Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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28. Oktober 2016
Hl. Simon und Judas Thaddäus, Apostel


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

„Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind“, behauptete der selige Paul VI. in seiner Enzyklika Evangelii nuntiandi. Der heilige Gorg (Georg) Preca hat die Erkenntnis Pauls VI. vorweggenommen und sich zu eigen gemacht: „Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, den Glauben zu predigen, wir müssen ihn leben.“ Er war ein Pionier auf dem Gebiet der Katechese sowie der Förderung des später insbesondere vom II. Vatikanischen Konzil befürworteten Laienapostolats (Apostolicam actuositatem); man nannte ihn den „zweiten Apostel Maltas“ – nach dem heiligen Paulus.

Gorg Preca wurde am 12. Februar 1880 in La Valetta, der Hauptstadt der Insel Malta, in der Nähe eines Heiligtums Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel geboren und fünf Tage danach getauft. Sein Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann und wirkte später als Gesundheitsinspektor. Malta war damals eine nach Unabhängigkeit strebende britische Kolonie, deren Autonomie erst 1964 erreicht wurde. Trotz der realen Armut der Insel befand sich die Wirtschaft auf Wachstumskurs. Maltas Bevölkerung bestand zu 99% aus Katholiken; auf der Insel waren zahlreiche religiöse Hilfswerke tätig.

Aus dem Wasser gerettet

An einem 16. Juli, dem Fest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, konnte der kleine Georg einmal der Aufsicht seiner Kinderfrau entwischen und fiel ins Wasser; er war drauf und dran zu ertrinken, als ein Fischer mit seinem Boot vorbeikam und ihn rettete. „Sie sind wie Moses aus dem Wasser gerettet worden!“, sagten später seine Schüler zu ihm. 1888 zog die Familie Preca nach Hamrun im Süden der Hafensiedlung von La Valetta; Georg empfing dort sowohl die Erstkommunion als auch die Firmung. Er betätigte sich als Messdiener und unterrichtete jüngere Kinder im Katechismus – ein Apostolat, den er gern und eifrig ausübte. Mit 16 Jahren las er die „Vorbereitung zu einem seligen Tode“, ein Werk des heiligen Alfons-Maria von Liguori, und war so tief beeindruckt, dass er die Lektüre sein Leben lang jedem ans Herz legte. Georg war aufgrund seiner Gesundheitsprobleme überzeugt, dass ihm kein langes Leben beschieden war. In dieser Zeit empfing er das Skapulier Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel.

In der Absicht, Priester zu werden, wechselte Georg nach Abschluss des Gymnasiums an das Seminar von Malta, wo er aufgrund seines Arbeitseifers schon bald Aufmerksamkeit erregte. Geistlich betreut und angeleitet wurde er von Don Luigi Galea, einem frommen Priester, der allerdings, kurz nachdem Georg zum Subdiakon geweiht worden war, von Gott abberufen wurde. Bald danach erschien er Georg noch einmal und sagte: „Der Herr hat dich dazu auserwählt, sein Volk zu unterweisen.“ Als der junge Mann nach seiner Diakonatsweihe einmal seine Eltern im Hamrun besuchte, bemerkte er eine Gruppe von Jugendlichen auf dem Kirchplatz. Er ging auf sie zu, bat um eine Zigarette und begann, sich mit ihnen zu unterhalten. Geschickt und behutsam lenkte er das Gespräch über das Alltägliche hinaus und kam auf die Passion Jesu Christi zu sprechen – das war der Beginn seiner Arbeit als Volkskatechist. Sein Haupt-anliegen bestand darin, alle, die ihm begegneten, vor allem die Jüngeren, zu ermutigen, ihr Herz im Licht von Gottes Wort zu reinigen; sie konnten fortan ihrerseits evangelisieren. Er rührte insbesondere das Herz eines jungen Werftarbeiters namens Eugène Borg an, der später der erste Generalobere der von ihm gegründeten Gesellschaft werden sollte.

