Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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4. Juli 2012
Hl. Ulrich


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Wir können die Wahrheit, die uns frei macht, nicht für uns selbst behalten“, sagte Papst Benedikt XVI. am 18. September 2010 im Hyde Park in London. „Sie ruft zum Zeugnis auf, sie will gehört werden und letztlich kommt ihre überzeugende Kraft aus ihr selbst und nicht von menschlicher Beredsamkeit oder von Argumenten, in denen sie möglicherweise verborgen ist. In Tyburn, nicht weit von hier entfernt, sind viele Brüder und Schwestern für den Glauben gestorben ... In der heutigen Zeit wird man als Preis für die Treue zum Evangelium nicht mehr gehängt, gestreckt und gevierteilt, sondern man wird häufig abgelehnt, lächerlich gemacht oder verspottet. Und dennoch kann die Kirche sich nicht von der Aufgabe zurückziehen, Christus und sein Evangelium als Heilswahrheit, als Quelle größten Glücks für jeden persönlich und als Fundament für eine gerechte und menschliche Gesellschaft zu verkünden.“ Der Heilige Vater spielte hier auf die vielen englischen Märtyrer an, die zur Zeit der Reformation durch ihr Leben und Sterben die Wahrheit bezeugt haben. Die heilige Margaret Clitherow gehörte zu diesen Blutzeugen.

Verbot der Messe

Margaret wurde um 1555 als das jüngste von vier  Kindern in einer protestantischen Familie geboren. Ihr Vater, Thomas Middleton, war als Bürger von York und Kerzenfabrikant Mitglied des Common Council, des Gemeinderats von York, und einer der beiden höchsten Verwaltungsbeamten der Stadt. Margaret war noch ein Kleinkind, als Königin Elisabeth I., die Tochter Heinrichs des VIII., den Thron bestieg. Der ursprünglich bekennende Katholik Heinrich VIII. hatte sich von der Autorität des Papstes losgesagt, als dieser sich weigerte, seine Ehe mit Katharina von Aragon für nichtig zu erklären, damit er Anne Boleyn heiraten konnte. Durch die erste Suprematsakte hatte sich Heinrich 1534 vom Parlament zum Oberhaupt der Kirche von England erklären lassen, wollte aber desungeachtet an der gesamten katholischen Lehre festhalten. Doch durch das Schisma glitt England immer weiter in die Häresie ab. 1563 erließ Elisabeth I. die sogenannte Uniformitätsakte, die die Lehre der anglikanischen Kirche darlegte, deren Oberhaupt sie als Königin war. Die Akte orientierte sich an der Lehre Luthers und Calvins: Es gab nur noch zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl; die Messe wurde als gottloses Blendwerk abgetan. 1570 schließlich erließ die Königin als Antwort auf ihre Exkommuni–kation durch den heiligen Papst Pius V. eine Reihe von Gesetzen gegen die Katholiken. Es war von da an verboten, katholische Messen zu feiern oder ihnen beizuwohnen.

Am 1. Juli 1571 heiratete Margaret John Clitherow, einen Metzger aus York. John Clitherow war ein glühender Protestant und bei seinen Mitbürgern so beliebt, dass sie ihn mehrfach in verschiedene städtische Ehrenämter wählten. Aus der Verbindung gingen drei Kinder hervor: Henry, William und Anne. Bei ihrer Heirat war Margaret noch Protestantin und folgte der offiziellen Religion, konvertierte jedoch 1574 zum Katholizismus, obwohl die politischen Ereignisse nicht für eine solche Entscheidung sprachen. Sie selbst erklärte ihren Schritt später im Wesentlichen damit, dass die neue (protestantische) Religion ihr „keine Substanz, keine Wahrheit und keinen christlichen Trost biete“; sie war durch das Vorbild „so vieler Priester und Laien, die für die Verteidigung des alten katholischen Glaubens gelitten hatten“, tief beeindruckt. Der Einfluss ihres Schwagers William Clitherow mag ebenfalls zu diesem Entschluss beigetragen haben, und ihr Mann hatte offenbar nichts dagegen. Margaret praktizierte getreu ihren neuen Glauben, und der Herr schenkte ihr die Gabe, viele Seelen, die sich gezwungenermaßen von der römischen Kirche abgewandt hatten, zur Rückkehr bewegen zu können. Margaret verbrachte jeden Tag beträchtliche Zeit mit Beten; sie fastete häufig, ging regelmäßig zur Messe und zur Beichte. Dieses öffentliche Bekenntnis zu ihrem Glauben brachte ihr mehrere Gefängnisaufenthalte ein.

