Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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30. März 2016
Osterwoche


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

„Mit dem Aufkommen der Neuzeit meinte man, das Licht des Glaubens sei für die antiken Gesellschaften ausreichend gewesen, für die neuen Zeiten, den erwachsen gewordenen Menschen, der stolz ist auf seine Vernunft und die Zukunft auf neue Weise erforschen möchte, sei es jedoch nutzlos. In diesem Sinn erschien der Glaube als ein trügerisches Licht, das den Menschen hinderte, sich wagemutig auf die Ebene des Wissens zu begeben … So wurde der Glaube wie ein Sprung ins Leere verstanden, den wir aus Mangel an Licht vollziehen, getrieben von einem blinden Gefühl ; oder wie ein subjektives Licht, das vielleicht das Herz zu erwärmen und einen persönlichen Trost zu bringen vermag, sich aber nicht den anderen als objektives und gemeinsames Licht zur Erhellung des Weges anbieten kann“ (Papst Franziskus, Enzyklika Lumen fidei, 29. Juni 2013, Nr. 2-3).

Mit modernster Technik untersuchte eucharistische Wunder aus jüngster Zeit bringen uns jedoch ein Licht, das die Tatsachen des Glaubens bestätigt und die Wissenschaft daran erinnert, dass sie nicht jede Wirklichkeit erklären kann. Denn diese Wunder liefern einen Beweis für die objektive Realpräsenz des Leibes und des Blutes Christi im Allerheiligsten.

Eine blutige Substanz

Am 18. August 1996 zelebrierte Pater Alejandro Pezet in der Kirche des Handelszentrums von Buenos Aires in Argentinien eine Messe. Er beendete gerade die heilige Kommunion, als eine Frau zu ihm trat und sagte, sie habe im hinteren Teil der Kirche eine weggeworfene Hostie entdeckt. Der Priester ging zur angegebenen Stelle und fand die beschmutzte Hostie ; er legte sie in ein kleines Wasserglas, das er im Tabernakel der Sakramentskapelle einschloss. Als er am 26. August den Tabernakel öffnete, sah er zu seiner großen Verblüffung, dass die Hostie sich in eine blutige Substanz verwandelt hatte. Er informierte den Weihbischof von Kardinal Quarrancino und künftigen Papst, Jorge Bergoglio, auf dessen Anweisung hin die verwandelte Hostie am 6. September von einem Berufsfotografen abgelichtet wurde. Die Fotos zeigen eindeutig, dass die zu einem blutigen Stück Fleisch gewordene Hostie beträchtlich größer geworden ist. Sie wurde drei Jahre lang im Tabernakel verwahrt, und die ganze Sache blieb geheim ; erst als Bischof Bergoglio feststellte, dass die Hostie keine sichtbaren Zersetzungsmerkmale aufwies, beschloss er, sie wissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Im Oktober 1999 begann man der Hostie entnommene Gewebeproben zu analysieren. Die Untersuchungen kamen, wie der erfahrene Kardiologe und Gerichtsmediziner Doktor Frederic Zugibe, erklärte, zu folgendem Ergebnis : „Das untersuchte Material ist ein Herzmuskelfragment, das aus der linken Herzkammer nahe der Aortenklappe stammt. Dieser Muskel sorgt für die Kontraktion des Herzens. Die linke Herzkammer pumpt das Blut in alle Körperteile. Das untersuchte Herzmuskelfragment befindet sich in einem entzündeten Zustand und enthält eine große Anzahl weißer Blutkörperchen. Das weist darauf hin, dass das Herz noch lebte, als ihm die Probe entnommen wurde. Ich behaupte deswegen, dass das Herz lebte, weil weiße Blutkörperchen außerhalb eines lebenden Organismus absterben ; zum Überleben benötigen sie einen lebenden Organismus. Ihre Präsenz lässt also darauf schließen, dass das Herz noch lebte, als ihm die Gewebeprobe entnommen wurde. Die weißen Blutkörperchen sind zudem in das Gewebe eingedrungen : ein Anzeichen dafür, dass das Herz großem Stress ausgesetzt worden war, als hätte sein Besitzer schwere Schläge gegen die Brust erhalten.“

