Blason  Abtei Saint-Joseph de Clairval

F-21150 Flavigny-sur-Ozerain

Frankreich


[Cette lettre en français]
[This letter in English]
[Deze brief in het Nederlands]
[Esta carta en español]
1. November 2002
Allerheiligen


Lieber, verehrter Freund der Abtei Saint-Joseph,

Die Ehre der Seligsprechung einem Hospitalitermönch zu erweisen, der mehrfach an nervöser Depression erkrankt gewesen ist, mag ein auf den ersten Blick überraschender Akt sein. Doch als Papst Johannes-Paul II. am 4. Mai 1997 Pater Enrico Rebuschini seligsprach, war das für viele Männer und Frauen unserer Zeit, die entweder in ihrer eigenen Person oder in ihrer Umgebung mit ähnlichen Prüfungen konfrontiert werden, ein Trost.

Enrico wurde am 28. April 1860 in Gravedona am Comer See in Norditalien geboren. Sein Vater Domenico, oberster Steuerinspektor für die Provinz Como, stand der Religion ablehnend gegenüber: Zwar begleitete er seine Frau bis zur Kirchentür, blieb jedoch selber draußen. Enricos Mutter Sofia, eine vorbildliche Christin, stammte aus Livorno in der Toscana. Aus der Familie gingen fünf Kinder hervor. Enrico war das zweite. Da er nach Beendigung seiner Gymnasialausbildung wegen des väterlichen Widerstandes seiner Neigung zum Klosterleben nicht folgen konnte, schrieb er sich an der Mathematischen Fakultät in Padua ein. Er war ein ruhiger und wohlerzogener Junge; an der Fakultät, deren Kirchenfeindlichkeit bei ihm Erbitterung und Abscheu hervorrief, hielt er es nur ein Jahr aus.

Nach Como zurückgekehrt, absolvierte er seinen Militärdienst im Rahmen eines Freiwilligenjahres. In seiner Freizeit zog er sich gerne zum Gebet und guter Lektüre zurück. Danach absolvierte er die Militärschule von Mailand und ging aus ihr als Unterleutnant der Reserve hervor; von seinen Vorgesetzten geschätzt, wurde er zu einer militärischen Laufbahn ermuntert. Doch Enrico kehrte lieber in die Familie zurück und machte eine Buchhalterausbildung, die er 1882 mit einem hervorragend benoteten Diplom abschloss.

«Mit schmerzlich verkrampften Herzen»

Der Mann seiner Schwester Dorina, der 45 km nördlich von Como eine Seidenweberei leitete, nahm ihn bei sich auf und betraute ihn mit einem Verwaltungsposten. Zwischen Enrico und dem Haushalt seiner Schwester herrschte ein hervorragendes Einvernehmen. Nach Ablauf von drei Jahren deuteten jedoch einige Zeichen darauf hin, dass der junge Mann sich in Schwierigkeiten befand. In seinen Augen stand Traurigkeit zu lesen. Er vertraute seinem Vater an, dass diese Arbeit in Handel und Industrie ihm nicht lag. Er war 24 Jahre alt, als er seinem Schwager schrieb: «Der Gedanke, dass man immer eher eine Belastung bleibt, denn eine brauchbare Hilfe wird ..., und die Tatsache, dass meine Eltern solange nicht ruhig sein können, wie ich auf einem Weg weitergehe, der meiner Natur nicht liegt (und der mich unglücklich macht), all das hat mich schließlich zu der Überzeugung gebracht, dass ich um Papas und Mamas willen, aber auch um deinet- und meinetwillen darauf verzichten sollte. Ich sage dir das mit schmerzlich verkrampftem Herzen» (9. August 1884).

Enricos Schwierigkeiten rührten nicht von einer Berufswahl her, die seinen Talenten und Neigungen widersprach, sondern von seinem nach wie vor vorhandenen Hang zum Klosterleben, dem jedoch die starke Ablehnung seines Vaters entgegenstand. Trotz aller Bemühungen, sein Schicksal anzunehmen, fiel er bald in einen Zustand moralischer Niedergeschlagenheit; er magerte so ab, dass man meinte, er hätte gerade eine schwere Krankheit überstanden. Im Sommer 1884 schließlich «ergab» sich der Vater nach langen Diskussionen mit dem Sohn und auf das Eingreifen des seligen Don Luigi Guanella hin, der in allen Klöstern Comos für Enricos Berufung beten ließ.

