Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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25. März 2014
Verkündigung des Herrn


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

London, 20. November 1581. Die Geschworenen haben gerade ihr Urteil gefällt: Pater Edmund Campion und mehrere Mittäter werden des Hochverrats schuldig gesprochen und zum Tod durch Erhängen verurteilt. Campion stimmt einen Freudenhymnus an: Te Deum laudamus. Te Dominum confitemur (Großer Gott, wir loben dich. Herr, wir preisen deine Stärke). Sein Mitbruder Sherwin fährt fort: Haec est dies quam fecit Dominus, exsultemus et laetemur in ea (Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat; da lasst uns frohlocken und fröhlich sein). Campion erklärt mit ruhiger Miene im Namen aller: „Wir fürchten uns nicht vor dem Tod. Wir wissen, dass wir nicht Herr über unser Leben sind ... Wir möchten nur eines anmerken: Indem ihr uns verurteilt, verurteilt ihr eure eigenen Vorfahren – alle früheren Priester, Bischöfe und Könige – und alles, was einst den Ruhm Englands ausmachte … Denn was haben wir gelehrt – auch wenn ihr es mit dem hässlichen Wort Verrat belegt –, was sie nicht alle schon gepredigt hatten? Dafür verurteilt zu werden, dass wir wie diese leuchtenden Geistesgrößen – nicht nur Englands, sondern der ganzen Welt – gesprochen haben, ist uns eine Freude und Ehre zugleich.“

Edmund Campion wurde am 25. Januar 1540 in London geboren. Im Alter von etwa zehn Jahren wurde er bei einem Händler in die Lehre gegeben. Als die Eltern jedoch seine geistigen Fähigkeiten erkannten, beschlossen sie, ihn weiter zur Schule zu schicken. 1557 wurde Edmund als Student auf das kurz zuvor gegründete St. John’s College in Oxford aufgenommen, wo er sich eine solche sprachliche Virtuosität aneignete, dass er bald als der wortgewaltigste Mann seiner Zeit galt.

Ein „Diamant Englands“

1558 starb Königin Mary Tudor. Ihre Nachfolgerin wurde Elisabeth I., die in den ersten Jahren ihrer Herrschaft noch eine gewisse religiöse Toleranz zeigte; doch dann setzte sie die anglikanische Religion, die einen Kompromiss zwischen der schismatischen Staatskirche Heinrichs VIII. und dem lutherischen Protestantismus darstellte, im ganzen Königreich mit eiserner Hand durch. Studenten wurde ihr Abschlussdiplom erst ausgehändigt, wenn sie zuvor die geistliche Souveränität der Königin unter Eid bekräftigten. Der junge Campion hatte Freude am Erfolg und am Beifall; so war er bereit, den Eid zu leisten. 1566 legte er die Prüfung zum Magister Artium ab und wurde ein beliebter Professor in Oxford; seine Studenten waren stolz darauf, „Campionisten“ genannt zu werden. Als die Königin einmal die Universität besuchte, wurde er ausersehen, die Begrüßungsansprache zu halten. Die Königin war beeindruckt, und ihr Staatssekretär, Sir William Cecil, nannte Campion gar einen „Diamant Englands“. Edmund fungierte eine Zeitlang als Universitätszensor und rangierte somit direkt hinter dem Vizekanzler. Der junge Mann war aber auch wegen seiner Tugenden – Rein-heit, Demut, Bescheidenheit – allgemein geschätzt.

In seinem Herzen blieb Edmund katholisch und missbilligte die neue Religion. Er fühlte sich innerlich hin- und hergerissen zwischen dem Erfolg, den ihm die Welt verhieß, und der Stimme seines Gewissens; er wartete ab. Eine Begegnung mit Richard Cheney, dem Bischof von Gloucester, ermutigte ihn dazu. Dieser wollte als einziger unter den elisabethanischen Bischöfen dem Glauben seiner Vorfahren treu bleiben; er brach allerdings nicht mit der anglikanischen Kirche, sondern kämpfte darum, sein Bistum zu behalten, da er hoffte, so einen positiven Einfluss entfalten zu können. Im Geiste dieser Kompromissbereitschaft ließ sich Edmund im Frühjahr 1569 in der anglikanischen Kirche zum Diakon weihen und zahlte dafür mit quälenden Gewissensbissen. Obwohl er von mehreren Seiten unter Druck gesetzt wurde, lehnte er es wiederholt ab, sich zum anglikanischen Pfarrer ordinieren zu lassen und bat um die Erlaubnis, für einige Zeit das Land zu verlassen. Im September 1570 reiste er nach Irland.

