Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


[Cette lettre en français]
[This letter in English]
[Deze brief in het Nederlands]
[Esta carta en español]
[Aquesta carta en català]
[Questa lettera in italiano]
28. August 2013
Hl. Augustinus


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Kurz vor seiner von einem Revolutionsgericht verfügten Hinrichtung  im Spätsommer 1936 sagte der selige Josep Samsó: „Uns Christen  genügt es, uns auf die Lehre des Herrn zu besinnen: Liebet eure Feinde, vergeltet das Böse mit Gutem ... Vielleicht wird sich das soziale Problem auf diese Weise lösen.“ Einen Tag nach seiner Seligsprechung wurde der Märtyrer am 24. Januar 2010 von Papst Benedikt XVI. allen Priestern und insbesondere allen Gemeindepfarrern als „Vorbild der Hingabe an die Katechese“ präsentiert.

Josep (Josef) Samsó wurde am 17. Januar 1887 in der spanischen Stadt Castellbisbal (Barcelona) geboren und am 22. Januar getauft. Wie es damals üblich war, empfing er bereits am 20. Oktober des folgenden Jahres das Sakrament der Firmung. Er war Sohn des Apothekers Jaume Samsó und seiner Frau Josefa Elías und bekam 1888 noch eine kleine Schwester hinzu. Der Vater starb viel zu früh am 12. November 1894. Die mittellos zurückgebliebene Witwe bat ihre Schwester um Hilfe, die in der Nachbarstadt wohnte und selbst keine Kinder besaß: Sie und ihr Mann unterstützten die kleinen Waisen. Josef wurde bei den Maristenbrüdern eingeschult, seine Schwester bei den Theresianerinnen. Schon bald betätigte sich der Junge leidenschaftlich gern als Messdiener und wollte selbst Priester werden. Er war ein sehr begabter Schüler, vor allem in Mathematik. 1900 zog die Familie nach Barcelona, und Josef kam als externer Schüler auf die bischöfliche Schule. Frau Samsó und ihre Tochter arbeiteten als Näherinnen, um das Schulgeld aufzubringen. Eines Tages bekam der Junge heftige Schmerzen in der Brust. Der Arzt verschrieb ihm ein Medikament und meinte, wenn es wirkungslos bleibe, müsse das Kind bald sterben. Die Mutter lief zu Tode erschrocken in eine Kirche in Barcelona und warf sich vor dem dort verehrten Bildnis Unserer Lieben Frau vom Heiligsten Herzen zu Boden. Einen Monat danach war Josef wieder völlig gesund.

Was müssen wir am Sonntag tun?

Um zur Entlastung seiner Mutter ein bisschen Geld zu verdienen, gab Josef Nachhilfestunden am Priesterseminar. Mitunter wurde er sogar als Vertretungslehrer eingesetzt. Am 25. Juni 1909 machte er seinen Abschluss in Theologie und durfte nunmehr den Doktortitel führen. Von da an nannte man ihn nur noch „Doctor Samsó“. Der Bischof von Barcelona berief ihn zu seinem Privatsekretär. Noch im selben Jahr wurde er zum Diakon und am 12. März 1910 zum Priester geweiht. Seine erste Messe feierte er in der schlichten Pfarrei des Arbeiterzentrums von Barcelona am 19. März, dem Fest des heiligen Josef. In der Überzeugung, dass Josef zum Seelsorger berufen war, intervenierte sein Beichtvater beim Bischof, er möge ihn von seinem Amt als Sekretär entbinden. Bald darauf wurde Doktor Samsó zum Vikar in Sant Julià d’Argentona, einer nahegelegenen Kleinstadt, ernannt. Sein Vorgesetzter war ein guter Pfarrer, der jedoch unter der Last seines hohen Alters litt. Josef nahm sogleich die etwas vernachlässigte Gemeindekatechese in die Hand. Er war ein so begabter Lehrer, dass sich sogar die Erwachsenen für seine Stunden interessierten. Mitunter formulierte er seine Fragen ein bisschen provozierend: „Was müssen wir am Sonntag tun?“ – „Zur Messe gehen.“ – „Sehr gut. Aber man kann doch auch arbeiten, nicht?“ – „Nein, Herr Pfarrer.“ – „Warum nicht?“ – „Weil Gott es verbietet“, erwiderten die Kinder stolz.

