Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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11. Juli 2014
Hl. Benediktus, Europas Patron


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917 ist die selige Jungfrau Maria den portugiesischen Hirtenkindern in Fatima siebenmal erschienen. Bei ihrer letzten Erscheinung trug sie zwei kleine, rechteckige Stoffstücke aus brauner Schurwolle in der Hand, die durch Fäden zusammengehalten wurden: ein Skapulier vom Berge Karmel. Im August 1950 erklärte die Karmelitin Schwester Lucia, eine der damaligen Seherinnen: „Das geschah, weil Unsere Liebe Frau wünscht, dass man das heilige Skapulier trägt.“ Welchen Ursprung hat dieses von Maria vorgestellte „Kleidungsstück“?

Die Schönheit des Karmel, eines Gebirges in Galiläa, das sich über der Mittelmeerküste erhebt, wurde bereits von den Propheten besungen. Elia machte ihn im 9. Jahr–hundert v. Chr. durch seine Tugend und seine Wunder berühmt. Im 4. Jahrhundert n. Chr. standen dort byzantinische Klöster, in deren Ruinen sich Ende des 12. Jahrhunderts in Palästina verbliebene Kreuzzügler aus Europa als Eremiten niederließen. Diese Mönche errichteten eine kleine Kirche, in der die Muttergottes als „Königin und Mutter des Karmel“ verehrt wurde. Das ist der Ursprung der Brüder der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel – der Karmeliter, wie man sie später nannte. Sie wurden im 13. Jahrhundert durch eine muslimische Verfol-gungswelle aus dem Heiligen Land vertrieben und zur Rückkehr nach Europa gezwungen.

Ein wunderbares Privileg

Der in England geborene heilige Simon Stock erlebte die Anfänge des Karmeliterordens auf dem Berge Karmel wohl persönlich mit; nach England zurückgekehrt, wurde er Mitte des 13. Jahrhunderts zum Ordensgeneral gewählt. Zu dem Zeitpunkt wanderten so viele Mönche zu den anderen Bettelorden – Franziskanern und Dominikanern – ab, dass der Karmeliterorden in seiner Existenz bedroht war. Simon Stock wandte sich in seiner Not an Maria. Zur Antwort erschien ihm die Muttergottes – wahrscheinlich am 16. Juli 1251. Ein historisches Dokument berichtet: „Simon, ein Mann von großer Mäßigung und Marienverehrung, betete oft voller Demut und Inbrunst zur Patronin des Karmeliterordens, damit sie dem Orden ein Privileg gewähre. Eines Tages erschien ihm Unsere Liebe Frau, umgeben von einer Engelsschar, und hielt ein Skapulier in der Hand. (Das Skapulier ist Teil der Ordenstracht; sie ähnelt einer großen Schürze, die über die Schultern [lat. scapulae] gelegt getragen wird.) Die Jungfrau sprach zu Simon: ‚Hier ist ein Zeichen für dich und ein Privileg für alle Karmeliter: Wer mit diesem Skapulier bekleidet stirbt, wird vor den ewigen Flammen bewahrt.’“ Die Vision wurde von Papst Innozenz IV. bald bestätigt, und die Nachricht vom wunderbaren Geschenk der Muttergottes an den Karmeliterorden machte schnell die Runde. Von überall her strömten Leute aller Stände herbei, die sich die verheißene Gnade sichern wollten: Denn das Skapulier war ja der ganzen Kirche geschenkt („Wer mit diesem Skapulier bekleidet stirbt ...“). Auch Laien konnten von der Heilsbotschaft an die Karmeliter profitieren, indem sie sich der sogenannten Skapulierbruderschaft anschlossen, deren Mitglieder ein „kleines Skapulier“ trugen.

