Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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1. Mai 2014
der heilige JOSEF, der Arbeiter


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

1544: Die christliche Welt befindet sich in einer Krise, einer der schwersten Krisen ihrer Geschichte; sie ist nicht nur eine Religions- und Dogmenkrise, sondern auch eine Kulturkrise ... César de Bus kommt in dieser unruhigen Zeit zur Welt, einer Zeit, in der sich die Menschen zunehmend für Kultur, Kunst und Lebensgenuss öffnen. Er selbst erliegt in seinen Jugendjahren und zu Beginn seines Erwachsenenlebens immer mehr der durch seinen Stand und sein Vermögen vorgegebenen Leichtlebigkeit. Er führt das unbeschwerte, sorglose Leben eines begabten, in Gesellschaft brillierenden Mannes und Gelegenheitsdichters, der für den Genuss aufgeschlossener ist als für die Forderungen des Evangeliums. Die Umkehr musste radikal ausfallen.“ Mit diesen Worten stellte Papst Paul VI. den neuen Seligen vor, den er am 27. April 1975 zur Ehre der Altäre erhob.

Geboren am 3. Februar 1544 in Cavaillon im Comtat Venaissin, einem Teil Provences, der damals dem Kirchenstaat gehörte, war César, der Sohn des Stadtkonsuls Jean-Baptiste de Bus und seiner Frau, Anne de la Marche. Bei seiner Taufe wurde er dem Schutz des heiligen Glaubensstreiters César von Arles anvertraut. Die Familie entstammte ursprünglich dem niederen römischen Adel; zu ihren Vorfahren zählte die heilige Franziska Buxis, die hundert Jahre zuvor in Rom gelebt hatte. César wurde zunächst von einem Hauslehrer unterrichtet. Er ließ bereits sehr früh Anzeichen einer Berufung zum Priesteramt erkennen. Der Junge setzte seine Schullauf–bahn an einem Kolleg in Avignon, später in Cavaillon fort. Er wurde trotz seines jugendlichen Alters in die Bruder–schaft der sogenannten „Schwarzen Büßer“ aufgenommen, deren Intention die Nachfolge Jesu Christi – insbesondere im Leiden und in der Schmach der Passion – war, und zwar sowohl durch Buß-prozessionen als auch durch persönliche Bußübungen. César sah darin ein Mittel, sich gegen die Fallen des Teufels zu wappnen. Aufgrund seines Eifers wurde er bald zum Anführer der Bruderschaft gewählt.

Zu Beginn der Herrschaft Karls IX. wurde die Provence von einem Bürgerkrieg erschüttert, der durch Aktionen der Protestanten provoziert war. 1562 meldete sich César im Alter von 18 Jahren als Freiwilliger zur Verteidigung von Kirche und Glauben. Als Vorbereitung dafür hielt er eine Generalbeichte für das Dringlichste, da bei diesem Kampf in seinen Augen mehr Gefahren für die Seele als für den Leib lauerten; er betrachtete die Kampagne als Kreuzzug, wohnte jeden Tag der Messe bei, betete jeden Morgen und Abend mit Hingabe und tat sich auch im Kampf hervor. Die derben Witze einiger Soldaten über das tugendhafte Leben konnten ihn nicht beirren. Obwohl ihn die Ausschweifungen im katholischen Lager betrübten, verurteilte er sie nicht: Er wollte lieber durch sein Vorbild wirken. Der Krieg wurde am 19. März 1563 durch die Unterzeichnung des Friedensedikts von Amboise beendet. César wandte sich nach seiner Entlassung wieder dem Studium der Literatur und der Künste zu.

Die Lockungen der Welt

Sein Bruder Alexander lebte als junger Offizier bereits seit mehreren Jahren am Hof; er hatte die Wertschätzung sowie die Gunst des Königs gewonnen und war Kommandeur der königlichen Leibgarde. 1565 lud er seinen Lieblingsbruder César zu sich ein – mit dem Versprechen, ihn bei Hof einzuführen und ihm dort zu einem Ehrenplatz, zu Freunden und zu einem Vermögen zu verhelfen. César fühlte sich von den schönen Verheißungen geschmeichelt und willigte ein.