In Dublin konnte Campion seinen katholischen Glauben ungehindert praktizieren. Er nutzte die ruhigen Monate dort, um eine Geschichte Irlands zu schreiben. Doch der englischen Königin gelang es bald, sowohl die britische Vorherrschaft als auch den Anglikanismus in Irland durchzusetzen. Campion stand auf der Fahndungsliste der englischen Behörden und beschloss, unerkannt in seine Heimat zurückzukehren. Als er ein Schiff nach England bestiegen hatte, kamen englische Offiziere an Bord und verkündeten, sie suchten einen gewissen Edmund Campion. Edmund war so erschrocken, dass er gar nicht erst versuchte, sich zu verstecken: Während der Durchsuchung des Schiffes wartete er friedlich auf der Brücke und betete zum heiligen Patrick, dessen Namen er sich geliehen hatte, um unerkannt zu reisen. Von allen Passagieren war er der Einzige, der nicht durchsucht wurde; er schrieb diesen Umstand dem Schutz des großen irischen Heiligen zu.

Das Kolleg von Douai

Bei Edmunds Rückkehr befand sich ganz England in Aufruhr: Die Exkommunikation der Königin durch den heiligen Pius V. und der Aufstand der Katholiken in Nordengland hatten eine blutige Verfolgung nach sich gezogen. Campion beschloss 1571, am englischen Kolleg in Douai (Flandern) weiterzustudieren. Das Kolleg war 1568 gegründet worden, um jungen Engländern eine solide katholische Bildung zu vermitteln, was in ihrer Heimat unmöglich geworden war; Campion traf dort etliche frühere Freunde wieder. Schwerpunkt des Kollegs war das Studium der Heiligen Schrift; die Studenten sollten in die Lage versetzt werden, gegen die Protestanten zu bestehen, die ja behaupteten, ihr Glaube gründe einzig und allein auf der Bibel. Während der Herrschaft Königin Elisabeths bildete das Kolleg von Douai 450 Priester aus, von denen 135 als Märtyrer starben. Edmund verbrachte zwei Jahre dort. Er bereute nun, die Diakonatsweihe der anglikanischen Kirche empfangen zu haben. Zur Buße führte er ein überaus asketisches Leben und beschloss bald, in die Gesellschaft Jesu einzutreten.

Im Frühjahr 1573 reiste Edmund Campion nach Rom und bewarb sich bei den Jesuiten. Er wurde als Novize aufgenommen und der Provinz Österreich zugewiesen. Das zweijährige Noviziat begann mit den Geistlichen Übungen im Rahmen einer einmonatigen Einkehr; darauf folgte ein Monat Krankenpflegedienst in einem Hospital, dann ein weiterer Monat Wallfahrt, auf der der Novize von Almosen leben musste, und schließlich ein Monat als Katechet für Kinder und glaubensferne Personen. Im Sommer 1575 legte Edmund das dreifache Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab; nach Beendigung seines Studiums wurde er 1578 zum Priester geweiht.

Indessen hatte Edmund seine Heimat, in der nach wie vor die Verfolgung wütete, nicht aus den Augen verloren. Eines Tages erschien ihm die Gottesmutter und verriet ihm, dass er als Blutzeuge für den Glauben in England sterben werde. Man plante in Douai, zur Betreuung der Katholiken englische Priester nach England zu entsenden. Die beiden für diese gefährliche Mission vorgesehenen Patres, Edmund Campion und Robert Persons, reisten zunächst nach Rom. Am 18. April 1580 brach eine Gruppe von zwölf Engländern, darunter drei Jesuiten, mit dem Segen des Papstes aus der ewigen Stadt auf. Die aktuellen Nachrichten aus England besagten, dass die Insel ein gefährliches Pflaster für katholische Priester geworden war. Campion war gleichwohl fest entschlossen: „Ich habe mich freiwillig Gott geweiht, für das Leben wie für den Tod, und ich bin zuversichtlich, dass er mir die Gnade und die Kraft schenken wird, um meinem Gelübde treu zu bleiben; das ist alles, was ich mir wünsche.“ Um keinen Verdacht zu erregen, sollten die Geistlichen getrennt zur Insel übersetzen. Im Juni 1580 betrat Edmund zum ersten Mal seit neun Jahren wieder heimatlichen Boden. Im ganzen Land waren von der Regierung eingesetzte Spione unterwegs, und viele Leute hatten keinerlei Bedenken, Priester an die Behörden auszuliefern. Ein katholischer Adliger, der wegen seines Glaubens im Gefängnis gesessen hatte, überredete die beiden Jesuiten, die Gründe für ihren Aufenthalt in England schriftlich niederzulegen – für den Fall, dass sie gefasst und vor Gericht gestellt würden. Campion verfasste einen Text, der unter dem Namen Campion’s Challenge berühmt wurde: Er erklärte, er sei einzig und allein deswegen nach England gekommen, weil er den katholischen Glauben den Gläubigen wieder nahebringen wollte, die sich von ihm entfernt hatten; er bat, sich vor den Behörden und vor der Königin selbst erklären zu dürfen – in der Hoffnung, letztere zum Glauben ihrer Vorfahren zu bekehren.

