Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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25. Mai 2017
Jesu Christi Himmelfahrt


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Die heilige Familie von Nazareth, schrieb Papst Johannes-Paul II., ist „Urbild und Beispiel für alle christlichen Familien. Diese Familie, einzig in der ganzen Welt, hat unerkannt und still in einer kleinen Ortschaft Palästinas gelebt; sie ist von Armut, Verfolgung und Verbannung heimgesucht worden, und sie hat auf unvergleichlich erhabene und lautere Weise Gott verherrlicht. Diese Familie wird den christlichen Familien ihre Hilfe nicht versagen, ja sie wird allen Familien in der Welt beistehen“ (Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 22. November 1981, Nr. 86). Am 16. Mai 2004 sprach der hl. Johannes-Paul II. Josep Manyanet heilig, einen „wahren Apostel der Familie“, der sein Leben dem Ziel geweiht hatte, jede Familie zu einer „heiligen Familie“ werden zu lassen. Seine Botschaft ist auch heute noch aktuell.

Josep (Josef) Manyanet i Vives wurde am 7. Januar 1833 in Tremp, einer katalanischen Kleinstadt in der Diözese Urgell (Nordspanien), geboren und noch am selben Tag in der nahegelegenen Stiftskirche Unserer Lieben Frau von Valldeflors getauft. Er war das neunte Kind des Bauernehepaares Antoni Manyanet und Buenaventura Vives. Der Kleine war erst 20 Monate alt, als sein Vater mit 44 Jahren starb. 1841 kam auch sein ältester Bruder ums Leben. Frau Manyanet musste fortan allein für die Erziehung ihrer Kinder sorgen und daneben das kleine Gut verwalten. Als überaus fromme Frau vertraute sie auf den Schutz Gottes und der Heiligen Jungfrau. Als Josef 5 Jahre alt wurde, führte ihn seine Mutter vor die farbenprächtige Marien-Statue aus dem 15. Jh. und weihte ihn der Gottesmutter. Der Kleine betete andächtig und erlebte danach, wie die Madonna ihm die Arme entgegenstreckte und ihn an ihr Herz drückte.

Die Jungfrau von Valldeflors

Eines Tages fiel der Junge in ein eisiges Gewässer und wurde bewusstlos nach Hause getragen. Alle gaben ihn verloren, doch seine Mutter bat die Gottesmutter um ihren Beistand, und das Kind kam sogleich zu sich. Als bald danach Soldaten im Haus der Familie zu Gast waren, schüttete einer von ihnen aus Versehen kochend heißes Öl über das Kind, dessen Zustand wieder hoffnungslos schien. Die erneut um Hilfe angerufene Jungfrau von Valldeflors half ein zweites Mal: Der Junge genas zur Verwunderung der Ärzte ohne Folgeschäden.

Der Pfarrer der Gemeinde, Valentí Lledós, wurde bald auf Josef aufmerksam; er nahm ihn unter seine Fittiche und sorgte dafür, dass der Junge nach dem Vorbild Samuels (1 Sam 2,11) stets in der Nähe des Heiligtums seiner geliebten Jungfrau von Valldeflors blieb. Josef wurde Messdiener. Seine religiöse Erziehung verdankte er neben einem hervorragenden Religionslehrer vor allem seiner Mutter, die für ihn ein kleines Zimmer als Andachtsraum einrichtete. Wenn das Kind weder in der Schule noch in der Kirche bei Pater Valentí zu finden war, brauchte man es nur in seinem Andachtsraum suchen, in dem es leidenschaftlich gern Heiligenviten las. Mit siebeneinhalb Jahren empfing Josef die Erstkommunion. Sein ganzes Wesen strahlte fortan ein waches Gewissen aus.

