Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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11. Juli 2007
Hl. Benediktus, Patron Europas


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Hat ein ‚Heiland‘ noch Wert und Bedeutung für den Menschen des dritten Jahrtausends? Ist noch ein ‚Erlöser‘ für den Menschen notwendig, der den Mond und den Mars erreicht hat?… Trotz aller Formen des Fortschritts ist der Mensch doch das geblieben, was er immer war: eine Freiheit, die zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod hin- und hergerissen ist. Und genau da, in seinem Inneren, in dem, was die Bibel das „Herz“ nennt, muss er immer ‚erlöst’ werden“ (Benedikt XVI., Weihnachtsansprache 2006). Erleuchtet vom Heiligen Geist, merken die Heiligen besonders deutlich, wie sehr die Welt einen Erlöser braucht; und ihre größte Sorge gilt der Herrschaft Jesu in den Herzen der Menschen. So war es bei Mutter Marie de Jésus Deluil-Martiny, von der die Worte stammen: „Er muss herrschen!… Denn Ihm gehört das Reich bis in alle Ewigkeit; und alle Völker gehören zu Seinem Erbe. Er muss herrschen! … unser Jesus, unser Bruder, unser Erlöser, unser Freund, unser Bräutigam! Er muss über die Welt und über die Herzen herrschen; und um das zu erreichen, werden wir jeden Tag beten, opfern, uns selbst hingeben und sterben!…“ - Wer war die Frau, die so vom Feuer der Liebe zu Gott entflammt war?

Marie Deluil-Martiny wurde am 28. Mai 1841 in Marseille geboren und noch am selben Tag getauft. Als das älteste von fünf Kindern, erbte Marie von ihrem Vater, einem Rechtsanwalt und tiefgläubigen Christen, den Mut, der ihr half, die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern; von ihrer Mutter hatte sie ihren leidenschaftlichen Glauben sowie ihre große Herzensbildung. Sie besaß allerdings ein stolzes und herrisches Tempe–rament. Als die Zeit ihrer Erstkommunion kam, wurde sie von ihren Eltern zur ernsthaften Vorbereitung ins Kloster der Heimsuchung Mariä nach Marseille in Pension gegeben. Eines Tages, während der Pause, unterbrach Marie plötzlich ihr Spiel und zog eine Freundin beiseite: „Stell dir vor, Angélique, das Blut Jesu fließt in diesem Augenblick für uns alle auf dem Altar!“ Sie blieb für einen Moment still, gleichsam gefesselt von dem Gedanken, der ihr wie ein Blitz in den Sinn gekommen war. Am 22. Dezember 1853 empfing Marie die Erstkommunion, das Sakrament der Firmung folgte am 29. Januar 1854 durch die Hand des hl. Eugène de Mazenod, des Bischofs von Marseille.

Am Ende ihrer Schulzeit nahm Marie an einer Einkehrwoche teil, die für ihre Berufung entscheidend wurde: „Einzig Jesus Christus ist liebenswert“, schrieb sie in ihr Tagebuch. „Bei meinem Tod möchte ich niemand anderen geliebt haben als Ihn … Um gut in der Welt zu leben, muss ich die Sünde verabscheuen, die Gelegenheiten dazu meiden, die Welt und alles, was von der Welt ist, hassen … Komm und folge mir, sagt Jesus. O Gott, wie schön dieses Wort ist! Und es gehört mir, wenn ich nur will!“ Etwa in diese Zeit fiel ihre Begegnung mit dem hl. Jean-Marie Vianney, dem Pfarrer von Ars, dem sie von ihrer Berufung berichtete. Sie vernahm ganz deutlich den Ruf Jesu, sie solle Ihm ganz gehören, und aus diesem Grunde schlug sie mehrere Heiratsanträge aus.

