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26. Juli 2006 |
Dieser Aufruf zur Umkehr, mag er auch noch so anspruchsvoll sein, entspringt dem unendlich liebenden Herzen Unseres Herrn. In ihrer mütterlichen Fürsorge kam nun die Allerseligste Jungfrau zu uns, um ihn von neuem an uns zu richten. In der Abfolge ihrer Erscheinungen in Fatima zeigt uns Unsere Liebe Frau, ein Vorbild an Weisheit und von unerreichter Güte, ihre übernatürliche Pädagogik. Bei ihrer ersten Erscheinung am 13. Mai 1917 weckte sie in den drei jungen Sehern die Sehnsucht nach dem Himmel; als Maria, überirdisch schön und lichtumhüllt, in einem langen weißen Kleid mit bodenlangem Schleier vor ihnen stand, wurde sie von Lucia, der Ältesten der Gruppe, gefragt: "Woher kommen Sie, meine Dame?" "Ich bin vom Himmel." "Und was wünschen Sie von uns?" "Ich will euch bitten, sechsmal hintereinander am 13. eines jeden Monats zu dieser Stunde hierher zu kommen. Dann werde ich euch sagen, wer ich bin und was ich von euch will." "Sie kommen vom Himmel! « Und ich, komme ich auch in den Himmel?" "Ja, du kommst in den Himmel." "Und Jacinta?" "Auch." "Und Francisco?" "Er auch; er soll aber den Rosenkranz beten «"
Das Ziel unserer Existenz ist der Himmel. "Gott ist in sich unendlich vollkommen und glücklich. In einem aus reiner Güte gefassten Ratschluss hat er den Menschen aus freiem Willen erschaffen, damit dieser an seinem glückseligen Leben teilhabe" (Katechismus der Katholischen Kirche, 1). Wer in der Gnade sowie in Freundschaft mit Gott stirbt und völlig geläutert ist, geht in den Himmel ein, wo er für immer Gott ähnlich wird, da er Ihn so schauen kann, wie Er ist (1 Joh 3,2), und zwar von Angesicht zu Angesicht (vgl. 1. Kor 13,12). Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen (Mt 5,8). Dieses Leben der vollkommenen Einheit und der Liebe mit der Heiligen Dreifaltigkeit, mit der Jungfrau Maria, den Engeln und Heiligen, das einem freien Geschenk Gottes entspringt, ist die Erfüllung des tiefsten Verlangens des Menschen, der Zustand höchster und endgültiger Glückseligkeit. Denn Gott hat das Verlangen nach Glück in das Herz des Menschen gelegt, um ihn an sich zu ziehen. Die Hoffnung auf den Himmel lehrt uns, dass das wahre Glück weder im Reichtum noch im Vergnügen, weder im menschlichen Ruhm noch in der Macht liegt, auch nicht in einem menschlichen Werk, mag dieses auch noch so wertvoll sein, wie etwa die Wissenschaften, die Technik und die Kunst, und auch in keinem Geschöpf, sondern einzig in Gott, dem Quell alles Guten und aller Liebe (vgl. Katechismus 1723). "Gott allein macht uns satt", behauptet der hl. Thomas von Aquin.
"Wir wollen!"
Am 13. Juli enthüllte die Gottesmutter eine schreckliche Wirklichkeit vor den Augen der Kinder: "Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir den Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz. Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlischen Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen. Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben. Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und Traurigkeit sprach: Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein'."
Ein weiterer Beweis
Im Laufe seines öffentlichen Lebens kam unser Erlöser Jesus Christus oft auf das Thema Hölle, Gehenna und das nie erlöschende Feuer (vgl. Mk 9,43-48) zurück, das denen vorbehalten ist, die sich bis an ihr Lebensende weigern, zu glauben und sich zu bekehren, und worin sowohl die Seele als auch der Leib ins Verderben stürzen (vgl. Mt 10,28). Das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 395) erinnert uns: Die Todsünde "zerstört in uns die Liebe, beraubt uns der heiligmachenden Gnade und führt uns zum ewigen Tod der Hölle, wenn wir nicht bereuen". Die Kirche hat sich kraft ihres Lehramtes oft zu diesem Thema geäußert; Papst Pius XII. unterstrich am 23. März 1949: "Die Verkündigung der ersten Wahrheiten des Glaubens und der letzten Ziele, hat heute nicht nur nichts von ihrer Aktualität verloren, sondern ist notwendiger und dringender denn je, selbst das Predigen über die Hölle. Zweifelsohne muss dieses Thema würdevoll und weise behandelt werden. Doch hinsichtlich der Substanz dieser Wahrheit hat die Kirche vor Gott und den Menschen die heilige Pflicht, sie ohne jede Abschwächung zu verkünden, sie zu lehren, wie Christus sie offenbart hat, und es gibt keinerlei Zeitumstände, die die Strenge dieser Verpflichtung abschwächen könnten. Sie ist für das Gewissen eines jeden Priesters bindend, dem es im ordentlichen oder außerordentlichen Dienst obliegt, die Gläubigen zu unterweisen, zu ermahnen und zu lenken. Zwar ist die Sehnsucht nach dem Himmel ein an sich vollkommeneres Motiv als die Furcht vor der ewigen Strafe, doch daraus folgt nicht, dass sie für alle Menschen auch das wirksamste Motiv ist, um sie von der Sünde fernzuhalten und sie zu Gott zu bekehren."
