Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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19. Juni 2013
Hl. Romuald


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Auf seiner Frankreichreise im Jahre 1986 besuchte der selige Johannes-Paul II. Paray-le-Monial und überreichte dort ein Schreiben an die  Gesellschaft Jesu, in dem stand: „Beim Herzen Christi lernt das Herz des Menschen, den wahren und einzigartigen Sinn seines Lebens und seiner Bestimmung zu erkennen, den Wert eines wahrhaft christlichen Lebens zu begreifen, sich vor gewissen Entartungen des menschlichen Herzens zu schützen und die Liebe eines Kindes zu Gott mit der Liebe zum Nächsten zu vereinen. So wird auf den durch Hass und Gewalt aufgetürmten Ruinen – und das ist die wahre Wiedergutmachung, die das Herz des Heilands erbittet – die so herbeigesehnte Kultur der Liebe errichtet werden können, die Herrschaft des Herzens Christi“ (5. Oktober 1986). Diese Worte lassen uns die Bedeutung der Ehrenwache des Herzens Jesu besser ermessen, die aus einer Eingebung von Schwester Marie du Sacré-Cœur Bernaud, einer Nonne aus dem Orden der Heimsuchung Mariens in Bourg-en-Bresse (bei Lyon in Frankreich), am 13. März 1863 hervorgegangen ist und das Ziel verfolgt, dem Heiligsten Herzen Christi Gesellschaft zu leisten, es zu ehren und zu trösten.

Anne-Marie Constance Bernaud wurde als Tochter einer kinderreichen, tiefgläubigen Kaufmannsfamilie am 28. Oktober 1825 in Besançon geboren und an Allerheiligen getauft; sie sagte später, sie habe wohl „die Unterstützung der ganzen himmlischen Schar“ nötig gehabt. Schon als Kind wurde Constance mehrfach dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht, und zwar von einer Tante, die eine glühende Anhängerin der damals noch kaum verbreiteten Herz-Jesu-Verehrung war. Da Constance im Alter von vier Jahren eine Augenkrankheit bekam, unter der sie mehrere Jahre lang litt, konnte sie nicht so gut mit ihren Geschwistern spielen und entwickelte ein umso reicheres Innenleben. Sie verlor sich oft ganz in Gedanken und Gebeten und liebte die Einsamkeit. Gleichwohl hatte sie ein schelmisches, sonniges Gemüt, das sie übrigens ihr ganzes Leben lang behielt. Das kleine Mädchen war so einfühlsam, dass es sein Pausenbrot ohne zu zögern den Armen auf ihrem Weg schenkte. Als Constance mit fünf Jahren vom Tod einer Tante erfuhr, die bei den Töchtern der Liebe in Besançon Nonne gewesen war, verkündete sie: „Ich werde auch Nonne!“

Lass uns niederknien!

Schon bei der Vorbereitung auf ihre Erstkommunion,  die sie zusammen mit ihrem Bruder Édouard absolvierte, bewies Constance eine gründliche Kenntnis in Glaubensdingen. Beide Kinder wollten beim Beichten überaus gewissenhaft vorgehen und nichts vergessen: weder eine Verfehlung, noch, wie oft sie sie begangen haben. Am 20. April 1836 empfingen sie in der Kirche Notre-Dame zum ersten Mal voller Inbrunst den Leib Christi. Am selben Abend sagte Constance zu Édouard: „Lass uns niederknien und Gott um die Gnade bitten, dass wir nie eine schlechte Kommunion haben!“

