Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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21. September 2016
Hl. Matthäus


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

„Ohne die, die uns vorangegangen sind, wären wir nichts“, sagte einmal Zita von Bourbon-Parma und dachte dabei an ihre Mutter und ihre Tanten, die sowohl als Frauen und als auch als Prinzessinnen der portugiesischen Königsfamilie leuchtende Vorbilder waren. Ihr Grundsatz lautete: „Nichts ist von Dauer in dieser Welt, nichts ist so zufällig wie zeitliche Macht. Was zählt, ist die Liebe und nichts anderes.“ Doch Zitas Dankbarkeit galt vor allem ihrem Mann, Karl von Habsburg-Lothringen, einem Großneffen des österreichischen Kaisers Franz Joseph. Der in den Wirren des Ersten Weltkrieges selbst zum Kaiser gekrönte Karl hatte – unterstützt von seiner Frau – alles versucht, um seine Völker und die ganze Welt zu befrieden. 1922 im Exil verstorben, wurde er am 21. Oktober 2004 vom heiligen Johannes-Paul II. seliggesprochen. Zita, die letzte Kaiserin Europas, überlebte ihn um 67 Jahre.

Zita-Maria von Bourbon-Parma wurde als das fünfte von zwölf Kindern am 9. Mai 1892 in Pianore (Italien) geboren. Ihre Eltern waren Herzog Robert von Parma und seine zweite Frau, Maria-Antonia aus dem Hause Braganza. Die Nationalität der Familie war eine häufig diskutierte Frage; Zita selbst berichtet: „Die Leute von Pianore betrachteten uns als ihresgleichen. Unsere Freunde aus Schwarzau am Steinfeld hielten uns für Österreicher. In Chambord galten wir als Franzosen (Die Familie Bourbon-Parma gehört zu den direkten Nachfahren Ludwigs XIV.). Wir fanden das komisch und schön zugleich. Aber mein Papa musste von Zeit zu Zeit für Klarheit sorgen: Wir sind französische Fürsten, die früher über Parma geherrscht haben.“ Die Ausübung politischer Macht, die lange zu den Pflichten von Zitas Familie gehörte, hat stets dem Gemeinwohl zu dienen: „Für die gläubigen Laien ist die Politik eine qualifizierte und anspruchsvolle Form des christlichen Engagements im Dienst an den anderen. Das vom Geist des Dienens bestimmte Streben nach dem Gemeinwohl; die Übung der Gerechtigkeit mit besonderer Aufmerksamkeit für die Situationen der Armut und des Leidens; der Respekt vor der Autonomie der irdischen Wirklichkeiten; das Subsidiaritätsprinzip; die Förderung des Dialogs und des Friedens auf der Grundlage der Solidarität: Das sind die Richtlinien, an denen sich das politische Wirken der christlichen Laien orientieren muss“ (Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 565).

Die beste Medizin

Zita behielt ihre Jugend in sehr guter Erinnerung: „Ich hatte eine überaus glückliche und fröhliche Kindheit … Der zweimal pro Jahr stattfindende Umzug von Österreich nach Pianore und im Frühling zurück nach Schwarzau, wo wir den Sommer verbrachten, war für uns Kinder das wichtigste Ereignis … Wenn wir in den Ferien nach Ansicht unserer Hauslehrer zu wenig zu lernen hatten, mussten wir nähen, flicken und stopfen. Und nicht nur unsere eigene Wäsche, sondern auch die Wäsche der Schwarzauer Alten und Kranken.“ Die Mädchen kümmerten sich auch um die Kranken ohne Familie: „Abends kamen wir oft erschöpft nach Hause und mussten uns aus Rücksicht auf die Jüngeren erst desinfizieren. Dauerte das zu lange, sagte unsere Mutter: ‚Nächstenliebe ist die beste Medizin gegen die Ansteckungsgefahr.’“

