Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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12. März 2008
Monat des hl. Josef


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

«Der gemeinsame Weg zur Heiligkeit als Ehepaar ist möglich und schön; und er ist außerordentlich fruchtbar und entscheidend für das Wohl der Familie, der Kirche und der Gesellschaft.» Diese Worte wurden von Johannes-Paul II. anlässlich der Seligsprechung der Eheleute Luigi und Maria Beltrame Quattrocchi am 21. Oktober 2001 gesprochen.

Maria Luisa Corsini wurde als einzige Tochter eines Florentiner Ehepaares am 24. Juni 1884 in Florenz geboren. Ihr Vater war ein jähzorniger Offizier, ihre Mutter hatte einen lebhaften und dominanten Charakter. Von frühester Kindheit an pflegte Maria Luisa, die ein schüchternes und sensibles Temperament besaß, zum Zeichen ihrer Friedenssehnsucht ihren Eltern beim Tischdecken ein kleines Olivenblatt unter die Serviette zu legen. Eines Tages sagte sie zu ihrem Vater: «Weißt du, Papa, im Gegensatz zu Mama hätte ich dich mit deinem schlimmen Charakter nie geheiratet!» Desungeachtet liebten die beiden Eltern Corsini ihre Tochter sehr. 1893 zog die Familie nach Rom. Maria Luisa besuchte eine Handelsschule, in der sie Buchführung, Französisch und Englisch lernte. Ihre persönliche Vorlieben galten der Literatur und dem Klavierspielen.

Luigi Beltrame kam am 12. Januar 1880 in Catania auf Sizilien als das dritte Kind seiner Eltern zur Welt. Seinem Familiennamen fügte er später den Namen seines Onkel Quattrocchi hinzu, der ihn adoptierte, da seine eigene Ehe kinderlos war. 1891 zog Luigi mit seiner Tante und seinem Onkel nach Rom. Er studierte Jura und entschied sich für eine Anwaltskarriere. Nebenbei las er gerne die großen Klassiker der Literatur, liebte die Musik, das Theater, die Schönheit der Natur und das Reisen. Die Entstehung einer Freundschaft zwischen den Familien Corsini und Quattrocchi lieferte den Rahmen für die Begegnung von Maria und Luigi. Ende 1904 wurde Luigi schwer krank; Maria war so betroffen und litt selbst so sehr darunter, dass sie ihm ein Bild der Madonna von Pompeji schickte. Dieser Vorfall machte den beiden jungen Leuten die Tiefe ihrer gegenseitigen Liebe bewusst. Sie heirateten am 25. November 1905 in der Basilika Santa Maria Maggiore im Rom und zogen mit in das Haus der Familie Corsini zu Marias Eltern und Großeltern, wo sie recht beengt lebten. Luigi begegnete seinen Schwiegereltern nichtsdestotrotz stets mit großer Ehrerbietung. Die Ehegatten litten darunter, schrieben sich jedoch fleißig.

Ein kategorisches «Nein»

Marias erste Schwangerschaft bescherte ihnen ein unbeschreibliches Glück, das allerdings bald durch die Angst der werdenden Mama vor der Entbindung etwas getrübt wurde; umso größer war die Freude bei der Geburt von Filippo am 15. Oktober 1906. Die junge Mama musste in der Mutterschaft den notwendigen Selbstverzicht aufbringen: «Sie war es gewohnt, sich über das Neueste aus Theater, Musik und Literatur auf dem Laufenden zu halten; da war es gewiss ein großer Verzicht für sie, dass sie das Lesen auf so gut wie nichts und den Besuch von Theatervorstellungen und Konzerten ganz auf Null reduzieren musste», schrieb eine ihrer Töchter. Im September 1907 war Maria wieder schwanger. Es überkam sie ein Gefühl der Verzweiflung und der Einsamkeit, zumal Luigi gerade für ein paar Tage auf Sizilien weilte. Sie schrieb ihm: «Wer soll mir die Kraft geben, an zwei Kinder zu denken, die physische und physiologische Belastung durch die Schwangerschaft und alles Andere zu ertragen? Glaube mir, ich bin wirklich verzweifelt.» Maria betete viel; nach und nach kehrte die Gelassenheit in ihr Herz zurück, und sie schickte sich in den Willen Gottes. Am 9. März 1908 gebar sie eine Tochter, die den Namen Stefania bekam.