Constance kam auf ein Pensionat in Besançon und wurde eine ausgezeichnete Schülerin. Ihren Abschluss machte sie im Kloster der Schwestern vom Kinde Jesu in Langres. Unbemerkt von allen intensivierte sie ihre Gebete und dehnte sie zeitlich aus; sie begann jeden Morgen mit dem Kreuzweg und betete im Tageslauf mit Hilfe einer Gebetskette viele Gegrüßet seist du, Maria. Ein Heftchen mit dem Titel „Der Monat des Heiligsten Herzens“ machte sie mit der Herz-Jesu-Verehrung vertraut. „Man wird nie erfahren, wie viel Gutes mir dieses Büchlein gebracht hat“, sagte sie später. „Sobald ich mit den Übungen des Monats fertig war, fing ich wieder von vorne an.“ Am meisten freute sie sich, wenn sie Jesus kleine Opfer darbringen konnte, ohne dass es jemand merkte. Die ersten drei Tage nach der sonntäglichen Kommunion widmete sie der Danksagung, die nächsten drei der Vorbereitung auf den nächsten Empfang Jesu in der Eucharistie. Nach ihrer Rückkehr nach Besançon im September 1840 nahm sie gleichwohl gern an großen Abendgesellschaften teil, trug durch ihre hübsche Stimme und ihre Fröhlichkeit zur Unterhaltung bei und genoss die Aufmerksamkeit, die sie erregte. Doch die Sehnsucht nach dem geweihten Leben blieb untergründig weiter in ihr präsent; als sie erneut den Ruf des Herrn vernahm, legte sie eine umfassende Beichte ab und vertraute einem Priester ihren Wunsch an, ins Kloster zu gehen. Angesichts ihres jugendlichen Alters riet dieser allerdings vorerst noch zum Abwarten.

Am 14. Oktober 1841 wurde Constance kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag mit einem achtundzwanzigjährigen Kaufmann namens Thieulin verheiratet. Sie hatte aus Respekt vor ihren Eltern der von ihnen arrangierten Heirat zugestimmt. Ihr Mann beneidete sie um ihre starke Persönlichkeit und machte sie nicht glücklich. Sie flüchtete ins Schweigen und Beten. Durch ihre Beharrlichkeit und ihr gutes Vorbild erreichte sie immerhin, dass er sich bekehrte und zum regelmäßigen Kirchgänger wurde. Am 26. Juli 1846, kurz vor Constances zwanzigstem Geburtstag, verstarb er plötzlich und ließ sie als kinderlose Witwe zurück. Einer ihrer Brüder mit Wohnsitz in Paris nahm sie zu sich. Sie berauschte sich erneut an ihren Erfolgen in der Welt, hielt jedoch dabei getreu an ihrem religiösen Leben fest. Im Februar 1848 brach die Revolution in Paris aus. Als Constance auf der Straße in eine Schießerei geriet und sich nur mit knapper Not retten konnte, kehrte sie umgehend nach Besançon zurück.

Die Visitandin

Constance wurde von einer Cousine, die ihre  Sehnsucht nach dem Ordensleben kannte, nach Belley eingeladen und Mutter Marie-Aimée Morel, der Oberin des Klosters von der Heimsuchung Mariens in Bourg-en-Bresse, vorgestellt, die ihr den Vorschlag machte, an den Vorbe–reitungsexerzitien zum Fest des Heiligsten Herzens (15. Juni 1849) teilzunehmen. Constance reagierte zunächst begeistert, doch nach den Exerzitien zögerte sie: Sollte sie sich nicht doch lieber den Schwestern vom Kinde Jesu anschließen, die sie seit ihrer Jugend kannte? Sie vertraute sich dem Bischof von Belley, Mgr. Devie, an: Er riet ihr zum Eintritt in das Heimsuchungskloster. Doch auch nach ihrer Aufnahme in den Orden am 28. Juli 1849 kam Constance innerlich nicht zur Ruhe und litt trotz allen Gottvertrauens darunter. Am 25. November wurde sie eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Schwester Marie du Sacré-Cœur. Am ersten Freitag im April 1851 legte sie ihre Ordensprofess ab. Sie schrieb: „Ich spürte deutlich, dass mein Bräutigam an diesem Tag wollte, ich solle ein Liebesopfer (d.h. ein ganz in der Liebe zu ihm aufgehendes Opfer) sein, um sein göttliches Herz zu entschädigen.“

