Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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25. April 2012
Hl. Markus


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Gleich beim Betreten der Kirche von San Valentino di Castellarano in Mittelitalien fällt der Blick des Besuchers auf das Grab eines 14-jährigen Jungen mit der Inschrift „Io sono di Gesù“. „Ich gehöre Jesus“ - ein Satz, den der verstorbene Rolando Rivi bei jeder sich bietenden Gelegenheit wiederholte. Diese bedingungslose, durch einen gewaltsamen Tod besiegelte Hingabe an Jesus Christus ist eine deutliche Absage an die Ideologien des 20. Jahrhunderts, nach denen der Mensch entweder seinem Volk oder seinem Staat gehört, und zugleich auch eine christliche Antwort auf die verbreitete Ansicht, der Mensch habe keinen anderen Herrn als sich selbst und seine Wünsche.

Rolando wurde am 7. Januar 1931 als Sohn einer tiefgläubigen, kinderreichen Bauernfamilie in San Valentino in der Diözese Reggio-Emilia geboren. Vater Roberto weihte das Kind bereits am Tag seiner Taufe Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Seine Großmutter brachte ihm die Liebe zum Rosenkranz bei. In der Grundschule kam Rolando in die Klasse von Clotilde Selmi, einer glühenden Christin, die ihre Kraft aus der täglichen Kommunion schöpfte. Einmal brachte der kleine Junge in der Weihnachtszeit ein Säckchen zur Krippe und sagte laut: „Lieber Jesus, hier sind meine Sünden; es sind hundert Stück, ich habe sie gezählt. Aber ich verspreche dir, dass ich dir einmal einen Sack voller Tugenden bringe!“ Rolando ging am 16. Juni 1938 zur Erstkommunion. Von seinen Kameraden wurde er als lebhafter, begeisterungsfähiger, im Spiel ausgelassener, bei Wettrennen blitzschneller und beim Beten sehr eifriger Junge beschrieben. Intelligent und von Haus aus eine „Führernatur“, wusste er nicht nur Spiele zu organisieren, sondern seine Kameraden danach auch in die Kirche zu lotsen. Er zeigte ihnen, wie man den Rosenkranz betet, lud sie ein, mit ihm als Messdiener zu wirken, und hielt sie zu christlicher Nächstenliebe an: „Wenn du den Herrn liebst, musst du jedermann lieben.“ Für Rolando war die Mildtätigkeit gegenüber den Armen untrennbar mit der Gottesliebe verbunden; wenn ein armer Mensch am väterlichen Haus anklopfte, war er der Erste, der ihn begrüßte und ihm Brot und Decken brachte.

Häufige Beichte

Als ausgezeichneter Sänger im Gemeindechor brachte  Roberto Rivi seinem Sohn die Kunst der Musik nahe. Rolando war bald selbst ein begeisterter Musiker; er sang und spielte Harmonium. Im Seminar später war er ein hervorragender Chorsänger. Er pflegte gleich nach dem Aufstehen niederzuknien und ein Morgengebet zu sprechen. Von seinem Vater übernahm er die Gewohnheit, jeden Tag zur Messe zu gehen. Rasch reifte die Berufung zum Priesteramt in seinem Herzen heran, als er im Pfarrer von San Valentino, Don Olinto Marzocchini, einem vorbildlichen Priester begegnete. Dieser übte durch sein reiches Innenleben sowie sein Organisationstalent einen großen Einfluss auf Rolando aus. Er hielt die Kinder an, häufig zur Beichte zu gehen, um in Freundschaft mit Jesus zu leben.

Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt: „Das Sakrament der Versöhnung mit Gott bewirkt eine wirkliche ‚geistige Auferstehung’, eine Wiedereinsetzung in die Würde und in die Güter des Lebens der Kinder Gottes, deren kostbarstes die Freundschaft mit Gott ist“ (Nr. 1468). Doch auch das Bekenntnis der lässlichen Sünden ist eine Wohltat: „Das Bekenntnis der alltäglichen Fehler ist genaugenommen nicht notwendig, wird aber von der Kirche nachdrücklich empfohlen. Das regelmäßige Bekenntnis unserer lässlichen Sünden ist für uns eine Hilfe, unser Gewissen zu bilden, gegen unsere bösen Neigungen anzukämpfen, uns von Christus heilen zu lassen und im geistigen Leben zu wachsen“ (Nr. 1458). Daher bekräftigte Papst Benedikt XVI. am 7. März 2008 noch einmal: „Wenn man nicht regelmäßig beichtet, läuft man Gefahr – auch wenn man vom Wunsch beseelt ist, Jesus nachzufolgen –, den geistlichen Rhythmus nach und nach zu verlangsamen, bis er immer schwächer wird und vielleicht sogar verlischt.“

Im September 1939 brach der Krieg aus. Zwei Onkel Rolandos wurden einberufen und fielen später an der Front. Der Junge seinerseits wollte nach seiner Firmung 1940 „ein vollkommener Christ und ein Soldat Jesu Christi“ werden. Im Frühjahr 1942 eröffnete er dem Pfarrer, dass er Priester werden wollte; von Don Olinto ermutigt, sprach er anschließend mit seinen Eltern, die seinen Entschluss freudig begrüßten. Im Oktober 1942 trat Rolando mit elfeinhalb Jahren in das Kleine Seminar seiner Diözese in Marola ein und bekam, wie das damals üblich war, sofort eine Soutane überreicht. Heute mag einem das voreilig erscheinen. Doch das Anlegen der Soutane kam nicht einer endgütigen Verpflichtung gleich; diese sollte erst später und völlig frei eingegangen werden. Für ein so reifes Kind wie Rolando bedeutete die Soutane allerdings sehr wohl, dass es für immer Gott geweiht war.

Traumberuf: Missionar

Im Seminar waren die Tage mit einer raschen Folge von  Andachtsübungen und Unterrichtsstunden ausgefüllt, die durch ein paar Erholungspausen aufgelockert wurden. Rolando, der die Pausen in vollen Zügen genoss – und seine geliebte Soutane dabei öfter mal ramponierte –, fügte sich begeistert dem strengen Zeitplan, mit dem sich mehrere seiner Kameraden schwertaten. Er las gerne Missionsgeschichten; besonders faszinierte ihn das damals junge Beispiel des seligen Miguel Pro, eines mexikanischen Jesuiten, der 1928 auf Befehl der christenfeindlichen Regierung erschossen worden war. Rolando wollte später ebenfalls in die Mission, um das Evangelium auch denen zu verkünden, die noch nie etwas vom Herrn Jesus gehört haben, wie er 1944 dem Vikar von San Valentino, Don Camellini, anvertraute. Vorerst nahm er zusammen mit den anderen Seminaristen begeistert Anteil an der von Papst Pius XII. am 8. Dezember 1942 vollzogenen Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens als Antwort auf die Bitte Unserer Lieben Frau in Fatima.

In einer Rede vom 13. Mai 2007 in Aparecida (Brasilien) stellte Papst Benedikt XVI. ein paar Überlegungen an, die die leidenschaftliche Liebe vieler junger Leute zu Jesus verständlicher machen: „Was gibt uns Christus wirklich? Warum wollen wir Jünger Christi sein? Die Antwort lautet: Weil wir hoffen, in der Gemeinschaft mit ihm das Leben zu finden, das wahre Leben, das diesen Namen verdient, und deshalb wollen wir die anderen mit ihm bekannt machen, ihnen das Geschenk kundtun, das wir in ihm gefunden haben. Aber ist es wirklich so? Sind wir wirklich überzeugt, dass Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist? Gegenüber der Priorität des Glaubens an Christus und des Lebens ‚in ihm’ ... könnte auch eine andere Frage auftauchen: Könnte diese Priorität nicht vielleicht eine Flucht in den Kult der Innerlichkeit, in den religiösen Individualismus, eine Preisgabe der Dringlichkeit der großen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme Lateinamerikas und der Welt und eine Flucht aus der Wirklichkeit in eine spirituelle Welt sein? Wir können auf diese Frage mit einer anderen Frage antworten: Was ist diese ‚Wirklichkeit’? Was ist das Wirkliche? Sind ‚Wirklichkeit’ nur die materiellen Güter, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme? Hierin liegt genau der große Irrtum der im letzten Jahrhundert vorherrschenden Tendenzen, ein zerstörerischer Irrtum, wie die Ergebnisse sowohl der marxistischen wie der kapitalistischen Systeme beweisen. Sie verfälschen den Wirklichkeitsbegriff durch die Abtrennung der grundlegenden und deshalb entscheidenden Wirklichkeit, die Gott ist. Wer Gott aus seinem Blickfeld ausschließt, verfälscht den Begriff ‚Wirklichkeit’ und kann infolgedessen nur auf Irrwegen enden und zerstörerischen Rezepten unterliegen.“

