6. August 1997
Verklärung des Herrn


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Unter den Problemen der heutigen Gesellschaft zählt die Krise der Familie zu den schwersten. Eine - oft durch die Medien verbreitete - radikale Infragestellung der Institution der Ehe greift sie immer wieder scharf an: Die Stabilität der Familien ist durch permissive Gesetze zugunsten der Ehescheidung bedroht; die Arbeit der Mutter im Haus wird nicht ihrem wirklichen Wert entsprechend gewürdigt; kinderreiche Familien erhalten nicht die Unterstützung, die ihnen zukäme; eheliche Keuschheit und Treue werden oft lächerlich gemacht; eine ,,Kultur des Todes" ermuntert unausgesetzt zu Abtreibung und Empfängnisverhütung; in vielen Gegenden ist das Kind Pervertierungsversuchen ausgesetzt (blasphemische und pornographische Werbung, Drogen, Prostitution usw.); es werden neue Modelle des Zusammenlebens propagiert: wilde Ehe, Familie mit einem Alleinerzieher, homosexuelle Lebensgemeinschaften usw.

Ein zeichen des widerspruchs

Die Gesellschaft zerstört sich selbst, wenn sie die Familie zerstört, die nach dem Willen des Schöpfers ihre Grundzelle ist. ,,Das Wohl der Person sowie der Gesellschaft ist zuinnerst mit einem Wohlergehen der Ehe- und Familiengemeinschaft verbunden" (II. Vatikanum, Gaudium et spes, 47). Werden aus den Kindern von heute nicht die Bürger von morgen? Das Kind aber macht im Schoße der Familie seine ersten Erfahrungen im Gemeinschaftsleben, erwirbt dort einen Sinn für Autorität, Verantwortung und uneingennützigen Dienst... Welche Vorbilder an Liebe, Treue und Vergebung können Kinder umgekehrt in solchen Modellen finden, die auf Individualismus und Instabilität gegründet sind?

Die katholische Kirche wird heute wegen ihrer Lehre über die Familie scharf kritisiert. Ihr wird vorgeworfen, ,,unzeitgemäß" zu sein, durch ihre ,,Verbote" dem Fortschritt der Völker und der Einzelpersonen entgegenzuwirken. Diese Angriffe dürfen uns weder überraschen noch entmutigen: Hat nicht Jesus Christus, unser Herr, seine Jünger gewarnt: Wenn die Welt euch haßt, so wißt, sie hat mich vor euch gehaßt. Wäret ihr von der Welt, würde die Welt das Ihrige lieben... In der Welt habt ihr Drangsal; doch seid getrost: Ich habe die Welt überwunden (Joh 15,18-19; 16,33)? In der Nachfolge des Heilands warnt uns auch die Kirche: Nehmt euch nicht die gegenwärtige Welt zum Vorbild (Römer 12, 2, zitiert in Veritatis splendor).

In diesem gegen die Kirche angestrengten Prozeß heben ihre Gegner ganz ungewollt ihre Heiligkeit hervor; sie geben zu, daß sie sich wirkungsvoll der zügellosen Genußsucht und der ewigen Verderbnis der Seelen entgegenstellt. Indem die Kirche das menschliche Leben verteidigt, dessen Heiligtum die Familie ist, beweist sie ihre Treue zu Christus, der nicht in diese Welt gekommen ist, um den Menschen eine unerträgliche Last aufzubürden, sondern im Gegenteil, um sie von der Knechtschaft der Sünde zu befreien. Indem sie darüber hinaus an ,,die notwendige Anpassung der bürgerlichen Gesetze an das moralische Gesetz" (Johannes-Paul II., Evangelium vitae, Nr. 72), d.h. an das in den Geboten Gottes verkündete Naturgesetz, erinnert, macht sich die Kirche zum Anwalt der wahren Werte der menschlichen Person und verteidigt die Grundsätze, die das gesellschaftliche Leben einzig und allein gerecht und friedlich gestalten können. So legt sie die Grundlagen für einen glücklichen Wiederaufbau des gesellschaftlichen Gefüges. Zu diesem wirklichen Fortschritt der Menschheit trägt die Kirche durch ihre Lehre und mehr noch durch das Vorbild ihrer Heiligen bei.

