7. November 1999
Hl. Willibrord


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

,,Überall in der Gesellschaft, in unseren Dörfern, unseren Wohnvierteln, unseren Fabriken und Büros, in unseren Begegnungen zwischen Völkern und Rassen muss sich unser Herz aus Stein, unser verdorrtes Herz, in ein Herz aus Fleisch und Blut verwandeln, offen für Gott, offen für unsere Brüder. Es geht dabei um den Frieden. Es geht um das Überleben der Menschheit. Das übersteigt unsere Kräfte. Das ist ein Geschenk Gottes; ein Geschenk seiner Liebe" (Johannes-Paul II., 5. Oktober 1986 in Paray-le-Monial). Dieses Geschenk der Liebe wurde vom Propheten Ezechiel angekündigt: Ich gebe euch ein neues Herz und lege neuen Geist in eure Brust; ich entferne das Herz aus Stein aus eurem Leib und gebe euch ein Herz aus Fleisch (Ez 36, 26).

Doch wie vollzieht sich diese für das Wohl der Menschheit und für das Heil der Seelen so notwendige Verwandlung? Wie kommt der Heilige Geist in das Herz der Menschen? Das ist das Werk Jesu Christi: Auf dem Kalvarienberg wird das von der Lanze eines Soldaten durchbohrte Herz Christi zur Quelle, aus der der himmlische Vater die Gnadengaben der Umkehr und der Teilhabe am göttlichen Leben auf die Menschen herabsteigen lässt.

An der Schwelle der Neuzeit wurde die heilige Margareta Maria von der göttlichen Vorsehung auserwählt, um der ganzen Kirche und der Welt die Tiefe der Liebe Christi in Erinnerung zu rufen. Sie ,,hat das erschütternde Geheimnis der göttlichen Liebe erkannt. Sie hat die ganze Tiefe der Worte Ezechiels erkannt: Ich gebe euch ein neues Herz. Während ihres ganzen verborgenen Lebens in

Christus war sie von der Gabe dieses Herzens geprägt, das sich grenzenlos allen menschlichen Herzen anbietet" (Johannes-Paul II., ebda.).

Margareta Alacoque ist als Tochter von Philiberte Lamyn und Claude Alacoque, einem königlichen Richter und Notar im Charolais in Burgund am 22. Juli 1647 geboren. Im Alter von vier oder fünf Jahren hörte das Kind zum ersten Mal vom Gott geweihten Leben und von religiösen Gelübden sprechen; Marie-Bénigne de Fautrière, die Tochter ihrer Patin, war nämlich Ordensschwester von der Heimsuchung Mariä in Paray-le-Monial. Das Kind verspürte ständig den Drang, folgende Worte immer wieder vor sich herzusagen: ,,O mein Gott, ich weihe dir meine Reinheit und gelobe dir ewige Keuschheit". Eines Tages sprach Margareta diese Formel zwischen den beiden Elevationen während einer Messe aus. Die Worte bekamen in ihren Augen eine solche Bedeutung, dass sie zwanzig Jahre später von ihnen sagte, sie hätten ihr Leben geprägt. Zwar war sie damit keine Verpflichtung gegenüber der Kirche eingegangen, doch sie begriff, dass Gott sie ganz für sich haben wollte. Später sagte Jesus zu ihr: ,,Ich habe dich zu meiner Braut erwählt, wir haben uns Treue versprochen, als du mir das Keuschheitsgelübde gegeben hast, und ich habe dich erleuchtet, bevor die Welt an deinem Herzen teilhatte."

Vier Jahre lang gelähmt

Margareta wurde zu den Klarissinnen nach Charolles in die Schule geschickt. Überall fielen ihre Inbrunst und ihre Liebe zur Allerseligsten Jungfrau auf. Jeden Tag betete sie mit einer seltenen Hingabe den Rosenkranz. Doch die Schulzeit wurde von einer langen Krankheit unterbrochen, und sie war gezwungen, das Kloster von Charolles zu verlassen. Sie lag vier Jahre lang gelähmt im Bett. Da versprach sie Maria, sie würde eines Tages Ordensschwester werden, wenn sie wieder gesund würde. ,,Kaum hatte ich dieses Gelübde getan", sagte Margareta später, ,,schon war ich geheilt." Dieses Wunder rief in ihrem Herzen ein neues Feuer der Marienfrömmigkeit wach: ,,Die seligste Jungfrau hat sich von da an zur Herrin meines Herzens gemacht. Sie betrachtete mich als die Ihre. Sie lenkte mich, da ich ihr geweiht war, tadelte mich für meine Fehler und lehrte mich, den Willen Gottes zu tun".

