1. Oktober 1997
Rosenkranzmonat


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Verbreitet über die ganze Welt, gibt es mehr als 30 Häuser der Ordensschwestern der Kongregation ,,Die Töchter des heiligen Josef". Sie stellen jährlich Millionen von Hostien her, pressen Weintrauben, reinigen Tonnen von liturgischer Wäsche. Die Basilika St. Peter in Rom nimmt ihre Dienste in Anspruch, aber auch bescheidene Kapellen in den Missionen. Ihr Leben ist ganz ausgerichtet auf das hl. Meßopfer am Altar und auf den Tabernakel. Sie bezeugen der Welt die Liebe der Kirche für die Eucharistie.

Ein geistiger schatz

,,Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Mit der Eucharistie stehen die übrigen Sakramente im Zusammenhang; auf die Eucharistie sind sie hingeordnet; das gilt auch für die kirchlichen Dienste und für die Apostolatswerke. Die heilige Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner Fülle, Christus selbst, unser Osterlamm" (Katechismus der Katholischen Kirche, 1381). Worauf gründet die Kirche die Behauptung, daß Jesus im Altarssakrament wahrhaft zugegen ist? ,,Die tatsächliche Gegenwart des wirklichen Leibes und des wirklichen Blutes Christi in diesem Sakrament ,erfährt man nicht durch die Sinne`, sagt der hl. Thomas von Aquin, ,sondern allein durch den Glauben, der sich auf die Machtvollkommenheit Gottes stützt`. Den Text des hl. Lukas erläuternd (22, 19): Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, erklärt der hl. Cyrill von Alexandrien: ,Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lügt er nicht`" (Katechismus, 1381).

Diese Kongregation der ,,Töchter des heiligen Josef", die ihr Leben der Verehrung Jesu in der Eucharistie weihen, wurde von Clemens Marchisio gegründet. ,,Ein Mann des Gebetes, wie es jeder Priester sein soll", sagte Papst Johannes Paul II. von ihm bei der Seligsprechung (am 30. September 1984), ,,war er sich der Pflicht bewußt, Gott, den Herrn des Universums und seines Lebens, anzurufen, aber er war ebenso davon überzeugt, daß die wahrhafte Verehrung, die der unermeßlichen Heiligkeit Gottes würdig ist, sich vor allem für das Sakrament des Leibes und Blutes Christi verwirklicht. So bezeugte er immer den größten Eifer bei der andächtigen Zelebrierung des eucharistischen Geheimnisses, durch eine unablässige Anbetung und durch die Sorgfalt, die er auf die prachtvolle Ausgestaltung der verschiedenen liturgischen Feste verwandte. In der Tat war er überzeugt, daß die Kirche sich vor allem um die Eucharistie schart und daß die Mitglieder der christlichen Gemeinde, wenn sie an ihr teilnehmen, mystischerweise mit Christus eins werden und unter sich ein einziges Ganzes bilden".

,,Ich will pfarrer werden"

Clemens Marchisio wird am 1. März 1833 im Dorf Raconnigi, in der Gegend von Turin, geboren, wo seine Familie sehr geachtet ist, sowohl wegen ihrer Glaubenstreue wie auch ihrer Arbeitsamkeit. Der Vater, ein bescheidener Schuster, hat nur einen Wunschtraum, daß der kleine Clemens, der Älteste in der Familie von fünf Kindern, ihm eines Tages in seinem Beruf als Schuhmacher helfen wird. Aber schon früh erklärt das Kind: ,,Ich will Pfarrer werden"; Der Mutter, einer frommen Frau, gelingt es, ihren Mann zu überzeugen: ,,Lassen wir ihn Priester werden". Dank der Unterstützung eines mildtätigen Geistlichen, Don Sacco, kann der Jugendliche die Oberschule besuchen und dann Philosophie studieren.

Mit 16 Jahren legt Clemens Marchisio das geistliche Gewand an, dem er immer treu bleiben wird. Er wird am 21. September 1856 zum Priester geweiht. In seinem jugendlichen Eifer hat er nicht das gesamte Ausmaß dieser Weihe ermessen. Zum Glück verbringt er nach seiner Ordination noch zwei Jahre in einem Internat, das von dem hl. Josef Cafasso geleitet wird und das sich die Ausbildung von jungen Priestern zum Ziel setzt. ,,Priester sein ist der sicherste Weg, ins Paradies zu gelangen und andere dorthin zu führen", sagt Don Cafasso zu ihm. Als er das Internat verläßt, hat Clemens Marchisio die Würde der Priesterweihe in ihrem ganzen Ausmaß begriffen.