Es gab auch entspannte Zeiten, in denen die Kinder des Hauses nach Herzenslust picknicken, bis zum Abend herumtoben, baden und mit den Dorfkindern spielen konnten. Ihre Erziehung war streng, aber liebevoll: „Die für uns schlimmste – nur selten verhängte – Strafe bestand darin, dass wir keinen Nachtisch bekamen. Denn unsere Mahlzeiten waren einfach: Eine zusätzliche kleine Süßigkeit war ein Fest … Meine Mutter war streng, aber wir verehrten sie. Papa war die Fröhlichkeit und Güte in Person. Er hat uns nie geschlagen; wenn er aber einen von uns ausschimpfen musste, waren wir sehr betroffen.“ Unter sich durften die Kinder frei lachen und schwatzen; Gästen jedoch mussten sie je nach deren Rang die Reverenz erweisen. Die jungen Hoheiten lernten schnell, wie man die Bedeutung der Gäste errät: am Staub, den ihr Gespann bzw. ihr Gefolge aufwirbelte. „Natürlich waren uns oft die am liebsten“, bekannte Zita, „die am wenigsten Staub aufwirbelten!“

Zita weilte als Schülerin im Pensionat von Kloster Zangberg in Oberbayern, als sie erfuhr, dass ihr Vater im Sterben lag; Gott rief ihn am 16. November 1907 zu sich, bevor sie ihn noch einmal wiedersehen konnte. 1909 wurde Zita von ihrer Mutter zur Weiterbildung nach Ryde auf der Isle of Wight zu den dort im Exil lebenden Benediktinerinnen von Solesmes geschickt, denen sich ihre Großmutter mütterlicherseits nach dem Tod ihres Mannes angeschlossen hatte und deren Priorin sie nunmehr war. Zita erhielt eine solide Ausbildung in Philosophie, Theologie und Musik und fühlte sich innerlich zum Klosterleben hingezogen.

Eine Weissagung

Gleichwohl pflegten Zita und Karl, die sich von Kindheit an kannten, mit wachsendem Vergnügen den Kontakt zueinander. 1911 hielt der Erzherzog um die Hand der jungen Prinzessin an und überreichte ihr einen Verlobungsring. Am 24. Juni 1911 wurden Zita und ihre Mutter von Papst Pius X. empfangen. Im Laufe der Audienz fragte er das junge Mädchen lächelnd: „Sie werden also den Thronerben heiraten?“ Dreimal versuchte Zita ihn zu korrigieren: „Heiliger Vater, mein Verlobter ist Erzherzog Karl; der Thronerbe ist Franz-Ferdinand.“ Doch der Papst blieb dabei: „Ich freue mich unendlich, dass Karl die von Gott gewährte Belohnung ist, die Österreich für ihre Dienste der Kirche gegenüber empfängt.“ Beim Weggehen flüsterte Zita ihrer Mutter zu: „Gott sei Dank ist der Papst in politischen Dingen nicht unfehlbar!“ – „Ich habe beim Seligsprechungsprozess für Pius X. bezeugt,“ sagte Zita später, „dass das eine Weissagung war, die in Erfüllung gegangen ist.“

Bei einer Luftfahrtschau in der Nähe von Wien jubelten die Menschen dem jungen Paar zu. Zita bemerkte düster: „Diese Jubelrufe klingen wie aufständischer Krawall.“ Karl wunderte sich; sie erinnerte an den Sturz ihrer Familie in Parma und den des Geschlechts Braganza in Portugal: „Man muss realistisch sein; unser Leben ist kurz, und die Macht vergänglich.“ Karl schwieg einige Zeit und wog seine Worte ab: „Ich glaube zu verstehen, was du meinst …, aber in Österreich geht es anders zu. Bitte, sprechen wir nicht mehr darüber!“ Zita bemerkte später: „Wir sprachen jahrelang nicht mehr darüber. Erst am 24. März 1919, kurz nachdem wir die Grenze überschritten hatten, um in die Hölle des Exils einzutauchen, sagte Karl: ‚Du hattest recht …’ Ich verstand gleich, was er meinte und erwiderte leise: ‚Ich hätte lieber unrecht gehabt!’. Das war das Schlusswort unserer Auseinandersetzung …“