Zwei Australier, der Journalist Mike Willesee und der Rechtsanwalt Ron Tesoriero, waren Zeugen der Unter-suchungen. Erst nach dem medizinischen Befund des Arztes teilten sie diesem mit, dass die Substanz, der die Probe entnommen worden war, aus dem Jahre 1996 stammte. Doktor Zugibe fragte : „Eine Sache müssen Sie mir erklären : Wenn diese Probe von einem Verstorbenen stammt, wie kann es dann sein, dass die Zellen der Probe während meiner Untersuchung in Bewegung waren und pulsierten ? Wenn dieses Herz von jemandem stammt, der 1996 gestorben ist, wie kann es dann immer noch am Leben sein ?“ Erst da erklärte Mike Willesee, dass die untersuchte Gewebeprobe von einer geweihten Hostie stamme, die sich auf geheimnisvolle Weise in einen Klumpen blutigen menschlichen Fleisches verwandelt hatte. Der Doktor antwortete fassungslos : „Wie und warum kann eine geweihte Hostie ihre Substanz ändern und zu lebendem menschlichem Fleisch und Blut werden ? Das bleibt für die Wissenschaft ein unerklärliches Geheimnis, ein Geheimnis, das jenseits ihrer Kompetenz liegt.“

Fleisch und Blut

In Lanciano in der Region Abruzzen (Italien) hatte sich um das Jahr 750 herum ein ähnlich unerklärlicher Vorfall ereignet. Ein Basilianermönch tat sich damals schwer damit, an die Realpräsenz unseres Herrn Jesus Christus in der Eucharistie zu glauben. Er betete beharrlich um die Linderung seiner quälenden Ungewissheit. Eines Morgens begann er, wie immer von Zweifeln geplagt, vor den Bewohnern eines benachbarten Dorfes die Messe zu lesen. Was er nach der Wandlung auf dem Altar erblickte, ließ seine Hände plötzlich erzittern, und einen Moment, der seinen Pfarrkindern wie eine Ewigkeit vorkam, verschlug es ihm die Sprache. Dann wandte er sich langsam um und sagte : „Ihr glücklichen Zeugen, denen der gelobte Gott, um meinen Unglauben zu widerlegen, sich in diesem gesegneten Sakrament gnädig offenbart und für unsere Augen sichtbar gemacht hat : Kommt und seht unseren Gott, ganz nah bei uns : Hier sind das Fleisch und das Blut unseres geliebten Christus.“ Die Hostie war Fleisch, der Wein Blut geworden ! Noch am selben Tag ging das Gerücht des Wunders wie ein Lauffeuer durch das ganze Dorf, dann durch die Nachbardörfer und gelangte schließlich bis nach Rom.

Dieses Wunder ist heute noch für uns greifbar : Die zu Fleisch gewordene Hostie und der zu Blut gewordene Wein sind zwölf Jahrhunderte lang unverändert erhalten geblieben. 1970 beauftragten der Erzbischof von Lanciano und der Provinzial der Abruzzen mit Einverständnis Roms den Direktor des Krankenhauses von Arezzo, Professor Edoardo Linoli, eine eingehende wissenschaftliche Untersuchung der zwölf Jahrhunderte alten Reliquien vorzunehmen. Die Ergebnisse wurden am 4. März 1971 vom Professor persönlich präsentiert : 1. Das „Fleisch des Wunders“ besteht aus Herzmuskelgewebe. 2. Das „Blut des Wunders“ ist echtes Blut, wie die chromatografische Untersuchung zweifelsfrei bestätigt. 3. Fleisch und Blut stammen – wie auch im Falle des heiligen Turiner Grabtuchs – von einem Mann der Blutgruppe AB, die für die Bewohner des Nahen Ostens charakteristisch ist. 4. Die prozentuale Verteilung der im Blut enthaltenen Proteine entspricht dem Bluteiweißschema normalen frischen Blutes. 5. Keines der histologischen Präparate bestätigt den Einsatz von Konservierungsstoffen, die früher zum Zweck der Mumifizierung verwendet wurden.