Drei Monate, nachdem er seine Stelle aufgegeben hatte, schrieb sich Enrico an der Gregoriana-Universität in Rom ein, um dort mit Erfolg kirchliche Studien zu betreiben. Er erwarb sich die Hochachtung seiner Professoren. Er empfing die niederen Weihen mit dem Prädikat: «Erbauliches Betragen von gutem kirchlichem Geist». Gegen Ende des Jahres 1885 wurde er von seinen Eltern und seiner Tante Maddalena in Rom besucht; sie waren glücklich, ihn zufrieden und heiter vorzufinden. Maddalena schrieb in ihr Tagebuch: «Enrico ist zufrieden und ruhig. Ich verstehe, wie er sich so fühlen kann. Er ist sicher, auf dem ihm von Gott vorgezeichneten Weg zu sein».

In der Presse

Plötzlich tauchte ein unvorhergesehenes Hindernis auf: Vom März 1886 bis zum Mai 1887 wurde Enrico von einer schweren nervösen Depression erfasst. Als sehr großzügiger Mensch mit einem Pflichtbewusstsein, das keine Halbheiten zuließ, sah sich Enrico zu übertriebenen Bußübungen genötigt, ohne seine Zerbrechlichkeit hinreichend zu berücksichtigen. Er hätte vielmehr eine bessere Ernährung gebraucht. Doch er bemühte sich, die asketischen Vorbilder, die er in seiner Umgebung bemerkte, nachzuahmen, ja zu übertreffen, und kam dadurch in einen Zustand nervöser und geistiger Erschöpfung, die häufig Depressionen nach sich zieht. Wenn die heilige Teresa von Avila in ein Karmelitinnenkloster kam und dort Spannungen und spirituelle Kämpfe vorfand, verlangte sie schon seinerzeit, dass jede einzelne Nonne eine Stunde länger schlafen solle! Denn Müdigkeit mindert unsere Widerstandskraft, schwächt uns und erhöht unsere Verletzlichkeit. Eine der Waffen, deren sich der Teufel im spirituellen Kampf bedient, besteht darin, uns unter dem Deckmantel des Guten zu überfordern.

Enrico kehrte zu seiner Familie zurück. Er brachte auch einen Klinikaufenthalt hinter sich. Im Tagebuch Maddalenas finden sich folgende Bemerkungen: Das sind «die Momente, in denen die Hand Gottes schwerer über uns lastet und uns in den Schmerz getaucht hat ... Wie viele Monate des Schweigens und des Leidens in diesem Moment. Möge Gott dem ein Ende setzen und uns unseren Schatz wiedergeben». Acht Jahre später schrieb Enrico über diese Zeit: «Ich wurde zur Kur geschickt; dort stellte Gott meine Gesundheit wieder her, indem er mir vollkommenes Vertrauen auf seine unendliche Güte und Barmherzigkeit schenkte.»

Eine große spirituelle Kraft

Noch bevor Enrico seiner Berufung zum Hospitalitermönch folgte, hatte er erfahren, was Leiden heißt. Er könnte heute mit Papst Johannes-Paul II. sagen: «Auch ich kenne das Leiden, das durch physisches Unvermögen hervorgerufen wird, die der Krankheit eigene Schwäche, den Mangel an Kraft für die Arbeit und das Gefühl, nicht in Form zu sein, um ein normales Leben zu führen, aus eigener persönlicher Erfahrung. Aber ich weiß auch und möchte es begreiflich machen, dass dieses Leiden auch einen erhabenen Aspekt hat: Es schenkt eine große spirituelle Kraft, denn das Leiden ist eine Reinigung für sich und für die anderen, und wenn es christlich erlebt wird, so kann es sich in eine dargebrachte Opfergabe verwandeln, um an seinem eigenen Fleisch das zu ergänzen, was an den Drangsalen Christi für seinen Leib, der die Kirche ist, noch aussteht (vgl. Kol 1,24). Euch, liebe Kranke aus allen Ecken der Welt, möchte ich die lebendige und tröstende Gegenwart des Herrn verkünden. Eure durch einen unerschütterlichen Glauben angenommenen und akzeptierten, mit Christus vereinten Leiden gewinnen einen außerordentlichen Wert für das Leben der Kirche und das Wohl der Menschheit» (Botschaft zum 1. Welttag des Kranken am 11. Februar 1992).