Don Marchisios aufgaben

Zu Beginn seiner seelsorgerischen Tätigkeit ist er in der Pfarrei einer kleinen Stadt, wo die Bevölkerung sich als sehr religiös erweist. An den Werktagen kommunizieren täglich fast 400 seiner Pfarrkinder. Aber dieses leicht auszuübende apostolische Amt dauert nicht lange. 1860 wird er zum Pfarrer von Rivalba Torinese ernannt, einem Ort, der fanatisch antiklerikal ist, die ,,Höhle des Teufels" nennt man ihn. Wie Jesus Christus will er für seine Herde ein ,,guter Hirt" sein. Sein innigster Wunsch ist es, sie zu retten und dadurch auch sich selbst. Die Ansprache, die er bei seinem Amtsantritt an seine Pfarrgemeinde hält, legt sein beispielhaftes Programm für das priesterliche Amt dar; ,,Ich bin euch", sagt er zu ihnen, ,,ein gutes Beispiel schuldig, die Unterweisung, meinen Dienst und mein ganzes Selbst. Ich muß, wenn es notwendig ist, mich selbst heiligen für eure Seelen. Meine erste Pflicht ist ein gutes Beispiel. Als Hirte muß ich das Licht der Welt und das Salz der Erde sein, was mich zu allen Tugenden verpflichtet... Ich muß mein Amt durch ein heiliges und untadelhaftes Leben in Ehren halten, und ihr, ihr müßt mein Amt ehren, respektieren und nachahmen. Diese Ehrungen und diesen Respekt schuldet ihr nicht meiner Person, sondern dem Amt, das ich bekleide: in meine Hände sind Vollmachten gelegt, die niemals den Engeln im Himmel noch den Königen der Erde verliehen sind. Ich kann euch mit Gott versöhnen, euch eure Sünden vergeben, euch die Quellen der Gnade und die Pforten des Himmels erschließen, das Himmelsbrot weihen und Jesus, unsern Heiland, in eure Mitte kommen lassen. Ihr müßt mich als Gesandten Gottes ansehen, der euch zum Himmel führt... Meine zweite Pflicht ist es, euch zu unterweisen: den Kindern Katechismusunterricht erteilen, die Unwissenden lehren, eingeschlossen diejenigen, die nicht die Kirche besuchen, die Familienväter und -mütter beraten, die jungen Leute ermahnen. Und wenn irgendwelche Laster auftauchen, muß ich meine Stimme erheben. Welche Ungnade für mich, wenn ich nicht klar die Wahrheit verkünde... Und drittens bin ich verpflichtet, ganz für euch da zu sein wie Jesus gesagt hat: Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und um sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele (Mt. 20, 28). Ich muß euch meine Abende opfern, meine Hilfsbereitschaft, meine Müdigkeit, in jedem Augenblick, am Tag und in der Nacht, unabhängig von der Entfernung, von Hitze und Kälte, um euch Beistand zu leisten... Meinem Dienst werde ich meine Gebete hinzufügen: durch das Gebet hat der hl. Paulus so viele Seelen bekehrt..."

Dieses Programm der Hingabe aus Liebe für die Seelen spornt uns an in der Erfüllung unserer Standespflichten. In seinen Geistigen Übungen lädt uns der hl. Ignatius alle ein, mit Unserm Herrgott an der Eroberung der ganzen Welt zu arbeiten, Ihm zu folgen auch in der Erschöpfung, um Ihm letztendlich auch in seine Herrlichkeit zu folgen (Nr. 95). Aber diese friedliche Eroberung findet nicht statt ohne das Kreuz.

