Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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6. Januar 2010
Erscheinung des Herrn


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Frühling 1944. Ganz Mitteleuropa ist von Nazideutschland besetzt.  Durch Druck auf die ungarische Regierung hat Hitler erreicht, dass die  Juden des Landes – mit Blick auf ihre baldige Deportation – per Erlass gezwungen werden, in Ghettos zu wohnen. Ein Bischof nimmt dazu in seiner Pfingstpredigt vor der Zivilverwaltung mit folgenden Worten Stellung: „Wer das grundlegende Gebot der christlichen Nächstenliebe verleugnet und behauptet, dass es hassenswerte Menschen und Rassen gibt, wer behauptet, dass man Schwarze und Juden unterdrücken darf, der muss als Heide betrachtet werden, selbst wenn er sich seines Christseins rühmt ... Indem er sich an solchen Aktionen beteiligt bzw. sie befürwortet, begeht er eine schwere Sünde und darf keine Absolution empfangen, solang er keine Wiedergutmachung geleistet hat.« Gleichzeitig schreibt der Kirchenmann einen Brief an den Innenminister, um ihn an seine Verantwortung vor Gott zu erinnern. Man droht ihm daraufhin mit Internierung; der Bischof erwidert nur: „Ich bin bereit.« Wer war dieser mutige Zeuge Jesu Christi?

„Ich werde dir so schöne Sachen spielen«

Vilmos (Wilhelm) Apor wurde am 29. Februar 1892  in Segesvár im damals ungarischen, heute rumänischen Siebenbürgen geboren. Die Familie hatte insgesamt neun Kinder; Vilmos war das siebte Kind. Sein Vater, Baron Apor, Spross einer berühmten Familie und brillanter Jurist, wurde 1895 von Kaiser Franz Joseph zum Staatssekretär ernannt; er zog mit seiner Familie nach Wien, starb jedoch bereits 1898 mit 47 Jahren. Der kleine Vilmos war bestürzt, als er seine Mutter weinend trauern sah, und sagte zärtlich: „Mama, ich lerne Geige; ich werde dir so schöne Sachen spielen, dass du Papas Tod vergisst.« Die Witwe erzog die Kinder streng und legte großen Wert auf deren religiöse Erziehung. Vilmos ging bei den Jesuiten zur Schule. Auf Grund seines liebenswürdigen und zugleich entschlossenen Temperaments war er bei seinen Kameraden beliebt. Echauffierte er sich einmal zu sehr bei einem Streit, bat er hinterher alle, die er verletzt hatte, um Vergebung.

Schon in seiner Kindheit vernahm Vilmos den Ruf Gottes und wollte Priester werden. Ende 1909 wurde er vom Bischof von Györ (Nordwestungarn), mit dem er verwandt war, auf das dortige Seminar aufgenommen. Nachdem er bei den Jesuiten zum Doktor der Theologie promoviert hatte, wurde er am 24. August 1915 zum Priester geweiht. Das Land befand sich im Krieg: Sein Bruder war an der Front, seine Mutter und seine Schwestern pflegten Verwundete.

Vilmos folgte seinem Bischof bei dessen Versetzung nach Nagyvárad (heute Oradea) in Siebenbürgen und wurde selbst bald zum Pfarrvikar in Gyula ernannt. Während der letzten Kriegsmonate arbeitete er als Geistlicher des Roten Kreuzes an verschiedenen Fronten; Anfang 1919 kehrte er als Pfarrer nach Gyula zurück und blieb 25 Jahre lang dort. Er war kein großartiger Prediger, dennoch wirkte er durch seinen tiefen Glauben sehr überzeugend auf die Gläubigen. Als gütiger Beichtvater gewann er alle Herzen für sich. Der Amtsantritt des jungen Pfarrers fiel in die schwere Zeit der kurzen aber brutalen kommunistischen Diktatur unter Béla Kun. Der örtliche Revolutionsrat beschloss ein Verbot des Religionsunterrichts; Vilmos organisierte eine Demonstration vor dem Rathaus und erzwang die Rücknahme des Beschlusses. Bald danach wurde die südungarische Stadt von rumänischen Truppen besetzt, die, um die Bevölkerung einzuschüchtern, ungarische Offiziere als Geiseln nahmen; um deren Freilassung zu erreichen, reiste Pfarrer Apor nach Bukarest und intervenierte persönlich bei der rumänischen Königin Maria.

