12. April 1998
Ostersonntag


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Eines Tages im Jahre 1915 zeterte in Rom ein Mann reifen Alters vor dem Bruder Maximilian Kolbe lauthals gegen den Papst und die Kirche. Der junge Franziskaner fing ein Streitgespräch an. ,,Ich kenne mich damit aus, junger Mann! Ich bin Doktor der Philosophie", rief der Unbekannte. ,,Ich aber auch", erwiderte der kleine Bruder mit seinen einundzwanzig Jahren, der aber wie sechzehn aussah. Verblüfft änderte der Mann nun seinen Ton. Der Bruder nahm daraufhin geduldig, mit unerbittlicher Logik die einzelnen Argumente seines Gesprächspartners auf und wandte sie gegen ihn. ,,Gegen Ende der Diskussion schwieg der Ungläubige", berichtete ein Zeuge. ,,Er schien gründlich nachzudenken". Wer ist denn dieser glühende Apostel, der von Papst Paul VI. als ein ,,Menschentyp" bezeichnet wurde, ,,dem wir unsere Lebensart angleichen können, da wir ihm das Vorrecht des Apostels Paulus einräumen, zum christlichen Volk sagen zu können: Ahmt mein Beispiel nach, wie auch ich Christi Nachahmer bin (1 Kor 11, 1)"?

Die zwei Kronen

Raimund Kolbe, der künftige heilige Maximilian-Maria (der am 10. Oktober 1982 von Papst Johannes-Paul II. heiliggesprochen wurde), wurde am 7. Januar 1894 als Kind bescheidener polnischer Weber geboren. Raimund war ungestüm, unabhängig, unternehmungslustig und eigensinnig. Von einem lebhaften und impulsiven Naturell, stellte er die Geduld seiner Mutter oft auf die Probe, so daß sie eines Tages ausrief: ,,Mein armes Kind, was wird aus dir?"

Der Tadel bewirkte bei dem Kleinen eine echte Umkehr. Er wurde brav und folgsam. Die Mutter bemerkte, daß er oft hinter dem Schrank verschwand, wo sich ein kleiner Altar unserer Lieben Frau von Tschenstochau befand, vor dem er betete und weinte. ,,Sag mal, Raimund", fragte ihn die Mutter, ,,warum weinst du wie ein Mädchen? - Als du zu mir gesagt hast: ,Raimund, was wird aus dir?`, da war ich sehr bekümmert und bin zur heiligen Jungfrau gegangen, um sie zu fragen, was aus mir wird... Die heilige Jungfrau ist mir erschienen mit zwei Kronen in der Hand, die eine weiß und die andere rot. Sie sah mich liebevoll an und fragte mich, welche ich wollte; die weiße bedeute, daß ich immer rein bleiben werde, und die rote, daß ich als Märtyrer sterben werde. Ich antwortete: ,Ich wähle beide!` "

Die Seele des Kindes bewahrte seit dieser Begegnung eine unerschütterliche Liebe zur allerseligsten Jungfrau. Die Schriften des heiligen Ludwig-Maria Grignion de Montfort lehrten den Jungen, daß ,,Gott in der letzten Zeit Maria enthüllen und entdecken will, das Meisterwerk seiner Hände... Maria muß mehr denn je glänzen in der Barmherzigkeit, in der Kraft und in der Gnade" (Abhandlung über die wahre Verehrung der heiligen Jungfrau). Er widmete sein Leben der heiligen Jungfrau, die er besonders als ,,die Unbefleckte" verehren wird. Sich Maria weihen, ist eine Liebesgabe, die die ganze Person hingibt und sie an die Unbefleckte bindet. ,,Ebenso wie die Unbefleckte Jungfrau Jesus und Gott gehört, ebenso wird jede Seele durch Sie und in Ihr Jesus und Gott gehören, und das viel besser als ohne Sie", schrieb später der heilige Maximilian.

Von Maria angezogen, entschied sich Raimund Kolbe für das Ordensleben. Am 4. September 1910 legte er den Habit der Franziskaner an und führte hinfort den Namen ,,Bruder Maximilian Maria". Im Herbst 1912 wurde er von seinen Vorgesetzten an die Universität Gregoriana nach Rom entsandt. Das Studium lenkte ihn nicht von seinem Ideal der Heiligkeit ab: Er wollte Gott die größtmögliche Ruhmestat darbringen. ,,Der Ruhm Gottes besteht im Heil der Seelen. Das Heil der Seelen, und zuerst unserer eigenen Seele, die bereits zu einem hohen Preis durch den Kreuzestod Jesu losgekauft worden sind, und ihre vollkommene Heiligung sind also unser edles Ziel".