Am 27. November 1909 kam nach einer schweren Entbindung ein drittes Kind, Cesarino, auf die Welt. Im September 1913 erwartete Maria ein weiteres Kind. Im vierten Monat jedoch bekam sie heftige Blutungen. Die Diagnose lautete «Placenta previa», was damals einem Todesurteil für Mutter und Kind gleichkam. Der Gynäkologe, ein sehr berühmter Professor, erklärte, dass das Leben der Mutter vielleicht durch eine Abtreibung gerettet werden könne. Maria und Luigi waren am Boden zerstört; sie richteten ihren Blick auf das Kruzifix an der Wand und schöpften daraus die Kraft, der Abtreibung ein kategorisches «Nein» entgegenzusetzen. Kein Grund kann, mag er «noch so ernst und dramatisch sein, die vorsätzliche Vernichtung eines unschuldigen Menschen rechtfertigen», mahnt Papst Johannes-Paul II. (Enzyklika Evangelium Vitæ, 25. März 1995, Nr. 58). Völlig fassungs- und ratlos wandte sich der Professor an Luigi: «Sie sind sich nicht im Klaren darüber, Herr Anwalt: Sie machen sich damit zum Witwer, der drei Kinder zu versorgen hat!» Die Antwort lautete unverändert: Es bleibt beim «Nein». Trotzdem bemächtigte sich eine schreckliche Angst der Familie. Den einzigen Lichtblick bot das unendliche Vertrauen zu Gott und zur Allerseligsten Jungfrau Maria. Die in Gott verankerte Einheit der Ehegatten wurde stärker denn je. So vergingen vier Monate; Maria hütete das Bett. Am 6. April 1914 schließlich, am Ende des achten Monats, leitete der Gynäkologe angesichts der Schwäche der Mutter die Entbindung ein: Sie verlief ganz normal. Es kam eine kleine Enrichetta zur Welt. Trotz aller pessimistischen Vorhersagen waren Mutter und Kind wohlauf.

«Apostolat mit der Feder»

Maria war sehr offenen Geistes, und ihr Wissensdurst wurde mit der Zeit nicht geringer. Im Laufe der Jahre schrieb sie eine Reihe von Artikeln und Büchern: Das war ihr «Apostolat mit der Feder». Ihre Texte, an denen auch ihr Mann mitarbeitete, wandten sich an Mütter und Familien. Maria engagierte sich auch für karitative Werke. Immer wenn es ihnen möglich war, beteiligten sich Maria und Luigi an Aktionen der italienischen Nationalen Union zum Transport von Kranken: So begleiteten sie Krankenfahrten nach Loreto und Lourdes. Politisch folgte das Ehepaar Beltrame zunächst dem Faschismus, um die moralischen, religiösen, kulturellen und sozialen Ideale zu unterstützen, auf die er sich berief. Nach und nach gingen sie jedoch immer mehr auf Distanz zum Regime und gelangten schließlich bei Verabschiedung der Rassengesetze zu einer völlig ablehnenden Haltung. Sie setzten sich von da an rückhaltlos für die Rettung von Juden ein.