Durch den Vertrag von Trianon (1920) wurde Ungarn aufgeteilt; Siebenbürgen kam zu Rumänien. Gyula blieb ungarisch, wurde jedoch zu einer Grenzstadt, was einen wirtschaftlichen Verfall nach sich zog. Bischof Ottokár Prohászka forderte die Bevölkerung zur Umkehr auf und erinnerte an die katholische Vergangenheit des Landes unter dem hl. Stephan (997-1038). Der Appell stieß auf breite Resonanz; Vilmos Apor engagierte sich voller Begeisterung für die religiöse und soziale Erneuerung und rief bereits 1921 in seiner Gemeinde die Bewegung „Katholische Aktion« ins Leben. 1922 führte er eine Volksmission durch, bei der er bis spät in die Nacht hinein seinen Gemeindekindern zur Verfügung stand; als seine Mutter ihn bat, sich zu schonen, erwiderte er: „Ich kann die Gläubigen nicht ausgerechnet dann fortschicken, wenn sie mich vielleicht am meisten brauchen.« Seine Freigebigkeit war grenzenlos: Er verschenkte selbst Unentbehrliches (z.B. seine Schuhe) an Notleidende. Er kümmerte sich gern um Jugendliche, die er mit seiner Begeisterung ansteckte, und ebenso um Behinderte. Oft ging er in Altersheime, um die Messe zu lesen. Sein Lieblingsprojekt aber war ein von ihm gegründetes Waisenheim.

Diese Aktivitäten hinderten Pfarrer Apor nicht daran, dem eigenen geistlichen Leben Vorrang einzuräumen. Er betete oft in der Kirche und nahm jedes Jahr an den ignatianischen Exerzitien der Jesuiten teil. Da er seinen priesterlichen Zölibat vorbildlich leben wollte, bekämpfte er jede sinnliche Regung durch Gebet, Buße, Mäßigung im Essen sowie durch gesunde körperliche Betätigung; Frauen gegenüber war er freundlich aber reserviert.

Bischof mitten im Krieg

Im Mai 1938 fand in Budapest ein internationaler  eucharistischer Kongress unter dem Vorsitz Eugenio Pacellis, des künftigen Papstes Pius XII. und damaligen Staatssekretärs von Papst Pius XI., statt. Die politische Lage war bedrohlich: Nach dem Anschluss Österreichs sah sich nun das benachbarte Ungarn von den Nazis bedroht. Die Enzykliken Pius' XI. (Mit brennender Sorge und Divini Redemptoris, 1938) gegen den National–sozialismus und den Kommunismus wurden in Ungarn in über zwei Millionen Exemplaren veröffentlicht. Vilmos Apos sollte im kirchlichen Auftrag an den Maßnahmen der Regierung mitwirken, um die Ausbreitung der Naziideologie möglichst einzudämmen. Im Januar 1941 ernannte ihn Pius XII. zum Bischof von Györ. Die Bischofsweihe fand auf Bitten seiner bisherigen Gemeinde in Gyula statt. Ein Teilnehmer schilderte seine Eindrücke so: „Als der frischgebackene Bischof Mitra und Kreuz empfangen und die Versammlung gesegnet hatte, bemerkte ich mit Erstaunen, wie verändert sein Gesicht und sein Äußeres waren; er wirkte wie verklärt. Man sah ihm die Gnade der apostolischen Nachfolge deutlich an.« Der Wahlspruch des Bischof lautete: Crux firmat mitem, mitigat fortem (Das Kreuz stärkt den Sanften und besänftigt den Starken). Als er feststellte, dass die Priester seiner Diözese sich ihrem Oberhirten nur schwer anvertrauen konnten, empfing er sie stets herzlich und führte eine offene Mittagstafel für sie ein. Seine väterliche Güte hinderte ihn nicht daran, insbesondere in Bezug auf die Feier des heiligen Messopfers anspruchsvoll zu sein. Die Ausbildung und das Benehmen seiner Seminaristen wurden von ihm streng überwacht. Gläubigen begegnete er mit unermüdlicher Geduld und half ihnen oft mit eigenen Mitteln aus; er wies selbst Alkoholiker und notorische Müßiggänger nicht ab.