Unter den Füßen Luzifers

In Rom gründete er auf eine Eingebung der heiligen Gottesmutter hin die ,,Mission der unbefleckten Jungfrau". Zu jener Zeit war die Freimaurerei in der ewigen Stadt sichtlich verbreitet. ,,Als die Freimaurer begannen, sich immer dreister zu benehmen", erklärte Bruder Maximilian, ,,und Schmähschriften gegen den Heiligen Vater sogar unter den Fenstern des Vatikans verteilten, tauchte plötzlich die Idee in mir auf, eine Vereinigung zu gründen, deren Ziel die Bekämpfung der Freimaurer und der anderen Handlanger Luzifers ist".

Die Freimaurerei ist eine tausendfach verzweigte Geheimgesellschaft, die die Welt nach solchen Grundsätzen zu lenken bemüht ist, die die Autorität Gottes und seiner Offenbarung mißachten. ,,Da die ganz eigene und spezielle Mission der katholischen Kirche darin besteht, die durch Gott offenbarten Lehren in ihrer Fülle zu empfangen und in unverderblicher Reinheit zu bewahren, ebenso wie die begründete Autorität, um sie zu lehren, zusammen mit den anderen vom Himmel gewährten Hilfsmitteln zur Rettung der Menschen, entfalten die Freimaurer gerade gegen sie die größte Hetze und richten ihre heftigsten Angriffe gegen sie". Doch die Freimaurerei zerstört auch die bürgerliche Gesellschaft, denn ihre Grundsätze widersprechen dem Naturgesetz und untergraben die ,,Grundlagen der Gerechtigkeit und des Anstands". Recht oft setzt sie dem Menschen als einzige Richtschnur des Handelns die Befriedigung der eigenen Wünsche. Andererseits ist die Forderung, den Staat der Religion völlig zu entfremden und die öffentlichen Ämter so zu verwalten, als gäbe es Gott nicht, ,,eine beispiellose Vermessenheit". Denn ebenso wie jeder Mensch verpflichtet ist, ,,Gott die Verehrung einer frommen Dankbarkeit zu zollen, weil wir Ihm das Leben und die Güter, die es begleiten, zu verdanken haben, ergibt sich für die Völker und die Gesellschaften eine ähnliche Aufgabe" (Papst Leo XIII., Enzyklika Humanum genus, 20. April 1884).

Die Kongregation für die Glaubenslehre hat durch eine Erklärung vom 26. November 1983 die Lehre Leos XIII. bekräftigt: ,,Das Urteil der Kirche über Freimaurervereinigungen bleibt unverändert, weil deren Grundsätze immer als mit der Lehre der Kirche unvereinbar betrachtet worden sind, und der Beitritt zu solchen Vereinigungen bleibt durch die Kirche verboten. Die Katholiken, die Freimaurervereinigungen angehören, befinden sich im Zustand der schweren Sünde und haben keinen Zugang zur heiligen Kommunion".

Wissenschaftlich programmierte Bedrohungen

Heute preist die Freimaurerei ,,die Kultur des Todes", indem sie für Empfängnisverhütung, Abtreibung und Euthanasie eintritt. Sie trägt auch zur Zerrüttung der Familie bei. 1979 schrieb der Freimaurer Pierre Simon: ,,Mein wahres Sein ist nicht mehr mein Leib, sondern meine Freimaurerloge; das Leben ist nicht länger ein Geschenk Gottes, sondern eine Materie, die sich selber trägt... Es verliert seinen absoluten Charakter, den es im Buch der Genesis besessen hat". Man darf also nach Belieben damit umgehen. So wird ,,die Sexualität von der Fortpflanzung getrennt und die Fortpflanzung von der Elternschaft. Das ganze Konzept der Familie ist dabei umzukippen". Ähnliche Grundsätze bewegen gegenwärtig zahreiche andere Organisationen, die, ohne sich jemals offen der Freimaurerei angeschlossen zu haben, in demselben Geist wirken. So konnte Papst Johannes-Paul II. am 4. August 1993 in Denver (Vereinigten Staaten) folgendes sagen: ,,Die Drohungen gegen das Leben werden mit der Zeit nicht schwächer. Im Gegenteil, sie nehmen riesige Dimensionen an... Es handelt sich dabei um wissenschaftlich und systematisch programmierte Bedrohungen".