Die Pflicht zur Sonntagsruhe beruht auf dem dritten Gebot: Halte den Tag des Sabbats! Heilig sollst du ihn halten (Dtn 5,12). ... am siebten Tage aber soll ein dem Herrn heiliger, feierlicher Tag der Ruhe sein (Ex 31,15). Die Kirche erklärt uns dieses Gebot im Kompendium zum Katechismus der Katholischen Kirche damit, dass man „am Sabbat der Ruhe Gottes am siebten Schöpfungstag gedenkt, wie auch der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens und des Bundes, den der Herr mit seinem Volk geschlossen hat“. Auf die Frage „Warum wurde der Sabbat für die Christen durch den Sonntag ersetzt?“ antwortet das Kompendium: „Weil der Sonntag der Tag der Auferstehung Christi ist. Als ‚erster Tag der Woche’ (Mk 16,2) erinnert er an die erste Schöpfung; als ‚achter Tag’, der auf den Sabbat folgt, verweist er auf die mit der Auferstehung Christi angebrochene neue Schöpfung. So ist der Sonntag für die Christen zum ersten aller Tage und aller Feste geworden: zum Tag des Herrn, an dem Christus durch sein Pascha den geistlichen Sinn des jüdischen Sabbat zur Vollendung führt und die ewige Ruhe des Menschen in Gott ankündigt.“

„Die Christen heiligen den Sonntag und die anderen gebotenen Feiertage, indem sie an der Eucharistie des Herrn teilnehmen und sich jener Tätigkeiten enthalten, die die Gottesverehrung behindern oder die dem Herrentag eigene Freude und die notwendige geistige und körperliche Erholung stören. Gestattet sind Tätigkeiten, die mit familiären Verpflichtungen oder wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben zusammen-hängen – unter der Voraussetzung, dass sie nicht zu Gewohnheiten führen, die für die Sonntagsheiligung, für das Familienleben und für die Gesundheit nachteilig sind.“ Der Sonntag muss als gesetzlicher Feiertag anerkannt werden, damit „alle Menschen tatsächlich die Möglichkeit haben, über ausreichende Ruhe und Muße zu verfügen und so das religiöse, familiäre, kulturelle und gesellschaftliche Leben pflegen zu können; für Betrachtung, Besinnung, Stille und Bildung in angemessener Weise Zeit zu finden; und sich guten Werken, vor allem dem Dienst an kranken und alten Menschen, widmen zu können“ (vgl. Kompendium, 450-454; Katechismus der Katholischen Kirche, 2189).

Wie viele brauchen Sie?

In Abbé Samsós Gemeinde lebte ein erklärter Kirchenfeind, dessen Frau heimlich die Messe besuchte, um Konflikte zu vermeiden. Als der Mann von Freunden hörte, wie sympathisch der neue Vikar sei und wie wunderbar er unterrichte, erlaubte er seiner Frau, die Kinder zum Katechismusunterricht zu bringen. Die Frau meinte, dann müsse er ihr auch erlauben, in aller Freiheit zur Messe zu gehen. Der Mann war einverstanden. Als sie das dem Pfarrer erzählte, schlug dieser ihr vor, drei „Ave Maria“ für die Bekehrung ihres Gatten zu beten. Bald danach kündigten der Pfarrer und sein Vikar ignatianischen Übungen an, die aber nur stattfinden konnten, wenn sich genügend Exerzitanden fanden; zunächst gab es nur sechs Anmeldungen. Als unser Mann von dem Projekt hörte, sagte er zu seiner Frau: „Wenn er mich einlüde, würde ich mich anmelden.“ Bald darauf begegnete er dem Vikar und fragte ihn, wie viele Leute sich angemeldet hätten. Dieser gestand betreten, es seien leider nur wenige. „Wie viele brauchen Sie insgesamt?“ – „Etwa dreißig“, erwiderte der Vikar. „Machen Sie sich keine Sorgen, ich bringe Ihnen den Rest.“ Als die Exerzitien begannen, hatten sich 32 Teilnehmer gefunden.