Nach der Landung englischer und amerikanischer Truppen 1943 in Sizilien wurde Benito Mussolini abgesetzt, und die italienische Regierung unterzeichnete ein Waffenstillstandsabkommen mit den Alliierten. Die Aufkündigung der Achse Rom – Berlin führte zu einer weitgehenden Besetzung der italienischen Halbinsel durch die deutsche Armee; besonders die Emilia Romagna wurde Schauplatz dramatischer Kämpfe zwischen den deutschen Truppen und den widerständischen Partisanen. Am 22. Juni 1944 durchsuchte eine Kompanie deutscher Soldaten das Seminar von Marola, das angeblich den Partisanen als Versteck diente, und nahm die heiligen Gefäße der Kathedrale von Reggio mit, die aus Angst vor einer eventuellen Bombardierung dort verwahrt wurden. Die Präfekten des Seminars sahen sich durch die schwierigen Umstände gezwungen, das Seminar bis auf Weiteres zu schließen.

Eine mutige Entscheidung

Nach Hause zurückgekehrt, bemühte sich Rolando,  sein Seminaristenleben, so gut es ging, weiterzuführen. Er trug weiterhin die Soutane – eine mutige Entscheidung in einem Gebiet, in dem die überaus aktiven Partisanengruppen von Kommunisten dominiert waren. Für die Anhänger des Marxismus-Leninismus sollte katholische Kirche in der Nachkriegsgesellschaft nämlich keine Rolle mehr spielen; der Klerus zählte zu den wichtigsten Feinden, die es zu beseitigen galt. Einem internen Rundschreiben der Partei in der Region Modena zufolge musste „die Menschheit vom Denkmodell der Religion und von der Sklaverei befreit werden, die durch die jahrhundertealte christliche Barbarei entstanden waren.“ In der Diözese Reggio waren bereits vier Priester von den Partisanen ermordet worden. Eines Nachts wurde Don Olinto, der Pfarrer von San Valentino, in eine Falle gelockt, verprügelt und ausgeraubt; man drohte ihm mit dem Tod, wenn er weiter dabliebe. Sein Vertreter, Alberto Camellini, traf bei einem Besuch der Gemeinde in Gesellschaft von Rolando auf zwei junge Partisanen, die ihm die Worte entgegenschleuderten: „Von jetzt an sind nicht mehr die Deutschen und die Faschisten unsere Feinde, die sind erledigt; jetzt kommen die Reichen und die Pfaffen dran.“

Rolando kannte vom Seminar her die Enzyklika Divini Redemptoris über den atheistischen Kommu-nismus, den Papst Pius XI. am 19. März 1937 zusammen mit einer anderen Enzyklika über den National-sozialismus veröffentlicht hatte. Der Papst schrieb darin: „Wo der Kommunismus die Möglichkeit hatte, sich festzusetzen und seine Herrschaft aufzurichten, da hat er sich mit allen Mitteln bemüht, die christliche Kultur und Religion radikal zu zerstören und jede Erinnerung daran auch in den Herzen der Menschen, insbesondere der Jugend, auszulöschen. Er hat Bischöfe und Priester des Landes verwiesen, zu Zwangsarbeit verurteilt, erschossen, auf unmenschliche Weise ums Leben gebracht; er hat schlichte Laien, weil sie sich für die Religion eingesetzt hatten, verdächtigt, bedrückt, verfolgt, in die Gefängnisse und vor den Richter geschleppt“ (Nr. 19).