Angesichts der gleichen Kräfte des Bösen, die schon zu seiner Zeit am Werk waren, bot der heilige Maximilian unserem Blick ein schönes Beispiel apostolischen Eifers. In der Nachfolge des heiligen Paulus wirkte er darauf hin, mit dem Guten das Böse zu überwinden (Röm 12, 21). Stark im Glauben und von einer sehr sicheren Theologie, wandte er sich an die Jungfrau Maria und an ihren göttlichen Sohn. Um zu unserer Rettung zu kommen, ließ sich das Wort Gottes herab, Mensch zu werden und zur Mutter eine Jungfrau zu wählen. Die Mutter des Heilands, Maria, ist von Gott mit den einer so großen Verantwortung angemessenen Gaben beschenkt worden. Der Engel Gabriel grüßt sie bei der Verkündigung als voll der Gnade (Lk 1, 28). Bei der Auslegung dieses Ausdrucks verkündete Papst Pius IX. 1854 das Dogma der Unbefleckten Empfängnis: ,,...daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde". Da die Unbefleckte Gottesmutter niemals die Sünde kennengelernt hat, besitzt sie eine gewaltige Macht gegen alles Böse und ist die ,,Mutter aller Gnade" geworden.

Alle Sünder bekehren

Unsere gegen das Böse mächtige Liebe Frau ist siegreich über den Teufel. So gründete Bruder Maximilian die ,,Mission der unbefleckten Jungfrau" auf das Wort Gottes zu der Schlange (zum Teufel): Sie (die heilige Jungfrau) wird dir den Kopf zertreten (Gen 3, 15 - Vulgata). Der Heilige verband diese göttliche Weissagung mit der Aussage der Liturgie: ,,Durch dich allein, Maria, sind alle Häresien besiegt worden". Das Ziel seines Werks besteht darin, ,,die Bekehrung der Sünder, der Häretiker, der Schismatiker usw., und insbesondere der Freimaurer, sowie die Heiligung aller Menschen unter der Leitung und durch die Fürsprache der seligen, Unbefleckten Jungfrau Maria" zu erreichen. In seinem Eifer wünscht er die Bekehrung und die Rettung aller Sünder. Dieser Wunsch entspricht dem Plan Gottes. Denn so sehr liebte Gott die Welt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe (Joh 3, 16).

Die Mitglieder der ,,Mission" sollen die wundertätige Medaille tragen und einmal pro Tag folgendes Gebet sprechen: ,,O Maria, empfangen ohne Sünde, bete für uns, die wir zu Dir fliehen und für alle, die nicht zu Dir flüchten, insbesondere für die Freimaurer und für alle, die Dir empfohlen werden".

Die Kultur christianisieren

Die Gesundheit von Bruder Maximilian war nicht gerade robust. Dennoch widmete er sich beherzt seinen Studien, bestand die Prüfungen mit Auszeichnung und wurde 1915 Doktor der Philosophie. Vier Jahre später promovierte er ebenso erfolgreich zum Doktor der Theologie. In der Zwischenzeit empfing er am 28. April 1918 die Priesterweihe. Seine intellektuelle Ausbildung betrieb er mit dem Ziel, andere zu unterrichten und so zum Heil der Seelen beizutragen. Es war sein Wunsch, ,,jeden Fortschritt dem Ruhm Gottes dienstbar zu machen", d.h. die moderne Kultur zu christianisieren.

Doch der Heilige mußte die Erfahrung machen, daß das Gute nicht ohne das Kreuz bewirkt werden kann. Denn, wie die heilige Therese vom Kinde Jesu mahnte, ,,nur das Leiden kann Seelen gebären". Am Ende des Jahres 1919 wurde Bruder Maximilian nach Zakopane in ein Sanatorium entsandt, in dem es an religiösem Beistand mangelte. Obwohl selber krank, nahm er mit Hilfe wundertätiger Medaillen ein schwieriges Apostolat bei seinen Leidensgefährten auf. Er gewann die Herzen und Köpfe nacheinander für sich und machte das so gut, daß er zu Vorträgen eingeladen wurde. Der Apostel Marias wartete auf nichts anderes. Viele Ungläubige wurden bekehrt.

