Brief

Blason   Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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13. Januar 2021
am Fest des hl. Hilarius


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Der hl. Athanasius, der bereits einige Jahre vor seinem Tod vom großen Theologen und Bischof von Konstantinopel, dem hl. Gregor von Nazianz, als „Säule der Kirche“ gefeiert wurde, galt sowohl im Orient als auch im Okzident als Vorbild katholischer Gesetzestreue in Zeiten, in denen letztlich die Häresie (Lehre, die einen Punkt des Glaubens leugnet) zu triumphieren schien. Während seiner 45 Jahre langen Amtszeit als Bischof von Alexandrien musste er fünfmal für insgesamt über 20 Jahre ins Exil gehen.

Bischof mit 30 Jahren

Als Athanasius gegen 298 in der Nähe von Alexandria geboren wurde, hatte die im Römischen Reich noch offiziell geltende Christenverfolgung einer De-facto-Tole-rierung Platz gemacht. 313 setzte Kaiser Konstantin durch das Edikt von Mailand der Verfolgung ein Ende. Athanasius erhielt eine überaus solide Ausbildung, insbesondere in griechischer Literatur und Philosophie. Er trat schon sehr jung dem christlichen Klerus bei und übte 6 Jahre lang das Amt des Lektors aus; und zwar so gut, dass Bischof Alexander auf ihn aufmerksam wurde und ihn zu seinem Privatsekretär berief. Unter dem Vorwand, die christliche Lehre der menschlichen Vernunft besser anzupassen, begann damals gerade ein angesehener Priester der Diözese namens Arius, eine neue Lehre zu verbreiten, die die Gottheit Jesu Christi leugnete. Als Diakon und Sekretär des Patriarchen Alexander beteiligte sich Athanasius im Jahre 325 aktiv am Ersten Ökumenischen Konzil von Nizäa, das die Häresie des Arius formell verurteilte. Kaiser Konstantin billigte offiziell die Beschlüsse des Konzils und verlieh ihnen damit Gesetzeskraft, wobei diese gutgemeinte Geste für die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat nicht ungefährlich war. Nach dem Tode Alexanders 328 wurde der erst 30-jährige Athanasius auf Wunsch des Verstorbenen zu dessen Nachfolger ernannt. Die Bischöfe der Provinz, der Klerus der Diözese und das Volk bestätigten die Wahl.

„Athanasius ist der leidenschaftliche Theologe der Menschwerdung des Logos, des Wortes Gottes, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat (Joh 1,14)“, sagte Papst Benedikt XVI. im Jahre 2007. „Arius bedrohte mit seiner Theorie den wahren Glauben an Christus dadurch, dass er erklärte, der Logos wäre nicht der wahre Gott, sondern ein geschaffener Gott, ein ‚Mittelwesen’ zwischen Gott und dem Menschen. Die in Nizäa versammelten Bischöfe antworteten mit der Formulierung und Festlegung des ‚Symbolon des Glaubens’, das später vom Ersten Konzil von Konstantinopel vervollständigt wurde und in der Liturgie als das ‚Nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis’ geblieben ist. In diesem grundlegenden Text kommt der griechische Ausdruck homooúsios, lateinisch consubstantialis, vor: Er will darauf hinweisen, dass der Sohn, der Logos, wesensgleich mit dem Vater ist, dass er Gott von Gott ist, dass er sein Wesen ist. Und so wird die volle Göttlichkeit des Sohnes ins Licht gesetzt, welche die Arianer geleugnet hatten“ (Audienz vom 20. Juni 2007). Der hl. Athanasius weihte sein ganzes Leben der Verteidigung und Erklärung dieses Credos. Seine Arbeit hat auch heute nichts von ihrem Wert verloren, da der Arianismus in verschiedenen neuen Erscheinungformen immer noch gegenwärtig ist. So wollten die Modernisten einen Unterschied machen zwischen dem historischen Christus, der ein einfacher Mensch sei, und dem Christus des Glaubens, der von den Gläubigen subjektiv als Gott wahrgenommen werde. Manche behaupteten zudem, Christus sei sich seiner Gottheit nicht bewusst gewesen. Doch diese Ansichten widersprechen der Lehre des Konzils von Nizäa. Denn die Gottheit Jesu ist eine objektive, vom Glauben der Gläubigen unabhängige Realität; und wenn Christus wirklich Gott ist, wie könnte er sich dessen nicht bewusst sein?