Die wahrheit ist nicht immer angenehm

Pfarrer Marchisio beginnt mit dem Katechismusunterricht der Kinder, die gerne diesem Priester zuhören der einfache, klare und lebendige Worte findet. Aber auf der Kanzel, in Nachahmung des hl. Pfarrers von Ars, predigt er mit starken Worten gegen die Gotteslästerungen, die Nichtachtung des Sonntags, den Verfall der Sitten: ,,Merkt euch ein für allemal", sagt er zu seinen Zuhörern, ,,daß ich nicht hier bin, um euch zu gefallen, sondern um euch die Wahrheit zu sagen und euch zu bekehren". Indessen die Wahrheit zu hören, ist nicht immer angenehm. Diejenigen, die sich durch diese nachdrücklichen Predigten schockiert fühlen, werden demnach versuchen, ihren Pfarrer mundtot zu machen, indem sie ihm das Leben unmöglich machen. Sobald die Lesung des Evangeliums beendet ist, machen die Männer ein flüchtiges Kreuzzeichen und verlassen die Kirche. ,,Um des lieben Friedens willen" machen ihre Frauen es ihnen nach. Die jungen Männer und jungen Mädchen tun eilfertig das Gleiche. Und der Prediger findet sich vor einer Zuhörerschaft von Kindern und einigen alten, schwerhörigen Leuten. Dann nimmt der Angriff weitere Ausmaße an: durch das Kirchenportal zwängt man einen Esel, der ohrenbetäubend schreit. Der junge Pfarrer verbirgt einen Augenblick sein Gesicht in seine Hände und fährt, als wieder Ruhe eingetreten ist, in seiner Predigt mit Eifer und Überzeugung fort.

Andere Streiche werden ihm gespielt: Lärm in der Kirche, Pfiffe, ketzerische Lieder folgen einander ohne Unterbrechung. Man beobachtet scharf seine geringste Bewegung, seine Gesichtszüge, und alles ist gut um Zweifel zu säen, sie zu vergrößern und sie in Verleumdung zu verwandeln. Eines Tages wird er mit einem Stock angegriffen. Geschickter als der Angreifer, nimmt der Priester ihm den Stock ab, gibt ihn dann zurück und sagt: ,,Nimm und mach mit mir, was du willst. Ich bin zum Sterben bereit. Eines bedauere ich aber, daß du entdeckt wirst und dich dann in den Händer der Justiz befindest". Diese Nächstenliebe entwaffnet seinen Gegner.

Beim kreuztragen

Nachdem er lange Zeit alles schweigend ertragen hat, wird Clemens Marchisio doch von Furcht ergriffen und bittet um die Versetzung in eine andere Pfarre. Sein Bischof weist ihn an, mutig bei seinem Kreuztragen auszuharren. Clemens gehorcht, sich dem Herzen Jesu, der hl. Jungfrau und dem hl. Josef überlassend. ,,Um Jesus zu lieben", sagt er, ,,nicht nur in flammenden Worten, sondern in Taten, muß man gehaßt, verleugnet werden. Man muß leiden, ermattet und gedemütigt werden für ihn. Das Allerbeste vollendet sich am Kreuz". Diese Worte sind ein Echo auf die Worte Jesu: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen, euch schmähen und euren Namen als etwas Böses verwerfen, um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tag und jubelt, denn seht, euer Lohn ist groß im Himmel (Lk. 6, 22-23).

In der Meßfeier und der Anbetung des Heiligen Altarssakramentes hat der selige Clemens Marchisio die notwendige Kraft gefunden, Jesus auf den Kalvarienberg zu folgen. ,,Die Spiritualität von allen Priestern ist an die Eucharistie gebunden. In ihr finden sie die notwendige Kraft, um ihr Leben aufzuopfern zur gleichen Zeit wie Jesus, dem höchsten Priester und Opfer des Heils... Vom Kreuz herab spricht unser Herr zu seinen Priestern und lädt sie ein, mit Ihm Zeichen des Widerspruchs für die Welt zu sein. Der Widerspruch Jesu hat in der apostolischen Tradition Eingang gefunden: Gleicht euch nicht dieser Welt an" (Röm.12 - Johannes-Paul II., 9. September 1983). Jeden Tag bereitet sich Don Marchisio lange auf die Meßfeier vor, er feiert sie nicht langsam, aber mit großer Andacht. Seinen Pfarrangehörigen legt er ebenfalls ans Herz, sich sorgfältig auf die Kommunion vorzubereiten: ,,Wenn ihr das Erdreich nicht vorbereitet, ist es nutzlos, gute Saat auszustreuen; das Gleiche gilt für die Nahrung der Seele, die die heilige Kommunion ist. Wer die Früchte der Gemeinschaft mit Gott ernten will, seine Seele lebendig erhalten und ihre Kräfte erstarken lassen möchte, muß die notwendigen Vorbedingungen dazu mitbringen".