Da Pfarrer Lledós bei dem Jungen Anzeichen einer Berufung zum Priesteramt entdeckte, setzte er alle Hebel in Bewegung, um ihm ein Studium am Kolleg des im 16. Jh. vom heiligen José Calasanz gegründeten Piaristenordens zu ermöglichen. Das Schulgeld wurde dadurch aufgebracht, dass Josef Dienste für die Gemeinschaft sowie für seine Mitschüler übernahm. 1849 empfing er die Firmung. In einer kurz danach verfassten Notiz schrieb er: „Nun bist du gefirmt und gewappnet als Soldat Christi. Das verpflichtet dich, mannhaft gegen alle List des Feindes zu kämpfen und dich der Liebe Gottes und der Heiligsten Jungfrau würdig zu erweisen.“

Das Sakrament der Firmung bewirkt die Ausgießung des Heiligen Geistes in Fülle. „Darum führt die Firmung zum Wachstum und zur Vertiefung der Taufgnade: Sie verwurzelt uns tiefer in der Gotteskindschaft, die uns sagen lässt: Abba, Vater (Röm 8,15); sie vereint uns fester mit Christus; sie vermehrt in uns die Gaben des Heiligen Geistes; sie verbindet uns vollkommener mit der Kirche; sie schenkt uns eine besondere Kraft des Heiligen Geistes, um in Wort und Tat als wahre Zeugen Christi den Glauben auszubreiten und zu verteidigen, den Namen Christi tapfer zu bekennen und uns nie des Kreuzes zu schämen. ‚So erinnere dich daran’, sagt der heilige Ambrosius, ‚dass du die Besiegelung durch den Geist empfangen hast: den Geist der Weisheit und der Einsicht, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit, den Geist der heiligen Furcht, und bewahre, was du empfangen hast! Gott der Vater hat dich besiegelt, Christus der Herr dich gestärkt und das Pfand des Geistes in dein Herz gegeben’“ (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1302-1303).

Energisch kämpfen

Durch den Kontakt zu den Piaristen an seiner Schule keimte in Josef zum ersten Mal der Wunsch nach dem Ordensleben auf; doch er erkannte bald, dass der Herr ihn nicht bei den Piaristen haben wollte. Nach Abschluss der Schule studierte er Philosophie am Seminar von Lérida. Um das Studium zu finanzieren, wurde der junge Mann Hauslehrer. Er wusste um die Gefahren, die ihm drohten, solange er in der Stadt wohnte, und hoffte daher, eines Tages in das Internat des Seminars aufgenommen zu werden. Bis dahin hatte er energisch zu kämpfen, um sich der Nachstellungen einer verliebten Frau zu erwehren.

Drei Jahre später wechselte Josef zum Theologiestudium nach La Seu d’Urgell, dem Bischofssitz seiner Diözese. Um die Studienkosten begleichen zu können, sah sich Josef gleich bei seiner Ankunft nach einer Arbeitsstelle um. Bischof Josef Caixal i Estradé stellte ihn als seinen persönlichen Diener ein und wurde bald auch sein Beichtvater und geistlicher Betreuer. Josef Manyanet diente dem Bischof mit großer Hingabe. Am 14. Mai 1855 starb sein verehrter Mentor Valentí Lledós, am 10. November 1857 auch seine Mutter.

Josef wurde am 9. April 1859 zum Priester geweiht. Bischof Caixal ließ ihn seine Primiz in der bischöflichen Privatkapelle feiern und ernannte ihm zum Hofmeister des Bischofspalastes, zum Bibliothekar sowie zum Sekretär für Pastoralvisitationen. Josef, der sich von Kindheit an durch besondere Sanftmut, Folgsamkeit und freudigen Gehorsam auszeichnete, bemühte sich, stets im Angesicht der Heiligen Familie zu leben – wie Jesus zwischen Maria und Josef: „Stellen wir uns vor, wir befinden uns in Gesellschaft unserer lieben Verwandten, Jesus, Maria und Josef, im Haus von Nazareth, hören ihre Worte, sehen ihr Tun und hören, wie sie jedem von uns sagen: Wenn du uns Freude machen willst, so bemühe dich von Herzen, uns in allem, was wir sagen und tun, nachzueifern.“ Er wollte, dass alle Familien entdecken, wie süß die Liebe und der Gehorsam Jesus und seinen Eltern gegenüber sind. „Familien, hier ist euer Vorbild“, schrieb er auf eine Abbildung der Heiligen Familie.