Doch haben wir diesen Schatz in irdenen Gefäßen (2 Kor 4,7). Diese Worte des heiligen Paulus an die Gläubigen in Korinth kommentierte Papst Franziskus anlässlich des Weltjugendtages in Brasilien folgendermaßen: „Die Kirche hat viel gelitten und leidet jedes Mal, wenn einer der dazu Berufenen, den Schatz in einem irdenen Gefäß zu empfangen, Schätze anhäuft und versucht, seine irdene Beschaffenheit zu ändern. Er glaubt, er sei etwas Besseres …“ Die Menschen seien jedoch bis an ihr Ende „aus Lehm geformt, und niemand kann sie davor retten. Jesus rettet sie auf seine Weise, aber nicht auf die menschliche Weise, die auf Ansehen, äußerem Schein, wichtigen Posten beruht“, fuhr der Papst fort, und beklagte „den Karrierismus, der der Kirche so sehr geschadet hat“ (Predigt bei der Frühmesse am 25. Juli 2013 in Sumaré).

César begab sich also an den Hof – nicht um Gott dienen, sondern aus einer weltlichen Gesinnung heraus. Von da an führten ihn seine Geltungssucht, sein Ehrgeiz und seine Sinneslust schrittweise in den Abgrund. Der Absturz war tief und wäre noch tiefer ausgefallen, hätte Gott, der ihn retten wollte, den berauschenden Freuden nicht stets auch bittere Momente beigemischt: Dem jungen Mann wurden immer wieder Ämter versprochen, die er nie bekam. In seinem Ehrgeiz enttäuscht und von Gewissensbissen geplagt, ließ er sich 1570 in der Stadt Avignon nieder, wo er weiterhin ein mondänes Leben zu führen gedachte.

Der Fall des frommen Jünglings mag zunächst erstaunen. Sie wird verständlicher, wenn man die Taktik des Teufels betrachtet, die der heilige Ignatius in seinen Geistlichen Übungen so treffend schildert. Die Dämonen wollen die Menschen „zuerst durch Begierde nach Reichtum in Versuchung führen … damit sie desto leichter zu eitler Ehre der Welt und von da zu ausgewachsenem Hochmut gelangen. Die erste Stufe soll also die Reichtümer sein, die zweite die Ehre, die dritte der Hochmut, und über diese drei Stufen führt er sie ein zu allen übrigen Lastern“ (Nr. 142, Besinnung über zwei Banner). Wie soll man diesen Fallen entgehen, wenn nicht durch Demut und Verzicht? So kann also keiner von euch, der nicht von allem sich (im Herzen) lossagt, was er besitzt, mein Jünger sein, sagt Jesus (Lk 14,33).

Wo gehen Sie hin?

César kam 1573 durch den Tod seines Vaters und seines Bruders Charles, der Kanoniker an der Stiftskirche von Salon-de-Provence gewesen war, ins Nachdenken und kehrte nach Cavaillon zurück. Dort standen ihm bei seiner Umkehr zwei schlichte, fromme Menschen zur Seite. Zunächst bat ihn die Analphabetin Antoinette Réveillade, ihr aus dem Leben der Heiligen vorzulesen. Die verwitwete Frau, die in enger Verbundenheit mit Gott lebte und ihren Mitmenschen half, Gottes Willen zu erkunden, versuchte anfangs vergeblich, den jungen Mann vom Besuch mondäner Veranstaltungen abzubringen. „Wo gehen Sie hin?“, fragte sie ihn beim Weggehen. „Wollen Sie nach Gelegenheiten suchen, sich ins Verderben zu stürzen, als gäbe es nicht ohnehin genug davon?“ Eines Abends hakte sie noch einmal nach: „Man darf nicht Gottes spotten. Er ruft Sie, und Sie hören ihn nicht. Er sucht Sie, und Sie laufen ihm davon.“ Sie bat ihn, sich wenigstens Gott zu empfehlen; César tat ihr den Gefallen. Nach einigen Schritten rief er jedoch plötzlich: „Ich Armseliger! Ich empfehle mich Gott in dem Augenblick, in dem ich aufbreche, seiner zu spotten!“ Er brach bewusstlos zusammen, als hätte ihn die Gnade niedergestreckt. Als er wieder zu sich kam, verwies ihn Antoinette an Louis Gayot, den Sakristan der Kathedrale. Unter dessen Fittichen begab sich César nun auf den Weg der Umkehr und der Buße, obwohl er ihn fürchtete; aber er sah ein, dass nur der Weg des Verzichts zum Heil führt, und besann sich darauf, dass das Joch des Herrn gut zu tragen und seine Bürde leicht ist (Mt 11,30).