Den „wahren Jesus“ erreichen

Der Glaube, sagt Papst Franziskus, muss „durch die Zeiten hindurch weitergegeben werden. Mittels einer ununterbrochenen Kette von Zeugnissen kommt die Gestalt Jesu zu uns. Wie ist das möglich? Wie können wir sicher sein, über die Jahrhunderte hinweg auf den ‚wahren Jesus‘ zurückzugehen? Wenn der Mensch ein vereinzeltes Wesen wäre, wenn wir allein vom individuellen ‚Ich‘, das die Sicherheit seiner Erkenntnis in sich suchen möchte, ausgehen wollten, wäre diese Gewissheit unmöglich. Von mir selbst aus kann ich nicht sehen, was in einer von mir so weit entfernten Epoche geschehen ist. Doch ist dies nicht die einzige Art und Weise, wie der Mensch Kenntnis erwirbt. Der Mensch lebt stets in Beziehung … Die Vergangenheit des Glaubens, jener Akt der Liebe Jesu, der in der Welt ein neues Leben hervorgebracht hat, kommt auf uns durch das Gedächtnis der anderen, der Zeugen, und ist lebendig in dem einzigartigen Subjekt des Gedächtnisses, der Kirche. Die Kirche ist eine Mutter, die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen“ (Enzyklika Lumen fidei, 29. Juni 2013, Nr. 38).

Das Schreiben Pater Campions fiel bald den Vertretern des Gesetzes in die Hände und wurde als Aufforderung zu einem öffentlichen religiösen Diskurs betrachtet. Die Machthaber verweigerten sich jedoch diesem Diskurs, da er möglicherweise die Richtigkeit der in England durchgesetzten religiösen Reform infrage gestellt hätte. Die anglikanischen Theologen fürchteten das Wissen und den Widerspruchsgeist der Jesuiten. Im Oktober 1580 trafen sich Persons und Campion in der Nähe von London, um eine Bestandsaufnahme zu machen und einen Aktionsplan zu entwerfen. Persons sollte in der Londoner Gegend bleiben, während Campion, dessen Name seit seiner Challenge in aller Munde war, die bis dahin noch nicht besuchten Grafschaften bereisen sollte. Die beiden Jesuiten nahmen tief bewegt Abschied voneinander, da die Königin gerade einen namentlichen Verhaftungsbefehl gegen sie unterzeichnet hatte. Das englische Parlament verschärfte indes die Strafen für Religionsvergehen und erklärte die Konversion zum katholischen Glauben sowie den Empfang der Absolution von einem katholischen Priester zu Akten von Verrat.

Zehn Gründe

Um den Glauben der Katholiken im Königreich zu stärken, verfasste Campion ein Buch, das im Juni 1581 unter dem Titel Rationes decem (Zehn Gründe) erscheinen sollte. Er führt darin zehn fundamentale Gründe an, aus denen der Protestantismus nicht richtig sein kann, und zwar anhand der fünf Themenkreise: Heilige Schrift, Kirchenväter, Konzile, Sichtbarkeit der Kirche und Unstimmigkeiten in den protestantischen Positionen. Die Heilige Schrift sei uns von der Kirche an die Hand gegeben worden, schreibt er, die, erleuchtet vom Heiligen Geist, einige Bücher als von Gott inspiriert erkannt habe. Die Protestanten lehnten manche – von der Christenheit jahrhundertelang angenommene – Bücher der Bibel ab. So habe Luther zum Beispiel den Brief des heiligen Jakobus als „Strohbrief“ bezeichnet, da dieser behauptet, der Glaube genüge nicht zum Erlangen des Heils, man müsse auch gute Werke tun. Dann zitiert Campion mehrere Beispiele, in denen die Autorität der Kirchenväter von den Reformatoren negiert werde, und zeigt, dass gerade die Lehre der Kirchenväter zum Katholizismus führe; akzeptiere man sie nicht, so könne man nicht einmal Christ sein.

