Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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13. Dezember 2006
Hl. Luzia


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

«Magis mori quam peccare – Lieber sterben als sündigen» – Dieser christliche Leitspruch stand über dem Blutzeugnis der von der Kirche 1964 heiliggesprochenen Märtyrer von Uganda und wurde auch in ein Gebet zu deren Fest aufgenommen. Diese Christen waren von Pater Lourdel, dem Apostel Ugandas, auf das höchste Glaubenszeugnis vorbereitet worden.

Siméon Lourdel wurde am 20. Dezember 1853 in Dury in Nordfrankreich geboren. Sein Vater war Bauer; seine sanfte und zugleich energische Mutter war tiefgläubig; das Paar hatte insgesamt fünf Söhne. Als kräftiger und übermütiger Junge konnte sich Siméon nicht recht für das Lernen an der bischöflichen Schule begeistern. Er lehnte sich gegen die Disziplin auf und zog die Feldarbeit den Ferienaufgaben vor. Mit Begeisterung las er jedoch Berichte aus der Mission. Als Siméon zum Schulbeginn 1870 zwei Monate zu spät anreiste, weil er seinem Vater bei der Ernte hatte helfen wollen, wurde er ohne Erbarmen der Schule verwiesen. Wieder zu Hause angekommen, rief das Kind unter Tränen: «Ich will Priester werden « Man sagt, ich hätte keine Berufung. Ich werde erst recht das Gegenteil beweisen.» Er begann ernsthaft zu lernen und schaffte im Oktober 1872 die Aufnahme in das Priesterseminar von Arras. Während seines Philosophiestudiums beschloss er, der ganz jungen Société des Missionnaires d'Afrique (Gesellschaft der Afrika-Missionare) beizutreten, die gerade vom Bischof von Algier Charles Lavigerie gegründet worden war. Anfang 1874 wurde er in das Noviziat der Gesellschaft bei Algier aufgenommen.

Das ist keine Vergnügungsfahrt

Am 2. Februar 1875 schloss sich Siméon den Afrika-Missionaren (den «Weißen Patres») an und wurde am 2. April 1877 zum Priester geweiht. 1878 stellte Bischof Lavigerie eine Karawane mit zehn Missionaren, darunter auch Pater Lourdel, nach Zentralafrika zusammen, die Ende April aufbrach. Einige Forscher wie Livingstone oder Stanley hatten bewiesen, dass man die Strapazen der Reise überleben konnte. Denn das war keine Vergnügungsfahrt: Wolkenbruchartiger Regen und sengende Sonne, Mangel an Trinkwasser, Fieber und andere Krankheiten, Angriffe auf die Karawane, Weglaufen der Träger, Gewaltmärsche durch Einöden, Gluthitze und morastige Sümpfe, Begegnungen mit Karawanen, die aneinandergekettete Sklaven, darunter Frauen und viele Kinder, mit sich führten « Ende Dezember 1878 waren die Missionare im Süden des riesigen Viktoriasees angekommen, den sie auf dem Weg nach Uganda noch überqueren mussten.

Grünbewachsene Hügel, kühle Täler und eine üppige Vegetation machten Uganda zu einem prachtvollen Land. Die Einwohner, die «Baganda», lebten in Hütten aus Zweigen und betrieben vielerlei Handwerk. Das Land wurde von einem absolut herrschenden König regiert. Polygamie, Sklaverei und Laster waren gang und gäbe. Die Bevölkerung wirkte durch ihre Haltung und Höflichkeit überaus würdevoll. Wegen ihres Respekts vor der Obrigkeit und ihres Mutes galten die Baganda als treue Untertanen und unerschrockene Krieger. Die Baganda, waren Polytheisten; sie meinten, beim Tod sterbe der Mensch nicht ganz, lediglich sein Geist befreie sich aus dem Körper. Ab 1852 kam durch Händlerkarawanen der Islam ins Land und erschütterte die heidnische Religion im Geiste der Eliten. 1875 kam der amerikanische Journalist Stanley nach Uganda; zwei Jahre später folgten ihm ebenso mutige wie großherzige anglikanische Missionare. Einer von ihnen, Rev. Mackay, ließ sich 1879 in der Hauptstadt Roubaga nieder. Viele Baganda waren sich gar nicht sicher, ob Menschenopfer, grundlose Hinrichtungen und Polygamie gerechtfertigt waren, und das machte sie dem Christentum gegenüber aufgeschlossen.