Rolando wusste also um die religionsfeindliche Gewaltbereitschaft des Kommunismus; ebenso wusste er, dass die Partisanen in seiner Gegend sehr mächtig waren. Trotzdem wollte er die Soutane nicht ablegen, obwohl seine Familie dazu riet und obwohl die anderen Seminaristen aus der Nachbarschaft es längst getan hatten. „Ich schade doch niemandem damit“, sagte er. „Ich sehe nicht ein, warum ich meine Soutane ablegen soll: Sie zeigt doch nur, dass ich Jesus geweiht bin.“ Er hatte großen Einfluss auf die anderen nach San Valentino zurückgekehrten Schüler des Kleinen Seminars und ermutigte sie, weiter Latein zu lernen; er selbst nahm Privatstunden bei einer Lehrerin. Der reife Junge war als Gruppenführer der Katholischen Jugend in der Gemeinde sehr angesehen. Er wollte sich nicht einschüchtern lassen und klein beigeben, denn dadurch hätte er die jungen Katholiken enttäuscht, die seinem Beispiel folgen und dem kommunistischen Druck widerstehen wollten.

Zeit für ein Gebet

In der Karwoche 1945, nahm Rolando am 10. April an  der Messe in San Valentino teil. Nach seiner Rückkehr zog er sich in ein Wäldchen zurück, wo er oft hinging, um ungestört lernen zu können. Als er nicht zum Mittagessen kam, lief sein Vater los, um ihn zu holen. Doch anstelle seines Sohnes fand er nur dessen auf dem Boden verstreuten Schulbücher vor; auf einem herausgerissenen Heftblatt las er: „Suchen Sie ihn nicht. Er ist einstweilen bei uns. Die Partisanen.“ Aus Angst, das Leben ihres Sohnes zu gefährden, wagten es die Eltern Rivi 24 Stunden lang nicht, sein Verschwinden zu melden; so hatten die Entführer ausreichend Zeit zu fliehen.

Rolando wurde zu Fuß in das 25 km entfernte Monchio gebracht, zu einem Bauernhof, der einer kommunistischen Partisanengruppe namens Frittelli-Bataillon als Unterschlupf diente. Er wurde unter Missachtung der sonst von den Partisanen beachteten Disziplinarregeln (nach denen ein Beschluss des Bezirksgerichts vorliegen musste) äußerst brutal behandelt. Man sperrte ihn in einen Schweinestall und verhörte ihn mehrfach, um ihn zu Geständnissen zu nötigen. Ihm wurde vorgeworfen, für die Nazis zu spionieren, von den Partisanen eine Pistole gestohlen und damit auf sie geschossen zu haben. Der bei ihm gefundene geringe Geldbetrag, den er für seine Sakristandienste erhalten hatte, wurde als der von den Besetzern gezahlte Verräterlohn angesehen. Rolando wies die Anschuldigungen zurück. Er wurde beschimpft, mit einem Gürtel geschlagen und mit Faustschlägen traktiert. Dennoch blieb er bei seiner Weigerung, die Anklagepunkte zuzugeben. Man nahm ihm seine Soutane weg, zerriss und beschmutzte sie, und untersagte ihm, sie wieder anzuziehen. Am Freitag, dem 13. April, führten die Partisanen ihren verletzten und von den über zwei Tage währenden Misshandlungen erschöpften Gefangenen um drei Uhr nachmittags in ein nahegelegenes Wäldchen. Als dieser eine bereits ausgehobene Grube erblickte, begriff er, was man mit ihm vorhatte; weinend bat er seine Henker: „Gebt mir Zeit für ein Gebet für meinen Vater und meine Mutter.“ Der Junge dachte selbst in seiner letzten Stunde nicht an sich, sondern an seine Lieben. Als er am Rand der Grube niederkniete, feuerte einer der Partisanen zwei Schüsse aus nächster Nähe auf ihn ab und traf ihn tödlich in die Schläfe und ins Herz. Der Mörder, ein politischer Kommissar, wurde bei seiner Verurteilung im Jahre 1952 als ein „fanatischer Verfechter des bedingungslosen Klassenkampfs“ beschrieben. Einige seiner Gefährten, die noch versucht hatten, den Jungen zu retten, sagten aus, der Mörder habe sie mit dem laut gebrüllten Satz „Morgen gibt es einen Pfaffen weniger“ zum Schweigen gebracht.

