Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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19. März 2010
Hl. JOSEF, Bräutigam der Gottesmutter MARIA


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

«Unter den Gefahren, die heute die Jugend und die gesamte Gesellschaft  bedrohen, stehen Drogen an erster Stelle, denn sie sind so gut wie  unsichtbar und daher umso heimtückischer ... Diesem Phänomen liegt oft ein von menschlichem und religiösem Skeptizismus sowie von Hedonismus geprägtes Klima zugrunde, das in Frustration, existenzielle Leere, Sinnverlust sowie in dramatischen Verfall mündet ... Das von gewichtigen ökonomischen und mitunter auch politischen Interessen genährte Krebsgeschwür der Drogen hat sich auf die ganze Welt ausgebreitet«, sagte Papst Johannes-Paul II. (27. Mai 1984 und 24. Juni 1991).

Am 14. Mai 1991 erhob der Papst den jungen Redemptoristenpater Alfred Pampalon, der seit seinem seligen Tod im Jahre 1896 von Alkohol- und Drogensüchtigen um Beistand angerufen wird, zu einem Ehrwürdigen Diener Gottes. Das unscheinbare Leben dieses Mannes leuchtet wie ein Stern über unserer nach materiellem Erfolg und persönlichem Wohlbefinden lechzenden Welt. Er selbst hatte sein Leben auf die überirdische Wirklichkeit gegründet, und seine Fürsprache hatte zahlreiche Gebetserhörungen – sogar zeitlicher Art – bewirkt.

Alfred kam als neuntes Kind einer tiefgläubigen Familie am 24. November 1867 in der Gemeinde „Notre-Dame de Lévis« in Québec zur Welt. Sein Vater Antoine war Kirchenbauer. Seine Mutter Joséphine zeichnete sich durch besondere Demut und Glaubensstärke aus; sie wachte liebevoll über ihre Kinder. In der Familie wurde jeden Abend gemeinsam gebetet, vornehmlich der Rosenkranz. Zwei Brüder und eine Schwester Alfreds sollten sich später Gott weihen. Alfred war besonders freundlich und hilfsbereit; durch seine Mutter lernte er früh die Güte des Herrn kennen und konnte bald die Namen „Jesus, Maria und Josef« richtig aussprechen.

Eine noch bessere Mutter

Mit fünf Jahren verlor Alfred seine Mutter, unmittel- bar nachdem sie ein zwölftes Kind geboren hatte. Kurz vor ihrem Tode rief Frau Pampalon ihre acht noch lebenden Kinder zu sich und betrachtete sie mit einem zärtlichen Lächeln: „Meine lieben Kleinen, eure Mama wird bald sterben ... Ich liebe euch sehr, aber ich muss gehen ... Ihr werdet keine Mama mehr auf Erden haben ... Ich vertraue euch jedoch einer noch besseren Mama an, der besten überhaupt, der heiligen Gottesmutter. Sie streckt euch ihre Arme entgegen. Liebt sie und betet zu ihr! Sie wird sich eurer annehmen ...« Alfred weinte still. Die Worte des für ihn liebsten Wesens auf der Welt brannten sich in sein Gedächtnis ein und sollten fortan sein ganzes Leben prägen. Die Mutter starb mit 45 Jahren am 2. Juli 1873.

Ein Jahr später beschloss Herr Pampalon, wieder zu heiraten. Er nahm eine tüchtige irische Witwe zur Frau, Marguerite Phélan, die seine Kinder wie ihre eigenen behandelte. Alfred benahm sich freundlich und liebenswürdig zu seiner Stiefmutter. „Er hatte stets ein Lächeln auf den Lippen«, erzähle Marguerite. „Er war fröhlich, freundlich, hilfsbereit zu jedem und brachte meine Kleinen (seine Halbgeschwister) oft zum Lachen.«

Im September 1876 kam Alfred mit neun Jahren als externer Schüler auf das von Diözesanpriestern geleitete Lévis-Kolleg. Er verbrachte fünf Jahre dort, ohne auch nur einmal daran zu denken, Priester zu werden: Er interessierte sich für den Handel und wählte sämtliche klassischen Fächer zugunsten der kaufmännischen ab. Im Mai 1877 empfing er die Erstkommunion, am Rosenkranzfest im Oktober dann das Sakrament der Firmung.