Damals warb der von den Übungen des heiligen Ignatius begeisterte junge spanische Jesuit Francisco de Paola Vallet intensiv für die Durchführung einer Exerzitienkampagne in Katalonien. Er wollte die Übungen auch sozial engagierten Laien nahebringen; zu diesem Zweck entwarf er einen auf fünf Tage angelegten Exerzitienplan, der gelegentlich auch heute noch Verwendung findet, und stellte nach seiner Priesterweihe seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Evangelisierung. Zwischen 1923 und 1926 nahmen über 8500 Männer an seinen ignatianischen Exerzitien teil, die bald zahlreiche spirituelle Früchte trugen: Bekehrungen, Versöhnungen, Berufungen, soziale Initiativen, Erneuerung von Pfarreien ... .

Die Geistlichen Übungen des heiligen Ignatius stellen „einen Weg und eine besonders wertvolle Methode dar, damit wir in uns und in allen Dingen Gott suchen und finden“, erklärte Papst Benedikt XVI. am 21. Februar 2008. Der heilige Robert Bellarmin, ein Jesuit des 16. Jahrhunderts, habe auf der Grundlage dieser Übungen einmal geschrieben: „Wenn Du weise bist, verstehst du, dass du zur Ehre Gottes und für dein ewiges Heil geschaffen bist. Das ist Dein Ziel, das ist das Zentrum deiner Seele, das ist der Schatz deines Herzens. Daher schätze das als wahrlich gut für dich, was dich zu deinem Ziel führt, und das als wahrlich schlecht, was dich hindert, es zu erreichen. Glückliche oder widrige Ereignisse, Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit, Ehre und Schmach – der Weise soll sie weder um ihrer selbst willen suchen, noch vor ihnen fliehen. Sie sind nur gut und wünschenswert, wenn sie zur Ehre Gottes und zu deinem ewigen Glück beitragen, sie sind schlecht und zu meiden, wenn sie dies behindern“ (Der Aufstieg des Geistes zu Gott). Papst Bene–dikt XVI. sagte dazu: „Natürlich sind dies keine Worte, die aus der Mode gekommen sind, sondern Worte, über die wir heute lange nachdenken sollten, um unserem Weg auf Erden Orientierung zu geben“ (Audienz vom 23. Februar 2011).

„Gott vor allem“

Kurz nach seiner Ernennung schrieb der neue Bischof von Barcelona – wie das damals üblich war – die Pfarrstelle der kleinen Landgemeinde von San Joan de Mediona öffentlich aus; unter den Bewerbern ging Abbé Samsó als Sieger hervor. Er trat seine neue Stelle am 11. Januar 1917 an. Der Empfang durch die Mitglieder der Pfarrei fiel eisig aus, denn sie fühlten sich dem Pfarrer, der die Pfarrstelle während der Vakanz provisorisch versehen hatte, eng verbunden. Bald darauf starb ein elfjähriger Junge in der Gemeinde, und die Familie äußerte den Wunsch, ihn in einem weißen Sarg zu beerdigen. Der junge Pfarrer erinnerte daran, dass weiße Särge den liturgischen Vorschriften zufolge Kleinkindern vorbehalten waren. Zum großen Unmut aller weigerte er sich, vom liturgischen Brauch abzuweichen. Nach der Trauerfeier wurde er von einigen erregten Teilnehmern sogar mit Steinwürfen bedroht ... Mit der Zeit konnte er jedoch dank seiner vielen inbrünstigen Gebete das Vertrauen der Pfarrkinder gewinnen. In schwierigen Momenten pflegte er immer zu sagen: „Gott vor allem.“ Ein Mitglied der Gemeinde bezeugte später: „Als er bei uns ankam, mochte ihn niemand, denn wir kannten ihn nicht. Als er uns verließ, weinten wir alle, denn wir kannten ihn!“