Innere Prüfungen

Maries erwählte Seele musste noch geläutert werden. So ließ es unser Herr im Himmel zu, dass sie viele innere Prüfungen durchzustehen hatte, insbesondere eine schwere Angstkrise. Da sie überall nur Sünde sah, befürchtete sie, von dem, den sie über alles liebte, getrennt zu werden: „Mit dem Gedanken leben, dass man mit Dir böse ist, o Jesus“, schrieb sie, „bedeutet: tausendmal sterben; es ist so hart, mein süßer Meister, Dich nie voll und ganz zu spüren und auf den Himmel zu warten, um sich an Dir zu erfreuen!“ Mit Hilfe eines weisen Beichtvaters gelang es Marie, diese Skrupeln zu überwinden. 1859 starb Clémence, ihre jüngste Schwester, an einer Krankheit; zwei weitere Schwestern und ihr Bruder starben in den Jahren danach. Marie blieb allein im Haus ihrer kranken und durch die Schicksalsschläge schwer gezeichneten Eltern.

1864 lernte sie eine neue Vereinigung kennen, die von einer Schwester der Heimsuchung Mariä in Bourg-en-Bresse gegründet worden war und sich „Ehrengarde des Heiligsten Herzens Jesu“ nannte; ihr Ziel bestand darin, das Herz Jesu zu lobpreisen, zu lieben und zu trösten, indem man sich zusammen mit Ihm in einem Leben des Gebets, der Buße und der Liebe als Sühnopfer für die Sünden der Welt darbrachte. Marie galt bald als „eifrigste Vertreterin“ des Werkes, für welches sie bei vielen Menschen in aller Welt, darunter auch einigen Bischöfen, durch Broschüren, Bilder und Medaillen warb.

Anlässlich der Seligsprechung von Schwester Margarita-Maria Alacoque, der Seherin von Paray-le-Monial, im Juni 1865 wurde Marie zu einigen Einkehrtagen in das Kloster der Heimsuchung nach Bourg-en-Bresse eingeladen, die ihr wertvolle Erleuchtung bescherten. Ende Dezember 1866 hörte sie den Jesuitenpater Jean Calage über das Blut und das Wasser aus dem Herzen Jesu predigen. Auf eine Eingebung hin nahm sie Kontakt zu dem Pater auf und erzählte ihm von ihrem Wunsch, ins Kloster zu gehen. „Sie sind berufen, das ist sicher“, antwortete ihr der Ordensmann. „Doch der richtige Zeitpunkt ist noch nicht da; gingen Sie jetzt ins Kloster, so würde das die Pläne Gottes durcheinanderbringen. Er hat Besonderes mit Ihrer Seele vor … Ihre Aufgabe besteht darin, sich darauf vorzubereiten, indem Sie sich von sich selbst lösen.“ Er riet ihr folglich, sich ganz unserem Herrn zu weihen; das tat sie dann am ersten Freitag im Mai 1867.