Eine entscheidende Wende

César de Bus zog sich nach Aix-en-Provence zurück. Ein alter Freund empfahl ihn dem Jesuitenpater Pierre Péquet, der ihm mit seiner spirituellen Erfahrung, seiner Umsicht, Urteilsfähigkeit und Charakterstärke eine wertvolle Stütze wurde. Als sich dem jungen Mann einmal eine günstige Gelegenheit zur Sünde bot, kam er gerade an einem Klarissenkloster vorbei und hörte, wie die Schwestern die Matutin sangen. Er blieb stehen und hörte zu; Scham und Verwirrung bemächtigten sich seiner: Er brach bewusstlos zusammen. Dieses Ereignis markierte eine entscheidende Wende. Nach einer kurzen Vorbereitung legte César eine Generalbeichte bei Pater Péquet ab. Nach Cavaillon zurückgekehrt, brachte er seine Angelegenheiten in Ordnung. Eines Tages bat ihn der Sakristan seiner Pfarrei, er möge mit einer brennenden Kerze in der Hand einen Priester mit dem Allerheiligsten zu einem Kranken begleiten – eine Aufgabe, die meistens ein Chorknabe ausführte. César willigte zur Wiedergutmachung seiner Sünden ein, obwohl er wusste, dass man ihn verspotten würde. Dieser Akt befreite ihn von jeder weltlichen Gesinnung. Seine Gebete wurden intensiver, er besann sich an seine Bestimmung und tat Buße, bis er darüber krank wurde; kurz erwog er sogar, Kartäusermönch zu werden. Er übte sich in den Werken der Barmherzigkeit, gab Almosen, besuchte Bedürftige und Kranke, insbesondere einen Leprakranken, in dem er ein Abbild des durch unsere Sünden geschundenen Antlitzes Christi sah.

1576 versuchte César unter der Anleitung von Pater Péquet drei Wochen lang mit Hilfe der Geistlichen Übungen, den richtigen Lebensweg für sich herauszu–finden. Anschließend nahm er ein Priesteramtsstudium auf. Er wurde 1578 zum Kanoniker der Veranus-Kathedrale in Cavaillon ernannt und hatte dieses Amt bis zu seiner Priesterweihe im August 1582 inne. Seine schlichte Art zu predigen trug Früchte. „Einst haben wir ihn in dieser Stadt im Kreise der angenehmsten Gesellschaft bewundert“, sagten die Bewohner von Cavaillon. „Heute erleben wir ihn auf der Kanzel, wie er die eitlen Freuden verdammt, denen er früher gehuldigt hatte.“ Als eifriger Beichtvater betreute er viele Menschen. Die Lektüre der Vita von Karl Borromäus, dem kurz zuvor (1584) verstorbenen heiligen Mailänder Bischof, prägte ihn zutiefst. Im Auftrag seines Bischofs wirkte er sowohl an der Reform des Klerus und der Orden mit, als auch an der Widerlegung protestantischer Irrlehren. Doch bereits 1587 führte ihn die Liebe zur Kontemplation und zur Einsamkeit in eine Einsiedelei auf den Bergen über Cavaillon.

