Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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26. November 2014
Hl. Konrad und Gebhard


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

In seinem Apostolischen Schreiben Spes ædificandi vom 1. Oktober 1999 erklärte der heilige Johannes-Paul II. die heilige Birgitta von Schweden zur Mitpatronin Europas: Die innige Verbundenheit der Heiligen „mit Christus war nämlich begleitet von besonderen Offenbarungscharismen, die sie zu einem Bezugspunkt machten, an dem sich viele Personen der Kirche ihrer Zeit ausrichteten. In Birgitta spürt man die Kraft der Prophetie. Die Töne, die sie anschlägt, erscheinen manchmal wie ein Echo der Stimmen der großen alten Propheten.“

Birgitta wurde im Juni 1303 auf Schloss Finstad bei Uppsala (Schweden) als Tochter des hohen königlichen Beamten Birger Persson und seiner Frau Ingeborge geboren. In der ersten Nacht nach ihrer Geburt wurde dem Pfarrer der Gemeinde folgende himmlische Offenbarung zuteil: „Birger ist eine Tochter geboren, deren Stimme in der ganzen Welt zu hören sein wird.“

Als Birgitta zehn Jahre alt war, erschien ihr Christus am Kreuz. „Mein sanfter Herr, wer hat es gewagt, dir das anzutun?“, fragte sie. – „Alle, die meine Liebe zurückweisen und vergessen“, erwiderte Jesus. Die Vision führte bei Birgitta zu einer im Laufe der Jahre immer intensiveren Verehrung der Passion Christi. Die Jungfrau Maria enthüllte ihr eines Tages: „Es gibt zwei Wege zum Herzen Gottes. Der erste ist die Demut der wahren Reue. Der zweite ist die Besinnung auf das Leiden meines Sohnes.“ Birgitta selbst sagte zur Passion Christi: „Seht die Liebe eures Gottes; wenn Er könnte, würde Er für jeden von euch noch einmal erleiden, was Er für alle Menschen erlitten hat. Er würde euch, euch allein, um den Preis seiner Passion erlösen. Sollte eure Liebe eine solche Liebe nicht erwidern?“

Eine Hauskirche

Birgitta war zwölf Jahre alt, als ihre Mutter starb. Von da an wurden sie und ihre jüngere Schwester Katharina von einer Tante erzogen. 1318 wurde die fünfzehnjährige Birgitta mit dem zwanzigjährigen adligen Landvogt Ulf Gudmarsson verheiratet. Obwohl sie sich zum Ordensleben berufen fühlte, fügte sie sich in die Heirat; sie bat jedoch ihren Mann, zwei Jahre lang auf seine ehelichen Rechte zu verzichten, damit beide den Willen Gottes in Bezug auf eine eventuelle Berufung eindeutig erkennen können. Sie beteten immer wieder gemeinsam das Kleine Offizium Unserer Lieben Frau, gingen jeden Freitag zur Beichte und jeden Sonntag zur Kommunion. Nachdem sie die Meinung ihres Beichtvaters eingeholt und viel gebetet hatten, erkannten die beiden jungen Leute, dass sie Gott im heiligen Stand der Ehe dienen sollten, in den er sie berufen hatte, damit sie Kinder für den Himmel zeugten und erzogen. In den achtundzwanzig Jahren ihres gemeinsamen Lebens bekamen sie acht Kinder, darunter die heilige Katharina von Schweden. Birgittas Seelsorger war ein Mönch, der sie auch mit dem Studium der Heiligen Schrift vertraut machte; ihre Familie wurde eine richtige „Hauskirche“. Der hohe gesellschaftliche Rang der beiden Eheleute brachte es mit sich, dass sie wichtige Aufgaben am Hof zu erfüllen hatten. Nichtsdestoweniger traten sie dem Dritten Orden der Franziskaner bei und widmeten sich allerlei Werken der Nächstenliebe. Birgitta verwandte den Großteil ihrer Zeit auf die Erziehung ihrer Kinder und die christliche Gestaltung des häuslichen Lebens im Schloss der Familie. Auf dem dazugehörigen Gut ließ sie ein Hospital für Arme und Kranke errichten, die von ihr und ihren Kindern gepflegt wurden. Ulf wurde unter ihrem Einfluss ein immer besserer Christ.

