeit ist eine Zeit tiefer Zerrissenheit, von Ruinen und gigantischen Bauten, von Apostasien und wundersamen Bekehrungen, eine Zeit gewaltiger Irrlehren und erhabener Heiligkeit.“

Heilige Jeanne de LestonnacJeanne de Lestonnac wurde am 27.Dezember 1556 in Bordeaux als Tochter von Richard de Lestonnac, einem dem katholischen Glauben sehr verbundenen Beamten und Jeanne Eyquem de Montaigne, einer glühenden Calvinistin und Schwester des Philosophen, Michel de Montaigne (1533-1592), geboren und verbrachte ihre Kindheit in einem gastfreundlichen und unkomplizierten Haus. Jeannes Mutter erhielt eine sorgfältige Erziehung. Unter dem Einfluss „reformierter“ Cousins war sie zum Protestantismus übergetreten aber ihr Bruder Michel blieb Katholik. In Bordeaux, wo Anhänger beider Konfessionen aufeinandertrafen, kam es häufig zu Blutvergießen und Mord. Jeannes Mutter versuchte, ihre Tochter vom römischen Glauben abzubringen, und gab ihr eine calvinistische Lehrerin, aber ohne Erfolg. Jeanne ließ sich jedoch nicht zu schlechten Gefühlen ihrer Mutter gegenüber hinreißen und blieb ihr dankbar. Mit der Unterstützung des Herrn bewahrte sie sorgfältig die Reinheit ihres Glaubens, gestützt auf die Frömmigkeit ihres Vaters und den Eifer ihres Onkels Michel. Papst Pius XII. sagte: „Man stelle sich, wenn man kann, die tragische innere Spaltung dieses Hauses vor: Eine Barriere trennt die Familie in zwei Lager. Und doch schien alles, die Gaben des Geistes und des Herzens, die menschlichen Tugenden, die Harmonie der Charaktere, alles aus diesem Haus einen idealen Ort des Friedens und der Freude zu machen. Alles, ja, bis auf eine Sache: die Einheit im wahren Glauben“ (ebd.).

In der Erklärung Dominus Jesus vom 6. August 2000, die vom heiligen Papst Johannes Paul II. approbiert wurde, erinnert die Kongregation für die Glaubenslehre daran: „In Verbindung mit der Einzigkeit und der Universalität der Heilsmittlerschaft Jesu Christi muss die Einzigkeit der von ihm gestifteten Kirche als Wahrheit des katholischen Glaubens fest geglaubt werden. Wie es nur einen einzigen Christus gibt, so gibt es nur einen einzigen Leib Christi, eine einzige Braut Christi: die eine alleinige katholische und apostolische Kirche … Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht (subsistit in) in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird“ (Dominus Jesus Nr. 16).

Jeannes zwei Schwestern und ihre drei Brüder bekannten sich zum katholischen Glauben. Nach einem langen Aufenthalt bei protestantischen Freunden kehrte die zwölfjährige Jeanne mit Freude zum katholischen Gottesdienst zurück, und die Zweifel, die sie kurzzeitig befallen hatten, verschwanden. Sie ging zum ersten Mal zur Kommunion. Von nun an nahm Jesus mehr und mehr den ersten Platz in ihrem Herzen ein. Die Wirren der Welt und die Zusammenstöße in der Familie zermürbten das Mädchen, aber sie blieb ruhig, weil der Geist des Gebets in ihr den Geist des Glaubens krönte. Michel de Montaigne bewunderte seine Nichte: „Sehr fromm, fröhlich, intelligent und schön, die Natur hatte sie zu einem Meisterwerk gemacht, um eine so schöne Seele mit einem so schönen Körper zu verbinden und eine Prinzessin in einem herrlichen Palast unterzubringen.“ 1573 stellen ihre Eltern Jeanne den Baron Gaston de Montferrant-Landiras aus einer berühmten Familie vor. Die Hochzeit fand am 29. November statt. Die siebzehnjährige Ehefrau wurde bei den gesellschaftlichen Zusammenkünften ihrer Mutter in den Vordergrund gestellt. Sie erkannte jedoch den falschen Glanz der ihr zuteil gewordenen Ehren und blieb im Hintergrund. Aus der Verbindung gingen sieben Kinder hervor, von denen die ersten beiden im Kindesalter starben. Jeanne erzog ihre Kinder selbst, weckte ihren Geist und erleuchtete ihre Seelen.