Das Skapulier konfrontiert alle Menschen mit der Frage ihres ewigen Heils. Denn es erinnert daran, dass unser irdisches Leben endlich ist und dass wir bei unserem Tod nach unseren Taten gerichtet werden. „Was ist das besondere Gericht?“, fragt das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche. Es antwortet: „Es ist das Gericht der unmittelbaren Vergeltung, die jeder gleich nach seinem Tod in seiner unsterblichen Seele entsprechend seinem Glauben und seinen Werken von Gott erhält. Diese Vergeltung besteht im Eintreten in die Seligkeit des Himmels, unmittelbar oder nach einer entsprechenden Läuterung, oder im Eintreten in die ewige Verdammnis der Hölle“ (Nr. 208). Dieser Wahrheit über die letze Bestimmung des Menschen kommt eine entscheidende Bedeutung zu: Unser Verhalten in diesem Leben bereitet unser ewiges Dasein vor. Dass diese offenbarten Wahrheiten von vielen Leuten geleugnet werden, macht sie nicht hinfällig und ändert nichts an der Wirklichkeit.

Unser Herr Jesus kommt in seiner Verkündigung mehrfach auf die Frage des ewigen Lebens zu sprechen. Er betont, wie unsinnig es sei, sein ewiges Leben für vergängliche Dinge aufs Spiel zu setzen: Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seinem Leben aber Schaden leidet? (Mt 16,26). Es sei besser, durch das enge Tor und den schmalen Weg zu gehen, die ins ewige Leben führen, als durch das weite Tor und den breiten Weg, die ins Verderben führen (vgl. Mt 7,13-14). Er spricht oft von der Feuerhölle (Mt 5,22; 29-30), die denen vorbehalten ist, die sich bis an ihr Lebensende weigern, zu glauben und sich zu bekehren, und in die man mit Leib und Seele stürzen kann (vgl. Mt 10,28). Er kündigt uns mit eindringlichen Worten an, dass wir von Ihm scheiden müssen, wenn wir uns nicht der Bedürfnisse der Armen und seiner geringsten Brüder annehmen (vgl. Mt 25,31-46). Andererseits warnt er uns: Wir können unmöglich wissen, zu welchem Zeitpunkt er kommen wird, um von uns Rechenschaft über unser Handeln zu fordern, denn der Tod kommt überraschend wie ein Dieb (vgl. Mt 24,42-44). Mit einem Wort des heiligen Bischofs von Lyon, Eucherius, ist es der Gipfel des Irrtums, die Bedeutung des ewigen Heils zu unterschätzen.

Die erste Stufe

Im Prolog seiner Regel lenkt der heilige Benedikt den Blick seiner Mönche auf folgende Wahrheiten: Wir müssen Gott „jederzeit gehorchen; dann wird er uns einst nicht enterben wie ein erzürnter Vater seine Söhne; er wird auch nicht wie ein furchterregender Herr über unsere Bosheit ergrimmt sein und uns wie verkommene Knechte der ewigen Strafe preisgeben, da wir ihm in die Herrlichkeit nicht folgen wollten.“ Und im Kapitel über die Demut schreibt er: „Die erste Stufe der Demut: Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und hüte sich, Gott je zu vergessen. Stets denke er an alles, was Gott geboten hat, und erwäge immer bei sich, wie das Feuer der Hölle der Sünden wegen jene brennt, die Gott verachten, und wie das ewige Leben jenen bereitet ist, die Gott fürchten.“