Im Mai 1887 war die Krise überwunden und Enrico völlig genesen. Er sollte zwar Rückfälle erleiden, doch diese waren weniger lang und weniger schwer. Spezifische Arzneien für diese Art von Krankheiten gab es damals noch nicht; die Heimsuchung wurde durch eine fortschreitende bessere Erkenntnis Gottes überwunden, die ein auf Vertrauen gegründetes Kindschaftsverhältnis nach sich zog. Der beste Zug in der Spiritualität unseres Seligen wurde fortan die Betrachtung des unendlichen Ozeans der Barmherzigkeit im heiligsten Herzen Jesu sowie der mütterlichen Zärtlichkeit unserer Mutter, der Seligsten Jungfrau Maria, die von der Kirche unter dem tröstlichen Titel «Salus infirmorum» (Heil der Kranken) angerufen wird.

Während des Sommers 1887 war Enrico am Krankenhaus von Como beschäftigt. Doch schon bald danach wurde er freundlich weggeschickt, weil er, statt seinen Dienst zu versehen, seine Zeit in den Krankensälen am Bett der Ärmsten und Bedürftigsten sowie der isolierten Kranken zubrachte und für sie bis zum letzten Pfennig all sein Hab und Gut opferte, sogar seine eigene Leibwäsche; er machte immer häufiger auch Hausbesuche bei Armen und Kranken. Im Kontakt mit diesen Leiden erwachte seine Berufung zum Hospitalitermönch.

Maria anvertraut

In einem Heft in dem er sein spirituelles Programm notierte, schrieb er: «Die Seligste Jungfrau, der ich mich anvertraut hatte, damit sie eine meiner Schwäche entsprechende Beschäftigung für mich finde, hat mir einen Posten in der Verwaltung des Zivilkrankenhauses besorgt, wo ich jeden Tag einige Stunden arbeitete; die restliche Zeit verbrachte ich allein mit Frömmigkeitsübungen...; da mein geistlicher Vater sah, dass ich so nicht weitermachen konnte, und da ich mich zum Klosterleben berufen fühlte, schlug er mir den Orden des heiligen Kamillus vor. Ich tat es ohne Diskussion: Ich trat in den Orden ein.» Die Lektüre des Lebens des heiligen Kamillus bestärkte Enrico in seiner Entscheidung.

Der 1550 im Königreich Neapel geborene Kamillus von Lellis war zunächst Berufssoldat, verfiel jedoch bald dem Laster und landete schließlich im San-Giacomo-Hospital in Rom. Zutiefst bewegt von dem Elend, in dem die Kranken dahinvegetierten, wurde er freiwillig Pfleger und scharte dann einige Kameraden um sich, die die «Gesellschaft der Diener der Ärmsten» oder der Kamillianer bildeten. Kamillus litt selbst an Magen- und Kopfschmerzen, an Steinkrankheiten, und fast ständig an Geschwüren und Furunkeln; er schritt als Kranker unter Kranken durch die Säle und hatte ein offenes Ohr für die Nöte eines jeden. Er starb am 14. Juli 1614 in Rom. Die Kirche ernannte ihn zum Patron der Krankenhäuser, der Kranken und der Hospitaliterinnen.