Das Gift der Gleichgültigkeit

Dann begann der Pater eine Reihe von ,,apologetischen Gesprächen" über die Existenz Gottes und die Gottheit Christi. Seine Liebe zur Wahrheit kommt zwischen den Zeilen eines Briefes an seinen Bruder Josef zum Ausdruck: ,,Heutzutage ist die Gleichgültigkeit, die ihre Opfer nicht nur unter den Bürgern, sondern auch unter den Ordensbrüdern findet, in unterschiedlichem Grade natürlich, das größte Gift". ,,Alle Christen", sagte Papst Pius XII., ,,müßten soweit wie möglich eine tiefgehende und organische religiöse Ausbildung haben. Es wäre in der Tat gefährlich, alle anderen Kenntnisse weiterzuentwickeln und das religiöse Erbe unverändert so zu belassen, wie es in der frühesten Kindheit war. Da es notwendigerweise unvollständig und oberflächlich wäre, würde es durch die unreligiöse Kultur und die Erfahrungen des Erwachsenenlebens erstickt und vielleicht zerstört, wie all die Leute bezeugen, deren Glaube wegen im Schatten verbliebener Zweifel und wegen ungelöster Probleme Schiffbruch erlitten hatte. Da die Grundlage des Glaubens notwendigerweise rational sein muß, wird eine hinreichende Beschäftigung mit der Apologetik unerläßlich" (24. März 1957).

1927 gründete Pater Maximilian das franziskanische Marienzentrum Niepokalanow (wörtlich: Stadt der Unbefleckten Jungfrau). Dort war alles Maria geweiht. Es kamen so viele Leute, die um Zulassung zum Noviziat baten, daß das Kloster bis zu tausend Ordensleute zählte. ,,In Niepokalanow", schrieb der Pater, ,,leben wir von einer, wie man sagen könnte, absichtlich gewählten und geliebten fixen Idee: der unbefleckten Jungfrau!" Die Presse, deren Einfluß ständig zunahm, erschien ihm als ein privilegiertes Terrain für das Apostolat. Zum Zwecke der Evangelisation gab er die Zeitschrift ,,Der Ritter der Unbefleckten Jungfrau" heraus, die bald zur wichtigsten Veröffentlichung Polens wurde. 1939 erreichte die Auflage die Zahl von einer Million Exemplaren.

,,Können Sie japanisch?"

Polen war nicht das einzige Ziel von Pater Maximilian, es war lediglich ein Sprungbrett. Kaum drei Jahre nach der Gründung von Niepokalanow traf er in einem Zug mit japanischen Studenten zusammen. Es entspann sich ein Gespräch, und der Pater bot wundertätige Medaillen an. Als Gegengeschenk gaben ihm die Studenten kleine hölzerne Elefanten, die ihnen als Götzenbilder dienten. Seit dieser Zeit mußte der Heilige ständig an sein Mitleid mit diesen armen gottlosen Seelen denken. So wurde er eines schönen Tages bei seinem Provinzial vorstellig und bat ihn um die Erlaubnis, nach Japan zu reisen und dort ein japanisches Niepokalanow zu gründen. ,,Haben Sie Geld?" fragte der Pater Provinzial. - ,,Nein. - Können Sie japanisch? - Nein. - Haben Sie wenigstens Freunde dort, irgendeine Stütze? - Noch nicht, aber ich werde mit Gottes Gnade schon welche finden".

Nachdem alle Erlaubnisse eingeholt waren, brach der Pater 1930 mit vier Brüdern nach Japan auf. Mit viel Arbeit, Wagemut, Gebeten und Vertrauen zur Unbefleckten Mutter Gottes gelang ihnen schließlich die Gründung des ,,Mugenzai no Sono" (wörtlich: des Gartens der Unbefleckten Jungfrau). Zwei Jahre nach der Gründung in Japan schiffte sich Pater Maximilian zum gleichen Zweck nach Indien ein. Begegneten ihm große Schwierigkeiten, so betete er zur heiligen Therese von Lisieux: War es einst in Rom nicht zwischen ihnen abgemacht, daß er jeden Tag für ihre Heiligsprechung beten würde, sie aber als Gegenleistung die Schutzpatronin seiner Werke wäre? Die ,,kleine Therese" hielt den Vertrag in Ehren. Alle Hindernisse verschwanden wie von Zauberhand. Doch durch das Fieber erschöpft und ausgezehrt, mußte der Apostel Marias 1936 nach Polen heimkehren.

Die Liebe oder die Sünde

September 1939: Das Land wurde mit Krieg überzogen. Der heilige Maximilian widmete sich eifriger denn je dem Apostolat. ,,Wenn das Gute in der Liebe Gottes besteht und in all dem, was dieser Liebe entspringt, so ist das Böse in seinem Wesen eine Negation der Liebe", steht in seinem letzten veröffentlichten Artikel zu lesen. Das ist der wirkliche Konflikt. Im Grunde einer jeden Seele gibt es zwei Feinde: das Gute und das Böse, die Liebe und die Sünde. Der heilige Augustinus drückte diesen Konflikt folgendermaßen aus: ,,Zwei Lieben haben zwei Staaten errichtet: Die bis zur Mißachtung Gottes gehende Eigenliebe hat den irdischen Staat gebaut; die bis zur Selbstverleugnung gehende Gottesliebe hat den himmlischen Staat gebaut" (Civitas Dei, XIV, 28).