Trotz ihrer anfälligen Gesundheit führte Schwester Marie du Sacré-Cœur rund zwölf Jahre lang das schlichte Leben einer Visitandin und erfüllte gut gelaunt alle Aufgaben, die man ihr übertrug. Aufgrund ihres lebendigen Verstandes und ihrer musikalischen Begabung wurde sie zunächst als Lehrerin im Internat des Klosters eingesetzt. Die Schülerinnen waren von ihrem Wesen angetan und nannten sie „Schwester der reinen Liebe“. Doch diese Aufgabe erwies sich als zu anstrengend für sie, und so wurde sie Sekretärin, zuständig für die Korrespondenz des Klosters. „Was muss es gut sein zu sterben, wenn man den Bräutigam, der uns alle richten wird, immer beständig und innig geliebt und ihm ebenso gedient hat“, notierte sie. „In allem meinem himmlischen Gemahl gefallen wollen, nichts begehren, außer seinen göttlichen Anblick, seine Liebe; genau das verlangt Jesus von mir für den Lauf meines Ordenslebens, ich fühle es, denn er wird mir ein sehr eifersüchtiger Gemahl sein. O mein Gott, wie solltest du mir nicht genügen?... Jesus allein in unseren Mitschwestern, Jesus allein in meinen Exerzitien, Jesus allein in meinen Beschäftigungen, in meinen Ruhepausen, in den Kindern; ich will mich bemühen, meinem Gemahl nicht nur zu gefallen, sondern sein göttliches Herz, dem ich nach seinem Willen eine treue Geliebte sein soll, auch in allen Dingen zu erfreuen.“

Eine rätselhafte Scheibe

In diese Zeit fielen die Vorbereitungen zur  Seligsprechung Margareta Maria Alacoques, der zweihundert Jahre zuvor im Kloster von Paray-le-Monial das Heiligste Herz Jesu mehrfach erschienen war. Das Ereignis rührte Schwester Marie du Sacré-Cœur zutiefst, wollte sie doch mit der ganzen Kraft ihres Glaubens auf die Klage des Erlösers antworten: „Sieh hier das Herz, das die Menschen so sehr liebt, dass es nichts gespart hat, um sich zu opfern und zu erschöpfen in Liebesbeweisen; und als Dank empfange ich von den meisten Menschen nur Kälte, Unehrerbietigkeit, Verachtung ...“ Am 7. Juni 1862 weihte sich der Konvent von Bourg-en-Bresse feierlich dem Herzen Jesu. Zum Jahresende unterzeichneten eine ganze Reihe von Schwestern ein Dokument der Hingabe an das Herz Jesu und stellten das Jahr 1863 unter das Zeichen des Heiligsten Herzens. Einige Wochen danach erblickte Schwester Marie du Sacré-Cœur eine Scheibe mit einer Stundenuhr vor ihrem geistigen Auge. Sie zeichnete ein Bild davon und schrieb zunächst die Worte „Ehre, Liebe, Wiedergut-ma-chung“ um das Zifferblatt, die sie dann durch die Angabe „Ehrenwache des Heiligsten Herzens Jesu“ ergänzte. Ins Zentrum der Scheibe setzte sie das Bildnis des Heiligsten Herzens. Am 13. März 1863, dem Fest der Fünf Wunden Jesu, trug sie diese erste Stundenuhr der Ehrenwache zu ihrer Oberin; diese segnete die Scheibe und erklärte sich damit einverstanden, dass die Namen aller Schwestern des Konvents darauf vermerkt wurden.

Alle, die sich dem so begonnenen Werk der Wiedergutmachung anschließen möchten, können eine Stunde pro Tag für die „Ehrenwache“ reservieren; ihre Namen werden auf dem Zifferblatt einer oben beschriebenen Stundenuhr zur gewählten Stunde eingetragen. In dieser Wachestunde müssen sie nichts an ihrer Beschäftigung ändern; sie sollen sich aber gedanklich dem Kreuzopfer Christi anschließen, indem sie ihre jeweilige Tätigkeit Jesus darbringen: in der Schule, bei der Arbeit, ob sie lesen, kochen, einkaufen, reisen, studieren, jemandem helfen, beten ... Sie sollen sich bemühen, etwas mehr an Jesus zu denken, ihm zumindest einmal ihre Liebe versichern und vielleicht ein kleines Opfer bringen. Doch dabei gibt es keine Vorgaben; erforderlich ist einzig und allein guter Wille. Auf diese Weise lösen die „Mitglieder“ einander weltweit bei der „Ehrenwache“ am Fuße des Kreuzes ab; Jesus wird keine Stunde am Tag vergessen.

