Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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21. April 2010
Hl. Anselm, Kirchenlehrer


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Presse, Kino, Rundfunk und Fernsehen stellen heute die schnellsten und  effektivsten Instrumente katholischen Apostolats dar, und wir sollten  sie unbedingt nutzen. Vielleicht hält die Zukunft noch bessere Mittel für uns bereit. Momentan kann sich ein Glaubensbote wohl nichts Besseres wünschen, um Gott den Menschen nahezubringen und um die Menschen zu Gott zu führen.« Der Verfasser dieser Zeilen aus dem Jahre 1960, Pater Giacomo Alberione, engagierte sich sehr für diese Form der Verkündigung; er wurde am 27. April 2003 seliggesprochen.

Der Einfluss des gedruckten Wortes

Giacomo (Jakob) Alberione wurde am 4. April 1884 in San  Lorenzo di Fossano  (Piemont, Italien) geboren und am folgenden Tag getauft. Bei den Alberiones, einer armen Bauernfamilie, waren der Glaube, die Arbeit und das Vertrauen in die Vorsehung wichtiger als alles Andere. Bereits in seinem ersten Schuljahr antwortete Giacomo auf die Frage, was er denn werden wolle, entschlossen: „Ich werde Priester!« Der Wunsch erleuchtete seine Kinder- und Jugendjahre. Der Pfarrer der Gemeinde San Martino de Cherasco in der Diözese Alba, in der die Alberiones damals wohnten, half dem Jungen, den Ruf des Herrn zu verinnerlichen und ihm zu folgen. Giacomo kam zu Beginn des Schuljahres 1899/1900 auf das bischöfliche Gymnasium von Bra und verschlang gleich eine ganze Reihe von Büchern; eines dieser Bücher warf ihn so aus der Bahn, dass er von seinen Vorgesetzten relegiert werden musste. Der schmerzliche Zwischenfall steckte den Weg mit ab, den er später in seiner apostolischen Arbeit einschlug: Denn nunmehr wusste er aus eigener Erfahrung, wie sehr das gedruckte Wort – im Guten wie im Bösen – die Menschen beeinflussen kann.

Das II. Vatikanische Konzil erklärt zu den sozialen Kommunikationsmitteln: „Der Kirche ist sehr wohl bekannt, dass die sozialen Kommunikationsmittel bei rechtem Gebrauch den Menschen wirksame Hilfe bieten, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Erholung und Bildung des Geistes; sie dienen ebenso auch der Ausbreitung und Festigung des Gottesreiches. Die Kirche weiß ebenfalls, dass die Menschen diese technischen Erfindungen gegen Gottes Schöpfungsplan und zu ihrem eigenen Schaden missbrauchen können. Die Sorge einer Mutter erfüllt sie wegen des Unheils, das durch deren Missbrauch häufig der menschlichen Gesellschaft erwachsen ist« (Dekret Inter mirifica über die sozialen Kommunikationsmittel, 4. Dezember 1963, Nr. 2).

Im Oktober 1900 kam Giacomo auf das Priester–seminar von Alba (Piemont). Gleich darauf lernte er den Kanoniker Francesco Chiesa kennen, der 46 Jahre lang sein Freund und Berater werden sollte. Am 1. November veröffentlichte Papst Leo XIII. zum Jubiläumsjahr die Enzyklika Tametsi futura; er betonte darin zunächst, dass die Menschheit ihr Heil nur in Christus dem Erlöser finden könne, und forderte anschließend den Klerus auf, alle Mittel zu mobilisieren, um die Menschen mit der Person und der Lehre Christi vertraut zu machen. Der junge Alberione war von der Erklärung des Papstes zutiefst beeindruckt und wollte sich fortan in all seinen Entscheidungen von den Weisungen des Papstes leiten lassen. Er schrieb: „Wir müssen getreue Dolmetscher für das Wort und die Lehre des Papstes sein. Wir wollen nichts weiter als das; und Gott wird uns die dafür notwendige Gnade schenken.«