Bischof Apor kannte die Soziallehre der Kirche, wie sie speziell in der Enzyklika Quadragesimo Anno (1931) von Pius XI. dargelegt worden war, und er war sich des Rückstands bewusst, den Ungarn auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit hatte. Die ungarischen Bischöfe waren damals Großgrundbesitzer; er selbst wollte das ändern, doch der Krieg verhinderte die Verwirklichung seines Plans. Er bemühte sich, den Bauern, die die bischöflichen Ländereien bewirtschafteten, ein gerechter Gutsherr zu sein, denn er bedauerte sehr, dass sich Arbeiter, die der sozialistischen Ideologie anhingen, der Kirche zunehmend entfremdeten. Er nutzte jede Gelegenheit zur Begegnung mit ihnen und kümmerte sich im Auftrag der ungarischen Bischöfe um die christlichen Verbände junger Arbeiter.

Vilmos Apor hatte sein Amt mitten im Krieg angetreten. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 versuchte das Dritte Reich, Ungarn in diesen Wahnsinn hineinzuziehen. Die ungarische Führung konnte lange geschickt lavieren. Im August 1943 wurde der Bischof von Györ Vorsitzender der „Katholischen Sozial-bewegung«, die von angesehenen Persönlichkeiten gegründet worden war, um die Voraussetzungen für eine Renaissance des Christentums in Ungarn nach dem Krieg zu schaffen. Sie hofften darauf, dass Amerika ihr Land vor dem sowjetischen Joch bewahren würde. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Ungarn (19. März 1944) wurden die Städte von alliierten Flugzeugen heftig bombardiert; am 13. April wurde die wichtigste Fabrik Györs zerstört, es gab 564 Tote und 1100 Verletzte. Die Stadt wurde bis Kriegsende noch 24 mal angegriffen. Der Bischof war sehr bemüht, die Bevölkerung zu trösten und zu unterstützen.

Die Zeit der Abrechnung kommt

Im Juni 1944 begann die Deportation ungarischer  Juden in deutsche Konzentrationslager. Bischof Apor versuchte den Opfern zu helfen, indem er ihnen Lebensmittel und Kleider schickte. Als ihm ein Besuch bei ihnen verwehrt wurde, sandte er ein Telegramm an Hitler: „Die himmlischen Gebote gelten auch für den Führer. Die Zeit wird kommen, da er vor Gott und der Welt Rechenschaft ablegen muss über seine Taten.« Der Diktator sollte dadurch an die Unausweichlichkeit des Jüngsten Gerichts erinnert werden, das über das ewige Schicksal eines jeden Menschen entscheidet. Jesus Christus hat uns gewarnt: Und es werden hervorgehen, die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes (Joh 5,28-29) ... Und diese werden eingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben (Mt 25,31.32.46).

„Das Letzte Gericht wird zeigen, dass die Gerechtigkeit Gottes über alle Ungerechtigkeiten, die von seinen Geschöpfen verübt wurden, siegt und dass seine Liebe stärker ist als der Tod« (Katechismus der Katholischen Kirche, 1040).