Da machte sich plötzlich ein Hang zum Spirituellen in ihm bemerkbar, der immer ausgeprägter wurde. Er beichtete und kommunizierte einmal pro Woche, was damals eher außergewöhnlich war; zudem ministrierte er gern. Da sein Weg täglich an der Pfarrkirche vorbeiführte, pflegte er dort einzukehren, um zu unserem Herrn und zur heiligen Jungfrau Maria zu beten. „Ich kann mich nicht erinnern, dass er in den zehn Schuljahren, die ich mit ihm zusammen in einer Klasse verbracht habe, auch nur einmal gegen die Disziplin verstoßen hätte«, berichtete ein Schulkamerad. „Er hatte die Angewohnheit, sich ganz vorne hinzusetzen, um dem Lehrer näher zu sein und weniger abgelenkt zu werden.« Alfred wirkte trotzdem anziehend. Er strahlte Gutmütigkeit aus; in den Pausen war er besonnen, manchmal etwas vorwitzig - ein bewährter Organisator. Bei bestimmten Spielen war er unschlagbar; die Jüngeren bewunderten ihn vor allem wegen seiner Geschicklichkeit im Cricket, im Fußball und im Baseball. Er war ein schneller Läufer. Da er trotz seiner Erfolge immer bescheiden und freundlich blieb, wurde er nicht nur bewundert, sondern war auch beliebt.

Ein strahlendes Lächeln

1881. Als Teenager war Alfred kein besonders guter  Schüler; zudem war er auf Grund eines Sprachfehlers – den er auch später nie ablegen konnte – akustisch schwer zu verstehen; nur im Katechismus zeigte er brillante Kenntnisse. Als er plötzlich lebensbedrohlich erkrankte, begann er zu beten und empfahl sich Maria. „Gott gab mir zu verstehen«, schrieb er, „dass Er mich nicht in der Welt, sondern ganz für sich haben wollte. Auf seinen Ruf hin beschloss ich, sobald ich wieder gesund werde, den Wirtschaftszweig zugunsten des humanistischen Zweigs aufzugeben, um Priester zu werden.« Alfred mäßigte seine Freude am Spiel; er blieb fröhlich, ja sogar schelmisch, doch er wollte fortan mit dem Herrn und nur für Ihn leben. Seine kränkliche Miene, die ihn nun sein Leben lang begleitete, war stets von einem strahlenden Lächeln erleuchtet. Seine schulischen Leistungen wurden immer besser.

1885 brachte ihn eine Lungenentzündung erneut an die Schwelle des Todes. Er empfing die Sterbesakramente. Da die Wallfahrtskirche von Beaupré, wo die Christen Québecs die heilige Anna als ihre Patronin verehrten, ganz in der Nähe lag, wandte sich die besorgte Familie mit ihren Gebeten an die Mutter der Jungfrau Maria, damit sie beim Jesuskind Alfreds Heilung erwirke. „Im Laufe meiner Schulzeit schälte sich immer mehr heraus, dass ich Priester werden wollte; mein endgültiger Entschluss fiel jedoch erst durch meine zweite Krankheit. Da wartete nämlich Gott auf mich, und zwar mit der Eingebung, ich solle die Verwirklichung meiner Absicht durch ein Gelübde bindend machen. Ich versprach es Ihm, wenn Er mich wieder gesund werden lässt.« Lehrer und Schüler des Lévis-Kollegs beteten mit den Eltern, um den Himmel zu dieser Gnade zu bewegen. Alfred wurde gesund. Sobald er wieder kräftig genug war, legte er, mit dem Rosenkranz in der Hand, die 35 km zur Wallfahrtsstätte Sainte-Anne-de-Beaupré zu Fuß zurück. Dort dankte er auf Knien vor der wundertätigen Statue und versprach, dem Beispiel seines Bruders zu folgen und Redemptorist zu werden.