Campion verweist sodann darauf, dass die Reformatoren trotz einer ausdrücklichen Einladung nie bereit gewesen seien, am Konzil von Trient teilzunehmen (1545-1563), und dass sie das Zeugnis der ökumenischen Konzile abgelehnt hätten. „Wenn der Geist Gottes auf die Kirche herabscheint“, schreibt er, „so ist der günstigste Moment für seinen göttlichen Beistand dann gekommen, wenn die größte Urteilsreife, die höchste Wissenschaft und Weisheit sowie die Würde sämtlicher Kirchen der Erde in einer Stadt versammelt sind.“ Schließlich sei den Protestanten zufolge die wahre Kirche Christi jahrhundertelang verborgen geblieben, und folglich sei die Kirche ihrem Wesen nach weder sichtbar noch erkennbar. Für die Katholiken hingegen ist die Kirche Christi von Natur aus eine sichtbare, für alle erkennbare Gemeinschaft. Sie ist die Stadt, die droben auf dem Berge liegt, die Welt erleuchten soll und daher gar nicht verborgen bleiben kann (vgl. Mt 5,14). Im letzten Teil seines Buches macht der Jesuit auf zahlreiche Widersprüche bei den Reformatoren aufmerksam. So behaupte Luther durch seine Rechtfertigungslehre allein durch den Glauben, der Christ sei zum einen gerecht vor Gott, zum anderen aber in höchstem Maße verachtungswürdig, da seine Sünden nicht vergeben, sondern lediglich übergangen werden. Calvin mache durch seine Prädestinationslehre Gott für die Verdammnis verantwortlich. Edmund Campions Buch war ein großer Erfolg, wurde in viele Sprachen übersetzt und ist heute noch erhältlich.

Während Persons kurz nach Erscheinen des Buches wieder nach Frankreich zurückkehrte, nahm Edmund die Einladung einer katholischen Familie nach Lyford an. Dort wurde er von einem Verräter denunziert, am 17. Juli 1581 verhaftet und einige Tage später in den Londoner Turm verlegt. Man warf ihm vor, er sei zusammen mit anderen Jesuiten als Agent des Papstes und weiterer fremder Mächte nach England geschickt worden, um die englische Krone zu stürzen. Er wurde zunächst in eine winzige dunkle Zelle gesperrt, in der er weder stehen noch liegen konnte.

Unverbrüchliche Treue

Am 25. Juli wurde Campion von drei Mitgliedern des königlichen Rates verhört und nach dem wahren Grund seiner Englandreise befragt. Er erklärte, seine Motive seien rein religiöser und keineswegs politischer Natur gewesen; er erkenne Königin Elisabeth als legitime Herrscherin des Königreichs an. Nach dem Verhör wurde das Gerücht gestreut, der Gefangene sei im Begriff, dem Katholizismus abzuschwören und Anglikaner zu werden; man biete ihm sogar ein Bistum an. In Wirklichkeit blieb Campion so standhaft, dass er der Folter unterworfen wurde, um in Erfahrung zu bringen, ob er an den Umsturzbestrebungen Spaniens beteiligt war, und um ihn dazu zu bewegen, die Namen der Personen zu verraten, die ihn beherbergt oder seine Dienste als Pfarrer in Anspruch genommen hatten. Durch einen privaten Brief aus der Hand eines Regierungsmitglieds weiß man, dass Campion jede Aussage verweigerte. Dennoch ließ der königliche Rat allenthalben verbreiten, der Gefangene habe Mitstreiter denunziert und Beichtgeheimnisse verraten; Edmunds Ruf litt sehr unter dieser Verleumdung.

Der Welt sollte auch gezeigt werden, dass die Rationes decem der Wahrheit des Evangeliums widersprachen. Viermal hatte der Pater ein Streitgespräch mit anglikanischen Theologen zu bestehen, die versuchten, seine Aussagen zu widerlegen. Der Angeklagte verfügte weder über die Mittel, sich angemessen vorzubereiten (man gestand ihm lediglich eine Bibel zu), noch über die Möglichkeit, seinen Kontrahenten Fragen zu stellen. Zudem war er durch die erlittene Folterung körperlich völlig erschöpft. Einmal war er so geschwächt, dass einer der Beisitzer ihm aus christlicher Nächstenliebe das Wasserglas zum Mund führen musste, weil er nicht einmal mehr den Arm heben konnte. Edmund gelang es trotzdem, alle Fragen zu beantworten und seine Gegner in Verlegenheit zu bringen. Dadurch, dass die Reformatoren die Autorität der Kirche verwarfen, führte er aus, seien sie unfähig geworden, sich über Glaubenswahrheiten zu einigen.