Es wurden immer strengere neue Gesetze gegen die Katholiken erlassen. Ein Gesetz von 1585 erklärte nicht nur katholische Priester für Hochverräter, sondern auch diejenigen, die ihnen halfen und sie versteckten. Ein solches Verbrechen zog die Todesstrafe nach sich. Trotz der Gefahr fuhr Margaret fort, Priester zu unterstützen. „Mit Gottes Gnade werden mir alle Priester noch willkommener sein als zuvor, und ich werde alles tun, was ich kann, um den katholischen Kultus zu fördern.“ Um ihrem Sohn Henry eine katholische Erziehung zu sichern, schickte sie ihn nach Douai, das damals zu den spanischen Niederlanden gehörte. Der Rat der Stadt war wütend, als er davon erfuhr, hob sich jedoch die Rache für später auf.

Eine massive Hausdurchsuchung

Im März 1587 lud der Rat Herrn Clitherow vor.  Margaret, die das listige Vorgehen der Ratsmitglieder bereits aus Erfahrung kannte, erriet, was passieren würde, und zog einen gerade eingetroffenen Geistlichen ins Vertrauen: „Der Rat hat meinen Mann wieder einbestellt. Geb’s Gott, dass das nicht wieder eine Hinterlist ist und dass sie, wenn sie ihn einmal in der Hand haben, die Zeit nicht für eine Hausdurchsuchung nutzen. Sie wollen mir übel und werden so lange nicht aufgeben, bis sie mich in ihrer Gewalt haben ... Gottes Wille geschehe!“ In der Tat wurde der Sheriff von York umgehend mit seinem Gefolge losgeschickt, um das Haus zu durchsuchen. Margaret war gerade bei der Hausarbeit. Der Priester hielt sich mit mehreren anderen Personen im Nachbarhaus auf; sie sahen den Sheriff kommen und hatten noch Zeit zu fliehen. Einem Lehrer, der den Kindern Clitherow sowie zwei, drei weiteren Kameraden Unterricht erteilte, gelang es ebenfalls, rechtzeitig zu entkommen, doch die Polizisten konnten alle Kinder, Hausangestellten und Margaret selbst festhalten. Sie durchwühlten Schränke und Truhen, fanden jedoch nichts Belastendes.

Daraufhin knöpften sie sich einen etwa zehnjährigen Jungen vor und drohten ihm mit Stockschlägen, wenn er ihre Fragen nicht beantwortete. Völlig eingeschüchtert führte das Kind sie zum Zimmer des Geistlichen und zeigte ihnen das Versteck, in dem die Bücher, die liturgischen Gewänder und Geräte lagen. Margaret wurde vor den Rat geführt: Sie brachte durch ihre Fröhlichkeit und ihre Treue zum katholischen Glauben alle gegen sich auf. Am Abend wurde sie im Schloss eingesperrt, wo sie einige Tage mit strengem Fasten und Beten verbrachte. Was ihr widerfuhr, freute sie so sehr, dass sie fürchtete, mit ihrer Freude Gott zu beleidigen. Als jemand sie warnte, sie werde ihren Verstoß gegen die neuen Gesetze teuer bezahlen, brach sie in lautes Gelächter aus und erwiderte: „Ich würde Ihnen gern etwas Gutes schenken, um Sie für diese gute Nachricht zu belohnen! Hier, nehmen Sie diese Feige, ich habe nichts Besseres.“ Margaret durfte nur ein einziges Mal unter der Aufsicht eines Wärters mit ihrem Mann sprechen und sollte ihn nie wiedersehen. Ihre Freunde versuchten alles, um dem Paar ein weiteres Treffen zu ermöglichen, doch jedes Mal wurde eine Bedingung gestellt, die gegen Margarets Gewissen verstieß.