„Jeanne verstand, dass das Leben und die Einheit von Geist und Herz im familiären Leben wiederhergestellt werden musste, koste es, was es wolle, aber dass diese Wiederherstellung nur in der Einheit des Glaubens an Gott und im Gehorsam gegenüber der römischen Kirche, der einzigen und unsterblichen Braut Christi, erreichbar war. Ihre Mission ist heute von ergreifender Aktualität“ (Pius XII., ebd.). Jeanne wachte auch über ihre Bediensteten und deren landwirtschaftliche Arbeit. Sie kümmerte sich um die einfachen Leute, und so wurde sie die „gute Frau“ genannt. „Es bedeutet, Gott einen großen Dienst zu erweisen“, sagte sie später zu ihren Nonnen, „wenn wir alles, was er von uns verlangt, pünktlich und zur rechten Zeit erledigen.“ Als Bordeaux 1585 von der Pest heimgesucht wurde, verließ Jeanne ihr Schloss und kümmerte sich um die Kranken, wobei sie sich weniger um die Krankheit des Körpers als vielmehr den Aussatz der Seele – die Sünde – sorgte.

Schmieden ihrer Seele

1597 verlor Jeanne ihren Mann nach einer kurzen Krankheit und einige Wochen später ihren ältesten Sohn. Sie war 41 Jahre alt; zwei ihrer Töchter sollten bald als Nonnen bei den Annunziaten eintreten, und ihr anderer Sohn heiratete. Von Jeanne war bald nur noch ihre jüngste Tochter, Jeannette, übrig. Wie damals üblich, nahm Jeanne ihren Mädchennamen wieder an und nannte sich nun Mme. de Lestonnac. Sie widmete jeden Tag zwei Stunden dem Gebet und teilte den Rest der Zeit zwischen ihren Pflichten als Mutter und Werken der Wohltätigkeit auf. Jedem Leidenden brachte sie Hoffnung, indem sie das Elend des Körpers ebenso wie das der Seele heilte. Sie blieb jedoch innerlich unruhig und dachte darüber nach, ihren alten Wunsch nach dem Ordensstand zu verwirklichen. „Die Lebenserfahrung, die sie in diesem Jahrhundert machen musste, hat ihre Seele geschmiedet, ihre Erfahrung erweitert und gereift“, sagte Pius XII. später. „Der Ruf Gottes wurde erneut laut, klar und befehlend: Sie sollte sich jetzt in die Einsamkeit des Klosters zurückziehen, um dort durch Gebet und Leiden Seelen zu retten, besser als sie es durch ihre Beziehungen und ihren direkten Einfluss hätte tun können“ (ebd.).

Jeanne besuchte oft die Kirche Les Feuillants, die von Bernhardinermönchen betreut wurde.Bei einemTreffen mit deren Provinzial öffnete sie ihm ihre Seele. Angesichts der Tiefe und Festigkeit des geistlichen Lebens der jungen Witwe leitete er sie an den weiblichen Zweig seines Ordens in Toulouse weiter. Jeanne fühlte sich von dieser strengen Gemeinschaft angezogen. Erst kurz vor ihrer Abreise im März 1603 teilte sie sich ihren Kindern mit, um den Schmerz eines längeren Abschieds zu vermeiden. Sie sagte zu ihrem Sohn: „Denke daran, dass Gott allein deine Hauptstütze sein soll. Sorge dafür, dass du seine Gnaden auf dich ziehst, indem du alle Pflichten eines Christen erfüllst. Ich empfehle deine jüngere Schwester deiner Freundschaft und Klugheit an. Ersetze ihr den Vater durch die Weisheit deiner Ratschläge. Adieu, mein Sohn, die Stimme des Himmels ruft mich in die Einsamkeit, und ich gehorche. Ich werde in der Zurückgezogenheit nicht aufhören, den Herrn zu bitten, euch beide mit seinen teuersten Segnungen zu erfüllen. Tröstet euch, ich verlasse euch nicht. Gott wird euer Vater sein, vertraut ihm!“