Der Monarch der Baganda, Mutesa, begriff schnell, dass das Kommen der Europäer (Engländer, Belgier, Franzosen, Deutschen) bald zu einem Wettstreit führen würde: Er würde sie gegeneinander ausspielen und mit dem Meistbietenden verhandeln können. Im Februar 1879 versetzte die Ankunft Pater Lourdels und des Bruders, der ihn begleitete, als Kundschafter den Hof Mutesas in Aufruhr. Der König bereitete ihnen schließlich einen guten Empfang. Er brachte sie in der Nähe der Hauptstadt unter und ließ sie streng überwachen. Als die Baganda hörten, dass der Bruder, der Pater Lourdel begleitete, diesen mit «Mon Père» anredete, dachten sie, sein Name lautete so, und nannten ihn «Mapera»; so hieß er fortan im ganzen Land. Die Väter kümmerten sich neben der Evangelisierung auch um die materielle Entwicklung des Landes. Mehrere Baganda wandten sich mit verschiedenen Anliegen an sie, doch anfänglich ließ keiner von ihnen auf eine Bekehrung hoffen. Der Premierminister hingegen sah den Einfluss der Väter mit großem Missvergnügen. Denn diese beharrten darauf, den arabischen Sklavenhändlern möglichst viele Kinder abzukaufen; sie nahmen sie in ein Waisenhaus auf und unterwiesen sie in der wahren Religion.

Die Forderungen des Evangeliums

Pater Lourdel hinterließ tiefe Spuren in Uganda. Er sprach freundlich mit den Leuten und leistete mit seinem Verbandkasten so erfolgreich Erste Hilfe, dass er bald hohes Ansehen genoss. Seine höflichen Umgangsformen erregten Aufsehen, denn man war bei einem Mann, der als überlegen galt, nicht auf solche Herzlichkeit gefasst. Eines Tages verkündete König Mutesa, er wolle Katholik werden. Pater Lourdel erwiderte, zunächst müsse er dann auf die Mehrehe verzichten, doch das wollte der König nicht. Bischof Lavigerie schrieb später: «Ich glaube, bei ihm hätte man unterscheiden und ihm sagen müssen, dass er kein Gläubiger und nicht getauft werden könne, ohne zuvor auf die Polygamie zu verzichten, dass er aber an unseren Herrn glauben, ihn anbeten, zu ihm beten sowie seinen Beistand gegen sich selbst und seine Leidenschaften erbitten könne, bis er diese gezähmt hätte.» Allerdings befand sich der Bischof nicht vor Ort, um die plötzlichen Gesinnungswechsel des Königs einzuschätzen.

1881 versuchten arabische Sklavenhändler, deren Geschäfte durch die Gegenwart der Missionare beeinträchtigt waren, König Mutesa zu überreden, den Islam zur Staatsreligion zu erklären; Pater Lourdel konnte diesen Plan vereiteln. Viele Baganda hatten sich für den Katholizismus entschieden, nachdem sie zuerst den Islam oder den Protestantismus angenommen hatten, oft auch erst den Islam, dann den Protestantismus. Sie hatten die Väter lange beobachtet und ihnen lange aufmerksam zugehört, dann hatten sie sich frei entschieden. Sie waren hervorragende Katecheten, und die Verbreitung des Christentums wäre viel schneller vorangekommen, wenn die Häuptlinge ihre Untergebenen nicht am Erlernen der Religion gehindert hätten und wenn die Missionare sich frei im Land hätten bewegen können. Andere Baganda kamen aus manchmal zweifelhaften Gründen zu den Vätern, doch mit Hilfe der Gnade wurden sie in wachsendem Maße bekehrt. Gemäß den Weisungen von Bischof Lavigerie tauften die Missionare nur diejenigen, die vier Jahre lang im Katechumenat ausgeharrt hatten.