Im Oktober 1944 setzte Hitler in Ungarn eine Marionettenregierung unter Szálasi ein. Bald beklagte sich Kardinalprimas Serédi über die systematische Judenverfolgung. Der apostolische Nuntius von Papst Pius XII., Mgr. Rotta, konnte in Zusammenarbeit mit vier Botschaftern neutraler Länder (Schweden, Schweiz, Spanien und Portugal) viele Juden retten. Bischof Apor versteckte mehrere Personen in seinem Bischofspalast sowie auf dem Dachboden der Kathedrale. Einer von ihnen, den niemand in Györ aufzunehmen gewagt hatte, schilderte später die herzliche Aufnahme, die ihm zuteil wurde, und das persönliche Engagement des Bischofs bei der Suche nach einem sicheren Versteck in Budapest.

Am 31. Oktober 1944 verfasste der Bischof von Veszprém, Joszef Mindszenty, eine Petition an Szálasi und beschwor ihn darin, die Waffen niederzulegen, um eine Besetzung Westungarns durch die Rote Armee zu verhindern. Die von Bischof Apor mitunterzeichnete Bittschrift hatte lediglich die Verhaftung Mindszentys zur Folge. An Weihnachten drangen die sowjetischen Truppen bis nach Esztergom, der religiösen Hauptstadt Ungarns, vor. Bischof Apor erkannte bereits bei dieser ersten Offensive der Roten Armee, welche Art von Befreiung Ungarn erwartete: Plünderungen, Massaker, Vergewaltigungen. Im März 1945 brach die deutsche Verteidigungslinie zusammen; die Russen rückten bis Györ vor. In der Stadt spielten sich heftige Straßenkämpfe ab. Am 28. März stürzte der brennende Turm der Kathedrale ein und steckte das ganze Gebäude in Brand. Der Bischof zog sich in seine Residenz zurück, die bei den Bombardements verschont geblieben war und in deren weitläufigem Keller rund hundert Frauen aus Angst vor Vergewaltigungen Zuflucht gesucht hatten.

Nicht gleichgültig bleiben

Gewalt gegen Frauen ist leider weder neu, noch  gehört sie einer längst vergangenen Zeit an. In seinem Brief an die Frauen vom 29. Juni 1995 schrieb Papst Johannes-Paul II.: „Wie könnten wir, wenn wir sodann auf einen der heikelsten Aspekte der Situation der Frau in der Welt blicken, die lange und erniedrigende - häufig freilich ‚untergründige' - Geschichte der im Bereich der Sexualität gegenüber Frauen verübten Gewalttätigkeiten unerwähnt lassen? ... Wir können diesem Phänomen gegenüber nicht gleichgültig bleiben und resignieren. Es ist an der Zeit, die Formen sexueller Gewalt, deren Objekt nicht selten die Frauen sind, nachdrücklich zu verurteilen und geeignete gesetzliche Mittel zur Verteidigung hervorzubringen. Im Namen der Achtung der menschlichen Person müssen wir außerdem Anklage erheben gegen die verbreitete, von Genußsucht und Geschäftsgeist bestimmte Kultur, die die systematische Ausbeutung der Sexualität fördert, indem sie auch Mädchen im jungen Alter dazu anhält, in die Fänge der Korruption zu geraten und sich für die Vermarktung ihres Körpers herzugeben« (Nr. 5).

Für den Schutz der Keuschheit und der Ehre der zu ihm geflüchteten Frauen zu jedem Opfer bereit, erwartete Bischof Apor gefasst die Ankunft der sowjetischen Soldaten. Am Mittwochabend drangen die ersten bewaffnet und heulend in den Bischofssitz ein. Der Bischof konnte sie besänftigen, indem er ihnen Uhren und andere Wertgegenstände gab. Er blieb die ganze Nacht auf: „Ich muss doch für den Fall, dass etwas passiert, da sein.« Am folgenden Tag las er die Messe im Keller. Immer wieder kamen plündernde und prügelnde Soldaten vorbei. Einer von ihnen forderte den Bischof auf, ihm Zugang zum Keller zu gewähren. Als dieser sich weigerte, rief ein anderer Soldat: „Verpass ihm doch ein paar Kugeln in den Bauch!« Vilmos rührte sich nicht von der Stelle. Er hielt eine zweite Nacht (von Gründonnerstag auf Karfreitag) Wache und las den Gläubigen den Passionsbericht vor.