Die Nacht vom 31. Dezember 1900 verbrachte Giacomo im Gebet vor dem Allerheiligsten und empfing dabei die besondere Gnade einer Erleuchtung: Gott wollte, dass er das Evangelium u.a. durch die neuen Kommunikationsmittel verkündige. Er sollte eine Organisation von Schriftstellern, Druckern, Buchhänd–lern und Vertriebsfachleuten auf die Beine stellen, mit dem Ziel, die christliche Botschaft in großem Maßstab in die Herzen der Menschen zu tragen. Giacomo war sich indes seiner Unzulänglichkeit wie auch der Tatsache bewusst, dass er die Eucharistie brauchte, um Licht und Trost zu finden und das Böse zu besiegen. Er erinnerte seine geistigen Kinder oft an den eucharistischen Ursprung ihrer Mission: „Ihr seid aus dem Tabernakel geboren, aus der Eucharistie!« Von da an richtete sich sein Leben an der Idee aus, dass er „ein neuer Typ Apostel werden wollte, der seiner Zeit verhaftet ist und der sich somit beim Evangelisieren der effektivsten Kommunika-tionsmedien bedient, die ja auch von den Gottlosen eingesetzt werden, um Irrlehren zu verbreiten.«

„Sprecht über alles, aber auf christliche Art«

Giacomo Alberione wurde am 29. Juni 1907, dem  Fest des Martyriums des hl. Paulus, zum Priester geweiht; Paulus sollte später zum Schutzpatron aller von ihm gegründeten Institutionen werden. Nach einem kurzen Einsatz als Gemeindevikar, bei dem er den jungen Giuseppe Giaccardo kennenlernte, der künftig sein wichtigster Mitarbeiter wurde, ernannte man Pater Alberione überraschend zum Rektor des Seminars von Alba. Er betete viel, bildete sich fort und ließ sich zu Predigten, Katechesen und Vorträgen in die Pfarrgemeinden einladen. Seine Lektüren verhalfen ihm nicht nur zu einem besseren Verständnis der Gesellschaft und der Kirche seiner Zeit, sondern auch der sich bereits am Horizont abzeichnenden neuen Bedürfnisse und Veränderungen.

Am 20. Oktober 1913 bekam Giacomo durch eine glückliche Fügung die Leitung der Diözesanzeitung angeboten und konnte die Inspirationen, die er beim Beten von Gott empfangen hatte, nunmehr in die Tat umsetzen. Sein Werk nahm am 20. August 1914, dem Todestag von Papst Pius X., in Alba seinen Anfang: Er gründete die Sankt Paulus-Gesellschaft, eine Gemeinschaft von Patres und Fratres, die nach dem Vorbild des hl. Paulus Botschafter für das Wort Gottes sein wollten, und zwar unter Einsatz aller sozialen Kommunikationsmittel. „Sprecht über alles«, sagte Giacomo, „aber auf christliche Art!« Dieses Apostolat sollte ebenso grenzenlos sein wie das des Apostels: „Eure Gemeinde ist die ganze Welt.« Da die Menschheit aus Brüdern und Schwestern besteht, brauchte die Paulus-Gesellschaft nach Ansicht des Gründers sowohl geweihte Männer als auch Frauen. So gründete Pater Alberione zusammen mit Therese Merlo im folgenden Jahr die „Kongregation der Töchter des heiligen Paulus«. Langsam aber sicher nahm die Paulus-Familie trotz aller Schwierigkeiten Gestalt an. Das Ziel, das der Gründer seinen Schülern steckte, war die volle Einswerdung mit Christus: Sie sollten mit ihrem ganzen Sein Christus als Weg, Wahrheit und Leben annehmen – als Verstand, Willen, Herz und physische Kraft.