Bemerkenswert ist zudem ein weiterer Punkt : Wird das (normalerweise eingetrocknete) eucharistische Blut von Lanciano verflüssigt, bewahrt es alle seine chemischen und physikalischen Eigenschaften und zersetzt sich in keiner Weise, während normales menschliches Blut 15 Minuten nach seiner Entnahme unweigerlich jede biologische Aktivität einstellt.

Der in den „Annali Sclavo“ (Heft 3, 1971) publizierte medizinische Bericht stieß in wissenschaftlichen Kreisen auf großes Interesse. 1973 setzte der oberste Rat der Welt-gesund-heitsorganisation eine wissenschaftliche Kommission ein, um die Ergebnisse Professor Linolis zu überprüfen. In den 15 Monaten, die die Arbeit in Anspruch nahm, wurden 500 Untersuchungen durchgeführt. Sie ergaben, wie die Kommission erklärte, dass es sich bei den Proben um lebendes Gewebe handelt, das alle klinische Reaktionen von lebenden Organismen zeigt. Demnach waren das Fleisch und das Blut von Lanciano seit dem 8. Jahrhundert unverändert so geblieben, als wären sie am selben Tag einem lebenden Menschen entnommen worden. Die im Dezember 1976 in New York und Genf veröffentlichte Abschlusserklärung der Kommission bekannte, dass die Wissenschaft hier an ihre Grenzen stoße und keine Erklärung dafür liefern könne.

Wieder andere Experten haben die nach dem Wunder von Buenos Aires erstellten Laborberichte mit denen des Wunders von Lanciano verglichen. Diese Wissenschaftler, denen die Herkunft der Gewebeproben unbekannt war, kamen zu dem Schluss, dass beide Laborberichte Material zum Gegenstand hatten, das von ein und derselben Person stammte.

Die Suche nach einem großen Licht

In seiner Enzyklika Lumen fidei schreibt Papst Franziskus : „Nach und nach hat sich jedoch gezeigt, dass das Licht der eigenständigen Vernunft nicht imstande ist, genügend Klarheit über die Zukunft zu vermitteln ; sie verbleibt schließlich in ihrem Dunkel und lässt den Menschen in der Angst vor dem Unbekannten zurück. Und so hat der Mensch auf die Suche nach einem großen Licht, nach einer großen Wahrheit verzichtet, um sich mit kleinen Lichtern zu begnügen, die den kurzen Augenblick erhellen, doch unfähig sind, den Weg zu eröffnen. Wenn das Licht fehlt, wird alles verworren, und es ist unmöglich, das Gute vom Bösen, den Weg, der zum Ziel führt, von dem zu unterscheiden, der uns richtungslos immer wieder im Kreis gehen lässt“ (LF, 3). Um diesem Übel aus dem Weg zu gehen, brauchen wir den Glauben : „Darum ist es dringend, die Art von Licht wiederzugewinnen, die dem Glauben eigen ist, denn wenn seine Flamme erlischt, verlieren am Ende auch alle anderen Leuchten ihre Kraft. Das Licht des Glaubens besitzt nämlich eine ganz besondere Eigenart, da es fähig ist, das gesamte Sein des Menschen zu erleuchten. Um so stark zu sein, kann ein Licht nicht von uns selber ausgehen, es muss aus einer ursprünglicheren Quelle kommen, es muss letztlich von Gott kommen. Der Glaube keimt in der Begegnung mit dem lebendigen Gott auf, der uns ruft und uns seine Liebe offenbart, eine Liebe, die uns zuvorkommt und auf die wir uns stützen können, um gefestigt zu sein und unser Leben aufzubauen. Von dieser Liebe verwandelt, empfangen wir neue Augen, erfahren wir, dass in ihr eine große Verheißung von Fülle liegt, und es öffnet sich uns der Blick in die Zukunft. Der Glaube, den wir von Gott als eine übernatürliche Gabe empfangen, erscheint als Licht auf dem Pfad, das uns den Weg weist in der Zeit“ (LF, Nr. 4).

