Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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13. Juli 2016
hl. Heinrich II. und Kunigunde


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Der heilige Antonius von Padua, oft auch Antonius von Lissabon genannt, ist einer „der populärsten Heiligen in der ganzen katholischen Kirche, der nicht nur in Padua, wo eine prächtige Basilika errichtet wurde, in der seine sterblichen Überreste ruhen, sondern in der ganzen Welt verehrt wird. Beliebt sind bei den Gläubigen Bilder und Statuen, die ihn mit der Lilie, Symbol für seine Reinheit, oder mit dem Jesuskind auf dem Arm zeigen, zur Erinnerung an eine wunderbare Erscheinung, die von einigen literarischen Quellen erwähnt wird. Antonius hat mit seinen ausgeprägten intellektuellen Gaben, seiner Ausgeglichenheit, seinem apostolischen Eifer und vor allem mit seiner mystischen Leidenschaft maßgebend zur Entwicklung der franziskanischen Spiritualität beigetragen“ (Papst Benedikt XVI., Generalaudienz vom 10. Februar 2010).

Der künftige heilige Antonius wurde am 15. August 1195 in Lissabon geboren und auf den Namen Fernando getauft. Sein Vater, Don Martin de Bulhoës, ein Nachfahre Gottfried von Bouillons, sah für ihn eine militärische Laufbahn vor. Fernando verbrachte seine Kindheit in der liebevollen Nähe seiner Mutter, Dona Teresa, die ihm eine innige Verehrung für die Heilige Jungfrau Maria mit auf den Weg gab und damit in seiner Seele den Boden für die Tugenden der Milde, der Demut und der Liebe im Opfer bereitete. Er schrieb später?: „Mild ist derjenige, dessen Geist nicht reizbar ist und der aufgrund seines einfachen Glaubens fähig ist, jede Beleidigung geduldig zu ertragen. Von außen mag man gegen mich kämpfen, ich aber bleibe in meinem Herzen friedlich.“ Bis zum Alter von 15 Jahren besuchte Fernando die Stiftsschule in Lissabon. Als er eines Tages auf den Altarstufen kniete, erschien ihm der Teufel in einer furchterregenden Gestalt. Unerschrocken malte der Junge ein Kreuz auf den Marmorboden, der unter seiner Berührung weich wurde und das Zeichen in sich aufnahm. Die Wirkung war durchschlagend?: Der Teufel verschwand auf der Stelle. In der Kathedrale ist der Abdruck des Kreuzes heute noch zu besichtigen.

Die drei Waffen

1210 NT>durfte der fünfzehnjährige Fernando auf eigenen Wunsch und mit Erlaubnis seiner Eltern in das Kloster der Augustiner-Chorherren vor den Toren der Stadt eintreten. Der Lebensstil der Chorherren kam dem jungen Mann entgegen?: Gebet, spirituelle Lektüre und Arbeit waren nach Ansicht seiner Lehrer die drei Waffen, mit denen man den Dämon besiegen konnte. Nach seiner Profess 1212 bat der junge Mönch, ins Kloster vom Heiligen Kreuz nach Coïmbra versetzt zu werden. Durch den Abstand zu seinen Freunden und Verwandten hoffte er mehr geistige Ruhe und inneren Frieden zu finden und sich ganz auf seine Studien, den Dienst des Herrn und das Ordensleben konzentrieren zu können. Im landesweit berühmten kulturellen Zentrum Coïmbra widmete er sich dem Studium der Bibel sowie der Kirchenväter und verfügte schon nach kurzer Zeit über eine außerordentliche Kenntnis der Heiligen Schrift. Gleichzeitig wuchs seine Liebe zu den christlichen Tugenden?: Er wurde demütiger und gottverbundener. Als Fernando einmal während der Konventmesse bei einem kranken Novizen wachte, vernahm er die Glocke, die die Wandlung ankündigte. Er fiel auf die Knie und betete im Geiste den im Sakrament gegenwärtigen Christus an (s. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1353?; 1357)?: „O Jesus?! Welches Glück wäre es, wenn ich mich an den Fuß deines Altares versetzen könnte?!“ Bei diesen Worten erblickte der junge Mönch in einer Vision den in ein himmlisches Licht getauchten Altarraum, in dem der Priester die heilige Hostie hochhielt.