„Sei in meinem Herzen!“

Im Kloster nahm Jeanne die dort üblichen Gebräuche und Bußübungen großherzig an. Vier Monate später empfing sie mit tiefer Freude das Novizenhabit und den Namen Schwester Jeanne de Saint-Bernard. Gott schenkte ihr viel Trost. Dennoch gelang es ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht, sich einzugewöhnen. Jeanne flehte darum, dass man sie trotzdem behielt – lieber wollte sie im Kloster sterben. Schließlich ging die Mutter Oberin in die Krankenstation und hielt ihr das Kruzifix vor:„Sie müssen sich fügen, Gott will sie nicht hier haben.“ Jeanne stürzte in eine geistliche Dunkelheit. Sie verbrachte ihre letzte Nacht im Kloster im Gebet: „Ich habe dich in meiner Jugend in den Wirren der Ketzerei nicht treffen können“, sagte sie zum Herrn, „ich konnte dich auch später im weltlichen Prunk nicht recht besitzen; welche Überraschung, welcher Kummer für mich, dich nicht einmal in der Einsamkeit zu finden. Sei wenigstens in meinem Herzen, du einziger und liebenswerter Gegenstand meiner Hoffnung, bleibe dort und lass deine Stimme dort hören. Und wenn ich dieses Haus verlasse, so soll ich dich nie verlassen!“ Sogleich wurde sie mit Tröstungen überschüttet. In einer Vision sah sie eine große Zahl von Seelen, die sich auf dem Abhang zur Hölle befanden und Gefahr liefen, dort hinabzusteigen, wenn ihnen nicht geholfen würde – sie musste ihnen die Hand reichen. So kam ihr der Gedanke, einen Frauenorden zu gründen, der sich unter dem Schutz und nach dem Vorbild der Gottesmutter um die Erziehung von Mädchen bemühte. Dieser Orden würde die Beleidigungen, die die Calvinisten der göttlichen Mutter zugefügt hatten, wiedergutmachen. Gott zeigte ihr die Form des Instituts, das sie gründen sollte: Jene, die die Strenge der alten Orden nicht zu ertragen imstande waren, konnten dort aufgenommen werden und unter einer Regel mit geringeren Anforderungen alle Mittel zur Vollkommenheit finden.

Am Morgen fand die Mutter Oberin zu ihrer Überraschung Schwester Jeanne de Saint-Bernard aufgerichtet und lächelnd vor. „Sie war bereit, an dem großen Werk zu arbeiten: der Welt Frauen zu geben, die ihren Platz in ihr einzunehmen wissen, einen Platz als Kämpferinnen für die Erhaltung des Glaubens und der Treue zu Gott und der Kirche in der Gesellschaft“ (Pius XII., ebd.). Ihre Rückkehr in die Welt stieß jedoch auf Unverständnis, und ihr Scheitern wurde auf ihre Vermessenheit zurückgeführt. Einige ihrer Kinder waren überglücklich, ihre Mutter wiederzusehen. Aber sie, die sich dem göttlichen Willen überlassen hatte, schwieg. Ihr Leben war nun von langen Zeiten des Gebets und zahlreichen Werken der Wohltätigkeit geprägt. 1604-1605 wurde die Stadt Bordeaux erneut von der Pest heimgesucht. Alle, die es sich leisten konnten, flohen. Jeanne blieb zurück, um die Kranken zu pflegen und die Toten zu begraben. Bald bildete sich um sie herum eine kleine Gruppe begeisterter junger Mädchen, die sie in tiefer Freundschaft begleiteten mit dem Wunsch, sich ganz Gott hinzugeben.