Die Sorge einer Mutter
Die Botschaft von Fatima ist im wesentlichen die des Evangeliums. Bereits zu Beginn seines öffentlichen Lebens verkündete unser Herr Jesus: Genaht hat sich das Reich Gottes; bekehrt euch und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,15). Dieser Appell steht immer im Zentrum der kirchlichen Verkündigung. Der hl. Benedikt zitierte ihn bereits im Prolog zu seiner Regel: "Deshalb werden uns die Tage dieses Lebens als Gnadenfrist verlängert, damit wir unsere schlechte Haltung bessern; sagt doch der Apostel: Weißt du nicht, dass die Langmut Gottes dich zur Umkehr treibt? (Röm 2,4). Denn in seiner Güte sagt der Herr: Ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er umkehrt und am Leben bleibt (Ez 18,23)."
Sich bekehren, sein Leben ändern: Das bedeutet, zu Gott zurückkehren, indem wir ihm unser Bedauern darüber bezeugen, dass wir ihn beleidigt haben. Besonders betroffen von der Traurigkeit Marias, als sie darum bat, dass man ihren Sohn nicht mehr beleidige, wollte Francisco diesen dadurch trösten, dass er fortan keine Sünde mehr beging. "Ich liebe unseren Herrn so sehr! Aber Er ist so traurig wegen all der Sünden. Nein! Wir werden keine Sünde mehr begehen!" Die drei Kinder waren eher bereit, Verfolgung und Tod zu erleiden als zu lügen, um Widersprüche auszuräumen. Doch die Änderung des Lebens beinhaltet außer der Beichte, um Vergebung für die Sünden zu erlangen, auch eine Kasteiung des Herzens und der Sinne, um die begangenen Sünden zu sühnen und sich mit Christus in seiner Passion zu vereinigen. Ein überaus bemerkenswertes Faktum war, dass die Erscheinungen in den Herzen der drei kleinen Seher den brennenden Wunsch erweckten, an den Leiden Christi teilzuhaben. Z.B. beschlossen sie, ihr Vesperbrot jeden Tag an arme Kinder zu verschenken und sich damit zu begnügen, was sie in der freien Natur finden konnten. Eines Tages wurden sie von der Mutter eines der Kinder gerufen, die ihnen besonders schmackhafte Feigen zu essen geben wollte. Jacinta setzte sich neben den Korb und freute sich schon auf die köstlichen Früchte. Sie nahm sich eine. Plötzlich besann sie sich: "Wir haben noch kein Opfer für die Sünder dargebracht. Bringen wir doch dieses Opfer." Und sie legte die Feige in den Korb zurück.
Wenn die Gnade Gottes in eine Seele Eingang gefunden hat, begnügt sich diese nicht damit, für die eigenen Sünden Buße zu tun, sie will sich auch für die anderen opfern. Aus diesem Grunde war Jacinta während der langen und schmerzhaften Krankheit, an der sie schließlich am 20. Februar 1920 starb, durch die Gewissheit gestärkt, dass ihr Leiden zusammen mit dem unseres Erlösers Sünder bekehren bzw. diesen die Verdammnis ersparen würde. Das zarte und von Natur aus trotzige Mädchen war angesichts des Leidens geduldig, ja sogar stark geworden. Kurz vor ihrem Tode sagte sie zu Schwester Maria-Purificación Godinho, der Nonne, die sie pflegte: "Selbstüberwindung und Opfer sind eine große Freude für Unseren Herrn! Meidet den Luxus! Meidet jeden Reichtum. Liebt die heilige Armut. Seid liebevoll, selbst zu den Bösen. Sprecht nie schlecht über jemanden und meidet diejenigen, die andere schlecht machen. Seid sehr geduldig, denn die Geduld führt in den Himmel. Betet viel für die Sünder! Betet viel für die Priester, die Ordensleute und die Regierungen. Die Priester sollten sich nur mit kirchlichen Angelegenheiten befassen. Sie müssen rein, sehr rein sein! Der Ungehorsam von Priestern und Ordensleuten ihren Vorgesetzten sowie dem Heiligen Vater gegenüber ist für Unseren Herrn sehr verletzend."