Doch ,,als ich meine Gesundheit wiedererlangt hatte", schrieb Margareta Maria, ,,dachte ich nur noch daran, mich am Genuss meiner Freiheit zu erfreuen, ohne mich um die Erfüllung meines Versprechens zu kümmern". So begann eine Zeit spiritueller Nachlässigkeit. Keine wirklich schwerwiegende Verfehlung konnte sich je in ihr Leben schleichen, doch da sie ,,von Natur aus dem Vergnügen zugeneigt" war, folgte sie ihren Neigungen und gab sich ,,der Eitelkeit und der Liebe zu den Geschöpfen" hin. Eine ganz natürliche Reaktion nach vier Jahren Krankheit bei einer Heranwachsenden. Doch schon bald ließ Gott sie begreifen, dass ,,das auf dem Kalvarienberg geborene Leben, das der Herr ihr geschenkt hatte, nur von der Nahrung des Kreuzes leben konnte". Nachdem sie das körperliche Leiden entdeckt hatte, lernte sie nun das moralische Leiden und zunächst schwere Prüfungen in der Familie kennen.

Nach dem frühzeitigen Tod ihres Mannes hatte Frau Alacoque mit grausamsten Schwierigkeiten zu kämpfen: Da sie in endlose materielle Streitigkeiten verwickelt war, konnte sie sich kaum um ihre Kinder kümmern. Die Sorge für die Kinder überließ sie deren Großmutter väterlicherseits, die von einer Tante und deren Schwiegermutter unterstützt wurde. Alle drei maßten sich ein absolutes Bestimmungsrecht über Margareta und deren Mutter an, nachdem die anderen Kinder Alacoque in Pension gegeben worden waren. Margareta wurde schlechter behandelt als die Dienerinnen, die sich von den schrecklichen Frauen selbst gröbste Beschimpfungen gefallen lassen mussten. Doch unser Herr Jesus Christus tröstete sie und gab ihr zu verstehen, daß Er sie dazu auserwählt hatte, seine leidvolle Passion zu teilen: ,,Ich will mich deiner Seele vergegenwärtigen, um dich so handeln zu lassen, wie ich selbst inmitten der grausamen Leiden gehandelt habe, die ich aus Liebe zu dir ertrug." Margareta sagte später: ,,Von dieser Zeit an blieb mir Jesus stets im Geiste gegenwärtig, gekrönt von der Dornenkrone, sein Kreuz tragend oder gekreuzigt. Ich spürte dann soviel Mitleid mit Ihm und eine solche Liebe für seine Leiden, dass meine Leiden leicht wurden und es mich nach noch größeren Schmerzen verlangte, um Ihm ähnlicher zu werden." Sie fügte hinzu: ,,Das anbetungswürdige Herz Jesu muss man oft mit diesem für seinen Geschmack so köstlichen Gericht erfreuen, das heißt mit den kostbaren Demütigungen, Schmähungen und Erniedrigungen, mit denen Er seine treuesten Freunde hienieden füttert."

Wie ist diese Sprache zu verstehen, die mit unseren Vorstellungen so wenig übereinstimmt und die scheinbar unserer legitimen Sorge, Leiden zu lindern, widerspricht? Das Leiden an sich ist kein Gut. Doch Jesus selbst hat das Leiden angenommen, um es zu verklären und ihm einen erlösenden Wert für all diejenigen zu verleihen, die es zusammen mit Ihm aus Liebe annehmen wollen. Es wurde also durch die Macht Gottes zum Mittel unserer moralischen Erhöhung nach der Sünde. ,,Warum lässt Gott das Leiden zu?", wurde eines Tages Mutter Teresa gefragt. - ,,Das ist schwer zu verstehen: Das ist das Geheimnis der Liebe Gottes, deswegen können wir nicht einmal begreifen, warum Jesus so sehr gelitten hat, warum er durch die Einsamkeit von Gethsemani und das Leid der Kreuzigung hat gehen müssen. Das ist das Geheimnis seiner großen Liebe. Das Leid, das wir jetzt sehen, ist so, als würde Christus seine Passion in uns wieder erleben."