Eine Familie aufbauen

Am 14. Februar 2014 gab Papst Franziskus ein paar Ratschläge an junge Paare, die eine Familie gründen wollen: „Liebe Brautpaare, ihr bereitet euch darauf vor, gemeinsam zu wachsen, dieses Haus zu bauen, um für immer zusammen zu leben. Ihr wollt es nicht auf dem Sand der Gefühle bauen, die kommen und gehen, sondern auf dem Fels der wahren Liebe, der Liebe, die von Gott kommt. Die Familie entsteht aus diesem Projekt der Liebe, die wachsen will wie ein Haus, das ein Ort der Zuneigung, der Hilfe, der Hoffnung, der Unterstützung sein will. Und so wie die Liebe Gottes beständig und für immer ist, so wollen wir auch, dass die Liebe, die das Fundament für die Familie legt, beständig und für immer ist. Aber bitte: Wir dürfen uns auf keinen Fall von der ‚Kultur des Provisorischen’ vereinnahmen lassen! Dieser Kultur, die uns heute alle bedrängt, dieser Kultur des Provisorischen. Das geht nicht!…

Für immer zusammen zu bleiben und einander für immer zu lieben: das ist die Herausforderung, vor der die christlichen Ehepaare stehen. Auf diesem Weg ist auch das Gebet wichtig, notwendig, und zwar immer. Er betet für sie, sie für ihn, und die beiden miteinander. Bittet Jesus darum, dass er eure Liebe vermehren möge. Im Vaterunser beten wir: Unser tägliches Brot gib uns heute. Die Ehepaare können lernen, auch so zu beten: ‚Herr, unsere tägliche Liebe gib uns heute’ – denn die tägliche Liebe der Ehepaare ist das Brot, das wahre Brot der Seele, jenes, das ihnen die notwendige Stütze gibt, um weiterzumachen. ‚Herr, unsere tägliche Liebe gib uns heute’… Die Bibel sagt, dass der Gerechteste sieben Mal am Tag sündigt … Daher also die Notwendigkeit, dieses einfache Wort zu gebrauchen: ‚Entschuldigung’. Im Allgemeinen ist jeder von uns schnell bereit, den anderen anzuklagen und sich selbst zu rechtfertigen. Das fing schon bei unserem Urvater Adam an, als Gott ihn fragte: ‚Adam, hast du von dieser Frucht gegessen?’ – ‚Ich? Nein! Die da hat sie mir gegeben!’ Den anderen anklagen, um nicht ‚Entschuldigung’, ‚Verzeihung’, sagen zu müssen. Das ist eine alte Geschichte! Ein Instinkt, der am Ursprung vieler Desaster steht. Lernen wir, unsere Fehler zuzugeben und um Entschuldigung zu bitten. ‚Entschuldige, wenn ich heute laut geworden bin’; ‚Entschuldige, dass ich vorbeigegangen bin, ohne zu grüßen’; ‚Entschuldige, dass ich zu spät gekommen bin’; ‚dass ich diese Woche so schweigsam war’; ‚dass ich zu viel geredet, aber nie zugehört habe’; ‚Entschuldige, ich war wütend und habe es an dir ausgelassen’. Wir können so oft am Tag ‚Entschuldigung’ sagen! Auch so wächst eine christliche Familie … Jesus, der uns gut kennt, lehrt uns ein Geheimnis: Lasst nie einen Tag ausklingen, ohne einander um Vergebung zu bitten, ohne dass in euer Haus, in eure Familie, wieder Friede eingekehrt ist.“

Einmal regte Pfarrer Manyanet Bischof Caixal gegenüber an, eine Kirche zu Ehren der Heiligen Familie zu errichten, um deren Schutz für alle Familien der Welt zu erbitten. Das Projekt wurde später in Barcelona auf Initiative des Architekten Gaudí tatsächlich verwirklicht.