Aus diesem Grunde richtet das II. Vatikanische Konzil folgende Mahnung an alle: „Da wir aber weder Tag noch Stunde wissen, so müssen wir nach der Mahnung des Herrn standhaft wachen, damit wir am Ende unseres einmaligen Erdenlebens mit ihm zur Hochzeit einzutreten und den Gesegneten zugezählt zu werden verdienen und nicht wie böse und faule Knechte ins ewige Feuer weichen müssen, in die Finsternis draußen, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird“ (Lumen gentium, 48). Der Weg, der ins ewige Leben führt, ist zunächst der Weg des Glaubens: Geht hin in alle Welt und verkündet das Evangelium aller Kreatur, sagt Jesus zu seinen Aposteln. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden (Mk 16,15-16). Der wahre Glaube schlägt sich in guten Werken nieder, in erster Linie im Gehorsam den Geboten Gottes gegenüber: … da trat einer hinzu und sagte zu ihm (Jesus): „Meister! Was muss ich Gutes tun, dass ich ewiges Leben erlange?“ Er antwortete ihm: „Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute [Gott]. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Er fragte ihn: „Welche?“ Jesus antwortete: „Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis geben! Ehre Vater und Mutter und liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Mt 19,16-19). Umgekehrt führen böse Taten in die Hölle, wie der heilige Paulus warnt: Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte am Reich Gottes nicht Anteil bekommen werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lüstlinge noch Knabenschänder weder Diebe noch Habsüchtige noch Säufer, noch Lästerer noch Raffgierige werden am Reich Gottes Anteil bekommen (1 Kor 6,9-10).

Am 6. August 1950 sagte Papst Pius XII.: „Wie viele Menschen in menschlich verzweifelten Umständen verdankten ihre Bekehrung und ihr ewiges Heil dem Skapulier, das sie trugen! Wie viele Menschen in seelischer und körperlicher Bedrängnis bekamen dank dem Skapulier den mütterlichen Schutz Mariens zu spüren!“ Älteren Berichten zufolge war das erste Skapulierwunder die aufsehenerregende Bekehrung eines englischen Adligen auf dem Totenbett. Sie wurde von Simon Stock angestoßen, der sein eigenes Skapulier über den Sterbenden warf; das Wunder ermutigte ihn, das Geheimnis seinen Brüdern zu offenbaren und ihnen das kostbare Kleidungsstück zu zeigen, das er aus der Hand Marias erhalten hatte. Unzählige Heilige und berühmte Persönlichkeiten haben das Skapulier getragen, so zum Beispiel die Heiligen Robert Bellarmin, Karl Borromäus, Alfons von Liguori, Johannes Bosco, Bernadette Soubirous sowie die meisten Päpste der letzten drei Jahrhunderte, allen voran der heilige Johannes-Paul II.

Die natürliche Moral

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat ein junger Afrikaner seine Treue zum Skapulier bis in den Tod bezeugt. – Isidore Bakanja wurde gegen 1885 in Bokendela in der heutigen Demokratischen Republik Kongo geboren. Sein Vater Iyonzwa stammte aus einer Bauernfamilie; die Familie seiner Mutter Inyuka lebte vom Fischen. Sie waren allesamt Heiden, doch sie hielten die von den besten afrikanischen Traditionen überlieferten Werte der natürlichen Moral in Ehren. Iyonzwa lebte nicht polygam, und Bakanja gehorchte seinen Eltern beispielhaft. Der spätere Mörder Bakanjas versuchte, seine Gewaltexzesse gegen den jungen Mann mit der Anschuldigung zu rechtfertigen, dieser habe mehrere Flaschen Wein gestohlen; doch alle Zeugen wiesen die Verleumdung empört zurück: Isidore Bakanja war niemals auch nur beim geringsten Diebstahl ertappt worden.

