Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


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13. Januar 2005
H. Antonius


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

In einem Kriegsgefangenenlager bei Stuttgart hatte es die ganze Nacht geregnet; am Morgen des 2. Oktober 1940 hingen hie und da noch kleine Regentropfen am Stacheldraht. „Welch seltsamer Rosenkranz, Herr Pfarrer! Was so unbeweglich, ein bisschen dumm und grau dort hängt, das sind unsere Leiden ... Ein Sonnenstrahl, und sie werden vor Ihren Augen im Licht aufglänzen.« - „Sie sind heute aber fromm, mein Glückwunsch!« Der Pfarrer musterte erstaunt Leutnant Darreberg, der nach einer Pirouette hinzufügte: „Das ist nur Poesie und Literatur, eine elegante Art, Ihnen guten Tag zu sagen.«

Der französische Leutnant Darreberg war dem Pfarrer wohlbekannt. Seine ursprüngliche christliche Erziehung war in alle Winde zerstoben, und er war stolz darauf. Mit verblüffender Aufrichtigkeit bekannte er: „Ich habe keine Lust, ein Heiliger zu werden, absolut nicht, sondern genau das Gegenteil.« Im Lager hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Mitgefangenen zu unterhalten, seine eigentliche Berufung, wie er sagte. Und tatsächlich wurde es einem mit ihm nie langweilig.

Ein frommer Scherz?

An diesem Morgen blickte Darreberg allerdings nicht wie gewohnt drein. „Geht es Ihnen nicht gut?«, fragte der Geistliche. Der Leutnant antwortete widerstrebend erst auf die zweite Nachfrage: „Es ist Folgendes: Am Anfang unserer Gefangenschaft haben Sie uns die Geschichte von La Salette erzählt. Sie ist natürlich nur ein frommer Scherz, aber sie hat eine Menge Leute im Lager bewegt. Es ist sehr nett, sich etwas in dieser Art auszumalen, um sich die Zeit nicht so dumm zu vertreiben.« - „Das ist kein 'frommer Scherz'!«, protestierte der Pfarrer. - „Davon will ich mich an Ort und Stelle überzeugen. Was genau muss ich tun, um auf Ihren geheimnisvollen Berg zu kommen?« - „Wir müssen auf bessere Tage hoffen, wir sind noch monatelang hier eingesperrt.« - „Ich haue heute schon ab, Herr Pfarrer!« - „Wie bitte?« - „Ich fliehe heute Abend.« Und tatsächlich gelang Leutnant Darreberg die Flucht in die Freiheit, geschickt versteckt unter der Plane eines Brotlieferwagens. Der Priester schickte ihm einen raschen Segen hinterher: „Unsere jungfräuliche Liebe Frau von La Salette, die du zum Zeichen unserer in der Gewalt der Sünde befangenen Seelen Ketten trägst, begleite deinen kühnen Pilger auf seiner Reise!« Nach Einbruch der Nacht wurde in jeder Stube der tollkühne Streich diskutiert. „Wenn Unsere Liebe Frau von La Salette auf dem Berg auf ihn wartet«, dachte der Pfarrer, „so ist keine Karte, kein Proviant, kein Kompass und auch keine rationale Methode vonnöten. Eher im Gegenteil.«

Am 12. November erhielt der Seelsorger einen vom 20. Oktober in La Salette datierten Brief von Darreberg: „Zunächst einmal musste ich eine recht lange Reise ohne allzuviel Komfort machen.« Nachdem er erst auf dem Lieferwagen bis Stuttgart gekommen war, ging er zum Bahnhof und konnte auf den Puffern eines Eisenbahnwagons in Richtung Konstanz weiterreisen. Bei jedem Halt schlüpfte er unter eine Achse des Wagons, um nicht entdeckt zu werden. Auf die gleiche Art fuhr er von Konstanz nach Basel. In der Schweiz angekommen, war er nunmehr frei und konnte erst nach Lyon, dann nach La Salette reisen. „Ich kann Ihnen ja jetzt sagen«, fuhr er fort, „dass ich mich unwiderstehlich angezogen fühlte. Ich musste hierher. Seit fünf Tagen bin ich da und lebe wie in einem Traum. Was war ich dumm, als ich von einem 'frommen Scherz' sprach; in Wirklichkeit glaubte ich bereits da nicht mehr daran. Während meiner Reise begriff ich schon so viele Dinge. Hier traf ich dann einen Priester, der mir die Geschichte dieses Berges erklärte.«