Im August 1919 starb der Pfarrer der Küstenstadt Mataró und hinterließ eine riesige Pfarrgemeinde, die in zwei gegnerische politische Lager gespalten war. Der Erzbischof von Barcelona wollte Abbé Samsó als Administrator dorthin entsenden: Der 32-jährige Priester schien ihm der richtige Mann zu sein, um die Pfarrei zu befrieden. Dr. Samsó bat um Bedenkzeit. Sein Beichtvater riet ihm zu: „Mein Kind, du hast dich nicht danach gedrängt. Gott legt dir das durch deinen Vorgesetzten vor. Nimm das Amt mit Demut an und hab Vertrauen, stets in dem Wissen, dass du es nicht vollbringen kannst, nur Gott wird es vollbringen.“

Ein eigentümliches Lächeln

Doktor Samsó, hochgewachsen und eine stattliche Erscheinung, trug seine Haare immer ganz kurzgeschoren. Er trat stets ernsthaft und etwas martialisch auf, mit einem Hauch von Strenge, die er durch ein eigentümliches Lächeln zu entschärfen suchte. Seiner Familie gegenüber verhielt er sich überaus liebevoll. Ansonsten stellte er hohe Ansprüche an sich selbst und auch an andere. „Wenn Abbé Samsó nicht als Märtyrer gestorben wäre, wäre man nie auf die Idee gekommen, ihn seligzusprechen“, sagte manch einer im Nachhinein. Der Geistliche wusste sich allerdings auch beliebt zu machen und konnte vergeben; die Werke des heiligen Franz von Sales, mit denen er sich intensiv beschäftigte, halfen ihm, seine natürliche Strenge spürbar abzu–mildern. „In der Pfarrei Sankt-Marien von Mataró haben wir Vikare trotz der dort herrschenden Disziplin, unter der wir mitunter auch litten, enorm viel gelernt, denn Doktor Samsó war ein Weiser und Heiliger“, sagte einer seiner Untergebenen später, der selbst zu den undiszipliniertesten Mitgliedern der Gruppe gehört und seinem jungen Vorgesetzten viel Geduld abverlangt hatte. Als dieser ihn eines Tages an die erforderliche Pünktlichkeit mahnte, erwiderte er: „Schauen Sie, Dr. Samsó, Sie wissen, dass ich aus einem Dorf komme, in dem mich jedermann kennt; in allen Pfarreien, in denen ich tätig war, ertrug man mich einen Monat lang, im zweiten Monat verachtete man mich, und im dritten Monat jagte man mich davon. Pünktlichkeit liegt mir eben nicht!“

Dr. Samsó wollte ein Pfarrer für alle sein. Als erstes sorgte er in Mataró dafür, dass benachteiligte Familien in die Liturgie mit eingebunden wurden. Bei ihm durften z.B. auch Arbeiter den Tragehimmel bei der Fronleich–nam–sprozession tragen. Große Empörung erntete er mit seiner Bitte, die Aufmachung der Kinder zur Erstkom-munion schlichter zu halten. Auf der anderen Seite legte er großen Wert auf eine solide katechetische Vorbereitung für alle: Sie sei unerlässlich für die Herzensbildung. „Kinder“, sagte er, „macht euch niemals dadurch schuldig, dass ihr den Leib Christi unwürdig empfangt. Reinigt euer Gewissen selbst von lässlichen Sünden und Disziplinverstößen. Wenn ihr das tut, wird eure Kommunion reiche Früchte tragen.“ Er führte die Kinder zur Jungfrau Maria hin: „Schaut auf die Unbefleckte Mutter, schaut auf ihren Mantel und denkt an den Himmel, sehnt euch nach dem Himmel! Wappnet euch mit den Flügeln der Reinheit; je reiner diese Flügel sind, desto näher werdet ihr dem Himmel sein.“