„Wohl gesprochen!“

Am 14. März wurde Margaret vor Gericht gestellt; es  bestand aus zwei Richtern und mehreren Beisitzern. Zunächst wurde die Anklageschrift verlesen: 1. Margaret Clitherow habe Jesuiten und ausländische Geistliche beherbergt und bewirtet, die Ihre Majestät, die Königin, und deren Gesetze verraten haben; 2. Margaret habe die Messe gehört. Danach erhob sich ein Richter und fragte: „Margaret Clitherow, was haben Sie zu erwidern? Bekennen Sie sich in diesen Punkten schuldig?“ Sie antwortete lächelnd und sanft, jedoch mit entschlossener Miene: „Ich kenne kein Verbrechen, dessen ich mich schuldig bekennen müsste.“ – „Doch! Sie haben Jesuiten und Priester, Feinde Ihrer Majestät, beherbergt.“ – „So jemanden habe ich weder gekannt noch beherbergt; ebenso habe ich niemanden bewirtet, der ein Feind der Königin ist. Gott bewahre!“ – „Wie soll man dann Ihnen den Prozess machen?“, entgegnete der Richter. – „Da ich kein Verbrechen begangen habe, sehe ich keinen Grund, mir den Prozess zu machen.“ – „Sie haben gegen die Gesetze verstoßen, deswegen muss man Ihnen den Prozess machen.“ Einer der Richter stand auf und fragte: „Woran glauben Sie?“ – „Ich glaube an Gott.“ – „An welchen Gott?“ – „Ich glaube an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den Heiligen Geist; an diese drei Personen und an den einen Gott glaube ich voll und ganz, und auch daran, dass ich durch die Passion, den Tod und die Verdienste Jesu Christi zwingend gerettet werde.“ – „Wohl gesprochen!“, antwortete der Richter.

Einer der Beisitzer wollte sie verhöhnen: „Sie haben also nicht aus religiösen Gründen Priester beherbergt, sondern wegen Ihrer lockeren Sitten!“ Als weitere ähnliche Anschuldigungen gegen sie vorgebracht wurden, erwiderte sie: „Gott möge Ihnen diese Lügengeschichten vergeben! Ich glaube, mein Mann beschuldigt mich nicht, ihn jemals gekränkt zu haben, abgesehen von den kleinen Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Ehegatten vorzukommen pflegen. Sie sollten auch wissen, dass ich meinen Mann nach Gott am allermeisten liebe und dass ich mich um meine Kinder sorge, wie es einer Mutter zukommt. Ich glaube, ich habe meine Pflicht ihnen gegenüber erfüllt, indem ich sie in Gottesfurcht erzogen habe ... Lieber würde ich sie freiwillig Gott, der sie mir geschenkt hat, als Opfer darbringen als von meinem Glauben auch nur um ein Jota abweichen ... Ich gebe zu, dass der Tod schrecklich und das Fleisch schwach ist, und doch will ich mit Gottes Hilfe mein Blut ebenso gern vergießen, wie ich meine Milch den Kindern gab; ich möchte meinen Tod nicht hinauszögern.“ Diese schönen Worte knüpften an die Worte unseres Herrn Jesus Christus an: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn und Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden (Mt 10,37-39).

„Wenn Sie welche kennen würden“

Nachdem das Gericht die Sitzung vertagt hatte,  wurde Margaret zu einem Haus gefahren, wo man sie für die Nacht in eine enge Kammer sperrte. Am nächsten Morgen wurde die Verhandlung fortgesetzt. „Gestern Abend haben wir Sie ohne Urteil fortgeschickt, wir hätten Sie aber verurteilen können, wenn wir gewollt hätten ... Es ist erwiesen, dass Sie Priester bei sich hatten“, sagte der Richter. – „Ich sehe keinen Grund, der mir mein Leben lang das Empfangen rechtschaffener katholischer Priester verbieten könnte“, erwiderte Margaret. – „Die sind doch alle Verräter, Halunken und Betrüger.“ – „Gott vergebe Ihnen; wenn Sie welche kennen würden, sprächen Sie nicht so.“ Weil sie nicht einlenkte, hielt man sie für verstockt und verrückt. Der Richter beschrieb ihr den Tod durch Zerquetschen, zu dem er sie verurteilen würde. Margaret antwortete aufrecht und ohne jedes Zeichen von Angst: „Wenn dieses Urteil mit Ihrem Gewissen zu vereinbaren ist, so bete ich zu Gott, er möge bei seinem Gericht weniger streng mit Ihnen verfahren; ich freilich danke Gott aus ganzem Herzen dafür ... Alles, was er mir schickt, soll willkommen sein. Ich bin eines so guten Todes, wie Sie ihn schildern, gar nicht würdig. Ich habe den Tod verdient: wegen der Sünden, die ich gegen Gott begangen habe, aber nicht wegen der Dinge, die mir vorgeworfen werden.“ Der Richter befahl dem Sheriff, ihr die Hände zu fesseln. Margaret ließ durch ein Lächeln erkennen, wie sie sich freute, aus Liebe zu Christus Fesseln zu tragen.