Eine überzeugungskraft zur umkehr

Lange vor dem Tabernakel zu verharren ist seine höchste Freude, ganz besonders, wenn das Kreuz schwerer wird, das Unverständnis, Verleumdung und Schulden ihm auferlegen. Einer verzagten Frau gesteht er: ,,Sehen Sie, auch ich trage manchmal schwer an der Last der Widerwärtigkeiten. Aber nach zehn Minuten vor dem allerheiligsten Sakrament, das unser höchstes Gut ist, fühle ich mich völlig neugestärkt. Machen Sie es genauso, wenn Sie niedergeschlagen und mutlos sind". Auch wir können aus der unversiegbaren Quelle der Eucharistie schöpfen, dem Wasser der Gnade, das uns stärken wird in den Drangsalen des Lebens. Ohne zu sprechen, wird Jesus in der Hostie uns erleuchten und die Herzen verwandeln, zunächst unseres, dann manchmal das der Anderen, und das Kreuz wird leichter erscheinen, sanfter zu erleiden.

Die gegen Clemens Marchisio gerichteten üblen Machenschaften dauerten etwa 10 Jahre an. Nachdem sie lange Zeit die Lebensweise und Gesten ihres Pfarrers überwacht hatten, wird mehreren Personen seine Treue in der Erfüllung seiner Verpflichtung bewußt. ,,Niemals hat man ihn bei dem geringsten Fehlverhalten in der Befolgung der Gebote Gottes beobachtet", sagte eine von ihnen. Bewegt und erbaut bekehrten sich viele. Der Wind schlug um, die erbittertsten Gegner kamen schließlich zu Gott zurück. Aber um den Preis von wieviel Gebeten, persönlichen Gesprächen, den Zeiten der Verlassenheit und Einsamkeit, den Übungen in Geduld hat er von Gott das Heil der Seelen seiner Pfarrkinder errungen! ,,Er ist ein Beichtvater wie ein Engel", sagte man sich: Feingefühl, Rücksichtnahme, Barmherzigkeit, mit einem Wort: ,,Herz", das ist seine Art. Aber wenn sie auch zu Gott zurückkehren, so haben doch die Angehörigen seiner Pfarre noch nicht alle schlechten Gewohnheiten abgelegt, und einige bleiben arme Sünder: ,,Was mir das Herz bricht", sagt er, ,,was mich hindert, den Frieden zu finden, ist, daß ich zusehen muß, wie viele Sünden mit Gleichgültigkeit begangen werden, als sei die Sünde nichts. Und doch ist sie das größte Übel, daß es in der Welt gibt. Nicht nur, daß die Sünde den Ruin für die Ewigkeit bedeutet, sie ist schon im gegenwärtigen Leben eine Art Hölle. Ach! Welches Glück, in der Gnade Gottes zu stehen... O Herrgott, gib mir die Kraft, mit meiner Stimme in die Herzen einzudringen, eine sehr mächtige Kraft, um die Verderbtheit zu entwurzeln!"

Barmherzigkeit für seele und körper

Don Marchisio spricht zu seinen Pfarrangehörigen auf diese Weise vom ewigen Heil. Aber seine barmherzige Betreuung erstreckt sich auch auf alle materiellen Bedürfnisse. Niemand verläßt ihn, ohne Hilfe erhalten zu haben. Er geht so weit, seine Bettwäsche und Decken den Armen zu geben, die in einem Pferdestall Unterschlupf gesucht haben. Zwischen 1871 und 1876 baut er ein Kinderheim sowie eine Werkstatt für Webearbeiten, um für junge Mädchen Beschäftigung und Erwerb zu beschaffen. Der gute Wille von hilfsbereiten Frauen unterstützt ihn bei der Ausführung dieses Werkes der Nächstenliebe. Unter dem Namen ,,Die Töchter des heiligen Josef" schließt er sie zusammen.

Das Beispiel von Don Marchisio lädt uns ein, die Werke der Barmherzigkeit zu üben, ,,durch die wir unserem Nächsten in seinen leiblichen und geistigen Bedürfnissen zuhilfe kommen. Belehren, raten, trösten, ermutigen sowie vergeben und geduldig ertragen sind geistliche Werke der Barmherzigkeit. Leibliche Werke der Barmherzigkeit sind vor allem: die Hungrigen speisen, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen und Tote begraben. Unter diesen Werken ist das Almosenspenden an Arme eines der Hauptzeugnisse der Bruderliebe; es ist auch eine Gott wohlgefällige Tat der Gerechtigkeit" (Katechismus, 2447).