„Der Herr richtet an uns eine eindringliche Einladung, ihn im Sakrament der Eucharistie zu empfangen“, sagt der Katechismus der Katholischen Kirche. „Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch (Joh 6,53). Um dieser Einladung zu entsprechen, müssen wir uns auf diesen so hohen, so heiligen Moment vorbereiten ... Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt ... Um sich auf den Empfang dieses Sakramentes richtig vorzubereiten, werden die Gläubigen das in ihrer Kirche vorgeschriebene Fasten beobachten (Vgl. CIC, can. 919: Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten). In der Haltung (Gesten, Kleidung) werden sich die Ehrfurcht, die Feierlichkeit und die Freude äußern, die diesem Moment entsprechen, in dem Christus unser Gast wird“ (Katechismus 1384, 1385, 1387).

Alle sind berufen

Der Bischof von Segovia bezeugte später, dass Pfarrer Samsó in Mataró den besten Katechismus-unterricht Spaniens auf die Beine gestellt hatte: Die Kate-chismusstunden betrachtete er als Talentschmiede für die Pfarrei und für das Seminar. Seine Schüler sollten künftig selbst Katecheten werden: „Wir dürfen uns nicht mit unserer geringen persönlichen Eignung zum Katecheten entschuldigen, denn wir alle sind als Eltern, Ordensleute, Priester und Laien zur Evangelisierung der Seelen berufen.“ Da Abbé Samsó die Probleme erkannte, die sich – vor allem bei Heranwachsenden – aus der gemeinsamen Unterrichtung sowie den gemeinsamen Freizeitaktivitäten von Mädchen und Jungen ergeben konnten, riet er eher davon ab.

Indessen kam überall im Land eine antireligiöse Stimmung auf, die von einflussreichen Revolutions–gruppen angeheizt wurde. Am 6. Oktober 1934 drangen Bewaffnete in die Basilika von Mataró ein. Sie bedrohten Abbé Samsó, der sich mit einem Amtsbruder sowie zwei Laien dort aufhielt, mit dem Tod und forderten die Gruppe mit gezückten Pistolen auf, die Kirche auf der Stelle in Brand zu setzen. Der Pfarrer und seine Freunde weigerten sich ungerührt und wollten lieber sterben. Die Angreifer wagten nicht zu schießen; sie legten selbst Feuer und liefen fort. Die herbeigerufenen Nachbarn konnten den Brand löschen, doch der Pfarrer sagte ahnungsvoll: „Was auch immer geschieht, wir wollen uns ganz in die Hände Gottes begeben. Ich für meinen Teil bereite mich jeden Tag im Gebet auf den Märtyrertod vor ... Wir müssen zugeben, dass viele Sünden begangen werden, und diese Makel müssen mit unschuldigem Blut getilgt werden, das sich edelmütig mit dem Opfer des makellosen Lammes verbindet.“

In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1936 wurden die Bewohner des Pfarrhauses von lauten Schlägen gegen die Tür geweckt: Es sollte eine Hausdurchsuchung stattfinden, da die Geistlichen verdächtigt wurden, Waffen zu verstecken. Katholiken standen generell im Verdacht, einen Umsturz herbeiführen zu wollen. Pfarrer Samsó setzte sich auf eine Bank und unterhielt sich freundlich mit den Polizisten: „Sie können suchen, solange sie wollen, ich war immer entschlossen, die Kirche mit allen Mitteln zu verteidigen, außer mit Waffengewalt. Jesus, mein göttlicher Meister, hat zur Verteidigung seiner Kirche niemanden getötet, sondern sein Leben geopfert.“ – „Ach, wenn nur alle Priester wie Sie wären!“, erwiderte ein Gendarm. – „Sie kennen uns nicht wirklich“, antwortete Josef Samsó. „Deswegen machen Sie sich völlig falsche Vorstellungen.“