Die ,,Eitelkeiten"...

Margareta war nun achtzehn Jahre alt. Ihre Verwandten und insbesondere ihre Mutter gedachten sie zu verheiraten. Das junge Mädchen liebte Putz und

Nichtigkeiten; es ließ sich von weltlichen Festen betören, wodurch seine Berufung ins Wanken geriet. Doch Gott verfolgte Margareta sogar inmitten der Feste und Tanzvergnügungen. Manchmal bedrängte Er ihr Herz so sehr, dass sie wie gezwungen plötzlich hinauslaufen musste, um in der Kirche oder an einem anderen geheimen Ort über ihre eigene Schwäche zu weinen. Mit dem Gesicht auf dem Boden bat sie Gott um Vergebung für ihre Neigung zu weltlichen Genüssen, doch schon am nächsten Tag wandte sie sich erneut ihren gefährlichen Zerstreuungen zu.

Eines Abends, als sie, wieder in ihrem Zimmer, die Festkleider und den Schmuck ablegte, mit denen sie sich mit einiger Selbstgefälligkeit geschmückt hatte, erschien ihr Jesus in dem Zustand, indem Er sich nach seiner grausamen Geißelung befunden hatte: ,,Deine Eitelkeiten haben mich in diesen Zustand versetzt. Durch deine Unentschlossenheit verlierst du eine Zeit, über die ich von dir strenge Rechenschaft verlangen werde bei deinem Tod. Du verrätst mich durch deine Untreue. Du müsstest aus Scham über deine Undankbarkeit sterben, verglichen mit all den Beweisen der Liebe, die ich dir gegeben habe, um dich ganz an mich zu ziehen." Völlig aufgewühlt fasste Margareta daraufhin den Entschluss, sich vermehrt in Kasteiungen und Bußwerken zu üben. Doch damit war Jesus nicht zufrieden, denn er wollte sie als Ordensfrau, wie sie es Ihm versprochen hatte. Nach einem sechs Jahre währenden Kampf entschied sie sich endgültig.

Am 26. Mai 1671 begab sie sich ins Kloster der Heimsuchung Mariä nach Paray-le-Monial. Sobald sie ins Sprechzimmer trat, vernahm sie eine innere Stimme: ,,Hier will ich dich." Einen Monat später ging sie für immer in dieses Kloster. Am 25. August 1671 legte Margarete die Ordenstracht an und fügte ihrem Taufnamen den Namen Maria an. Am 6. November 1672 legte sie die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Sie wurde mit dem Amt einer Hilfspflegerin auf der Krankenstation betraut.

Symbol und Werkzeug der Barmherzigkeit

13. Juni 1675. Unser Herr Jesus Christus erschien Schwester Margareta Maria, zeigte ihr sein göttliches Herz und enthüllte ihr: ,,Siehe dieses Herz, das die Menschen so geliebt hat, dass es bis hin zur Erschöpfung und Verzehrung an nichts sparte, um ihnen seine Liebe zu bezeugen." Gott hat Mensch werden wollen, damit er uns mit einem menschlichen Herz lieben konnte. Das höchste Ziel einer solchen Liebe kommt im folgenden Wort des Evangeliums zum Ausdruck: Denn so sehr liebte Gott die Welt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe (Joh 3, 16). Doch bevor er uns in die Vertrautheit des göttlichen Lebens einführen konnte, muss Er das Hindernis der Sünde beiseite räumen, das größte Übel, von dem der Mensch befallen werden kann. ,,Im Licht des Glaubens gibt es nichts Schlimmeres als die Sünde; nichts hat so arge Folgen für die Sünder selbst, für die Kirche und für die ganze Welt" (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1488).