Doch Georg wurde zunächst schwer krank. Sein Vater rief den besten Arzt der Insel zu ihm; dieser meinte: „Ihr Sohn wird jung sterben. Er atmet nur mit einer Lungenhälfte, die andere ist ganz verkümmert … Sie brauchen kein Priestergewand und kein Missale für ihn zu kaufen.“ Georg sagte später, das Wissen um die Möglichkeit, dass er von einem Moment auf den anderen sterben könne, habe ihm sehr dabei geholfen, sich von der Welt zu lösen. Er wurde entgegen allen Prognosen wieder gesund und führte diese Gnade auf die Fürsprache des heiligen Josef zurück. Später machte er sich über das Erlebnis lustig: „Mein Vater ist gestorben, der Medizinprofessor ist auch gestorben, und ich bin immer noch da, um die Leute zu unterweisen!“

Als er am 22. Dezember 1906 zum Priester geweiht wurde, nahm er sich das Wort seines verstorbenen Beichtvaters zur Lebensregel: „Der Herr hat dich dazu auserwählt, sein Volk zu unterweisen.“ Don Georg (in malteser Sprache „Dun Gorg“) feierte seine Primiz am Weihnachtstag in der dem heiligen Gaetan geweihten Pfarrkirche von Hamrun. Auf sein Gedenkbildchen ließ er ein Gebet drucken, in dem er den Herrn bat, er möge ihn „bis an sein Lebensende“ daran denken lassen, „die Kirche zu preisen und für das Seelenheil des Christenvolkes zu arbeiten“. Er wurde zum Kaplan von Sankt Gaetan berufen und wandte sich sogleich der Jugendarbeit zu. Aufgrund einer Eingebung legte er den Grundstein zu einem neuen Werk: Er suchte sich ein paar Jugendliche, bildete sie aus und schickte sie anschließend los, um andere zu unterweisen. Eines Tages hörte er, wie der Sakristan in einer Religionsstunde den Kindern erklärte, Gott habe alle Dinge erschaffen. Ein Junge fragte: „Aber wer hat Gott erschaffen?“ Der brave Mann wusste nicht weiter und antwortete: „Gott hat sich selbst erschaffen!“

In Wirklichkeit ist Gott natürlich unerschaffen, denn niemand kann sich selbst erschaffen. Don Georg schloss aus dieser Begebenheit: „Ich begriff, dass diejenigen, die den Katechismus unterrichten, für den Glauben und für die Lehre sehr gut ausgebildet sein müssen.“ Dass es auf Malta einflussreiche englische Protestanten gab, die sich zum Katholizismus bekehrten, bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Ernsthaft gefährdet war der Glaube des einfachen Volkes, da viele sehr wenig über das Christentum wussten und ihren Glauben nur aus Gewohnheit und sozialem Konformismus ausübten. Eine englische Bibelgesellschaft bereitete unter Mitarbeit eines namhaften – anglikanischen – Gelehrten eine Bibelübersetzung ins Maltesische vor. Die Katholiken wurden nun auch ihrerseits aktiv: Sie brachten eine apologetische Zeitschrift heraus und begannen, unter den Briten auf Englisch zu missionieren.

„Museum“

In dem Wunsch, seine brennende Liebe zu Gott weiterzugeben, rührte Don Preca die Jugend durch freundschaftliche Zuwendung. Seine Begeisterung war so ansteckend, dass seine Schüler zuweilen stundenlang zu seinen Füßen ausharrten. Bald hatte er eine Gruppe junger Arbeiter um sich versammelt. Bei einem Treffen fragte er sie, wie ihre Gesellschaft denn heißen sollte. Einer der jungen Männer schlug den Namen „Museum“ vor. Ein Museum sammele kostbare Objekte und stelle sie dem Publikum zum Betrachten und Nachdenken vor Augen, erklärte er; ebenso sei es mit der christlichen Lehre. Der Vorschlag wurde mit Begeisterung aufgenommen. Nach kurzem Nachdenken bat der Pater die jungen Leute, das Wort Museum als Abkürzung für folgende Anrufung zu verstehen: „Magister, utinam sequatur Evangelium universus mundus!“ (Meister, möge die ganze Welt dem Evangelium folgen!). Die Gruppe wurde allerdings später unter dem Namen „Gesellschaft von der christlichen Lehre“ bekannt.