Im Herbst 329 unternahm Athanasius eine ausgedehnte Pastoralreise. Bald stieß er indes auf den Widerstand der Semi-Arianer, die ihn beschuldigten, die ägyptische Kirche tyrannisch zu leiten. 335 nutzten sie eine Bischofsversammlung in Tyros, an der viele ihrer Anhänger teilnahmen, um Athanasius’ Ruf ernsthaft zu beschädigen. Dieser wurde am 5. Februar 336 von Kaiser Konstantin nach Trier verbannt, wo er vom Frühjahr 336 bis Juni 337 weilte (1. Exil). „Während seiner erzwungenen Abwesenheit von Alexandrien aber hatte der Bischof Gelegenheit, im Westen, zuerst in Trier und dann in Rom, den nizänischen Glauben und auch die Ideale des Mönchtums zu vertreten und zu verbreiten; diesen Idealen hatte sich in Ägypten der große Eremit Antonius mit einer Lebensentscheidung angeschlossen, der Athanasius immer nahestand. Der hl. Antonius war mit seiner geistlichen Kraft die wichtigste Person, die den Glauben des Athanasius stützte“ (ibid.).

Eine feierliche Erklärung

Kaiser Konstantin starb am 22. Mai 337; seine drei Söhne (Konstantin II., Constans und Constantius II.) teilten das Reich unter sich auf. Konstantin II. als weströmischer Kaiser setzte Athanasius wieder als Bischof von Alexandrien ein. Doch Ägypten gehörte zum Herrschaftsbereich seines Bruders Constantius II., des oströmischen Kaisers, der der Partei der Arianer zugeneigt war. Diese wollten, dass Athanasius im Bischofsamt durch einen der Ihren abgelöst werde. Anfang 339 wurde mit Zustimmung von Constantius II. der Arianer Gregor von Kappadokien zum „Bischof von Alexandrien“ eingesetzt. Am 16. April konnte Athanasius, von einer bewaffneten Truppe verfolgt, an Bord eines Schiffes nach Rom fliehen. Dort schlossen sich ihm mehrere von den Arianern abgesetzte Bischöfe an. Papst Julius I. hielt im Winter 340-341 ein Konzil in Italien ab; nach Abschluss der Beratungen erklärte er Athanasius sowie die nach Rom verbannten Bischöfe feierlich für unschuldig und setzte sie wieder in ihre Ämter ein. In einem Brief an die Bischöfe der Ostkirche teilte er ihnen sein Urteil mit, das jedoch von einer in Antiochien versammelten Synode zurückgewiesen wurde.

Julius I. berief daraufhin im Sommer 343 ein Generalkonzil nach Serdica (das heutige Sofia in Bulgarien) ein, an dem rund 100 Bischöfe der Westkirche sowie 90 Bischöfe der Ostkirche teilnahmen. Letztere lehnten von vornherein die Teilnahme von Athanasius sowie den anderen verbannten Bischöfen ab, da sie ja auf der Synode von Tyros von ihnen verurteilt worden waren, und verließen nach langen Auseinandersetzungen die Stadt. Die in Serdica verbliebenen Bischöfe der Westkirche verkündeten die Unschuld der exilierten Bischöfe und erklärten ihrerseits die Absetzung der zu Unrecht residierenden Bischöfe. Im Sommer 344 reiste Athanasius nach Aquileia, wo er von Constans I. empfangen wurde, der der Verfolgung seiner Anhänger ein Ende setzte. Am 21. Oktober 346 wurde Athanasius schließlich in Alexandrien triumphal empfangen. Sein zweites Exil dauerte somit von April 339 bis Oktober 346.