Pius XI. hatte in der Enzyklika Divini Redemptoris die oft zu beobachtende völlige Skrupellosigkeit unter militanten Kommunisten so erklärt: „Wenn man ... die Gottesidee selber aus dem Herzen der Menschen reißt, dann werden sie notwendig von ihren Leidenschaften zur grausamsten Barbarei getrieben. Das ist es gerade, was wir heute leider erleben: Zum erstenmal in der Geschichte sind wir Zeugen eines kalt geplanten und genau vorbereiteten Kampfes des Menschen gegen ‚alles, was göttlich ist’. Der Kommunismus ist seiner Natur nach antireligiös und betrachtet die Religion als ‚Opium für das Volk’, weil angeblich die religiöse Lehre von einem Leben jenseits des Grabes den Proletarier ablenkt von seinem Einsatz für das Sowjetparadies, das von dieser Erde ist“ (Nr. 21-22).

Die Wahrheit über Gott und den Menschen

In der Enzyklika Centesimus annus (1. Mai 1991) deck- te der selige Johannes-Paul II. die Wurzel des modernen Totalitarismus auf, dessen mörderischste Spielart der Kommunismus wurde: „Der Totalitarismus entsteht aus der Verneinung der Wahrheit im objektiven Sinn: Wenn es keine transzendente Wahrheit gibt ..., gibt es kein sicheres Prinzip, das gerechte Beziehungen zwischen den Menschen gewährleistet. Ihr Klasseninteresse, Gruppeninteresse und nationales Interesse bringt sie unweigerlich in Gegensatz zueinander... Die Wurzel des modernen Totalitarismus liegt also in der Verneinung der transzendenten Würde des Menschen, der sichtbares Abbild des unsichtbaren Gottes ist. Eben deshalb, auf Grund seiner Natur, ist er Subjekt von Rechten, die niemand verletzen darf: weder der einzelne, noch die Gruppe, die Klasse, die Nation oder der Staat“ (Nr. 44).

Der Katechismus der Katholischen Kirche greift diese Lehre wieder auf: „Einzig die göttlich geoffenbarte Religion hat in Gott, dem Schöpfer und Erlöser, klar den Ursprung und das Ziel des Menschen erkannt. Die Kirche lädt die politischen Verantwortungsträger ein, sich in ihren Urteilen und Entscheidungen nach dieser geoffenbarten Wahrheit über Gott und den Menschen zu richten: ‚Die Gesellschaften, die diese Offenbarung nicht kennen oder sie im Namen ihrer Unabhängigkeit von Gott ablehnen, müssen ihre Maßstäbe und Ziele in sich selbst suchen oder einer Ideologie entnehmen. Und da sie kein objektives Kriterium zur Unterscheidung von gut und böse dulden, maßen sie sich offen oder unterschwellig eine totalitäre Gewalt über den Menschen und sein Schicksal an, wie die Geschichte beweist’ (vgl. Johannes-Paul II., Centesimus annus, Nr. 45-46)“ (Nr. 2244).