Luigi, der 1909 die landesweite Anwaltsprüfung der öffentlichen Hand als Bester bestanden hatte, übte dank seiner breiten juristischen und verwaltungstechnischen Kenntnisse verantwortungsvolle Ämter in verschiedenen Ministerien aus. 1943 wurde er vom Präsidenten des Ministerrates angesprochen, ob er Generalstaatsanwalt werden möchte. «Als herausragendes Mitglied der Staatsanwaltschaft wäre er der Erste gewesen, dem das höchste Amt gebührt hätte», sagte einer seiner Freunde später. «Das wurde jedoch durch eine von Kollegen mit laizistischen und kirchenfeindlichen Tendenzen betriebene heimtückische Kampagne verhindert. Obwohl er in seinem Inneren durch die erlittene Ungerechtigkeit zutiefst verletzt war, zeigte der Diener Gottes keine äußere Reaktion.» Luigi kann somit als Beispiel für solche Leute gelten, die die Redlichkeit und Beständigkeit eines glaubenskonformen Lebens mit einer beruflichen Ausgrenzung bezahlen. 1948 wurde ihm die Kandidatur für einen Senatssitz angeboten. In Absprache mit Maria lehnte er dieses Angebot ab, da es von Leuten kam, deren Einstellung ihm zum Teil zuwider war.

Luigi war ein zurückhaltender Mann, der in seinen Beziehungen von Natur aus eine gewisse Vornehmheit und Liebenswürdigkeit besaß. Da ihm das aktive Apostolat wichtiger war als irgendwelche Posten, engagierte er sich in verschiedenen Aktionen auf Gemeinde- bzw. auf Landesebene für die Ausbildung von Jugendlichen, besonders der Pfadfinder; für diese opferte er viele Stunden, die er auch zu seiner eigenen Entspannung und Erholung hätte nutzen können. Die Ämter, die er in der Gesellschaft innehatte, brachten ihm zahlreiche Ehrentitel und Auszeichnungen ein; sobald er sie jedoch erhalten hatte, legte er sie in eine Schublade und sprach nicht mehr davon. Einer seiner Söhne schrieb später über ihn: «Er überschätzte sich nicht im Vergleich zu Anderen, aber er setzte sich auch nicht systematisch herab « Allen, die ‚dem Glauben fern' standen, begegnete er besonders taktvoll, wodurch er stets deren Freundschaft gewann « Und auch diejenigen, die ‚der Moral fern' standen, behelligte er nicht, es sei denn, sie selbst brachten das Thema aufs Tapet.» Luigi schrieb: «Wir dürfen unsere religiösen Gefühle nicht verbergen, sondern müssen sie öffentlich bekennen, vor allem und hauptsächlich jedoch durch unsere Werke. Denn durch Redlichkeit und christlichen Geist, die unser Verhalten in den menschlichen Beziehungen prägen, durch Uneigennützigkeit, Nächstenliebe sowie durch gelebte und praktische Barmherzigkeit geben wir uns als Menschen mit religiösen Überzeugungen zu erkennen.» Ein Freund von Luigi, ein Atheist und Freimaurer, gestand voller Rührung nach dessen Tod einem Sohn des Verstorbenen: «Siehst du, in all den Jahren, in denen wir zusammen gearbeitet haben, ist mir dein Vater nie mit irgendwelchen Predigten auf die Nerven gegangen. Aber ich möchte dir sagen, dass ich über sein Leben Gott entdeckt und das Evangelium liebgewonnen habe. Bete für mich!»