Der heilige Leo der Große sagte: „Wenn der Glaube nicht einer ist, ist er kein Glaube“. Papst Franziskus kommentiert diesen Satz in seiner Enzyklika Lumen fidei so: „Welches ist das Geheimnis dieser Einheit? Der Glaube ist erstens einer wegen der Einheit des erkannten und bekannten Gottes … Der Glaube ist sodann einer, weil er sich an den einen Herrn richtet, an das Leben Jesu … Schließlich ist der Glaube einer, weil er von der ganzen Kirche geteilt wird … Als Dienst an der Einheit des Glaubens und an seiner unversehrten Weitergabe hat der Herr der Kirche die Gabe der apostolischen Sukzession geschenkt. Durch sie wird die Kontinuität des Gedächtnisses der Kirche gewährleistet und ist es möglich, sicher aus der reinen Quelle zu schöpfen, aus der der Glaube kommt“ (Nr. 47 und 49).

Der Beistand des Heiligen Geistes

Zeugen bekräftigten später, dass angesichts der körperlichen Schwäche Campions seine klaren Antworten bereits an sich einen greifbaren Beweis für den Beistand des Heiligen Geistes geliefert hätten. Viele der anwesenden Katholiken merkten, dass die Gerüchte, die den Ruf des Paters beschmutzen sollten, falsch waren.

Die religiöse Motivation für die Verurteilung Edmunds und seiner Gefährten trat schon in seiner eigenen Aussage unmissverständlich zutage: „Man bot uns an, uns freizulassen, wenn wir in die anglikanische Kirche gingen, um dort die Predigten und die Verkündigung des Wortes zu hören.“ Wäre jedoch ein öffentlich bekannter Mann wegen seiner religiösen Überzeugungen zum Tode verurteilt worden, so hätte das ganz Europa schockiert. So versuchte man ihn zu einer Aussage zu drängen, die die Legitimität von Königin Elisabeth infrage stellte und eine Beteiligung an politischen Umtrieben gegen das Königreich zugab. Zudem wurde ein gefälschtes Dokument vorgelegt, das beweisen sollte, dass Campion zusammen mit anderen Katholiken ein Mordkomplott gegen Königin Elisabeth geschmiedet habe.

Am 20. November, dem Fest des heiligen Königs und Märtyrers Edmund, wurden Pater Campion und seine Mitbrüder nach einer nur einstündigen Beratung der Geschworenen zum Tode verurteilt. Am 1. Dezember wurden die Jesuitenpatres Edmund Campion, Ralph Sherwin und Alexander Briant vom Londoner Turm zum Richtplatz geführt. Edmund grüßte das Volk: „Gott möge euch alle retten! Gott möge euch segnen und gute Katholiken aus euch machen!“ Dann kniete er nach Osten gewandt nieder und betete mit den Worten Jesu auf dem Kalvarienberg: In manus tuas, Domine, commendo spiritum meum (In deine Hände, Herr, befehle ich meinen Geist). Anschließend sprach er das Credo und das Vaterunser. Man forderte ihn auf, die Königin um Vergebung zu bitten. „Womit soll ich sie beleidigt haben? Ich bin unschuldig. Ich habe für sie gebetet und tue das nach wie vor.“ Seine letzten Worte waren: „Ich sterbe als wahrer Katholik.“

Von den Päpsten Leo XIII. und Pius XI. wurden 199 englische und walisische Märtyrer seliggesprochen; 40 dieser Blutzeugen sprach Paul VI. im Jahre 1970 heilig; ihr Fest wird jedes Jahr gemeinsam am 25. Oktober begangen. Unter diesen Heiligen sticht Edmund Campion durch seine Intelligenz, seine Güte, seine Tatkraft und seine Sanftmut hervor. Er war nicht nur ein besonders begabter Mann, sondern auch ein großer Heiliger, der auf eine glanzvolle weltliche Karriere verzichtete, um zusammen mit Christus zu leiden. Er hatte sich die Demut des heiligen Ignatius von Loyola zu eigen gemacht, für den der Gipfel der Demut sowie der Einheit mit Gott dann erreicht ist, wenn man „mit dem schmacherfüllten Christus Schmach als Ehrenerweise (erwähle) und darnach verlange, als ein Tor und Narr angesehen zu werden um Christi willen, der zuerst als ein solcher angesehen wurde, denn für weise und klug in dieser Welt“ (Geistliche Übungen, Nr. 167).

Möge dieser heilige Märtyrer uns die Gnade eines beharrlichen Wahrheitsstrebens erwirken, damit auch wir die Wahrheit bezeugen und so der Welt die Liebe Christi bekunden können.

Dom Antoine Marie osb

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