Dank des großen, vom hl. Pachomius von Tabennisi (gest. am 9. Mai 346) angestoßenen Aufschwungs des Mönchtums gewann Athanasius maßgeblichen Einfluss in Ägypten. Die Mönche stellten sich mehrheitlich hinter ihn: Eine Abordnung des Klosters von Tabennisi überbrachte ihm einen Willkommensgruß sowie eine Botschaft des berühmten heiligen Eremiten Antonius (250-357). Athanasius berief unverzüglich eine Synode ein, um die Beschlüsse von Serdica bestätigen zu lassen; in zwei bis drei Jahren stellte er Einigkeit mit über 400 Bischöfen her. Er verfasste dogmatische Abhandlungen und besetzte mehrere vakante Bischofssitze, wobei die neuen Amtsinhaber oft aus der Reihe der Mönche kamen. Zudem betreute er zahlreiche geweihte Jungfrauen brieflich, die in oder um Alexandrien wohnten, und ermahnte sie zu einem ihrem Stand angemessenen Leben in Demut. Diese seelsorgerliche Tätigkeit brachte die Arianer vorerst zum Schweigen.

Erneute Absetzung

Im Februar 350 wurde Constans I. in Gallien ermordet. Ihm folgte Constantius II., der sich in Arles niederließ und nun aus einer Position der Stärke heraus die Partei der Arianer unterstützte. Im Herbst 353 versammelten sich die gallischen Bischöfe zu einem Konzil in Arles, an dem auch Abgesandte von Papst Liberius teilnahmen (Julius I. war 352 verstorben). Unter dem Druck des Kaisers wurde Athanasius vom Konzil verurteilt, doch der Papst lehnte die Billigung des Beschlusses ab. Auf seine Bitte hin fand 355 in Mailand ein weiteres Konzil in Gegenwart des Kaisers statt. Von Verbannung bedroht, unterzeichnete die Mehrheit der Bischöfe ein Absetzungsdekret gegen Athanasius. Am 6. Januar 356 landete General Syrianus in Ägypten und beorderte seine Truppen nach Alexandrien. Am Abend des 8. Februar leitete Athanasius einen Gottesdienst in der St.-Theonas-Kirche, als das Gebäude von Soldaten umzingelt wurde; kurz nach Mitternacht drang General Syrianus gewaltsam in die Kirche ein, um den Bischof festzunehmen. Dieser blieb gelassen auf seinem Thron in der Apsis sitzen und befahl dem Diakon, mit den Gläubigen Psalm 135 anzustimmen : Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Huld. Während die Soldaten sich am Eingang des Chores aufstellten, beschwor der Klerus Athanasius zu fliehen; doch dieser wollte sich nicht von der Stelle rühren, solange die Gläubigen nicht in Sicherheit seien. So wurde erst einmal weitergebetet. Dann umringte plötzlich eine Gruppe von Mönchen und Klerikern den Thron, ergriff den Bischof und führte ihn im anschließenden großen Tumult nach draußen. Man brachte den Patriarchen in die Wüste; er trat erst 365 wieder in der Öffentlichkeit auf (3. Exil).

Athanasius lenkte seine Schritte zunächst in Richtung Kyrenaika, wohl in der Absicht, in den Westen zu reisen und mit Constantius II. zu verhandeln. Er hatte bereits seine Schrift Apologia ad Constantium imperatorem begonnen. Doch dann erreichte ihn die Nachricht, dass am Ostertag Soldatentruppen in Alexandrien gewaltsame Übergriffe gegen die Gläubigen verübt hätten. Er erhielt auch die Kopie eines kaiserlichen Briefes an die Alexandriner, in dem er als Störenfried hingestellt wurde und der die Ankunft des arianischen Bischofs Georg von Kappadokien ankündigte. Athanasius erkannte, dass jeder Verständigungsversuch zwecklos war, und verfasste ein Rundschreiben an die Bischöfe Ägyptens und Libyens, in dem er sie vor arianischen Formeln warnte und beschwor, die Verfolgung geduldig zu ertragen.