Die Kongregation des Heiligsten Erlösers war 1732 vom hl. Alfons Maria di Liguori, einem Adligen aus Neapel, mit dem Ziel gegründet worden, soziale Randgruppen zu evangelisieren. Seine Ordensmänner, die sogenannten Redemptoristen, waren erst 1878 nach Sainte-Anne-de-Beaupré gekommen. Alfred hatte bereits vor seinem Entschluss „Die Herrlichkeiten Mariä« gelesen, ein Werk des Heiligen Alfons aus dem Jahre 1750. Da zu jener Zeit noch keine Redemptoristen in Kanada ausgebildet wurden, musste Alfred nach Europa reisen. Am 22. Juli 1886 verabschiedete er sich – mit 18 Jahren - von seiner Familie und fuhr nach St.-Truiden in Belgien ins Noviziat. Die Ausbildung dort war streng, basierte jedoch auf der Lehre der Heiligen: Alfred ging eifrig und frohgemut ans Werk. Er übernahm spontan die unbeliebtesten Aufgaben. Trotz seiner schwachen Gesundheit gab er sich große Mühe und war ein Vorbild an Demut und Gehorsam. Am 8. September 1887 legte er die ewigen Gelübde ab. Da er sich bereits ganz früh den Händen Marias anvertraut hatte, rief er nun: „Ich habe meiner guten Mutter versprochen, ein Heiliger zu werden! Und mein Vertrauen auf sie lässt mich hoffen!«

Alfred wurde bald auf das Priesterseminar von Saint-Jean-de-Beauplateau entsandt, um dort zwei Jahre Philosophie und vier Jahre Theologie zu studieren. Dank seines fleißigen Betens und seines großen Arbeitseifers erzielte er immer bessere Ergebnisse. Seine Motivation lag darin, dass er sein künftiges Apostolat möglichst gut ausüben wollte. Am 4. Oktober 1892 wurde er zum Priester geweiht und trat danach seine erste Stelle in Mons in Belgien an: Er predigte bei Gemein–demissionen, nahm Beichten ab, unterwies Kinder im Katechismus und machte Krankenbesuche. Vom Anbeginn seines Ordenslebens an hatte er die Regel seines Instituts als Schutz betrachtet: Er wusste instinktiv, dass man ohne Lebensdisziplin das Ziel aus den Augen verlieren kann. Seine Empfehlung lautete: „Willst du ein Heiliger werden, ein großer Heiliger? Dann befolge ganz genau deine Regel und die Vorschriften deiner Vorgesetzten.«

Ein sicherer Lotse

Woraus bezog Alfred seine Seelenstärke? „Es gibt  keine Tugend ohne Gebet«, sagte er und meinte insbesondere das Gebet, das zur Quelle, zur Allerheiligsten Eucharistie, emporsteigt. Er verharrte oft regungslos auf Knien in der Kapelle, die Augen auf das Tabernakel gerichtet. Dabei verwechselte er keinesfalls Mittel und Zweck miteinander: „Wer Gott wirklich liebt«, sagte er, „der bezeugt Ihm diese Liebe durch Werke und durch Leiden, anders gesagt, der fügt sich Seinem heiligen Willen.« Alfreds Handeln zeigte, dass er sich der Gegenwart Gottes bewusst war. Er prägte das Gemeinschaftsleben durch seine Freundlichkeit und Milde, was ihn allerdings nicht daran hinderte, gelegentlich ohne jede Rücksicht frei seine Meinung zu sagen.

Der Gerechte wird leben aus Glauben, sagt der Römerbrief (1,17). Alfred machte sich dieses Wort zueigen: „Im spirituellen Leben darf man sich nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern nur vom Glauben. Das Gefühl täuscht oft; der Glaube ist ein unmissverständlicher und sicherer Lotse.« Er zeigte Alfred, dass die Liebe zu Gott eine Absage an jede absichtlich begangene Sünde beinhaltet. „Es gibt nur ein einziges Übel, die Sünde, und nur ein einziges Gut, Gott«, sagte er. „Nie werde ich, um jemandem zu gefallen, auch nur die kleinste Verfehlung begehen.« Der Katechismus formuliert diese Wahrheit so: „Im Licht des Glaubens gibt es nichts Schlimmeres als die Sünde, nichts hat so arge Folgen für die Sünder selbst, für die Kirche und für die ganze Welt« (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1488).