Zwei Tage danach erkundigten sich zwei Abgesandte des Gerichts bei ihr, ob sie schwanger sei. Ihre Verwandten sahen darin einen Weg, sie zu retten; wäre sie nämlich schwanger gewesen, so hätte sie bis zur Geburt des Kindes nicht hingerichtet werden dürfen. Margaret erwiderte: „Ich kann weder Ja noch Nein sagen, weil ich mich in dieser Hinsicht schon mehrfach getäuscht habe; ich kann es also nicht definitiv sagen; aber ich glaube eher, dass ich schwanger bin.“ Daraufhin wurden vier Frauen bestimmt, die die Gefangene untersuchen sollten; sie kamen zu dem Ergebnis, dass sie tatsächlich schwanger war. Am gleichen Abend erklärte einer der Richter vor einer Gruppe von Beratern und anglikanischen Geistlichen, die nachdrücklich ihren Tod forderten: „Gott behüte uns davor, sie zu töten, wenn sie schwanger ist! Selbst wenn sie eine Verbrecherin wäre, das Kind unter ihrem Herzen ist unschuldig. Ohne eine erneute Untersuchung würde ich selbst für tausend Pfund nicht für ihre Hinrichtung stimmen.“ Er überließ die Entscheidung jedoch dem Rat, und der verurteilte Margaret zu der für Verräter vorgesehenen Strafe: Tod durch Zerquetschen. Nach dem Urteil suchte Margaret Zuflucht im Gebet und bat auch ihren Beichtvater, er möge für sie beten. Als Herr Clitherow von der Verurteilung seiner Frau erfuhr, begann er wie von Sinnen zu weinen und zu klagen: „O weh! Werden sie nun meine Frau töten? Sollen sie doch all mein Hab und Gut nehmen und ihr Leben unangetastet lassen! Das ist die beste Gattin von ganz England und auch die beste Katholikin!“

Mit der Urteilsverkündung waren die Verhöre noch nicht beendet, denn man versuchte Margaret um jeden Preis zu einem Sinneswandel zu bewegen. Als sie von protestantischen Geistlichen bedrängt wurde, antwortete sie ihnen: „Ich bekenne mich seit zwölf Jahren zum katholischen Glauben, Gott sei Dank. Wenn ich jetzt der Angst und der Schwäche nachgebe, wäre alles, was ich bislang getan habe, umsonst. Lieber will ich sterben.“ – „Was ist die Kirche?“ – „Die Gemeinschaft, in der das wahre Wort Gottes verkündigt wird, so wie Christus es seinen Aposteln und deren Nachfolgern hinterlassen hat, die die sieben Sakramente spenden. Dieses Wort wurde von der Kirche allezeit bewahrt, von den Kirchenvätern gepredigt, von den Märtyrern und Bekennern bezeugt. Das ist die wahre Kirche ... Jesus Christus versprach, bis ans Ende der Welt bei ihr zu bleiben. Mit Gottes Gnade will ich in diesem Glauben leben und sterben.“

„Das ist alles eins“

Von Jesus und der Kirche denke ich, dass das alles eins ist“, sagte die heilige Johanna d’Arc, deren 600. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus erläutert diese Wahrheit so: „Nur durch die katholische Kirche Christi, die allgemeine Hilfe zum Heil ist, kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen. Denn einzig dem Apostelkollegium, dem Petrus vorsteht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu bilden, dem alle völlig einverleibt werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören.” Der Katechismus der Katholische Kirche setzt hinzu: „Denen aber, die jetzt in solchen Gemeinschaften geboren sind und mit dem Glauben an Christus erfüllt werden, können keine Vorwürfe wegen der Sünde der Trennung gemacht werden, und die katholische Kirche begegnet ihnen in brüderlicher Achtung und Liebe ... Zudem sind außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden: das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes ... Alle diese Güter stammen von Christus, führen zu ihm und drängen von selbst auf die katholische Einheit hin” (Nr. 816, 818, 819).

Ein puritanischer Pfarrer fragte Margaret: „Wie werden Sie Ihrer Meinung nach gerettet?“ – „Kraft der bitteren Passion und des Todes Jesu Christi.“ – „Richtig, aber Sie glauben auch noch an viele andere Dinge wie Bilder, Zeremonien, Sakramentalien, Sakramente und dergleichen; Sie glauben also nicht nur an Christus.“ – „Ich glaube, was mich die katholische Kirche lehrt: dass es sieben Sakramente gibt; in diesem Glauben will ich leben und sterben. Was die ganzen Zeremonien angeht, sie sind wohl Gott zu Ehren eingeführt worden, um Ihn zu preisen und Ihm zu dienen. Und die Bilder zeigen, dass es gute und tugendhafte Menschen auf Erden gegeben hat, die jetzt die Herrlichkeit im Himmel genießen; sie dienen außerdem dazu, unseren schwachen und trägen Verstand zu mehr Frömmigkeit anzuregen, wenn wir sie betrachten.“