Die Heilslehre

Über die Hälfte seiner Schriften stammt aus diesen sechs Jahren. „Das berühmteste Lehrwerk des heiligen Bischofs von Alexandrien ist die Abhandlung ‚Über die Menschwerdung des Wortes’, des göttlichen Logos, der Fleisch angenommen hat und so geworden ist wie wir, zu unserem Heil“, betonte Papst Benedikt XVI. „In diesem Werk sagt Athanasius mit einem zu Recht berühmt gewordenen Satz, dass das Wort Gottes ‚Mensch wurde, damit wir vergöttlicht würden; er offenbarte sich im Leibe, damit wir zur Erkenntnis des unsichtbaren Vaters gelangten, und er selbst hat die Gewalt der Menschen ertragen, damit wir die Unsterblichkeit erbten’ (54,3). Denn mit seiner Auferstehung hat der Herr den Tod verschwinden lassen, als wäre er ‚Stroh im Feuer’ (8,4). Die grundlegende Idee des gesamten theologischen Kampfes des hl. Athanasius war eben die, dass Gott zugänglich ist … Er ist der wahre Gott, und durch unsere Gemeinschaft mit Christus können wir uns wirklich mit Gott vereinen. Er ist wirklich ‚Gott mit uns’ geworden“ (ibid.). Der Ausdruck „damit wir vergöttlicht würden“ bedeutet nicht, dass wir aufhören, Geschöpfe zu sein. Er bezeichnet vielmehr eine geheimnisvolle Teilnahme des Menschen – in seiner Kreatürlichkeit als angenommenes Kind – am glückseligen Leben Gottes.

Unterdessen bemühte sich Sebastian, der neue Militärchef Ägyptens, den Befehl einer systematischen Verfolgung der Athanasianer auszuführen. Alle Kirchen Alexandriens wurden den Arianern zugesprochen; 26 ägyptische Bischöfe wurden vertrieben. Die Amtseinführung Georgs von Kappadokien fand am 24. Februar 357, ein Jahr nach der Flucht von Athanasius, unter militärischem Schutz statt. Doch der falsche Bischof machte sich durch seine Willkür und seine Raffgier schnell verhasst; er verfolgte Heiden wie Christen, die mit Athanasius sympathisierten. Letzterer versteckte sich auf seiner Flucht mal in Mönchszellen in der nitrischen Wüste, mal in ehemaligen Grabmälern oder Zisternen in Oberägypten und war heimlich sogar mehrmals in Alexandrien, wobei er nie von jemandem denunziert oder von der Polizei entdeckt wurde. In dieser Zeit vollendete er seine Biographie des hl. Antonius.