Don Georg verbrachte lange Stunden im Gebet und ging nur abends aus dem Haus, wenn er Religionsunterricht erteilte. Bald beschloss er, nur noch junge, unverheiratete Mitarbeiter zu beschäftigen, die sich voll und ganz ihrem Apostolat widmeten. Grundlage ihres geistlichen Lebens waren die Besinnung auf die letzten Dinge und die Nachfolge Jesu Christi. Don Georg stimmte sie auf ein Leben voller Opfer und Verzicht ein. Um seine Worte zu illustrieren, erzählte er ihnen folgende Geschichte: Zwei Jahre nach seiner Priesterweihe sei er eines Tages an der großen Straße nach La Valetta im Süden der Insel auf einer Kreuzung gestanden; da sah er einen Jungen auf sich zukommen, der eine schwerbeladene Karre hinter sich herzog. Bei ihm angekommen, forderte der Junge ihn eindringlich auf, ihm zu helfen. Als erstes fragte er sich, wer dieser Junge sei, dass er einen Priester zu einem solchen Hilfsdienst auffordert. Dann aber fühlte er sich von einer nie verspürten Sanftmut übermannt und begann, die Karre mitzuziehen. „Erst im Nachhinein verstand ich die Bedeutung dieser Episode“ erklärte er. „Der Junge stand für (oder war) Christus; die Karre war unser Werk. Christus lenkt sie, und wir gehen ihm zur Hand. In schweren Zeiten erinnere ich mich daran, dass unsere Karre von Jesus gezogen wird – wir können ihm also mit geschlossenen Augen folgen. Wir folgen ihm, wenn er ein Rosenbeet durchquert; wenn er durch schlammiges Gelände watet, folgen wir ihm weiter.“

Schwerer Gehorsam

Allmählich wurden die Lebens- und Handlungsregeln für die Mitglieder der kleinen Gesellschaft immer präziser; als unverheiratete Laien, die sich ganz dem Apostolat und der Verkündigung des Evangeliums weihten, kleideten sie sich schlicht, lebten einfach, beteten und arbeiteten mehrere Stunden am Tag an ihrer Weiterbildung, um selbst andere unterweisen zu können. In mehreren Pfarreien der Insel wurden Bildungszentren eröffnet. Für den Unterricht benutzten die Mitglieder der Gesellschaft ein Buch mit dem Titel „Die Stimme des Geliebten“, eine von Don Georg zusammengestellte Sammlung von Christi?Worten aus den Evangelien. Don Georg verehrte mit besonderer Inbrunst das Mysterium der Menschwerdung; bald trugen alle Mitglieder die Worte des heiligen Apostels Johannes Et Verbum caro factum est (Und das Wort wurde Fleisch) auf ihrer Kleidung. In den Gemeinden wurde eine szenische Darstellung der Geburt Christi an Weihnachten eingeführt; der Brauch ist heute noch lebendig.

Don Georgs Begeisterung und Hartnäckigkeit stießen allerdings zuweilen auf heftigen Widerspruch, da das Vorhaben, Arbeiter direkt zu unterrichten, damals als revolutionär galt. 1909 ordnete der Bischof die Schließung sämtlicher Zentren an. Don Georg gehorchte. Doch bereits 1910 wurde nicht nur der männliche Zweig wiederbelebt, sondern man richtete auch die ersten Frauengruppen ein – mit Unterstützung Giannina Cutajars, die später die erste Oberin des weiblichen Zweiges wurde. Die beiden Zweige waren völlig unabhängig voneinander organisiert, lediglich der Generalobere fungierte als Bindeglied zwischen ihnen. 1915 wurde die Gesellschaft der „Internen Assoziierten“ für Mitglieder gegründet, die in Gemeinschaft leben wollten. 1960 schließlich erfolgte die Anerkennung der Vereinigung der „Mitarbeiter“ durch den Erzbischof von Malta; sie bestand aus Priestern und Laien, die die Ziele der Gesellschaft teilten.