Alfred erneuerte häufig sein Taufversprechen und seine Ordensgelübde. Sein inniger Glaube schien besonders beim Feiern des heiligen Messopfers auf; die reife Hoffnung „nimmt den lieblichen Namen des Vertrauens an ... Ich muss den Frieden meines Herzens bewahren und darf nicht die geringste Störung zulassen. Das Maß unserer Heiligkeit hängt vom Maß unseres Vertrauens ab.« So gelang es ihm, sich mit allem zufrieden zu geben: mit seinen Vorgesetzten, seinen Mitbrüdern, den inneren Prüfungen, dem göttlichen Trost, den Studienproblemen und der Krankheit.

Pater Alfred stellte die leidenschaftliche Liebe zu Jesus Christus über alles. Er war tief beeindruckt von dem Wort des hl. Johannes: Darin besteht diese Liebe: Nicht dass wir Gott liebten, sondern dass er uns liebte und seinen Sohn sandte zur Sühne für unsere Sünden (1 Joh 4,9-10). Er wollte diese Liebe mit Liebe vergelten. Er betrachtete die Krippe, das Kreuz, die Eucharistie; jeden Tag betete er den Kreuzweg und las in der Heiligen Schrift. Vor allem während seiner letzten Krankheit wiederholte er oft die Worte: „Möge meine Beständigkeit nie nachlassen! Noch ein bisschen, und ich bin in der Ewigkeit.« Wenn wir uns an der ewigen Wirklichkeit orientieren, hilft uns der Gedanke an den Tod, die Liebe zu Gott über jede andere Liebe zu stellen; deshalb haben die Heiligen so oft an den Tod gedacht.

Lobpreis der Barmherzigkeit

Alfred brannte darauf, Seelen zu retten: „Ich will ein  heiliger Priester werden und für immer bleiben, um für das Heil meiner Nächsten etwas bewirken zu können. Je heiliger ich werde, desto mehr Seelen werde ich retten.« Da er auf Grund seiner körperlichen Schwäche nicht viel predigen konnte, widmete er sich umso fleißiger dem Beichtdienst. Auch zu den Gemeindemissionen leistete er einen bescheidenen Beitrag: Er pflegte sich der Kinder anzunehmen und bereitete sie auf den Empfang des Sakraments der Buße sowie der Eucharistie vor. Seine klaren und praktischen Anleitungen waren sehr geschätzt. In Anbetracht seines Sprachfehlers durfte er nur eine einzige große Predigt halten: Sie war ein Lobpreis der Barmherzigkeit Mariens. Er wollte so sehr am Reich Gottes mitbauen, dass er die christliche Kasteiung schätzen lernte, ein wirksames Mittel, um sich von seiner Eigenliebe zu befreien. Selbst unterwegs aß er nur wenig und ertrug seine Schmerzen stets klaglos.

Wegen seiner Lungenkrankheit wurde er im Mai 1895 von dem in einem Bergbaugebiet gelegenen Mons in die gute Luft von Saint-Jean-de-Beauplateau in den Ardennen versetzt. Er schrieb: „Meine Art zu missionieren besteht darin, für die Seelen zu beten.« Die Maßstäbe der Welt hatten keine Geltung für ihn, und so gab es seiner Meinung nach „von allen Lastern keines, das die Seelen auf dem Wege der Frömmigkeit so zurückgeworfen hat, wie der Hochmut; der Geist der Eitelkeit erzeugt den unmäßigen Wunsch, Eindruck zu machen und mit allem, was man tut, Erfolg zu haben.« Er sprach wenig von sich selbst, verwies gern auf seine geringen intellektuellen Fähigkeiten und verrichtete bereitwillig die niedrigsten Arbeiten.