Die Sklavenhändler sowie die Würdenträger des Landes ärgerten sich über den wachsenden Einfluss von Mapera und begegneten den Vätern mit tödlichem Hass. Pater Lourdel auf der anderen Seite betrachtete die Polygamie der Wohlhabenden, die den armen Dörflern die Bräute wegnahm, als eine der Ursachen für die verbreitete Homosexualität. Selbst der König ließ sich zu homosexuellen sowie pädophilen Handlungen hinreißen. Mapera lehrte seine Katechumenen, sie dürften den Launen des Königs in dieser Frage nicht nachgeben, da das von Gott verurteilt werde. Ihr standhafter Widerstand setzte sie dem Zorn des Königs aus und brachte sie in Todesgefahr; doch die jungen Christen zögerten nicht, sich dem König zu verweigern. Sie bildeten bald eine Gruppe ernsthafter junger Leute, die wirklich bestrebt waren, ihr alltägliches Verhalten den empfangenen Lehren anzupassen und dennoch dem König treu zu dienen.

«Mapera war dein Freund «»

Das Zögern des Königs in der Frage der Religion sowie seine Angst vor den europäischen Mächten, als deren Abgesandte die Väter galten, führten Ende 1882 zu einer echten Bedrohung für die Väter. Sie beschlossen, die Mission für einige Zeit zu verlassen; sie ließen 20 Getaufte und rund 440 Katechumenen zurück. Während der Abwesenheit der Väter schlossen sich die Christen unter der Führung der zumeist 20- bis 30-jährigen Katecheten zusammen. Am 10. Oktober 1884 starb Mutesa. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Mwanga gewählt. Offen, neugierig und liebenswürdig, hatte dieser die Patres früher oft besucht und hatte großes Vertrauen und Zuneigung zu Pater Lourdel bekundet. Josef Mukasa, der Mutesa aufopferungsvoll gepflegt hatte, sagte eines Tages zum König: «Mein König, Mapera war dein Freund.» – «Das stimmt», erwiderte der König. «Willst du nicht, dass er zurückkehrt? Er hat deinem Vater gute Arzneimittel gegeben.» – «Das ist auch richtig; schreib ihm, er soll zurückkommen.»

Mitte Juli 1885 kehrten die Väter zurück. Sie stellten fest, dass die Kirche gewachsen war: Die Zahl der Christen hatte sich verdoppelt. Pater Lourdel schrieb: «Mwanga ist uns wohlgesonnen, er wird uns, glaube ich, freie Hand für den Unterricht lassen: Aus ihm selbst wird kaum ein praktizierender Christ « Er hat sich zwar von allem Aberglauben des Landes losgesagt. Aber zu seinem Unglück raucht er Hanf, und das wird ihn in einigen Jahren schwachsinnig werden lassen. Viele unserer Neubekehrten haben großen Einfluss auf ihn und tun ihm mit ihren Ratschlägen viel Gutes.» Doch Mwanga neigte wie bereits sein Vater sowohl zu plötzlichen Gesinnungsänderungen als auch zur Homosexualität.