Es gibt nichts Schlimmeres

Um die Pläne des Herrn für sie zu erfahren, verbrachte Marie lange Gebetsstunden vor dem Tabernakel. Sie begriff, dass Jesus nach Seelen suchte, die willens waren, ihm als Wiedergutmachung für die Verletzungen seines Heiligen Herzens ewige Huldigung darzubringen. Doch was genau bedeutet „Wiedergutmachung“? Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes; sie verstößt aber auch gegen die Menschlichkeit: „Im Licht des Glaubens gibt es nichts Schlimmeres als die Sünde; nichts hat so arge Folgen für die Sünder selbst, für die Kirche und für die ganze Welt (Katechismus der Katholischen Kirche, 1488). In seiner allmächtigen Barmherzigkeit hätte Gott all unsere Verfehlungen auslöschen können, ohne eine Wiedergutmachung zu verlangen. Die Offenbarung lehrt uns jedoch, dass Er eine vollkommene Wiedergutmachung wollte; als Sühnopfer für die Sünden hat Er uns seinen Sohn geschickt: Wenn einer sündigte, so haben wir einen Fürsprecher vor dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt“ (1 Joh 2,1-2). Wie der hl. Thomas von Aquin bemerkte, erweist uns der Vater damit eine größere Barmherzigkeit: Da Er weiß, dass der Mensch unfähig ist, aus eigener Kraft die Sünde wiedergutzumachen, schenkte Er ihm seinen eigenen Sohn, damit er stellvertretend Genugtuung leiste. „Die ‚Liebe bis zur Vollendung’ (Job 13,1) gibt dem Opfer Christi seinen Wert und bewirkt, dass es erlöst und wiedergutmacht, sühnt und Genugtuung leistet. Jesus hat bei der Hingabe seines Lebens um uns alle gewusst, uns alle geliebt“ (Katechismus 616). Das Sühnopfer Jesu auf dem Kalvarienberg findet bei jeder Messe von Neuem statt, und die Christen sind aufgefordert, sich daran zu beteiligen. Der hl. Paulus schrieb an die Kolosser: Nun freue ich mich der Leiden für euch und will das, was an Christi Drangsalen noch aussteht, ergänzen an meinem Fleisch zum Besten seines Leibes, das ist die Kirche (Kol 1,24). Aus diesem Grunde sucht das Heiligste Herz Jesu nach edlen Herzen, die wie seine Mutter Maria an seinem Erlösungswerk mitwirken und ihr Tröpfchen Wasser zum Kelch seiner Passion hinzufügen, indem sie sich mit seinem bei jeder Messe erneuerten Opfer vereinigen.

„Er muss regieren!“

Am ersten Samstag im September 1867 betete Marie gerade in einer Kirche, als Jesus folgende Worte an sie richtete: „Ich bin nicht bekannt, ich werde nicht geliebt … Ich will mir Seelen schaffen, die mich verstehen … Ich bin ein Sturzbach, der bald über die Ufer tritt und dessen Fluten man nicht aufhalten kann! Ich will mir Kelche schaffen, um sie mit dem Wasser meiner Liebe zu füllen … Mich dürstet es nach Herzen, die mich schätzen und die mich den Zweck erfüllen lassen, zu dem ich hier bin! Ich werde beleidigt, ich werde geschändet. Vor dem Ende der Zeit will ich entschädigt werden für alle erlittenen Schmähungen! Ich will alle Gnade ausgießen, die bislang versagt worden ist!“ Marie war tief traurig über die Ablehnung, die die Welt Jesus entgegenbrachte. Sie schrieb: „Die Welt will nichts mehr von Ihm wissen. Die einen schämen sich Seiner, die anderen hassen und verachten Ihn; sie versuchen, Ihn aus den Herzen und aus der Gesellschaft zu verbannen. Auf diese Schande, diesen Hass, diese Verachtung und diese teuflische Gottlosigkeit müssen wir laut und deutlich entgegnen: Er muss regieren! “ In diesem Geiste rief Papst Johannes-Paul II. die Gläubigen zur Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes auf: „Verweilen wir lange auf den Knien vor dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn, indem wir mit unserem Glauben und unserer Liebe die Nachlässigkeit, die Vergessenheit und sogar die Beleidigungen wiedergutmachen, die unser Erlöser in vielen Teilen der Welt erleiden muss (Apostolisches Schreiben Mane Nobiscum, 7. Oktober 2004, Nr. 18).