Während der Palmsonntagsmesse 1863 fühlte sich Schwester Marie du Sacré-Cœur von den Worten des Offertoriums besonders ergriffen: Mein Herz erwartete Schande und Elend und zugleich betrübt ertrug ich es, doch umsonst; ich erbat mir einen Tröster, er kam jedoch nicht (Ps 68,21). Der Hauptzweck der Ehrenwache bestand ja genau darin, das Herz Jesu zu trösten. Am Abend des Karmittwochs erlitt die Schwester einen Blutsturz; sie, die so gerne sang, durfte nun mehrere Monate lang nicht im Chor mitsingen. Diesen Verzicht bot sie als Opfer „für den Erfolg der Ehrenwache“ dar und nutzte die Ostertage, um die Organisation des neugegründeten Werkes zu verbessern. Am Karfreitag verfasste sie ein kurzes Gebet zur „Aufopferung der Wachestunde“, das von vielen Mitgliedern übernommen wurde: „Gütigster Jesus, mein Gott und Erlöser! Ich opfere dir diese Wachestunde auf und wünsche während derselben, dein Heiligstes Herz ganz besonders durch meine Liebe und meine Sühne zu verherrlichen. Nimm in dieser Meinung an meine Gedanken, Worte und Werke, meine Freuden und Leiden. Möge dieses Opfer meinen Brüdern und Schwestern nützen und mich zu einem Werkzeug deines Liebesentwurfs werden lassen. Mit dir, für dich und in dir, und für sie heilige ich mich, damit auch sie geheiligt werden in Wahrheit (Joh 17,19). Heiligstes Herz Jesu, dein Reich komme!“

Die durchbohrte Seite

Zum Herz-Jesu-Fest am 13. Juni schrieb Schwester  Marie du Sacré-Cœur: „Ich spürte deutlicher denn je, was das Herz Jesu ist: ein Abgrund der Liebe – unverstanden, abgewiesen und zurückgestoßen; was hatte – und hat – dieses sanfte Herz unter unserer ungeheuren Undankbarkeit täglich zu leiden! Ich flehte es an, es möge mir die Gnade gewähren, dass ich dazu beitragen kann, es ein wenig besser erkannt und geliebt zu machen.“ Die Verehrung des Heiligsten Herzens setzt voraus, dass „wir die göttliche Liebe durch unsere Liebe vergelten“, sagte Papst Pius XII. (Haurietis aquas, 4). Am 15. Juni berührten die Worte cuius latus perforatum (seine durchbohrte Seite) aus dem Lied Ave verum die Seele von Schwester Marie du Sacré-Cœur besonders. Die Ehrenwache schien ihr das geeignete, von der Vorsehung geschickte Mittel zu sein, um die am Kreuz empfangene Wunde am Herz Jesu mit einem speziellen Kult zu ehren. Es sollten allerdings noch fünfzehn Jahre vergehen, bevor auf der Stundenuhr auch die Lanze abgebildet werden durfte, die das Herz Jesu durchbohrte: Der Bischof von Belley war zunächst dagegen gewesen.