Es handelte sich kurzgefasst um folgende Geschichte: Am 19. September 1846 hüteten zwei unbedarfte Kinder, Maximin (11 Jahre) und Mélanie (fast 15 Jahre), ihre Viehherde in dem Gebirge oberhalb des Dorfes La Salette in der Diözese Grenoble. Plötzlich erschien ihnen ein leuchtend heller Schein, in welchem sie eine von ihnen später „Schöne Dame« genannte Frauengestalt in der Haltung tiefsten Schmerzes erblickten: sitzend, den Kopf schluchzend in den Händen vergraben. Die beiden kleinen Hirten waren zunächst sehr erschrocken, doch die Schöne Dame erhob sich und rief sie mit sanfter Stimme: „Kommt her, meine Kinder, habt keine Angst.« Ohne zu zögern stürzten sie zu ihr, so nah, dass sie sie beinahe berühren konnten. Sie trug zwei Ketten über Brust und Schulter mit einem daran befestigten Kreuz, an welchem ein im Licht glänzender Christus sein Blut vergoss.

Ihre Augen waren von unendlicher Trauer erfüllt. „Sie hat die ganze Zeit geweint, während sie mit uns sprach«, erzählte Mélanie später. „Ich habe ihre Tränen fließen sehen.« Die Dame sagte: „Wenn mein Volk sich nicht unterordnen will, muss ich den Arm meines Sohnes loslassen; er ist so stark und so schwer, dass ich ihn nicht mehr halten kann. Ich habe euch sechs Tage zum Arbeiten gegeben und den siebten Tag für mich reserviert, aber man will ihn mir nicht zugestehen ... Wer einen Karren antreibt, kann nicht schimpfen, ohne den Namen meines Sohnes beim Fluchen mitzunennen. Diese beiden Dinge machen den Arm meines Sohnes so schwer.« Dann sprach sie von verheerenden Missernten als Folge der von den Menschen begangenen Sünden und fuhr fort: „Wenn sie sich bekehren, werden sich Steine und Felsen in Weizenberge verwandeln.« Sie schloss mit den Worten: „Geht, Kinder, ihr werdet diese Botschaft an mein ganzes Volk weitergeben.« Dann schritt sie auf den Plateaugipfel zu, erhob sich über die Erde und verschwand langsam.

Auf den Knien, wie so viele Andere

Darreberg war durch den Bericht über diese Erscheinung zutiefst gerührt. Er schrieb in seinem Brief an den Pfarrer: „Am genauen Schauplatz dieser Ereignisse ist das eine herrlich lebendige Sache, eine Parole, eine heilige Weisung, eine Einladung, sich sofort in Habtachtstellung zu begeben, um die Befehle zu hören, die man befolgen, die man absolut bis zum Ende ausführen muss. Auch der junge Possenreißer, den Sie kannten, ja, auch er tat, was so viele Andere zuvor getan hatten, er fiel auf die Knie und beichtete wie ein Kind, nur dass er viel mehr zu berichten hatte. Der Beichtvater kommentierte eine Menge Dinge, die ich lieber einem Tauben anvertraut hätte, da sie überhaupt nicht erbaulich waren, immerzu mit 'gut' und 'perfekt'. Da erhob ich Einspruch: 'Nein, das ist nicht perfekt.' Er antwortete: 'Oh doch, mein kleiner Held, das ist perfekt! Perfekt ist, was die Gottesmutter für Sie getan hat, und wie Sie das annehmen.' Kurzum, ich habe Großputz gemacht. Dadurch wurde ich ganz leicht und ein bisschen stolz.«

„Maria, unsere liebevolle Mutter«, schrieb Papst Johannes-Paul II. am 6. Mai 1996, „hat in La Salette ihre Trauer angesichts der schlechten Moral der Menschheit gezeigt. Durch ihre Tränen hilft sie uns, die schmerzliche Schwere der Sünde, der Zurückweisung Gottes, besser zu erfassen, aber auch die leidenschaftliche Treue ihres Sohnes zu seinen Kindern, unseres Erlösers, dessen Liebe durch das Vergessen und die Zurückweisung verletzt wird.«

„Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes: Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir missfällt (Ps 51,6). Die Sünde lehnt sich gegen die Liebe Gottes zu uns auf und wendet unsere Herzen von ihm ab. Wie die Ursünde ist sie ein Ungehorsam, eine Auflehnung gegen Gott durch den Willen, wie Gott zu werden und dadurch Gut und Böse zu erkennen und zu bestimmen (Gen 3,5). Die Sünde ist somit 'die bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe' (Hl. Augustinus). Die Sünde ist wegen dieser stolzen Überheblichkeit dem Gehorsam Jesu, der das Heil wirkt, völlig entgegengesetzt ... Die Sünden sind vielfältig. Der Galaterbrief setzt dabei der Frucht des Geistes die Werke des Fleisches entgegen: Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben (Gal 5,19-21)« (Katechismus 1850; 1852).

In La Salette hob Unsere Liebe Frau insbesondere die Sünden gegen Gott durch die Missachtung seines Namens hervor. Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt: „Unter allen Offenbarungsworten nimmt der geoffenbarte Name Gottes eine einzigartige Stellung ein ... Der Name des Herrn ist heilig. Darum darf der Mensch ihn nicht missbrauchen. Er soll ihn in schweigender, liebender Anbetung im Gedächtnis behalten. Er darf ihn nur gebrauchen, um Gott zu preisen, zu loben und zu verherrlichen. In der Ehrfurcht vor dem Namen Gottes äußert sich die Ehrfurcht, die man dem Mysterium Gottes selbst und allem Heiligen schuldet ... Gotteslästerung besteht darin, dass man - innerlich oder äußerlich - gegen Gott Worte des Hasses, des Vorwurfs, der Herausforderung äußert, schlecht über Gott redet, es in Worten an Ehrfurcht vor ihm fehlen lässt und den Namen Gottes missbraucht ... Das Verbot der Gotteslästerung erstreckt sich auch auf Worte gegen die Kirche Christi, die Heiligen oder heilige Dinge. Gotteslästerlich ist es auch, den Namen Gottes zu missbrauchen, um verbrecherische Handlungen zu decken, Völker zu versklaven, Menschen zu foltern oder zu töten ... Gotteslästerung ist in sich eine schwere Sünde. Flüche, die den Namen Gottes ohne gotteslästerliche Absicht missbrauchen, sind ein Mangel an Ehrfurcht vor dem Herrn« (Katechismus 2143-2144; 2148-2149).

Der siebte Tag

Durch die Gottesmutter als Mittlerin sagte Gott zu den Kindern von La Salette: „Ich habe euch sechs Tage zum Arbeiten gegeben und den siebten Tag für mich reserviert, aber man will ihn mir nicht zugestehen.« Damit mahnte er uns an unsere Pflicht, den Sonntag zu heiligen. 1998 gab Papst Johannes-Paul II. ein Apostolisches Schreiben heraus, in dem er an den Sinn des christlichen Sonntags erinnerte: „Alle, denen die Gnade, an den auferstandenen Herrn zu glauben, zuteil wurde, können nicht umhin, die Bedeutung dieses Wochentages mit der lebhaften Gefühlsregung zu erfassen, die den hl. Hieronymus zu den Worten veranlasste: 'Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung, er ist der Tag der Christen, er ist unser Tag' ... Heute möchte ich alle eindringlich zur Wiederentdeckung des Sonntags einladen: Habt keine Angst, Eure Zeit Christus zu geben! Ja, öffnen wir unsere Zeit für Christus, damit er sie erleuchten und lenken kann« (Dies Domini, 31. Mai 1998, 2; 4; 7).

Die Teilnahme an der gemeinsamen sonntäglichen Messe ist ein Zeugnis der Zugehörigkeit und der Treue zu Christus: „Die Messe ist in der Tat lebendige Vergegenwärtigung des Opfers von Golgota. Unter den Gestalten von Brot und Wein, auf welche die Ausgießung des Geistes herabgerufen wurde, der in den Wandlungsworten in ganz einzigartiger Weise wirksam ist, bringt sich Christus dem Vater in derselben Opferhaltung dar, mit der er sich am Kreuz hingegeben hat ... Mit seinem Opfer vereinigt Christus das Opfer der Kirche: 'In der Eucharistie wird das Opfer Christi auch zum Opfer der Glieder seines Leibes. Das Leben der Gläubigen, ihr Lobpreis, ihr Leiden, ihr Gebet und ihre Arbeit werden mit denen Christi und mit seiner Ganzhingabe vereinigt und erhalten so einen neuen Wert' (Katechismus 1368)« (Ibid. 43).