Am 17. Februar 1941 nahmen Gestapobeamte den Pater sowie vier andere Brüder fest und nahmen sie zunächst in das Pawiak-Gefängnis nach Warschau mit. Der Pater wurde dort als Ordensmann und Priester heftig verprügelt. Er schrieb an seine in Niepokalanow zurückgebliebenen Kinder: ,,Die Unbefleckte Jungfrau, diese überaus liebende Mutter, hat uns immer mit Zärtlichkeit umgeben und wird immer über uns wachen... Lassen wir uns von Ihr immer vollkommener dorthin lenken, wohin sie will, und was immer ihr Freude macht, damit wir, indem wir unsere Pflichten bis zum Schluß erfüllen, alle Seelen durch die Liebe retten können". Einige Tage später wurde Pater Kolbe in das Lager Auschwitz gebracht.

Als er wegen der erlittenen Mißhandlungen bald ins Krankenhaus kam, hörte er nächtelang die Beichte, trotz des Verbots und der Androhung von Repressalien. Er wußte selbst das Böse zum Guten zu wenden und erklärte eines Tages einem Kranken: ,,Der Haß ist keine schöpferische Kraft. Nur die Liebe ist schöpferisch. Diese Schmerzen werden uns nicht zum Nachgeben bringen, doch sie müssen uns immer mehr helfen, stark zu sein. Sie sind zusammen mit anderen Opfern notwendig, damit die, die nach uns bleiben, glücklich werden". Er ließ seine Leidensgefährten am Ostergeheimnis teilhaben, in dem das im Glauben gelebte Leid sich in Freude verwandelt.

,,Eine größere Liebe hat niemand..." (Joh. 15, 13)

Ende Juli 1941 war ein Gefangener vom vierzehnten Block, dem von Pater Maximilian, entflohen. Der Lagerkommandant hatte angekündigt, daß für jeden Entflohenen zehn aufs Geratewohl gewählten Gefangenen zum Verhungern und Verdursten verurteilt würden. Einer dieser armseligen Todgeweihten rief: ,,Oh! Meine arme Frau und meine Kinder, die ich nie wiedersehen werde!" Da bahnte sich Pater Maximilian unter seinen sprachlosen Gefährten einen Weg und trat vor. ,,Ich würde an Stelle eines dieser Verurteilten sterben", und wies auf den Mann, der gerade geklagt hatte. ,,Wer bist du?" fragte der Kommandant. ,,Ein katholischer Priester", antwortete der Pater. Denn er wollte als katholischer Priester sein Leben hingeben. Der verblüffte Offizier schwieg einen Augenblick still und nahm dann den heldenhaften Vorschlag an.

Im Todesblock merkten die Wächter sehr wohl, daß etwas Neues vorging. Statt der gewohnten Verzweiflungsschreie bekamen sie Lieder zu hören. Die Gegenwart von Pater Maximilian hat die Atmosphäre der entsetzlichen Zelle verändert. Die Verzweiflung hat einem Trachten voller Hoffnung, Zustimmung und Liebe zum Himmel, zur Mutter der Barmherzigkeit hin, Platz gemacht. Am Vorabend des Hochfestes der Himmelfahrt Mariens (14. August) war nur noch Pater Maximilian bei vollem Bewußtsein. In dem Moment, wo die Wächter eintraten, um ihn umzubringen, betete er gerade. Als er die Spritze sah, streckte er selbst seinen abgemagerten Arm dem tödlichen Stich entgegen.

Gerne wiederholte der heilige Maximilian folgendes: ,,Auf dieser Erde können wir nur mit einer Hand arbeiten, denn mit der anderen Hand müssen wir uns gut festhalten, damit wir nicht selbst umfallen. Doch im Himmel wird das anders sein! Keine Gefahr mehr auszurutschen und hinzufallen! Wir werden dann noch viel mehr arbeiten, mit beiden Händen!" Die Mönche bitten ihn um seine Fürsprache bei der Unbefleckten Jungfrau Maria und beim

heiligen Josef sowohl für Sie selbst wie für alle Lebenden und Verstorbenen, die Ihnen teuer sind.

Dom Antoine Marie osb

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