Ein weiterer Beweis

Um den Glauben der Kirche zu stärken, hat der Herr in seiner Gnade der Welt 2008 erneut einen Beweis seiner Liebe geliefert und ihr ein weiteres eucharistisches Wunder geschenkt, das dem Wunder von Buenos Aires stark ähnelt. Am 12. Oktober 2008 zelebrierte Pater Jacek Ingielewicz in der St.-Antonius-Kirche in Sokolka (Polen) in Anwesenheit von zweihundert Leuten die Messe. Beim Austeilen der Kommunion fiel eine Hostie zu Boden. Pater Jacek hob sie auf und legte sie in ein kleines liturgisches Silbergefäß, das er mit Wasser füllte, damit die Hostie sich auflösen konnte, und legte das Ganze in einen Safe in der Sakristei. Sobald sich eine Hostie nämlich ganz aufgelöst hat, ist der Leib Christi nicht länger darin präsent.

Pater Jacek informierte den Pfarrer der Gemeinde, Stanislaw Gniedziejko, der das Gefäß zwei Wochen lang im Safe beließ. Dann stellte er fest, dass sich die Hostie im Wasser nicht nur nicht aufgelöst hatte, sondern mittlerweile so etwas wie einen Blutfleck aufwies. „Ich war bestürzt, ich wusste nicht, was ich davon halten sollte“, sagte Pater Stanislaw später. „Meine Hände zitterten, als ich den Safe wieder zusperrte : Ich war sprachlos.“ Er beschloss, den Bischof der nahegelegenen Stadt Bialystok, Edward Ozorowski, zu benachrichtigen. Als dieser in Sokolka eintraf, zeigte man ihm die Hostie, die man auf ein Korporale gelegt hatte. Neben einem Blutfleck erblickte er etwas, was einer organischen Substanz ähnelte. Es erinnerte an die Gewebeproben, die „viele von uns im Biologie-unterricht untersucht haben“, bemerkte Pater Jacek.

Am 5. Januar 2009 beauftragte der Bischof zwei Medizinprofessoren der Universität von Bialystok, Maria-Elisabeth Sobaniec-Lotowska und Stanislaw Sulkowksi, jeweils ein Stück der Hostie zu untersuchen. Beide Professoren hatten über dreißig Jahre lang im Bereich der Histopathologie gearbeitet. Pater Andrzej Kakareko, der Kanzler des erzbischöflichen Amtes von Bialystok, übergab jedem der beiden Experten eine der Hostie entnommene Gewebeprobe. Die Studie wurde am Pathologischen Institut der Universität durchgeführt. Als die Laborproben entnommen wurden, blieb das unversehrt gebliebene Fragment der Hostie fest mit dem zu untersuchenden Gewebe verbunden, ohne etwas von seiner weißen Farbe zu verlieren. Beide Spezialisten arbeiteten unabhängig voneinander, kamen jedoch zum selben Schluss : Was man ihnen übergeben hatte, war lebendes – allerdings in Agonie befindliches – menschliches Herzmuskelgewebe. Professor Sulkowski erklärte, er habe „zahlreiche typische biomorphologische Indikatoren für Herzmuskelgewebe“ sowie sichtbare Beschädigungen in Form kleiner Risse an den Gewebefasern festgestellt. Er fügte hinzu : „Solche Beschädigungen können nur an lebenden Fasern beobachtet werden, und sie sind Zeichen schneller Zuckungen des Herzmuskels unmittelbar vor dem Tod.“