Der Beweis der göttlichen Liebe hat also einen besonderen Ausdruck gefunden: Er heißt ,,Barmherzigkeit". Die Barmherzigkeit steht im Mittelpunkt der von Jesus der heiligen Margareta Maria anvertrauten Botschaft. Gott war von Mitleid zu den Menschen gerührt, als er die Übel sah, die die Sünde in die Welt gebracht hatte. Und obwohl Er durch unsere Vergehen beleidigt wird, bietet Er uns unermüdlich die Gnade der Reue und der Vergebung an. Die Barmherzigkeit ist sein charakteristisches Merkmal. ,,Sich barmherzig erweisen, wird als Eigentümlichkeit Gottes betrachtet, und darin äußert sich seine Allmacht", lehrt der heilige Thomas von Aquin.

Das auf dem Kalvarienberg durch die Lanze eines Soldaten durchbohrte Herz Jesu ist Symbol und Werkzeug dieser Barmherzigkeit. Aus der Wunde floss Blut und Wasser heraus (Joh 19, 34), Bilder der Eucharistie und der Taufe, die die Seelen reinigen und ihnen den Weg des Heils eröffnen. Die durch das Wasser symbolisierte Taufe wäscht uns von aller Sünde rein. Die durch das Blut versinnbildlichte Eucharistie wendet uns im heiligen Messopfer die Verdienste der Passion Christi zu; sie nährt auch unsere Seelen durch die Kommunion. Jesus hat Schwester Margareta Maria erwählt, um die Menschen an diese Mysterien zu erinnern; Er sagte zu ihr: ,,Ich will ihnen den Reichtum meines Herzens beweisen und ihnen neue Gnadengaben schenken, um sie aus dem Abgrund des ewigen Feuers zu ziehen, in den sie durch die Todsünden gestürzt werden. Um das zu bewirken, habe ich dich gerade wegen deiner Schwäche und deiner Unwissenheit erwählt. So wird man wohl sehen, dass alles von mir kommt".

,,Was soll diese Erfindung nun wieder bedeuten?"

Die Undankbarkeit und die Vergesslichkeit der Menschen angesichts der göttlichen Barmherzigkeit verwunden das Herz Jesu, wie die Dornenkrone bezeugt, die er bei seiner ersten Erscheinung trug. Jesus beklagte sich darüber bei Margareta Maria: ,,Als Dank (für meine Liebe) bekomme ich von den meisten nur Undankbarkeit, Unehrerbietigkeit, Gotteslästerung, Kälte und

Missachtung". Und weiter: ,,Schau, wie die Sünder mich behandeln... Sie haben nur Kälte und Abweisung für all meinen Eifer, ihnen Gutes zu tun, übrig... Aber schenk du mir wenigstens das Vergnügen, ihre Undankbarkeit auszugleichen... Nimm du an der Bitterkeit meines Herzens Anteil".

Als Antwort auf diese Erwartung des Herrn, kam die Heilige den Mysterien seiner Passion immer näher. Jesus bat sie, sich seinem Todeskampf auf dem Ölberg anzuschließen, indem sie jeden Donnerstag von elf Uhr bis Mitternacht eine ,,heilige Stunde" abhielt, betete und für die Sünder um Vergebung bat. Sie musste erst die Erlaubnis ihrer Oberin einholen, diese ,,heilige Stunde" abzuhalten. Sie ging zu ihr hin... doch welche Enttäuschung! ,,Nein und nochmal nein! Was soll diese Erfindung nun wieder bedeuten?" Schwester Margareta Maria gehorchte. Bald danach wurde sie schwer krank: ,,Bitte unseren Herrn, dich zu heilen", sagte die Oberin. ,,Wenn er es tut, gebe ich dir die Erlaubnis." Margareta Maria gehorchte und wurde wieder gesund: Da begann die Oberin an die außergewöhnlichen Wege zu glauben, auf denen der liebe Gott diese Seele führte. Doch um ihre Heiligkeit auf die Probe zu stellen, überschüttete sie sie mit Vorwürfen, Befehlen und Gegenbefehlen sowie mit Demütigungen aller Art, die die heilige Nonne stillschweigend und bereitwillig über sich ergehen ließ, obwohl sie deren Dornen schmerzhaft spürte.