Diese bezeugen, daß es mit der Gnade Gottes möglich ist, mit dieser Lehre in vollkommenem Einklang zu leben. Aus Anlaß des Jahres der Familie sprach Papst Johannes-Paul II. Elisabetta Canori Mora selig. Diese Gattin und Familienmutter ,,hat inmitten zahlreicher ehelicher Schwierigkeiten eine vollkommene Treue zu der durch das Sakrament der Ehe eingegangenen Verpflichtung sowie zu der sich daraus ergebenden Verantwortung bewiesen" (Homilie vom 24. April 1994).

Eine wichtige vorbereitung

Elisabetta kam am 21. November 1774 auf die Welt. Ihre Eltern besaßen ein Gut in der Nähe von Rom (Italien). Sie war das dreizehnte von vierzehn Kindern in der Familie, von denen sechs bereits sehr jung starben. Ihre erste Erziehung empfing sie im Schoße dieser großen Familie. ,,Die Familie ist die erste Schule, die Grundschule des sozialen Lebens; als Liebesgemeinschaft findet sie in der Selbsthingabe das Gesetz, das sie lenkt und

gedeihen läßt. Die Hingabe seines Selbst, die die Ehegatten gegenseitig beseelt, stellt sich als Modell und Norm für denjenigen dar, der sich in den Beziehungen zwischen Brüdern und Schwestern sowie zwischen den verschiedenen Generationen, die das Familienleben teilen, verwirklichen muß"(Johannes-Paul II., Apostolisches Mahnschreiben Familiaris consortio, FC, 37).

In diesem zutiefst christlichen, auf die Erziehung der Kinder ausgerichteten Heim war Elisabetta glücklich und vollkommen ausgeglichen. 1796 heiratete sie einen jungen Anwalt, Cristoforo Mora, den Sohn eines reichen und geschätzten Arztes. Elisabetta hatte sich sorgfältig auf diese Verpflichtung vorbereitet und an entsprechenden Exerzitien teilgenommen. ,,Heute ist die Vorbereitung der jungen Leute auf die Ehe und auf das Familienleben notwendiger denn je. Viele negativen Erscheinungen, die man heute im Familienleben beklagt, rühren daher, daß die jungen Leute in neuen Situationen die richtige Hierarchie der Werte aus dem Blick verloren haben und, da sie über keine sicheren Verhaltenskriterien verfügen, nicht mehr wissen, wie sie die neuen Schwierigkeiten angehen und bewältigen sollen. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß auf das Familienleben gut vorbereitete junge Leute erfolgreicher sind als andere" (FC, 66).

Elisabetta hatte den Wunsch, zusammen mit ihrem Gatten eine wirklich christliche Familie zu gründen. Sie wußte, daß alle beide durch die vor Gott und vor der Kirche eingegangene feierliche Verpflichtung sich gegenseitig verprechen, einander ,,in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit treu zu bleiben, sich zu lieben und zu ehren alle Tage ihres Lebens" (vgl. Rituale). Um die wesentlichen Elemente, die das gemeinsame Wohl der Eheleute ausmachen, hervorzuheben (Liebe, Achtung, Treue bis zum Tod), fragt sie die Kirche während der Zeremonie, ob sie die Kinder, die Gott ihnen schenken will, annehmen und christlich erziehen wollen. ,,Nach dem Plan Gottes ist die Ehe die Grundlage der größeren Gemeinschaft der Familie, denn die Institution der Ehe selbst wie auch die eheliche Liebe sind auf die Fortpflanzung und auf die Erziehung der Kinder hin ausgerichtet, in denen sie ihre Krönung finden" (FC, 14).

Verletzte Liebe

Die erste Zeit der Ehe von Elisabetta war sehr glücklich. Doch bald begann das gemeinsame Leben unter der psychischen Labilität von Cristoforo zu leiden. Zunächst waren das unerklärliche Anfälle von Eifersucht, dann verliebte sich der junge Anwalt in eine andere Frau und betrog seine Gattin. Die in ihrer Liebe tief verletzte Elisabetta, machte ihrem Mann jedoch keine Vorwürfe. Sie erwies ihm nach wie vor ihre ganze Zärtlichkeit, da sie hoffte, ihn von neuem für sich - und für Gott - zu gewinnen. Die Heimsuchung war umso schmerzhafter, als sie nacheinander zwei Kinder verloren hatte, die kurz nach der Geburt gestorben waren.