Als Bakanja geboren wurde, war auf der Berliner Konferenz gerade die Hoheit des belgischen Königs über den späteren Staat Kongo anerkannt worden. Von da an strömten Scharen von Missionaren, aber auch von raffgierigen Abenteurern ins Land. Verschiedene Unternehmen wurden beauftragt, für den König die Schätze des Kongo-Beckens, insbesondere Kautschuk und Elfenbein, zu bergen und zur Atlantikküste zu transportieren. Die örtliche Bevölkerung stellte billige Arbeitskräfte zur Verfügung. Wie viele junge Leute aus seinem Dorf, träumte auch Bakanja davon, zum Arbeiten in die nahegelegene Stadt Mbandaka zu ziehen. Kurz nachdem er volljährig geworden war, fand er in Mbandaka eine Anstellung als Maurer. Dort lernte er in der Missionsstation Bolokwa-Nsimba einige Trappisten–mönche kennen und entdeckte voller Begeisterung den christlichen Glauben. Er war so angetan von der Freundlichkeit, der Güte und der aufopferungsvollen Hingabe der Missionare für die Armen und Kranken, dass er getauft werden wollte. Nach entsprechender Vorbereitung durch die Trappistenpatres wurde er am 6. Mai 1906 in der Pfarrei Saint-Eugène in Bolokwa-Nsimba auf den Namen Isidore getauft und bekam zugleich das Skapulier vom Berge Karmel überreicht. Am 25. November wurde er gefirmt, und am 8. August 1907 empfing er die Erstkommunion. Isidore hing mit großer Inbrunst am Rosenkranz sowie am Skapulier, das er zum Zeichen seines Glaubens stets umgelegt hatte. Er wirkte als Apostel unter seinen Freunden und Arbeitskollegen und nahm sie sowohl durch seine Worte als auch durch sein Vorbild für den christlichen Glauben ein.

Die Amulette abgelegt

Als sein Arbeitsvertrag ausgelaufen war, kehrte Isidore in sein Heimatdorf zurück. Sein Vater fragte ihn, wo die Amulette geblieben seien, die er ihm zum Abschied geschenkt hatte. Isidore erwiderte, er habe sie abgelegt, weil er nun einen viel wirksameren Schutz genieße: den Schutz Christi, des Gottessohnes, und den Schutz seiner Mutter, der Jungfrau Maria. Ungeachtet der Warnungen seiner Freunde nahm Isidore eine Diensbotenstelle in Busira im Hause des Plantagen–verwalters Reynders an, der sich im Auftrag der belgischen Aktiengesellschaft S.A.B. der Kautschuk- und Elfenbeingewinnung widmete. Isidore galt als vorbild–licher, fleißiger und gewissenhafter Arbeiter; viele waren von seinem besonnenem Wesen so beeindruckt, dass sie ihn zu ihrem Katecheten wählten. Als Reynders nach Ikili versetzt wurde, nahm er Isidore mit, da er ihn wegen seiner menschlichen Vorzüge schätzte. Der dortige Geschäftsführer der S.A.B., Van Cauter, war für seine Härte und seine erbitterte Abneigung gegen das Christentum und gegen christliche Missionare bekannt. Reynders beschwor Isidore, seinen Glauben geheim zu halten, um Ärger aus dem Wege zu gehen. Doch Isidore war in Ikili der einzige Christ, und er konnte seine innere Freude darüber, dass er Christus kannte, nicht für sich behalten. Van Cauter wurde auf ihn aufmerksam und untersagte ihm, seinen Arbeitskollegen das Beten beizubringen.

Am 1. Februar 1909 forderte Van Cauter den bei Tisch bedienenden Isidore in harschem Ton auf, sein Skapulier abzulegen. Der junge Mann erwiderte: „Herr, du verlangst, dass ich das Kleidungsstück der Heiligen Jungfrau ablege. Das werde ich nicht tun. Als Christ habe ich das Recht, das Skapulier zu tragen.“ Zur Strafe ordnete der wütende Plantagendirektor 25 Peitschenhiebe an. In Gedenken an Jesus und seine Passion ertrug Isidore die ungerechte Bestrafung mit engelsgleicher Geduld. Eine nachträgliche Untersuchung ergab, dass Isidores Fall kein Einzelfall war: Mehrere Angestellten der S.A.B. setzten eine systematische Verfolgung gegen die katholische Mission ins Werk. Es sollte mit allen Mitteln verhindert werden, dass afrikanische Bedienstete Skapuliere oder Rosenkränze bei sich trugen.