Die Hochzeit wurde am 21. Oktober 1911 gefeiert. Die Hochzeitsreise bestand aus einer Autotour durch das österreich-ungarische Reich. Karl konnte sich in 17 Landessprachen verständigen, 6 davon beherrschte er perfekt; Zita begann, die Grundlagen der Sprachen zu erlernen, die ihr noch fehlten. Am 20. November 1912 gebar sie Otto, das erste ihrer acht Kinder. Karl nahm seine Tätigkeit als Dragoneroffizier wieder auf und intensivierte seine Beziehung zu seinem Onkel Franz Ferdinand, der ihm seine politischen Ansichten anvertraute und ihn so auf seine künftige Verantwortung vorbereitete.

„Im Zusammenhang mit dem politischen Engagement des gläubigen Laien müssen sich die Christen besonders sorgfältig auf die Ausübung von Macht vorbereiten … Die Ausübung der Autorität muss dienenden Charakter haben und sich immer im Rahmen des Sittengesetzes und im Sinne des Gemeinwohls vollziehen: Wer politische Autorität ausübt, muss die Kräfte aller Bürger auf dieses eine Ziel hin bündeln, und er sollte dies nicht in autoritärer Weise tun, sondern sich dabei der Kraft einer von der Freiheit inspirierten Sittlichkeit bedienen“ (Sozialkompendium, Nr. 567).

Das Ultimatum

Franz Ferdinand sagte einmal bei einem Abendessen im Kreise der Familie zu seinem Neffen: „Ich werde ermordet! Einige in einem Köfferchen verschlossene Dokumente sind für dich bestimmt, Karl. Es handelt sich um Überlegungen, Pläne, Ideen, die dir vielleicht nützen könnten. Aber still, ich will Sophie nicht betrüben.“ Der Thronerbe führte eine sogenannte morganatische Ehe mit Sophie Chotek, da diese nicht aus einem ranggleichen Adelsgeschlecht stammte und somit nicht zur Kaiserin gekrönt werden konnte; folglich waren die Kinder aus dieser Ehe aus der Thronfolge ausgeschlossen. Zita begriff sogleich, dass Karl seinem Onkel früher als vorgesehen an der Spitze des Reichs nachfolgen könnte. Am 28. Juni 1914 erhielten Karl und Zita tatsächlich die schmerzhafte Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers und seiner Frau in Sarajevo durch einen serbischen Nationalisten. „Wir waren sonderbar hin- und hergerissen“, erinnerte sich Zita später. „Einerseits musste alles getan werden, um Frieden herzustellen. Das war im Sinne des ermordeten Thronerben. Andererseits – und das vergisst man allzu leicht mit der Zeit – konnte eine Großmacht wie Österreich-Ungarn es nicht hinnehmen, dass der Thronerbe, der ja die Zukunft verkörperte, ermordet wird! In einer solchen Situation hätte keine Regierung so tun können, als wäre nichts passiert!“ Kaiser Franz Joseph war der Ansicht, er könne nicht umhin, für Gerechtigkeit zu sorgen; da er glaubte, den Konflikt lokal begrenzen zu können, stellte er Serbien ein Ultimatum, das eine Spirale von Kriegsbündnissen sowie den Ersten Weltkrieg auslöste. Zitas Familie war gespalten: Drei Söhne kämpften in der mit Deutschland verbündeten kaiserlichen Armee, während die zwei Ältesten, Sixtus und Xavier, in der belgischen Armee eingesetzt waren. Am letzten Abend im Familienkreis in Schwarzau ließ sich Zita ihre Aufregung nicht anmerken. Xavier schrieb in sein Tagebuch: „Nie waren wir uns unserer festen Verbundenheit so bewusst wie da. Wir kämpfen an ganz verschiedenen Fronten, und doch sind wir alle im Lager derer, die Europa gegen diejenigen verteidigen, die unseren Kontinent zerschlagen wollen.“