Beten bedeutet nicht Flucht vor der Wirklichkeit

Das Hauptengagement Marias und Luigis galt der Pflege der Familie. Das Gebet nahm dabei breiten Raum ein, und die treibende Kraft dabei war Luigi. «Von Kindheit an fiel uns die besonders andächtige, konzentrierte Haltung Papas beim Besuch des Allerheiligsten Sakraments in der Kirche auf», schrieb einer seiner Söhne. «Es war stets mein Vater, der nach dem Abendessen den Familienrosenkranz zu beten begann « Meiner Erinnerung nach empfingen mein Vater und meine Mutter jeden Tag die Eucharistie und gaben diese Gewohnheit an uns weiter.» Papst Benedikt XVI. bemerkte einmal, beten bedeute für einen Christen nicht, «vor der Realität und der Verantwortung, die sie mit sich bringt, zu fliehen, sondern sie ganz und gar anzunehmen im Vertrauen auf die treue und unendliche Liebe des Herrn» (4. März 2007). So versuchte Luigi rückhaltlos, seiner Frau beizustehen, um ihr die unvermeidlichen Mühen der Mutterschaft möglichst zu erleichtern. Er verstand bereits, was Papst Johannes-Paul II. in seinem apostolischen Schreiben Mulieris dignitatem vom 15. August 1988 lehrt: «Das menschliche Zeugen ist Mann und Frau gemeinsam « Doch obwohl beide gemeinsam Eltern ihres Kindes sind, stellt die Mutterschaft der Frau einen besonderen Anteil dieser gemeinsamen Elternschaft, ja deren anspruchsvolleren Teil dar « Der Mann muss sich daher voll bewusst sein, dass ihm aus dieser gemeinsamen Elternschaft eine besondere Schuldverpflichtung gegenüber der Frau erwächst « Der Mann befindet sich - trotz all seiner Teilhabe an der Elternschaft - immer ‚außerhalb' des Prozesses der Schwangerschaft und der Geburt des Kindes und muss in vielem von der Mutter seine eigene ‚Vaterschaft' lernen» (Nr. 18).

1922 äußerten die Söhne Filippo und Cesarino Beltrame den Wunsch, sich Gott zu weihen. Am 6. November 1924 trat Filippo in das Priesterseminar, Cesarino in die Benediktinerabtei Sankt-Paul-vor-den-Mauern ein. Letzterer wurde Pater Paolino. «Der Weggang der beiden Jungs aus dem Haus hinterließ eine riesige Lücke», berichtete ihre Schwester Stefania. «Am allermeisten litt Papa darunter – bis hin zu körperlichen Beschwerden.» Doch die Schmerzgefühle waren bald überwunden. Maria schrieb an ihre Söhne: «Der Gedanke an euch ist für mich nach Messe und Kommunion der einzige Ruhepunkt und gleichsam der einzige Lichtblick meiner Seele, die den Herrn preist.» Nach dem ersten Jahr seines Philosophiestudiums musste Filippo das Seminar aus Gesundheitsgründen verlassen. Bald danach schloss er sich seinem Bruder an und wurde Benediktiner, später unter dem Namen Pater Tarcisio.

Ein kostspieliges Geschenk

1920 nahm der berühmte Pater Mateo eine Herz-Jesu-Thronerhebung in der Familie Beltrame vor. Von ihm ermutigt, beschloss Stefania ebenfalls, sich Gott zu weihen. 1927 trat sie in ein Benediktinerinnenkloster in Mailand ein und nahm den Namen Schwester Cecilia an. Enrichetta berichtete: «Der Weggang meiner Schwester hinterließ einen äußerst schmerzlichen Riss im Herzen von Papa. Ich habe heute noch, nach über siebzig Jahren Abstand, die stummen und verschämten Tränen meines Vaters vor Augen, als er auf Knien die Einkleidungszeremonie seiner Tochter hinter dem Trenngitter verfolgte.» Maria hatte versucht, ihren Kindern eine echt christliche Erziehung zu geben: «Ich habe mich oft gefragt, ob ein so ausgerichtetes Leben notwendigerweise in eine Berufung mündet. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt (Joh 15,16), sagt der Herr; die Antwort heißt also ‚Nein'», schrieb sie. «Den Eltern, denen Gott dieses königliche und unverdiente Geschenk gemacht hat, bleibt nur noch die Pflicht und das ewige Bedürfnis, sich im Rahmen eines dankbaren Lebens voller Hingabe und Frömmigkeit zu verneigen, zu bedanken und das Domine non sum dignus (Herr, ich bin nicht würdig) zu leben.» Maria verlor im Übrigen nie die Mannigfaltigkeit von Gottes Gaben aus den Augen: «Jeder Lebensstand ist edel und gut, sofern er unter dem sanften Druck des göttlichen Willens gelebt wird, als wirksames Mittel, um das Ziel (die Heiligkeit) zu erreichen.» Sie wies darauf hin, dass der Entschluss von Kindern zur Heirat schön, jedoch auch nicht immer leicht sei.

