Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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22. September 2009
Hl. Mauritius und Gefährten


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Das eigentliche Problem in dieser Stunde unserer Geschichte ist es«,  schrieb Papst Benedikt XVI. am 10. März 2009, „dass Gott aus dem  Horizont der Menschen verschwindet und dass mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.« Das von Gott kommende Licht enthüllt sich uns oft durch das Leben der Heiligen. „Der französische Schriftsteller Jean Guitton beschrieb sie als die ‚Spektralfarben des Lichtes'«, sagte Benedikt XVI. am 20. August 2008, „denn mit den ihnen jeweils eigenen Farbtönen und Akzentuierungen spiegeln sie das Licht der Heiligkeit Gottes wider. Wie wichtig und fruchtbringend ist es daher, die Kenntnis und Verehrung der Heiligen zu pflegen, neben der täglichen Betrachtung des Wortes Gottes und der kindlichen Liebe zur Gottesmutter!«

Guillaume de Grimoard, der spätere Papst Urban V., der 1870 seliggesprochen wurde, kam um 1310 auf Schloss Grisac im heutigen Département Lozère in Südfrankreich zur Welt. Seine Familie war berühmt für ihre christlichen Tugenden, besonders für ihre Mildtätigkeit den Armen gegenüber. Guillaume begann seine universitäre Ausbildung mit zwölf Jahren in Montpellier und wechselte dann für vier Jahre nach Toulouse, um dort Zivilrecht zu studieren. Seine Lehrer waren von seinem Verstand und seinen Fähigkeiten so angetan, dass sie ihm Hoffnung auf einen juristischen Lehrstuhl machten. Doch er trat völlig überraschend in ein Benediktiner–kloster in Chirac, der Heimat seiner Mutter, ein.

Warme, überzeugende Worte

Zum Abschluss seiner Novizenausbildung wurde  Guillaume nach Marseille in die Abtei Saint-Victor entsandt, wo er auch seine Gelübde ablegte und gute Anlagen bewies: Demut, Gehorsam, Liebe zum Gebet und zur Kasteiung. In sein Heimatkloster zurückgekehrt, empfing er die Priesterweihe und begann auf Anraten seiner Oberen schon bald in Toulouse, Montpellier, Paris und Avignon als Universitätslehrer zu wirken. Er war gerade 25 Jahre alt. An Allerheiligen des Jahres 1342 wurde er in Montpellier zum „Doktor des kanonischen Rechts« promoviert. Als Professor war Guillaume sehr erfolgreich: Er liebte seine Arbeit und war bei den Studenten beliebt. Tausende von Hörern drängten sich vor seinem Pult. Viele Leute holten sich Rat bei ihm: Die Reichen baten ihn um Schlichtung ihrer Streitigkeiten, die Armen um Beratung in Familienangelegenheiten. Nach seinen Vorlesungen pflegte er in eine Kirche zu gehen und fromme Ansprachen an die Gläubigen zu halten. Seine warmen, überzeugenden, liebevollen und nachsichtigen Worte nahmen das Herz der Armen für ihn ein. Bald wurde auch die kirchliche Obrigkeit auf seine Fähigkeiten aufmerksam. Er wurde zum Generalvikar von Clermont (1349). 1352 setzte ihn Papst Clemens VI. schließlich an die Spitze der Abtei Saint-Germain in Auxerre.

Um den in Rom wütenden Machtkämpfen zu entgehen, hatte das Papsttum seinen Sitz bereits 1309 nach Avignon verlegt. Clemens VI. institutionalisierte die Situation, indem er der provençalischen Gräfin und sizilianischen Königin Johanna I. die Stadt Avignon abkaufte. 1352 betraute der Papst Guillaume de Grimoard mit einer schwierigen Mission beim Erzbischof von Mailand, der die weltliche Macht des Heiligen Stuhls in Italien antasten wollte. Auch Innozenz VI., der Nachfolger Clemens' VI., übertrug ihm mehrere diplomatische Missionen, die er alle erfolgreich zu Ende führte, und ernannte ihn 1361 zum Abt des Klosters Saint-Victor in Marseille. Doch schon bald musste Guillaume im Auftrag Innozenz' VI. nach Neapel reisen, um der vor kurzem verwitweten Königin Johanna angesichts von Unruhen in der Bevölkerung mit Rat beizustehen. Im September 1362 starb der Papst. Zu seinem Nachfolger wurde nach einem schwierigen Konklave der damals 52-jährige Guillaume de Grimoard gewählt, wobei es völlig ungewohnt war, dass ein einfacher Mönch und Abt, der noch nicht einmal Bischof war, Papst wurde.