„Der spirituelle Weg des Seligen verlief nicht reibungslos“, stellte Papst Paul VI. fest. „Es gab Augenblicke der Entmutigung, der Düsternis, der Ungewissheit. Wir waren jedoch erstaunt, was sich schließlich als ein Charakteristikum seines ganzen Lebens – fast von Anbeginn an – herausstellte: … seine Bußfertigkeit. Die Buße war für ihn kein leeres Wort. Er betrieb sie bis zum Äußersten: Er kam ja auch von weit her! Er musste seine Leidenschaften in den Griff kriegen, deren Sklave er früher gewesen war – ein harter und ständiger Kampf. Er lernte so, das Opfer zu suchen und zu lieben, denn das Opfer macht einen dem leidenden und siegreichen Christus gleich. Sich als Opfer darbringen, um den Preis schmerzlichsten Verzichts alles in die Hände Gottes legen, das scheint sein Leitmotiv gewesen zu sein, der ständige Zweck seines Strebens. Und als er am Ende seines Lebens, von Schmerzen gelähmt und blind, sich schließlich für das letzte Opfer rüstete, merkte er, wie sehr ihm die Askese geholfen hatte, sein altes Selbst zu überwinden. Er war nun bereit, dem Herrn in vollkommener Freude zu begegnen“ (27. April 1975).

Allen die Glaubenswahrheiten verkünden

1590  verließ César seine Einsiedelei. Das religiöse Unwissen auf dem Lande ließ ihm keine Ruhe. Die Lektüre des Catechismus Romanus des Trienter Konzils brachte ihn auf die Idee, eine Priester–gemeinschaft für die Katechese zu gründen. Er wollte eine neue Methode entwickeln, um allen, insbesondere den Unwissenden sowie den Bewohnern von Gegenden, die sich dem Christentum entfremdet hatten, die Glaubenswahrheiten zu verkünden: „Alles in uns muss katechisieren, und wir müssen uns wie lebende Katechismen benehmen … Ich würde meinen Körper in unendlich viele kleine Stücke zerhacken lassen, wenn aus jedem von ihnen ein Katechist hervorginge.“ Mit Einverständnis seines Bischofs begann César durch die Lande zu reisen, um seine „Schäfchen“, wie er sagte, zu katechisieren. Sein Vetter, Jean-Baptiste Romillon, der 1579 vom Kalvinismus konvertiert und 1588 zum Priester geweiht worden war, engagierte sich ebenfalls für dieses Apostolat. Die beiden missionierten in der ganzen Umgebung bis in die Cevennen. Bald schlossen sich ihnen weitere Gefährten an.

„Die Intuition, man könnte sagen das Genie von César de Bus, bestand darin“, sagte Papst Paul VI., „den Finger auf ein Grundbedürfnis zu legen, das von den Vätern des Konzils von Trient klar vorausgesehen worden war, als sie die Ausarbeitung des Katechismus in Auftrag gegeben hatten, damit die Geistlichen, vom Bischof bis zum Pfarrer, ein Handbuch erhielten. Doch der Acker lag nach wie vor brach. Das Volk lebte in bitterster Unwissenheit, und das aufopfernde Engagement seiner Seelsorger reichte nicht aus, um sie zu lindern. César de Bus, der durch die Schule des heiligen Ignatius gegangen war, lernte nun auch das Leben, die spirituelle Lehre und das Werk weiterer Vordenker seiner Zeit kennen: Petrus Canisius, Robert Bellarmin, Philipp Neri und Karl Borromäus. Vor allem die letzten beiden prägten ihn nachhaltig; er machte sich ihre Ideen zu eigen und war vom selben Eifer beseelt wie sie.