Das Haus stellte für die Familie Beltrame eine Welt der Vertrautheit dar, in der gegenseitige Liebe in Gott herrschte. Wie jede Frau legte Maria großen Wert auf die Pflege des Haushalts, und zwar bis in die kleinsten Einzelheiten. Sie war gerne gastfreundlich und konnte mit ihren Gästen stets ein möglichst dem Geiste des Evangeliums entsprechendes Klima herstellen: Groll, Feindseligkeiten und Verleumdungen waren verpönt. In den Gesprächen hielt man sich an die Fakten und fällte kein Urteil über Personen. Die Familienferien wurden normalerweise auf dem Lande verbracht, das Maria dem Meer vorzog. 1928 kauften die Beltrames ein Grundstück in Serravalle und bauten dort ein Haus; sie richteten auch eine kleine Kapelle ein, in der sie dank einer Sondergenehmigung das Allerheiligste Sakrament verwahren durften.

Rückkehr zur Eintracht

Im Alltag übertrafen sich Maria und Luigi gegenseitig an Liebe. Eines der Kinder schrieb: «Ihr gemeinsames Leben war ein richtiges Wetteifern in gegenseitiger Achtung, Hingabe, liebender Abhängigkeit und Gehorsam dem Anderen gegenüber, in der gemeinsamen Suche danach, was für den Anderen ‚das Beste' sei, und zwar auf einer überaus spirituellen Ebene « bis hin zur liebevollen Ausübung der gegenseitigen Korrektur und einer aufrichtigen und demütigen Erkundung der Gedanken des Anderen.» Nichtsdestoweniger gab es auch gegensätzliche Meinungen, heftige Diskussionen und sogar Reibereien. Maria war für äußere Einflüsse nicht sehr empfänglich; mit ihr zu diskutieren, um ihre Meinung zu ändern, war nicht gerade leicht. In solchen Momenten konnte Luigi schon mal missmutig und nervös werden, während Maria eher aggressiv wirkte. Aber das dauerte niemals sehr lange, bald baten sie sich um Vergebung, und es herrschte wieder Eintracht zwischen den beiden.

Luigi überließ die Verwaltung des gemeinsamen Vermögens Maria; nur wichtige Ausgaben wurden miteinander abgesprochen. Maria betonte in ihren Schriften, dass für eine Heiligung kein völliger Verzicht auf irdische Güter erforderlich sei. Auf der anderen Seite zeigten beide Ehegatten gerne Solidarität mit denen, die sie um tausend Dinge baten. Zusätzlich zu den finanziellen Hilfen stellte Luigi sein berufliches Fachwissen ebenso zur Verfügung wie das Ansehen, das er in den höchsten Kreisen genoss. Maria hingegen übte eine Art «spirituelle Führung» aus, und zwar nicht nur bei den Ihren, sondern auch bei Freunden und sogar bei Priestern und Nonnen, die sich vertrauensvoll an sie wandten.

Nachdem die Familie Beltrame über zwanzig Jahre lang vom Franziskanerpater Pellegrino Paoli betreut worden war, trat sie dem Dritten Orden der Franziskaner bei. Im August 1918 machte Luigi eine schwierige Phase durch, die von einem seiner Söhne folgendermaßen beschrieben wurde: «Unser Vater hat eine Periode heftiger spiritueller Krise durchgemacht; sie war auf die harte spirituelle Askese zurückzuführen, die seine Frau unter dem apostolischen Einfluss von Pater Mateo Crawley begonnen hatte « Er ließ sich von einer gewissen Verzagtheit vereinnahmen, und hatte schließlich ‚Angst vor Gott', als wäre dieser gleichsam ein Rivale, der seine Frau zu sehr in die Höhe ziehe und sie ihm in gewisser Weise raube « Seine Frau half ihm dann, dieses in der Natur begründete Hindernis zu überwinden und sich auch seinerseits vom Heiligen Geist anziehen zu lassen in einer Liebe, die niemals schwächer wurde, sondern sich durch die belebende Gegenwart der Gnade immer weiter vertiefte.» Viel später legte Maria in Gegenwart des Dominikanerpaters Garrigou-Lagrange, der nach Pater Mateo ihr geistlicher Mentor geworden war, das Gelübde der Vollkommenheit ab.