Am Ende des Jahres 1799 brachte sie eine kleine Tochter voller Lebensfreude, Marianna, auf die Welt. Doch die Lage der Familie verschlechterte sich: Der Anwalt verlor das Interesse an seiner Kanzlei und stürzte sich in unüberlegte Spekulationen, die ihn bald in den Konkurs trieben. Elisabetta zögerte nicht: Sie verkaufte all ihren Schmuck, um die Schulden ihres Gatten zu tilgen, was ihr jedoch nicht gelang, da diese so beträchtlich waren. Weit davon entfernt, ihr dafür dankbar zu sein, wurde Cristoforo, durch seine Mißerfolge gedemütigt, grob und zunehmend argwöhnisch. Francesco und Agatha Mora, seine Eltern, schlugen ihm aus Sparsamkeitsgründen vor, die schöne Wohnung, die er seit seiner Heirat bewohnte, zu verlassen und mit Elisabetta zu ihnen zu ziehen. Der Umzug stellte für diese eine weitere Prüfung dar, denn sie verlor dadurch die Intimität ihres Ehe- und Familienlebens. Doch die junge Frau nahm dieses Opfer für die Bekehrung ihres ungetreuen Mannes willig auf sich.

Die Sünde des Ehebruchs ist in der Tat eine schwere Verfehlung. Der Katechismus der katholischen Kirche erinnert mit folgenden Worten daran: ,,Ehebruch, das heißt eheliche Untreue. Ehebruch ist ein Unrecht. Wer die Ehe bricht, wird seinen Verpflichtungen untreu. Er verletzt das Band der Ehe, das Zeichen des Bundes ist; er verletzt auch das Recht seines Ehepartners und schädigt die Institution der Ehe, indem er den Vertrag nicht einhält, der ihr zugrunde liegt. Er setzt das Gut der menschlichen Zeugung aufs Spiel sowie das Wohl der Kinder, die eine dauerhafte Verbundenheit der Eltern benötigen" (Katechismus, 2380-2381). Elisabetta wußte vor allem, daß derjenige, der sich der Sünde des Ehebruchs schuldig macht, am Reich Gottes nicht Anteil bekommen wird (vgl. 1 Kor 6, 9; Mt 19, 18). Ihre auf den Glauben und auf übernatürliche Barmherzigkeit gegründete Liebe zu Cristoforo ließ sie um das ewige Heil ihres Mannes fürchten. So vervielfachte sie ihre Opfer und Gebete.

Im Juli 1801 kam eine vierte Schwangerschaft, um das heimgesuchte Leben dieser bewundernswerten Frau zu versüßen. Doch bald nach der Niederkunft wurde die Mutter von einer Krankheit niedergestreckt, die bald zu einer Agonie führte. Vom menschlichen Standpunkt aus war Elisabettas Schicksal besiegelt. Doch eine wundersame Heilung, wie sie selbst später sagte, schenkte ihr die Gesundheit wieder. Die Krankheit war ihr Anstoß zu einem bedeutenden geistlichen Fortschritt. Ihr mit Gott vereintes Leben und ihre religiöse Praxis wurden intensiver; häufiges Beichten und Kommunizieren wurden die beiden Pole ihres geistlichen Lebens. 1804 faßte sie auf eine Eingebung Gottes hin folgende drei Entschlüsse: 1. Milde und Geduld zu üben und sich niemals zu ärgern; 2. In allem den Willen Gottes zu erfüllen; 3. Sich in den Tugenden der Kasteiung und der Buße zu üben.

Aus diesem intensiven spirituellen Leben schöpfte sie die Kraft, ihre schwierige Familiensituation zu ertragen. Denn es regneten weiterhin herbe Demütigungen auf sie nieder. Ihre Schwägerinnen, von denen sie Zuneigung und Unterstützung hätte erwarten können, gaben ihr die Schuld an den finanziellen Mißerfolgen Cristoforos und warfen ihr vor, sie sei der Grund für seinen Ehebruch: ,,Mit einer anderen Frau", sagten sie, ,,wäre Cristoforo anders!" Dem Vorbild Jesu nacheifernd, erwiderte Elisabetta alles mit Sanftmut, Geduld und Vergebung. Die schmerzhafteste Prüfung jedoch kam aus dem physischen und psychischen Druck seitens ihres Mannes und dessen Familie, um ihr eine unzulässige Einwilligung abzuringen: ,,Dieser wütende Löwe (Cristoforo hatte sie mit einem Messer bedroht) wollte um jeden Preis eine schriftliche Erlaubnis, seine Freundin zu besuchen", steht in ihrem Tagebuch. ,,Gut für mich, daß ich zwei Stunden im Gebet verbracht hatte! Gott gab mir soviel Kraft, daß ich lieber bereit war, mein Leben hinzugeben als den Herrn zu beleidigen".