„Ich bin der Gesuchte!“

Bald konnte die republikanische Regierung die extremistischen Elemente nicht aufhalten. Durch marxistische und anarchistische Ideologien aufgewiegelte Arbeitermilizen bemächtigten sich der Rathäuser und der Straße. Für sie war die Kirche der Feind, den es zu erlegen galt. Angesichts der Gefahr suchte Abbé Samsó bei Freunden Unterschlupf. Am 30. Juli 1936 verließ er jedoch als Geschäftsmann verkleidet seine Beschützer, um sie nicht zu gefährden. Mit falschem Bart, gefärbten Haaren, schwarzer Brille, einer Zigarette im Mund sowie einer Aktentasche unter dem Arm eilte er zum Bahnhof. Dort fragte er eine Frau nach der Abfahrt des Zuges. Die Frau erkannte den Priester an der Stimme wieder und verständigte die Milizionäre. Als Josef Samsó von diesen überprüft wurde, gab er unumwunden zu: „Ich bin der Gesuchte!“ Er wurde ins Rathaus geführt, um dort vom „antifaschistischen“ Komitee abgeurteilt zu werden, und man sperrte ihn mit 10 weiteren Personen – bald waren es 35 – in einen Raum. Er begann sogleich seinen Tagesablauf zu planen: Besinnung, Brevier, Rosenkranz-gebet mit den anderen Festgenommenen. Er nahm seinen Mitgefangenen die Beichte ab und sprach ihnen Mut zu: „Haben Sie keine Angst, ich bin für das Opfer ausersehen; Gott sei gelobt!“ Einer seiner Gefährten sagte später: „Jeden Morgen, wenn die Zelle gefegt werden sollte, mussten wir ihm den Besen mit Gewalt entwinden. Sein Gefängnisaufenthalt war für uns wie eine Missionspredigt.“ Am 15. August 1936 empfing er zum ersten Mal die heilige Kommunion im Gefängnis: Sie wurde ihm von einer befreundeten Familie mitgebracht. Am 29. August kam ein zweiter Priester hinzu, ein Kollege, mit dem Josef Samsó früher einmal Meinungsverschiedenheiten hatte. Nun empfing er seinen Mitbruder mit offenen Armen; um ihre Versöhnung zu besiegeln, spendeten die beiden Priester einander das Sakrament der Buße. Pfarrer Samsó starb wie ein Heiliger, so wie er gelebt hatte“, sagte dieser Mitbruder, der selbst dem Tode entkam.

Am 1. September 1936 wurde Josef Samsó zur Hinrichtung abgeholt. Während der Fahrt unterhielt er sich freundlich mit seinen Henkern. Einer von ihnen erklärte ihm: „Wir führen Befehle aus, ansonsten liegt es uns fern, Sie umbringen zu wollen.“ – „Tun Sie, was man Ihnen befohlen hat“, erwiderte der Pfarrer. An der Richtstätte angekommen, vergab er seinen Henkern mit so viel Herzlichkeit, dass diese ganz außer Fassung gerieten. Er ging sogar auf sie zu, um sie zu umarmen. Einer der drei wich der Umarmung aus, und er war dann der Einzige, der auf den Priester schoss. Er sagte im Nachhinein: „Wenn ich ihn berührt hätte, hätte ich nicht schießen können.“ Als einer der Revolutions-führer, der Abbé Samsó gut gekannt hatte, von dessen Hinrichtung erfuhr, rief er: „Diebe! Mörder! Ihr habt ihn mir gestohlen, er stand unter meinem Schutz! So wird unsere Sache nicht siegen.“

Josef Samsó wurde am 23. Januar 2010 in Mataró in der Sankt-Marien-Basilika, wo er als Erzpriester gewirkt hatte, seliggesprochen. Bitten wir ihn, er möge seinen Eifer für die Weitergabe des Glaubens durch die Katechese mit uns teilen. Er möge uns helfen, Christus hier und heute zu bezeugen!

Dom Antoine Marie osb

Die Veröffentlichung des Rundbriefes der Abtei St.-Joseph de Clairval in einer Zeitschrift, oder das Einsetzen desselben auf einem ,,web site" oder einer ,,home page" sind genehmigungspflichtig. Bitte wenden Sie sich dafür an uns per E-Mail oder durch http://www.clairval.com.

Index der Briefe  - Home Page

Webmaster © 1996-2017 Traditions Monastiques