In der Enzyklika Haurietis aquas vom 5. Mai 1956 schrieb Papst Pius XII.: „Nichts also steht im Wege, das heiligste Herz Jesu Christi anzubeten, da es ja ein natürliches, tief bezeichnendes Sinnbild jener unerschöpflichen Liebe ist, von der unser göttlicher Erlöser immer noch zu allen Menschen brennt. Wenn es nunmehr auch den Erschütterungen dieses sterblichen Lebens nicht mehr unterworfen ist, so lebt es doch und schlägt ... Weil deshalb das Herz Christi überfließt von göttlicher und menschlicher Liebe, und weil es überreich ist an allen Gnadenschätzen, die unser Erlöser durch sein Leben, sein Leiden und seinen Tod erworben hat, ist es wahrlich eine Quelle jener ewigen Liebe, die sein Geist in alle Glieder seines mystischen Leibes einströmen lässt ... die Gläubigen müssen zum Kult des heiligsten Herzens Jesu zurückkehren, wenn sie in dessen innere Natur eindringen und aus dessen frommer Betrachtung ihren religiösen Eifer nähren und stärken wollen. Wenn diese Andacht andauernd, mit klarer und tiefer dringender Einsicht geübt wird, muss ein gläubiges Herz zu jener wohl–tuenden Erkenntnis der Liebe Christi kommen“ (42; 55).

Ein unerwarteter Erfolg

Bald wurden weitere Klöster eingeladen, sich dieser  spirituellen Bewegung anzuschließen, und der Kult verbreitete sich per Mundpropaganda unter den Gläubigen, die sich davon angesprochen fühlten. Im Kloster Paray-le-Monial war die Überraschung groß, als dort eine Stundenuhr der Ehrenwache eintraf, denn man hatte bereits eine ganz ähnliche entworfen. Ein Jahr später, am 9. März 1864, wurde die Ehrenwache vom seligen Pius IX. gebilligt und als Bruderschaft errichtet; am 26. November 1878 erhob Leo XIII. sie zur Erzbruderschaft. Die rasche Verbreitung der Ehrenwache in der ganzen Welt ging nicht reibungslos vonstatten und belastete zusätzlich die labile Gesundheit der Gründerin. Schwester Marie du Sacré-Cœur wurde von dem unerwarteten Erfolg überrollt: Sie musste von ihrer schlichten Zelle aus bei vielen kirchlichen Behörden vorstellig werden und einen umfangreichen Briefwechsel führen. So wechselte sie ständig zwischen dem Krankenzimmer, wo sie mehrfach an der Schwelle des Todes stand, und ihrer Zelle hin und her, wo sie dann mit doppeltem Eifer arbeitete, um Gottes Willen zu erfüllen. Ihre Demut und ihre freiwillige Zurückgezogenheit gingen mit großer Sensibilität – speziell für das Elend – einher. Sie begab sich im Dienste der anderen völlig in die Hand des Herrn und fühlte sich insbesondere für jedes einzelne „Mitglied“ ihrer Bewegung verantwortlich, als wäre sie seine Mutter. Sie betete beständig in der – von ihr gern verbreiteten –Überzeugung, dass das mitleidige Herz Jesu ihre Bitten erhören werde: Es werde dafür sorgen, dass kein einziger „Ehrenwächter“ für den Himmel verloren gehe, d.h. dass alle Mitglieder der Ehrenwache auch in das große Lebensbuch (Vgl. Offb 21,27) eingeschrieben werden.

Da Schwester Marie du Sacré-Cœur meinte, andere könnten besser für den Fortbestand der Ehrengarde sorgen, versuchte sie mehrfach ohne Erfolg, die Organisation in andere Hände zu geben. Es wurde dabei klar, dass das Werk beim Heimsuchungsorden bleiben sollte. Die Geschichte der Erzbruderschaft war eben maßgeblich von den Tränen, den Opfern, der Demut sowie der Fügsamkeit der Gründerin geprägt. Gleichwohl stieß diese bei ihrer Gründung nicht nur auf Hindernisse: Sie fand auch vielfach Unterstützung, insbesondere bei Marie Deluil-Martiny, der Gründerin der „Töchter des Herzens Jesu“, die von Papst Johannes-Paul II. am 29. Oktober 1989 seliggesprochen wurde. „Die Wache zündet wie eine Lunte“, stellte Schwester Marie du Sacré-Cœur fest und wünschte zusammen mit dem heiligen Franz von Sales, dem Gründer ihres Ordens, für das Heiligste Herz „statt der Dornenkrone eine Krone, die aus den Herzen aller Menschen gewunden ist!“