Für das leben

Elisabetta konnte dem Ehebruch Cristoforos nicht zustimmen, ohne eine schwere Sünde zu begehen, nicht einmal, um die Situation zu retten und sich mit ihm zu versöhnen. Es ist niemals erlaubt, das Böse zu tun, auch nicht im Hinblick auf das Gute (vgl. Röm 3, 8). Der Bund der Ehe wird von Gott selbst geschlossen, und zwar so, daß die zwischen Getauften geschlossene und vollzogene Ehe niemals aufgelöst werden kann.

Papst Johannes-Paul II. hat an die Lehre der Kirche in diesem wesentlichen Punkt erinnert: ,,Die eheliche Gemeinschaft ist nicht nur durch ihre Einheit, sondern auch durch ihre Unauflöslichkeit gekennzeichnet. Der endgültige Charakter der ehelichen Liebe findet in Jesus Christus ihre Begründung und ihre Kraft. Verwurzelt in der vollkommenen und persönlichen Hingabe der Gatten und gefordert zum Wohle der Kinder, findet die Unauflöslichkeit der Ehe ihre endgültige Wahrheit im Plan Gottes, den er in seiner Offenbarung dargetan hat: Er will und er schenkt die Unauflöslichkeit der Ehe als Frucht, Zeichen und Forderung der absolut treuen Liebe, die Gott für den Menschen hat und die Jesus, der Herr, im Hinblick auf seine Kirche zeigt. Das Geschenk des Sakramentes ist für die christlichen Ehegatten eine Berufung - gleichzeitig auch ein Gebot -, einander für immer treu zu bleiben, über alle Heimsuchungen und Schwierigkeiten hinweg, in hochherzigem Gehorsam vor dem Willen des Herrn: Was nun Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen (Mt 19, 6). In unserer Zeit den unschätzbaren Wert der Unauflöslichkeit der Ehe und der ehelichen Treue zu bezeugen, ist für christliche Ehegatten eine der wichtigsten und dringlichsten Pflichten" (FC, 20).

In ihrem Glauben an die Lehre des Evangeliums fest, widerstand Elisabetta also mutig den Drohungen, denen sie ausgesetzt war. Sie war im übrigen überzeugt, daß die Versöhnung mit ihrem Mann, sollte sie eines Tages stattfinden, die Frucht ihrer Treue zum göttlichen Gesetz sein würde.

Ein unersetzliches zeugnis

Mit dem Tode des Doktors Frencesco Mora im Jahre 1812 verlor Elisabetta ihre letzte Stütze. Ihre Schwägerinnen gaben ihr nun zu verstehen, daß sie mit ihren zwei Töchtern eine Belastung für die Familie darstelle. Sie mußte sich folglich eine Wohnung in Rom besorgen. Mit diesem Umzug begann trotz ihrer extremen Armut ein friedlicherer Lebensabschnitt für sie. Sie nützte ihn, um die Erziehung ihrer Töchter, die sie schon immer als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet hatte, aufmerksamer zu verfolgen. Ihre Hauptsorge galt der Vermittlung einer ernsthaften geistlichen Bildung. Ihre Behausung wurde zu einer glücklichen ,,Hauskirche", in der der Herr geliebt wurde, in der gut zu leben war. ,,Von jüngstem Alter an müssen die Kinder lernen, Gott zu

entdecken und zu ehren sowie ihren Nächsten zu lieben. Nur durch das gemeinsame Gebet mit ihren Kindern dringen die Eltern tief in deren Herz vor und hinterlassen darin Spuren, die durch die Ereignisse des Lebens nicht mehr ausgelöscht werden können. Hören wir den Appell, den Papst Paul VI. an die Eltern gerichtet hat: ,Mütter, lehrt ihr eure Kleinen das Gebet des Christen? Bereitet ihr sie zusammen mit den Priestern auf die Sakramente des Kindesalters vor: auf Beichte, Kommunion und Firmung? Gewöhnt ihr sie daran, an die Leiden Christi zu denken, wenn sie krank sind, den Beistand der seligen Jungfrau und der Heiligen anzurufen? Und ihr Väter, könnt ihr mit euren Kindern beten?... So werdet ihr zwischen den Mitgliedern eurer Familie Frieden stiften`. Zum Beten des Rosenkranzes im Familienkreise wird ebenso nachdrücklich geraten: ,,Es steht außer Zweifel, daß der Rosenkranz der Jungfrau Maria als eine der

hervorragendsten und wirkungsvollsten ,gemeinsamen Gebete` betrachtet werden muß, die zu beten die christliche Familie eingeladen ist" (FC, 61).