„Da die Eucharistie das Herz des Sonntags ist, versteht man, dass seit den ersten Jahrhunderten die Bischöfe nicht aufgehört haben, ihre Gläubigen an die Notwendigkeit der Teilnahme an der liturgischen Versammlung zu erinnern ... Der derzeitige Codex bekräftigt es, indem er festlegt: 'Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen sind die Gläubigen zur Teilnahme an der Messfeier verpflichtet' (Canon 1247). Ein solches Gesetz ist normalerweise als Auferlegung einer ernsten Pflicht verstanden worden ... Wenn die Teilnahme an der Eucharistiefeier das Herz des Sonntags ist, wäre es dennoch einschränkend, die Pflicht zu 'seiner Heiligung' allein auf sie zu reduzieren. Denn der Tag des Herrn wird dann richtig gelebt, wenn er als ganzer vom dankbaren und aktiven Gedächtnis der Werke Gottes geprägt ist. Das verpflichtet jeden einzelnen Jünger Christi dazu, auch den anderen, außerhalb des liturgischen Geschehens gelebten Vorgängen des Tages - Familienleben, soziale Beziehungen, Gelegenheiten zu Erholung und Zerstreuung - einen Stil zu geben, der helfen soll, im gewöhnlichen Leben den Frieden und die Freude des Auferstandenen aufbrechen zu lassen« (Ibid. 32; 46; 47; 52).

Ein wertloses Geleier?

Als die Gottesmutter Mélanie und Maximin erschien, erinnerte sie an die Bedeutung des Gebets: „Betet ihr auch schön, meine Kinder?« - „Kaum.« - „Aber ihr müsst morgens und abends beten, selbst wenn ihr nur ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du, Maria sprecht. Und wenn ihr es besser machen könnt, so betet mehr.« Leutnant Darreberg sah nun die Notwendigkeit des Betens ein. Er ging nach England, wo er in der Royal Air Force als Kampfflieger eingesetzt wurde. Er schrieb in sein Tagebuch: „14. Oktober 1941: Ich habe den katholischen Pfarrer kennengelernt ... Er sagte mir, am Sieg sei überhaupt nicht zu zweifeln. Ich sagte: 'Der Krieg könnte schon morgen beendet sein; dazu wäre nur eines zu tun.' - 'Und was?' - 'Sich unterwerfen. Sich dem Befehl Gottes unterwerfen und beten. Mindestens dreimal', und ich betonte mit Nachdruck die häufige Zuhilfenahme des Gebets.« Darreberg begann selbst zu beten: „Ich verstehe das Rosenkranzgebet nun besser: Es macht die Seele gefügig und lehrt sie nach und nach, richtig zu reagieren. Ich habe immer gemeint, das sei ein frömmlerisches Gebet, ein wertloses Geleier. Unsinn! Das ist ein wunderbarer Trick. Wenn man fünfzigmal hintereinander 'Gegrüßet seist du, Maria' sagt, neigt man schließlich von selbst den Kopf, wie es sich gehört. Wenn man fünfzigmal hintereinander 'Bitte für uns Sünder' sagt, hält man sich schließlich nicht mehr für so kostbar.« Später einmal schrieb er: „Mehr noch als die Pfeife des Pfarrers, stellt selbst das monotone und mechanische Beten des Rosenkranzes eine beruhigende Harmonie her.«

„Der Mittelpunkt unseres Glaubens ist Christus, der Erlöser des Menschen«, mahnte Papst Johannes-Paul II. am 16. Oktober 2002 bei einer Generalaudienz. „Maria verdunkelt ihn nicht; sie verdunkelt auch sein Heilswerk nicht... Gibt es ein besseres Instrument, das Antlitz Christi mit Maria zu betrachten, als das Rosenkranzgebet? Wir müssen allerdings die in der Einfachheit dieses Gebets eingeschlossene mystische Tiefe wiederentdecken, an der die Volkstradition so hängt. In seiner Struktur ist dieses Mariengebet nämlich vor allem eine Besinnung auf die Geheimnisse im Leben und Werk Christi. Indem wir die Anrufung Ave Maria immer wieder wiederholen, können wir die wesentlichen Ereignisse der Mission des Gottessohnes auf Erden, die uns durch das Evangelium und die Tradition überliefert sind, tiefer in uns verankern.«