In den folgenden Tagen wurde Margaret von vielen Leuten beschworen, sie solle Mitleid mit ihrem Mann und ihren Kindern haben. Zwei Tage vor ihrem Märtyrertod wurde ihr das Datum der Hinrichtung bekanntgegeben. „Die Sheriffs sagen, dass ich kommenden Freitag sterben werde“, vertraute sie einer Freundin an. „Und schon spüre ich die Schwäche meines Fleisches, das bei dieser Nachricht erzittert, obwohl mein Geist sich darüber freut. Um Gottes Liebe willen, beten Sie für mich und bitten Sie alle guten Leute, ebenfalls für mich zu beten.“

Selbst die Kirche bittet Gott um den nötigen Mut für alle Gläubigen, dem Glauben bis in den Tod treu zu bleiben: „Gott, Kraft aller Heiligen, gib uns, dass wir bis zum Tod an dem Glauben festhalten, den wir bekennen“ (Missale romanum, Fürbitte zum Fest der japanischen Heiligen Paul Miki und seiner Gefährten am 6. Februar).

Am 25. März 1586 – Karfreitag – holten die Beamten Margaret gegen 8 Uhr morgens ab; sie war bereit: Sie hatte ihr dichtes Haar mit einem schlichten Band hochgebunden und trug ein selbstgenähtes weißes Leinengewand über dem Arm. Sie schritt durch die dicht gedrängte Menge und verteilte Almosen, als ginge sie zu ihrer Hochzeit. An der Richtstätte angekommen, kniete sie zu einem stillen Gebet nieder. Danach betete sie laut für die katholische Kirche, den Papst, die Kardinäle, die Priester in der Seelsorge sowie für alle christlichen Fürsten; zum Schluss sprach sie ein Gebet für Elisabeth, die Königin von England, damit Gott sie zum katholischen Glauben bekehre und ihr nach ihrem sterblichen Leben die freudige Seligkeit des Himmels schenke. „Denn ich wünsche der Seele Ihrer Majestät ebensoviel Gutes wie meiner Seele.“ Als der Sheriff sie aufforderte anzuerkennen, dass sie wegen Hochverrats sterbe, entgegnete sie mit fester Stimme: „Nein, nein! Ich sterbe aus Liebe zu meinem Herrn Jesus.“ Ein paar Frauen zogen ihr das Leinengewand über; danach legte sie sich mit dem Rücken auf den Boden, kreuzte die Arme, und man begann, schwere Lasten über sie zu stapeln. Als sie diese spürte, rief sie: „Jesus, Jesus, Jesus, erbarme dich meiner!“ Das waren ihre letzten Worte. Eine Viertelstunde später gab sie ihre Seele an Gott zurück; sie wurde etwa 30 Jahre alt. Königin Elisabeth I. selbst war über Margarets Hinrichtung entsetzt und brachte ihre Missbilligung über das strenge Urteil in einem Brief an die Bürger von York zum Ausdruck. Durch das Vorbild ihrer Mutter gestärkt, entschieden sich alle Kinder Margarets für ein gottgeweihtes Leben in der katholischen Kirche.

Die „Perle von York“

Am 25. Oktober 1970 wurde Margaret, die man mitt- lerweile die „Perle von York“ nannte, zusammen mit neununddreißig englischen und walisischen Märtyrern heiliggesprochen. Papst Paul VI. sagte bei diesem Anlass: „Warum sind sie Märtyrer? Weil sie ganz bewusst und mit unerschrockenem Mut ihr Leben geopfert und schreckliche Qualen auf sich genommen haben um ihres Glaubens an die überlieferte, jahrhundertelang bekannte katholische Lehre willen; sie wollten damit insbesondere ihre Treue zum göttlichen Ursprung der Kirche zum Ausdruck bringen, der Christus selbst Petrus, und somit auch seine Nachfolger, die Päpste, als Haupt und Oberhirten geschenkt hatte. Sie sind Märtyrer und Heilige, weil sie mit ihrem Blut die hierarchische und einheitliche Struktur der Kirche bezeugt haben, die auf ziviler Ebene die zeitliche Macht voll und ganz respektiert, auf spiritueller Ebene jedoch frei ist und nur von der legitimen Macht der Bischöfe sowie der Oberhoheit des Papstes abhängt. Das heißt, sie sind Märtyrer der Freiheit und Einheit der Kirche.“

Mögen die heilige Margaret Clitherow und alle heiligen Märtyrer an jedem Tag unseres Lebens Liebe zur Wahrheit sowie Treue zu Christus und seiner Kirche für uns erwirken!

Dom Antoine Marie osb

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