Enrico Rebuschini trat am 27. September 1887 im Alter von 27 Jahren in den Orden der Kamillianer in Verona ein. Die erste Haltung, die er sich vorgenommen hatte, war die der Liebenswürdigkeit. Diese recht notwendige Tugend fiel ihm nicht leicht. Er verfügte bereits über Erfahrungen im Berufsleben, während seine Novizengefährten noch in einem jugendlichen Alter waren, die Freiheit, die Entspannung und den Lärm liebten und ernsthafte Gedanken rasch in amüsante Wortspiele zu verdrehen pflegten. Er bemühte sich also um ein positives Urteil über die Anderen, trotz deren Fehler bzw. irritierender Verhaltensweisen. Bisweilen fiel ihm dieses Ideal schwer: «Ich lasse mich zu Regungen der Antipathie vor allem gegen einen meiner heiligen Gefährten hinreißen. Manchmal befragt er mich zu meinen Studien und, anstatt ihm milde zu antworten und an nichts anderes zu denken, als seinem Ansinnen mit Liebenswürdigkeit zu entsprechen, antworte ich ganz gereizt auf diese Frage: 'Ich möchte, dass du mich nach nichts fragst'; all das ist eine Frucht der Hochmut, vereint mit einem Mangel an Verbundenheit mit den Meinen in der Liebe. Ich möchte an nichts anderes denken als daran, in jedem Moment das Bestmögliche zu tun.» In der Wirklichkeit des Alltags wurde sein Entschluss zur Liebenswürdigkeit oft genug durch die Versuchung vorschnellen Urteilens und durch Gefühle der Antipathie torpediert ... Doch er ließ sich durch diese Kämpfe nicht entmutigen; er besann sich erneut auf seine Absicht, im Anderen den Tempel Gottes zu sehen, betrachtete das Kreuz und machte sich von neuem mutig an die langsame Arbeit der Besänftigung seines Herzens.

Rückfälle

Seine gute Gesinnung brachte ihm die Wertschätzung seiner Vorgesetzten ein; sie ließen ihn unter Berücksichtigung seiner bereits in Rom absolvierten Studien noch während des Noviziats am 14. April 1889 zum Priester weihen. Der Bischof von Mantua, der ihm das Weihesakrament spendete, war Giuseppe Sarto, der spätere Papst Pius X., ein Freund der Kamillianer. Das ewige Gelübde Enricos wurde am 8. Dezember 1891 abgelegt. Doch Pater Rebuschini sollte erneut einen Anfall von nervöser Depression erleiden. Diese Rückfälle waren auf seinen Hauptfehler zurückzuführen: seinen Perfektionismus, der ihn ohne Rücksicht auf seine nervöse Gebrechlichkeit zu einem spirituellen Engagement drängte. In den Jahren 1890-1891 erlebte er wieder eine Depression und litt viel unter einer spirituellen Anfechtung: er war stark versucht, sich für verdammt zu halten. Seine Ernennung zum Krankenhausseelsorger ließ ihn sein Gleichgewicht und seine Gelassenheit wiederfinden und half ihm, sich selbst zu vergessen und sich den Nöten der Anderen zuzuwenden. 1895 zeichnete sich eine weitere Krise ab. Nach seiner Ernennung zum stellvertretenden Novizenmeister und zum Theologieprofessor hielt er sich aus mangelndem Selbstvertrauen für unfähig, diese Aufgaben zu erfüllen. Die Folge war ein Zustand ständiger Anspannung. Seine Vorgesetzten mussten ihn von diesen Ämtern befreien, und er fand bald sein Gleichgewicht wieder. 1922 zog eine lange Zeit schwerer Verantwortung und großer Arbeitsüberlastung eine letzte Depression nach sich, die jedoch in einigen Monaten überwunden werden konnte.

Angesichts dieser depressiven Verstimmungen könnte man meinen, Pater Enrico sei von einem melancholischen und zögerlichen Temperament gewesen. Doch man darf nicht vergessen, dass zwischen den Krisen von 1895 und 1922 gut zwanzig Jahre normaler Arbeit lagen, in denen er auch schwere Verantwortung übernahm und ihr stets bewundernswert und mit großer Hingabe gerecht wurde. Von 1922 bis zu seinem Tod 1938 machte er dann sechzehn Jahre lang mehr denn je den Eindruck soliden Ausgeglichenseins und voller Gelassenheit. Pater Josef Moar, der in den letzten sieben Jahren seines Lebens sein Gefährte war, sagte beim Seligsprechungsprozess aus, er hätte erst aus den Biographien von den vergangenen Depressionen des Paters Rebuschini erfahren. «Als ich ihn kennenlernte, war er völlig ausgeglichen und sich immer gleich. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, er könnte Depressionen gehabt haben.»