„Erster Ehrenwächter“

Papst Pius IX. bat am 25. März 1872 von sich aus um  Aufnahme in die Ehrenwache und hob am 21. Juli 1875 bei einer Audienz für eine Delegation der Erzbruderschaft besonders hervor, dass der Titel „Erster Ehrenwächter des Heiligsten Herzens Jesu“ zu seinen liebsten Ehrentiteln gehöre. Bald folgten ihm über dreißig Bischöfe aus aller Welt. Schwester Marie du Sacré-Cœur versuchte, die Liebe des Heiligsten Herzens Jesu jedem „Mitglied“ selbst – durch Briefe – nahezubringen. Da sie in der Abgeschiedenheit der Klausur wirkte, überließ sie die Sorge um die Führung ihres Werkes Gott. Ihre rege Korrespondenz riss erst bei ihrem Tod am 3. August 1903 ab.

„Das Herz Christi stellt uns die ganze Liebe vor Augen, mit der er uns umfangen hat und jetzt noch umfängt“, schrieb Papst Pius XII. „Gerade aus diesem Grund ist der Verehrung des Heiligsten Herzens eine solche Bedeutung beizulegen, dass sie in Übung und Praxis als vollkommenes Bekenntnis der christlichen Religion gilt ... Zum Herzen Gottes kann man nur kommen durch das Herz Christi, wie er selbst sagt: Niemand kommt zum Vater als durch mich (Joh 14,6)“ (Haurietis aquas, 60). Der Papst warnte aber auch: „Nicht mit Unrecht werden manchmal die einer zu großen Eigenliebe und Sorge für sich selbst beschuldigt, die diese edle und würdige Andachtsform falsch verstehen oder nicht richtig üben. Darum sollen alle fest überzeugt sein, dass in der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu nicht die äußeren Werke der Frömmigkeit den ersten und wichtigsten Platz einnehmen, noch dass sie ihren Hauptgrund in den empfangenen Wohltaten habe, ... sondern dass die Menschen die beherrschenden religiösen Pflichten ihres katholischen Glaubens, nämlich die der Liebe und Sühne, mit glühenderem Eifer erfüllten“ (Ibid. 63). Zum 50. Jahrestag der Enzyklika Haurietis aquas erklärte Benedikt XVI.: „Die durchbohrte Seite des Erlösers ist die Quelle, aus der wir schöpfen müssen, um zur wahren Kenntnis Christi zu gelangen und seine Liebe in größerer Tiefe zu erfahren ... Christsein ist nämlich nur mit dem Blick auf das Kreuz unseres Erlösers möglich, mit dem Blick auf den, den sie durchbohrt haben (Joh 19,37) ... Die Seitenwunde und die von den Nägeln hinterlassenen Wundmale waren für unzählige Seelen die Zeichen einer Liebe, die ihr Leben immer mehr geprägt hat.“

Zu den Millionen von Menschen, die sich in diesem Werk engagiert haben, zählen neben dem seligen Pius IX. auch Leo XIII., der heilige Pius X., Benedikt XV. und Pius XI., die heiligen Johannes Bosco, Édouard Poppe, Madeleine-Sophie Barat, Daniel Comboni, der selige Marcel Callo ... 2007 bekam die Ehrenwache neuen Rückenwind, als sie zum Fest des heiligen Franz von Sales am 24. Januar ihren internationalen Hauptsitz in das Heimsuchungskloster von Paray-le-Monial verlegte. Am 4. Oktober 2011 erteilte Benedikt XVI. „aus vollem Herzen jedem Mitglied und seiner Familie seinen apostolischen Segen“. Im März 2013 wurde der 150. Gründungstag des Werkes gefeiert.

„Gütiger Jesus, zieh mich immer tiefer in dein Herz hinein, damit deine Liebe mich ganz aufzehre und ich mich in ihren Wonnen ganz verliere!“ So wollen wir mit dem heiligen Franz von Sales beten, um das liebende Herz des Erlösers zu entschädigen, das durch unsere Sünden so oft missachtet, zurückgewiesen und verletzt wurde.

Dom Antoine Marie osb

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