Eifrige Fürsprecher

In den Jahren 1914/15 wurde Don Preca Opfer einer feindlichen Pressekampagne; er wurde – insbesondere von Mitgliedern des Klerus – als verrückt diffamiert. Er nahm die Verleumdungen mit Geduld und Nachsicht hin und riet den Mitgliedern der Gesellschaft zu Gelassenheit. 1916 beschloss der neuernannte Bischof von Malta, Dom Mauro Caruana, die Fakten sowie das Verhalten Don Georgs und seiner damals in mehreren Pfarreien der Diözese aktiven Gruppen genau untersuchen zu lassen. Der Gründer geriet so quasi offiziell unter Verdacht. Eines Tages tauchte plötzlich – möglicherweise im Auftrag des bischöflichen Amtes – ein Priester in dem Saal auf, in dem Don Georg ein paar Jugendliche im Katechismus unterwies, und forderte ihn auf, einen der Jungen über ein frei gewähltes Thema zu befragen. Der betreffende Junge gab einen kurzen Überblick über unsere Pflichten Gott, dem Nächsten und schließlich uns selbst gegenüber und schloss mit einem Zitat des heiligen Benoît-Joseph Labre: „Um vor Gott gefällig zu sein, was die Pflicht aller ist, muss jeder drei Herzen in einem haben: ein Herz aus Feuer für Gott, ein Herz aus Fleisch für den Nächsten und ein Herz aus Bronze für sich selbst.“ Die Untersuchung fiel – ebenso wie alle folgenden – positiv aus, und die daran beteiligten Geistlichen wurden angesichts der Realität eifrige Fürsprecher des Werkes. Die offizielle kanonische Anerkennung der Gesellschaft erfolgte am 12. April 1932.

Don Georg Preca war ein überaus produktiver Autor: trotz extrem begrenzter Mittel veröffentlichte er über 140 Werke. Um diese drucken und vertreiben zu können, schaffte er sich die entsprechenden Anlagen an. Da es keinen katholischen Verlag auf der Insel gab, gründete er in den 20er Jahren die spätere „Veritas Press“, die zusammen mit „Preca Press“ auch heute noch zu den wichtigsten Verlagen Maltas zählt. Er verfasste kurze Betrachtungsbücher und Informationshefte über die christliche Lehre, die Letzten Dinge usw., zumeist auf maltesisch, um die Mitglieder der Gesellschaft in ihrem Apostolat zu unterstützen. Seine „Anrufungen“ waren eine Sammlung von Glaubens- und Vertrauensbekenntnissen zu Gott, die in den Tageslauf einzufügen waren. Ein Beispiel: „Unser Herrgott! Du bist der, der du bist; ich bin dein Werk, ein Werk deiner Güte, ein Werk deiner Weisheit. Du hast mir einen Leib und eine Seele nach deinem Bild geschenkt, damit ich dich erkennen und mich zu dir als meinem Schöpfer bekennen kann. Weil du mir aber Freiheit gelassen hast, bin ich immer in Gefahr, deinem heiligen Willen zu widersprechen, wenn du mich nicht durch deine Gnade unterstützt. Ich brauche dich ständig; verlass mich nicht in der Stunde der Gefahr!“