Durch diese Leiden hatte Pater Enrico sich in den Grundsätzen christlicher Weisheit üben können, die der Heilige Vater, Johannes-Paul II. den Kranken gegeben hat: «Liebe Kranke, ich möchte in eurem Gedächtnis und in eurem Herzen drei kleine Lichter zurücklassen, die mir kostbar erscheinen. Welcher Art euer Leiden auch sei, physisch oder moralisch, persönlich oder familiär, oder auch apostolisch, d.h. kirchlich, zunächst ist es wichtig, dass ihr es klar zur Kenntnis nehmt, ohne es zu verkleinern oder zu vergrößern, und zwar mit allen Gefühlsbewegungen, die dieses Leiden in eurem menschlichen Empfinden hervorruft: Scheitern, Sinnlosigkeit eures Lebens usw. Dann müsst ihr auf dem Wege des Annehmens weitergehen. Ja, annehmen, dass es so ist, nicht aus mehr oder minder blinder Resignation, sondern weil der Glaube uns versichert, dass der Herr aus dem Schlechten das Gute hervorbringen kann und will. Schließlich bleibt noch die schönste Geste zu machen: die Opferung. Das aus Liebe zum Herrn und zu unseren Brüdern dargebrachte Opfer erlaubt uns, einen mitunter sehr hohen Grad der Kardinaltugend der Liebe zu erreichen. Ist das nicht die paradoxe Lehre der Evangelien: Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird das Leben finden?» (Botschaft an die Kranken, Lourdes, am 15. August 1983).

Man konnte ihm nicht widerstehen

1890 wurde Pater Enrico zum Seelsorger an den Militär- und Zivilkrankenhäusern von Verona ernannt. Er wurde von den Angestellten und den Nonnen, aber auch von den Soldaten wie ein Heiliger verehrt. Seine Heiligkeit an sich war die stillste, die man sich bei einem Geistlichen vorstellen kann; sie gründete nicht in spektakulären Aktionen, sondern in erster Linie in der Vorbildhaftigkeit seines Lebens im Dienste der Kranken. In seinem Apostolat verfügte er über die Gabe, die verstocktesten Herzen anzurühren. Das wurde vom Pfarrer von Vescovato bezeugt: «Ich befand mich mehr als einmal mit dem Pater Enrico am Lager eines Kranken. Es kam vor, dass meine Pfarrkinder, denen ich zu Hause die Sakramente nicht habe geben können (die Gemeinde von Vescovato hatte damals den Ruf, 'schwierig' zu sein), mit Gelassenheit und Freude beichteten und die Kommunion empfingen, sobald sie in der Klinik waren: Wenn ich sie fragte, wie sie sich dazu haben entschließen können, antworteten sie, bei einem Priester wie Pater Enrico hätte man keinen Widerstand leisten können, weil er mit seinen Worten und seiner Haltung überzeugte.»

Der Erfolg Pater Rebuschinis bei den Seelen erklärt sich aus seiner Vereinigung mit Gott insbesondere durch die fromme Zelebrierung der heiligen Messe, durch das inbrünstige Beten des Breviers, die Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes und eine bemerkenswerte Liebe zur Seligsten Jungfrau Maria. Beugte er die Knie, so geschah das mit großem Respekt. Bei der Elevation der Hostie während der Messe pflegte er einen Moment in Anbetung zu verharren.

Anfang Mai 1899 wurde Pater Enrico in das Kloster von Cremona entsandt. Im folgenden Jahr wurde er von seinem Vorgesetzten zusätzlich zum Verwalter seines Klosters ernannt. Als Mann des inneren Lebens und des Gebets erfüllte Pater Enrico diese Aufgabe, die ihm widerstrebte, nur, um den Willen Gottes auszuführen. In gewöhnlichen Zeiten musste er die verschiedenen Produkte einkaufen, Wasser- oder Strompannen beheben, den Betrieb der Operationseinheit der Klinik sichern usw. Doch im Laufe der Jahre mangelte es auch nicht an außergewöhnlichen Arbeiten: Renovierung der Küche, Erneuerung des Dachs, Installation einer Zentralheizung, ohne die Schwierigkeiten mitzuzählen, die sich aus dem Konkurs der Bank ergaben, in der die bescheidenen Ersparnisse der Gemeinschaft deponiert waren...