Eine doppelte Inspiration

Am 23. September 1605 feierten zwei Jesuiten, Pater de Bordes und Pater Raimond, zur gleichen Zeit die heilige Messe. Beide erhielten die Eingebung, ein Werk zur Erziehung von Mädchen zu gründen. Erstaunt über dieselbe Eingebung zur gleichen Zeit schlossen sie daraus, dass dieses Projekt von Gott kam. Sie wandten sich an die Baronin de Lestonnac: „Können wir auf Sie zählen?“ Sie antwortete: „Als Mitarbeiterin natürlich, aber nicht als Gründerin des Werkes!“ Einige Tage später, als Pater de Bordes die Messe feierte, sah er Jeanne in einer Vision. Nachdem er ihr diese beschrieben hatte, erkannte sie Gottes Willen und war bereit.

Sie rief die neun jungen Mädchen zusammen, die sie unterstützt hatten, und stellte ihnen das Projekt vor. Alle reagierten begeistert und nahmen an Exerzitien unter der Leitung von Pater de Bordes teil. Am 7. März 1606 legte Jeanne Kardinal de Sourdis, dem Erzbischof von Bordeaux, einen ersten Entwurf der Konstitutionen des künftigen Instituts vor. Am 25. März gab der Erzbischof seine Zustimmung; jene von Papst Paul V. folgte ein Jahr später. Der neue Orden, die „Töchter unserer Lieben Frau“, widmete sich ihr durch die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis. 1608 erhielt Jeanne ein Haus, und der Erzbischof errichtete den neuen Orden. Jeanne wurde indessen von einigen als wendehälsig, ehrgeizig und hochmütig verleumdet. Im neuen Haus war sie Lehrerin der Novizinnen. Trotz ihrer Vorliebe für körperliche Bußübungen, die sie intensiv praktizierte, lehrte sie die Vorrangigkeit tieferer Opfer: „Die körperlichen Opfer sind wenig, man muss ein vollkommeneres Opfer bringen: sich dazu entschließen, sich zu entäußern“.

Die Demut sollte Erkennungszeichen der Schwestern werden. Freitags spülte Jeanne selbst das Geschirr und samstags bediente sie die Mitschwestern am Tisch. Bald nahmen die Schwestern ihre ersten Schülerinnen auf. Diese Schule erschien von der Vorsehung gegründet, zumal die Calvinisten in Bordeaux mehrere Schulen eröffnet hatten. Der Unterricht war kostenlos, damit er nicht nur wohlhabenden Familien vorbehalten war. Die Schülerinnen lernten in vier Klassen Lesen, Schreiben, Grundrechenarten, Nähen usw. Die religiöse Bildung und Frömmigkeit sowie die Nächstenliebe hatten jedoch Vorrang. Trotz ihrer gesundheitlichen Probleme genoss es die Gründerin besonders, die Schülerinnen selbst zu unterrichten.

„Nicht alles ist hoffnungslos!“

Ab 1609 begünstigte die Zustimmung von König Heinrich IV. die Ausbreitung der neuen Kongregation. Wegen der großen Zahl der Schülerinnen in Bordeaux zog man im September 1610 in ein großes Gebäude um. Doch inzwischen hatte Kardinal de Sourdis seine Meinung geändert: Er wollte die Gemeinschaft auflösen und sie mit den Ursulinen, einem anderen Schulorden, vereinen, damit Jeanne diese wieder zur Einhaltung ihrer etwas vernachlässigten Regel zurückführen sollte. Die Gründerin war bestürzt und betete mit ihren Novizinnen: „Seid beruhigt, meine Schwestern“, sagte sie, „es ist nicht alles hoffnungslos. Wir haben bis jetzt keinen Erfolg gehabt, dem nicht ein Fehlschlag vorausgegangen wäre. Halten wir uns an Gott und halten wir fest zusammen, der Himmel wird den Rest tun!“ Tatsächlich bewirkte eine Intervention der Muttergottes beim Bischofeine völlige Umkehr, und am 8. Dezember nahm er die ersten Gelübde der zehn Novizinnen entgegen.