Am Freitag schickte Bischof Apor zwei Priester zum sowjetischen Führungskommando und bat um Schutz für alle Bewohner der Residenz; die zynische Antwort lautete, die russischen „Partisanen« dürften tun, was sie wollten. Gegen 19 Uhr erschien eine Gruppe betrunkener Soldaten unter der Führung eines Majors, der zunächst sehr freundlich tat und verlangte, dass man ihm die jungen Frauen, die gerade für die Armen Suppe kochten, mitgebe, „zum Kartoffelschälen und um kleine Näharbeiten auszuführen«; mit einigen Soldaten betrat er den Keller. Der Bischof stürzte hinterher und versprach, ihm eine Gruppe Freiwilliger aus der Reihe der älteren Männer und Frauen zu schicken.

„Onkel Vilmos ... Hilfe!«

Der Ton verschärfte sich, die Soldaten wurden immer  aufdringlicher; der Bischof weigerte sich weiterhin standhaft, die jungen Frauen gehen zu lassen, wusste er doch nur zu gut, was sie erwartete. Wutentbrannt packte der Major den Bischof am Arm und zog seine Pistole, doch er zögerte zu schießen. Vilmos Apor nutzte den Augenblick, um ihm aus dem Keller zu stoßen, und postierte sich vor dem Eingang. Sogleich drangen Schreie voller Panik aus dem Keller: „Onkel Vilmos ... Hilfe!« Die unten gebliebenen Soldaten schickten sich an, die jungen Frauen zu bedrängen. Bischof Apor stürzte hinunter, gefolgt von seinem Neffen, zwei Priestern und dem Major. Ohne Rücksicht auf seine eigene Sicherheit rief er der Soldatenmeute zu: „Hinaus! Hinaus!« Einer eröffnete daraufhin das Feuer. Der Bischof wurde von drei Kugeln getroffen: Die dritte traf ihn in den Bauch. Sein 17-jähriger Neffe Sándor Pálffy, der versucht hatte, ihn mit seinem Körper zu schützen, wurde ebenfalls verletzt. Aus Angst vor Bestrafung liefen die Soldaten Hals über Kopf davon.

Ein Arzt, der gerade zur Stelle war, stellte fest, dass eine Operation nötig war, um die Kugel zu entfernen. Auf die Frage, ob er Schmerzen hätte, antwortete Bischof Apor ruhig: „Ich danke Jesus dafür, an Karfreitag leiden zu dürfen.« Der Krankenwagen, der ihn ins Krankenhaus brachte, wurde von russischen Soldaten angehalten und durchsucht. Als sie dem Verletzten mit ihren Taschenlampen ins Gesicht leuchteten, sah er sie mit sanften Augen an und segnete sie. Nach der Operation rief Vilmos Apor, noch halb benommen, mehrmals laut: „Ja! Ja! Ja!...« Später vertraute er seiner Schwester Gizella an, dass er vor dem Kreuz, das auf ihn wartete, einen Augenblick gezaudert habe; sein mehrfaches „Ja« sollte dann seine Einwilligung in Leid und Tod ausdrücken. Am nächsten Tag wurde er von einem Priester besucht, der ihm versicherte, dass keine einzige Frau, die in den Bischofspalast geflohen war, vergewaltigt worden sei. Der Bischof lächelte vor Freude und murmelte: „Das war die Mühe wert ... Ich danke dem lieben Gott, dass er mein Opfer angenommen hat!« Als der Kanzler der Diözese sich bei den sowjetischen Behörden beschweren wollte, wurde er gleichgültig abgewiesen. Er erfuhr von zahlreichen – von den Offizieren gedeckten – Über-griffen seitens der Soldaten der Roten Armee. Später fiel ihm jedoch auf, dass allen Personen, für die Bischof Apor bereitwillig sein Leben eingesetzt hatte, himmlischer Schutz zuteil geworden war.