Während des Krieges bestand Zitas Aufgabe darin, Krankenhäuser zu besuchen und ausführlich über sie zu berichten. Kaiser Franz Joseph, der ein verheerendes Kriegsende voraussah, suchte nach Wegen zum Frieden, aber seine Berater und die manipulierte Volksseele waren dagegen. Er starb mit 86 Jahren am 21. November 1916 inmitten der Arbeit an seinem Friedensplan. Karl wurde bald darauf zum Kaiser gekrönt. Zita teilte die gläubige Gesinnung ihres Mannes: „Tausend Befugnisse, einmalige Macht! Alle Kräfte, die um uns herum kreisen, drängen oder bremsen, sind nichts neben der einzigen Macht (Gott), die über uns herrscht. Ihrem Dienst war Kaiser Karl verpflichtet.“ Die Krönung zum König von Ungarn am 23. Dezember 1916 in Budapest erinnerte an die Verklärung Jesu auf dem Berge Tabor vor seiner Passion. Zunächst wurde die Krone der Königinnen von Ungarn auf Zitas Haupt gesetzt, dann legte der Erzbischof die Krone des heiligen Stephan, des ersten Königs der Ungarn, mit der zuvor Karl gekrönt worden war, auf ihre rechte Schulter und sagte: „Empfange die Herrscherkrone, damit du weißt, dass du die Frau des Königs bist und immer für das Volk Gottes sorgen musst. Je höher dein Rang, desto demütiger musst du sein und in Jesus Christus verbleiben.“ Die prunkvolle Zeremonie ließ das Königspaar die Leiden des kriegsgeplagten Volkes nicht vergessen: Die 18 Gänge des Festessens wurden den Gästen nur gezeigt; man schickte sie anschließend an die Verwundeten im Budapester Lazarett; der traditionelle Ball wurde abgesagt.

Zita sprach dem Volk Mut zu

Der neue Kaiser übernahm bald den Oberbefehl über die Armee und rettete durch sein umsichtiges Handeln Hunderttausenden das Leben. Zita sprach dem Volk Mut zu und sorgte nach Kräften für materielle Unterstützung. Bereits 1917 bemühte sich Karl um einen separaten Friedensschluss zwischen Österreich und den Alliierten (Frankreich, England und Italien); er entsandte die Prinzen Sixtus und Xaver mehrfach als Unterhändler zu den Regierungen Frankreichs und Englands. Leider wurden diese Versuche, die so viele Menschenleben gerettet hätten, durch politische Machenschaften vereitelt.

„Das fünfte Gebot verbietet, menschliches Leben willentlich zu zerstören. Wegen der Übel und Ungerechtigkeiten, die jeder Krieg mit sich bringt, fordert die Kirche alle eindringlich zum Beten und Handeln auf, damit die göttliche Güte uns von der alten Knechtschaft des Krieges befreit. Jeder Bürger und jeder Regierende ist verpflichtet, sich für die Vermeidung von Kriegen tätig einzusetzen. Solange allerdings die Gefahr von Krieg besteht und solange es noch keine zuständige internationale Autorität gibt, die mit entsprechenden Mitteln ausgestattet ist, kann man, wenn alle Möglichkeiten einer friedlichen Regelung erschöpft sind, einer Regierung das Recht auf sittlich erlaubte Verteidigung nicht absprechen“ (Katechismus, Nr. 2307-2308).