Ein großes Netz

In seiner Lehre stützte sich Don Georg oft auf die eschatologischen Wahrheiten, denn die Betrachtung der Letzten Dinge helfe, den Sinn und den Wert des Lebens zu begreifen. Er verglich sie mit einem großen Netz, das ins Meer geworfen wurde und mancherlei Fische einfing (vgl. Mt 13,47): Gottesfurcht sei der Ausgangspunkt zu den höchsten Gipfeln der Heiligkeit. Diese Wahrheiten schenken zudem einen klaren Blick auf die irdische Wirklichkeit: „Wer seine Augen auf den letzten Horizont richtet, hat eine besseres Gefühl für die Pflichten und Notwendigkeiten zeitlicher Natur“ (Erzbischof R. Minnerath, Religion, l’heure de Vérité, Artège 2015, S. 119). Dass Don Georg die Bedeutung der Letzten Dinge so betonte, stieß vielfach auch auf Ablehnung. Er selbst hatte die Wichtigkeit dieser Wahrheiten bereits in seiner Jugend durch die Schriften des heiligen Alfons-Maria von Liguori (1696-1787) begriffen.

„Die Sache unseres ewigen Heils ist von allen Belangen sicherlich derjenige, der für uns am wichtigsten ist. Und doch gibt es keinen einzigen, der von den Christen so vernachlässigt wird. Wenn es darum geht, eine Anstellung zu bekommen, einen Prozess zu gewinnen, eine Ehe einzugehen, verliert man keine Minute und setzt alles in Bewegung. Man denkt nur noch an die Ratschläge, die einzuholen, und die Maßnahmen, die zu treffen sind. Ade Schlaf und Essen! Und um was tut man und wie lebt man, um die Sache des ewigen Heils zu einem guten Ende zu führen? Ach! Nichts tut man. Was sage ich? Man tut alles, um sie aufs Spiel zu setzen. In Wirklichkeit leben die allermeisten Christen, als wären Tod, Gericht, Hölle, Paradies und Ewigkeit keine Glaubenswahrheiten, sondern von Dichtern ersonnene Märchen. Welchen Schmerz empfindet man, wenn man einen Prozess, eine Ernte verliert, und mit welchem Eifer versucht man, den Schaden zu reparieren!… Verliert man die Gnade Gottes, schläft man trotzdem weiter, man amüsiert sich, lacht … Seien wir überzeugt: Das ewige Heil ist unser wichtigstes Anliegen, unser einziges Anliegen, das nicht wieder gutzumachen ist, wenn es scheitert … Die Sache unseres ewigen Heils ist nicht nur das wichtigste Anliegen, es ist das einzige Anliegen, das wir in dieser Welt haben … Was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seinem Leben aber Schaden leidet? (Mt 16,26). Mein lieber Bruder, wenn du dich rettest, wird es völlig gleichgültig sein, ob du hienieden in Armut, Schmerz und Erniedrigung gelebt hast; denn dadurch, dass du dich gerettet hast, wirst du von allen Übeln verschont und du wirst bis in alle Ewigkeit glücklich sein. Wenn du dich aber verdammst, was wird es dir dann in der Tiefe der Hölle nützen, dass du alle Vergnügungen der Welt genossen und in Überfluss und Ehren gelebt hast!“ (Vorbereitung zu einem seligen Tode, 12. Betrachtung).

Unser ewiges Heil hängt ganz von der Gnade Gottes ab, die man durch Gebet erlangen kann. Deswegen warnt uns der heilige Alfons: „Wer betet, wird sicherlich gerettet; wer nicht betet, verdammt sich sicherlich“ (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2744). Don Georg wusste um die Bedeutung des Gebetes und wachte im Gespräch mit Gott zuweilen ganze Nächte durch. Er mied alles, was ihn vom Beten abhalten und seinem Apostolat abträglich sein konnte, und ließ sich nur schwer zum Annehmen von Einladungen zu akademischen oder profanen Anlässen bewegen. Da er unerkannt bleiben wollte, veröffentlichte er seine Werke anonym. Wo immer er ging oder stand, kamen die Leute auf ihn zu; sie wollten beichten, ihn um Rat fragen oder auch nur einfach um ein Wort der Ermutigung bitten. Sein Ruf als Mann Gottes und der Heiligkeit verbreitete sich über die ganze Insel Malta. Man war überzeugt, dass er die Gabe hatte, in den Seelen zu lesen: Viele Leute, die zu ihm kamen, um ihn zu konsultieren, brauchten ihre Probleme gar nicht erst lang und breit darzulegen, um hilfreiche Ratschläge zu erhalten. Er verbrachte viele Stunden im Beichtstuhl. Manch einer konnte nur schwer begreifen, dass der leidenschaftliche und strenge Prediger, den er auf der Kanzel gehört hatte, dieselbe Person war wie der milde Apostel der göttlichen Barmherzigkeit, der ihn im Beichtstuhl empfing.