Die Krönung des neuen Pontifex fand am 6. November 1362 in Avignon statt. Guillaume wählte den Namen Urban, weil, wie er erklärte, „die früheren vier Päpste namens Urban alle heilige Männer gewesen sind«. Er selbst wünschte sich nichts sehnlicher als ein Heiliger zu werden und stellte sein Pontifikat vom ersten Tag an unter das Zeichen asketischer Strenge: Dem Brauch entsprechend stand alles bereit, damit er auf einem Pferd mit goldenem Harnisch durch die bunt geschmückte Stadt reitet, begleitet von einer Vielzahl von Fürsten und Bischöfen zu Pferde; doch er sagte den Reiterzug ab, behielt seine Kutte an, blieb im Schloss und schrieb mit eigener Hand Briefe an die herbeigereisten Würdenträger. Der gerade in Villeneuve-lez-Avignon eingetroffene französische König Johann II. musste also ohne jede Zeremonie vor dem Papst niederknien. Er war eigentlich gekommen, um am Festzug teilzunehmen, und wollte bei Urban die Ernennung von vier Kardinälen seiner eigenen Wahl erreichen; doch der Papst lehnte ab.

Licht und Schatten eines Jahrhunderts

Den historischen Hintergrund zum Pontifikat  Urbans V. bildete für Frankreich und England der Hundertjährige Krieg, für Europa die Bedrohung durch den Islam und für Italien die ständigen Kämpfe zwischen den Stadtstaaten. Das 14. Jahrhundert war zudem ab 1348 von den Schrecken der Schwarzen Pest geprägt, die in kürzester Zeit große Verheerungen anrichtete und das ganze gesellschaftliche Leben aus der Bahn warf. Die horrende Sterblichkeit (die Zahl der Opfer entsprach etwa einem Drittel der europäischen Gesamt–bevölkerung) drückte einer ganzen Generation ihren Stempel auf und veränderte die Einstellung der Leute. Um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, flohen die Bewohner der Städte aufs Land, wo sie allerlei Lastern frönten. Selbst die Klöster leerten sich. Der Klerus verließ die Städte; nur die Besten seiner Vertreter blieben, um den Sterbenden die letzten Sakramente zu spenden. Nach Abklingen der Seuche kehrten die Überlebenden in ihre Häuser, die Mönche und Nonnen in ihre Klöster, die Bischöfe in ihre Paläste zurück; etliche hatten auch Gefallen an der Unabhängigkeit und dem weltlichen Leben gefunden. Auf der anderen Seite wurden im 14. Jahrhundert mehrere Orden reformiert; der Anstoß dazu ging von mehreren Heiligen mit großer Ausstrahlung aus: Vincent Ferrier, Birgitta von Schweden, Katharina von Siena, usw.

Vor diesem Hintergrund bot das gebetserfüllte und genügsame Leben Urbans V. von Anfang an ein Vorbild für alle; da er tiefsten Herzens Mönch war, hielt er an der klösterlichen Lebensweise fest. Anderen gegenüber sehr großzügig, nahm er selbst nur gewöhnliche Speisen zu sich und schlief auf einer harten Pritsche; er fastete zwei bis drei Tage pro Woche und beichtete jeden Tag demütig, bevor er die Messe las. Er stockte die Spenden auf und sorgte dafür, dass die Ärmsten das Nötigste bekamen. Schönheitssinn bewies er durch die Auswahl liturgischer Gegenstände und die Pracht der in seinem Auftrag errichteten Gebäude.

Seine Kirchenreform setzte der Papst bei den Kardinälen an, und zwar nicht durch großartige Dekrete, sondern durch kleine Schritte und durchaus mit einer Prise Humor: Er schaffte das Asylrecht ab, das die Kardinalssitze in regelrechte Räuberhöhlen verwandelt hatte, beschränkte den Weinkonsum und erinnerte die Kirchenfürsten an ihre Aufgaben. Die Bischöfe wies er auf ihre Residenzpflicht hin, denn ein „führerloses Boot kann die Klippen nicht umsegeln und geht jämmerlich zugrunde.« Er ging streng gegen die Simonie, den Handel mit geistlichen Gütern, vor und untersagte die Häufung von Pfründen, d.h. von Besitztümern, die an ein kirchliches Amt bzw. eine kirchliche Würde gebunden waren. Bei Ernennungen berücksichtigte er weder die Wünsche von Königen noch die flehentlichen Bitten seiner Freunde und seiner Familie, sondern wählte die fähigsten Leute aus. Er reformierte mehrere Klöster, was mitunter einige Unruhe stiftete. So hatte er vor, den Kartäusern die Ordensregel des hl. Benedikt aufzuerlegen; erst als er über den Charakter des Eremitenordens aufgeklärt wurde, ließ er die Kartäuser an ihren ursprünglichen, vom hl. Bruno stammenden Bräuchen festhalten. Klöster und Krankenhäuser wurden auf seine Anordnung hin von Brüdern des Dominikaner- und Franziskanerordens visitiert und mussten insbesondere über die Verwendung ihrer Gelder Rechenschaft ablegen.