Alfred litt von seinem 14. Lebensjahr bis zu seinem Tode an Tuberkulose und bot ihr, so gut es ging, die Stirn. Doch am 5. Februar 1896, neun Monate nach seinem unfreiwilligen Rückzug, musste er sich damit abfinden, ans Krankenlager gefesselt zu sein: Ein Lungenflügel war völlig verloren, der andere schwer geschädigt. Der Arzt sagte seinen Tod für März oder April voraus. Der Kranke verbrachte seine Tage im Sessel: „Die einen arbeiten, die andern werden bearbeitet. Ich werde von der Krankheit bearbeitet.« Seine Zeit füllte er mit Beten sowie dem Lesen von Heiligenbiographien und ging nie müßig. Er hustete Tag und Nacht. Zur Schwindsucht kam bald auch noch die Ruhr hinzu, so dass er nach kurzer Zeit völlig wundgelegen war. Trotz all dem verlor er nie die Geduld, sondern blieb freundlich und heiter; seine Besucher kamen gern zu ihm. Das heilige Messopfer, das er jeden Tag feierte, verlieh ihm die Kraft, vereint mit dem ans Kreuz genagelten Heiland, alles zu ertragen. Bald konnte er sich dabei nicht mehr lange aufrecht halten und musste mehrmals eine Pause einlegen. Den ganzen September über schwebte Alfred zwischen Leben und Tod. Am 29. September empfing er zum letzten Mal die heilige Kommunion. Da konnte er kaum mehr sprechen. Am 30. begann er um ein Uhr nachts plötzlich mit lauter und vernehmlicher Stimme das Magnificat zu singen. Um zwei Uhr bat er um Absolution von allen Verfehlungen seines Lebens. Kurz vor acht Uhr richtete er seine Augen lächelnd zum Himmel empor, als sähe er dort jemanden, und tat dabei seinen letzten Atemzug. Er war keine 29 Jahre alt.

Eine Flut von Zeugnissen

Ein armseliges und steriles Leben, wie es scheint! Der  schwächliche Priester hatte in der Tat kein Interesse an Unterhaltungen, die um profane Themen kreisten, und schien auch nichts davon zu verstehen. Trotzdem wurde gleich nach seinem Tode zu ihm gebetet. Sein Bruder Pierre schrieb zehn Jahre später: „Ich habe die zeitlichen Gnadenerweise gesammelt, die auf seine Fürsprache zurückgeführt werden, und bin bereits bei der Nr. 275, aber ich entdecke immer weitere. Ich habe mindestens 26 Fälle, in denen eine Wunderheilung vorzuliegen scheint.« Das wird auch von den Annalen von Sainte-Anne-de-Beaupré bezeugt: „Alkoholiker und Drogensüchtige scheinen die besondere Aufmerksamkeit und das Mitgefühl dieses Dieners Gottes zu erregen. Wir bekommen eine Flut von Zeugnissen von überall her ...« Alfred Pampalon wird gern von jungen Leuten um Hilfe gebeten. Die Zahl der durch ihn erlangten Gnaden wächst heute noch weiter.

„Drogen und Drogensucht betreffen«, nach Ansicht des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, „insbesondere Jugendliche, ungeachtet ihres Herkunftsmilieus. Nie zuvor haben die verschiedensten Drogen und ihr Gebrauch eine so bedeutende Aufwertung erfahren. Sie gelten als Schlüssel zu mehr ‚Freiheit', als eine Quelle von Geselligkeit und Wohlbefinden« („Kirche, Drogen und Sucht«, 2002, Nr. 1). Ein illusorisches Versprechen! Die Wirkung ist nämlich genau entgegengesetzt. Der Süchtige wird labil, grundlegend depressiv und gerät in Abhängigkeit von bestimmten Gruppen sowie von Dealern; rastlos, hemmungslos und bisweilen ängstlich in seiner Gier, fühlt er sich oft bedroht und sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr: „Es wäre besser, wenn es mich nicht gäbe.« Der Süchtige tut sich schwer damit, sich für Personen und Dinge zu interessieren, denn sein Verstand kreist hauptsächlich um die Droge (Ibid. Nr. 517). Daher die Mahnung von Papst Johannes-Paul II.: „Der Gebrauch von Drogen ist immer sittenwidrig, der er impliziert einen ungerechtfertigten und irrationalen Verzicht darauf, als freie Person zu denken, zu wollen und zu handeln ... Der Mensch hat kein Recht, seine persönliche Würde, die ein Geschenk Gottes ist, abzulegen!« (23. November 1991; ibid. Nr. 43). Demnach ist der Genuss von Drogen «abgesehen vom rein medizinischen Gebrauch ... eine schwerwiegende sittliche Verfehlung« (Katechismus, Nr. 2291).