Nach seiner Priesterweihe übernahm Don Fernando in Coïmbra das Amt des Pförtners. So lernte er die kleine Brüdergemeinschaft kennen, die kurz zuvor in Assisi in Italien von Bruder Franziskus gegründet worden war. Die neuartigen Mönche lebten arm und predigten das „blosse“ Evangelium. Sie wohnten in der nach dem heiligen Antonius benannten Einsiedelei auf dem Hügel Olivares und baten regelmäßig um Almosen. 1220 wurden die Reliquien der fünf ersten Franziskanermissionare, die in Marokko den Märtyrertod erlitten hatten, in Coïmbra ausgestellt. Ihr Vorbild weckte in Don Fernando den Wunsch, ihnen nachzueifern. Er verließ die Augustiner-Chorherren, zog sich die grobe Kutte der Franziskaner über und nahm den Namen Antonius an. Er hoffte, in die Länder des Islam entsandt zu werden, um dort das Evangelium zu predigen und den Märtyrertod zu erleiden. Im Dezember 1220 durfte Bruder Antonius in Begleitung eines Mitbruders tatsächlich nach Marokko aufbrechen. Bald nach ihrer Ankunft wurden jedoch beide krank und mussten nach einigen Monaten die Heimreise antreten. Bei der Überfahrt wurde ihr Schiff von einem heftigen Sturm erfasst und an die Küste Siziliens gelenkt. In der Nähe der Straße von Messina betrat der 26-jährige Portugiese zum ersten Mal den Boden Italiens, das ihm zur zweiten Heimat werden sollte. Von Messina reiste er nach Assisi weiter, wo er an Pfingsten 1221 dem berühmten Großen Generalkapitel der Minderen Brüder beiwohnte.

Ein neuer Stern

Danach wurde Antonius von Bruder Gratianus, dem Provinzial der Romagna, in die Einsiedelei von Montepaolo in den Apenninen versetzt, wo er für seine Mitbrüder die heilige Messe lesen sollte. Er fand dort einen Ort der Stille vor, eine „geistige Wüste“, in der er mit Gott Zwiesprache halten und sich mit der franziskanischen Spiritualität vertraut machen konnte. Antonius betete in einer Grotte, fastete bei Brot und Wasser und widmete sich, wie die anderen Brüder auch, den einfachsten Arbeiten. In Demut wartete er auf einen Fingerzeig Gottes für seinen weiteren Weg, erhielt ihn jedoch erst nach einem Jahr, am 22. September 1222, bei einer Priesterweihe in der Stadt Forli, an der er zusammen mit weiteren Franziskanern und einigen Dominikanern teilnahm. Als die Predigerbrüder um die übliche spirituelle Ermahnung gebeten wurden, verweigerten sie diese mit dem Argument, sie dürften nicht improvisieren. Da wandte man sich an Bruder Antonius?; dieser trug ein paar gut abgewogene und kurze Überlegungen zur Priesterweihe vor, die aufmerksam und freudig aufgenommen wurden. Gratianus schrieb noch am selben Abend an Franziskus von Assisi?: „Am Himmel der Franziskaner ist ein neuer Stern aufgegangen?!“ Der Provinzial betraute den jungen Mönch mit der Aufgabe, überall in der Romagna zu predigen, insbesondere in Rimini, wo er den Glauben und die Einheit der Christen durch die Häresie der Katharer bedroht sah. Das war der Beginn einer intensiven Kampagne in Italien, später auch in Frankreich, die viele Häretiker in den Schoß der Kirche zurückführen sollte.