In einer Ansprache über die schwedische Heilige betonte Papst Benedikt XVI.: „Dieser erste Abschnitt von Birgittas Leben hilft uns, das besser schätzen zu lernen, was wir heute als wahre ‚Ehespiritualität’ bezeichnen könnten: Gemeinsam können die christlichen Eheleute einen Weg der Heiligkeit beschreiten, gestützt von der Gnade des Ehesakraments. Nicht selten ist es – wie im Leben der hl. Birgitta und des Ulf – die Frau, der es gelingt, mit ihrer religiösen Sensibilität, mit Einfühlsamkeit und Sanftheit den Ehemann einen Glaubensweg beschreiten zu lassen. Ich denke mit Anerkennung an die vielen Frauen, die Tag für Tag auch heute noch ihre Familien mit ihrem Zeugnis des christlichen Lebens erleuchten. Möge der Geist des Herrn auch heute die Heiligkeit der christlichen Eheleute erwecken, um der Welt die Schönheit der Ehe zu zeigen, die nach den Werten des Evangeliums gelebt wird: Liebe, Zärtlichkeit, gegenseitige Hilfe, Fruchtbarkeit in der Zeugung und Erziehung der Kinder, Öffnung und Solidarität gegenüber der Welt, Teilnahme am Leben der Kirche“ (27. Oktober 2010).

1335 wurde Birgitta an den Hof berufen, um die – aus Frankreich stammende – frischgebackene Ehefrau von König Magnus Eriksson mit den schwedischen Sitten vertraut zu machen, was ihr einen gewissen Einfluss am Hof bescherte. Jedesmal wenn ihr Mann verreist war, widmete sie sich intensiv ihrem Seelenleben und kasteite sich. Eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela im Jahre 1341 brachte das Ehepaar, das bereits zuvor völlige Enthaltsamkeit gelobt hatte, auf seinem inneren Weg weiter. Bald nach seiner Heimkehr zog sich Ulf in die Zisterzienserabtei Alvastra zurück, in der einer der Söhne des Ehepaars als Mönch lebte. Ulf starb 1344 noch vor Ende seines Noviziats; auf dem Totenbett beschwor er seine Frau, für ihn zu beten und beten zu lassen, um seinen Aufenthalt im Fegefeuer abzukürzen.

Ein aktueller Geist

Birgitta war nun 41 Jahre alt und wollte kein zweites Mal heiraten; sie beschloss, ihre Verbundenheit mit dem Herrn fortan durch Beten, Buße und karitative Werke zu vertiefen. „Der Geist der heiligen Birgitta ist so aktuell!“, schrieb der heilige Johannes-Paul II. am 8. September 1991. „Ihr religiöses Erleben ist von dem Wunsch nach Einheit und von dem Bekenntnis zu Jesus als Gott und Mensch geprägt; die Heilige wandte sich im Ton liebevollen und erleuchteten Vertrauens an ihn. Ihre Liebe zur Jungfrau Maria, zur ‚Mater gratiæ‘ (Mutter der Gnade) war intensiv und kindlich. Ein derart reiches Vorbild an asketischer Lebensführung hat jahrhundertelang die Praxis der Volksfrömmigkeit inspiriert, und sein Reiz hat nichts von seiner Frische eingebüßt“ (Apostolischer Brief zum 600. Jahrestag der Heiligs–sprechung der heiligen Birgitta).