Eines Tages befahl ihr Jesus, ihren Mitschwestern öffentlich die Sünden vorzuwerfen, die in der Gemeinschaft begangen wurden und die Er ihr offenbart hatte. Mit Erlaubnis der Oberin führte sie den Befehl mehr tot als lebendig aus. Bald hagelte es Proteste von den

Schwestern; die Köpfe erhitzten sich, die Empörung kannte keine Grenzen. Man behandelte sie wie eine Verrückte. Man spritzte ihr Weihwasser entgegen, als würde man den Teufel verjagen. Als sie so Christus in seiner Passion ähnlich gemacht worden war, sagte sie später: ,,Nie habe ich soviel gelitten".

Die häufigen göttlichen Botschaften, die Schwester Margareta Maria empfing, stürzten sie mitunter in

Verwirrung: Sie fürchtete, zum Spielzeug ihrer Phantasie oder des Teufels zu werden. Doch unser Herr Jesus

Christus entsandte einen Mann Gottes als Beichtvater des Klosters, den Jesuitenpater Claude La Colombière, der eines Tages selbst heilig gesprochen wurde. Dieser beruhigte sie: ,,Ich versichere Ihnen von Seiten Gottes, dass alles, was Ihnen widerfährt, von Ihm kommt."

,,Ich bin begierig, mich lieben zu lassen..."

,,Wenn du wüsstest", sagte Jesus zu Schwester

Margareta Maria, ,,wie begierig ich bin, mich von den Menschen lieben zu lassen, würdest du dafür an Nichts sparen... Mich dürstet es danach, ich brenne vor Verlangen, geliebt zu werden!" Gibt es in der Tat etwas Schmerzlicheres als jemanden zu lieben und von ihm nicht geliebt zu werden? Die Liebe Christi drängt uns, sagt der heilige Paulus (2 Kor 5, 14); sie drängt uns vor allem, Liebe durch Liebe zu vergelten.

Ein hervorragendes Mittel, unsere Liebe zu Jesus zu zeigen, besteht darin, dass wir Ihn in der allerheiligsten Eucharistie verehren, im ,,Sakrament seiner Liebe". ,,Ich habe einen brennenden Durst danach", vertraute Jesus unserer Heiligen an, ,,im allerheiligsten Sakrament von den Menschen verehrt und geliebt zu werden, und ich finde fast niemanden, der sich meinem Wunsch entsprechend bemüht, meinen Durst zu stillen, indem er mir etwas zurückgibt." Unser Herr Jesus Christus will insbesondere, dass die Christen Ihn in der heiligen Kommunion im Geiste der Wiedergutmachung empfangen und dem himmlischen Vater sein in allen eucharistischen Gestalten wirklich gegenwärtiges Herz darbringen. Doch was versteht man unter ,,Wiedergutmachung"?

Die Seele, die auf dem Wege der Vollkommenheit voranschreitet, kann nicht umhin, ihre Vergangenheit zu betrachten. Sie will dann die verlorene Zeit aufholen und durch eine umso größere Liebe alle Verweigerungen oder Nachlässigkeiten der Vergangenheit aufwiegen. Sie nimmt auch unter Schmerzen wahr, dass die Vorleistungen der göttlichen Liebe an die Adresse der Menschen oft verkannt werden. So will sie die Gleichgültigkeit und die Verstöße von vielen durch eine zärtliche und großherzige Liebe zum Heiland ausgleichen; sie möchte sich auch mit Christus vereinen und an seinem Wiedergutmachungs- und Heilswerk teilhaben, ganz nach dem Vorbild des heiligen Paulus: Ich will das, was an Christi Drangsalen noch aussteht, ergänzen an meinem Fleisch zum Besten seines Leibes, das ist die Kirche (Kol 1, 24).

Doch der Geist der Sühne bzw. der Wiedergutmachung stellt nicht die Fülle der Verehrung des Heiligen Herzens dar. Die wichtigste Übung dieser Verehrung ist die Weihe, d.h. nach der Definition unserer Heiligen, eine völlige Hingabe seines Selbst und all seiner Handlungen. Dann kommt Christus, um in uns zu leben: ,,Dieses göttliche Herz Jesu muss so sehr an die Stelle unserer Herzen treten, dass es allein in uns und für uns lebt und handelt... dass seine Regungen, seine Gedanken und seine Wünsche an die Stelle der unseren treten, vor allem aber seine Liebe". Die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu wird auch durch äußere Zeichen ausgedrückt, zum Beispiel durch die Aufstellung seines Bildes. Indem Er diese

Verehrung anregte, wollte unser Heiland weder zusätzliche Anforderungen an uns stellen noch unsere Lasten erschweren, sondern uns in den Zustand versetzen, eine neue Welle der Gnade empfangen zu können, wie Er es der heiligen Margareta Maria versprochen hatte (vgl. das beigefügte Bild).