Das Gebet, insbesondere der Rosenkranz, öffnet uns für die Hoffnung. Papst Johannes-Paul II. schrieb in Bezug auf La Salette: „Unsere Liebe Frau bittet darum, dass ihre Botschaft durch das Zeugnis zweier Kinder 'an ihr ganzes Volk' weitergegeben wird. Und deren Stimme findet wirklich schnell Gehör. Es kommen Pilger; viele Leute bekehren sich. Maria war in einem Licht erschienen, welches den Glanz der durch die Auferstehung Christi verklärten Menschheit heraufbeschwor: La Salette ist eine Botschaft der Hoffnung, denn unsere Hoffnung stützt sich auf die Fürsprache der Mutter aller Menschen. Brüche sind nicht unheilbar. Die Nacht der Sünde weicht dem Licht und der Barmherzigkeit Gottes. Das angenommene menschliche Leiden kann zur Reinigung und zum Heil beitragen« (6. Mai 1996).

Sechs Pence Strafe

Darrebergs Aufzeichnungen berichten von mehreren Bekehrungen. Neben seiner eigenen auch von der Bekehrung eines Mechanikers: „5. April 1942: Ostern. Der Mechaniker sagte zu mir: 'Ich gehe immer zu Ostern und zu Weihnachten in die Kirche. Dann kommen auch noch Sie; das gibt einem schon zu denken, diese Medaille (Unserer Lieben Frau von La Salette), diese Geschichte, die Sie den Kameraden erzählt haben.' Er ging zur Beichte, zur Kommunion. Zum ersten Mal nach 20 Jahren. Der Pfarrer musste zugeben, dass diese Gottesmutter von La Salette großartig ist.« Einige Tage später kam der Mechaniker zu Darreberg: „Es gibt etwas, was Sie sehen müssen.« In seiner geräumigen Werkstatt hing ein Plakat, auf dem zu lesen stand: „Von jetzt an ist es verboten, bei der Arbeit zu fluchen. Strafe: sechs Pence für die Whisky-Kasse.« Das war seine Art, die Empfehlung der Allerseligsten Jungfrau Maria in Bezug auf das Fluchen umzusetzen.

Noch erstaunlicher war die Bekehrung eines anderen Jagdfliegers namens Norton. „Norton ist das größte As der Gruppe«, schrieb Darreberg. „Aber ein gewöhnlicher und skeptischer Geist. Er fragte mich: 'Was bedeutet dieses Datum, der 19. (Erscheinung von La Salette am 19. September)?' Ich wollte Ausflüchte machen, aber ich dachte: 'Ihr werdet es an mein ganzes Volk weitergeben.' Also erklärte ich es ihm kurz. Er sagte höhnisch: 'Ich hätte Sie nicht für so dumm gehalten.' Das war ein bisschen schwer zu schlucken. Ich habe nichts weiter gesagt. - 25. Dezember 1941: Weihnachten. Was aus so einem Tag werden kann, wenn man das Jesuskind davongejagt hat! Norton war ekelhafter denn je. Ich verließ den Tisch. Er sagte: 'Die Feiglinge machen sich davon, das Wetter wird umschlagen.' Ich zwang mich, die Tür nicht laut zuzuknallen.«