In ihrer Erklärung Persona humana lehrt die Kirche: «Nach der objektiven sittlichen Ordnung sind homosexuelle Beziehungen Akte, die keine wesentliche und unverzichtbare Richtschnur haben. Sie werden in der Heiligen Schrift als schwere Laster verurteilt und sogar als die traurige Folge einer Zurückweisung Gottes dargestellt (Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10). Dieses Urteil der Schrift lässt nicht den Schluss zu, dass alle, die unter dieser Anomalie leiden, daran persönlich schuld sind, doch es bestätigt, dass Akte der Homosexualität von Grund auf lasterhaft sind und daher in keinem Falle Billigung erfahren dürfen» (Kongregation für die Glaubenslehre, 29. Dezember 1975, Nr. 8). Als gläubiger Christ versuchte Josef Mukasa, der nach der Lehre Christi zu leben trachtete, den König von der Unzucht, dem Rauschgift und der Götzenverehrung abzubringen. Er zögerte nicht, junge Pagen, für die er Verantwortung trug, aus dem Palast zu entfernen, wenn der König sie für seine homosexuelle Neigung begehrte. «Wenn der König euch zum Bösen auffordert, sagt ‚Nein'!», riet er ihnen. Diese Haltung ärgerte Mwanga, doch Josef ermahnte ihn: «Mein König und Gebieter, tu das bitte nicht mehr! Gott verabscheut die Unreinheit «» Der heilige Paulus verurteilt in der Tat die Wollust als ein besonders christenunwürdiges Laster, welches einen vom Himmelreich ausschließt: Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lüstlinge noch Knabenschänder « werden am Reich Gottes Anteil bekommen (1 Kor 6,9-10).

Der Aids-Plage ein Ende setzen

Die Tugend der Keuschheit benötigt man, um sich vor Gott richtig zu verhalten; sie ist auch das beste Mittel im Kampf gegen die Aids-Epidemie. «Lasst euch nicht durch die leeren Sprüche derjenigen täuschen, die die Keuschheit oder eure Selbstkontrolle ins Lächerliche ziehen», sagte Papst Johannes-Paul II. zu ugandischen Jugendlichen am 6. Februar 1993 in Kampala. «Die Kraft eurer künftigen ehelichen Liebe hängt von der Kraft eurer gegenwärtigen Bemühung ab, die wahre Liebe zu lernen, eine Keuschheit, die die Enthaltsamkeit von allen sexuellen Beziehungen außerhalb der Ehe mit beinhaltet. Die sexuelle Haltung der Keuschheit ist das einzige sichere und tugendhafte Mittel, der tragischen Aids-Plage ein Ende zu setzen, der so viele junge Leute zum Opfer fallen.» Diese Lehre des Papstes wird durch eine in Uganda durchgeführte Studie zur Aids-Prävention bekräftigt: «Ende der achtziger Jahre war die Ansteckung mit dem Aidsvirus (HIV) ein dramatisches Problem in Uganda. Doch 2003 waren einer Schätzung zufolge 6% der Gesamtbevölkerung mit HIV infiziert; das ist zwar nach wie vor eine sehr hohe Zahl, doch sie liegt weitaus niedriger als die von 1990 – 30%, ein trauriger Weltrekord – und als die aktuellen Zahlen aus den anderen afrikanischen Ländern « Wie konnte dieser Erfolg erzielt werden und kann er anderswo wiederholt werden? Insgesamt haben sich in den Jahren 1989-1995 die sexuellen Gewohnheiten in Uganda radikal geändert. Dass Aids wahrheitsgemäß als eine in 99 % der Fälle tödliche und durch sexuelle Kontakte übertragbare Krankheit dargestellt wurde, genügte, um einen Wandel im Verhalten der Bevölkerung herbeizuführen. Hinzukommt die gewählte Präventionsstrategie, die nicht auf kostenlose Aidstests und den Gebrauch von Präservativen setzte, sondern sich auf Enthaltsamkeit und Treue stützte. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, erklärte auf der internationalen Aids-Konferenz von Bangkok im Juli 2004: ‚Aids ist im Wesentlichen ein moralisches, soziales und ökonomisches Problem. Ich halte Präservative für eine Improvisation, keine Lösung « Die menschlichen Beziehungen müssen auf Liebe und Vertrauen gründen.' Er setzte hinzu, dass Enthaltsamkeit im Kampf gegen HIV weitaus wirksamer sei als Präservative. Seine Frau beklagte ihrerseits, dass die Verteilung von Präservativen an die Jugend einem Freibrief zu allem gleichkäme; und das führe ganz sicher in den Tod'».