Für die radikalsten Katharer beruhte die Schöpfung auf zwei ewigen Prinzipien?: dem Prinzip des Guten und dem des Bösen. Vom ersten gehe die unsichtbare Welt der Geister und Seelen aus, vom zweiten die Materie, die von Grund auf böse sei. Für die gemäßigten Katharer war das böse Prinzip, das die Welt der Materie beherrschte, kein böser Gott, sondern Luzifer, der gefallene Engel. Da allerdings alle Katharer die Materie an sich für böse hielten, strebten sie gleichermaßen danach, die Seelen von ihr zu befreien?; das führte namentlich zur Ablehnung der Ehe, denn sie schließe die Seele durch die Fortpflanzung in die Materie ein. Das Kreuz Christi sowie die Eucharistie waren aufgrund ihrer materieller Natur ebenfalls ein Ärgernis für die Katharer, ein Stein des Anstoßes (vgl. 1 Kor 1,23 und Katechismus Nr. 1336).

In Rimini war ein Bürger namens Bonvillo einer der Ungläubigsten. Er machte sich über Bruder Antonius lustig und sagte zu ihm?: „Beweis mir durch ein Wunder, dass die Eucharistie wirklich der Leib Christi ist, und ich schwöre, dass ich mich auf der Stelle bekehre.“ Im Vertrauen auf den Heiligen Geist nahm der Franziskus-Jünger die Herausforderung an. „Gut?!“, erwiderte Bonvillo. „Ich habe ein Maultier. Ich werde es drei Tage lang ohne Nahrung einsperren und danach auf den Kirchplatz führen, wo ich ihm einen Scheffel Hafer vorsetzen werde?; du sollst eine geweihte Hostie dort vorbeitragen. Wenn mein Tier das Getreide zurückweist und sich vor der Hostie verbeugt, werde auch ich meine Vernunft dem Mysterium beugen, das du lehrst.“ Bruder Antonius war einverstanden und begann ebenso streng zu fasten wie das Tier. Am festgesetzten Tag war der Platz zum Bersten voll?; der Mönch trat mit der Monstanz in der Hand aus der Kirche. Bonvillo schleppte sein taumelndes Maultier herbei und setzte ihm den Hafer vor. Da rief Bruder Antonius?: „Vernunftloses Tier, verneige dich vor deinem Schöpfer?!“ Das Maultier ließ sogleich vom Futter ab, fiel vor der Hostie auf die Knie und verharrte so mit gesenktem Kopf, bis der Bruder ihm befahl, sich zu erheben. Erst dann wandte es sich wieder dem Futtertrog zu und verschlang den Hafer. Die Katharer kamen aus dem Staunen nicht heraus?: Die meisten von ihnen folgten Bonvillo und schworen ihrem Irrglauben ab.

Die Geringsten

Im Sinne des Pauluswortes, die Erkenntnis blähe auf (1 Kor 8,1), und in dem Wunsch, seine Söhne innerhalb der Kirche die Geringsten, die Minderen Brüder, bleiben zu lassen, lehnte der heilige Franziskus anfänglich eine intensivere theologische Unterweisung in seinem Orden ab. Doch angesichts der Häresie der Katharer sah er bald die Notwendigkeit einer soliden theologischen Ausbildung ein. Sie würde die Brüder in die Lage versetzen, die Lehre Christi und der Kirche besser zu verkündigen. Franziskus erkannte, dass unter seinen Mönchen Bruder Antonius die Wissenschaft am besten mit der von der Regel geforderten Frömmigkeit und Demut vereinbaren konnte, und schrieb ihm?: „Es gefällt mir, dass du den Brüdern die heilige Theologie lehrst. Achte jedoch darauf, dass der Geist der Anbetung weder in dir noch in ihnen erlischt.“ Bruder Antonius wurde nach Bologna entsandt und legte dort die Grundlagen für die franziskanische Theologie, die mit dem heiligen Bonaventura und dem seligen Duns Scotus ihre Blütezeit erleben sollte.