„Das war die Mühe wert ...« In einer Ansprache vom 9. Februar 2008 rief Papst Benedikt XVI. nachdrücklich zur Verteidigung der Würde der Frau auf: „Es gibt Orte und Kulturen, wo die Frau aus dem einzigen Grund, weil sie Frau ist, diskriminiert oder unterschätzt wird, wo sogar religiöse Gründe vorgeschoben und familiärer, sozialer und kultureller Druck ausgeübt werden, um an der Ungleichheit der Geschlechter festzuhalten, wo Akte der Gewalt gegenüber der Frau verübt werden, indem man sie misshandelt und zum Objekt der Ausbeutung in der Werbungs-, Konsum- und Vergnügungsindustrie macht. Angesichts derart schwerwiegender und andauernder Vorkommnisse erscheint der Einsatz der Christen noch dringender, damit sie überall zu Förderern einer Kultur werden, die der Frau im Recht und in der Realität der Fakten die ihr zustehende Würde zuerkennt.«

Der Märtyrertod – ein persönliches Ostern

Die Schmerzen des Bischofs wurden unerträglich. Er  murmelte lediglich: „Ich bringe meine Schmerzen als Opfer für meine Schäfchen dar.« Am Ostermorgen empfing er die Kommunion. Am Abend begann sein Blutdruck zu sinken; der Arzt stellte eine Bauchfellent-zündung fest. Der Sterbende beichtete und empfing die Letzte Ölung. Er sagte: „Ich grüße meine Priester; sie sollen der Kirche die Treue halten und mutig das Evangelium verkünden!« Dann vergab er seinen Mördern und bot sein Leben als Sühnopfer für seine Heimat dar. Vilmos Apor gab seine Seele am Ostermontag, dem 2. April 1945, in die Hand Gottes zurück. Er wurde am 9. November 1997 von Papst Johannes-Paul II. zur seliggesprochen und mit folgenden Worten gerühmt: „Nach dem Vorbild des Guten Hirten, der sein Leben für seine Lämmchen opfert, lebte der neue Selige sein Bekenntnis zum Ostergeheimnis in der ersten Person und bis zum höchsten Opfer durch. Seine Ermordung fand ausgerechnet am Karfreitag statt: Er wurde zu Tode getroffen, als er gerade seine Herde verteidigte. So machte er durch den Märtyrertod die Erfahrung eines persönlichen Osterns. Möge er die Gläubigen ermutigen, Christus ihr ganzes Leben lang ohne Zögern nachzufolgen. Zu dieser Heiligkeit ist jeder Getaufte berufen!«

Die Trauerfeier für den Märtyrer fand in der Bischofskirche am Altar mariens, der „Patronin Ungarns«, statt. Er wurde in aller Stille in der Kapelle der Karmeliterinnen beigesetzt. Seine sterblichen Überreste sollten nach 1948 in die instandgesetzte Kathedrale überführt werden – das Grabmal war bereits fertig -, doch die kommunistische Regierung untersagte die Umbettung. Sie konnte erst 1986 stattfinden.

Am 11. Mai 2007 sagte Benedikt XVI.: „Die Welt braucht reine Leben, klare Seelen, einfache Denker, die sich weigern, als Geschöpfe betrachtet zu werden, die Lustobjekte sind. Es ist notwendig, nein zu sagen zu jenen sozialen Kommunikationsmitteln, die die Heiligkeit der Ehe und die Jungfräulichkeit vor der Ehe lächerlich machen. Jetzt ist uns in der Gottesmutter der beste Schutz gegen die Übel gegeben, die das moderne Leben bedrohen; die Marienverehrung ist die sichere Gewähr für den mütterlichen Schutz und die Verteidigung in der Stunde der Versuchung.«

Bitten wir Gott durch die Fürsprache der ewig jungfräulichen Mutter Maria und des seligen Vilmos Apor um die Gnade, die Tugend der Keuschheit immer hochzuhalten; mögen wir zu jedem Opfer bereit sein, um sie zu verteidigen, bei uns wie bei anderen.

Dom Antoine Marie osb

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