Im Oktober 1918 brach in Budapest ein kommunistisch inspirierter Aufstand aus und leitete den raschen Zerfall des Kaiserreiches ein. Am 3. November wurde ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Österreich-Ungarn und den Entente-Mächten unterzeichnet. Als der Aufstand die österreichische Hauptstadt erreichte, verließ die Mehrheit der kaiserlichen Garde ihren Posten. Die Kadetten der Militärakademie meldeten sich als Freiwillige zum Schutz des Kaiserpalastes von Schönbrunn – ein großer Trost für Zita, die über die Treue und den Mut der jungen Männer tief gerührt war. Von republikanischen Agitatoren geschickt manipulierte Aufständische verlangten „im Namen des Volkes“ den Rücktritt der Habsburger. In dem Bestreben, weiteres Blutvergießen zu vermeiden, erklärte der Kaiser am 11. November 1918 seinen Verzicht auf alle Staatsfunktionen, ohne jedoch abzudanken. Die kaiserliche Familie zog sich auf ein Jagdschloss zurück, wo sie unter Unsicherheit, Kälte, Nahrungsmangel und Krankheit zu leiden hatte. Der englische Oberstleutnant Strutt, der im Auftrag der britischen Regierung die Lebensumstände des Kaiserpaares verbessern sollte und ein wertvoller Freund wurde, riet dem Herrscherpaar angesichts der Bedrohung zum Verlassen des Landes. Karl entschloss sich am 24. März 1919 zu diesem Schritt. Sein Exil begann in der Schweiz. Von da aus versuchte er mit moralischer Unterstützung von Papst Benedikt XV. zweimal vergeblich, die Monarchie in Ungarn wiederherzustellen. Die Siegermächte brachten Karl und Zita schließlich auf die Insel Madeira, wo sie sich am 19. November 1921 mit einigen Bediensteten, aber vorerst ohne ihre Kinder, niederließen. Sie waren um ihr persönliches Hab und Gut gebracht und erhielten keinerlei finanzielle Unterstützung, obwohl sie ihnen vorher zugesagt worden war. Im Winter war das Klima feucht und kalt, das Haus schlecht geheizt. Am 9. März 1922 erkrankte der Kaiser an einer Lungenentzündung und starb am 1. April, einem Samstag, der wie alle ersten Samstage im Monat dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht war.

Eine große Aufgabe

Kurz vor ihrem Umzug nach Spanien weihte Zita ihre Familie am 13. Mai, dem Jahrestag der ersten Erscheinung der Muttergottes in Fatima, dem Unbefleckten Herzen Mariä. Sie war nunmehr Regentin für ihren Sohn Otto: „Ich habe eine große politische Aufgabe … Ich muss meine Kinder im Sinne des Kaisers erziehen, zu guten, gottesfürchtigen Menschen. Die Geschichte der Völker und Dynastien – die die Zeit nicht an der Länge eines Menschenlebens misst, sondern an viel größeren Maßstäben – muss uns Zuversicht lehren.“ Im August 1922 ließ sich die kaiserliche Familie in Lekeito im spanischen Baskenland in der Nähe von Lourdes nieder. 1929 schließlich verlegte Zita ihren Wohnsitz nach Belgien, in die Nähe von Löwen. Sie führte dort ein ländliches, schlichtes Leben, züchtete Rosen und versorgte mitunter eigenhändig ihre 25 Ziegen und Schafe. Die Kinder besuchten französischsprachige katholische Schulen. Otto promovierte 1935 an der Universität von Löwen zum Doktor der Staats- und Sozialwissenschaften, nachdem er am 20. November 1930 mit Erreichen der Volljährigkeit Oberhaupt des Hauses Habsburg geworden war.

1938 erfolgte der Einmarsch Hitlers in Österreich sowie der Anschluss des Landes an Deutschland. Der in Österreich gebürtige Diktator hatte die Habsburger schon immer gehasst. Am 22. April wurde Otto aufgrund seiner Feindschaft dem Reich gegenüber wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Am 9. Mai 1940, dem Geburtstag der Kaiserin, griffen die Deutschen Belgien an. Im Morgengrauen des 10. Mai wurde der Wohnsitz der Kaiserfamilie von Luftwaffenbombern überflogen. Die 17 Bewohner des Hauses brachen überstürzt nach Frankreich auf. Zwei Stunden später brannte das Haus; Otto nannte das eine „kleine Aufmerksamkeit Hitlers“. Die Familie schiffte sich nach New York ein und ließ sich dann in der Nähe von Québec nieder, wo die vier Jüngsten ihr Studium an der dortigen katholischen Universität beendeten. Die vier Älteren verdienten ihren Lebensunterhalt bereits selbst und vertraten die Interessen ihres Landes in den USA und in England. Als die Kaiserin einmal von Präsident Roosevelt empfangen wurde, stellte sie ihm Otto persönlich vor. Sie trat für die Planung eines Völkerbundes entlang der Donau ein. Daneben engagierte sie sich als Spendensammlerin und Unterstützerin diverser Hilfswerke. Zu Weihnachten 1948 zog sie in die Nähe von New York und erwies Österreich einen letzten politischen Dienst. Als sie nämlich erfahren hatte, dass der Senat ihr Land wegen des vorgeblich begeisterten Empfangs für Hitler im Jahre 1938 aus dem Marshallplan ausschließen wollte, überredete sie rund fünfzig Senatorenfrauen, im Sinne Österreichs auf ihre Gatten einzuwirken. Ihnen war es zu verdanken, dass die Unterstützungszahlungen schließlich bewilligt wurden.