Neue Postulantinnen ermöglichten neue Gründungen. 1616 wurde in Béziers eine weitere Stiftung gegründet, die sich in der gesamten Region ausbreitete. Im Juli 1618 folgte Poitiers. 1620 gab es jedoch wieder einen Misserfolg in Toulouse. Die Gründerin durchlebte eine Zeit schmerzlicher Verwirrung, ohne dass ihr Gottvertrauen erschüttert wurde. Schließlich wurde in Agen eine Gründung vorgenommen, zu der sich zahlreiche Postulantinnen meldeten. Ihre beiden Töchter, die Ordensschwestern von L‘Annonciade, erlebten die Nachlässigkeit ihrer Kongregation und baten darum, in den Orden Notre-Dame überzutreten, wofür sie von Rom die Erlaubnis erhielten.

Unter dem Einfluss von Schwester Blanche Hervé, einer Schwester der ersten Stunde, die verbittert war, weil sie von der Gründerin keine verantwortungsvolle Position erhalten hatte, erteilte der Erzbischof von Bordeaux Mutter Jeanne 1621 eine heftige und ungerechtfertigte Rüge, die ihre Autorität und das Vertrauen der Schwestern untergrub. Am 23. März 1622 fand das Kapitel (Gemeinschaftsversammlung) statt, auf dem, wie alle drei Jahre, die Oberin gewählt wurde. Eine Gruppe junger Schwestern hatte sich gegen Jeanne gebildet, und Schwester Blanche Hervé wurde gewählt. Die sechsundsechzigjährige Gründerin erwies der neuen Oberin die Ehre und dankte dem Herrn dafür, dass er ihr die Last des Superiorats abgenommen hatte. Doch schon bald erniedrigte und beschimpfte die neue Oberin sie, untersagte ihr den Briefverkehr und verbot ihr sogar, mit ihren Mitschwestern zu sprechen. Sie ließ im Refektorium eine Liste mit den angeblichen Fehlern der Gründerin vorlesen, während diese in der Mitte des Saals kniete. Aber der Herr stand Mutter Jeanne bei. Unter der Demütigung bewahrt sie ein ruhiges Gesicht: „Eine Ordensfrau muss in den Leiden des Lebens einen anderen Mut haben als der gewöhnliche Christ“, sagte sie zu den Schwestern, die sie trösten wollten. „In dem Sieg, den man über sich selbst erringt, liegt der wesentliche Punkt der Vollkommenheit. Wir müssen unser ganzes Leben lang das Kreuz tragen“.