Er wollte den Glauben systematisch allen Bevölkerungsgruppen vermitteln, wobei er natürlich einen Unterschied machte zwischen denen, die viel aufnehmen konnten, und denen, denen man vorerst nur ein Minimum zumuten konnte. Wichtig war nur, dass alle evangelisiert wurden, dass alle eine angemessene Unterweisung erhielten. Die wenigen Gebetsformeln waren griffig und leicht zu merken. Dieser Ansatz wurde durch – von der Heiligen Schrift durchdrungene und der Zuhörerschaft angepasste – Predigten ergänzt, damit das Gelernte nie folgenlos blieb, sondern sich in der geistlichen Haltung und Handlungsweise, kurzum, im Leben der Leute niederschlug.“

Am 29. September 1592 gründete César de Bus zusammen mit fünf Gefährten in L’Isle-sur-la-Sorgue im Vaucluse mit Genehmigung des Bischofs von Cavaillon Bordini die Kongregation der Priester der Christlichen Lehre, die 1598 von Papst Clemens VIII. approbiert wurde. „Wir müssen überzeugt sein“, sagte César zu seinen Mitbrüdern, „dass wir nicht für uns selbst predigen, sondern zum Nutzen unserer Zuhörer.“ Er führte ein Dreistufensystem ein, um das Wesentliche der christlichen Lehre zu präsentieren. Die „kleine Lehre“ richtete sich an Leute ohne Vorkenntnisse: Man lernte das Kreuzzeichen, die wichtigsten Gebete, die Gebote, die Sakramente und die Geheimnisse des Glaubens. Die „mittlere Lehre“ gab einfach formulierte Erklärungen und Unterweisungen sowie einen Einblick in die Heilige Schrift und in die Kirchenväter. Die „große Lehre“ wurde an Sonn- und Feiertagen von der Kanzel aus erteilt.

„Das Erziehen im Glauben ist schön!“

César benutzte eine Sprache, die die Sinne und die Phantasie anregte, und ließ Familien gemeinsam am Katechismusunterricht teilnehmen. Er stellte die Lehre aus der Perspektive der zentralen Lebensinteressen der Leute dar, er komponierte und sang Texte, die seine Lehre veranschaulichten; er malte eigenhändig Bilder zu religiösen Themen oder gab sie in Auftrag und erklärte sie geduldig. Immer wieder betonte er die Notwendigkeit, Lehre, Gebet und Pflicht zum christlichen Leben miteinander zu verknüpfen.

Diese Sorge wird heute auch von Papst Franziskus geteilt: „Die Katechese ist ein Pfeiler in der Glaubensun-terweisung, und man braucht gute Katechisten!… das Erziehen im Glauben ist doch schön! Vielleicht ist es das schönste Erbe, das wir geben können: der Glaube! Im Glauben erziehen, damit der Glaube wachse. Kindern, Jugendlichen, jungen Menschen und Erwachsenen zu helfen, immer mehr den Herrn zu erkennen und zu lieben, ist eines der schönsten pädagogischen Abenteuer: So baut man die Kirche auf!… Katechist ist eine Berufung. Achtet gut darauf, dass ich nicht gesagt habe, als Katechisten ‚arbeiten’, sondern ‚es sein’, denn es schließt das Leben ein. Man führt zur Begegnung mit Jesus – mit den Worten, mit dem Leben und mit dem Zeugnis … Katechist sein bedeutet, Glaubenszeugnis zu geben; im eigenen Leben kohärent zu sein. Das ist nicht einfach“ (27. September 2013).