Professor Sobaniec-Lotowska bestätigte : „Es handelt sich um lebendes Herzmuskelgewebe.“ Sie äußerte Verwunderung darüber, dass ein Gewebefragment nach der Trennung von dem Organismus, dessen Bestandteil es ursprünglich gewesen war, weiterlebt ; das sei ein „unglaubliches Phänomen“ ! Sie erklärte : „Die Hostie war lange Zeit im Wasser gewesen und wurde danach auf das Korporale gelegt ; das Gewebe hätte also einen ‚Erstickungsprozess’ durchlaufen müssen, doch bei unseren Tests wurde nichts dergleichen festgestellt … Aufgrund unseres derzeitigen Kenntnisstandes in der Biologie können wir dieses Phänomen wissenschaftlich nicht erklären.“ Besonders irritiert durch das Verwachsensein des Herzmuskelgewebes mit der Hostie, das durch Untersuchungen mittels Licht- und Transmissionselektronenmikroskop bestätigt wurde, stellte sie fest : „Das beweist, dass es hier keinerlei Manipulation des Gewebes durch einen Menschen gegeben haben kann“ (vgl. Erklärung der Professorin Sobianec-Lotowska in dem Bericht „Das eucharistische Wunder von Sokolka“, Lux Veritatis, 2010). Das Blut der Hostie weist dieselben Merkmale auf wie das Blut auf dem heiligen Grabtuch von Turin und das Blut des Wunders von Lanciano (Blutgruppe AB).

Die Verehrung wächst

Nach Erhalt der Testergebnisse unterrichtete der Erzbischof den Apostolischen Nuntius in Warschau, der das Dossier nach Rom weiterleitete. Ab September 2009 strömten aufgrund des Berichtes der beiden Experten Besucher aus ganz Polen, aber auch aus Weißrussland und Litauen nach Sokolka, wo man auch ohnedies eine Intensivierung der eucharistischen Verehrung beobachten konnte. Die Leute kamen, um in der Kirche für zerbrochene Familien zu beten, für Kinder, die sich vom Glauben losgesagt hatten, für Heilungen … Nachdem Bischof Ozorowski offiziell erklärt hatte, dass das auf der Hostie sichtbare Gewebe wirklich von einem Wunder herrührte, stellte er die Hostie in einer Monstranz in einer Kapelle der St.-Antonius-Kirche zur öffentlichen Verehrung aus.

Dem Sakrament der Eucharistie gebührt in der Kirche „sowohl während als auch außerhalb der Eucharistiefeier der Kult der Anbetung, der Gott allein vorbehalten ist“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Kompendium, Nr. 286). „Insbesondere ist es notwendig, sowohl in der Feier der Messe als auch im eucharistischen Kult außerhalb der Messe das lebendige Bewusstsein der realen Gegenwart Christi zu pflegen“, schrieb der heilige Johannes-Paul II. (Apostolisches Schreiben Mane nobiscum Domine vom 7. Oktober 2004, 18). „Wie die Frau, die Jesus in Betanien salbte, hat die Kirche keine Angst, ‚verschwenderisch’ zu sein, wenn sie die besten Mittel einsetzt, um ihr anbetendes Staunen über das unermessliche Geschenk der Eucharistie zum Ausdruck zu bringen. Nicht weniger als die ersten Jünger, die beauftragt waren, den ‚großen Raum’ herzurichten, fühlt sich die Kirche durch die Jahrhunderte und in der Aufeinanderfolge der Kulturen dazu gedrängt, die Eucharistie in einem Rahmen zu feiern, der eines so großen Mysteriums würdig ist … Wenn auch der Kontext des ‚Gastmahls’ eine familiäre Atmosphäre nahelegt, so ist die Kirche doch nie der Versuchung erlegen, diese ‚Vertrautheit’ mit ihrem Bräutigam zu banalisieren ; niemals hat sie vergessen, dass er auch ihr Herr ist und das ‚Gastmahl’ für immer ein Opfermahl bleibt, das von dem auf Golgotha vergossenen Blut gezeichnet ist“ (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, Gründonnerstag 2003, Nr. 48).