,,Du wirst zu Gott zurückkehren..."

Selbstvergessen und immer mehr vor Liebe zur allerheiligsten Dreifaltigkeit strahlend, der sie sich geweiht hatte, indem sie in den Dritten Orden der Trinitarier eingetreten war, machte Elisabetta ihr Haus zu einem Treffpunkt aller Personen, die materiellen oder geistlichen Beistand suchten, und wandte ihr Augenmerk insbesondere Familien in schwierigen Situationen zu. Ihre durch die Heimsuchung geläuterte Seele war nun reif für den Himmel. An Weihnachten 1824 zeigte sich bei ihr erneut ein Ödem, das ihr bereits einige Monate zuvor zugesetzt hatte. Elisabetta erklärte ihren Töchtern, daß das ihre letzte Krankheit werden würde. Mit Freude durfte sie noch erleben, daß ihr Gatte seinen Platz im Hause wieder einnahm und lange Stunden an ihrem Krankenlager verbrachte. Die Kranke machte ihm keinen Vorwurf wegen der traurigen Vergangenheit, unter der sie soviel gelitten hatte. Im Gegenteil, sie ermutigte ihn als liebende Gattin und sagte ihm seine Rückkehr zu Gott voraus: ,,Du wirst nach meinem Tod zu Gott zurückkehren", sagte sie zu ihm, ,,du wirst zu Gott zurückkehren, um ihn zu verehren".

Am Abend des 5. Februar 1825 verschied Elisabetta sanft, umsorgt von ihren Töchtern, mit dem freudigen Ausdruck eines Menschen, der aufbricht, um sich einem geliebten Wesen anzuschließen. Cristoforo kehrte wie gewohnt im Morgengrauen zurück. Überrascht, die Tür offen vorzufinden, stürzte er sogleich ins Zimmer seiner Frau, die er leblos ausgestreckt vorfand. In der Gegenwart dieser Frau, die ihm bis zum Ende treu geblieben war, wurde er von heftigen Gewissensbissen über sein ganzes Leben voller Nachlässigkeit, Undankbarkeit und Untreue ergriffen und ließ seinen Tränen freien Lauf. Diese läuternden Tränen waren das Vorspiel zu seiner von Elisabetta vorhergesagten Bekehrung. 1834 schloß er sich den Minderen Brüdern der Konventualen an und wurde sogar zum Priester geweiht. Er starb heilig am 8. September 1845, dem Geburtstag unserer Lieben Frau, einem seiner Gattin besonders teuren Fest.

Das Vorbild Elisabettas ist eine wirksame Ermutigung für Familien in Schwierigkeiten. Es zeigt, daß man ,,nie an Gottes Barmherzigkeit verzweifeln" darf (Regel des heiligen Benediktus, Kap. 4) und zeugt von der Treue des Herrn, dem ,,Urheber und Beschützer der Ehe", der in den schwierigsten Situationen jedem die Gnade schenkt, die er benötigt. In Eintracht lebende Familien sind eingeladen, Gott für das Geschenk des Friedens zu danken (eine der Früchte der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu). Dieses zwischen allen Menschen wertvolle Geschenk bedarf, um Bestand zu haben und zu wachsen, des gegenseitigen Verzeihens und des Gebetes, und vor allem die Geduld. Die Liebe übt Nachsicht, versichert der heilige Paulus (1 Kor 13,4).

,,Betrachten wir, sagt noch der Papst, diese auf der Welt einzigartige Familie, die Gott auf unvergleichlich erhöhte und reine Art verherrlicht hat. Sie wird unfehlbar allen Familien der Welt in der Treue zu ihren täglichen Pflichten beistehen, in der Art, wie man die Unruhe und die Drangsal des Lebens erträgt, in der großherzigen Offenheit für die Bedürfnisse der anderen und in der Erfüllung von Gottes Plan für sie" (FC, Schluß). Die heilige Jungfrau Maria und der heilige Josef, die durch eine richtige, von Schwierigkeiten und Heimsuchungen durchzogene Ehe miteinander vereint waren, werden diejenigen, die sie mit Vertrauen anrufen, unterstützen und ermutigen.

Wir vertrauen sowohl Sie als auch alle Lebenden und Verstorbenen, die Ihnen teuer sind, der Heiligen Familie an.

Dom Antoine Marie osb

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