Klosteraufenthalte

Die Heirat dreier Kinder führte die Familie wieder nach Europa zurück. 1953 zog sich Zita auf Schloss Berg zurück, das zum Großherzogtum Luxemburg gehörte. Als Benediktineroblatin der heiligen Cäcilie von Solesmes seit 1926 fühlte sie sich erneut zum Klosterleben hingezogen. Der Abt von Saint-Pierre de Solesmes riet ihr jedoch davon ab, die Welt zu verlassen: Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position könne sie für ein christlich geprägtes Europa kämpfen. Dank eines Indults von Pius XII. konnte Zita jedoch mehrere Klosteraufenthalte absolvieren. Als ihre Enkeltochter Katharina sie einmal hinter dem Gitter eines Sprechzimmers erblickte, rief sie: „Großmutter, sitzen Sie im Gefängnis?!“ – „Bin ich im Gefängnis oder du, mein Kind?“, fragte die Kaiserin zurück. 1959 wurde ihr von den Behörden die Teilnahme an der Beerdigung ihrer Mutter auf dem Gut der Familie Bourbon-Parma in Oberösterreich verwehrt. Zita wohnte damals abwechselnd in Bayern und in Brüssel bei ihren Kindern. 1962 ließ sie sich in Zizers im Schweizer Kanton Graubünden nieder.

Zita stand um 5.00 Uhr auf, wohnte mehreren Messen bei, meditierte mit Hilfe der 15 Anrufungen der heiligen Birgitta über die Passion Jesu und betete den Rosenkranz. 1982 erkannte das österreichische Oberverwaltungsgericht an, dass das Exilgesetz gegen die Habsburger nicht auf Zita hätte angewendet werden dürfen, da sie nur ein angeheiratetes Familienmitglied war. Ihre triumphale Heimkehr nach Österreich nach 63 Jahren Exil gehörte zu den größten Freuden ihres Lebens. Am 13. November nahmen über 20 000 Personen an der in ihrer Gegenwart gefeierten Festmesse im Stephansdom zu Wien teil. Da das erzwungene Exil Zitas Meinung nach nicht dazu berechtigte, die von Gott empfangene Mission aufzugeben, hatte sie nie auf ihre Titel verzichtet. Im Folgenden verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand: Sie erblindete und konnte sich kaum mehr fortbewegen. Ihre Betreuer bezeugten jedoch, dass sie mit großer Geduld und Gelassenheit auf den Tod wartete, der sie mit ihrem Mann zusammenführen würde. Sie starb im Alter von 96 Jahren am 14. März 1989 und wurde im Rahmen einer würdigen Feier in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt. Ihr Herz ruht zusammen mit Karls Herz in der Abtei Muri in der Diözese Basel. Der Seligsprechungsprozess für die Kaiserin wurde 2009 eröffnet. Aufgrund ihrer Fürsprache empfangene Gnadengaben können an folgende Adresse gemeldet werden: Association pour la béatification de l’impératrice Zita, Abbaye Saint-Pierre, 1 place Dom Guéranger, F. 72300 Solesmes.

Mögen wir ihrem Vorbild folgen und lernen, zum Wohle unseres Landes und Europas Gott und seinem Reich zu dienen – auch unter menschlich ungüngstigsten Bedingungen!“

Dom Antoine Marie osb

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