Bald danach verlangte Van Cauter von Isidore, er solle aufhören, „den bei den Patres gelernten Dreck“ zu verbreiten, und fügte hinzu: „Ich will keine Christen hier: Verstanden?“ Er riss ihm das Skapulier vom Hals und warf es seinem Hund vor. Dann holte er eigenhändig die mit Nägeln besteckte Peitsche aus Elefantenleder und ließ Isidore blutig schlagen. Anfangs wollten die Bediensteten den Befehl nicht ausführen, aber als ihnen die gleiche Strafe angedroht wurde, gehorchten sie schließlich; Van Cauter traktierte Isidore zusätzlich mit Fußtritten. Dennoch hörte der junge Christ nicht auf, sich offen zu seinem Glauben zu bekennen, und zog sich – allein oder in Gesellschaft einiger Arbeiter – immer wieder zum Rosenkranzgebet und zur Andacht zurück. Eines Tages ertappte ihn Van Cauter in einer Pause beim Beten und befahl wütend, dass er auf der Stelle ausgepeitscht werde. Die Nägel der nilpferdledernen Peitsche rissen Isidores Haut und Fleisch in Fetzen. – Beim Seligsprechungsprozess 1913 sprachen die Zeugen von über zweihundert Peitschenhieben. – Anschließend wurde der bewusstlose Isidore ins Gefängnis geschleppt, wo er vier Tage lang ohne Pflege und ohne Nahrung an zwei Metallringen angekettet lag.

Was hast du getan?

Ausgerechnet in dieser Zeit erreichte Ikili die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft eines Inspektors der S.A.B. In Panik ließ Van Cauter Isidore nach Isako transportieren, um ihn dort zu verstecken. Isidore konnte jedoch fliehen und wurde bald von einem Afrikaner aufgelesen, der ihn zu sich nach Hause mitnahm. Dort wurde er von einem deutschen Geologen in den Diensten der S.A.B., Dr. Dörpinghaus, gefunden, der versuchte, ihn zu pflegen. Isidores Körper war eine einzige schmerzende Wunde, in der die blanken Knochen zu sehen waren. „Ich sah einen Mann“, bezeugte Dörpinghaus später, „dessen Rücken von tiefen Wunden zerfurcht war ... er bediente sich zweier Stöcke, um näherzutreten bzw. vielmehr zu kriechen. Ich fragte den Unglücklichen: ‚Was hast du getan, um eine solche Strafe zu verdienen?’ Er antwortete, als Katechist der katholischen Trappistenmission in Bamanya habe er Arbeiter in der Fabrik bekehren wollen, und deswegen habe ihn der Weiße mit einer schweren, mit spitzen Nägeln versehenen Riemenpeitsche auspeitschen lassen.“

Doch die Wunde war bereits so infiziert, dass sich eine Blutvergiftung abzeichnete. Man brachte Isidore zu einem Vetter nach Busira, bei dem er gepflegt werden sollte. Am 24. und 25. Juli besuchten ihn zwei Trappistenpatres, um ihm die Sterbesakramente (Beichte, Krankensalbung und Kommunion) zu spenden. Isidore vergab seinen Peinigern und betete für sie. „Pater“, sagte er zu einem der Missionare, „ich hege keinen Zorn. Der Weiße hat mich geschlagen, das ist seine Sache. Er muss wissen, was er tut. Ich werde sicher im Himmel für ihn beten.“ Am 15. August versammelten sich die Christen des Ortes vor dem Haus des Sterbenden; dieser strahlte vor Freude, weil er so Maria im Mysterium ihrer Himmelfahrt zusammen mit der Gemeinde loben konnte. Zur großen Überraschung aller erhob er sich und tat schweigend, den Rosenkranz in der Hand, einige Schritte; dann legte er sich wieder hin, verlor das Bewusstsein und verschied mit dem Skapulier am Hals.