Als Birgitta eines Tages Almosen an Bedürftige verteilen ließ, protestierte ihr Verwalter: „Wollen Sie sich an den Bettelstab bringen? Mit einer Hand geben, um die andere bald aufzuhalten, soll das der Gipfel der Vollkommenheit sein?“ – „Geben wir so viel, wie wir besitzen“, erwiderte die Witwe. „Wir haben einen gütigen und freigebigen Herrn. Ich gehöre diesen Armen: Sie haben nur mich in ihrem Elend. Ich vertraue mich dem Willen Gottes an.“ Ihrem Beichtvater gegenüber stellte sie klar: „Ich möchte von ganzem Herzen arm sein. Gott zuliebe würde ich sogar um mein Brot betteln. Der Tag wird kommen, an dem ich alle Dinge loslassen muss; es ist verdienstvoller, mich gleich jetzt von ihnen loszusagen.“ Sie verteilte tatsächlich ihr Hab und Gut an die Armen und zog in ein Nebengebäude der Abtei Alvastra. Dort nahmen die göttlichen Offenbarungen ihren Anfang, die sie ihr Leben lang begleiten sollten. Birgitta diktierte sie ihren Beichtvätern, die sie aus dem Schwedischen ins Lateinische übersetzten und in einer achtbändigen Reihe unter dem Titel Offenbarungen publizierten.

Die unendliche Liebe Gottes in seinem Leiden

Die Offenbarungen der hl. Birgitta sind vom Inhalt und Stil her sehr unterschiedlich“, sagte BenediktXVI. „Manchmal zeigt sich die Offenbarung in Form von Gesprächen zwischen den göttlichen Personen, der Jungfrau Maria, den Heiligen und auch den Dämonen; auch Birgitta nimmt an diesen Gesprächen teil. Andere Male dagegen wird von einer besonderen Schau berichtet … Beim Lesen dieser Offenbarungen werden wir in der Tat vor Fragen gestellt, die viele wichtige Themen betreffen. Zum Beispiel wird immer wieder, mit sehr realistischen Einzelheiten, das Leiden Christi beschrieben, dem Birgitta stets eine besondere Verehrung entgegenbrachte, da sie in ihm die unendliche Liebe Gottes zu den Menschen erblickte. Kühn legt sie dem Herrn, der zu ihr spricht, diese bewegenden Worte in den Mund: ‚O meine Freunde, so zärtlich liebe ich die Schafe, dass ich, wenn es möglich wäre, noch einmal für jedes einzelne Schaf, um es nicht entbehren zu müssen, sondern wieder einzulösen, einen besonderen Tod sterben möchte‘ … Birgitta war sich bewusst, dass sie durch den Empfang dieser Geistesgaben die Empfängerin eines Geschenks besonders großer Liebe vonseiten des Herrn war. Im ersten Buch der Offenbarungen lesen wir: ‚Du aber, meine Tochter, die ich mir erwählet … sollst mich von ganzem Herzen lieben … mehr als irgend etwas in der Welt‘ (Kap. 1). Im Übrigen wusste Birgitta wohl und war fest davon überzeugt, dass jede Geistesgabe dazu bestimmt ist, die Kirche zu erbauen. Eben aus diesem Grund waren nicht wenige ihrer Offenbarungen an die Gläubigen ihrer Zeit gerichtet, einschließlich der religiösen und politischen Obrigkeiten, in Form manchmal strenger Ermahnungen, ihr christliches Leben konsequent zu leben; sie tat dies jedoch immer mit Respekt und in voller Treue zum Lehramt der Kirche, insbesondere zum Nachfolger des Apostels Petrus.“

Birgitta erhielt den ausdrücklichen Auftrag, an Papst Clemens VI. zu schreiben, um ihn auf bestimmte Nachlässigkeiten im Dienste Gottes aufmerksam zu machen; sie bat ihn, den von bestimmten Klerikern aus Ehrgeiz und Habgier angerichteten Schaden durch eine umfassende innere Kirchenreform zu beheben. Die schwedischen Bischöfe ermahnte sie: „Das Priesteramt ist kein Beruf, der wegen der Ehren, die er einem einbringt, erstrebenswert wäre. Es ist eine Last, und wenn man diese nicht auf Erden trägt, wird sie in der Ewigkeit erdrückend. Der Bischof ist der von Gott eingesetzte Wächter. Wie ein guter Hirte die Schäfchen mit einem Strauß duftender Blumen anlockt, zieht der Bischof sein Volk mit Worten der Liebe an; für das Seelenheil seiner Kinder würde er alles, jede Drangsal des Lebens und des Sterbens, auf sich nehmen.“