Am 14. April 1942 nutzte Norton das Durcheinander bei einem Luftkampf, um auf Darreberg zu schießen; einen Augenblick später rettete ihm dieser das Leben, indem er seinen Verfolger abschoss. Abends am Stützpunkt: „Norton kam auf mich zu: 'Darreberg, ich habe auf Sie geschossen.' - 'Warum?' - 'Ich habe Sie gehasst.' - 'Und nun?' - 'Sie haben mir das Leben gerettet. Entschuldigen Sie.' Wir reichten uns die Hand. Danke, Unsere Liebe Frau von La Salette.« Am 13. Juni wurde Norton von feindlichen Kugeln getroffen. „14. Juni: Norton ist verloren. Amputation beider Beine und des rechten Armes. Mit letzter Kraft bat er mich: 'Geben Sie mir Ihre Medaille. Nicht zum Gesundwerden. Nur um nicht wie ein Hund zu krepieren.' Sein Gesicht war schmerzverzerrt. 'Was hat sie gesagt, Darreberg, ich will es jetzt wissen, bevor ich sterbe.' Es ist nie zu spät ... 'Ich habe noch nie gebetet', gestand Norton. 'Wie macht man das? Ich habe mich immer darüber lustig gemacht.' - 'Sind Sie getauft?' - 'Nein, aber ich will, ich will, wie Sie ... Darreberg, ich wollte Sie umbringen. Ich bitte Sie um Vergebung. Sagen Sie, dass Sie mir vergeben.' Der katholische Geistliche kam und spendete Norton das Sakrament der Taufe. Danach sagte die Krankenschwester zu ihm: 'Ich gebe Ihnen ein bisschen Morphium, damit Sie schlafen können.' - 'Nein. Danke. Lassen Sie mich bis zum Schluss leiden. Ich muss bezahlen, ich muss bezahlen.' - Bis Morgen, mein lieber Norton. - 'Vielleicht ... Sagt den Kameraden ... Sagt Ihnen, dass ich alles vergebe.' Der Priester kam zu der Einsicht: 'Die Gottesmutter ist eine große Seelendiebin. Sie haben es gesehen: Sie ist geschickter als der Teufel!' - 15. Juni: Norton ist heute Morgen gestorben. Die Krankenschwester sagte mir, er hätte die ganze Nacht nach mir gerufen und immer wieder versichert: 'Ich glaube wie Darreberg. Ich will die Weizenberge.' Dann hätte ihm die Schwester Morphium gegeben, und er sei eingeschlafen. Vor kurzem hätte er noch einmal aufgeblickt und gemurmelt: 'Da ist die Dame vom Berg. Sie lächelt. Sie weint nicht. Warum hat Darreberg gesagt, sie würde weinen?' Das waren seine letzten Worte. Er ist gerade gestorben.«

„Eine großartige Freude wartet auf mich!«

Im März 1943 wurde Darreberg verletzt. Erst nach einer mehrmonatigen Rekonvaleszenz nahm er seinen Dienst wieder auf. Am 19. Januar 1944 kehrte er nicht zum Stützpunkt zurück. Später erzählte der Mechaniker: „Vor dem Start an jenem Tag sagte er zu mir: 'Adieu, lieber Freund!' - 'Es ist Ihr 19.!', antwortete ich. 'Sie werden Glück haben!' Seine Antwort werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen: 'Heute, mein Alter, wartet eine großartige Freude auf mich!' Sein Blick brannte, und ich begriff nicht, was diese Flamme bedeutete. Er setzte ein schönes Lächeln auf. Ich hörte seine Motoren noch einmal aufheulen. Alles lief sehr glatt. Normalerweise startete er ein bisschen langsam, eher zögerlich. An diesem Tage wurde er regelrecht vom Himmel verschluckt, als würde er an einer Schnur nach oben gezogen.« Niemand hat je erfahren, wie Darreberg umkam. Doch ist diese Frage so wichtig? Für ihn war der Tod nicht mehr der Tod, sondern die kindliche Vorfreude auf das Treffen mit seiner himmlischen Mutter, die Freude des treuen Knechtes, der von der Himmelskönigin den Lohn für seine Mühen erhält: „Wenn man im Dienst der Heiligen Jungfrau arbeitet«, notiere er kurz zuvor am 10. Januar in sein Tagebuch, „begleicht sie ihre Schulden mit der Großzügigkeit einer Königin und dem Zartgefühl einer Mutter.«

„In La Salette hat Maria die Beständigkeit ihrer Gebete für die Welt klar bewiesen. Sie wird die Menschen nie im Stich lassen, die nach Gottes Bild und Ähnlichkeit erschaffen worden sind und die Kinder Gottes werden durften (S. Joh 1,12)« (Johannes-Paul II., 6. Mai 1996). Lasst uns voll auf Maria vertrauen!

Dom Antoine Marie osb

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