«Die Gläubigen müssen auch heute noch und sogar mehr denn je die von der Kirche empfohlenen Mittel anwenden, um ein keusches Leben zu führen: die Disziplin der Sinne und des Geistes, Aufmerksamkeit und Vorsicht, um Gelegenheiten zur Sünde zu meiden, die Bewahrung des Schamgefühls, Mäßigung in den Zerstreuungen, gesunde Beschäftigung sowie ein häufiger Rückgriff auf das Gebet sowie auf die Sakramente der Buße und der Eucharistie. Vor allem die Jugend sollte es sich angelegen sein lassen, ihre Frömmigkeit gegenüber der unbefleckten Mutter Gottes zu vertiefen» (Erklärung Persona humana, Nr. 12).

Das «Lob» der Christen

Am 15. November 1885 endete der Zorn Mwangas gegen Josef Mukasa damit, dass dieser zum Tode verurteilt und enthauptet wurde. Da die Katechumenen eine gewaltige Verfolgungswelle auf sich zukommen sahen, drängten sie in die Mission, um die Taufe zu empfangen. Karl Lwanga, der die große Hütte leitete, in der der König seine feierlichen Empfänge hielt, war ein kräftiger, sanfter, stets dienstbereiter und allgemein beliebter athletischer Mann. Seine Rechtschaffenheit und seine Genauigkeit brachten ihm die Wertschätzung und das Vertrauen des Königs ein. Unter den Pagen hatte er einen ähnlich großen Einfluss wie Josef Mukasa. In den ersten Monaten des Jahres 1886 brachte eine Serie ärgerlicher Vorfälle (Brände usw.) Mwanga zum Äußersten. Die mohammedanischen Sklavenhändler schwärzten die Christen an: «Sie geben sich keiner Fleischeslust hin; sie lehnen Plünderungen ab; wenn du befiehlst, dass jemand getötet wird, sind sie damit nicht einverstanden und sie selbst fürchten nicht, umgebracht zu werden. Wenn alle deine Untertanen diese Art von Leben übernommen haben, was für ein König wirst du dann sein?» Mwanga war empört: «Ich werde sie alle töten lassen!» Am Morgen des 26. Mai rief der König die Henker und die großen Häuptlinge zusammen. Sogleich versammelte Charles Lwanga die Pagen um sich, die erst Katechumenen waren, und taufte sie. Dann erschien er zusammen mit allen Christen vor dem König, der sie aufforderte, ihren Glauben zu verleugnen. Da sie sich weigerten, sollten alle bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Mehrere Christen starben bereits auf dem Marsch zum Scheiterhaufen nach Namugongo den Märtyrertod.

Die Haupthinrichtung fand am 3. Juni, dem Himmelfahrtsfest, statt. Die Christen freuten sich. «Man möchte meinen sie gehen zu ihrer Hochzeit!», riefen die Henker erstaunt. Jeder Christ wurde mit Schilfgeflecht umwickelt und so auf den Scheiterhaufen gelegt, der von den Henkern in Brand gesteckt wurde. Spontan begannen die Märtyrer das Vaterunser zu beten. Die Henker hörten sprachlos zu. Als die Märtyrer die Worte «Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern» sprachen, erschraken die Henker und schrieen aus voller Kehle: «Nicht wir, sondern unsere Götter töten euch, weil ihr sie wie Dämonen behandelt!» Für Karl Lwanga war ein besonderes Los vorgesehen. Nachdem er dem Martyrium der anderen Christen zugeschaut hatte, wurde er zu einem eigens für ihn errichteten Scheiterhaufen geführt. Während sein Körper vom Feuer verzehrt wurde, rief ihm der Henker zu: «Soll doch Gott kommen und dich aus diesem Feuer holen!» Er antwortete: «Was du Feuer nennst, ist mir nur kühles Wasser. Nimm du dich lieber in Acht, dass Gott, den du beleidigst, dich eines Tages nicht in das wahre, niemals erlöschende Feuer taucht.» Im Augenblick seines Todes rief er mit lauter Stimme: «Oh mein Gott!» Am 22. Juni 1934 wurde Karl Lwanga von Pius XI. zum «Patron der afrikanischen Jugend» erklärt. Zwischen 1885 und 1887 wurde rund hundert Christen die Gnade des Märtyrertodes zuteil. 22 ugandische Katholiken, deren Schicksal genau dokumentiert ist, wurden 1964 von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

Warum diese Wut?