Eine intensive Gemeinschaft

Nach dem Fortgang ihrer Kinder (außer Enrichetta, die bei ihren Eltern blieb) spielten Luigi und Maria mit dem Gedanken, sich in ein Kloster zurückzuziehen, doch dann erkannten sie, dass das nicht dem Willen Gottes entsprach. Ihr Streben nach Vollkommenheit würde sich unter Bewahrung ihrer Gemeinschaft erfüllen, in dem die Einheit ihrer Seelen sich immer weiter vertiefte. 1941 wurde die Gesundheit Luigis durch zwei Herzanfälle erschüttert; doch er erholte sich davon und wurde wieder einigermaßen gesund. Am 1. November 1951 aktualisierte er sein Testament: «Ich hoffe, dass Gott mir die Gnade gewährt, bis zum Ende in diesem Glauben zu verharren, den ich heute so lebendig spüre und den ich, soweit und wie ich nur kann, bewahren möchte durch die Einheit meiner Gedanken und Handlungen.» Am 5. November kam durch eine glückliche Fügung die ganze Familie in Rom zu einer gemeinsamen heiligen Messe zusammen. In der Nacht vom 7. auf den 8. erlitt Luigi einen weiteren Herzanfall, der seinen Tod am Abend des 9. im Alter von 71 Jahren zur Folge hatte. Einige Monate später schrieb Maria: «Luigi gilt immer noch – und unaufhörlich – die Liebe und das tiefste Bedauern von allen und von jedem von uns, obwohl er uns beisteht, uns nahe ist und uns ebenso und sogar noch mehr liebt als zuvor, wenn das überhaupt möglich wäre « Allmählich begleitet er mich immer mehr, vor allem im Gebet, bei der Kommunion, vor dem Altar.» Sie fügte für sich selbst noch hinzu: «Du merkst, dass all die kleinen Gesten der Liebe, die das Haus für ihn (Luigi) zu verschönern suchten, keine Daseinsberechtigung, keinen Sinn mehr haben « Nur aus der Kommunikation der Seelen, aus der durch den Glauben gefestigten Gemeinschaft unter ihnen entsteht und lebt die Einheit, der du dich niemals wirst entziehen können.» In den folgenden Jahren gab Maria nach und nach alle äußeren Aktivitäten auf und verwandte all ihre Zeit zum Beten, Schreiben und zur Pflege ihrer Familie. 1962 eröffnete ihr Pater Paolino, ihr Sohn, seinen Entschluss, zum Trappistenorden zu wechseln; sie freute sich darüber. Am 26. August 1965, verstarb sie nach einem Herzanfall. Sie wurde 81 Jahre alt.

Das Ehepaar Beltrame Quattrocchi hatte zwar einige Prüfungen in seinem Leben durchgemacht, doch es hatte bestimmte leidvolle Erfahrungen, die andere Familien trafen, nie kennengelernt, wie Papst Johannes-Paul II. in seiner Seligsprechungspredigt merkte: «Das Ehe- und Familienleben kennt auch Momente der Verirrung. Ich denke besonders an diejenigen, die das Drama der Trennung erleben; ich denke an diejenigen, die eine Krankheit ertragen müssen, und an jene, die unter dem frühzeitigen Ableben des Ehepartners oder eines Kindes leiden. Auch in diesen Situationen kann man ein deutliches Zeugnis der Treue in der Liebe geben « Ich vertraue alle geprüften Familien der fürsorgenden Hand Gottes und der liebevollen Sorge Marias an. Liebe Eheleute, lasst euch nie von der Hoffnungslosigkeit überwältigen: Die Gnade des Ehesakraments stützt und hilft euch, die Arme ständig zum Himmel zu erheben.»

Dom Antoine Marie osb

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