Rolando schied betend aus der Welt. Wie Jesus Christus starb er an einem Freitag um 3 Uhr nachmittags nach einer langen, qualvollen Passion. Am gleichen Tag erfuhr der Pfarrer von San Valentino, wohin Rolando verschleppt worden war. Zusammen mit dessen Vater brach er auf der Stelle in die nächstgelegene Stadt Farneta auf, wo das Bezirksgericht der Partisanen tagte; aber da wusste niemand etwas. Schließlich trafen sie den Kommandanten des Frittelli-Bataillons, der ihnen eiskalt mitteilte, sie hätten Rolando bei Piane de Monchio getötet, weil er ein Spion war. Dort angekommen, stießen sie auf den Kommissar; dieser leugnete zunächst, gab aber dann zu: „Ja, ich habe ihn umgebracht, aber ich habe ein reines Gewissen: Er war ein Spion im Dienste der Deutschen. Er hat sie zweimal zu unserem Lager geführt.“ Auf die Frage des Priesters, ob der Junge gelitten habe, zog der Mörder seinen Revolver und antwortete dreist: „Schau mal, damit hat man keine Zeit zu leiden.“

Im Licht

Am 15. April gruben der Pfarrer und Roberto gemein- sam den Leichnam des kleinen Märtyrers aus und beerdigten ihn provisorisch auf dem nahen Friedhof. Am 25. Mai 1945 wurde er im Beisein vieler junger Katholiken nach San Valentino transportiert. Roberto ließ auf seinen Grabstein meißeln: „Ruhe im Licht und in Frieden, der du durch Hass und Finsternis ausgelöscht wurdest.“

Jahrelang war es unmöglich, den Mord an Rolando Rivi sowie an vielen anderen Geistlichen, die bei den Kommunisten als „Klassenfeinde“ gegolten hatten, öffentlich zu thematisieren; allein in der Emilia Romagna wird die Zahl der Opfer dieser Säuberungsaktion auf insgesamt 15 000 geschätzt, darunter 93 Priester und Seminaristen. Der Prozess gegen die Mörder Rolandos förderte die Motive für seine Hinrichtung zutage: „Der Seminarist Rolando Rivi stellte aufgrund seines frommen und untadeligen Benehmens, seines Einsatzes für die Glaubenspraxis ein Vorbild für die örtliche Jugend in Bezug auf zivile und christliche Tugenden dar; sein Vorbild führte bei vielen dazu, dass sie sich dem Katholizismus zuwandten ... Seine Gefangennahme und seine Tötung hatten den Grund und den Zweck, ein wirksames Hindernis für die Verbreitung der kommunistischen Lehre bei der Jugend zu beseitigen ... Der von den Mördern genannte Vorwand, Rolando sei ein Spion, ist zu diesem Zweck erfunden worden.“

1997 wurde Rolandos sterbliche Hülle in die Pfarrkirche von San Valentino überführt. Am 4. April 2001 wurde ein englischer Junge von einer unheilbaren Leukämie geheilt, nachdem man eine Reliquie Rolandos unter sein Kopfkissen gelegt und eine Novene für ihn gebetet hatte. Die von den Ärzten als unerklärlich eingestufte Heilung wurde dem Heiligen Stuhl unterbreitet, um eine Seligsprechung Rolandos in die Wege zu leiten. Diese kann verkündet werden, sobald die Kirche offiziell anerkennt, dass Rolando aus Hass auf den Glauben umgebracht wurde.

„Wenn wir mit der gleichen Bereitschaft, Spontaneität, Einfachheit und Folgsamkeit an Jesus Christus glauben könnten wie Rolando Rivi, würde unser Glaube ebenso stark wie seiner und unsere Kirche ebenso stark wie die Kirche, die er in seinem Herzen trug und für die er ohne zu zögern starb“ (Mgr. Negri, Bischof von Montefeltro). Durch die Fürbitte des ehrwürdigen Dieners Gottes Rolando Rivi können wir um die Gnade bitten, kompromisslos und ungeteilt Jesus zu gehören; dann werden wir wahre Freiheit genießen und für immer mit Christus herrschen.

Dom Antoine Marie osb

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