„Schließlich ist Athanasius auch Verfasser eines Werkes Über das Leben des heiligen Antonius, geschrieben kurz nach dem Tod dieses Heiligen, während der verbannte Bischof von Alexandrien gerade mit den Mönchen der ägyptischen Wüste zusammenlebte“, sagte Papst Benedikt XVI. „Athanasius war ein Freund des großen Eremiten, so dass er eines der beiden Schafsfelle erhielt, die von Antonius als sein Erbe hinterlassen worden waren, zusammen mit dem Mantel, den der Bischof von Alexandrien selbst ihm geschenkt hatte. Die beispielhafte Biographie dieser der christlichen Tradition teuren Gestalt wurde bald sehr populär, fast umgehend wurde sie zweimal ins Lateinische und dann in verschiedene orientalische Sprachen übersetzt und hat viel zur Verbreitung des Mönchtums im Osten wie im Westen beigetragen. Im Übrigen zeigt Athanasius selbst, dass er sich klar des Einflusses bewusst ist, den die beispielhafte Gestalt des Antonius auf das Christenvolk haben konnte. Er schreibt nämlich am Schluss dieses Werkes: ‚Ein Kennzeichen seiner Tugend und seiner mit Gott befreundeten Seele ist, dass er überall berühmt war, von allen bewundert wurde und dass sich auch jene nach ihm sehnten, die ihn nicht gesehen hatten. Denn wie hätte man sonst in Spanien und in Gallien, in Rom und in Afrika von diesem Mann reden hören können, der zurückgezogen in den Bergen lebte, wenn nicht Gott selber ihn überall bekannt gemacht hätte? Und auch wenn diese im Verborgenen wirken und verborgen bleiben wollen, so zeigt sie der Herr allen als eine Leuchte, damit alle, die von ihnen reden hören, wissen, dass es möglich ist, den Geboten zu folgen, und damit sie Mut schöpfen, den Weg der Tugend einzuschlagen’ (Leben des Antonius 93,5-6) Wir haben viele Gründe zur Dankbarkeit gegenüber dem hl. Athanasius. Sein Leben wie jenes des Antonius und unzähliger anderer Heiliger zeigt uns: ‚Wer zu Gott geht, geht nicht weg von den Menschen, sondern wird ihnen erst wirklich nahe’“.

Aufruf zur Versöhnung

Am 3. November 361 starb Constantius II. Ihm folgte der ursprünglich christlich erzogene Kaiser Julian, der sich jedoch für heidnisch erklärte und daher unter dem Namen „Julianus Apostata“ in die Geschichte einging. Am 9. Februar 362 wurde in Alexandrien ein Edikt Julians veröffentlicht, das die Rückkehr aller unter seinem Vorgänger verbannten Bischöfe erlaubte. Durch diese Maßnahme hoffte der Kaiser erneut Zwietracht in der Kirche zu säen. Athanasius kehrte am 21. Februar nach Alexandrien zurück. Da er erkannte, dass unter den Christen wieder Einigkeit hergestellt werden musste, berief er sogleich eine Synode ein, an der 21 zuvor verfolgte Bischöfe teilnahmen. Auf der Ebene des Glaubens wurde rasch eine Einigung erzielt. Gleichwohl blieb die Situation schwierig; einige Teilnehmer wollten alle exkommunizieren, die nicht eindeutig Position bezogen hatten, andere wollten die Exkommunikation lediglich auf die wichtigsten Häretiker beschränken. Schließlich einigte man sich auf die Abfassung eines Synodalbriefes, der den Bischof zum wahren Oberhaupt der Ostkirche erklärte. Das Bekenntnis von Nizäa wurde erneut bekräftigt, und es wurde zur Mäßigung und Versöhnung aufgerufen.

Über Athanasius’ Einfluss verärgert, stellte Kaiser Julian in einem öffentlichen Brief an die Alexandriner klar, dass er den verbannten Bischöfen zwar die Rückkehr gestattet habe, nicht aber die Wiederaufnahme ihrer Ämter; daher ordnete er an, dass Athanasius Alexandrien verlassen solle. Während die Gläubigen versuchten, den Kaiser umzustimmen, blieb Athanasius in seiner Residenz. Doch Julian drohte dem Präfekten von Ägypten mit Strafen, wenn der Bischof nicht das Land verlasse. So ging Athanasius am 23. Oktober erneut ins Exil und zog nilaufwärts nach Oberägypten, wo er bei den dortigen Bischöfen und Mönchen Aufnahme fand. Dort erreichte ihn ein Jahr später die Nachricht vom Tod Julians, dem der Christ Jovian folgte. Athanasius reiste heimlich nach Alexandrien, von wo er in Begleitung anderer Bischöfe sogleich nach Syrien aufbrach, um Jovian zu treffen. Obgleich der neue Kaiser von den Arianern bedrängt wurde, einen anderen Bischof für Alexandrien zu ernennen, setzte sich Athanasius durch. Nach einem Aufenthalt in Antiochien zog er, mit kaiserlichen Dokumenten ausgestattet, wieder offiziell in Alexandrien ein und nahm sämtliche Kirchen in Besitz. Damit endete sein 4. Exil (Oktober 362 – Februar 364).