Der neuen Oberin fehlten jedoch die erforderlichen Fähigkeiten, und so kam es bald zu Unruhe und Nachlässigkeit in der Gemeinschaft. Die Gerüchte über diese Situation erreichten schließlich den Kardinal, der Mutter de Lestonnac, die er stets geachtet hatte, um einen Bericht bat. Sie schrieb ihn objektiv, ließ jedoch alles weg, was sie persönlich betraf. Das Schreiben wurde dem Beichtvater übergeben, der es Mutter Hervé vorlegte. Diese rief die gesamte Gemeinschaft zusammen und hielt der Gründerin eine heftige Strafpredigt, in der sie sie zwang, den Boden zu küssen. Sie sagte: „Wir werden ein päpstliches Breve erwirken, um Ihnen den Schleier abzunehmen, den zu tragen sie so wenig würdig sind. Und Sie werden nach Landiras zurückkehren, um die Schweine zu hüten!“ Unter mehreren Schwestern, die über diese Vorgehensweise empört waren, brach ein Aufruhrlos, den zu beruhigen sich die Gründerin energisch bemühte. Diese Situation dauerte fast drei Jahre. Am 26. Dezember 1624 wurde Mutter Hervé plötzlich von weihnachtlichen Gnaden erleuchtet und bat die Gründerin um Vergebung. Diese empfing sie mit offenen Armen. Auf dem Kapitel am 23. März überzeugte Mutter de Lestonnac die Schwestern, sie nicht zu wählen, und so fiel das Amt an Mutter Anne de Badiff. 1626 wurde die siebzigjährige Mutter Jeanne dazu bestimmt, in Pau, einer wichtigen Hochburg der Protestantismus in Frankreich, ein Kloster zu gründen. In einem Vorort der Stadt wurde eine Schule eröffnet, und Schüler strömten herbei. Die Mutter lehrte kleine Kinder das Alphabet und den Katechismus. Oft war sie mit einem Besen in der Hand anzutreffen. Selbsthochgestellte Damen und sogar Priester suchten sie auf. Im Jahr 1630 brach in Béarn eine Hungersnot aus. Mutter Jeanne verteilte großzügig Lebensmittel. Am Ende der Plage waren die Vorräte des Klosters überraschender Weise üppiger als zuvor. 1634 führte der Krieg mit Spanien dazu, dass das Haus in Pau geschlossen wurde, was Mutter Jeanne das Herz zerriß. Aber der Herr versprach ihr: „Meine Tochter, mit der Zeit wird man mir in diesem Haus mit großem Eifer dienen.“ Tatsächlich konnte die Schule im nächsten Jahr wiedereröffnet werden.

Würdig, zu Gott zu gehen

In Bordeaux musste die Gründerin oft das Bett hüten: „Ich habe immer noch ein schleichendes Fieber. Ich prüfe mich ständig, um mich würdig zu erweisen, zu Gott zu gehen.“ Sie betete unaufhörlich. Drei Tage vor ihrem Tod erlitt sie einen Schlaganfall und konnte nur noch die Namen Jesu und Marias aussprechen. Nach einem langen Todeskampf starb sie friedlich am 2. Februar 1640. Die Kongregation bestand zu diesem Zeitpunkt aus dreißig Häusern. Die Heilige Johanna von Lestonnac wurde am 2. Februar ins römische Martyrologium aufgenommen. Im Jahr 2017 zählte die Kongregation 1352 Schwestern in 28 Ländern und 165 Häusern, von Frankreich bis Japan.

„Auch heute“, sagte Papst Pius XII., „greift die Häresie oder noch mehr der Unglaube die Kirche an, untergräbt die Fundamente jeder Gesellschaft, die Grundlagen der Familie, die Grundsätze der christlichen oder einfach sittlichen Unterweisung und Erziehung. Erzieht daher die Jugend in der unerschütterlichen Treue des Willens, des Herzens und des Geistes zur Kirche Christi, in der unveränderlichen, kindlichen und festen Verehrung der Jungfrau Maria, die über alle Irrtümer gesiegt hat und immer siegen wird!“ (ebd.). Diese starken Worte ermutigen uns, vor keinem Opfer zurückzuschrecken, um den Kindern eine christliche Erziehung zu ermöglichen. Wir sollten die heilige Jeanne de Lestonnac dringend um Fürsprache bitten! Die Wachsamkeit in der Erziehung ist umso wichtiger und dringender, als unsere Gesellschaft von zerstörerischen Ideologien (insbesondere der Gender-Ideologie) bedroht wird, die die Unschuld der Kinder von klein auf gefährden.

Heiliger Jacques Berthieu

Ehrwürdiger Frater Ave Maria

Seliger Ildefonso Schuster