Grundsätzlich optimistisch

Die Verwaltung Pater Enricos war von bestimmten Prinzipien geprägt, von denen sein Nachfolger im Amt des Verwalters berichtete: «Er brachte mir Vorsichtskriterien bei, um die Verwaltung des Hauses zu leiten: Er wollte zum Beispiel, dass man immer gute Ware kaufte, um die Kranken gut zu versorgen, und dass man sofort bezahlte ... Er war grundsätzlich optimistisch in seinem Urteil über die Anderen und fand sich nur widerwillig damit ab, bei seinem Nächsten Böses festzustellen. Er entschuldigte immer seine Absicht.» Ein Anwalt berichtet: «Der Pater suchte mich in Cremona auf, um meine professionellen Dienste in einer Zivilsache in Anspruch zu nehmen; es ging um eine Erbschaft zu Gunsten der Klinik San Camillo, deren Gültigkeit von den Erben angefochten wurde ... Ich hatte mehrfach Gelegenheit, den Pater zu sehen und mit ihm zu verhandeln. Er schien mir immer von außerordentlicher Einfachheit und von einer ebenso ungewöhnlichen Losgelöstheit von irdischen Dingen und Interessen zu sein ... Ich erinnere mich an den erbaulichen Eindruck, den ich davon bekam, als ich mich mit dieser Erbschaftssache zu befassen hatte. Er bewies, dass er die Interessen des Hauses wahrte, doch gleichzeitig zeichnete er sich durch seine gütige Handlungsweise und das völlige Fehlen jeder Streitsucht aus.»

Aufmerksam für die Leidenden

Pater Rebuschini hatte das Amt des Verwalters 35 Jahre lang bis 1937 inne. 1938 jedoch begannen seine Kräfte nachzulassen. Er war 78 Jahre alt. Seine letzten Tage waren von vorbildlicher Gelassenheit und einer völligen Hingabe an die göttliche Vorsehung gekennzeichnet. Nachdem der Pater in den ersten Maitagen das Krankensakrament empfangen hatte, bat er alle um Vergebung für die schlechten Beispiele, die er gegeben haben könnte, für seine Unvollkommenheiten, für alles, was Anstoß hatte erregen können. Er bat auch darum, dass man für ihn beten möge und überließ Gott die Bewertung seines vergangenen Lebens. Am 9. Mai um 6 Uhr zelebrierte Pater Vanti die Messe in seinem Zimmer. In dem Augenblick, in dem er die Kommunion empfing, breitete der Sterbende seine Arme aus und empfing den Leib des Herrn mit sehr großer Frömmigkeit, dann verschränkte er die Arme und versank in Gebet. Die erhabenste Begegnung mit seinem geliebten Herrn fand am 10. Mai um 5 Uhr 30 statt. «Sein Vorbild», sagte der Heilige Vater bei seiner Seligsprechung, «stellt für alle Gläubigen einen dringlichen Appell dar, für die Kranken und Leidenden an Leib und Geist aufmerksam zu sein.»

Durch die Fürsprache des seligen Enrico Rebuschini beten wir für Sie, für alle, die Ihnen teuer sind, für alle, die mit in der gegenärtigen Welt so verbreiteten nervösen Schwächen und Krankheiten zu kämpfen haben, und für all Ihre Anliegen.

Dom Antoine Marie osb

Die Veröffentlichung des Rundbriefes der Abtei St.-Joseph de Clairval in einer Zeitschrift, oder das Einsetzen desselben auf einem ,,web site" oder einer ,,home page" sind genehmigungspflichtig. Bitte wenden Sie sich dafür an uns per E-Mail oder durch http://www.clairval.com.

Index der Briefe  - Home Page

Webmaster © 1996-2017 Traditions Monastiques