Aber die Nächstenliebe von Don Marchisio richtet sich mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Art und Weise, wie Jesus selbst im hl. Altarssakrament behandelt wird. Im Innersten seiner Seele ist er mit Schmerz erfüllt, wenn er feststellt, daß liturgische Gewänder in schlechtem Zustand sind, und Unsauberkeit von Altardecken und -tüchern betrüben ihn zutiefst. Nachdem er lange gebetet und die Meinung seiner Vorgesetzten eingeholt hat, vertraut er den ,,Töchtern des heiligen Josef" eine ganz andere Aufgabe an als die, für die er sie in einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hatte. Sie werden ihr Leben der Verehrung der Eucharistie weihen. Die ganz besondere Aufgabe der Schwestern soll es sein, mit großer Ehrfurcht nach den Anweisungen der Kirche alles für das Meßopfer Notwendige zu bereiten, Ornamente und Altarwäsche herzustellen, für die guten Formen und die Ehrerbietung Sorge zu tragen, die die Eucharistie erfordert. Sie sollen den Kindern Katechismusunterricht geben, um sie auf die Erste Kommunion vorzubereiten und über die liturgische Unterweisung der Meßdiener und der Gläubigen wachen.

Nachdem Ziel und Zweck seiner Kongregation festgelegt sind, stellt er sie fürsorglich unter den Schutz des hl. Josef: ,,Legen wir alles in die Hände des heiligen Josef", sagt er, ,,er ist unser Nährvater, der uns niemals Mangel leiden lassen wird... Betet, klopft an die Pforte der göttlichen Vorsehung und erhofft alles von Gott durch die Fürsprache des hl. Josef". Ebenso ermutigt er, Maria zu vertrauen. ,,Wenden wir uns immer an Maria", wiederholt er, ,,sie wird es nicht versäumen, uns zu Hilfe zu kommen. Denken wir an ihre Reinheit, an ihre Demut, an ihre innige Verbundenheit mit Gott, ihre völlige Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen, und bemühen wir uns, sie in uns leuchten zu lassen, um ihr zu gleichen... Haltet Maria in euren Herzen fest... Die Madonna weiß, daß wir ihre Kinder sind. Sie ist die Mutter unseres ewigen Heils. Fassen wir Mut: eines Tages werden wir unsere gütige Himmelsmutter sehen. Habt ihr über das Glück nachgedacht, eine Mutter zu haben?"

Der aufstieg zum Himmel

Von der mütterlichen Hand Mariens geleitet, macht Don Marchisio ständig Fortschritte auf dem Weg zur Heiligkeit. Fünf Jahre vor seinem Tod sagt er voraus, daß er mit 70 Jahren sterben werde. Aber zuvor muß er durch eine dunkle Nacht gehen: ,,Ich Armer!" jammert er. ,,Niemals hat mich der Teufel so gequält! Welche Pein läßt er mich nicht erdulden? Wie sehr hat er meine Hoffnung zunichte gemacht, indem er mir mein nutzloses Leben vor Augen führt! Welche Versuchungen bis hin zu der, mein Institut der Ordensschwestern zu zerstören!" Sich auf die Hilfe der Heiligen Jungfrau stützend, geht er siegreich aus der Prüfung hervor.

Am Morgen des 15. Dezember 1903 will er die Messe feiern und die Mitgründerin der Kongregation, Schwester Rosalie Sismonda, die im Sterben liegt, besuchen. Aber er hat einen Schwächeanfall und murmelt: ,,Wenn ich doch noch eine Messe zelebrieren könnte!... Heute werde ich vielleicht nicht mein Brevier beten können!" Bald liegt er in den letzten Zügen, kurze Gebete sprechend: ,,Mein Gott, hab Erbarmen mit mir!... Erschaffe in mir ein reines Herz!... Jesus, Maria, Josef!" Dies sind seine letzten Worte.

So ging der aus dieser Welt in die andere, der geschrieben hat: ,,Die Dinge dieser Welt sind nichts. Der Himmel, die Ewigkeit warten auf mich. Was wird aus mir, aus uns, werden? Eine Million Jahre nach meinem Tod werde ich erst am Beginn der Ewigkeit stehen. Die Erde ist eine Durchgangsstation, wo ich wie ein Reisender bin. Das Leben ist ein Augenblick, der dahinflieht wie das Wasser eines Wasserfalls".

Könnten wir doch aus dem Beispiel des Seligen Clemens Nutzen ziehen, um die Nächstenliebe in die Tat umzusetzen, jeden Tag in der Verehrung zum hl. Altarssakrament zu wachsen und mit ihm in das himmlische Vaterland zu gelangen. Diese Gnade wünschen wir Ihnen sowie allen, die Ihnen teuer sind, den Lebenden und Verstorbenen.

Dom Antoine Marie osb

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