Pater Lourdel sah vier Hauptgründe für die Wut des Königs auf die Christen: die Furcht davor, dass die Missionare sich des Landes bemächtigen würden; die Feststellung, dass seine Sklaven mehr wussten als er; das Nein der in der Religion unterwiesenen Pagen zu seinen Lastern; die von vielen führenden Persönlichkeiten des Landes geteilte Befürchtung, die Verehrung des wahren Gottes könnte die Verehrung der heidnischen Götter verdrängen. Doch die blutige Verfolgung wirkte nicht im Entferntesten als Bremse für die Konversionen, sondern beschleunigte sie noch. In den folgenden Monaten legte sich die Wut des Königs, doch er blieb den Weißen gegenüber misstrauisch.

Pater Lourdel war über diese Ereignisse zutiefst betroffen und schüttete seinem mittlerweile als Kartäusermönch lebenden Bruder gegenüber sein Herz in Bezug auf seine Gebetshaltung und seine geistlichen Anfechtungen aus: «Manchmal frage ich mich, ob mein Glaube nicht nachlässt « In der Mission wird man sich der Tatsache bewusst, dass der Glaube wirklich ein Geschenk Gottes ist, sowohl für die eigene Person als auch für die Seelen der Bekehrten « Ich habe das Pech, dass ich kein Mann des Gebets bin. Bete für mich um die Gnade des betrachtenden Gebets.»

Zwischen September 1888 und Februar 1890 wurden die Patres zweimal vertrieben. Als sie zum zweiten Mal zurückkehrten, erlebten sie einen wahrhaften Ansturm auf das Katechumenat. Die Missionare mussten die Aufrichtigkeit der Kandidaten prüfen, denn mittlerweile gehörte es zum guten Ton, auf der Seite der Christen zu stehen. Anfang Mai 1890 wurde Pater Lourdel ernsthaft krank. Mangelhafte Ernährung, anhaltende Fieberzustände sowie die vielen Hürden, auf die er bei seinem Apostolat gestoßen war, hatten seine robuste Konstitution ruiniert. Am 11. Mai bat er Gott um Vergebung dafür, dass er ihm nicht besser gedient hatte. Am nächsten Tag tat er seinen letzten Atemzug.

Die Mission in Uganda zählte damals rund 2200 Getaufte und rund 10000 eifrige Katechumenen. Bald entstanden Seminare, Noviziate und Katechetenschulen, wie Pater Lourdel es sich gewünscht hatte. 1911 stellten die Katholiken 30% der Bevölkerung dar, die Anglikaner 21%. Das Christentum war Hauptreligion geworden, und die Baganda hatten sich seine Sitten und Gebräuche zueigen gemacht.

«Dieses alljährliche Ereignis ist für uns Anlass zu inständigem Gebet für die Missionen und zur Teilhabe mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln an der weltweiten Tätigkeit der Kirche zum Aufbau des Reiches Gottes: ‚das ewige, alles umfassende Reich: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens' (Präfation vom Christkönig-Fest). Wir sind dabei vor allem berufen, mit unserem Leben von unserer Nachfolge Christi und unserer Treue zu seinem Evangelium zu zeugen. Ja, wir sollen uns nie des Evangeliums schämen und uns nie fürchten, uns zu unserem Christsein zu bekennen, indem wir unseren Glauben verschweigen» (Johannes-Paul II., Botschaft zum Weltmissionstag vom 19. Mai 2002). Bitten wir Pater Lourdel, er möge uns die Gnade erwirken, freudig unseren katholischen Glauben zu bezeugen.

Dom Antoine Marie osb

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