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 364 starb Jovian durch einen Unfall. Auf dem Kaiserthron folgte ihm Valentinian, der seinen Bruder Valens zum Mitkaiser für den Orient ernannte. Unter dem Einfluss der Arianer verbannte Valens Anfang 365 erneut die von Constantius II. abgesetzten und von Julian zurückgerufenen Bischöfe. Athanasius blieb zunächst, floh aber einen Monat später aufs Land. Unter dem Druck schwerer politischer Unruhen setzte ihn der Kaiser schließlich jedoch wieder in sein Amt ein. Damit endete sein fünftes Exil (Oktober 365 – Februar 366).

Athanasius unterhielt in dieser Zeit einen Briefwechsel mit dem heiligen Basilius von Caesarea und widmete seine letzten Jahre der Widerlegung des Häretikers Apollinaris von Laodicea, der die Seele Christi in dessen Gottheit verortete (Christus sei also nicht wirklich Mensch gewesen). Doch die Schriften des Bischofs von Alexandrien waren nun in einem neuen Ton gehalten: Er zeigte sich weniger als furchtloser Verteidiger der Rechtgläubigkeit, sondern vielmehr als Vater, der die Irrtümer seines Kontrahenten bedauert. Daneben verfasste er mehrere Bibelkommentare. „Außer dem Studium der Schrift und echter Gelehrsamkeit“, schrieb er, „bedarf es eines rechtschaffenen Lebens, einer reinen Seele und einer Christus ergebenen Tugend, damit der Geist erlangen und erfassen kann, was er wünscht (die Erkenntnis der göttlichen Weisheit)“. Der hl. Athanasius starb am 2. Mai 373 im Alter von 64 Jahren.

Der gute Kampf

Die Bischöfe haben „als erste Aufgabe,  allen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden. Sie sind authentische, das heißt mit der Autorität Christi versehene Lehrer“ (Katechismus, Nr. 888). Dafür hat Athanasius soviel gekämpft und soviel gelitten. Er wusste, dass es „ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen (Hebr 11,6), und keiner das ewige Leben erlangen wird, wenn er nicht in ihm ausgeharrt hat bis ans Ende (Mt 10,22; 24,13)“ (Katechismus, Nr. 161). Er hat in der Nachfolge des hl. Paulus den guten Kampf des Glaubens gekämpft (1 Tim 6,12). Dieser Kampf ist auch unser Kampf, wie Papst Franziskus versichert: „So oft können wir heute bemerken, dass unser Glaube durch die Welt herausgefordert wird, und auf vielerlei Weise wird von uns verlangt, unseren Glauben zu verleugnen, die radikalen Forderungen des Evangeliums abzuschwächen und sie dem Zeitgeist anzupassen. Doch die Märtyrer (und alle Heiligen) rufen uns zu, Christus an die erste Stelle zu setzen und alles andere in dieser Welt in Beziehung zu ihm und zu seinem ewigen Reich zu sehen“ (16. August 2014).

Die Jungfrau Maria hat stets am gnädigen Plan Gottes für die Menschen geglaubt; im Himmel genießt sie nun die Macht der Fürbitte über das Herz Gottes. Beten wir vertrauensvoll zu ihr und zum hl. Athanasius, damit sie inmitten all unserer Kämpfe die Tugend des Glaubens und die feste Hoffnung auf göttlichen Beistand in uns stärken mögen!

Dom Antoine Marie osb

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