Am 8. Dezember 1867 legte Marie mit Erlaubnis von Pater Calage das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Im September 1868 hatte sie vor der Statue der weinenden Jungfrau von La Salette folgende Eingebung: „Die heilige Jungfrau Maria will Opfer, die im Verein mit ihrem durchbohrten Herzen und mit dem geopferten Jesus sich zwischen die Verbrechen der Menschen und die Gerechtigkeit Gottes stellen …“ Im folgenden Monat verfasste sie das folgende schöne Gebet: „O Jesus, nimm mich hin aus den Händen der Allerseligsten Jungfrau Maria und bringe mich zusammen mit Dir dar, opfere mich mit Dir … Ich biete mich für diese Opferung an, soweit es Dir gefällt und soweit meine Schwäche es erlaubt.“ Anfang 1869 entwarf Marie einen kompletten schriftlichen Überblick über das geplante Werk: „Wie Maria am Kalvarienberg, vereint mit dem Ewigen Vater, ihren göttlichen Sohn geopfert und dieses Opfer durch die Hände des hl. Johannes erneuert hat, werden die Töchter des Heiligen Herzens Jesu, vereint mit allen Priestern der Welt, die auf allen Altären geopferte Hostie Jesus als Opfer darbringen, insbesondere das Blut und das Wasser, die aus der göttlichen Wunde des Heiligen Herzens Jesu stammen. Sie werden die in ihren Klosterkirchen feierlich ausgestellte Eucharistie anbeten und sie mit den tiefsten Respekt- und Liebes-bezeugungen zu umgeben trachten: Das wird ihr Lebensinhalt, ihr Daseinszweck sein …“

Sich für die Priester aufopfern

Am 14. August 1872 schrieb Marie: „Der Priester allein hat die Mission und die Macht, die Opfergabe darzubringen; er allein hat die Mission und die Macht, als Opferer zu wirken. Die Seele des einfachen Christen muss zwangsläufig durch die Seele des Priesters gehen, sie muss sogar darin aufgehen, um an der Darbringung des Opfers teilzunehmen und Gott zu verherrlichen. O Priester, ich brauche euch, um den Vater zu verherrlichen … Gebt mir den Sohn, Er genügt! … Priester sind die stets zum Weihen und Opfern erhobenen Arme der Kirche; und die ganze Kirche müsste, vereint mit ihnen und durch ihre geweihten Hände, ohne Unterlass selbst weihen und opfern … Die Vereinigung am Altar, die Vereinigung im Opfer, diese Identifikation des ganzen Lebens mit den Dienern des Herrn – damit sie würdiger feiern können – ist ein erhabenes Ziel, es ist reines Christentum; wir müssen den Priestern helfen, wir müssen uns für sie aufopfern.“ Sie fügte noch hinzu: „Ich sende meinen Schutzengel aus, damit er allen Priestern am heiligen Altar assistiert. Ich sende ihn aus, damit er meine Seele auf alle Patenen überträgt, so dass sie so zusammen mit Jesus Christus geopfert wird.“

Diese Eingebung Maries stimmt mit dem überein, was Papst Pius XII. in seiner Enzyklika Mediator Dei vom 20. November 1947 schrieb: „Dadurch, dass der Priester das göttliche Opfer auf den Altar stellt, bietet er es Gott dem Vater als Opfergabe zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit und zum Wohle der ganzen Kirche dar. An dieser Opferung im engeren Sinne nehmen die Christen auf ihre Art und in doppelter Weise teil, nicht nur, weil sie das Opfer durch die Hände des Priesters darbringen, sondern auch, weil sie es in gewisser Weise zusammen mit ihm darbringen, und diese Teilnahme bewirkt, dass sich die Opfergabe des Volkes mit der liturgischen Gottesverehrung verbindet …“ Das II. Vatikanische Konzil lehrt: „Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Priestertum des Dienstes, d. h. das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet … Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi (in persona Christi) das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit und üben ihr Priestertum aus im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“ (Lumen gentium 10).