Die Geburt Christi in Bethlehem und die Betrachtung des Gekreuzigten erfüllten Bruder Antonius mit Dankbarkeit Gott gegenüber und steigerten seine Achtung vor der Menschenwürde. Er schrieb?: „Christus, der das Leben ist, hängt vor dir am Kreuz, damit du in das Kreuz schaust wie in einen Spiegel. Du wirst darin sehen, wie tödlich deine Verletzungen sind?: Keine Arznei kann sie heilen, nur das Blut von Gottes Sohn. Wenn du richtig schaust, wirst du erkennen können, wie groß deine Menschenwürde und dein Wert sind … Nirgendwo kann der Mensch seinen eigenen Wert so gut erkennen, wie beim Blick in den Spiegel des Kreuzes.“

1224 wurde Bruder Antonius als Theologieprofessor für die jungen Mönche seines Ordens nach Montpellier in Frankreich berufen und verfasste dort einen Kommentar zu den Psalmen. Ein Novize, der ihn um diesen Wissensschatz beneidete, stahl das Manuskript und flüchtete damit. Der Verfasser des kostbaren Textes sah sich um die Frucht seiner Mühen und seiner durchwachten Nächte gebracht. Der Konvent beklagte den Verlust eines seiner Söhne, der seine Berufung verraten, sich wie ein Dieb aus dem Staube gemacht und seine Seele aufs Spiel gesetzt hatte. Bruder Antonius betete zum Herrn, er möge das Gewissen des Schuldigen wecken. Der Geflüchtete kehrte tatsächlich nach kurzer Zeit reumütig zurück, bat um eine gerechte Buße und setzte sein Noviziat bald mit doppeltem Eifer fort. Aufgrund dieser Begebenheit schreibt die Volksfrömmigkeit dem heiligen Antonius die Fähigkeit zu, verlorene Gegenstände wiederzufinden.

Das Konzil von Bourges

Danach wurde Bruder Antonius zunächst in Toulouse, dann in Le Puy-en-Velay und in Limoges eingesetzt, wo er einen Konvent gründete und dessen Superior wurde. 1225 lud man ihn zum Provinzialkonzil nach Bourges ein. Die von einem Abgesandten des Papstes geleitete Versammlung sollte nach Mitteln suchen, um das von den katharischen Albigensern sowie von Streitigkeiten zwischen den Fürstenhäusern heimgesuchte Languedoc wieder zu befrieden. Bruder Antonius wurde gebeten, vor den religiösen und zivilen Würdenträgern des Reiches zu predigen. Er benannte schonungslos die tiefen Ursachen des Konflikts im Languedoc?: die religiösen Gründe, die durch die Umtriebe der Albigenser verschärft wurden?; die sozialen Gründe, bedingt durch das Streben der Reichsfürsten nach Reichtum und Ehre, obwohl ihre Untertanen zumeist in Armut lebten?; und schließlich die moralischen Gründe, die er für ebenso schwerwiegend hielt, namentlich das schlechte Vorbild des Adels, aber auch des Klerus. Da er aufgrund einer göttlicher Offenbarung die Geisteshaltung Simon de Sullys, des Erzbischofs von Bourges, kannte, hielt er den Bischöfen ihren mondänen und luxuriösen Lebenswandel vor und klagte über diejenigen unter ihnen, die ihre Schäfchen nicht vor Irrlehren zu schützen wussten. Von seinen feurigen Worten erschüttert, gestand Simon de Sully seine Fehler ein, legte eine aufrichtige Beichte ab und gewann so das Vertrauen des Papstes und des heiligen Königs Ludwig IX..

1227 kehrte Bruder Antonius nach Assisi zurück und wurde zum Provinzial von Norditalien ernannt?; er füllte das Amt bis 1230 aus. In dieser Zeit fuhr er regelmäßig nach Padua in der Nähe von Venedig, denn er fühlte sich den tiefgläubigen Bewohnern der Stadt eng verbunden. Nach Ablauf seiner Amtszeit schloss er sich der Gruppe von Dominikanern und Benediktinern an, die im Auftrag Papst Gregors IX. an der vom IV. Laterankonzil (1215) angeregten Reform des Klerus und der Orden arbeitete. Im Sommer 1230 reiste er im Auftrag seiner Vorgesetzten nach Rom, um den Papst zu bitten, er möge einen innerhalb des Ordens entbrannten Streit über die Armutspraxis schlichten. Denn nach dem Tode des Gründers 1226 wollten einige Brüder im buchstäblichen Sinne der Regel in strengster Armut leben, während andere aufgrund neuer Umstände für eine Lockerung der extremen Strenge waren. Die Entscheidung des Papstes fiel zugunsten der Letzteren aus. Als Bruder Antonius bei dieser Gelegenheit vor dem Papst predigte, erregte er durch seine profunde Kenntnis der Heiligen Schrift die Bewunderung des Heiligen Vaters.