„Die Eucharistie ist Gedächtnis in dem Sinn, dass sie das Opfer, das Christus dem Vater am Kreuz ein für allemal für die Menschheit dargebracht hat, gegenwärtig und lebendig macht … Das Opfer des Kreuzes und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer. Die Opfergabe und der Opfernde sind dieselben, nur die Weise des Opferns ist verschieden : blutig am Kreuz, unblutig in der Eucharistie“ (Katechismus, Kompendium, Nr. 280). Da alle heilsnotwendigen Gnaden sich aus dem Messopfer ergeben, verpflichtet die Kirche „die Gläubigen, an jedem Sonntag und an den gebotenen Feiertagen an der heiligen Messe teilzunehmen. Sie empfiehlt den Messbesuch auch an den anderen Tagen“ (ibid. Nr. 289).

„Man muss lernen, die Messe zu leben“, sagte einmal der heilige Johannes-Paul II. zu Jugendlichen, als sie ihn zu der tiefen Inbrunst befragten, mit der er die Messe zelebrierte (18. Oktober 1981). Der heilige Padre Pio bietet uns ein schönes Beispiel dafür : „Wenn Padre Pio die Messe zelebrierte, vermittelte er den Eindruck einer innigen, intensiven und vollkommenen Einheit mit Dem, der sich dem ewigen Vater als Sühnopfer für die Sünden der Menschen darbrachte. Sobald er am Fuße des Altars stand, verklärte sich sein Antlitz … Padre Pio besaß die Gabe, andere zum Beten zu bringen. Man lebte die Messe“ (Fr. Narsi Decoste, Padre Pio).

Frucht des am Altar dargebrachten Opfers ist unsere Vereinigung mit dem Leib und Blut Jesu Christi als Vorwegnahme unserer ewigwährenden Vereinigung im Himmel. Um eine so große Gabe zu empfangen, „muss man der katholischen Kirche voll eingegliedert sein und sich im Stand der Gnade befinden, das heißt man darf sich keiner Todsünde bewusst sein. Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt. Wichtig ist auch … die Beobachtung des von der Kirche vorgeschriebenen Fastens und die Körperhaltung (Gesten, Kleidung) als Zeichen der Ehrfurcht vor Christus“ (Kompendium, Nr. 291). „Die heilige Kommunion vertieft unsere Verbundenheit mit Christus und mit seiner Kirche, … stärkt uns für die Pilgerschaft dieses Lebens und lässt uns das ewige Leben ersehnen. Sie vereint uns schon jetzt mit Christus, der aufgefahren ist zur Rechten des Vaters, mit der Kirche des Himmels, mit der seligen Jungfrau und mit allen Heiligen“ (ibid. Nr. 292 und 294).

Die höchste Selbstverwirklichung

Die eucharistischen Wunder sind unleugbare Fakten ; sie konfrontieren uns mit der großen Realität : Gott existiert, Er ist Mensch geworden, Er ist gegenwärtig und greift in unsere Geschichte ein ; Er hat sich dem Leiden und dem Tod ausgesetzt, um den Tod zu überwinden und uns das Leben zu schenken ! Das Glück, nach dem wir alle suchen, hängt allein von unserer Liebe zu Ihm ab ! In seiner Enzyklika Fides et ratio schrieb der heilige Johannes-Paul II. : „Verschiedene philosophische Systeme haben den Menschen durch Täuschung überzeugt, dass er sein absolut eigener Herr sei, der autonom über sein Schicksal und seine Zukunft entscheiden könne, wenn er ausschließlich auf sich selbst und seine Kräfte vertraut. Das wird niemals die Größe des Menschen ausmachen können. Bestimmend für seine Verwirklichung wird nur die Entscheidung sein, sich dadurch in die Wahrheit einzufügen, dass er im Schatten der Weisheit seine Wohnung errichtet und in ihr wohnen bleibt. Erst in diesem Wahrheitshorizont wird er begreifen, wie sich seine Freiheit im Vollsinn entfaltet und dass er zur Liebe und zur Erkenntnis Gottes berufen ist. Darin liegt seine höchste Selbstverwirklichung“ (Nr. 107).

Schöpfen wir aus der Eucharistie die Kraft, die wir benötigen, um Jesus auf dem Weg ins ewige Leben nachzufolgen !

Dom Antoine Marie osb

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