Unerwartete Glücksfälle

Der Plan Gottes für Marie hatte einige Zeit gebraucht, bis er sich voll offenbarte; nun war der Augenblick gekommen, ihn in die Tat umzusetzen. Die politischen Wirren in Frankreich machten eine Gründung dort unmöglich. So gründete sie am 20. Juni 1873 mit Unterstützung des belgischen Prälats Mgr. Van den Berghe in Berchem bei Antwerpen die Gesellschaft der Töchter des Heiligsten Herzens Jesu. Sie nahm den Namen Mutter Marie de Jésus, einen Schleier sowie eine weiße Tracht an, auf die zwei von Dornen umgebene rote Herzen aufgestickt waren. Im Geiste der Botschaft unseres Herrn an die hl. Marguerite-Marie lauteten die Ziele der Neugründung folgendermaßen: Wiedergutmachung leisten für die gegen das Heiligste Herz Jesu begangenen Sünden, Ihm unaufhörlich danken für sämtliche Wohltaten, mit denen Er ohne Unterlass die Welt überschüttet, und der allerheiligsten Dreifaltigkeit das kostbare Blut Christi als Opfer darbringen, damit Sein Reich in der Welt anbreche. Als bevorzugtes Mittel zur Verwirklichung dieses Ideals soll ein auf den Gottesdienst und die Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes ausgerichtetes klösterliches Leben dienen. Da sie das Tor zum Ordensleben auch für weniger Gesunde offen halten wollte, die dem asketischen Leben der alten Orden nicht gewachsen gewesen wären, setzte Mutter Marie de Jésus weniger auf körperliche Bußübungen als vielmehr auf innere Askese sowie auf Selbstverleugnung durch Gehorsam. Sie bevorzugte Kasteiungen, die sich von selbst ergaben: „Durch Wärme oder Kälte verursachte Leiden sind unerwartete Glücksfälle für eine demütige Seele“, schrieb sie. „Bei solchen Gelegenheiten nichts zu sagen, ist eine kostbare Bußübung, weil sie niemand sieht und niemand beachtet; sie ist für Jesus allein.“ Die Jungfrau Maria hatte ihr gesagt: „Im neuen Institut wird die Darbringung des Heiligen Messopfers, die himmlische Opferung des göttlichen Lammes auf dem Altar, die körperlichen Opfer in hervorragender Weise ersetzen, die manchen aus Gesundheitsgründen verwehrt sind.“ Denn, wie bereits Johannes-Paul II. lehrte, bewirkt „jede eucharistische Konsekration einen Sündenerlass für die Welt und trägt so zur Versöhnung der sündigen Menschheit mit Gott bei. Das in der Eucharistie dargebrachte Opfer ist also nicht einfach ein Opfer zum Lobpreis Gottes. Es ist ein Sühn- bzw. Versöhnungsopfer, wie das Konzil von Trient erklärte, denn in ihm erneuert sich das Kreuzopfer selbst, durch welches Christus für alle Menschen Sühne geleistet und Vergebung für die Verfehlungen der Menschen erlangt hat“ (Audienz vom 15. Juni 1983).

Mit einem Flügelschlag

Die Konstitutionen des neuen Instituts wurden 1876 gebilligt; die Gründerin sowie die ersten vier Ordensschwestern legten ihre ewigen Gelübde am 22. August 1878 ab. Da Mutter Marie de Jésus das Werk auch in ihrer Heimat verankern wollte, wurde 1879 in „La Servianne“, einem von ihren Eltern geerbten Gut in der Nähe von Marseille, ein weiteres Kloster gegründet. Neben der Leitung ihrer Klöster hatte Mutter Marie de Jésus einen umfangreichen Briefwechsel zu führen. Zu ihrer angeborenen Güte gesellte sich nun die zärtliche Liebe einer Mutter; fürsorglich wachte sie über sämtliche Details im Leben ihrer Töchter. Wurde eine von ihnen krank, so verbrachte sie ganze Nächte an deren Lager, pflegte sie persönlich und brachte sie auf fromme Gedanken. An eine ihrer Töchter schrieb sie: „Ist es nicht lächerlich, wenn wir unsere Zeit damit verbringen, uns zu betrachten, zu bewundern, zu beklagen oder wegen unserer kleinen Wehwehchen, die uns so riesig vorkommen, betrübt zu sein und immer nur über unser Elend zu seufzen, während die großen Ziele Gottes und der Errettung von Seelen nach uns rufen, während wir doch einen Gott zum Lieben und zum Dienen sowie Seelen um uns haben, denen wir beistehen und helfen können? Wir ähneln einem Mann, der inmitten eines großen Feuers, das sein Haus verzehrt und seine Mutter, seinen Vater und seine Kinder zu verschlingen droht, nicht eilig beim Löschen mithilft, sondern in einer Ecke darüber klagt, dass er beim Wasserschleppen seine Kleider beschmutzt hat, und laut wehklagend jedes Körnchen Asche von seinen Kleidern entfernt. Tja! Genau das tun wir auch, wenn wir inmitten dieser unglücklichen Welt, die die Kirche in Brand setzen will und unseren Herrn Jesus Christus beleidigt, unsere Zeit damit vergeuden, über unsere inneren Wehwehchen, unser persönliches Schicksal usw. zu jammern. Wir engen uns auf uns selber ein, wo wir doch über uns hinauswachsen könnten, indem wir uns Gott anschließen, und heilig werden könnten, indem wir durch Akte des Verzichts und des Opfers seiner Sache dienen. Schwingen wir uns doch mit einem Flügelschlag und mit Hilfe der Gnade in die Höhe, verlassen wir die Erde, wachsen wir vor allem über uns selbst hinaus und richten wir unseren Blick nur noch auf Jesus allein!“