Ein Reformpapst

Urban V. erneuerte die Sitten und die religiöse Praxis  der Gläubigen, stellte die Justiz wieder auf die Beine, ließ Wucherer verbannen und Diebe züchtigen. Während seines dreijährigen Romaufenthalts empfingen über 20 000 Personen zum ersten Mal die Sakramente. In der Grafschaft Venaissin bei Avignon ging er per Dekret gegen Prasserei sowie sittenlose und lächerliche Modeerscheinungen vor. Tieferer Zweck dieser Maß–nahmen war die Bewahrung der christlichen Lehre, denn auf Liederlichkeit folgt stets unweigerlich ein Verfall der Sitten. Der Papst hatte gegen diverse Häresien zu kämpfen (Lehren, die sich gegen von Gott offenbarte bzw. von der Kirche gelehrte Dogmen richteten): Manche leugneten die Notwendigkeit der Taufe, andere die Erbsünde, die ewigen Höllenstrafen oder die göttliche Gnade. Um den katholischen Glauben gegen solche Angriffe zu verteidigen, ernannte Urban V. kompetente Kardinäle, Bischöfe und Professoren.

Während seines ganzen Pontifikats war Urban V. ein Förderer des Geisteslebens; er strebte dadurch auch eine Verbesserung der sozialen Bedingungen an. Er wollte allen Zugang zur Bildung verschaffen. So gründete er 1364 für die Polen, die nicht in Frankreich oder Italien studieren konnten, eine eigene Universität in Krakau und entsandte namhafte Professoren dorthin. Es folgten Universitätsgründungen in Pécs (Ungarn), Wien (Österreich) und Genf (Schweiz), aber auch in Orange und Angers (Frankreich); vielerorts richtete Urban V. Fakultäten für Zivil- und Kirchenrecht, für Theologie und Philologie ein. Er schuf „Studienhäuser«, die wie kleine Hochschulen mit mehreren Fächern funktionierten und allen, ob arm oder reich, offenstanden. Arme wurden kostenlos unterrichtet; ihre sonstigen Ausgaben wurden durch ein Stipendiensystem aus der Privatschatulle des Papstes finanziert. Urban V. versuchte generell einen aufwändigen studentischen Lebensstil zu ächten, indem er die Studenten anhielt, schlichte Kleidung zu tragen, damit die Armen nicht benachteiligt wurden. Auf den Vorwurf, er verschwende sein Hab und Gut auf Leute, die keine Kleriker werden, entgegnete er, „es wird ihnen immer nützen, etwas gelernt zu haben, ganz gleich, welchen Standes sie sind und was sie später im Leben machen«; denn er war überzeugt, dass jeder - ob Familienvater, Geistlicher oder Handwerker – seine Standespflichten am besten erfüllen kann, wenn er nach Maßgabe seiner Fähigkeiten optimal ausgebildet ist. Zudem vertrat er die Ansicht, dass Wissen die Tugend stützt.

Neben der Bildung und den Schönen Künsten förderte Urban V. auch das Kunsthandwerk: Viele Künstler, Miniaturenmaler, Illustratoren, Graveure und Teppich–weber kamen auf sein Geheiß nach Avignon, um den Papstpalast zu schmücken. Daneben beschäftigte er vielerorts Handwerker mit der Herstellung von Reliquiaren und anderen Kultgegenständen, Glasfen–stern, Ornamenten usw. Unter seinem Pontifikat nahm das künstlerische und geistige Leben einen spektakulären Aufschwung. Urban V. sorgte dafür, dass die ihm anvertraute Bevölkerung durch dicke Mauern vor marodierenden bewaffneten Banden geschützt wurde. Auch der Ausbau der Universitäten machte die Errichtung neuer Gebäude notwendig.