1593 wurden zwei weitere Häuser in Avignon eröffnet: eines im Kloster Sainte-Praxède, eines im Kloster Saint-Jean-le-Vieux. Da Pater de Bus feststellte, dass viele Frauen keine Ahnung von Hausarbeiten hatten, gründete er 1594 das Institut der Töchter der Christlichen Lehre, eine Bildungsanstalt für junge Frauen. Die folgenden Jahre waren von Meinungsverschiedenheiten sowie einer gewissen Entmutigung unter den Schülern geprägt. Um seinem Werk mehr Nachhaltigkeit zu verleihen, beschloss Pater de Bus, die Mitglieder seiner Kongregation durch Gelübde zu binden. Pater Romillon lehnte dieses Vorhaben ab; das führte 1602 zur Abspaltung einer Gruppe, die sich dem Oratorium des heiligen Philipp Neri anschloss. César de Bus wurde zum Generalsuperior seiner Kongregation gewählt, musste jedoch wegen gesundheitlicher Probleme bald zurücktreten. Obwohl er mittlerweile erblindet war, predigte er weiterhin und nahm Beichten ab; er pflegte zu sagen: „Gemessen an dem, was Gott mich hat sehen lassen seit meiner Erblindung, habe ich zuvor nichts gesehen und nichts gelesen.“ Wenn er von Gott und dessen Vollkommenheit sprach, geriet er in helle Begeisterung. „Mir scheint, dass ich nichts anderes in dieser Welt liebe als den Gott meines Herzens.“ Seine Krankheit verschlimmerte sich, und er starb am 15. April 1607 im Alter von 63 Jahren in Avignon – am Ostermorgen, wie er vorhergesagt hatte: „Für mich wird es ein doppeltes Ostern geben, den Übergang des Herrn und den meinen an Seiner Seite.“ Sein Leichnam wurde zunächst im Kloster Saint-Jean-le-Vieux beigesetzt und im 19. Jahrhundert nach Rom in die Kirche Santa Maria in Monticelli überführt. César de Bus hat zu seinen Lebzeiten und noch mehr nach seinem Tode Wunder bewirkt. Seine Söhne widmeten sich hauptsächlich der Lehrtätigkeit; ihre Schulen verzeichneten fast zweihundert Jahre lang sowohl in Frankreich als auch in Italien einen großen Zulauf lernbegieriger Jugendlicher. 1789 zählte die Kongregation 64 Häuser. Sie wurde in Frankreich während der Revolution aufgelöst. Wiedergründungsversuche in Frankreich scheiterten, während der italienische Zweig nach wie vor existiert, einige Missionsstationen in Brasilien unterhält und auch in Spanien, in der Schweiz und in Cavaillon präsent ist.

Eine solide Basis

Das Leben von César de Bus ist eine Lektion für unsere Zeit, bemerkte Paul VI. bei dessen Seligsprechung: „Zu einer Zeit, in der sich die Welt wie damals in einer Krise befindet, in der die meisten Werte, selbst die heiligsten, im Namen der Freiheit bedenkenlos in Frage gestellt werden, müsste, meinen wir, mutig eine zusätzliche Anstrengung unternommen werden, um dem christlichen Volk, das mehr darauf wartet, als man glauben möchte, eine solide, genaue, leicht zu merkende katechetische Basis zu geben. Wir verstehen wohl, dass es heute, besonders unter Jugendlichen, die sich in vielerlei Hinsicht verunsichert fühlen, schwierig ist, sich zum Glauben zu bekennen. Sie haben aber zumindest ein Anrecht darauf, die Offenbarungsbotschaft genau kennenzulernen …“ – Diese Botschaft liegt uns heute im Katechismus der Katholischen Kirche vor, in dem wir zunächst einmal die „Kurztexte“ lesen bzw. auswendig lernen können, daneben aber auch im Kompendium des Katechismus bzw. im Glaubensbekenntnis Pauls VI.; diese Texte geben universelle und sichere Orientierung, denn sie stammen von der Kirche. Man kann sie in der Gruppe, im Familienkreis oder allein lesen. Soll die Lektüre Früchte tragen, so muss man über sie nachdenken, sie sich einprägen; dann dient sie als Nahrung für das Gebet.

Wir können uns der Anrufung Pauls VI. anschließen: „Seliger César de Bus, der du uns das bewundernswerte Vorbild eines gänzlich Gott geweihten Lebens hinterlassen hast, der du vom Wunsch beseelt warst, deinen Mitmenschen das Leben Gottes zu vermitteln, bitte für uns beim Herrn, damit wir vom selben Feuer entflammt und von derselben Liebe getrieben werden!“

Dom Antoine Marie osb

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