Im November 1883 stellte Mutter Marie de Jésus einen einundzwanzigjährigen Hilfsgärtner namens Louis Chave ein, um ihn aus der Armut zu befreien. Doch schon bald erwies er sich als faul, unhöflich sowie anmaßend und knüpfte zudem Verbindungen zu den Anarchisten. Am 27. Februar 1884, einem Aschermittwoch, versteckte er sich im Park von „La Servianne“ in einem Hinterhalt, an dem die Nonnen in ihrer Freizeit vorbeikommen mussten. Er tauchte plötzlich vor ihnen auf, und als die Oberin ihn freundlich anredete, ergriff er ihren Kopf, zog einen Revolver und gab zwei Schüsse aus nächster Nähe auf sie ab. An der Halsschlagader verletzt, brach Mutter Marie de Jésus mit den Worten zusammen: „Ich vergebe ihm … für das Werk!“ Bald danach starb sie.

Ihr Leichnam wurde zunächst in der Familiengruft beigesetzt, dann 1899 nach Berchem umgebettet und schließlich am 4. März 1989 im Blick auf ihre Seligsprechung exhumiert. Er war unversehrt und voll beweglich. Die Kongregation der Töchter des Heiligen Herzens Jesu verfügt heute über Klöster in Frankreich, Belgien, in der Schweiz, in Österreich, Italien sowie über ein Haus in Kroatien. Nach dem Tod der Stifterin führte die Ausstrahlung der Gemeinschaft zur Gründung einer Vereinigung opferbereiter Seelen, die Tausende von Mitgliedern hatte, darunter den hl. Pius X. und den hl. Maximilian Kolbe. Bei der Seligsprechung von Marie Deluil-Martiny am 22. Oktober 1989 fasste Papst Johannes Paul II. ihren spirituellen Werdegang folgendermaßen zusammen: „Sie war bereits sehr früh über die Wunden, die der Liebe Jesu zugefügt wurden, und über die viel zu häufige Zurückweisung Gottes durch die Gesellschaft betrübt. Gleichzeitig entdeckte sie die Größe des Geschenkes, das Jesus dem Vater gemacht hatte, um die Menschen zu retten, den Reichtum der Liebe, die in seinem Herzen strahlte, die Fruchtbarkeit des Blutes und des Wassers, die aus seiner Wunde flossen. Sie gelangte zu der Überzeugung, dass man sich im Geiste der Sühne für die Sünden der Welt am erlösenden Leiden des Gekreuzigten beteiligen musste.“

Mögen auch wir uns zusammen mit Maria am Fuße des Kreuzes mit dem erlösenden Opfer Jesu für das Heil der Welt vereinigen.

Dom Antoine Marie osb

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