Auf den Pastoralvisitationen im Gefolge des Bischofs war Josef vom Anblick armer Familien und der vielen sich selbst überlassenen Kinder ohne jede Bildungschance in besonderer Weise berührt. Er wollte ihnen unbedingt helfen und erwog dazu die Gründung eines neuen Ordens. Der Bischof hatte bereits eine Diözesankongregation für Frauen gestiftet, die Schulschwestern der unbefleckten Gottesmutter Maria, doch das reichte bei Weitem nicht. Von ihm bestärkt, verzichtete Josef auf die sich für ihn abzeichnende ehrenvolle Karriere und nahm begeistert die Gründung eines neuen, der Erziehung von Kindern geweihten religiösen Instituts in Angriff. Auf Bitten des Bischofs behielt er seine Ämter im Bistum vorerst bei.

Ein wesentliches Instrument

Sie kennen die engen Verbindungen, die zwischen der Kirche und der Welt der Schule schon immer bestanden haben“, sagte heilige Johannes-Paul II. vor den Repräsentanten italienischer Schulen. „Woher rührt aber dieses Interesse der Kirche an der Schule? Warum hat die Kirche ihr Überleben – auch als Kirche – immer mit der Schulwirklichkeit verknüpft? Das Motiv dafür ist klar: um dem Beispiel Christi zu folgen und seinen Auftrag zur Unterweisung aller Völker zu erfüllen … Die Schule ist ein wesentliches Instrument zur Verkündigung des Christentums und des Reichs Gottes. Darum ist die Schule ein Lebenszweck der Kirche“ (28. Januar 1984). Am 2. Februar 1989 erklärte er: „Die katholische Schule hat auch heute noch eine Aufgabe zu erfüllen … Die Vielfalt und der widersprüchliche Charakter der kulturellen Botschaften und Lebensentwürfe, die die Umwelt der heutigen Jugend prägen, könnten diese von den Werten des Glaubens entfernen, selbst wenn sie in christlichen Familien aufwachsen. Die katholische Schule, die sich nicht damit begnügt, eine auf das reine Wissen beschränkte Bildung zu vermitteln, sondern sich als Erziehungsmilieu anbietet, in dem man gemeinsame Glaubens-, Gebets- und Gottesdiensterfahrungen macht, kann eine wichtige und entscheidende Rolle dafür spielen, den Jugendlichen eine von der Weisheit des Evangeliums inspirierte Lebensorientierung zu geben“ (Botschaft zum Welttag für die Berufungen).

Am 8. Mai 1864 gründete Pfarrer Manyanet zusammen mit ein paar Priestern in Tremp das Institut der Söhne von der Heiligen Familie, das sich der kostenlosen Erziehung armer Kinder weihte und erstaunlicherweise bald viele Mitstreiter anzog. Am 2. Februar 1870 legte Josef mit seinen ersten Gefährten die Ordensgelübde ab. 1874 gründete er die Kongregation der Missionstöchter von der Heiligen Familie von Nazareth, die für die Verehrung der Heiligen Familie von Nazareth werben und durch die Erziehung von Kindern im Lichte des Glaubens die christliche Bildung von Familien fördern sollte. Daneben kamen weitere Verpflichtungen auf Josef zu: Er wurde zum Administrator der wichtigsten Pfarrei seiner Geburtsstadt ernannt, zum geistlichen Betreuer des vom Bischof gegründeten Nonnenordens sowie eines Claretinerinnenklosters. Doch in den von ihm betreuten Häusern kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Die Oberin der Claretinerinnen, Mutter París (für die ein Seligsprechungsprozess eröffnet ist), wollte ihre Kongregation der Autorität einer Generaloberin unterstellen, während andere Nonnen lieber an Bischof Caixal und Pater Manyanet festhalten wollten. Ähnlich sah es in dem vom Bischof gegründeten und von Mutter Janer geleiteten Frauenorden aus (Letztere wurde am 8. Oktober 2011 seliggesprochen).