Seine sterbliche Hülle wurde am 7. Juni 1917 nach Bokote, in die Pfarrkirche der Unbefleckten Empfängnis verlegt. Am 24. April 1994 sprach Papst Johannes-Paul II. Isidore Bakanja bei der Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika selig; der Selige wurde 1999 zum Schutzheiligen der Laien in der Demokratischen Republik Kongo erklärt.

Ein zweites Privileg

Unter den vielen spirituellen Gnadengaben, die den Skapulierträgern gewährt werden, ragt das „Samstagsprivileg“ besonders hervor. Es geht auf die „Sabbatinische Bulle“ von Papst Johannes XXII. aus dem Jahre 1317 zurück, der eine Erscheinung der seligen Königin des Karmel zugrunde lag. Die Gottesmutter versprach dem Heiligen Vater, sie werde jeden, der ihr Skapulier trage, am Samstag nach seinem Tode aus dem Fegefeuer befreien. Die neue Verheißung war an zwei Bedingungen geknüpft: die Beobachtung der standes–gemäßen Keuschheit durch die Skapulierbrüder (völlige Keuschheit im Zölibat, eheliche Keuschheit in der Ehe) sowie das Beten des Breviers (oder des Kleinen Offiziums der Heiligen Jungfrau). Beim Anlegen des Skapuliers sind die einkleidenden Priester befugt, die etwas schwierige Pflicht des Brevierlesens etwa durch das tägliche Beten des Rosenkranzes zu ersetzen. Das kirchliche Lehramt hat den Inhalt der Bulle, das Samstagsprivileg, mehrmals in aller Form bestätigt. Nur wenige Ablässe haben so viele päpstliche Bestätigungen erfahren.

Am Vorabend seines Todes, einem Freitagabend, erinnerte der heilige Johannes vom Kreuz mit Freude daran, „dass die Muttergottes vom Karmel samstags mit ihrem Beistand und ihrer Gunst ins Fegefeuer eilt und die Seelen der Mönche bzw. der Personen, die ihr heiliges Skapulier getragen hatten, herausholt“. Das Skapulier ist freilich keine „Heilsversicherung“, die einen von der Pflicht entbindet, sich zu heiligen und die Gebote Gottes zu befolgen, als könnte sich der Sünder nach dem Empfang des Skapuliers in völliger Sicherheit der Sünde hingeben und sagen: „Da ich das Skapulier trage, bin ich vor der Verdammnis gefreit.“ Wer die Verehrung der Heiligen Jungfrau so missbraucht, ist ihrer Gunst nicht würdig; er verlässt sich zu Unrecht auf sein Skapulier, um freier zu sündigen, denn Gott lässt seiner nicht spotten (Gal 6,7). Weil die Gottesmutter möchte, dass ihre Kinder in die Seligkeit des Himmels eingehen, hat sie ihnen das Skapulier geschenkt – als Gewand des Heils, als geistlichen Panzer und Schild, als Hülle der Unschuld, die sie über sie breitet, um ihnen zu helfen, sündlos zu leben und unter der Führung des Heiligen Geistes Jesus nachzufolgen.

Das Skapulier bezeugt die Weihe und die freiwillige Hingabe an Maria: „Durch das Skapulier bringen die Verehrer der Madonna vom Karmel ihren Willen zum Ausdruck“, sagte der hl. Johannes-Paul II., „ihr Leben nach dem Vorbild Marias zu gestalten, der Mutter, Patronin, Schwester und reinsten Jungfrau, indem sie das Wort Gottes mit geläutertem Herzen aufnehmen und sich eifrig in den Dienst ihrer Mitmenschen stellen“ (26. Juli 1988). Im Gegenzug hat Unsere Liebe Frau zugesagt, die Träger dieses Kleidungsstücks bei jeder Gelegenheit, insbesondere aber in der Stunde ihres Todes zu beschützen. Vertrauen wir uns rückhaltlos Maria an, sie wird uns in der Liebe Gottes und des Nächsten bewahren.

Dom Antoine Marie osb

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