Pater Alberione hatte eine hohe Meinung vom geistlichen Leben: „Der geistliche Stand ist tief im Evangelium verwurzelt. Die vom göttlichen Meister verkündeten acht Seligpreisungen machen deutlich, dass das Christentum für die Welt stets ein lebendiges Paradox bleiben wird: Torheit für die Einen, Ärgernis für die Anderen. Für uns ist es Wahrheit und göttliche Realität. Der geistliche Stand an sich ist ebenfalls ein Paradox, denn er ist ein gänzlich nach dem Evangelium gelebtes Leben. Sein Leben opfern, um es zu retten, alles verlieren, um alles zu retten. Dieses Paradox gipfelt darin, dass Armut zu Reichtum wird, Verzicht zu Verzückung, Jungfräulichkeit zu Mutterschaft, Knechtschaft zu Freiheit, Opfer zu Seligkeit, Dienst zu Apostolat, Tod zu Leben! Denn gestorben seid ihr, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott (Kol 3,3). Mit Christus bin ich gekreuzigt worden. So lebe nun nicht mehr ich, es lebt in mir Christus (Gal 2,19.20).« Ohne das unverzichtbare Zeugnis mindern zu wollen, das Laien durch ihre Treue zur Taufgnade ablegen und das für die Kirche heute ein tragender Pfeiler ist, sind Personen des geweihten Lebens für Pater Alberione nach wie vor besonders effiziente Glaubensvermittler: „Heute ist die Stunde der Ordensleute schlechthin. Wenn sie gut ausgewählt und gut ausgebildet sind, stellen sie der Kirche unerschöpfliche Ressourcen für deren universale Mission zur Verfügung. So war es in den unruhigsten Zeiten der bald zweitausendjährigen Geschichte der Kirche. Mönche, deren Seelen von ihrer frommen Lebensweise, von Studium und Gehorsam geprägt waren, traten aus der Stille hervor, um an vorderster Front zu kämpfen und maßgeblich zum Triumph christlicher, katholischer Kultur beizutragen. Heute sind wir mit einem Bedarf konfrontiert, dessen Ausmaß und Tragweite unabsehbar sind.«

Ein aufsehenerregendes Novum

Am 23. November 1921 beantragte Pater Alberione  bei seinem Bischof die diözesanrechtliche Anerkennung seiner Gesellschaft als religiöses Institut. Dieser legte den Antrag in Rom vor, doch er stieß aus zwei Gründen auf wenig Begeisterung: Zum einen sahen die von Papst Pius X. erlassenen Richtlinien eine Begrenzung der Anzahl neuer Kongregationen vor, zum anderem war die Unternehmung ein völliges Novum. War es überhaupt zulässig, dass eine Gruppe von Ordensleuten das Evangelium einzig und allein mittels der Presse verkündigen wollte und dabei auf die traditionellen Formen der Predigt und der Lehre verzichtete? Im Juli 1923 drohte dem Projekt endgültig das Aus, denn Pater Alberione wurde auf Grund seiner asketischen Lebensweise ernsthaft krank; die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd: Tuberkulose. Während eines Erholungsaufenthaltes auf dem Lande konnte sich der Pater sammeln und dem Herrn mehr Zeit widmen. Er nahm sich jeden Tag einen Abschnitt aus den Geistlichen Übungen des hl. Ignatius vor. Nach einem Monat war der Kranke allen Vorhersagen zum Trotz wieder gesund: „Der hl. Paulus hat mich geheilt!« Daher stehen in allen Kapellen der Paulus-Familie die Jesus-Worte: „Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch. Von hier will ich mein Licht aussenden. Haltet euer Herz zur Umkehr bereit.«