Alle Christen sind aufgerufen, das Herz Christi zu verehren, insbesondere jedoch die geweihten Seelen und die Familien. Als Gegengabe wird ihnen dieses Herz einen ,,besonderen Schutz der Liebe und der Einheit" angedeihen lassen. Bei seiner Pastoralvisite in Paray-le-Monial am 5. Oktober 1986 erklärte Papst Johannes-Paul II.: ,,Vor dem offenen Herzen Christi versuchen wir, aus ihm die wahre Liebe zu schöpfen, die unsere Familien

brauchen. Die Zelle der Familie ist grundlegend, um eine Kultur der Liebe aufzubauen". Wenn die Familien unserer Zeit allzu oft Prüfungen und Brüche kennenlernen, kommt das nicht daher, dass unsere Herzen nicht von der wahren Liebe der Selbsthingabe erfüllt sind, sondern steinhart geworden sind, weil sie dem Egoismus frönen? Jesus hat sein verwundetes Herz offenbart, um unsere Herzen aus Stein in Herzen aus Fleisch und Blut zu verwandeln, voller Liebe zu allen und voller Zuvorkommenheit unseren Nächsten gegenüber.

Wege für heute

Als Schwester Margareta Maria der katholischen Kirche die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit überbracht hatte, war ihre Mission auf Erden erfüllt. Sie starb am 17. Oktober 1690 mit dem einzigen Wort ,,Jesus" auf den Lippen. Gegen Ende ihres Lebens schrieb sie Folgendes an ihren Beichtvater: ,,Mir scheint, ich werde niemals zur Ruhe kommen, wenn ich mich nicht in Abgründen der Demütigung und des Leidens sehe, bei allen unbekannt und in ewigem Vergessen begraben". Wenn unser Herr Jesus die Vertraute seines Herzens zu solcher Demut geführt hat, so tat er das, um sie an seinem Ruhm teilhaben zu lassen, denn: Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden (Mt 23, 12). Die in ihren eigenen Augen so kleine Schwester Margareta Maria ist heute vor den Augen der Welt eine von der Kirche öffentlich anerkannte Heilige. Von überall her strömen Gläubige herbei, um vor ihren Reliquien Andachten zu halten und um ihre Fürsprache zu bitten.

Papst Johannes-Paul II. fasste in seinem Schreiben vom 5. Oktober 1986 an den Generaloberen der Gesellschaft Jesu die Botschaft von Paray-le-Monial folgendermaßen zusammen: ,,Die reichen spirituellen Früchte, die die Verehrung des Herzens Jesu getragen hat, sind weithin anerkannt. Diese Verehrung, die sich insbesondere in der Feier der heiligen Stunde, der Beichte und der Kommunion an jedem ersten Freitag des Monats äußert, hat dazu beigetragen, Generationen von Christen zu mehr Beten und zum häufigeren Empfang der Sakramente der Buße und der Eucharistie anzuregen. Diese Wege sollen wünschenswerterweise auch heute noch den Gläubigen angeraten werden".

An diesem Fest des Heiligen Herzens Jesu wollen wir dem gütigen Aufruf unseres Heilands folgen: Kommt zu mir alle, die ihr müde seid und beladen, und ich will euch ausruhen lassen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und bescheiden in meinem Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen (Mt 11, 28-29). Mögen wir Ihm auf diesem Wege folgen, wo unbeschreibliche Schätze der Gnade für unsere Seelen bereitliegen! Im Vertrauen auf die unendliche Barmherzigkeit des Herzens Jesu empfehlen wir Ihm Sie selbst, Ihre Familien, Ihre Verstorbenen und all Ihre Anliegen.

Dom Antoine Marie osb

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