Sorge um die Einheit

Als Mann des Friedens setzte sich Urban für die  Wiederversöhnung zwischen Ost- und der Westkirche ein. Er schrieb einen sachkundigen und verständnisvollen Brief an den byzantinischen Kaiser Johannes Palaiologos, dessen Reich sowohl von innen als auch von außen durch die Türken ernsthaft bedroht war. Dieser war von der Autorität und den Argumenten Urbans so beeindruckt, dass er Anfang 1369 in Begleitung seiner Gattin, der Kaiserin Helena Cantacuzena, sowie einer ganzen Schar von Bischöfen, Edelleuten und Mönchen nach Rom reiste (Der Papst residierte bereits seit 1367 wieder in Rom). Der Kaiser blieb sechs Monate dort und führte häufig theologische Gespräche mit dem Papst, der ihn zu jeder Zeit ohne Voranmeldung empfing. Kam er unerwartet zur Essenszeit, legte man ihm sogleich ein Gedeck auf; Johannes Palaiologos zog diese einfachen Mahlzeiten den sonst üblichen üppigen Festmählern vor. In ausführlichen Gesprächen überzeugten sich auch die Kardinäle von seiner Aufrichtigkeit und gingen auf seine Bedenken ein. Am 8. Oktober 1369 verkündete der Kaiser in Gegenwart mehrerer Kardinäle feierlich seinen Übertritt zum Glauben der katholischen Kirche. In sein Glaubensbekenntnis schloss er alle Artikel des katholischen Credo ein, also auch die Aussage, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht, den Primat der römischen Kirche sowie die Hoheit des Papstes über sämtliche Bischöfe und Patriarchen. Der Kaiser und die Kaiserin kehrten zufrieden nach Konstantinopel zurück. Viele Griechen schlossen sich ebenfalls der römischen Kirche an. Diese Wiederversöhnung war eine große Freude für Urban V. In dem Wunsch, dass sie sich auf alle Mitglieder der Ostkirche ausdehnen möge, schrieb er kurz vor seinem Tod in einer Enzyklika: „Oh! Wenn Gott uns die Gnade gewährte, dass unter unserem Pontifikat die lateinische Kirche und die Ostkirche sich vereinigen, nachdem sie so lange getrennt waren, so würden wir gern unsere Augen schließen und den Lobgesang des greisen Simeon anstimmen: Nunc dimittis, Domine (Nun entlässt du, Herr, deinen Knecht).« Zunächst folgten im Osten mehrere Gemeinschaften dem Beispiel der Griechen, so die Nestorianer, die behauptet hatten, dass man in Jesus Christus zwei Personen wie auch zwei Naturen unterscheiden müsse: die göttliche und die menschliche; der Patriarch der Nestorianer Marauze reiste extra nach Rom und legte vor dem Papst ein katholisches Glaubens–bekenntnis ab.

Leider blieben diese Ereignisse ohne Folgen; heute noch müssen sich Papst und Kirche um die Einheit der Christen sorgen. „Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit«, sagt Papst Benedikt XVI. „Aus ihr ergibt sich dann von selbst, dass es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muss. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen – um die Ökumene – in der obersten Priorität mit eingeschlossen« (Brief an die Bischöfe, 10. März 2009).

Der Bekehrungseifer Urbans V. schlug sich auch in der Entsendung von Missionaren in alle Welt nieder: nach Bulgarien, Litauen, Georgien, Bosnien, Dalmatien, Serbien und sogar bis in die Mongolei und nach China, wo das erste Bistum 1370 in Peking gegründet wurde.

Grundlagen für einen dauerhaften Frieden

Betroffen über die Kriege und Gewaltakte seiner Zeit,  bemühte sich Urban V., Grundlagen für einen dauerhaften Frieden zu legen und ganz Europa zu zivilisieren. Zuallererst wollte er seinen Wohnsitz wieder nach Rom verlegen. Dank dem politischen, militärischen und juristischen Wirken des Kardinals Albornoz wurde die Rückkehr nach Rom 1367 möglich. Gleich nach seiner Ankunft im Oktober versuchte der Papst die sittliche Verwahrlosung des römischen Volkes zu bessern; um die vielen Arbeitslosen zu beschäftigen, wurden auf den Hügeln des Vatikans große Gärten angelegt; der Papst ließ zahlreiche Denkmäler restaurieren und Ausgrabungen durchführen, um die Häupter der heiligen Apostel Petrus und Paulus zu finden; sie wurden schließlich unter dem Altar der Lateranbasilika entdeckt.