Gnadenquelle

Die heilige Gottesmutter nahm in Don Precas Leben und Lehre eine Sonderstellung ein, wie viele seiner Predigten und auch seine Verbundenheit mit dem Karmeliterorden bezeugten. Er trat am 21. Juli 1918 dem Dritten Orden der Karmeliter bei und legte sein Gelübde am 26. September 1919 im Kloster Santa Venera unter dem Namen Fra Franco ab. Er wünschte, dass alle Jugendlichen, die mit seiner Gesellschaft verbunden waren, das Skapulier vom Berge Karmel trugen. Dabei wies er nachdrücklich darauf hin, dass das Skapulier einen nicht wie eine Art Talisman vom alltäglichen Kampf oder von der Besonnenheit im christlichen Leben befreien könne; es sei vielmehr eine Gnadenquelle, die helfe, den guten Kampf erfolgreicher zu führen. Er legte den Mitgliedern seiner Gesellschaft den Rosenkranz ans Herz und formulierte eigens für sie Geheimnisse zum öffentlichen Leben Jesu, die den vom heiligen Johannes-Paulus II. 2002 eingeführten lichtreichen Geheimnissen ähnelten. Zudem verbreitete er die wundertätige Medaille, die er als Geschenk Marias betrachtete, und erzählte gern von den Gnadengaben, die er ihr zu verdanken hatte.

Don Georgs Zuneigung zu den Armen war so groß, dass er jedes persönliche Geschenk ablehnte und nur solche annahm, die entweder seiner Gesellschaft oder dem Apostolat zugute kamen. Seine langjährige Haushälterin behauptete, sämtliche Möbel in seinem Haus stammten von ihr.

1952 wurden zwei Mitglieder der Laiengesellschaft nach Australien entsandt, um dort neue Zentren zu gründen. Ursprünglich sollten sie lediglich nach Melbourne emigrierte Maltesen geistlich betreuen, doch das Projekt dehnte sich aus. 1983 – nach dem Tode des Gründers – wurde die Gesellschaft aus dem Sudan um Hilfe gebeten: Sie sollte mitten im Bürgerkrieg die Leitung einer sowohl von Katholiken als auch von Muslimen besuchten Schule übernehmen. Heute existieren darüber hinaus weitere Zentren in England, Albanien, Kenia und Peru mit insgesamt über 1200 Mitarbeitern.

1958 wurde Don Georg 78 Jahre alt, und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Die Ärzte rieten ihm, er solle sich schonen, doch es war vergeblich. Vier Jahre später war allen klar, dass er bald sterben werde. „Der Herr reinigt mich“, behauptete er. Als ihn am 24. Juli ein Priester besuchte, sagte er zum ihm: „Ich stand kurz davor, dem Herrn zu begegnen, und ich freute mich schon so darauf …“ Er starb zwei Tage später, am 26. Juli 1962, im Karmeliterkloster des Dorfes Santa Venera, wo er seine letzten Tage verbracht hatte. Seine letzten Worte galten der Jungfrau Maria. Die Kirche feiert sein Gedächtnis am 26. Juli.

Don Georg Preca wurde am 9. Mai 2001 während einer apostolischen Reise des heiligen Johannes-Pauls II. auf der Insel Malta selig- und am 3. Juni 2007 von Benedikt XVI. heiliggesprochen: „Der hl. Georg Preca – so sagte Papst Ratzinger – helfe der Kirche stets, in Malta und auf der ganzen Welt, das treue Echo der Stimme Christi, des mensch-gewordenen Wortes, zu sein!“

Dom Antoine Marie osb

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