„Ein liebevolles Gespräch“

In dieser letzten Lebensperiode verfasste der hl. Antonius zwei Predigtreihen. Es „sind theologisch-homiletische Texte, die die lebendige Predigt anklingen lassen, in der Antonius einen regelrechten Weg christlichen Lebens vorschlägt. Der Reichtum der in den Predigten enthaltenen geistlichen Lehren ist so groß, dass der ehrwürdige Papst Pius XII. im Jahr 1946 Antonius zum Kirchenlehrer erklärte und ihm den Titel Doctor Evangelicus verlieh, da aus diesen Schriften die Frische und Schönheit des Evangeliums zutage tritt … In diesen Predigten spricht der hl. Antonius vom Gebet als einer Liebesbeziehung, die den Menschen dazu bringt, vertraut mit dem Herrn zu reden, und die auf diese Weise eine unaussprechliche Freude hervorbringt, welche die im Gebet verharrende Seele voller Milde umfängt. Antonius ruft uns in Erinnerung, dass das Gebet einer Atmosphäre der Stille bedarf … Diese ist eine innere Erfahrung, die darauf abzielt, die von den Sorgen der Seele hervorgerufenen Zerstreuungen zu überwinden, indem sie in der Seele Stille schafft.“ Seiner Lehre zufolge liegen dem Gebet vier unverzichtbare Haltungen zugrunde?: „sein Herz ver-trauens-voll Gott öffnen?; der erste Schritt des Gebets besteht also darin, dass man nicht einfach ein Wort aufnimmt, sondern sein Herz auf die Gegenwart Gottes hin öffnet?; sodann soll man liebevoll mit ihm ins Gespräch treten und ihn dabei als unter uns gegenwärtig erkennen?; des weiteren sollen wir ihm – was ganz selbstverständlich ist – unsere Nöte vorbringen?; und schließlich sollen wir ihn loben und ihm danken. In dieser Lehre des hl. Antonius über das Gebet erkennen wir eines der spezifischen Merkmale der franziskanischen Theologie, deren Initiator er gewesen ist, nämlich die der göttlichen Liebe zugewiesene Rolle, die in die Sphäre der Gefühle, des Willens, des Herzens eintritt und auch die Quelle ist, der eine geistliche Erkenntnis entspringt, die jede Erkenntnis übersteigt. Denn wir gelangen durch die Liebe zur Erkenntnis. Antonius schreibt weiter?: ‚Die Liebe ist die Seele des Glaubens, sie macht ihn lebendig?; ohne die Liebe stirbt der Glaube’“ (Benedikt XVI., Generalaudienz vom 10. Februar 2010).