Die Buße, die Gott erwartet
Ebenfalls im Mittelpunkt der Erscheinungen von Fatima steht die Empfehlung des Rosenkranzes. Die Gottesmutter sprach mehrfach davon. 1917 litt die Welt noch unter den Schrecken des Ersten Weltkrieges, dessen Ausgang für niemanden absehbar war. Bei der dritten Erscheinung am 13. Juli betonte die "schöne Dame" (die sich noch nicht genannt hatte): "Jeden Tag muss zu Ehren der Heiligen Jungfrau der Rosenkranz gebetet werden, damit durch ihre Fürsprache das Ende des Krieges herbeigeführt werde, denn nur sie kann uns zu Hilfe kommen." Am 13. Oktober nannte sie sich selbst "Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz". Sie bat darum, bei diesem traditionellen Gebet am Ende eines jeden Gesätzes die Anrufung einzufügen: "O mein Jesus, vergib uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen." Denn der Beistand der göttlichen Gnade ist sehr weitreichend; niemand bleibt vom heilbringenden Willen Gottes ausgeschlossen und somit auch von der mütterlichen Fürsorge Marias, die uns die vordringliche Rolle des Gebetes im Heilsgeschehen lehrt. "Es muss viel gebetet werden, damit die Seelen nicht in die Hölle kommen", wiederholte Jacinta oft.
"Nehmt den Rosenkranz wieder in die Hand!"
"Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Mutter!"
Man mag sich fragen, worin diese Beleidigungen bestehen, die dem Herzen Mariens so viel Schmerz bereiten. Im Allgemeinen sind das alle Sünden, die Gott beleidigen. Einige davon verletzen das Herz unserer himmlischen Mutter besonders: zunächst die Lästerungen gegen ihre drei großen Privilegien, ihre Unbefleckte Empfängnis, ihre ewige Jungfräulichkeit und ihre Gottesmutterschaft; dann die Schmähungen gegen Bilder, auf denen sie dargestellt ist, und schließlich das Vergehen derer, die Kinder dazu anleiten, ihre Mutter im Himmel zu verachten, zu verspotten, ja sogar zu hassen. Sicherlich zählen auch die Verstöße gegen die Tugend der Keuschheit dazu. Jacinta gab folgende Worte Unserer Lieben Frau an Schwester Maria-Purificación weiter: "Die Sünden, die die meisten Seelen in die Hölle stürzen, sind die Sünden gegen die Keuschheit. Es werden Moden aufkommen, die Unseren Herrn sehr verletzen werden. Die Personen, die Gott dienen, dürfen diesen Moden nicht folgen." Kurz vor ihrem Tod sagte Jacinta zu Lucia: "Du bleibst noch hier auf Erden, um den Menschen zu verkünden, dass der Herr in der Welt die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens verbreiten will. Erinnere jedermann daran, dass der liebe Gott uns seine Gnade durch das Unbefleckte Herz Mariens gewähren will; man muss dieses Unbefleckte Herz darum bitten « Das Herz Jesu will, dass das Unbefleckte Herz Mariens zusammen mit ihm verehrt wird."
Die Botschaft von Fatima ist immer aktuell. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend drückte das Papst Johannes-Paul II. anlässlich der Seligsprechung von Francisco und Jacinta folgendermaßen aus: "Die Botschaft von Fatima ist ein Aufruf zur Umkehr, eine Warnung an die Menschheit, nicht das Spiel des Drachens mitzuspielen, der mit seinem Schwanz ein Drittel der Sterne vom Himmel fegte und sie auf die Erde hinabwarf (Offb 12,4). Das letzte Ziel des Menschen ist der Himmel, seine wahre Wohnung, wo der himmlische Vater in seiner barmherzigen Liebe auf alle wartet. Gott will, dass niemand verloren geht. Deshalb hat er vor zweitausend Jahren seinen Sohn auf die Erde gesandt, um zu suchen und zu retten, was verloren ist (Lk 19,10). Und er hat uns gerettet durch seinen Tod am Kreuz; niemand bringe das Kreuz um seine Kraft! Jesus ist gestorben und auferstanden, um der Erstgeborene von vielen Brüdern (Röm 8,29) zu sein. In ihrer mütterlichen Fürsorge ist die Seligste Jungfrau hierher, nach Fatima, gekommen, um die Menschen aufzufordern, dass sie Gott, Unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wird. Der Schmerz der Mutter veranlasst sie zu sprechen; auf dem Spiel steht das Schicksal ihrer Kinder. Deshalb sagt sie zu den Hirtenkindern: Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder; denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand da ist, der sich für sie opfert und für sie betet'" (13. Mai 2000).
Mögen auch wir zur Verbreitung der Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens in der Welt beitragen, damit eine möglichst große Zahl von Seelen zur Umkehr und zu einer brennenden Liebe zu Jesus und Maria bewegt wird.