Der Orden des Heiligsten Erlösers

Dem König von Schweden sollte Birgitta ausrichten, dass er in seinem Reich den Glauben wieder aufrichten und sich mit heiligen Persönlichkeiten umgeben müsse. Den Höflingen erteilte sie folgenden Rat: „Eure Bemühungen zielen darauf ab, euch zu bereichern, euch und eure Kinder. Ihr gebt eure Habgier an sie weiter. Wenn du dieses oder jenes Gut hättest, gibt die Mutter dem Sohn zu verstehen, so wärest du deinem Vater gleich. Ihr verleitet sie zum Ehrgeiz … Sühnt eure Habgier durch Barmherzigkeit, indem ihr freudig und großzügig Almosen verteilt. Sühnt eure Unkeuschheit durch Beten, eure Völlerei durch Enthaltsamkeit und euren Hochmut durch Demut.“ Birgittas Ermahnungen fielen deswegen so dringlich aus, weil sie Visionen von Seelen im Fegefeuer sowie von den Höllenstrafen hatte, die für jene bestimmt sind, „die bis zum Ende ihres Lebens sich weigern, zu glauben und sich zu bekehren“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 1034). Um für das Heil der Sünder besser wirken zu können, gründete sie 1346 zu Ehren Christi und seiner Mutter das Kloster Vadstena, das zur Wiege des Erlöserordens wurde. Der ursprünglich für die skandinavischen Völker bestimmte Orden breitete sich über die ganze Welt aus, um das Reich Gottes zu verkünden. Die Nonnen – auch „Birgitten“ genannt – ließen das geistliche Klima der Urkirche wieder aufleben. Ihr Schleier erinnert auch heute noch zum Zeichen ihrer spirituellen Kampfbereitschaft an einen Helm. Der Autorität der Äbtissin unterstanden sowohl die in Klausur lebenden Nonnen als auch eine in der Nähe wohnende kleine Mönchsgemeinschaft, die die Nonnen mit den Sakramenten versorgte. Die Mönche lebten nicht in Klausur, sondern widmeten sich vielfältigen apostolischen Tätigkeiten.

1349 unternahm Birgitta eine Wallfahrt nach Rom. Sie wollte nicht nur das Jubiläumsjahr 1350 miterleben, sondern auch die Regel des Erlöserordens vom Papst anerkennen lassen (die Approbation wurde 1370 von Urban V. erteilt). Die Gründerin wurde von Kardinal Hugues de Beaufort in dessen klosterähnlich organisiertem Haus neben der Kirche San Lorenzo in Damaso aufgenommen. Sie blieb zusammen mit ihrer Tochter Katharina vier Jahre dort. Rom wurde für Birgitta zu einer zweiten Heimat; die Stadt beherbergte viele von Heiligen geheiligte Orte, daneben gab es aber in ihren Augen auch viel weltliches Streben und Sünde, insbesondere aufseiten des Klerus. Es war eine überaus schwierige Zeit für das Papsttum. Der Papst lebte im Avignoner Exil und war in gewisser Weise Gefangener des französischen Königs. Die Autorität des Heiligen Stuhls litt darunter: Er konnte nicht mehr so erfolgreich zwischen den verfeindeten Fürstenhäusern vermitteln wie früher, so dass kurz vor dem großen Abendländischen Schisma ganz Europa von Krieg und Unheil verwüstet war. Durch ihre enge Verbundenheit mit Christus gestärkt, bat Birgitta den Heiligen Vater, sein durch weltliche Rücksichten motiviertes Zaudern zu beenden und zum Grab des heiligen Petrus nach Rom zurückzukehren. 1367, bei der Rückkehr des seligen Urbans V., wähnte sie sich schon am Ziel, doch der Papst musste drei Jahre später wieder nach Avignon zurück.