In der Fastenzeit 1231 predigte Bruder Antonius im Auftrag des Bischofs von Padua jeden Tag vor den Einwohnern und den Geistlichen der Stadt und setzte sich trotz etlicher Gebrechen unermüdlich für das Heil der Seelen ein, denn nach dem Predigen nahm er noch bis zum späten Abend Beichten ab. Die Kirchen erwiesen sich als zu klein, um den Andrang der Massen zu bewältigen?; so wurden die Predigten bald an öffentlichen Plätzen gehalten. Wie Benedikt XVI. bemerkt, kannte Bruder Antonius „die Mängel der menschlichen Natur gut, unsere Neigung, in die Sünde zu verfallen, weshalb er ständig dazu ermahnt, die Neigung zu Habsucht, Stolz, Unreinheit zu bekämpfen und dagegen die Tugenden der Armut und der Hochherzigkeit, der Demut und des Gehorsams, der Keuschheit und Reinheit zu üben. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wuchs im Zusammenhang mit der Neuerstehung der Städte und dem Aufblühen des Handels die Zahl der Menschen, die gefühllos gegenüber den Bedürfnissen der Armen waren. Aus diesem Grund forderte Antonius die Gläubigen mehrmals dazu auf, an den wahren Reichtum zu denken, den Reichtum des Herzens, der dadurch, dass er gut und barmherzig macht, Schätze für das Himmelreich ansammeln lässt. ‚O, ihr Reichen’ – so mahnt er – ‚macht euch die Armen … zu Freunden, nehmt sie in euren Häuser auf?: Sie, die Armen, werden es dann sein, die euch in den ewigen Wohnstätten aufnehmen werden, wo die Schönheit des Friedens herrscht, das Vertrauen der Sicherheit und die üppige Ruhe der ewigen Sattheit’“ (ibid.). In einer anderen Predigt schilderte der heilige Antonius den Preis des Geizes und der Wollust, die er für die häufigsten Laster hielt. Er kommentierte den Satz des Königs zu dem Mann, der beim königlichen Gastmahl kein hochzeitliches Kleid anhatte?: Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die Finsternis draußen?; dort wird Heulen sein und Zähneknirschen (Mt 22,13). Heulen beziehe sich auf die Augen, die sich in der Eitelkeit verrennen, Zähneknirschen auf diejenigen, die ihrer Gefräßigkeit gefrönt und das Hab und Gut der Armen verschlungen haben.

Ein letztes Liebeslied

Als Reaktion auf die Predigten des heiligen Antonius wollten so viele Leute zur Beichte gehen, dass die Priester vor Ort den Andrang gar nicht bewältigen konnten. Der Heilige setzte nebenbei auch die Freilassung aller zahlungsunfähigen Schuldner durch, die auf Antrag der Wucherer bis zur Begleichung ihrer Schulden im Gefängnis saßen. Die große Anspannung zehrte schließlich den durch Krankheiten und Fasten geschwächten Körper des Bruders völlig aus. Im Mai 1231 bekam er die Erlaubnis, sich an einen friedlichen Ort im Norden Paduas zurückzuziehen. Man baute ihm eine Hütte zwischen den Zweigen eines Nussbaums, damit er sich dort sammeln und auf die Begegnung mit Gott von Angesicht zu Angesicht (1 Kor 13,12) vorbereiten konnte. Als er spürte, dass ihm die Kräfte schwanden, ließ er sich am 13. Juni in sein Kloster nach Padua transportieren. An den Toren der Stadt angekommen, war er bereits so schwach, dass man bei den Klarissinnen von Arcella Halt machen musste, um ihm die Letzte Ölung zu spenden. Er versuchte noch, ein letztes Liebeslied für seine Königin, die Jungfrau Maria, zu singen, dann verklärte sich sein Gesicht, und er sagte, er sehe seinen Herrn Jesus, der ihn zu sich rufe.

An seinem Grab spielten sich ähnliche Szenen der Begeisterung ab wie zuvor bei seinen Predigten. Es gab Wunder über Wunder, und die Volksverehrung wuchs von Tag zu Tag?; schließlich beschlossen der Bischof und die zivile Obrigkeit von Padua die Entsendung einer Abordnung, die den Papst bitten sollte, Bruder Antonius heiligzusprechen. Im Laufe des Prozesses wurden 53 Wunder offiziell seiner Fürsprache zugeschrieben. Am 30. Mai 1232, nur ein Jahr nach seinem Tod, wurde Antonius von Padua von Gregor IX. heiliggesprochen.

Folgen wir dem Vorbild des Heiligen und beherzigen wir die Worte des heiligen Petrus?: Christus aber, den Herrn, haltet heilig in euren Herzen, allzeit bereit zur Verantwortung gegenüber einem jeden, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die ihr in euch tragt (1 Petr 3,15).

Dom Antoine Marie osb

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