Um die Integrität des Kirchenstaates zu wahren und die damit verbundene Freiheit des Pontifex maximus sowie Italiens zu sichern, fasste der Urban V. den Plan, alle Staaten Italiens in einer Art Liga unter seiner Führung um sich zu scharen. Kaiser Karl IV. von Böhmen sowie der König von Ungarn unterstützten den Plan als Erste. Es folgten alle Staaten Italiens mit Ausnahme von Florenz. Sämtliche Fürsten der Christenheit vom König von Dänemark bis zum König von Bulgarien unterhielten einen regen Briefwechsel mit Urban V.

Der Hundertjährige Krieg legte zwar nach dem englisch-französischen Vertrag von Brétigny im Jahre 1360 eine Pause ein, doch nun wurden die Landwege von unbeschäftigten Söldnern belagert, die alles verwüsteten. Urban V. exkommunizierte sie und rief sie zugleich zu Kreuzzügen auf, um zum einen diese Banden vom europäischen Territorium zu entfernen und zum anderen den bedrohlichen Vorstoß der Muslime gegen das Oströmische Reich abzuwehren. Wenige Jahre nach dem Frieden von Brétigny veranlasste ein Wiederaufflammen der Feindseligkeiten zwischen Engländern und Franzosen den Papst zu einer Rückkehr nach Avignon, um ein Treffen zwischen den beiden Königen zu arrangieren und ihnen seine Vermittlung anzubieten. Seiner Meinung nach konnte die nach dem Niedergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation entstandene Lücke nur durch eine gegenseitige Anerkennung der daraus hervorgegangenen Staaten geschlossen werden, mit dem Ziel, ein friedliches, vereintes, im christlichen Glauben verwurzeltes Europa zu bilden.

Christicher Humanismus

Die Entstehung Europas hat jahrhundertelang  gedauert. „Europa stellte vom geographischen Stand-punkt aus keine eindeutig festgelegte Einheit dar«, stellte Papst Johannes-Paul II. am 14. Dezember 2000 fest. „Es wurde erst durch die Annahme des christlichen Glaubens zu einem Kontinent, das seine Werte zum Wohle der Menschheit jahrhundertelang in fast alle anderen Teile der Welt verbreiten konnte. Gleichzeitig kann nicht genug betont werden, dass die Ideologien, die im 20. Jh. so viel Tränen und Blut fließen ließen, in einem Europa aufgekommen sind, das seine christlichen Wurzeln vergessen wollte ... Man darf nicht vergessen, dass die Negierung Gottes und seiner Gebote im vergangenen Jahrhundert die Tyrannei der Götzen möglich gemacht hat, die sich in der Verherrlichung einer Rasse, einer Klasse, des Staates, der Nation und einer Partei manifestierte, statt in der Verherrlichung des lebendigen und wahren Gottes. Erst im Lichte des Unglücks, das mehrfach über das 20. Jahrhundert gekommen ist, versteht man, wie sehr sich die Rechte Gottes und die Rechte des Menschen gegenseitig stärken bzw. zusammenfallen.« Genau deshalb wünschte sich dieser Papst ein Europa ohne Grenzen, das seine christlichen Wurzeln, die es überhaupt begründet haben, nicht verleugnet und das den wahren Humanismus des Evangeliums Christi nicht aufgibt.

Die Rückkehr Urbans V. nach Avignon war wahrscheinlich auch durch den Wunsch motiviert, den Kardinälen Ruhe und Unabhängigkeit zu verschaffen, wenn sie nach seinem – wie er fühlte – baldigen Tod zu einem Konklave zusammentreten würden; Italien war nämlich erneut Schauplatz gefährlicher Unruhen geworden. Urban V. starb nach mehrwöchigem Leiden am 19. Dezember 1370, zwei Monate nach seiner Rückkehr nach Avignon.

Der selige Urban V. bezog seine Kraft aus der Einheit mit Gott. Ein diesem Papst sehr nahestehender Chronist schrieb: „Nur vor Gott schüttete er sein Herz aus, nur vor Gott legte er seine Gedanken dar, und er weihte sich ganz und gar Seinem Dienst.« Auch unserem gegenwärtigen Papst Benedikt XVI. liegt viel daran, die Menschen zu Gott zurückzuführen: „Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmissverständlich fixiert: Du aber stärke deine Brüder (Lk 22, 32) ... In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen.«

Dom Antoine Marie osb

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