Eine schmerzliche Erfahrung

1868 kam durch einen Aufstand ein kirchenfeindliches Regime in Spanien an die Macht. Am 11. Februar 1873 wurde die Erste Republik ausgerufen. Bischof Caixal, der sich stets für die Monarchie engagiert hatte, musste ins Exil gehen und wurde vom seligen Papst Pius IX. in Rom aufgenommen. Pater Manyanet sah sich seines väterlichen Mentors beraubt, der ihm vor seiner Abreise die Verantwortung für die Frauenklöster übertragen hatte. Der Pater machte sich an die schwierige Aufgabe, die Gemüter zu beruhigen. Ein Priester des Instituts von der Heiligen Familie schrieb indes heimlich einen Brief an Bischof Caixal und beschwerte sich über den Ordensgründer. Unter dem belastenden Eindruck seines Zwangsexils machte sich der Bischof die Beschwerden ungeprüft zu eigen und richtete fortan vorwurfsvolle Briefe an Pater Manyanet. Diese waren für Letzteren umso schmerzhafter, als der Gesinnungswandel seines geliebten Mentors für ihn völlig unerklärlich war. Der Urheber der Vorwürfe verließ später die Kongregation und setzte seinen Weg als Gemeindepfarrer fort.

Am 28. April 1879 wurde in La Seu d’Urgell ein neuer Bischof, Msgr. Cassaña, geweiht. Er war leider gegen Pater Manyanet voreingenommen und entband ihn von seinem Amt als geistlicher Betreuer der Nonnen. Josef Manyanet siedelte nun endgültig nach Barcelona über, von wo aus er, von mehreren katalanischen Bischöfen ermuntert, sein Institut zur vollen Blüte brachte und zahlreiche Neuberufene gewann. Um dem Himmel für die Besserung seines Gesundheitszustandes und für die erste kirchliche Approbation zu danken, reiste er nach Lourdes und brachte der Unbefleckte Jungfrau ein Herz aus massivem Silber als Opfer dar.

1886 übernahm Pater Manyanet die Leitung eines in beträchtlichen Schwierigkeiten steckenden Kollegs in der Stadt Vilafranca del Pendès bei Barcelona. Daneben gründete er Sekundarschulen, die zusätzlich über Werkstätten zur beruflichen Ausbildung der Schüler verfügten. All diese Einrichtungen standen unter der Obhut des heiligen Josef. Pater Manyanet empfand tiefe Verehrung für die väterliche Gestalt des großen Heiligen und beschloss einer schriftlichen Notiz zufolge, „jeden Tag die Schlüssel zum Haus und zur ganzen Kongregation dem heiligen Josef anzuvertrauen, denn nach Jesus und Maria ist er ihr Vater und Herr“. 1892 kam es zu einem Volksaufstand in Barcelona; die Aufständischen machten Jagd auf Priester und Unternehmer, setzten Klöster und Kirchen in Brand. Pater Manyanet und seine Mönche schlossen sich in ihrem Kolleg ein und stellten ein großes Bild des heiligen Josef hinter die Tür. Beim Herannahen der tobenden Menge sagte der Pater zu seinen Mitbrüdern: „Fürchtet nichts, der heilige Josef wird uns von diesen Leuten befreien.“ Als laute Schläge gegen die Tür donnerten, öffnete Pater Manyanet sie ohne Furcht und sagte zu den Angreifern: „Dieses Kolleg ist voll von armen Kindern; sie stehen unter dem Schutz des heiligen Josef.“ Der Anführer erwiderte: „Wenn sie arm sind, verschonen wir das Kolleg.“ Und die Aufständischen zogen schweigend ab.