Pater Alberione wusste, dass der Krieg gegen die Kräfte des Bösen nur mit Unterstützung von Seelen gewonnen werden könne, die gänzlich dem Gebet geweiht sind. So wurde am 10. Februar 1924 eine Gemeinschaft gegründet, deren Aufgabe die Anbetung des göttlichen Meisters in der heiligen Eucharistie war, zur Wiedergutmachung der von der Presse begangenen Sünden. Die der eucharistischen Anbetung geweihten „Schwestern vom göttlichen Meister« sollten die spezifischen Anliegen des Werkes vertiefen: Jesus als Meister und Hirten, als Weg, Wahrheit und Leben verehren, Maria als Mutter, Herrin und Königin der Apostel, sowie den heiligen Paulus als Apostel und Missionar. Der Stifter bestimmte die junge Orsola Rivata zur ersten Oberin der neuen Gemeinschaft. „Wenn ihr das Allerheiligste Sakrament anbetet«, gab er ihr mit auf den Weg, „betrachtet euch als Vertreterinnen der Menschheit bei Jesus, um Gott die Gefühle und Nöte aller Menschen vorzulegen, damit Er den Schwachen Kraft und den in Finsternis Lebenden Licht schenkt; damit die Seele die Sünde meidet; damit die Sünder bereuen; damit alle Gott geweihten Personen von Inbrunst und Heiligkeit erfüllt werden. Jesus hat euch das ‚Amt' anvertraut, die Menschheit am Fuße des Tabernakels zu vertreten. Eure Berufung ist ein Liebesdienst!«

Bis zu diesem Zeitpunkt bestand die Aufgabe der neuen Ordensleute vor allem in der Herausgabe von Büchern, doch Pater Alberione ahnte, dass Zeitschriften ebenfalls ein wirkungsvolles Mittel zur Verkündigung des Evangeliums sein könnten. Er hatte bereits 1912 die Monatszeitschrift Vita pastorale für Priester gegründet; 1931 erschien Famiglia Cristiana, ein Wochenblatt für die Familie; 1933 wurde Madre di Dio ins Leben gerufen, „um den Menschen die Schönheit und Größe Marias« nahezubringen. Pater Alberione schrieb später: „Maria bringt das himmlische Licht, das sich sanft in den Seelen ausbreitet, dort, wo Finsternis und Unwissenheit wohnen. Maria besänftigt die Herzen, treibt sie zum Guten, heiligt die Sitten und strahlt Wohlwollen aus. Maria bringt Verständnis und Zuneigung ins Haus; sie lässt Kinder folgsam werden und schenkt allen Geduld und Sorgfalt.« 1937 erschien Pastor bonus, eine Monats-zeitschrift in lateinischer Sprache, die Fragen der Pastoral aufgriff und biblische sowie theologische Themen vertiefte; 1952 folgten Via, Verità e Vita („der Weg, die Wahrheit und das Leben«), eine Monats-zeitschrift zur Verbreitung der christlichen Lehre, und La Vita in Cristo e nella Chiesa („das Leben in Christi und in der Kirche«), die die Schätze der Liturgie erschließen und bekannt machen sollte, um sie im Geiste der Kirche besser nutzen zu können. Die zweimal im Monat erscheinende Zeitschrift Il Giornalino richtete sich an die Jugend.

Das Werk breitete sich aus

Nach der Eröffnung von Häusern in Rom und ande- ren italienischen Städten breitete sich das Werk auch im Ausland aus: in Brasilien und weiteren südamerikanischen Ländern, in den Vereinigten Staaten, in Europa, China, Japan, auf den Philippinen und in Indien. 1937 startete Pater Alberione sein Apostolat durch den Film und stieß damit auf vielfachen Widerstand: Inwiefern können Mönche durch die Produktion von Filmen der Kirche dienen? Doch der Heilige Stuhl unterstützte das Projekt, und so wurde eine GmbH gegründet. Im Oktober 1938 rief der Pater die dritte Frauen-kongregation ins Leben, die Schwestern Jesu, des guten Hirten („Pastorellen«), die Priester in der Gemeindepastoral unterstützen sollten.