Um dem Übel vorzubeugen, wird die Freigabe der angeblich unschädlichen „sanften Drogen« gefordert. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass der Genuss solcher Mittel die Vereinzelung und die Abhängigkeit fördert; zudem regt er zum Umstieg auf härtere Substanzen an. Auf Grund ihrer Heilkraft finden in der Medizin zahlreiche giftige Produkte Verwendung; werden sie jedoch missbräuchlich oder in einer bestimmten Kombination genossen, können sie zur Droge werden. Das gilt auch für den Tabak- wie für den Alkoholkonsum; Trunksucht ist nicht weniger gefährlich als Cannabisrausch.

Dem Übel vorbeugen

In den meisten Zeugnissen geben die Süchtigen an, sie  konsumierten ihre Drogen, um „sich was Gutes zu tun«, um sich Genuss zu verschaffen. Der Genuss führt jedoch dazu, dass man aus dem Augenblick heraus, d.h. ohne jede Rücksichtnahme, handelt. Der Drogen-konsument begibt sich in eine Spirale der Abhängigkeit, bis das Verlangen nach Drogen schließlich alles andere verdrängt. Die Befreiung von diesem Zwang setzt einen Erkenntnisprozess voraus: Verlangen und Freuden – die an sich gut sind – hängen vom Selbstverständnis der betreffenden Person ab, von seinem Innenleben, seiner Willenskraft und seinem Verantwortungsgefühl. Es ist demnach absolut notwendig, seine Existenz auf eine Moral, eine echte religiöse Haltung zu gründen. Um existentiellen Schwierigkeiten, insbesondere durch Krankheit, Einsamkeit und Tod bedingten Problemen, zu begegnen, muss man erst den Sinn des Lebens für sich entdecken:

„Das freudige Überzeugtsein von der Unsterblichkeit der Seele, die künftige Auferstehung des Leibes und die ewige Verantwortung für die eigenen Taten ist die sicherste Methode, dem schrecklichen Übel der Drogen vorzubeugen, ihre Opfer zu pflegen und zu rehabilitieren, sie in ihrer Beharrlichkeit zu stärken, damit sie nicht vom rechten Weg abweichen« (Johannes-Paul II., 7. September 1984). Jeder muss auch lernen, heilsamen Verzicht zu üben. Nur so kann eine freie, verantwortungsbewusste Persönlichkeit entstehen. Der Diener Gottes sagte auch: „Das Geschenk des Lebens verweist auf Nüchternheit, Keuschheit, Widerstand gegen die Zunahme der Pornographie sowie Sensibili-sierung für die Drogengefahr« (19. Juni 1983). Das Fami-lien-leben betrachtete der Papst als wirkkräftiges Mittel gegen die Versuchung, sich in eine Traumwelt zu flüchten; daher sein Appell an Eheleute, stabile, auf gegenseitige und lebensoffene Liebe gegründete eheliche und familiäre Beziehungen zu unterhalten, geben und vergeben zu können.

Pater Pampalon hat diese Welt auf den Tag genau ein Jahr vor der hl. Therese vom Kinde Jesus verlassen. Beide träumten davon, zu neuen Missionen in die Ferne aufzubrechen; beide sehnten sich nach dem Märtyrertod und starben jung; beide hatten Tuberkulose und litten unsägliche Qualen; beide entdeckten, dass ihre Berufung die Liebe war - ihr ganzes unscheinbares Leben lang. Pater Alfred wird bei Gott eine ähnliche Rolle zugefallen sein wie der Patronin der Weltmission: bei Menschen in Notlagen Barmherzigkeit üben.

Ehrwürdiger Diener Gottes, erwirke allen Drogenabhängigen die Gabe der wahren Hoffnung, die uns nicht zuschanden werden lässt (Röm 5,5)!

Dom Antoine Marie osb

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