Die heilige katholische Kirche, in der alle Gläubigen durch das Band eines Glaubens und einer Liebe vereint sind, wurde vom Herrn zur Vollendung seines Erlösungswerkes gegründet. Er setzte den heiligen Petrus als Haupt der Apostel ein, in dessen Person Fortbestand und Sichtbarkeit zu einer Einheit verschmolzen. Nach Feststellung des I. Vatikanischen Konzils mussten deshalb „jederzeit alle Einzelkirchen, das heißt die Gläubigen allerorten, mit der Römischen Kirche wegen ihrer obrigkeitlichen Stellung übereinstimmen. Bei diesem Stuhl … sollten sie … zu einem Lebensgefüge, zu einem Leib zusammenwachsen“ (Konstitution Pastor æternus, Kap. 2).

Das heilige Land

1353 ließ sich Birgitta im Hause einer reichen Römerin an der Piazza Farnese nieder. Sie verwandelte es in ein Pilgerheim – vor allem für skandinavische Pilger – und lebte bis zu ihrem Tode dort. Ihre finanzielle Situation war prekär, und mitunter ließ ihr die Vorsehung das Notwendige erst im letzten Moment zukommen. Obwohl sie bereits betagt und durch ihre asketische Lebensweise geschwächt war, unternahm sie oft „innerstädtische Wallfahrten“ zu Kirchen und Heiligengräbern. Sie kümmerte sich um die Armen, besuchte und pflegte sie in den Hospitälern. Durch ihre Offenbarungen kannte sie das Gewissen der Menschen von Grund auf und nutzte ihr Wissen, um die Leute zu Jesus Christus zu bekehren. Ihr Wirken erstreckte sich auch auf das Wohl der Völker: Mit allen Mitteln trat sie für den Frieden in Schweden, Frankreich, England und Italien ein. Sie reiste viel, und obwohl sie von ihren Reisen extrem erschöpft war, wurde sie 1371 vom Herrn gebeten, nach Jerusalem zu reisen und alle Orte aufzu–suchen, an denen er das Mysterium unserer Erlösung vollbracht hatte. Er versprach, dass er ihr die dazu notwendige Kraft verleihen werde. So brach Birgitta im März 1372 ins Heilige Land auf. Sie ließ keinen Ort aus, den der Heiland mit seiner Gegenwart beehrt hatte, und gewann viele Erkenntnisse, besonders im Hinblick auf die Passion und den Tod Christi. Gott offenbarte ihr auch den Zustand mehrerer Reiche, so den beklagenswerten Zustand von Zypern und den baldigen Untergang des byzantinischen Reiches. Sie schrieb einen Brief an den König von Zypern und warnte auch die Orthodoxen im Namen Gottes, sie würden von ihren Feinden überwältigt, wenn sie sich nicht in wahrer Demut und aufrichtiger Liebe dem Stellvertreter Christi, dem römischen Papst, unterordneten. Man betrachtete sie jedoch als „alte Schwätzerin“ und hörte nicht auf sie.

Auf Betreiben der Königin sowie des Erzbischofs von Neapel wurde Birgitta 1373 einem Verfahren der Inquisition im Hinblick auf ihre Lehre unterzogen. Das Ergebnis fiel zu ihren Gunsten aus: Sie durfte weiterhin öffentlich die unantastbaren Rechte Gottes und die Pflichten der Geschöpfe ihm gegenüber verkünden. So auch folgende Botschaft Jesu: „Warum habt ihr nicht über meine Passion nachgedacht? Warum habt ihr nicht betrachtet, wie ich nackt an die Säule gekettet, grausam gegeißelt und ans Kreuz genagelt wurde, von Wunden zerfleischt und von Blut bedeckt war? Wenn ihr eure Wangen schminkt, denkt ihr nicht an mein blutendes Antlitz (…) Ihr denkt nicht an die Schmerzen, die ich ertrug, als ich für euch am Kreuze hing, als ich mich von allen schmähen und verspotten ließ, damit ihr mich liebt, mich, euren Gott, und damit ihr den Fängen des Teufels entkommt, in die ihr euch begeben habt.“ Den Vorwürfen folgt der barmherzige Vorschlag: „Wenn einer allein sich bekehrt, gehe ich ihm entgegen wie der Vater dem verlorenen Sohn. Ich gewähre ihm Gnade und werde in ihm sein und er in mir in ewiger Freude.“