Pater Alberione bewies sein ganzes Leben lang eine erstaunliche Seelenstärke, um alle Projekte, zu deren Verwirklichung er sich berufen fühlte, tatsächlich zu Ende zu führen. Er ließ sich nie entmutigen. „Die einzige Niederlage im Leben besteht darin«, sagte er, „dass man vor Schwierigkeiten kapituliert und den Kampf aufgibt ... Es ist sehr wohl der Mühe wert, für Weisheit und Wahrheit zu kämpfen.« Diese Haltung wurde erst durch das Gebet möglich: „Gott arbeitet für die, die für Ihn arbeiten. Seien wir also stets bereit, so zu arbeiten, als hinge alles von uns ab, und so zu beten und auf den Herrn zu hoffen, als hinge alles von Ihm ab.« Gleichwohl blieb Pater Alberione angesichts der Zwänge unseres irdischen Daseins realistisch: „Mens sana in corpore sano (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper)! Gott ist Leben! Du darfst deinen Körper weder beim Spiel noch bei der Arbeit ‚töten', und ebensowenig darfst du deine Kraft und deine Fähigkeiten leichtsinnig oder fahrlässig schwächen. Du solltest sie vielmehr durch geeignete Schulung fördern. Pflege dein künstlerisches Geschick, steigere deine Leistung, erweitere den Kreis deiner Aktivitäten und deiner Kenntnisse! Für dich wie für die Gesellschaft. Bereichere deine Persönlichkeit, indem du mehr auf die Wahrheit als auf den äußeren Schein achtest. Wenn man alles tut, um seine Leistung zu steigern, dann eifert man Gott nach, der ja reines Handeln ist, man nähert sich Ihm an. Ganz gleich, ob die Arbeit geistig, moralisch oder manuell ist, sie ist stets auch eine Kasteiung.«

„Was noch zu erledigen ist«

Der Zweite Weltkrieg konnte den Gründer, der  umständehalber in Rom festsaß, auf seinem spirituellen Weg nicht aufhalten. Während er auf günstigere Bedingungen für die Fortsetzung seines Apostolats wartete, widmete er sich umso mehr dem Beten und der religiösen Betrachtung. Das Dekret, welches der Paulus-Gesellschaft den Status eines religiösen Instituts päpstlichen Rechts verlieh, wurde von Papst Pius XII. mitten im Krieg, am 10. Mai 1941, unterzeichnet. Ende 1945 konnte Pater Alberione endlich wieder zu seinem Pilgerstab greifen; er reiste um die ganze Welt, um seine Töchter und Söhne zu besuchen und zu ermutigen. Sein Wahlspruch lautete: „Sich der Zukunft zuwenden! Nicht zurückblicken, sondern daran denken, was noch zu erledigen ist« (s. Phil 3,13). Der Ferne Osten beeindruckte ihn besonders: Wie viele Personen in diesen unzähligen Menschenmassen mochten Jesus Christus kennen?

In den 50er- und 60er-Jahren festigte sich die Paulus-Familie und nahm einen umfassenden Aufschwung (Berufungen, Gründungen, Publikationen, verschiedene Projekte). In dem 1954 zum 40. Jahrestag der Gründung erschienenen Buch Abundantes Divitias gratiæ suæ (Der überströmende Reichtum seiner Gnade, vgl. Eph 2,7) schilderte Pater Alberione die Gnaden, die sein Werk erfahren hatte. Am 8. September 1956 wurde eine vierte Frauenkongregation gegründet, die Schwestern der Königin der Apostel; ihre Aufgabe besteht darin, die Aufmerksamkeit für die Berufung, die jeder von Gott empfängt, zu wecken und lebendig zu halten. Von 1958 bis 1960 wurde die Paulus-Familie um vier Säkular-institute ergänzt: die Institute „Mariä Verkündigung« (geweihte Laiinnen), „Erzengel Gabriel« (geweihte Laien), „Priestervereinigung« (Diözesan-priester) und „Heilige Familie« (Paare). Die „Union der paulinischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen« (Laien jeden Alters, die das Werk in ihrem jeweiligen Umfeld vertraten) war bereits 1917 gegründet worden.