Vom Mysterium der Heiligen Familie von Nazareth besonders fasziniert, verfasste der Pater mehrere längere und kürzere Werke, um für die Verehrung der Heiligen Familie zu werben. Daneben schrieb er auch etliche Briefe, Bücher und Broschüren, um seine auf Vertrauen basierende Erziehungsmethode zu erläutern, zur Bildung von Ordensleuten, Familien und Kindern beizutragen und seine Vorstellungen über die Leitung von Schulen darzulegen. Er respektierte die Freiheit der Berufungen und versuchte, jedem eine ausgewogene, christliche und zugleich menschliche Ausbildung zu vermitteln. 1899 veröffentlichte er das Werk „Die Familie, ein unbezahlbarer Edelstein“, einen Leitfaden für Eheleute und Familien, in dem er an die Würde der Ehe sowie an die wichtige Pflicht zur christlichen Kindererziehung erinnerte.

Mit einem Besen

1888 unternahm Pater Manyanet eine Wallfahrt nach Rom und nutzte die Gelegenheit, um das Heilige Haus von Loreto zu besuchen. Seit dem 13. Jahrhundert herrscht in der Überlieferung Einmütigkeit darüber, dass es sich bei diesem Haus um das Haus der Heiligen Familie aus Nazareth handelt. Zwischen 1962 und 1965 durchgeführte archäologische Untersuchungen haben Graffitis palästinensischen Ursprungs zutage gefördert. Der damalige Rektor des Heiligtums, Pater Santelli, zog daraus folgenden Schluss: „Es ist nicht einfach, das Vorhandensein von Graffitis in Loreto zu erklären, die bei näherer Untersuchung jüdisch-palästinensischen Ursprungs zu sein scheinen, wenn man nicht zugibt, dass die Steine der Santa Casa aus Nazareth stammen, wie die Überlieferung besagt.“ Das stimmt umso mehr, als es in der Gegend keine Steinbrüche gibt und sämtliche Bauwerke der Umgebung Ziegelsteinbauten sind. Als Pater Manyanet sich dem Ort näherte, an dem das Wort Fleisch geworden war und an dem die Heilige Familie dreißig Jahre lang gelebt hatte, wurde sein Herz von einer tiefen mystischen Regung erfasst; er brach in Tränen aus, die sogar den Boden benetzten. Gleich danach bat er um einen Besen und fegte auf Knien das ganze Heiligtum aus.

Nach Katalonien zurückgekehrt, setzte Pater Josef sein Werk unermüdlich fort. Am 22. Juni 1901 erteilte Papst Leo XIII. die endgültige Approbation für den männlichen Zweig des Instituts; der weibliche Zweig war bereits einige Jahre zuvor auf Diözesanebene anerkannt worden. Von diversen Krankheiten geschwächt, darunter fünf tiefen Wunden, unter denen er 16 Jahre lang gelitten und die er die „Gnaden des Herrn“ genannt hatte, verschied der Ordensgründer friedlich am 17. Dezember 1901. Seine letzten Worte lauteten: „Jesus, Maria und Josef, nehmt meine Seele im Augenblick meines Todes in Empfang“ – ein Stoßgebet, das er bereits zu Lebzeiten oft wiederholt hatte.

Heute kommen die Söhne von der Heiligen Familie und die Missionstöchter von der Heiligen Familie von Nazareth ihrem Erziehungsauftrag in Europa, in Nord- und Südamerika sowie in Afrika nach.

Bei der Heiligsprechung Josef Manyanets bezeichnete Papst Johannes-Paul II. die Heilige Familie als die Quelle, aus der der Ordensgründer die Kraft geschöpft hatte, um das „Evangelium der Familie“ zu verkünden. Bitten wir den heiligen Josef Manyanet um seine spezielle Fürsprache für die Familien: damit wie bei der Heiligen Familie, dem Abbild der Dreifaltigkeit auf Erden, in jedem Heim die Liebe Gottes erstrahle!

Dom Antoine Marie osb

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