Die heilige Birgitta hat Gott in der Kontemplation gesucht. In seinem Apostolischen Schreiben vom 25. November 2013 schreibt auch Papst Franziskus: „Wie schön ist es, vor einem Kreuz zu stehen oder vor dem Allerheiligsten zu knien und einfach vor seinen Augen da zu sein! Wie gut tut es uns, zuzulassen, dass er unser Leben wieder anrührt und uns antreibt, sein neues Leben mitzuteilen! … Die beste Motivation, sich zu entschließen, das Evangelium mitzuteilen, besteht darin, es voll Liebe zu betrachten, auf seinen Seiten zu verweilen und es mit dem Herzen zu lesen. Wenn wir es auf diese Weise angehen, wird uns seine Schönheit in Staunen versetzen, uns wieder und wieder faszinieren. Dazu ist es notwendig, einen kontemplativen Geist wiederzuerlangen, der uns jeden Tag neu entdecken lässt, dass wir Träger eines Gutes sind, das menschlicher macht und hilft, ein neues Leben zu führen. Es gibt nichts Besseres, das man an die anderen weitergeben kann. Das ganze Leben Jesu, seine Art, mit den Armen umzugehen, seine Gesten, seine Kohärenz, seine tägliche und schlichte Großherzigkeit und schließlich seine Ganzhingabe – alles ist wertvoll und spricht zum eigenen Leben“ (Evangelii gaudium, 264-265).

Sterben?

Alle, die der heiligen Witwe in ihren letzten Lebensjahren begegneten, bezeugten übereinstimmend ihre innere Freude und sanfte Demut. Am 17. Juli 1373 erschien ihr Maria: „Die Mediziner sagen, du wirst nicht sterben. Wissen sie überhaupt, was es heißt, zu sterben? Sterben tut derjenige, der sich durch seine Sündhaftigkeit von Gott lossagt, seinen Glauben und seine Liebe verliert. Wer den Herrn fürchtet und sich immer wieder durch die Beichte reinigt, lebt ewig.“ An ihrem angekündigten Todestag, dem 23. Juli, empfing Birgitta die Kommunion in ihrem Zimmer, nachdem ihr der Herr dort erschienen war, um sie zu trösten. Sie starb mit den Worten des Herrn: „In deine Hände, Herr, befehle ich meinen Geist.“ Ihre Kinder, Burger und Katharina, brachten ihre sterblichen Überreste in die Abtei Vadstena nach Schweden; ihr Grab befindet sich heute noch dort. Birgitta von Schweden wurde am 7. Oktober 1391 von Papst Bonifaz IX. heiliggesprochen und ist in den skandinavischen Ländern, in Deutschland, Polen und Ungarn besonders beliebt. Es gibt auch heute noch „Birgitten“: in Rom, in der Schweiz, in Schweden, Indien und Mexiko.

Die heilige Birgitta „erscheint als eine bedeutende Zeugin des Raumes, den das Charisma in der Kirche haben kann, wenn es in voller Fügsamkeit gegenüber dem Geist Gottes und in voller Übereinstimmung mit den Ansprüchen der kirchlichen Gemeinschaft gelebt wird. Insbesondere nachdem sich die skandinavischen Länder, also die Heimat Birgittas, im Verlauf der traurigen Geschehnisse des 16. Jahrhunderts aus der vollen Gemeinschaft mit dem Römischen Stuhl losgelöst hatten, bleibt die Gestalt der schwedischen Heiligen ein wertvolles ökumenisches ‚Band’, das den Einsatz noch verstärkt, den ihr Orden in diesem Sinne leistet“ (Hl. Johannes-Paul II., Apostolisches Schreiben Spes ædificandi). Beten wir zur heiligen Birgitta – für Europa, damit es sich wieder auf seine christlichen Wurzeln besinnt, und ganz speziell für die Rückkehr der skandinavischen Christen zum katholischen Glauben und zur katholischen Einheit.

Dom Antoine Marie osb

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