In den Jahren 1962-1965 nahm Pater Alberione als Konzilsvater am II. Vatikanischen Konzil teil. Obwohl er aus gesundheitlichen Gründen nicht direkt in die Diskussionen eingreifen konnte, freute er sich unendlich, als am 4. Dezember 1963 das Konzilsdekret über die sozialen Kommunikationsmittel und die Instrumente der Evangelisation verabschiedet wurde. „Jetzt könnt ihr eure Zweifel vergessen. Die Kirche hat gesprochen.« Am 28. Juni 1969 sagte Papst Paul VI. bei einer Audienz für Pater Alberione und eine Gruppe seiner Söhne und Töchter: „Da steht er: demütig, schweigsam, unermüdlich, immer wachsam, immer konzentriert im Denken, stets bereit, vom Gebet zum Handeln überzugehen und die ‚Zeichen der Zeit' zu erkennen, d.h. die effektivsten Mittel der Kommunikation mit den Menschen; unser lieber Pater Alberione hat der Kirche neue Ausdrucksmöglichkeiten geschenkt, neue Medien, um ihrem Apostolat mehr Kraft und Ausstrahlung zu schenken, und eine neue Wahrnehmung ihres Evangelisierungsauftrags mittels der Massenmedien. Gestatten Sie, lieber Pater Alberione, dass sich der Papst über Ihre lange, getreue und unermüdliche Arbeit und deren Früchte zum Ruhm Gottes und zum Wohl der Kirche freut.«

Am 26. November 1971, als Pater Alberione im Sterben lag, eilte Paul VI., der von seinem Sekretär informiert worden war, persönlich an sein Bett. Der Kranke war bereits bewusstlos. Der Papst vergewisserte sich, dass man ihm alle Sakramente gespendet hatte, kniete dann neben dem Bett nieder und betete ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du, Maria. Dann stand er auf und erteilte dem Sterbenden eine letzte Absolution. Eine Stunde später starb der Pater im Alter von 87 Jahren. – Die Paulus-Familie zählt heute rund 8.000 Mitglieder, die in über 50 Ländern verstreut sind.

Die Stimme Petri

Seit dem Tod Pater Alberiones haben die Kommuni–- kationsmittel dank des spektakulären technologischen Fortschritts ein beachtliches Potential entwickelt; doch das stellt uns vor neue und nie dagewesene Probleme. Das Internet eröffnet quasi sofortigen Zugang zu aktuellen Informationen, hat jedoch neue, menschenunwürdige Abhängigkeiten geschaffen. Der Päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel erklärte 2002:

„Elterliche Aufsicht sollte sicherstellen, dass in den Computern, zu denen Kinder Zugang haben, ein Filter benutzt wird, ... damit sie so weit wie möglich vor Pornographie, sexuellen Beutefängern und anderen Gefahren beschützt werden. Unbeaufsichtigte Benutzung des Internet sollte nicht erlaubt sein.«

Gleichzeitig macht das Internet die Lehre der Kirche zugänglicher. Nicht nur die wichtigsten Texte des Papstes (Enzykliken, Konstitutionen usw.), sondern auch kürzere, wie z.B. die Ansprachen bei den öffentlichen Mittwochsaudienzen, stehen in mehreren Sprachen auf der Internetseite des Vatikans zur Verfügung: http://www.vatican.va/. Bei den wöchentlichen Audienzen erteilt der Heilige Vater eine kurze, aber gehaltvolle Lehre, die den Wunsch nach einem wahrhaft christlichen Leben beflügeln soll. Pater Alberione hätte sich darüber gefreut, wie leicht zugänglich das Wort des Nachfolgers Petri für die Gläubigen geworden ist. Er selbst hat einmal gesagt: „Neunzehnhundert Jahre Geschichte zeigen, dass der Herr seine Kirche, unsere Kirche, lenkt. Das Schiff Petri setzt seine gefährliche Fahrt über das wogende Meer fort. Es bringt nach wie vor die Menschen, die sich ihm anvertrauen, sicher in den Hafen der ewigen Seligkeit.«

Seliger Giacomo Alberione, erwirke allen Menschen die Gabe des Heiligen Geistes, damit sie ihre Herzen dem Licht Christi öffnen und das Wort seines Stellvertreters mit offenen Ohren aufnehmen.

Dom Antoine Marie osb

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